KVP – auch eine Frage für Ferienjobber (Teil 1)?

Ferienjob

Dieser (und der nächste Artikel) zeigt ein paar Einsichten in den KVP & Co. aus der Perspektive eines Ferienjobbers. Ursprünglich war das als Podcast-Episode geplant, jetzt sind halt zwei Blog-Artikel daraus geworden. Trotzdem wurde die Interview-Form beibehalten.

Frage: Du hast ja den Ferienjob jetzt schon zum dritten Mal gemacht. Erzähl mal ein bisschen darüber, wie es beim ersten Mal und den Folgemalen losging, welche Tätigkeiten Du gemacht hast und wie Du in die Aufgaben eingeführt worden bist?

Antwort: Meine erste Erinnerung an das erste Jahr dort ist, dass alles ziemlich chaotisch ablief. Ich kam am ersten Tag dort an, wurde in meine Abteilung gebracht und dort musste dann erst mal eine Aufgabe für mich gesucht werden. An den Tagen danach ging es dann ganz ähnlich weiter. Teilweise stand ich morgens 15 bis 20 Minuten vor einem Büro herum und habe dort auf den Meister gewartet, weil sonst niemand wusste, was ich tun sollte. 
Nach ein oder zwei Wochen haben sie dann gemerkt, dass wir eigentlich zu viele Ferienjobber für die zu wenig Arbeit waren und ich wurde in eine andere Abteilung geschickt. Dort gab es dann tatsächlich mehr für mich zu tun.

Die ersten beiden Male wurde ich über Sicherheit, Arbeitsschutz und Ähnliches vom jeweiligen Meister bzw. einem Schichtleiter informiert, was eher halbherzig passierte und beim zweiten Mal auch erst gemacht wurde, nachdem ich schon ein paar Tage dort war. In diesem Jahr lief das dann ein bisschen geordneter ab, indem alle, die für einen Ferienjob im Betrieb waren, zusammen in einem Konferenzraum die Informationen bekommen haben.

Frage: Wie wurde Dir erklärt, auf was es bei den Tätigkeiten ankommt und auf was Du speziell zu achten hast?

Antwort: Im Allgemeinen ist mir aufgefallen, dass es ziemlich unterschiedlich war und von den jeweiligen Kollegen abhing, wie gut ich in meine Aufgaben eingewiesen wurde. Wenn es nur darum ging, die Verzahnung irgendwelcher Teile abzustecken, gab es natürlich nicht allzu viel zu erklären, aber der Umgang mit Messgeräten hätte besonders im ersten Jahr besser gezeigt werden können. 
Eine Zeit lang habe ich im zweiten Jahr damit verbracht den Rundlauf von bestimmten Teilen zu richten und die Maschine, die ich dafür benutzen musste, wurde mir mit den Worten „Das musst du ein bisschen üben und irgendwann hast du ein Gefühl dafür, wie sehr du drücken musst.“ gezeigt. Ich weiß nicht, ob es wirklich eine bessere Möglichkeit gegeben hätte, hatte aber den Eindruck das „irgendwann hast du dann ein Gefühl dafür“ bei vielen Dingen alles war, was die jeweiligen Kollegen mir zu den Tätigkeiten sagen konnten. 
In diesem Jahr habe ich die meiste Zeit direkt mit einem Kollegen zusammengearbeitet, der als Zeitarbeiter in dem Unternehmen war und da wurde ziemlich deutlich, dass sich wenig Gedanken um die Einarbeitung der Ferienjobber gemacht wurde. Meine Hauptaufgabe – Rohteile auf ein Fließband legen – brauchte nicht viel Erklärung, aber wenn der Kollege in der Pause war, sollte ich seine Tätigkeit übernehmen und die Teile ansehen und fehlerhafte Teile aussortieren. Allerdings wurde mir nie direkt gezeigt, wie die Beschädigungen aussehen konnten und wann genau die Kratzer klein genug waren, um sie mit Schleifpapier oder Stahlwolle zu beseitigen. Tatsächlich erwähnte der Kollege diese beiden Gegenstände in seinen Erklärungen am Anfang nicht ein einziges Mal und ich sah nur bei ihm, wofür sie verwendet wurden. In der letzten Woche hatte ich ein Teil aussortiert und er zeigte mir dann doch, dass ich den Kratzer einfach hätte entfernen können. Von da an hat er mir auch immer die Teile gezeigt, die er selbst aussortierte und in den letzten Tagen habe ich dann noch ein wenig Gefühl dafür bekommen, welche Teile sich noch retten ließen und welche nicht. Aber leider kam das eben ungefähr dreieinhalb Wochen zu spät.

„Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“

– Galileo Galilei

Frage: Du hast erzählt, dass im Unternehmen auch KVP gemacht wird. Jetzt bist Du schon dreimal in vier Jahren dort gewesen. Wie nimmst Du als Außenstehende mit Einblick das Thema wahr? Was hat sich in der Zeit während der vier Jahre dort verändert?

Antwort: Mir sind schon beim zweiten Mal, aber auch in diesem Jahr, große Magnettafeln aufgefallen, an die ein paar Informationskarten zu KVP aufgehängt worden waren. Allerdings wirkten diese Tafeln nicht so, als würden sie besonders beachtet oder anderweitig genutzt werden. Es gibt auf diesen Tafeln zum Teil auch einen Abschnitt mit dem Überschrift „Verbesserungsvorschläge“, aber zumindest in der Zeit, die ich dort war, war dieser Abschnitt leer. Falls Mitarbeiter also irgendwelche Verbesserungsvorschläge machen, dann wohl kaum auf diesem Weg.

Frage: Wie werden Mitarbeiter in den KVP einbezogen? Gibt es regelmäßige Runden?

Antwort: Als “Außenstehende” hab' ich davon nicht wirklich etwas mitgekriegt. Wenn so etwas wie KVP-Runden stattgefunden haben, dann vermutlich nur mit wenig oder gar keiner Einbeziehung der Mitarbeiter vor Ort. Es gab dann noch die Schichtübergaben, da hat ein Kollege bloß vorgelesen, welche Maschinenausfälle es akut gab und montags wurde kurz die vergangene Woche und die kommende Woche durchgesprochen. Das waren aber grad mal zwei, drei Sätze.

Frage: Du hast erzählt, dass es In diesem Jahr etwas Neues gab, es wurde bzw. wird Shopfloor Management eingeführt. Wie kommt das Thema bei den Mitarbeitern vor Ort an? Was denken bzw. sagen die Führungskräfte an der Linie darüber? Was verändert sich im Umgang der Menschen untereinander und mit ihren Tätigkeiten?

Antwort: Ich selbst war nur in der ersten Woche bei diesen Besprechungen, die dreimal in der Woche stattgefunden haben, dabei, da mein Kollege und ich in der anderen Abteilung nicht von unserem Arbeitsplatz am Fließband weggehen sollten, aber ich hatte den Eindruck, dass die Mitarbeiter es eher albern fanden und sich darüber lustig gemacht haben. Es wirkte auf mich nicht so, als hätten sie den Sinn dahinter verstanden und hielten die ganze Sache eher für unwichtig und/oder haben sich nicht dafür interessiert. Das hat sich dann zum Beispiel auch an fehlender Pünktlichkeit gezeigt. Bis alle da waren dauerte es schon mal bis zu fünf Minuten – eine ähnliche Situation gab es aber auch bei Schichtbesprechungen zwischen Früh- und Spätschicht.

In der zweiten Abteilung war ich dann ja bei den Treffen nicht anwesend, was ich zwar verstehen konnte, weil sechs bis acht Maschinen zum Stehen kommen, wenn niemand mehr am Fließband steht, aber ich habe mich dann schon gefragt, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, zumindest die Kollegen kurz darüber zu informieren, was besprochen wurde.


So weit der erste Teil von KVP & Co. aus Sicht eines Ferienjobbers. Nächste Woche geht es dann um Themen wie Verschwendungen bzw. unnötige Tätigkeiten, Logistik, Audits, einige begleitende Aspekte und ein Fazit.

Die Einarbeitung von Aushilfskräften ist übrigens ein Thema, das auch mit dem Job Instruction Training (JIT) des Training Within Industry (TWI) strukturiert gestaltet werden kann.

Frage: Wie werden Aushilfskräfte in die Abläufe einbezogen? Wie werden Aushilfskräfte in Ihrem Unternehmen eingearbeitet? Wie lassen sich KVP-Runden mit allen Mitarbeitern trotz Fließbandarbeit durchführen?

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