KVP – noch eine Frage der Herausforderungen

Herausforderung

Über das Thema Herausforderungen im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess habe ich schon einmal einen Artikel geschrieben. Darin ging es darum, woher die Herausforderungen kommen können, um im KVP auch Verbesserungen zu erreichen.

In nicht wenigen Fällen orientieren sich die Herausforderungen nur an der Vermeidung von Verschwendungen oder der Stabilisierung des aktuellen Prozesses. Die beiden Aspekte können zwar einen Einstieg in den KVP und “Material” für Verbesserungen liefern. Auf Dauer ergibt sich aber dadurch keine echter Fortschritt, sondern nur die Verfestigung des Ist-Zustands. Daraus entsteht mittel- und langfristig eine große Gefahr, weil die Verbesserungen zum Stillstand kommen, wenn der Ist-Zustand eine ausreichende Stabilität erreicht hat.

Besser als nur Verschwendungsvermeidung oder Prozessstabilisierung ausgehend vom Status-Quo anstreben, ist es also Ziele zu definieren, die jenseits dessen liegen, was im Rahmen des bekannten liegt.

Nur dadurch wird es möglich, dass echte und auch kontinuierliche Verbesserungen erreicht werden und der Verbesserungsprozess an sich auch konstant befeuert wird.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind Verschwendungsvermeidung und Prozessstabilisierung im Grunde nur Weg-von-Ziele, die zwar durch den damit verbundenen Schmerz sehr motivierend sein können, aber eben einen Mangel in der Nachhaltigkeit in sich tragen.

Echte Herausforderungen sind in meinen Augen immer Hinzu-Ziele, die sich an einer übergeordneten Vision orientieren, welche auch außerhalb des Unternehmenskontextes liegen.

Innerhalb des Unternehmenskontextes liegen Ziele wie Marktführungschaft, Umsatz- oder Gewinnsteigerung und ähnliches. Innerhalb bezieht sich in diesen Fällen auf die Perspektive. Meiner Meinung nach kann eine äußere Perspektive nur die des Kunden sein.

„Das etwas schwer ist, muss ein Grund mehr sein, es zu tun.“

– Rainer-Maria Rilke

Nur die konstante Steigerung des Kundennutzens ist eine Größe, die im Grunde keinen Zielpunkt kennt. Das mag zwar auch auf den zweiten Blick eine nicht endenwollende Herausforderung sein, aber genau darum geht es ja auch in diesem Artikel.

Sicherlich ist dieser Anspruch auch unbequem, ich kann mir aber keine sinnvolle Alternative vorstellen.

Dabei kann es auch schon eine Herausforderung sein, die Hintergründe für diese Vorgehensweise an die Beteiligten und Betroffenen zu kommunizieren. Das ist dann die eigentliche Führungsaufgabe und -verantwortung. Nur Aufgaben verteilen und Ergebnisse kontrollieren, ist in meinen Augen zu kurz gegriffen. Das mag vielleicht noch eine Management-Aufgabe sein, aber eben kein Inhalt einer Führungsrolle.

Das soll nun nicht bedeuten, dass die Management-Aufgaben und -Rollen in der Organisation überflüssig sind. Es wird in jeder Organisation einen Punkt geben, an dem ein Übergang von der einer zur anderen Rolle stattfindet.

Es ist dann auch Teil der Führungsverantwortung, diesen Übergang zu erkennen und mit ihm geeignet umzugehen. Dazu gehört dann auch, ihn nicht zu ignorieren und für die Notwendigkeit der konstanten Herausforderungen entsprechend durchlässig zu gestalten, damit alle Personen im Unternehmen von den notwendigen Hintergrundinformationen erreicht werden. Sei es das die Reichweite der Informationsvermittlung entsprechend gestaltet wird oder die Personen jenseits der genannten Schwelle geeignet befähigt werden, dass die Informationen über die Hintergründe der konstanten Herausforderungen im Sinne der Grundintension weitergeleitet werden. Hier spielt dann die Kontrolle wiederum eine Rolle, nämlich die Kontrolle, dass die Informationen entsprechend ankommen und verstanden werden.

Frage: Wie werden die Herausforderungen für den KVP in Ihrem Unternehmen kommuniziert? Welche Maßnahmen gewährleisten, dass das Grundverständnis für die Hintergründe jeden erreichen? Welche Folgen treten ein, wenn dies nicht der Fall ist?

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