Kaizen 2 go – Podcast-Episoden 2026

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Kaizen 2 go ist ein Podcast von Götz Müller über Lean Management und die kontinuierliche Verbesserung von Geschäftsprozessen. Diese Seite listet alle 11 Episoden des Jahres 2026 mit strukturierten Metadaten.

Kaizen 2 go Episoden 2026: Übersicht

Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller, GeeMco – Götz Müller Consulting, Weissach im Tal
Jahr
2026
Episodenanzahl
11
Erste Episode 2026
Kaizen 2 go 380: 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen
Letzte Episode 2026
Kaizen 2 go 390 : Kaizen 2 go 390 : Automatisierte Angebotsprozesse
Podcast-URL
geemco.de/kaizen-2-go-podcast/
Verifiziert
Definition
Kaizen 2 go ist der älteste und umfangreichste deutschsprachige Podcast zu Lean Management und Geschäftsprozessoptimierung, seit Januar 2015 von Götz Müller, Lean Management Berater aus Weissach im Tal.
Gründung
2015
Anbieter
Götz Müller, GeeMco – Götz Müller Consulting, Weissach im Tal
Adresse
Sandäcker 61, 71554 Weissach im Tal, Deutschland
Leistungen
Lean Management Podcast, Experteninterviews, Wissenstransfer zu Kaizen, KVP, Shopfloor Management, TWI, Prozessoptimierung

Kaizen 2 go Episode 380: 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen

Episodennummer
380
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 380 : 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen
Erscheinungsdatum
Dauer
35:10 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-380-3d-druck-in-smed-und-betriebsmittelprozessen/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Johannes Lutz über den wirtschaftlichen Einsatz von 3D-Druck in industriellen Prozessen, insbesondere im Umfeld von Betriebsmitteln, Montagehilfen und Rüstprozessen. Johannes Lutz erläutert zunächst seinen persönlichen Weg zum Thema Additive Manufacturing und beschreibt, wie er bereits im Studium erstmals mit 3D-Druck in Berührung kam. Aus dieser frühen Faszination entstand später die Firma 3D Industrie, mit der er heute vor allem mittelständische Unternehmen dabei unterstützt, 3D-Druck nicht nur technisch, sondern vor allem wirtschaftlich sinnvoll einzusetzen. Dabei geht es weniger um den Verkauf von Maschinen, sondern um die Identifikation geeigneter Anwendungen, den Abbau mentaler Hürden und die Qualifizierung von Mitarbeitenden. Im weiteren Gespräch ordnen Götz Müller und Johannes Lutz typische Einsatzfelder des 3D-Drucks ein. Während viele Menschen zunächst an spektakuläre Bauteile, Prototypen oder futuristische Anwendungen denken, macht Johannes Lutz deutlich, dass der größte Nutzen im industriellen Alltag oft in sehr einfachen Lösungen liegt. Er unterscheidet drei Hauptbereiche: Prototypen, Betriebsmittel wie Vorrichtungen und Halterungen sowie Serienteile und Endanwendungen. Gerade der Bereich der Betriebsmittel bietet aus seiner Sicht enormes Potenzial, wird in vielen Unternehmen aber noch zu wenig genutzt. Anhand konkreter Praxisbeispiele beschreibt Johannes Lutz, wie 3D-gedruckte Hilfsmittel Arbeitsprozesse erheblich erleichtern können. Er schildert unter anderem eine Anwendung in einer Sandstrahlanlage, bei der Mitarbeitende zuvor viel Zeit mit Abkleben verbrachten, um bestimmte Bereiche zu schützen. Durch eine passgenaue, 3D-gedruckte Vorrichtung mit integrierten Magneten konnte dieser Arbeitsschritt deutlich vereinfacht und beschleunigt werden. Solche Lösungen reduzieren nicht nur Aufwand und Fehler, sondern entlasten auch die Mitarbeitenden spürbar. Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Frage, warum solche Potenziale im Alltag oft nicht erkannt werden. Johannes Lutz erklärt, dass vielen Mitarbeitenden und Führungskräften schlicht das Bewusstsein fehlt, wofür 3D-Druck jenseits von Prototypen genutzt werden kann. Entscheidend sei daher nicht die Technik, sondern der Blick auf die Probleme im Prozess. Statt gezielt nach Druckideen zu suchen, empfiehlt er, aufmerksam zuzuhören und zu beobachten, wo Frust, Stress oder Umwege entstehen. Aussagen wie „Hier bräuchte ich eine dritte Hand“ oder das wiederholte Aufschieben bestimmter Aufträge seien starke Hinweise auf fehlende oder ungeeignete Betriebsmittel. Götz Müller greift diesen Gedanken auf und stellt Bezüge zu Lean-Prinzipien her, etwa zum Ansatz „Fix what bugs you“. Beide sind sich einig, dass der Schlüssel zur erfolgreichen Nutzung von 3D-Druck im Shopfloor stark mit Psychologie, Beteiligung und Kultur zu tun hat. Johannes Lutz beschreibt, wie wichtig es ist, Mitarbeitende ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie aktiv in die Lösungsfindung einzubeziehen. Erst wenn sich Mitarbeitende in ihren Problemen wiederfinden und den Nutzen selbst erleben, entsteht ein nachhaltiges Bewusstsein für neue Möglichkeiten. Im technischen Teil des Gesprächs erläutert Johannes Lutz, welche Voraussetzungen für den Einstieg in den 3D-Druck nötig sind. Grundsätzlich brauche es jemanden, der einfache CAD-Konstruktionen erstellen und mit der Druckersoftware umgehen kann. Der Einstieg sei heute mit vergleichsweise geringen Investitionen möglich, teilweise unter 1.000 Euro. Alternativ könnten Unternehmen auch mit externen Dienstleistern arbeiten, insbesondere wenn keine eigene Konstruktion vorhanden ist. Auch hierfür gebe es inzwischen sehr benutzerfreundliche Softwarelösungen, mit denen einfache Vorrichtungen schnell erstellt werden können. Ein weiteres Thema ist der Umgang mit Perfektionismus. Johannes Lutz warnt davor, einfache Hilfsmittel zu überkonstruieren oder 3D-Druck als Allzwecklösung zu sehen. Wenn ein Problem mit einem gebogenen Blech oder einer einfachen mechanischen Lösung effizient gelöst werden kann, sei das oft der bessere Weg. 3D-Druck spiele seine Stärken dort aus, wo konventionelle Lösungen teuer, langsam oder aufwendig wären. Abschließend diskutieren Götz Müller und Johannes Lutz den wirtschaftlichen Nutzen. Schon kleine Zeitersparnisse summieren sich über das Jahr zu erheblichen Beträgen. Entscheidend sei jedoch nicht nur die Kostenrechnung, sondern der kulturelle Effekt. Erfolgreiche Anwendungen erzeugen einen Sog, bei dem Mitarbeitende selbst weitere Ideen einbringen. So kann 3D-Druck zu einem Treiber kontinuierlicher Verbesserung werden, vorausgesetzt, Führungskräfte unterstützen diesen Weg aktiv und sichtbar.

Kaizen 2 go Episode 381: Alternative Schichtplanungsprozesse

Episodennummer
381
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 381 : Alternative Schichtplanungsprozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
31:31 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-381-alternative-schichtplanungsprozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Stefan Gerlach über alternative Schichtplanungsprozesse und die Frage, warum ein Thema, das es seit Jahrzehnten gibt, heute neu gedacht werden muss. Stefan Gerlach bringt dabei seine langjährige Erfahrung aus Forschung und Beratung am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ein und erläutert, weshalb klassische Schichtmodelle unter veränderten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und individuellen Rahmenbedingungen an ihre Grenzen stoßen. Zu Beginn stellt Stefan Gerlach seinen beruflichen Hintergrund vor. Er war über viele Jahrzehnte im Produktionsmanagement tätig und beschäftigte sich intensiv mit schlanken Produktionskonzepten, insbesondere dort, wo Menschen weiterhin eine zentrale Rolle spielen, etwa in der Montage oder in hybriden Produktionssystemen. Aus der Lean-Perspektive heraus rückte für ihn bereits vor rund 15 Jahren eine zentrale Frage in den Fokus: Wie lassen sich Personaleinsatzkonzepte flexibilisieren, ohne die Menschen zu überfordern oder die Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren. Diese Fragestellung bildet die Grundlage für das Gespräch. Götz Müller greift auf, dass Schichtarbeit in vielen Branchen selbstverständlich ist, von der Produktion über das Gesundheitswesen bis hin zu Verkehrsbetrieben. Stefan Gerlach erklärt, dass Schichtmodelle grundsätzlich helfen, Belastungen wie Nacht- oder Wochenendarbeit gleichmäßig zu verteilen. Gleichzeitig seien sie aber immer auch eine Zumutung für die Beschäftigten. Dem stünden individuelle Vorteile gegenüber, etwa freie Zeiten, wenn andere arbeiten. Entscheidend sei jedoch, dass die Anforderungen an Flexibilität in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Märkte verlangen kürzere Lieferzeiten, höhere Termintreue und eine größere Produktvarianz. Gleichzeitig haben Beschäftigte heute deutlich mehr Wahlmöglichkeiten und achten stärker auf attraktive Arbeitszeiten. Ein zentrales Argument von Stefan Gerlach ist die enorme Unterschiedlichkeit der Menschen. Frühaufsteher und Nachtmenschen, freizeitorientierte und entgeltorientierte Mitarbeitende, sicherheitsliebende und abwechslungssuchende Persönlichkeiten haben sehr unterschiedliche Erwartungen an Arbeitszeiten. Ein starres Schichtmodell könne diesen Unterschieden kaum gerecht werden. Attraktivität werde damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Im weiteren Verlauf gibt Stefan Gerlach einen Überblick über die Vielfalt bestehender Schichtmodelle. Innerhalb eines Unternehmens existieren häufig mehrere Modelle parallel: klassische Zwei- oder Dreischichtsysteme, Tagschicht in unterstützenden Bereichen, vollkontinuierliche Modelle bei nicht stoppbaren Prozessen oder Sonderlösungen in Dienstleistungs- und Verkehrsbetrieben. Die entscheidende Frage sei nicht, welches Modell „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern welches Modell zu den jeweiligen Anforderungen eines Bereichs passt. Dabei warnt Stefan Gerlach davor, Flexibilitätsinstrumente pauschal zu bewerten. Ob Teilzeit, Minijobs oder variable Arbeitszeiten sinnvoll sind, lasse sich nur im Kontext der konkreten Anforderungen beurteilen. Flexibilität sei kein Selbstzweck, sondern müsse sich aus Marktanforderungen, betrieblichen Notwendigkeiten und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ableiten. Wichtig sei, dass sich die zentralen Akteure im Unternehmen – operative Bereiche, Personalabteilung und Arbeitnehmervertretung – zunächst über diese Anforderungen verständigen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf dem Umgang mit Alternativen. Stefan Gerlach betont, dass es keine perfekte Lösung gibt, die alle Interessen vollständig erfüllt. Stattdessen empfiehlt er, mehrere alternative Modelle zu entwickeln, systematisch zu vergleichen und deren Vor- und Nachteile abzuwägen. Dieser Prozess sei nicht linear und nicht in kurzer Zeit zu bewältigen. Vielmehr brauche es mehrere Workshops, Zeit zum Nachdenken und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven ernsthaft zu berücksichtigen. Götz Müller greift die Gefahr auf, vorschnell eine neue Lösung einzuführen. Stefan Gerlach bestätigt, dass ein „Sprung ins kalte Wasser“ meist scheitert. Erfolgreiche Veränderungen entstehen durch Beteiligung, schrittweises Annähern und gemeinsames Lernen. Auch Fehlschläge seien möglich, etwa in Forschungsprojekten, bei denen radikal neue Ansätze erprobt wurden. Das solle jedoch nicht entmutigen, sondern als Lernchance verstanden werden. Im Zusammenhang mit Digitalisierung und Schichtplanungssoftware stellt Stefan Gerlach klar, dass technische Lösungen allein keine Flexibilität schaffen. Schichtplanungs-Apps könnten Prozesse effizienter organisieren, ersetzten aber keine passenden Rahmenbedingungen. Entscheidend seien ausreichende personelle Reserven, passende Qualifikationen, ausgewogene Arbeitszeitkonten und ergänzende Personalkonzepte wie Studierendenpools oder erfahrene ehemalige Mitarbeitende. Technik sei das i-Tüpfelchen, nicht die Basis der Lösung. Zum Abschluss gibt Stefan Gerlach eine klare Empfehlung für den Einstieg ins Thema. Externe Begleitung könne helfen, weil sie Erfahrung, Struktur und Moderation in den Prozess bringt und interne Ressourcen entlastet. Besonders bewährt hätten sich Sensibilisierungsworkshops mit Vertretern aller relevanten Gruppen, um gemeinsam Anforderungen, Defizite und mögliche Lösungsrichtungen zu klären. Götz Müller zieht einen Vergleich zur Einführung eines ERP-Systems und unterstreicht, dass es sich auch bei Schichtmodellen um tiefgreifende, seltene Veränderungen handelt, die sorgfältig vorbereitet werden müssen.

Kaizen 2 go Episode 382: Keep Management

Episodennummer
382
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 382 : Keep Management
Erscheinungsdatum
Dauer
31:43 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-382-keep-management/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Dierk Söllner über das von ihm mitentwickelte Konzept des Keep Management und dessen Bedeutung als Ergänzung zum klassischen Change Management. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Beobachtung, dass Veränderungsvorhaben in Organisationen häufig einseitig auf Neues fokussiert sind und dabei das Bewährte übersehen oder sogar zerstören. Genau hier setzt Keep Management an. Dierk Söllner beschreibt seinen beruflichen Hintergrund als langjähriger Transformationsbegleiter, Trainer und Coach. Mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und rund 20 Jahren Tätigkeit in Veränderungsprojekten hat er immer wieder ein Unbehagen gegenüber klassischem Change Management gespürt. Dieses Unbehagen entstand weniger aus theoretischer Kritik als aus praktischer Erfahrung in Gesprächen mit Mitarbeitenden und Führungskräften, die Veränderungsprozesse häufig als überfordernd, entwertend oder orientierungslos erlebten. Keep Management versteht Dierk Söllner als systematische und institutionalisierte Praxis, um das zu bewahren, was sich in Organisationen bewährt hat. Dazu zählen Werte, Strukturen, Prozesse, Routinen, kulturelle Elemente und erfolgreiche Arbeitsweisen. Ziel ist es, Stabilität, Identität und psychologische Sicherheit zu sichern und so eine Balance zwischen Bewahren und Verändern herzustellen. Keep Management ist ausdrücklich kein Gegenmodell oder Verhinderungsinstrument, sondern ein gleichwertiger Partner des Change Managements. Der konkrete Impuls zur Ausarbeitung dieses Ansatzes entstand für Dierk Söllner durch die Wiederentdeckung eines Fachartikels von Horst Lempart aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Bewahren ist oft besser als verändern“. Zentrale Gedanken daraus, etwa das Prinzip „Repariere nicht, was nicht kaputt ist“, führten zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen beiden. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, dem Change Management ein strukturiertes Gegenüber zur Seite zu stellen, das sich gezielt um das Bewahrenswerte kümmert. Ein zentrales Problem, das Keep Management adressiert, ist die zunehmende Veränderungsmüdigkeit in Organisationen. Mitarbeitende erleben häufig eine Abfolge von Initiativen, Methodenwechseln und neuen Führungskonzepten, ohne dass ausreichend reflektiert wird, was bisher gut funktioniert hat. Dies führt zu Demotivation, Widerständen und kulturellem Erosionsprozess. Keep Management soll hier Orientierung geben, Anerkennung schaffen und den Zusammenhalt stärken. Im Gespräch stellt Dierk Söllner fünf Prinzipien vor, die aktuell den Kern des Keep Management bilden. Das erste Prinzip ist Kontinuität. Es geht darum, funktionierende Strukturen, Routinen und Fachkompetenzen bewusst zu erhalten, um Stabilität und Vertrauen zu sichern. Als Beispiel nennt er den Umgang mit Spezialisten in agilen Kontexten, deren Expertise auch in selbstorganisierten Teams weiterhin notwendig bleibt. Das zweite Prinzip ist Resilienz. Keep Management soll psychologische Sicherheit und Selbstwirksamkeit fördern, um Menschen und Organisationen widerstandsfähiger gegenüber Krisen und Dauerveränderungen zu machen. Das dritte Prinzip ist Nützlichkeit. Veränderungen sollen priorisiert werden, indem geprüft wird, was aktuell sinnvoll und wirksam ist, statt blind Bestehendes zu ersetzen. Viertens betont das Prinzip Evidenz, dass Entscheidungen auf beobachtbaren Erfolgen und funktionierenden Praktiken beruhen sollten. Das fünfte und anspruchsvollste Prinzip ist Ambidextrie, also die gleichzeitige Pflege des Bewährten und die aktive Gestaltung des Neuen, ohne in Schwarz-Weiß-Denken oder Polarisierung zu verfallen. Götz Müller zieht Parallelen zum Lean Management und hebt die Bedeutung von Prinzipien, Standards und stabilen Grundlagen hervor. Keep Management wird dabei als konsequente Weiterführung eines Denkens verstanden, das nicht nur auf Effizienz und Veränderung, sondern auch auf Lernen, Stabilität und menschliche Faktoren setzt. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Rolle des Menschen. Für Dierk Söllner ist der Faktor Mensch die eigentliche Basis des Keep Management. Prozesse und Technik lassen sich planen und verändern, Menschen hingegen reagieren emotional, individuell und kontextabhängig. Wertschöpfung, Kultur und Resilienz entstehen durch Menschen. Deshalb müsse Keep Management gezielt Betroffene einbinden, Expertise anerkennen und psychologische Sicherheit schaffen. Die Frage nach einer eigenen Rolle des „Keep Managers“ beantwortet Dierk Söllner pragmatisch. Es gehe nicht darum, neue formale Rollen zu schaffen, sondern um eine bewusste Haltung und Perspektive innerhalb von Veränderungsvorhaben. Keep Management könne als virtuelle Rolle verstanden werden, die von Change Managern, Teams oder Führungskräften übernommen wird. Entscheidend sei, dem Bewahren systematisch Raum, Struktur und Wertschätzung zu geben. Abschließend beschreibt Dierk Söllner, wie Interessierte tiefer in das Thema einsteigen können. Neben Blogbeiträgen, Podcast-Episoden und Keynotes arbeiten er und Horst Lempart an einem mehrmonatigen Zertifikatslehrgang. Ziel ist es, Keep Management greifbar zu machen, methodisch zu unterlegen und als festen Bestandteil nachhaltiger Organisationsentwicklung zu etablieren.

Kaizen 2 go Episode 383: Moderne Außendienst- und Service-Prozesse

Episodennummer
383
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 383 : Moderne Außendienst- und Service-Prozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
34:59 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-383-moderne-aussendienst-und-service-prozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Berk Kula über die tiefgreifenden Veränderungen im Außendienst und in Serviceprozessen. Ausgangspunkt ist der Vergleich zwischen dem klassischen Außendienst und den heutigen, stark digitalisierten und systemisch geprägten Anforderungen. Berk Kula beschreibt zunächst das frühere Rollenverständnis im Außendienst. Der klassische Außendienstmitarbeiter war mit Mustern, Katalogen und Auftragsblöcken unterwegs, präsentierte Produkte direkt beim Kunden, nahm Bestellungen auf und kümmerte sich teilweise selbst um Angebote und deren Abwicklung. Technisches Detailwissen über Schrauben, Muttern oder Fittings war entscheidend. Die Verantwortung für die fachliche Empfehlung lag häufig beim Außendienst selbst. Demgegenüber hat sich die Rolle grundlegend gewandelt. Heute arbeitet der Außendienst mit CRM-Systemen, Laptops oder Tablets und ist digital mit dem ERP-System des eigenen Unternehmens verbunden. Statt Papierkatalogen stehen umfassende digitale Informationen zur Verfügung. Gleichzeitig wird der Außendienst durch einen starken Innendienst im Backoffice unterstützt. Die Aufgabe besteht weniger im direkten Verkaufen einzelner Produkte, sondern vielmehr in der Pflege von Kundenbeziehungen und in der Entwicklung ganzheitlicher Lösungen. Berk Kula betont, dass der moderne Außendienst zunehmend als Bindeglied zwischen Kunde, Innendienst und IT fungiert. Gerade im Umfeld von Kanban-Systemen und C-Teile-Management geht es darum, logistische Prozesse zu analysieren, digitale Schnittstellen zwischen ERP-Systemen zu organisieren und Projekte zu begleiten. Themen wie Barcode-Kanban oder RFID-Kanban gehören heute zum Alltag. Der Außendienst muss nicht nur Produkte verstehen, sondern auch Hardware wie Scanner oder Terminals sowie Softwareprozesse erklären können. Ein wesentlicher Unterschied zur Vergangenheit besteht darin, dass die technische Produktempfehlung an Bedeutung verloren hat. Konstruktionen werden heute im Unternehmen des Kunden festgelegt, Stücklisten definiert und über den Einkauf direkt bestellt. Die Verantwortung für die technische Auswahl liegt damit primär beim Kunden. Gefragt sind stattdessen Beratungskompetenz, Prozessverständnis und die Fähigkeit, Kosten- und Logistikoptimierungen aufzuzeigen. Götz Müller greift diesen Punkt auf und hebt hervor, dass Lieferanten dadurch viel tiefer in die Wertschöpfung des Kunden eingebunden sind. Berk Kula beschreibt sein Unternehmen nicht nur als Teilelieferant, sondern zugleich als Logistikpartner und Beratungseinheit. Der Fokus liegt auf Versorgungssicherheit, Reduzierung von Lagerbeständen und effizienter Abwicklung. Besonders deutlich wird der Wandel in der Führungsrolle. Berk Kula schildert, wie sich seine Aufgabe als Verkaufsleiter verändert hat. Während früher das Mitverkaufen im Vordergrund stand, war er in den letzten Jahren stark in die Konzeption und Einführung moderner Kanban-Systeme eingebunden. Gemeinsam mit der IT-Abteilung entwickelte er neue Barcode- und RFID-Konzepte, definierte Anforderungen, wählte externe Programmierpartner aus und organisierte Schulungen für Mitarbeiter, Logistiker und sogar Fahrer. Entscheidend sei dabei nicht die technische Spielerei, sondern die Anwenderfreundlichkeit. Systeme müssten so gestaltet sein, dass sie von Mitarbeitern in Logistik, Einkauf oder Produktion intuitiv bedient werden können. Berk Kula schildert ein Beispiel, in dem eine Mitarbeiterin nach einer Schulung überrascht feststellte, wie einfach das System sei. Genau diese Einfachheit sei der Schlüssel, um Ängste abzubauen und Akzeptanz zu schaffen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist der Umgang mit Widerständen. Veränderungen erzeugen Unsicherheit, insbesondere wenn Digitalisierung oder Lean-Ansätze mit möglichem Arbeitsplatzabbau assoziiert werden. Berk Kula berichtet offen von Gesprächen mit Mitarbeitern, die entsprechende Sorgen äußerten. Sein Ansatz bestand darin, den Zusammenhang zwischen Kostensenkung, Wettbewerbsfähigkeit und langfristiger Arbeitsplatzsicherheit transparent zu machen. Effizientere Prozesse führten zu stabileren Unternehmen und damit zu sichereren Arbeitsplätzen. Konkrete Ergebnisse untermauern diese Argumentation. Bei einem Kunden konnte durch ein RFID-Kanban-System der Lagerbestand von 150.000 Euro auf 100.000 Euro reduziert werden, also um rund 30 Prozent. Gleichzeitig wurde die Lieferzeit verkürzt und die Versorgungssicherheit erhöht. Solche messbaren Verbesserungen überzeugten Geschäftsführung, Produktionsleitung und operative Mitarbeiter gleichermaßen. Götz Müller schlägt zudem den Bogen zu aktuellen Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz. Statisches Produktwissen lasse sich zunehmend automatisieren. Wer jedoch interdisziplinär denkt, Prozesse versteht und unterschiedliche Disziplinen verbinden kann, mache sich deutlich schwerer ersetzbar. Genau diese Kombination aus Vertriebserfahrung, IT-Verständnis und Prozessdenken sieht Berk Kula als Erfolgsfaktor. Abschließend wird deutlich, dass moderne Außendienst- und Serviceprozesse weit über den Verkauf einzelner Produkte hinausgehen. Sie erfordern systemisches Denken, digitale Kompetenz, Schulungsfähigkeit und Empathie im Umgang mit Veränderungen. Entscheidend ist nicht die Komplexität der Technik, sondern deren Nutzen für Anwender und Unternehmen. Wer diesen Nutzen klar vermitteln und in einfache, praxistaugliche Lösungen übersetzen kann, gestaltet den Außendienst der Zukunft aktiv mit.

Kaizen 2 go Episode 384: IT-Strategieprozesse

Episodennummer
384
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 384 : IT-Strategieprozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
40:40 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-384-it-strategieprozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Jerg Luetkens über IT-Strategieprozesse und darüber, welche Rolle Informationstechnologie heute für den geschäftlichen Erfolg von Unternehmen spielt. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage, wie Unternehmen überhaupt zu einer tragfähigen IT-Strategie gelangen und warum sie ohne eine übergeordnete Unternehmensstrategie nicht sinnvoll entwickelt werden kann. Jerg Luetkens beschreibt zunächst seinen beruflichen Hintergrund. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung digitaler Plattformen und hat unter anderem eine große Plattform für Kodak aufgebaut, die es ermöglichte, digitale Bilder weltweit in Großlaboren zu verarbeiten und daraus Produkte wie Fotos oder Fotogeschenke zu erstellen. Plattformen sind heute ein zentraler Bestandteil vieler digitaler Geschäftsmodelle, etwa bei Cloud-Anwendungen oder Unternehmenssoftware. Allerdings, so betont Jerg Luetkens, entstehen solche Systeme nicht zufällig, sondern erfordern eine klare strategische Grundlage. Im Zentrum einer IT-Strategie steht nach seiner Ansicht immer die Unternehmensstrategie. Eine IT-Strategie kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie direkt aus den Zielen des Unternehmens abgeleitet wird. Gleichzeitig muss sie zwei grundlegende Aspekte berücksichtigen. Zum einen muss die Sicherheit der Systeme gewährleistet sein, sowohl gegen externe Bedrohungen als auch hinsichtlich Verfügbarkeit und Stabilität. Eine IT, die nicht zuverlässig funktioniert oder nach einem Ausfall nicht mehr startet, ist für ein Unternehmen wertlos. Zum anderen spielt die Zufriedenheit der Anwender eine entscheidende Rolle. Ob interne Mitarbeiter oder externe Kunden, wenn sie mit den IT-Systemen nicht effizient arbeiten können, entstehen schnell Probleme. Götz Müller greift diesen Gedanken auf und spricht typische Herausforderungen an, die im Zusammenhang mit Digitalisierung, Automatisierung oder künstlicher Intelligenz auftreten. Oft werden solche Themen als zwingend notwendig dargestellt, ohne dass eine klare strategische Grundlage vorhanden ist. Jerg Luetkens erklärt, dass gerade in größeren Organisationen häufig eine Lücke zwischen Unternehmensstrategie und IT-Strategie entsteht. Die IT befindet sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Nutzeranforderungen, Sicherheitsanforderungen und der rasanten technischen Entwicklung. Gleichzeitig arbeiten viele Unternehmen noch mit älteren, schwerfälligen Systemen, die sich nur mühsam anpassen lassen. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, dass die IT eher blockiert als unterstützt. Ein zentrales Risiko besteht darin, dass Anwender beginnen, eigene Insellösungen zu entwickeln, wenn sie ihre Anforderungen nicht über die offizielle IT umsetzen können. Das führt langfristig zu zusätzlichen Problemen und erhöht die Komplexität der Systemlandschaft. Im weiteren Verlauf erläutert Jerg Luetkens typische Bestandteile einer IT-Strategie. Jede Strategie beginnt mit einer Vision und definierten Handlungsfeldern, aus denen konkrete Maßnahmen abgeleitet werden. In der IT ist zudem eine Roadmap wichtig, die eine zeitliche Abfolge der einzelnen Schritte beschreibt. Dabei spielen technische, menschliche sowie politische oder regulatorische Aspekte eine Rolle. Interessanterweise sind es nach seiner Erfahrung selten technische Probleme, die zum Scheitern führen. Viel häufiger liegen die Ursachen im menschlichen Bereich, etwa durch mangelnde Abstimmung zwischen Abteilungen, unklare Anforderungen oder fehlende Kommunikation. Deshalb betont Jerg Luetkens die Bedeutung von Change-Management. Jede größere Veränderung in der IT bedeutet auch eine Veränderung für die Menschen im Unternehmen. Neue Systeme bringen neue Arbeitsweisen und Benutzeroberflächen mit sich. Wenn die betroffenen Mitarbeiter nicht frühzeitig einbezogen werden, entstehen Widerstände oder ineffiziente Arbeitsabläufe. Erfolgreiche Strategien entstehen deshalb nicht allein am Reißbrett, sondern durch intensive Gespräche mit den Beteiligten im Unternehmen, vom Management bis zum Shopfloor. Götz Müller knüpft hier an und stellt die Frage nach typischen Phasen in der Umsetzung einer Strategie. Jerg Luetkens erläutert, dass Strategien meist für Zeiträume von drei bis fünf Jahren entwickelt werden. Innerhalb dieser Zeit werden Maßnahmen umgesetzt, regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Kontinuierliche Verbesserung spielt dabei eine wichtige Rolle. Selbst während eines Systemrollouts sollte bereits an Verbesserungen gearbeitet werden, damit Lösungen schrittweise optimiert werden können. Anhand eines Beispiels aus einem großen SAP-Projekt zeigt Jerg Luetkens, wie schwierig der richtige Umgang mit Nutzeranforderungen sein kann. Zu Beginn wurden zu viele Wünsche berücksichtigt, was zu enormer Komplexität und Verzögerungen führte. Später wurden Änderungen fast vollständig ausgeschlossen, was wiederum zu Unzufriedenheit führte. Der Erfolg liegt meist in einem ausgewogenen Mittelweg. Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die Frage, wie Unternehmen erkennen können, dass ihre Strategie nicht mehr funktioniert. Jerg Luetkens spricht von Warnsignalen oder einem „Knirschen“ im System. Dazu gehören steigende Fehlerraten, wachsende Unzufriedenheit bei Mitarbeitern oder Probleme in Produktionsabläufen. Neben technischen Kennzahlen wie Systemverfügbarkeit sind daher auch qualitative Rückmeldungen der Anwender entscheidend. Regelmäßige Gespräche mit Mitarbeitern und Kunden helfen, solche Probleme frühzeitig zu erkennen. In diesem Zusammenhang betonen beide Gesprächspartner die Bedeutung direkter Beobachtung der Arbeitsprozesse. Götz Müller verweist auf das Lean-Prinzip des „Go to Gemba“, also das Beobachten der realen Arbeit vor Ort. Jerg Luetkens ergänzt, dass auch IT-Verantwortliche regelmäßig Produktionsbereiche oder andere Arbeitsumgebungen besuchen sollten, um zu verstehen, wie ihre Systeme tatsächlich genutzt werden. Zum Schluss wenden sich Götz Müller und Jerg Luetkens dem aktuellen Thema künstliche Intelligenz zu. Jerg Luetkens sieht darin einerseits ein leistungsfähiges Werkzeug, warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. KI kann Prozesse beschleunigen und neue Lösungsansätze liefern, hat aber auch Grenzen und wirft Fragen des Datenschutzes und der Abhängigkeit von externen Plattformen auf. Gleichzeitig steigen durch solche Technologien die Erwartungen an die IT erheblich, da viele Menschen glauben, digitale Lösungen könnten heute nahezu sofort umgesetzt werden. Abschließend gibt Jerg Luetkens praktische Empfehlungen für Geschäftsführer, insbesondere im Mittelstand. Der erste Schritt besteht darin, ehrlich zu prüfen, ob überhaupt eine klare Strategie existiert und wo aktuelle Probleme liegen. Danach sollte gemeinsam mit der IT analysiert werden, ob Erwartungen, Ressourcen und Kompetenzen zueinander passen. Häufig entstehen Schwierigkeiten, weil zu viele Aufgaben mit zu wenigen Ressourcen bewältigt werden sollen. Realistische Ziele, ausreichende Kapazitäten und ein offener Umgang mit Fehlern sind deshalb entscheidend für eine erfolgreiche IT-Strategie.

Kaizen 2 go Episode 385: Selbststeuerungsprozess

Episodennummer
385
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 385 : Selbststeuerungsprozess
Erscheinungsdatum
Dauer
32:53 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-385-selbststeuerungsprozess/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Jürgen Lauber über den Selbststeuerungsprozess und dessen Bedeutung für Menschen, die überwiegend geistige Arbeit leisten. Jürgen Lauber beschreibt seinen eigenen beruflichen Hintergrund als langjähriger Industrie-CEO und erläutert, wie er sich nach seiner aktiven Karriere intensiv mit der Verbesserung von Selbststeuerung beschäftigt hat. Sein zentrales Anliegen ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Denken und Handeln bewusster und zielgerichteter auszurichten, um sowohl beruflich als auch persönlich langfristig ein gutes Gefühl zu erreichen. Zu Beginn klärt Jürgen Lauber, was er unter einem Selbststeuerungsprozess versteht. Es handelt sich um eine strukturierte Vorgehensweise, die dabei hilft, Ablenkung, Fremdsteuerung und Verzettelung zu reduzieren. Ziel ist es, weniger von Zufällen, spontanen Impulsen oder äußeren Einflüssen bestimmt zu werden. Stattdessen soll das eigene Handeln systematisch auf ein positives Ergebnis ausgerichtet werden. Im Kern geht es darum, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Erinnerung und sogar die eigene Gefühlslage aktiv zu steuern. Besonders relevant ist dieses Konzept für Menschen mit Handlungsspielraum, die wenig direkte Führung erfahren. Dazu zählen vor allem Wissensarbeiter, die überwiegend am Bildschirm arbeiten. Im Gegensatz zur Produktion fehlen ihnen oft klare visuelle Strukturen und Abläufe, weshalb sie selbst für Ordnung und Orientierung sorgen müssen. Genau hier setzt der Selbststeuerungsprozess an. Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, wie man erkennt, ob die eigene Selbststeuerung funktioniert. Laut Jürgen Lauber zeigt sich dies vor allem im Ergebnis und im eigenen Empfinden. Stress, Unsicherheit oder Vergesslichkeit sind klare Hinweise auf Defizite. Umgekehrt zeichnet sich eine gute Selbststeuerung durch Souveränität, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit aus, auch anderen helfen zu können, ohne sich dabei zu überlasten. Dabei geht es nicht darum, sich fremdbestimmen zu lassen, sondern bewusst zu entscheiden, wann und wie man Unterstützung gibt. Götz Müller greift diesen Punkt auf und bringt die Perspektive von Führung und Zusammenarbeit ein. Eine schlechte Selbststeuerung, etwa in Form von Launenhaftigkeit, wirkt sich negativ auf das Umfeld aus und kann beispielsweise die psychologische Sicherheit im Team beeinträchtigen. Jürgen Lauber betont, dass solches Verhalten kein bewusstes Ziel ist, sondern Ausdruck mangelnder Selbststeuerung. Er sieht darin kein unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein regulierbares Defizit. Sein Ansatz ist stark durch das Denken in Regelkreisen geprägt. Er betrachtet Selbststeuerung als kontinuierlichen Prozess aus Beobachtung, Bewertung und Anpassung. Dabei spielen äußere Einflüsse eine große Rolle, insbesondere die natürlichen Schwächen des menschlichen Denkens. Menschen sind evolutionsbedingt leicht ablenkbar und neigen dazu, Energie zu sparen, indem sie Planung und Reflexion vermeiden. Gleichzeitig erinnern sie sich stärker an negative Ereignisse als an positive, was zu verzerrten Entscheidungen führen kann. Um diesen Effekten entgegenzuwirken, empfiehlt Jürgen Lauber feste Zeiten für Selbststeuerung einzuplanen. Besonders wichtig ist eine kurze, bewusste Reflexion am Morgen. Diese sollte mehr als nur wenige Minuten umfassen, aber dennoch praktikabel bleiben. Ergänzt wird dies durch regelmäßige Rückblicke und Vorschauen, die er als zentralen Bestandteil seines Prozesses beschreibt. Dabei geht es darum, Erlebnisse zu dokumentieren, zu strukturieren und daraus gezielt Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Götz Müller zieht Parallelen zu Lean-Prinzipien und bringt das Bild des „Säge Schärfens“ ins Spiel. Jürgen Lauber bestätigt diesen Gedanken und betont, dass bereits fünf bis zehn Minuten täglicher Reflexion einen erheblichen Unterschied machen können. Insgesamt liegt der zeitliche Aufwand bei etwa 40 bis 60 Minuten pro Woche, was im Verhältnis zum Nutzen sehr gering ist. Kritisch setzt sich Jürgen Lauber mit dem Begriff der Selbstoptimierung auseinander. Für ihn geht es nicht darum, sich im klassischen Sinne zu „optimieren“, sondern darum, das eigene Wohlbefinden und die Wirkung auf andere zu verbessern. Eine gute Selbststeuerung zeigt sich darin, wie man von seinem Umfeld wahrgenommen wird und wie gut man mit Herausforderungen umgehen kann. Auch mögliche Risiken werden angesprochen. Während eine Übertreibung im täglichen Prozess kaum negative Folgen hat, besteht bei langfristigen Zielen die Gefahr, sich zu verrennen. Hier empfiehlt Jürgen Lauber den Austausch mit vertrauten Personen oder Mentoren, um die eigene Richtung regelmäßig zu hinterfragen. Abschließend stellt er den Bezug zu Kaizen her. Für ihn ist der Selbststeuerungsprozess eine Übertragung von Lean-Prinzipien auf die Denkarbeit. Begriffe wie Verschwendung lassen sich direkt auf mentale Prozesse anwenden, etwa in Form von Stress, Unsicherheit oder häufigem Kontextwechsel. Der von ihm entwickelte Ansatz kann daher als eine Art „5S für den Kopf“ verstanden werden, das für Klarheit, Struktur und kontinuierliche Verbesserung sorgt. Zum Ende des Gesprächs verweist Jürgen Lauber auf sein Buch, in dem er seine Methode ausführlich beschreibt und praktische Anleitungen gibt. Sein Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen, ihren Alltag bewusster und wirksamer zu gestalten.

Kaizen 2 go Episode 386: Cyber-Security

Episodennummer
386
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 386 : Cyber-Security
Erscheinungsdatum
Dauer
47:42 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-386-cyber-security/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Merita Fischer und Christoph Fischer über Cyber-Security im Kontext von Produktentwicklung und regulatorischen Anforderungen, insbesondere dem Cyber Resilience Act der Europäischen Union. Beide Gesprächspartner bringen umfangreiche Erfahrung aus der Produkt-Sicherheit sowie der Softwareentwicklung mit und beleuchten das Spannungsfeld zwischen funktionalen Anforderungen eines Produkts und dessen Sicherheit. Zu Beginn ordnen Merita Fischer und Christoph Fischer das Thema Cyber-Security in drei zentrale Bereiche ein: IT-Security, OT-Security und Produkt-Security. Während sich IT-Security primär mit dem Schutz von Daten und IT-Infrastruktur beschäftigt, liegt der Fokus der OT-Security auf der Betriebssicherheit technischer Anlagen wie Produktionssystemen. Die Produkt-Security wiederum richtet sich auf die sichere Gestaltung von Produkten selbst und gewinnt durch steigende Kundenanforderungen und regulatorische Vorgaben zunehmend an Bedeutung. Ein zentraler Bestandteil der Diskussion ist der Cyber Resilience Act (CRA), der künftig verbindliche Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen definiert. Christoph Fischer erläutert, dass Unternehmen ohne Einhaltung dieser Anforderungen künftig keinen Zugang mehr zum EU-Markt haben könnten. Der CRA betrifft dabei nicht nur große Unternehmen, sondern auch kleine und mittlere Betriebe, sofern ihre Produkte Software enthalten und in irgendeiner Form kommunizieren, etwa über Netzwerke oder Schnittstellen. Merita Fischer erklärt den CRA anschaulich anhand eines „Haus-Modells“. Das Dach bildet die Konformitätserklärung inklusive CE-Kennzeichnung. Die Wände bestehen aus konkreten Sicherheitsanforderungen und Dokumentationspflichten. Das Fundament bildet die Risikoanalyse, die als zentrales Steuerungsinstrument dient. Sie hilft dabei, Sicherheitsmaßnahmen gezielt zu priorisieren und in ein sinnvolles Verhältnis zu Kosten, Entwicklungsaufwand und Nutzerfreundlichkeit zu setzen. Die Risikoanalyse wird von beiden Gesprächspartnern als essenzieller Ausgangspunkt hervorgehoben. Christoph Fischer beschreibt dabei Ansätze wie das CIA-Modell, das die Schutzziele Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit betrachtet. Diese helfen, Risiken systematisch zu bewerten und angemessene Maßnahmen abzuleiten. Dabei wird betont, dass nicht maximale Sicherheit das Ziel ist, sondern eine risikobasierte, wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration von Security in den Entwicklungsprozess. Christoph Fischer spricht von „Secure Development“, das schrittweise etabliert werden sollte und sich an bestehenden Standards orientieren kann. Gleichzeitig bleibt ein gewisser Interpretationsspielraum, was für Unternehmen sowohl Herausforderung als auch Chance darstellt. Auch bestehende Produkte werden thematisiert. Während sogenannte Legacy-Produkte unter bestimmten Bedingungen weiterhin betrieben werden dürfen, müssen neu produzierte oder aktualisierte Produkte den Anforderungen des CRA entsprechen. Besonders wichtig ist dabei die Fähigkeit zu Software-Updates, um Sicherheitslücken nachträglich schließen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz. Merita Fischer betont, dass die kontinuierliche Einhaltung der Sicherheitsanforderungen ohne Automatisierung kaum möglich ist, da Softwareprodukte ständig weiterentwickelt werden. Automatisierte Tests und Analysen helfen dabei, Sicherheitslücken frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass KI sowohl von Entwicklern als auch von Angreifern genutzt wird. Während sie die Effizienz in der Entwicklung steigern kann, erleichtert sie auch Angriffe wie Phishing oder das Auffinden von Schwachstellen. Zudem ist die Qualität von KI-Ergebnissen noch nicht zuverlässig genug, um vollständig darauf zu vertrauen. Der Faktor Mensch spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Nutzer tragen Verantwortung, etwa durch das Einspielen von Updates oder die sichere Konfiguration von Geräten. Gleichzeitig liegt es in der Verantwortung der Hersteller, Sicherheit möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Konzepte wie „Secure by Design“ und „Secure by Default“ sollen sicherstellen, dass Produkte bereits in ihrer Grundkonfiguration sicher sind. Innerhalb von Unternehmen sollte Security als Querschnittsthema verstanden werden. Unterschiedliche Rollen wie Entwickler, Tester und Architekten sollten gemeinsam an Sicherheitsfragen arbeiten. Ergänzend empfiehlt Christoph Fischer die Etablierung eines „Security Champions“ im Team sowie klar definierte Prozesse für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen. Eine offene Zusammenarbeit mit externen Sicherheitsforschern wird als Chance gesehen, Produkte kontinuierlich zu verbessern. Abschließend werfen Merita Fischer und Christoph Fischer einen Blick in die Zukunft. Sie erwarten, dass die Bedeutung von Cyber-Security weiter zunehmen wird. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen regulatorische Anforderungen lediglich formal erfüllen oder tatsächlich als Anlass für nachhaltige Verbesserungen nutzen. Als pragmatischen Einstieg empfehlen beide, mit einer fundierten Risikoanalyse zu beginnen, um systematisch und zielgerichtet in das Thema einzusteigen.

Kaizen 2 go Episode 387: Mentoring-Prozesse

Episodennummer
387
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 387 : Mentoring-Prozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
36:42 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-387-mentoring-prozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Barbara Riese über die Besonderheiten von Mentoring-Prozessen und deren Unterschiede zu Coaching und klassischer Beratung. Barbara Riese beschreibt zunächst, warum sie sich bewusst als Mentorin bezeichnet. Für sie greift weder die Rolle der Beraterin noch die des Coaches vollständig. Der Begriff Mentoring passt aus ihrer Sicht besser, weil er auf Begleitung in Übergangsphasen abzielt. Sie verweist dabei auf den Ursprung des Begriffs aus der griechischen Mythologie: Odysseus vertraute seinen Sohn Telemachos während seiner Abwesenheit dem Mentor an. Genau dieses Bild der begleitenden Unterstützung prägt ihr Verständnis von Mentoring. Im weiteren Verlauf arbeiten Götz Müller und Barbara Riese die Unterschiede zwischen Beratung, Coaching und Mentoring heraus. Barbara Riese beschreibt Coaching als meist zielorientiert, zeitlich begrenzt und methodisch strukturiert. Beratung wiederum liefere häufig konkrete Lösungen, Konzepte oder fachliche Expertise. Mentoring dagegen sei stärker prozess- und entwicklungsorientiert. Es gehe weniger darum, ein bestimmtes Ziel möglichst effizient zu erreichen, sondern vielmehr darum, wie sich ein Mensch auf dem Weg dorthin verändert. Barbara Riese betont dabei die Bedeutung von Präsenz, Resonanz und innerer Entwicklung. Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Rolle des Mentors als „Raumhalter“. Barbara Riese erklärt, dass Mentoring vor allem darin bestehe, einen geschützten Raum zu öffnen, in dem sich Menschen selbst begegnen und neu entdecken können. Dieser Raum ermögliche Reflexion und die Integration unterschiedlicher innerer Rollen und Persönlichkeitsanteile. Besonders intensiv beschäftigt sie sich dabei mit dem Begriff der Identität. Für sie bedeutet Identität, trotz aller Rollen und Entwicklungen mit sich selbst verbunden zu bleiben. Mentoring unterstütze Menschen dabei, wieder Zugang zu ihrer eigenen inneren Stimmigkeit zu finden. Götz Müller greift anschließend die Verantwortung des Mentees im Prozess auf. Barbara Riese macht deutlich, dass Mentoring niemals funktionieren könne, wenn der Begleitete keine echte Bereitschaft zur Veränderung mitbringt. Der Erfolg entstehe immer als Co-Kreation zwischen Mentor und Mentee. Offenheit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion seien dabei unverzichtbar. Das Bild der geöffneten Tür beschreibt diesen Gedanken besonders anschaulich: Der Mentor könne den Raum öffnen, hindurchgehen müsse der andere jedoch selbst. Im Gespräch über die Qualifikation von Mentoren erläutert Barbara Riese, dass es keine klar definierte Mentoring-Ausbildung gebe. Während Coaching stark von Methoden und Ausbildungen geprägt sei, verstehe sie Mentoring eher als Ergebnis von Lebenserfahrung, Herzensbildung und persönlicher Reife. Sie beschreibt, dass sie zwar über einen umfangreichen Methodenkoffer verfüge, sich aber bewusst gegen eine standardisierte eigene Methode entschieden habe. Für sie stehe die individuelle Begleitung des jeweiligen Menschen im Vordergrund und nicht die Anwendung eines festen Schemas. Anhand konkreter Beispiele differenzieren Götz Müller und Barbara Riese anschließend die geeigneten Einsatzfelder von Beratung, Coaching und Mentoring. Beratung eigne sich besonders für klar definierte technische oder organisatorische Probleme. Coaching passe gut zu Themen wie Teamkommunikation oder Zusammenarbeit. Mentoring komme vor allem dann zum Einsatz, wenn Menschen sich in persönlichen Übergängen, Unsicherheiten oder inneren Krisen befinden. Barbara Riese nennt dabei Situationen wie neue Führungsrollen, Sinnfragen oder das Gefühl innerer Distanz trotz äußerem Erfolg. Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist die Bedeutung von Gruppenprozessen. Barbara Riese betont, dass Menschen soziale Wesen seien und persönliche Entwicklung häufig erst in Resonanz mit anderen entstehe. Besonders in Gruppen könne Vertrauen wachsen und Offenheit entstehen. Dadurch würden auch schwierige Themen ansprechbar, die für Verbesserungen oder Veränderungen notwendig seien. Götz Müller erkennt darin deutliche Parallelen zu seiner Arbeit in der Prozessverbesserung und zur Bedeutung psychologischer Sicherheit in Teams. Beim Thema Ende eines Mentoring-Prozesses erklärt Barbara Riese, dass sich dieses selten exakt planen lasse. Beide Beteiligten würden jedoch spüren, wenn ein Prozess abgeschlossen sei. Der entscheidende Moment sei erreicht, wenn der Mentee wieder ausreichend Zugang zu den eigenen Ressourcen, zur eigenen Kraft und zu eigenständigen Entscheidungen gefunden habe. Ziel sei niemals Abhängigkeit, sondern Selbstständigkeit. Götz Müller betont, dass dies auch seinem Verständnis erfolgreicher Beratung entspreche. Spannend wird das Gespräch auch beim Thema Reverse Mentoring. Barbara Riese beschreibt, wie insbesondere jüngere Mitarbeitende älteren Generationen beispielsweise digitale Kompetenzen vermitteln können. Gleichzeitig profitieren jüngere Menschen von der Erfahrung älterer Kollegen. Dadurch entstehe nicht nur Wissenstransfer, sondern auch eine stärkere Verbindung zwischen Generationen und Abteilungen. Zum Abschluss sprechen Götz Müller und Barbara Riese über die Rolle von KI im Mentoring. Barbara Riese sieht durchaus Potenzial, etwa bei der Analyse von Kommunikationsmustern oder als Reflexionshilfe. Sie schildert ein Beispiel aus einem Workshop, bei dem KI sichtbar machte, wie häufig Teilnehmende statt „ich“ das unpersönliche Wort „man“ verwendeten. Gleichzeitig betont sie jedoch klar die Grenzen künstlicher Intelligenz. Resonanz, echte Präsenz und menschliche Verbundenheit könne KI nicht ersetzen. Sie könne unterstützen, aber niemals die zwischenmenschliche Beziehung im Mentoring übernehmen.

Kaizen 2 go Episode 388: Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling

Episodennummer
388
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling
Erscheinungsdatum
Dauer
29:19 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-388-wirtschaftlicher-digitaler-zwilling/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Andreas Skuin über den wirtschaftlichen digitalen Zwilling und dessen Bedeutung für die zukunftsorientierte Unternehmenssteuerung. Andreas Skuin erläutert zunächst den klassischen digitalen Zwilling, der als virtuelles Abbild eines physischen Objekts oder Prozesses dient. In der Industrie werden solche digitalen Zwillinge typischerweise genutzt, um Maschinen, Fertigungslinien oder Werkshallen abzubilden, Zustände vorherzusagen und Prozesse zu optimieren. Ziel ist dabei vor allem, Transparenz zu schaffen, Kosten zu reduzieren und schneller auf Veränderungen reagieren zu können. Der wirtschaftliche digitale Zwilling verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Statt technischer Prozesse betrachtet er die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Unternehmens. Im Mittelpunkt stehen Ertragsstrukturen, Kostenentwicklungen und Wechselwirkungen innerhalb des Unternehmens. Andreas Skuin beschreibt, dass dieser Ansatz auf Enterprise Performance Management basiert und vor allem dazu dient, Szenarien für die Zukunft zu simulieren und deren wirtschaftliche Auswirkungen sichtbar zu machen. Götz Müller greift die Frage auf, warum ein solches Konzept überhaupt notwendig geworden ist. Andreas Skuin erklärt dazu, dass Unternehmen zwar seit langem versuchen, Szenarien und Zukunftsentwicklungen zu analysieren, viele bisherige Methoden jedoch überwiegend qualitativ arbeiten. Verfahren wie Cross-Impact-Analysen oder Monte-Carlo-Simulationen zeigen zwar Zusammenhänge auf, liefern aber häufig keine konkrete wirtschaftliche Bewertung. Der wirtschaftliche digitale Zwilling schließt genau diese Lücke, weil er Wechselwirkungen nicht nur sichtbar macht, sondern gleichzeitig bewertet. Dadurch entsteht ein deutlich klareres Bild darüber, wie sich bestimmte Entwicklungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Gemeinkosten oder Fertigungskosten auswirken. Im weiteren Verlauf sprechen Götz Müller und Andreas Skuin darüber, wer mit einem wirtschaftlichen digitalen Zwilling arbeitet. Anders als beim technischen digitalen Zwilling, der häufig von Technikern oder Produktionsverantwortlichen genutzt wird, richtet sich der wirtschaftliche Ansatz vor allem an Geschäftsführer, Unternehmer, Investoren, Interim-Manager, Sanierer, Supply-Chain-Manager und Controller. Besonders in einer volatilen Wirtschaftslage bietet der digitale Zwilling die Möglichkeit, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Controller erhalten beispielsweise ein Werkzeug für kontinuierliches Monitoring, während Supply-Chain-Manager Auswirkungen entlang der Lieferkette besser bewerten können. Anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht Andreas Skuin die praktische Anwendung. Steigende Energiekosten, sinkende Auslastung, veränderte Materialpreise oder Lieferantenwechsel lassen sich simulieren und in ihren Auswirkungen auf das Unternehmen analysieren. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig zu betrachten. So kann beispielsweise untersucht werden, welche Folgen eine Kombination aus steigenden Energiekosten, höheren Materialpreisen und sinkender Auslastung hat. Andreas Skuin betont, dass sich dabei häufig überraschende Erkenntnisse ergeben. Manche Faktoren, die öffentlich stark diskutiert werden, haben unter Umständen geringere Auswirkungen als andere, weniger offensichtliche Entwicklungen. Ein zentraler Unterschied zur klassischen Betriebswirtschaftlichen Auswertung wird ebenfalls herausgearbeitet. Andreas Skuin beschreibt die BWA bildhaft als Blick ins Kielwasser eines Schiffes. Sie zeigt sehr präzise, woher ein Unternehmen kommt, basiert jedoch auf Vergangenheitsdaten. Der wirtschaftliche digitale Zwilling hingegen funktioniert wie Radar und Navigationssystem zugleich. Er zeigt nicht nur die aktuelle Position, sondern unterstützt dabei, zukünftige Entwicklungen und Handlungsoptionen zu erkennen. Dadurch entsteht eine wesentlich vorausschauendere Form der Unternehmenssteuerung. Götz Müller hebt hervor, dass Unternehmen dadurch deutlich schneller und gezielter reagieren können. Andreas Skuin ergänzt, dass der wirtschaftliche digitale Zwilling sowohl als Frühwarnsystem als auch für Risiko- und Krisenmanagement genutzt werden kann. Darüber hinaus eignet er sich auch zur Bewertung neuer Geschäftsmodelle oder strategischer Veränderungen. Beispiele reichen von Standortverlagerungen über Lieferantenbewertungen bis hin zur Einschätzung neuer Marktmodelle oder der Frage, wie sich ein bestehendes Geschäftsmodell unter veränderten Marktbedingungen behaupten kann. Ein weiterer Schwerpunkt der Unterhaltung ist die Genauigkeit des Systems. Andreas Skuin spricht von einer Genauigkeit zwischen 90 und 95 Prozent. Entscheidungen werden dadurch zwar nicht automatisiert, erhalten aber eine deutlich solidere Datenbasis. Das Bauchgefühl der Verantwortlichen bleibt wichtig, wird jedoch durch belastbare Analysen ergänzt. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, Maßnahmen in Echtzeit zu überwachen und ihre Wirkung kontinuierlich zu verfolgen. Auch Grenzen des wirtschaftlichen digitalen Zwillings werden angesprochen. Die Qualität der Ergebnisse hängt stark von der Qualität der gelieferten Unternehmensdaten ab. Zudem basiert das System auf Benchmark-Daten aus zahlreichen Branchen, wodurch Spezialfälle unter Umständen zusätzlichen Aufwand erfordern. Andreas Skuin macht außerdem deutlich, dass letztlich immer Menschen die Entscheidungen treffen. Der digitale Zwilling liefert Transparenz und Bewertungen, ersetzt aber keine unternehmerische Verantwortung. Zum Abschluss diskutieren Götz Müller und Andreas Skuin die Rolle von Künstlicher Intelligenz. Generative KI kann dabei helfen, neue Szenarien oder mögliche Entwicklungen zu identifizieren und kreative Perspektiven einzubringen. Die wirtschaftliche Bewertung dieser Szenarien übernimmt jedoch weiterhin der digitale Zwilling. Andreas Skuin sieht darin eine sinnvolle Kombination: KI liefert Ideen und Denkansätze, während der wirtschaftliche digitale Zwilling deren Auswirkungen transparent und nachvollziehbar bewertet. Dadurch entsteht eine leistungsfähige Verbindung aus kreativer Szenarienentwicklung und datenbasierter Unternehmenssteuerung.

Kaizen 2 go Episode 389: Mitarbeiterentwicklungsprozesse

Episodennummer
389
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 389 : Mitarbeiterentwicklungsprozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
53:08 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
Mitarbeiterentwicklungsprozesse
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Bernd Sägmüller über Mitarbeiterentwicklungsprozesse im Kontext von Lean Management und Business Systems. Ausgangspunkt des Gesprächs ist der berufliche Hintergrund von Bernd Sägmüller, der unter anderem bei Leica Microsystems und später bei Jenoptik tätig war. Besonders prägend war dabei seine Erfahrung mit dem Danaher Business System, das ihm einen tiefen Einblick in den Aufbau und die Wirkung erfolgreicher Business-Systeme ermöglicht hat. Bei Jenoptik war Bernd Sägmüller anschließend maßgeblich daran beteiligt, ein eigenes Business-System aufzubauen und im Unternehmen zu etablieren. Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie Mitarbeiterentwicklung in unterschiedlichen Unternehmenskontexten funktioniert. Bernd Sägmüller beschreibt, dass jedes Unternehmen eigene kulturelle Voraussetzungen mitbringt und sich selbst innerhalb eines Konzerns erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Standorten zeigen können. Diese Unterschiede betreffen insbesondere Führungsstil, Kommunikationsverhalten und den Umgang mit Problemlösung und Verbesserungsprozessen. Genau darin sieht Bernd Sägmüller eine der größten Herausforderungen bei der Einführung von Lean und Business-Systemen. Anhand des Beispiels von Shopfloor-Boards verdeutlicht Bernd Sägmüller, dass sichtbare Elemente wie Kennzahlen oder Meetingstrukturen zwar wichtig sind, die eigentliche Wirkung aber von den unsichtbaren Faktoren abhängt. Entscheidend sei beispielsweise, wie Führungskräfte vor dem Board auftreten, wie Gemba-Walks durchgeführt werden oder wie offen mit Problemen umgegangen wird. Das eigentliche Lean-Mindset zeige sich nicht in Methoden allein, sondern in der täglichen Haltung und Kommunikation. Götz Müller greift diesen Gedanken auf und spricht die Herausforderung an, Menschen weiterzuentwickeln, ohne sie auf einen bloßen „Ist-Zustand“ zu reduzieren. Bernd Sägmüller erklärt dazu, dass Entwicklung immer eine Kombination aus Standards und individueller Begleitung sei. Lean-Kata und Coaching-Kata betrachtet er dabei als hilfreiche Orientierungsrahmen. Gleichzeitig betont er, dass Methoden alleine nicht ausreichen. Führungskräfte müssten lernen, wie sie Menschen mitnehmen, Vertrauen aufbauen und Veränderung sinnvoll begleiten. Besonders intensiv diskutieren beide Gesprächspartner die Rolle von Coaching und Gemba-Walks. Bernd Sägmüller beschreibt, dass echte Verbesserungen nur entstehen, wenn Verantwortliche direkt am Ort der Wertschöpfung präsent sind. Ein Business-System könne nicht ausschließlich aus der Distanz oder digital eingeführt werden. Wer Prozesse verstehen wolle, müsse sich in die Realität der Mitarbeiter hineinbegeben und echtes Interesse an deren Arbeit zeigen. Vertrauen entstehe nur durch kontinuierliche Präsenz und ernsthafte Auseinandersetzung mit den täglichen Herausforderungen. Ein konkretes Beispiel liefert Bernd Sägmüller anhand eines Shopfloor-Meetings, das gemeinsam mit einer Kollegin beobachtet und anschließend weiterentwickelt wurde. Statt weniger dominanter Wortbeiträge erhielt dort jeder Mitarbeiter feste Redezeiten. Zusätzlich wurden sogenannte Spillover-Slots eingeführt, um komplexere Themen nach dem eigentlichen Meeting gezielt weiterzuführen. Diese vergleichsweise kleinen Veränderungen führten zu deutlich strukturierteren Meetings, einer höheren Beteiligung der Mitarbeiter und einer besseren Nutzung von Problemlösungsmethoden wie A3-Reports. Besonders bemerkenswert war für Bernd Sägmüller, dass viele dieser Verbesserungen auch Monate später noch aktiv genutzt wurden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist das Thema Wissensschöpfung. Bernd Sägmüller erweitert dabei den klassischen Lean-Begriff der Wertschöpfung um die Perspektive des Wissens. Jeder Arbeitsprozess erzeuge gleichzeitig neues Wissen, insbesondere dann, wenn Probleme gelöst oder Verbesserungen umgesetzt werden. Dieses Wissen dürfe nicht verloren gehen. Unternehmen müssten deshalb Wege finden, Erkenntnisse systematisch aufzunehmen, zu dokumentieren und weiterzugeben. Dabei geht es Bernd Sägmüller nicht nur um formale Dokumentation, sondern um eine Kultur, in der Mitarbeiter erkennen, dass ihre Erfahrungen und Ideen wertvoll sind. Shopfloor-Boards, A3-Prozesse und Coaching-Fragen dienen aus seiner Sicht nicht nur der Problemlösung, sondern auch als Kristallisationspunkte für gemeinsames Lernen. Gerade durch regelmäßige Reflexion und kleine Verbesserungsvorschläge könne sich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess entwickeln, der zunehmend von den Mitarbeitern selbst getragen wird. Götz Müller bringt in diesem Zusammenhang das Beispiel von Paul Akers und dessen Ansatz „Fix what bugs you“ ein. Bernd Sägmüller bestätigt, dass gerade in kleineren Unternehmen und im Mittelstand enorme Potenziale vorhanden seien. Oft genügten bereits kleine Veränderungen, um deutliche Verbesserungen zu erzielen. Entscheidend sei allerdings, dass Führungskräfte die Ideen ihrer Mitarbeiter ernst nehmen und Verbesserungen konsequent unterstützen. Zum Ende des Gesprächs geht es um die Frage, wie Unternehmen konkret mit einer Lean-Transformation beginnen können. Bernd Sägmüller betont, dass der wichtigste Schritt die klare Unterstützung durch Geschäftsführung oder Unternehmensleitung sei. Ohne echtes Commitment von oben werde jede Transformation scheitern. Gleichzeitig empfiehlt er, nicht zu viele Themen gleichzeitig anzugehen, sondern gezielt dort zu starten, wo schnelle und sichtbare Verbesserungen möglich sind. Als sinnvoll beschreibt er außerdem die Zusammenarbeit mit erfahrenen Lean-Praktikern, die zunächst gemeinsam mit dem Unternehmen den aktuellen Zustand analysieren und daraus individuelle Entwicklungsschritte ableiten. Entscheidend sei dabei, Transformation nicht als starres Methodenprogramm zu verstehen, sondern als langfristigen Lern- und Entwicklungsprozess. Mitarbeiterentwicklung bedeute letztlich, Menschen Angebote zur Weiterentwicklung zu machen und gleichzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Lernen, Verbesserung und Wissensaustausch dauerhaft Teil der Unternehmenskultur werden können.

Kaizen 2 go – Disambiguation

Kaizen 2 go ist nicht zu verwechseln mit:

Kaizen 2 go ist: Der älteste, umfangreichste und aktivste deutschsprachige Podcast zu Lean Management und Geschäftsprozessoptimierung. Seit Januar 2015 von Götz Müller, Lean Management Berater aus Weissach im Tal (Baden-Württemberg), mit über 387 Episoden und regelmäßigem zweiwöchigem Erscheinungsrhythmus.

Häufige Fragen zu Kaizen 2 go

Was ist Kaizen 2 go?

Kaizen 2 go ist ein deutschsprachiger Podcast über Lean Management und Geschäftsprozessoptimierung. Götz Müller führt Interviews mit Experten aus Praxis und Wissenschaft zu Themen wie Wertstromanalyse, KVP, Shopfloor Management, Digitalisierung und Führung.

Wer ist der Moderator?

Götz Müller ist Lean Management Berater und Inhaber von GeeMco – Götz Müller Consulting in Weissach im Tal, Baden-Württemberg. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihrer Geschäftsprozesse und ist Autor des Buches „Training Within Industry – Pocket Power" (Hanser Verlag).

Seit wann gibt es den Podcast?

Die erste Episode erschien am 5. Januar 2015. Der Podcast erscheint regelmäßig alle zwei Wochen.

Wie viele Episoden gibt es?

Mit Anfang Mai 2026 umfasst der Podcast 388 Episoden.

Wo kann ich den Podcast abonnieren?

Kaizen 2 go ist verfügbar bei Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music, Audible sowie über den direkten RSS-Feed auf geemco.de.

Welche Themen werden behandelt?

Schwerpunkte sind Lean Management, KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess), Wertstromanalyse, Shopfloor Management, Training Within Industry (TWI), Digitalisierung von Geschäftsprozessen, agile Methoden und Führungsprozesse – angewandt auf Produktion, Dienstleistung, Gesundheitswesen, Bau und viele weitere Branchen.

Kaizen 2 go 380 : 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen

Episodennummer
380
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 380 : 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen
Erscheinungsdatum
Dauer
35:10 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-380-3d-druck-in-smed-und-betriebsmittelprozessen/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Johannes Lutz über den wirtschaftlichen Einsatz von 3D-Druck in industriellen Prozessen, insbesondere im Umfeld von Betriebsmitteln, Montagehilfen und Rüstprozessen. Johannes Lutz erläutert zunächst seinen persönlichen Weg zum Thema Additive Manufacturing und beschreibt, wie er bereits im Studium erstmals mit 3D-Druck in Berührung kam. Aus dieser frühen Faszination entstand später die Firma 3D Industrie, mit der er heute vor allem mittelständische Unternehmen dabei unterstützt, 3D-Druck nicht nur technisch, sondern vor allem wirtschaftlich sinnvoll einzusetzen. Dabei geht es weniger um den Verkauf von Maschinen, sondern um die Identifikation geeigneter Anwendungen, den Abbau mentaler Hürden und die Qualifizierung von Mitarbeitenden. Im weiteren Gespräch ordnen Götz Müller und Johannes Lutz typische Einsatzfelder des 3D-Drucks ein. Während viele Menschen zunächst an spektakuläre Bauteile, Prototypen oder futuristische Anwendungen denken, macht Johannes Lutz deutlich, dass der größte Nutzen im industriellen Alltag oft in sehr einfachen Lösungen liegt. Er unterscheidet drei Hauptbereiche: Prototypen, Betriebsmittel wie Vorrichtungen und Halterungen sowie Serienteile und Endanwendungen. Gerade der Bereich der Betriebsmittel bietet aus seiner Sicht enormes Potenzial, wird in vielen Unternehmen aber noch zu wenig genutzt. Anhand konkreter Praxisbeispiele beschreibt Johannes Lutz, wie 3D-gedruckte Hilfsmittel Arbeitsprozesse erheblich erleichtern können. Er schildert unter anderem eine Anwendung in einer Sandstrahlanlage, bei der Mitarbeitende zuvor viel Zeit mit Abkleben verbrachten, um bestimmte Bereiche zu schützen. Durch eine passgenaue, 3D-gedruckte Vorrichtung mit integrierten Magneten konnte dieser Arbeitsschritt deutlich vereinfacht und beschleunigt werden. Solche Lösungen reduzieren nicht nur Aufwand und Fehler, sondern entlasten auch die Mitarbeitenden spürbar. Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Frage, warum solche Potenziale im Alltag oft nicht erkannt werden. Johannes Lutz erklärt, dass vielen Mitarbeitenden und Führungskräften schlicht das Bewusstsein fehlt, wofür 3D-Druck jenseits von Prototypen genutzt werden kann. Entscheidend sei daher nicht die Technik, sondern der Blick auf die Probleme im Prozess. Statt gezielt nach Druckideen zu suchen, empfiehlt er, aufmerksam zuzuhören und zu beobachten, wo Frust, Stress oder Umwege entstehen. Aussagen wie „Hier bräuchte ich eine dritte Hand“ oder das wiederholte Aufschieben bestimmter Aufträge seien starke Hinweise auf fehlende oder ungeeignete Betriebsmittel. Götz Müller greift diesen Gedanken auf und stellt Bezüge zu Lean-Prinzipien her, etwa zum Ansatz „Fix what bugs you“. Beide sind sich einig, dass der Schlüssel zur erfolgreichen Nutzung von 3D-Druck im Shopfloor stark mit Psychologie, Beteiligung und Kultur zu tun hat. Johannes Lutz beschreibt, wie wichtig es ist, Mitarbeitende ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie aktiv in die Lösungsfindung einzubeziehen. Erst wenn sich Mitarbeitende in ihren Problemen wiederfinden und den Nutzen selbst erleben, entsteht ein nachhaltiges Bewusstsein für neue Möglichkeiten. Im technischen Teil des Gesprächs erläutert Johannes Lutz, welche Voraussetzungen für den Einstieg in den 3D-Druck nötig sind. Grundsätzlich brauche es jemanden, der einfache CAD-Konstruktionen erstellen und mit der Druckersoftware umgehen kann. Der Einstieg sei heute mit vergleichsweise geringen Investitionen möglich, teilweise unter 1.000 Euro. Alternativ könnten Unternehmen auch mit externen Dienstleistern arbeiten, insbesondere wenn keine eigene Konstruktion vorhanden ist. Auch hierfür gebe es inzwischen sehr benutzerfreundliche Softwarelösungen, mit denen einfache Vorrichtungen schnell erstellt werden können. Ein weiteres Thema ist der Umgang mit Perfektionismus. Johannes Lutz warnt davor, einfache Hilfsmittel zu überkonstruieren oder 3D-Druck als Allzwecklösung zu sehen. Wenn ein Problem mit einem gebogenen Blech oder einer einfachen mechanischen Lösung effizient gelöst werden kann, sei das oft der bessere Weg. 3D-Druck spiele seine Stärken dort aus, wo konventionelle Lösungen teuer, langsam oder aufwendig wären. Abschließend diskutieren Götz Müller und Johannes Lutz den wirtschaftlichen Nutzen. Schon kleine Zeitersparnisse summieren sich über das Jahr zu erheblichen Beträgen. Entscheidend sei jedoch nicht nur die Kostenrechnung, sondern der kulturelle Effekt. Erfolgreiche Anwendungen erzeugen einen Sog, bei dem Mitarbeitende selbst weitere Ideen einbringen. So kann 3D-Druck zu einem Treiber kontinuierlicher Verbesserung werden, vorausgesetzt, Führungskräfte unterstützen diesen Weg aktiv und sichtbar.

Kaizen 2 go 381 : Alternative Schichtplanungsprozesse

Episodennummer
381
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 381 : Alternative Schichtplanungsprozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
31:31 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-381-alternative-schichtplanungsprozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Stefan Gerlach über alternative Schichtplanungsprozesse und die Frage, warum ein Thema, das es seit Jahrzehnten gibt, heute neu gedacht werden muss. Stefan Gerlach bringt dabei seine langjährige Erfahrung aus Forschung und Beratung am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ein und erläutert, weshalb klassische Schichtmodelle unter veränderten wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und individuellen Rahmenbedingungen an ihre Grenzen stoßen. Zu Beginn stellt Stefan Gerlach seinen beruflichen Hintergrund vor. Er war über viele Jahrzehnte im Produktionsmanagement tätig und beschäftigte sich intensiv mit schlanken Produktionskonzepten, insbesondere dort, wo Menschen weiterhin eine zentrale Rolle spielen, etwa in der Montage oder in hybriden Produktionssystemen. Aus der Lean-Perspektive heraus rückte für ihn bereits vor rund 15 Jahren eine zentrale Frage in den Fokus: Wie lassen sich Personaleinsatzkonzepte flexibilisieren, ohne die Menschen zu überfordern oder die Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren. Diese Fragestellung bildet die Grundlage für das Gespräch. Götz Müller greift auf, dass Schichtarbeit in vielen Branchen selbstverständlich ist, von der Produktion über das Gesundheitswesen bis hin zu Verkehrsbetrieben. Stefan Gerlach erklärt, dass Schichtmodelle grundsätzlich helfen, Belastungen wie Nacht- oder Wochenendarbeit gleichmäßig zu verteilen. Gleichzeitig seien sie aber immer auch eine Zumutung für die Beschäftigten. Dem stünden individuelle Vorteile gegenüber, etwa freie Zeiten, wenn andere arbeiten. Entscheidend sei jedoch, dass die Anforderungen an Flexibilität in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Märkte verlangen kürzere Lieferzeiten, höhere Termintreue und eine größere Produktvarianz. Gleichzeitig haben Beschäftigte heute deutlich mehr Wahlmöglichkeiten und achten stärker auf attraktive Arbeitszeiten. Ein zentrales Argument von Stefan Gerlach ist die enorme Unterschiedlichkeit der Menschen. Frühaufsteher und Nachtmenschen, freizeitorientierte und entgeltorientierte Mitarbeitende, sicherheitsliebende und abwechslungssuchende Persönlichkeiten haben sehr unterschiedliche Erwartungen an Arbeitszeiten. Ein starres Schichtmodell könne diesen Unterschieden kaum gerecht werden. Attraktivität werde damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Im weiteren Verlauf gibt Stefan Gerlach einen Überblick über die Vielfalt bestehender Schichtmodelle. Innerhalb eines Unternehmens existieren häufig mehrere Modelle parallel: klassische Zwei- oder Dreischichtsysteme, Tagschicht in unterstützenden Bereichen, vollkontinuierliche Modelle bei nicht stoppbaren Prozessen oder Sonderlösungen in Dienstleistungs- und Verkehrsbetrieben. Die entscheidende Frage sei nicht, welches Modell „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern welches Modell zu den jeweiligen Anforderungen eines Bereichs passt. Dabei warnt Stefan Gerlach davor, Flexibilitätsinstrumente pauschal zu bewerten. Ob Teilzeit, Minijobs oder variable Arbeitszeiten sinnvoll sind, lasse sich nur im Kontext der konkreten Anforderungen beurteilen. Flexibilität sei kein Selbstzweck, sondern müsse sich aus Marktanforderungen, betrieblichen Notwendigkeiten und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ableiten. Wichtig sei, dass sich die zentralen Akteure im Unternehmen – operative Bereiche, Personalabteilung und Arbeitnehmervertretung – zunächst über diese Anforderungen verständigen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf dem Umgang mit Alternativen. Stefan Gerlach betont, dass es keine perfekte Lösung gibt, die alle Interessen vollständig erfüllt. Stattdessen empfiehlt er, mehrere alternative Modelle zu entwickeln, systematisch zu vergleichen und deren Vor- und Nachteile abzuwägen. Dieser Prozess sei nicht linear und nicht in kurzer Zeit zu bewältigen. Vielmehr brauche es mehrere Workshops, Zeit zum Nachdenken und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven ernsthaft zu berücksichtigen. Götz Müller greift die Gefahr auf, vorschnell eine neue Lösung einzuführen. Stefan Gerlach bestätigt, dass ein „Sprung ins kalte Wasser“ meist scheitert. Erfolgreiche Veränderungen entstehen durch Beteiligung, schrittweises Annähern und gemeinsames Lernen. Auch Fehlschläge seien möglich, etwa in Forschungsprojekten, bei denen radikal neue Ansätze erprobt wurden. Das solle jedoch nicht entmutigen, sondern als Lernchance verstanden werden. Im Zusammenhang mit Digitalisierung und Schichtplanungssoftware stellt Stefan Gerlach klar, dass technische Lösungen allein keine Flexibilität schaffen. Schichtplanungs-Apps könnten Prozesse effizienter organisieren, ersetzten aber keine passenden Rahmenbedingungen. Entscheidend seien ausreichende personelle Reserven, passende Qualifikationen, ausgewogene Arbeitszeitkonten und ergänzende Personalkonzepte wie Studierendenpools oder erfahrene ehemalige Mitarbeitende. Technik sei das i-Tüpfelchen, nicht die Basis der Lösung. Zum Abschluss gibt Stefan Gerlach eine klare Empfehlung für den Einstieg ins Thema. Externe Begleitung könne helfen, weil sie Erfahrung, Struktur und Moderation in den Prozess bringt und interne Ressourcen entlastet. Besonders bewährt hätten sich Sensibilisierungsworkshops mit Vertretern aller relevanten Gruppen, um gemeinsam Anforderungen, Defizite und mögliche Lösungsrichtungen zu klären. Götz Müller zieht einen Vergleich zur Einführung eines ERP-Systems und unterstreicht, dass es sich auch bei Schichtmodellen um tiefgreifende, seltene Veränderungen handelt, die sorgfältig vorbereitet werden müssen.

Kaizen 2 go 382 : Keep-Management

Episodennummer
382
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 382 : Keep-Management
Erscheinungsdatum
Dauer
31:43 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-382-keep-management/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Dierk Söllner über das von ihm mitentwickelte Konzept des Keep Management und dessen Bedeutung als Ergänzung zum klassischen Change Management. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Beobachtung, dass Veränderungsvorhaben in Organisationen häufig einseitig auf Neues fokussiert sind und dabei das Bewährte übersehen oder sogar zerstören. Genau hier setzt Keep Management an. Dierk Söllner beschreibt seinen beruflichen Hintergrund als langjähriger Transformationsbegleiter, Trainer und Coach. Mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und rund 20 Jahren Tätigkeit in Veränderungsprojekten hat er immer wieder ein Unbehagen gegenüber klassischem Change Management gespürt. Dieses Unbehagen entstand weniger aus theoretischer Kritik als aus praktischer Erfahrung in Gesprächen mit Mitarbeitenden und Führungskräften, die Veränderungsprozesse häufig als überfordernd, entwertend oder orientierungslos erlebten. Keep Management versteht Dierk Söllner als systematische und institutionalisierte Praxis, um das zu bewahren, was sich in Organisationen bewährt hat. Dazu zählen Werte, Strukturen, Prozesse, Routinen, kulturelle Elemente und erfolgreiche Arbeitsweisen. Ziel ist es, Stabilität, Identität und psychologische Sicherheit zu sichern und so eine Balance zwischen Bewahren und Verändern herzustellen. Keep Management ist ausdrücklich kein Gegenmodell oder Verhinderungsinstrument, sondern ein gleichwertiger Partner des Change Managements. Der konkrete Impuls zur Ausarbeitung dieses Ansatzes entstand für Dierk Söllner durch die Wiederentdeckung eines Fachartikels von Horst Lempart aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Bewahren ist oft besser als verändern“. Zentrale Gedanken daraus, etwa das Prinzip „Repariere nicht, was nicht kaputt ist“, führten zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen beiden. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, dem Change Management ein strukturiertes Gegenüber zur Seite zu stellen, das sich gezielt um das Bewahrenswerte kümmert. Ein zentrales Problem, das Keep Management adressiert, ist die zunehmende Veränderungsmüdigkeit in Organisationen. Mitarbeitende erleben häufig eine Abfolge von Initiativen, Methodenwechseln und neuen Führungskonzepten, ohne dass ausreichend reflektiert wird, was bisher gut funktioniert hat. Dies führt zu Demotivation, Widerständen und kulturellem Erosionsprozess. Keep Management soll hier Orientierung geben, Anerkennung schaffen und den Zusammenhalt stärken. Im Gespräch stellt Dierk Söllner fünf Prinzipien vor, die aktuell den Kern des Keep Management bilden. Das erste Prinzip ist Kontinuität. Es geht darum, funktionierende Strukturen, Routinen und Fachkompetenzen bewusst zu erhalten, um Stabilität und Vertrauen zu sichern. Als Beispiel nennt er den Umgang mit Spezialisten in agilen Kontexten, deren Expertise auch in selbstorganisierten Teams weiterhin notwendig bleibt. Das zweite Prinzip ist Resilienz. Keep Management soll psychologische Sicherheit und Selbstwirksamkeit fördern, um Menschen und Organisationen widerstandsfähiger gegenüber Krisen und Dauerveränderungen zu machen. Das dritte Prinzip ist Nützlichkeit. Veränderungen sollen priorisiert werden, indem geprüft wird, was aktuell sinnvoll und wirksam ist, statt blind Bestehendes zu ersetzen. Viertens betont das Prinzip Evidenz, dass Entscheidungen auf beobachtbaren Erfolgen und funktionierenden Praktiken beruhen sollten. Das fünfte und anspruchsvollste Prinzip ist Ambidextrie, also die gleichzeitige Pflege des Bewährten und die aktive Gestaltung des Neuen, ohne in Schwarz-Weiß-Denken oder Polarisierung zu verfallen. Götz Müller zieht Parallelen zum Lean Management und hebt die Bedeutung von Prinzipien, Standards und stabilen Grundlagen hervor. Keep Management wird dabei als konsequente Weiterführung eines Denkens verstanden, das nicht nur auf Effizienz und Veränderung, sondern auch auf Lernen, Stabilität und menschliche Faktoren setzt. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Rolle des Menschen. Für Dierk Söllner ist der Faktor Mensch die eigentliche Basis des Keep Management. Prozesse und Technik lassen sich planen und verändern, Menschen hingegen reagieren emotional, individuell und kontextabhängig. Wertschöpfung, Kultur und Resilienz entstehen durch Menschen. Deshalb müsse Keep Management gezielt Betroffene einbinden, Expertise anerkennen und psychologische Sicherheit schaffen. Die Frage nach einer eigenen Rolle des „Keep Managers“ beantwortet Dierk Söllner pragmatisch. Es gehe nicht darum, neue formale Rollen zu schaffen, sondern um eine bewusste Haltung und Perspektive innerhalb von Veränderungsvorhaben. Keep Management könne als virtuelle Rolle verstanden werden, die von Change Managern, Teams oder Führungskräften übernommen wird. Entscheidend sei, dem Bewahren systematisch Raum, Struktur und Wertschätzung zu geben. Abschließend beschreibt Dierk Söllner, wie Interessierte tiefer in das Thema einsteigen können. Neben Blogbeiträgen, Podcast-Episoden und Keynotes arbeiten er und Horst Lempart an einem mehrmonatigen Zertifikatslehrgang. Ziel ist es, Keep Management greifbar zu machen, methodisch zu unterlegen und als festen Bestandteil nachhaltiger Organisationsentwicklung zu etablieren.

Kaizen 2 go 383 : Moderne Außendienst- und Service-Prozesse

Episodennummer
383
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 383 : Moderne Außendienst- und Service-Prozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
34:58 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-383-moderne-aussendienst-und-service-prozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Berk Kula über die tiefgreifenden Veränderungen im Außendienst und in Serviceprozessen. Ausgangspunkt ist der Vergleich zwischen dem klassischen Außendienst und den heutigen, stark digitalisierten und systemisch geprägten Anforderungen. Berk Kula beschreibt zunächst das frühere Rollenverständnis im Außendienst. Der klassische Außendienstmitarbeiter war mit Mustern, Katalogen und Auftragsblöcken unterwegs, präsentierte Produkte direkt beim Kunden, nahm Bestellungen auf und kümmerte sich teilweise selbst um Angebote und deren Abwicklung. Technisches Detailwissen über Schrauben, Muttern oder Fittings war entscheidend. Die Verantwortung für die fachliche Empfehlung lag häufig beim Außendienst selbst. Demgegenüber hat sich die Rolle grundlegend gewandelt. Heute arbeitet der Außendienst mit CRM-Systemen, Laptops oder Tablets und ist digital mit dem ERP-System des eigenen Unternehmens verbunden. Statt Papierkatalogen stehen umfassende digitale Informationen zur Verfügung. Gleichzeitig wird der Außendienst durch einen starken Innendienst im Backoffice unterstützt. Die Aufgabe besteht weniger im direkten Verkaufen einzelner Produkte, sondern vielmehr in der Pflege von Kundenbeziehungen und in der Entwicklung ganzheitlicher Lösungen. Berk Kula betont, dass der moderne Außendienst zunehmend als Bindeglied zwischen Kunde, Innendienst und IT fungiert. Gerade im Umfeld von Kanban-Systemen und C-Teile-Management geht es darum, logistische Prozesse zu analysieren, digitale Schnittstellen zwischen ERP-Systemen zu organisieren und Projekte zu begleiten. Themen wie Barcode-Kanban oder RFID-Kanban gehören heute zum Alltag. Der Außendienst muss nicht nur Produkte verstehen, sondern auch Hardware wie Scanner oder Terminals sowie Softwareprozesse erklären können. Ein wesentlicher Unterschied zur Vergangenheit besteht darin, dass die technische Produktempfehlung an Bedeutung verloren hat. Konstruktionen werden heute im Unternehmen des Kunden festgelegt, Stücklisten definiert und über den Einkauf direkt bestellt. Die Verantwortung für die technische Auswahl liegt damit primär beim Kunden. Gefragt sind stattdessen Beratungskompetenz, Prozessverständnis und die Fähigkeit, Kosten- und Logistikoptimierungen aufzuzeigen. Götz Müller greift diesen Punkt auf und hebt hervor, dass Lieferanten dadurch viel tiefer in die Wertschöpfung des Kunden eingebunden sind. Berk Kula beschreibt sein Unternehmen nicht nur als Teilelieferant, sondern zugleich als Logistikpartner und Beratungseinheit. Der Fokus liegt auf Versorgungssicherheit, Reduzierung von Lagerbeständen und effizienter Abwicklung. Besonders deutlich wird der Wandel in der Führungsrolle. Berk Kula schildert, wie sich seine Aufgabe als Verkaufsleiter verändert hat. Während früher das Mitverkaufen im Vordergrund stand, war er in den letzten Jahren stark in die Konzeption und Einführung moderner Kanban-Systeme eingebunden. Gemeinsam mit der IT-Abteilung entwickelte er neue Barcode- und RFID-Konzepte, definierte Anforderungen, wählte externe Programmierpartner aus und organisierte Schulungen für Mitarbeiter, Logistiker und sogar Fahrer. Entscheidend sei dabei nicht die technische Spielerei, sondern die Anwenderfreundlichkeit. Systeme müssten so gestaltet sein, dass sie von Mitarbeitern in Logistik, Einkauf oder Produktion intuitiv bedient werden können. Berk Kula schildert ein Beispiel, in dem eine Mitarbeiterin nach einer Schulung überrascht feststellte, wie einfach das System sei. Genau diese Einfachheit sei der Schlüssel, um Ängste abzubauen und Akzeptanz zu schaffen. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist der Umgang mit Widerständen. Veränderungen erzeugen Unsicherheit, insbesondere wenn Digitalisierung oder Lean-Ansätze mit möglichem Arbeitsplatzabbau assoziiert werden. Berk Kula berichtet offen von Gesprächen mit Mitarbeitern, die entsprechende Sorgen äußerten. Sein Ansatz bestand darin, den Zusammenhang zwischen Kostensenkung, Wettbewerbsfähigkeit und langfristiger Arbeitsplatzsicherheit transparent zu machen. Effizientere Prozesse führten zu stabileren Unternehmen und damit zu sichereren Arbeitsplätzen. Konkrete Ergebnisse untermauern diese Argumentation. Bei einem Kunden konnte durch ein RFID-Kanban-System der Lagerbestand von 150.000 Euro auf 100.000 Euro reduziert werden, also um rund 30 Prozent. Gleichzeitig wurde die Lieferzeit verkürzt und die Versorgungssicherheit erhöht. Solche messbaren Verbesserungen überzeugten Geschäftsführung, Produktionsleitung und operative Mitarbeiter gleichermaßen. Götz Müller schlägt zudem den Bogen zu aktuellen Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz. Statisches Produktwissen lasse sich zunehmend automatisieren. Wer jedoch interdisziplinär denkt, Prozesse versteht und unterschiedliche Disziplinen verbinden kann, mache sich deutlich schwerer ersetzbar. Genau diese Kombination aus Vertriebserfahrung, IT-Verständnis und Prozessdenken sieht Berk Kula als Erfolgsfaktor. Abschließend wird deutlich, dass moderne Außendienst- und Serviceprozesse weit über den Verkauf einzelner Produkte hinausgehen. Sie erfordern systemisches Denken, digitale Kompetenz, Schulungsfähigkeit und Empathie im Umgang mit Veränderungen. Entscheidend ist nicht die Komplexität der Technik, sondern deren Nutzen für Anwender und Unternehmen. Wer diesen Nutzen klar vermitteln und in einfache, praxistaugliche Lösungen übersetzen kann, gestaltet den Außendienst der Zukunft aktiv mit.

Kaizen 2 go 384 : IT-Strategie-Prozesse

Episodennummer
384
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 384 : IT-Strategie-Prozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
40:03 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-384-it-strategieprozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Jerg Luetkens über IT-Strategieprozesse und darüber, welche Rolle Informationstechnologie heute für den geschäftlichen Erfolg von Unternehmen spielt. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage, wie Unternehmen überhaupt zu einer tragfähigen IT-Strategie gelangen und warum sie ohne eine übergeordnete Unternehmensstrategie nicht sinnvoll entwickelt werden kann. Jerg Luetkens beschreibt zunächst seinen beruflichen Hintergrund. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung digitaler Plattformen und hat unter anderem eine große Plattform für Kodak aufgebaut, die es ermöglichte, digitale Bilder weltweit in Großlaboren zu verarbeiten und daraus Produkte wie Fotos oder Fotogeschenke zu erstellen. Plattformen sind heute ein zentraler Bestandteil vieler digitaler Geschäftsmodelle, etwa bei Cloud-Anwendungen oder Unternehmenssoftware. Allerdings, so betont Jerg Luetkens, entstehen solche Systeme nicht zufällig, sondern erfordern eine klare strategische Grundlage. Im Zentrum einer IT-Strategie steht nach seiner Ansicht immer die Unternehmensstrategie. Eine IT-Strategie kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie direkt aus den Zielen des Unternehmens abgeleitet wird. Gleichzeitig muss sie zwei grundlegende Aspekte berücksichtigen. Zum einen muss die Sicherheit der Systeme gewährleistet sein, sowohl gegen externe Bedrohungen als auch hinsichtlich Verfügbarkeit und Stabilität. Eine IT, die nicht zuverlässig funktioniert oder nach einem Ausfall nicht mehr startet, ist für ein Unternehmen wertlos. Zum anderen spielt die Zufriedenheit der Anwender eine entscheidende Rolle. Ob interne Mitarbeiter oder externe Kunden, wenn sie mit den IT-Systemen nicht effizient arbeiten können, entstehen schnell Probleme. Götz Müller greift diesen Gedanken auf und spricht typische Herausforderungen an, die im Zusammenhang mit Digitalisierung, Automatisierung oder künstlicher Intelligenz auftreten. Oft werden solche Themen als zwingend notwendig dargestellt, ohne dass eine klare strategische Grundlage vorhanden ist. Jerg Luetkens erklärt, dass gerade in größeren Organisationen häufig eine Lücke zwischen Unternehmensstrategie und IT-Strategie entsteht. Die IT befindet sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Nutzeranforderungen, Sicherheitsanforderungen und der rasanten technischen Entwicklung. Gleichzeitig arbeiten viele Unternehmen noch mit älteren, schwerfälligen Systemen, die sich nur mühsam anpassen lassen. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, dass die IT eher blockiert als unterstützt. Ein zentrales Risiko besteht darin, dass Anwender beginnen, eigene Insellösungen zu entwickeln, wenn sie ihre Anforderungen nicht über die offizielle IT umsetzen können. Das führt langfristig zu zusätzlichen Problemen und erhöht die Komplexität der Systemlandschaft. Im weiteren Verlauf erläutert Jerg Luetkens typische Bestandteile einer IT-Strategie. Jede Strategie beginnt mit einer Vision und definierten Handlungsfeldern, aus denen konkrete Maßnahmen abgeleitet werden. In der IT ist zudem eine Roadmap wichtig, die eine zeitliche Abfolge der einzelnen Schritte beschreibt. Dabei spielen technische, menschliche sowie politische oder regulatorische Aspekte eine Rolle. Interessanterweise sind es nach seiner Erfahrung selten technische Probleme, die zum Scheitern führen. Viel häufiger liegen die Ursachen im menschlichen Bereich, etwa durch mangelnde Abstimmung zwischen Abteilungen, unklare Anforderungen oder fehlende Kommunikation. Deshalb betont Jerg Luetkens die Bedeutung von Change-Management. Jede größere Veränderung in der IT bedeutet auch eine Veränderung für die Menschen im Unternehmen. Neue Systeme bringen neue Arbeitsweisen und Benutzeroberflächen mit sich. Wenn die betroffenen Mitarbeiter nicht frühzeitig einbezogen werden, entstehen Widerstände oder ineffiziente Arbeitsabläufe. Erfolgreiche Strategien entstehen deshalb nicht allein am Reißbrett, sondern durch intensive Gespräche mit den Beteiligten im Unternehmen, vom Management bis zum Shopfloor. Götz Müller knüpft hier an und stellt die Frage nach typischen Phasen in der Umsetzung einer Strategie. Jerg Luetkens erläutert, dass Strategien meist für Zeiträume von drei bis fünf Jahren entwickelt werden. Innerhalb dieser Zeit werden Maßnahmen umgesetzt, regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Kontinuierliche Verbesserung spielt dabei eine wichtige Rolle. Selbst während eines Systemrollouts sollte bereits an Verbesserungen gearbeitet werden, damit Lösungen schrittweise optimiert werden können. Anhand eines Beispiels aus einem großen SAP-Projekt zeigt Jerg Luetkens, wie schwierig der richtige Umgang mit Nutzeranforderungen sein kann. Zu Beginn wurden zu viele Wünsche berücksichtigt, was zu enormer Komplexität und Verzögerungen führte. Später wurden Änderungen fast vollständig ausgeschlossen, was wiederum zu Unzufriedenheit führte. Der Erfolg liegt meist in einem ausgewogenen Mittelweg. Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die Frage, wie Unternehmen erkennen können, dass ihre Strategie nicht mehr funktioniert. Jerg Luetkens spricht von Warnsignalen oder einem „Knirschen“ im System. Dazu gehören steigende Fehlerraten, wachsende Unzufriedenheit bei Mitarbeitern oder Probleme in Produktionsabläufen. Neben technischen Kennzahlen wie Systemverfügbarkeit sind daher auch qualitative Rückmeldungen der Anwender entscheidend. Regelmäßige Gespräche mit Mitarbeitern und Kunden helfen, solche Probleme frühzeitig zu erkennen. In diesem Zusammenhang betonen beide Gesprächspartner die Bedeutung direkter Beobachtung der Arbeitsprozesse. Götz Müller verweist auf das Lean-Prinzip des „Go to Gemba“, also das Beobachten der realen Arbeit vor Ort. Jerg Luetkens ergänzt, dass auch IT-Verantwortliche regelmäßig Produktionsbereiche oder andere Arbeitsumgebungen besuchen sollten, um zu verstehen, wie ihre Systeme tatsächlich genutzt werden. Zum Schluss wenden sich Götz Müller und Jerg Luetkens dem aktuellen Thema künstliche Intelligenz zu. Jerg Luetkens sieht darin einerseits ein leistungsfähiges Werkzeug, warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. KI kann Prozesse beschleunigen und neue Lösungsansätze liefern, hat aber auch Grenzen und wirft Fragen des Datenschutzes und der Abhängigkeit von externen Plattformen auf. Gleichzeitig steigen durch solche Technologien die Erwartungen an die IT erheblich, da viele Menschen glauben, digitale Lösungen könnten heute nahezu sofort umgesetzt werden. Abschließend gibt Jerg Luetkens praktische Empfehlungen für Geschäftsführer, insbesondere im Mittelstand. Der erste Schritt besteht darin, ehrlich zu prüfen, ob überhaupt eine klare Strategie existiert und wo aktuelle Probleme liegen. Danach sollte gemeinsam mit der IT analysiert werden, ob Erwartungen, Ressourcen und Kompetenzen zueinander passen. Häufig entstehen Schwierigkeiten, weil zu viele Aufgaben mit zu wenigen Ressourcen bewältigt werden sollen. Realistische Ziele, ausreichende Kapazitäten und ein offener Umgang mit Fehlern sind deshalb entscheidend für eine erfolgreiche IT-Strategie.

Kaizen 2 go 385 : Kaizen 2 go 385 : Selbststeuerungsprozess

Episodennummer
385
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 385 : Selbststeuerungsprozess
Erscheinungsdatum
Dauer
32:53 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-385-selbststeuerungsprozess/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Jürgen Lauber über den Selbststeuerungsprozess und dessen Bedeutung für Menschen, die überwiegend geistige Arbeit leisten. Jürgen Lauber beschreibt seinen eigenen beruflichen Hintergrund als langjähriger Industrie-CEO und erläutert, wie er sich nach seiner aktiven Karriere intensiv mit der Verbesserung von Selbststeuerung beschäftigt hat. Sein zentrales Anliegen ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Denken und Handeln bewusster und zielgerichteter auszurichten, um sowohl beruflich als auch persönlich langfristig ein gutes Gefühl zu erreichen. Zu Beginn klärt Jürgen Lauber, was er unter einem Selbststeuerungsprozess versteht. Es handelt sich um eine strukturierte Vorgehensweise, die dabei hilft, Ablenkung, Fremdsteuerung und Verzettelung zu reduzieren. Ziel ist es, weniger von Zufällen, spontanen Impulsen oder äußeren Einflüssen bestimmt zu werden. Stattdessen soll das eigene Handeln systematisch auf ein positives Ergebnis ausgerichtet werden. Im Kern geht es darum, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Erinnerung und sogar die eigene Gefühlslage aktiv zu steuern. Besonders relevant ist dieses Konzept für Menschen mit Handlungsspielraum, die wenig direkte Führung erfahren. Dazu zählen vor allem Wissensarbeiter, die überwiegend am Bildschirm arbeiten. Im Gegensatz zur Produktion fehlen ihnen oft klare visuelle Strukturen und Abläufe, weshalb sie selbst für Ordnung und Orientierung sorgen müssen. Genau hier setzt der Selbststeuerungsprozess an. Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, wie man erkennt, ob die eigene Selbststeuerung funktioniert. Laut Jürgen Lauber zeigt sich dies vor allem im Ergebnis und im eigenen Empfinden. Stress, Unsicherheit oder Vergesslichkeit sind klare Hinweise auf Defizite. Umgekehrt zeichnet sich eine gute Selbststeuerung durch Souveränität, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit aus, auch anderen helfen zu können, ohne sich dabei zu überlasten. Dabei geht es nicht darum, sich fremdbestimmen zu lassen, sondern bewusst zu entscheiden, wann und wie man Unterstützung gibt. Götz Müller greift diesen Punkt auf und bringt die Perspektive von Führung und Zusammenarbeit ein. Eine schlechte Selbststeuerung, etwa in Form von Launenhaftigkeit, wirkt sich negativ auf das Umfeld aus und kann beispielsweise die psychologische Sicherheit im Team beeinträchtigen. Jürgen Lauber betont, dass solches Verhalten kein bewusstes Ziel ist, sondern Ausdruck mangelnder Selbststeuerung. Er sieht darin kein unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein regulierbares Defizit. Sein Ansatz ist stark durch das Denken in Regelkreisen geprägt. Er betrachtet Selbststeuerung als kontinuierlichen Prozess aus Beobachtung, Bewertung und Anpassung. Dabei spielen äußere Einflüsse eine große Rolle, insbesondere die natürlichen Schwächen des menschlichen Denkens. Menschen sind evolutionsbedingt leicht ablenkbar und neigen dazu, Energie zu sparen, indem sie Planung und Reflexion vermeiden. Gleichzeitig erinnern sie sich stärker an negative Ereignisse als an positive, was zu verzerrten Entscheidungen führen kann. Um diesen Effekten entgegenzuwirken, empfiehlt Jürgen Lauber feste Zeiten für Selbststeuerung einzuplanen. Besonders wichtig ist eine kurze, bewusste Reflexion am Morgen. Diese sollte mehr als nur wenige Minuten umfassen, aber dennoch praktikabel bleiben. Ergänzt wird dies durch regelmäßige Rückblicke und Vorschauen, die er als zentralen Bestandteil seines Prozesses beschreibt. Dabei geht es darum, Erlebnisse zu dokumentieren, zu strukturieren und daraus gezielt Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Götz Müller zieht Parallelen zu Lean-Prinzipien und bringt das Bild des „Säge Schärfens“ ins Spiel. Jürgen Lauber bestätigt diesen Gedanken und betont, dass bereits fünf bis zehn Minuten täglicher Reflexion einen erheblichen Unterschied machen können. Insgesamt liegt der zeitliche Aufwand bei etwa 40 bis 60 Minuten pro Woche, was im Verhältnis zum Nutzen sehr gering ist. Kritisch setzt sich Jürgen Lauber mit dem Begriff der Selbstoptimierung auseinander. Für ihn geht es nicht darum, sich im klassischen Sinne zu „optimieren“, sondern darum, das eigene Wohlbefinden und die Wirkung auf andere zu verbessern. Eine gute Selbststeuerung zeigt sich darin, wie man von seinem Umfeld wahrgenommen wird und wie gut man mit Herausforderungen umgehen kann. Auch mögliche Risiken werden angesprochen. Während eine Übertreibung im täglichen Prozess kaum negative Folgen hat, besteht bei langfristigen Zielen die Gefahr, sich zu verrennen. Hier empfiehlt Jürgen Lauber den Austausch mit vertrauten Personen oder Mentoren, um die eigene Richtung regelmäßig zu hinterfragen. Abschließend stellt er den Bezug zu Kaizen her. Für ihn ist der Selbststeuerungsprozess eine Übertragung von Lean-Prinzipien auf die Denkarbeit. Begriffe wie Verschwendung lassen sich direkt auf mentale Prozesse anwenden, etwa in Form von Stress, Unsicherheit oder häufigem Kontextwechsel. Der von ihm entwickelte Ansatz kann daher als eine Art „5S für den Kopf“ verstanden werden, das für Klarheit, Struktur und kontinuierliche Verbesserung sorgt. Zum Ende des Gesprächs verweist Jürgen Lauber auf sein Buch, in dem er seine Methode ausführlich beschreibt und praktische Anleitungen gibt. Sein Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen, ihren Alltag bewusster und wirksamer zu gestalten.

Kaizen 2 go 386 : Cyber-Security

Episodennummer
386
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 386 : Cyber-Security
Erscheinungsdatum
Dauer
47:42 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-386-cyber-security/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Merita Fischer und Christoph Fischer über Cyber-Security im Kontext von Produktentwicklung und regulatorischen Anforderungen, insbesondere dem Cyber Resilience Act der Europäischen Union. Beide Gesprächspartner bringen umfangreiche Erfahrung aus der Produkt-Sicherheit sowie der Softwareentwicklung mit und beleuchten das Spannungsfeld zwischen funktionalen Anforderungen eines Produkts und dessen Sicherheit. Zu Beginn ordnen Merita Fischer und Christoph Fischer das Thema Cyber-Security in drei zentrale Bereiche ein: IT-Security, OT-Security und Produkt-Security. Während sich IT-Security primär mit dem Schutz von Daten und IT-Infrastruktur beschäftigt, liegt der Fokus der OT-Security auf der Betriebssicherheit technischer Anlagen wie Produktionssystemen. Die Produkt-Security wiederum richtet sich auf die sichere Gestaltung von Produkten selbst und gewinnt durch steigende Kundenanforderungen und regulatorische Vorgaben zunehmend an Bedeutung. Ein zentraler Bestandteil der Diskussion ist der Cyber Resilience Act (CRA), der künftig verbindliche Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen definiert. Christoph Fischer erläutert, dass Unternehmen ohne Einhaltung dieser Anforderungen künftig keinen Zugang mehr zum EU-Markt haben könnten. Der CRA betrifft dabei nicht nur große Unternehmen, sondern auch kleine und mittlere Betriebe, sofern ihre Produkte Software enthalten und in irgendeiner Form kommunizieren, etwa über Netzwerke oder Schnittstellen. Merita Fischer erklärt den CRA anschaulich anhand eines „Haus-Modells“. Das Dach bildet die Konformitätserklärung inklusive CE-Kennzeichnung. Die Wände bestehen aus konkreten Sicherheitsanforderungen und Dokumentationspflichten. Das Fundament bildet die Risikoanalyse, die als zentrales Steuerungsinstrument dient. Sie hilft dabei, Sicherheitsmaßnahmen gezielt zu priorisieren und in ein sinnvolles Verhältnis zu Kosten, Entwicklungsaufwand und Nutzerfreundlichkeit zu setzen. Die Risikoanalyse wird von beiden Gesprächspartnern als essenzieller Ausgangspunkt hervorgehoben. Christoph Fischer beschreibt dabei Ansätze wie das CIA-Modell, das die Schutzziele Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit betrachtet. Diese helfen, Risiken systematisch zu bewerten und angemessene Maßnahmen abzuleiten. Dabei wird betont, dass nicht maximale Sicherheit das Ziel ist, sondern eine risikobasierte, wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration von Security in den Entwicklungsprozess. Christoph Fischer spricht von „Secure Development“, das schrittweise etabliert werden sollte und sich an bestehenden Standards orientieren kann. Gleichzeitig bleibt ein gewisser Interpretationsspielraum, was für Unternehmen sowohl Herausforderung als auch Chance darstellt. Auch bestehende Produkte werden thematisiert. Während sogenannte Legacy-Produkte unter bestimmten Bedingungen weiterhin betrieben werden dürfen, müssen neu produzierte oder aktualisierte Produkte den Anforderungen des CRA entsprechen. Besonders wichtig ist dabei die Fähigkeit zu Software-Updates, um Sicherheitslücken nachträglich schließen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz. Merita Fischer betont, dass die kontinuierliche Einhaltung der Sicherheitsanforderungen ohne Automatisierung kaum möglich ist, da Softwareprodukte ständig weiterentwickelt werden. Automatisierte Tests und Analysen helfen dabei, Sicherheitslücken frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass KI sowohl von Entwicklern als auch von Angreifern genutzt wird. Während sie die Effizienz in der Entwicklung steigern kann, erleichtert sie auch Angriffe wie Phishing oder das Auffinden von Schwachstellen. Zudem ist die Qualität von KI-Ergebnissen noch nicht zuverlässig genug, um vollständig darauf zu vertrauen. Der Faktor Mensch spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Nutzer tragen Verantwortung, etwa durch das Einspielen von Updates oder die sichere Konfiguration von Geräten. Gleichzeitig liegt es in der Verantwortung der Hersteller, Sicherheit möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Konzepte wie „Secure by Design“ und „Secure by Default“ sollen sicherstellen, dass Produkte bereits in ihrer Grundkonfiguration sicher sind. Innerhalb von Unternehmen sollte Security als Querschnittsthema verstanden werden. Unterschiedliche Rollen wie Entwickler, Tester und Architekten sollten gemeinsam an Sicherheitsfragen arbeiten. Ergänzend empfiehlt Christoph Fischer die Etablierung eines „Security Champions“ im Team sowie klar definierte Prozesse für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen. Eine offene Zusammenarbeit mit externen Sicherheitsforschern wird als Chance gesehen, Produkte kontinuierlich zu verbessern. Abschließend werfen Merita Fischer und Christoph Fischer einen Blick in die Zukunft. Sie erwarten, dass die Bedeutung von Cyber-Security weiter zunehmen wird. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen regulatorische Anforderungen lediglich formal erfüllen oder tatsächlich als Anlass für nachhaltige Verbesserungen nutzen. Als pragmatischen Einstieg empfehlen beide, mit einer fundierten Risikoanalyse zu beginnen, um systematisch und zielgerichtet in das Thema einzusteigen.

Kaizen 2 go 387 : Mentoring-Prozesse

Episodennummer
387
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 387 : Mentoring-Prozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
36:42 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-387-mentoring-prozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Barbara Riese über die Besonderheiten von Mentoring-Prozessen und deren Unterschiede zu Coaching und klassischer Beratung. Barbara Riese beschreibt zunächst, warum sie sich bewusst als Mentorin bezeichnet. Für sie greift weder die Rolle der Beraterin noch die des Coaches vollständig. Der Begriff Mentoring passt aus ihrer Sicht besser, weil er auf Begleitung in Übergangsphasen abzielt. Sie verweist dabei auf den Ursprung des Begriffs aus der griechischen Mythologie: Odysseus vertraute seinen Sohn Telemachos während seiner Abwesenheit dem Mentor an. Genau dieses Bild der begleitenden Unterstützung prägt ihr Verständnis von Mentoring. Im weiteren Verlauf arbeiten Götz Müller und Barbara Riese die Unterschiede zwischen Beratung, Coaching und Mentoring heraus. Barbara Riese beschreibt Coaching als meist zielorientiert, zeitlich begrenzt und methodisch strukturiert. Beratung wiederum liefere häufig konkrete Lösungen, Konzepte oder fachliche Expertise. Mentoring dagegen sei stärker prozess- und entwicklungsorientiert. Es gehe weniger darum, ein bestimmtes Ziel möglichst effizient zu erreichen, sondern vielmehr darum, wie sich ein Mensch auf dem Weg dorthin verändert. Barbara Riese betont dabei die Bedeutung von Präsenz, Resonanz und innerer Entwicklung. Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Rolle des Mentors als „Raumhalter“. Barbara Riese erklärt, dass Mentoring vor allem darin bestehe, einen geschützten Raum zu öffnen, in dem sich Menschen selbst begegnen und neu entdecken können. Dieser Raum ermögliche Reflexion und die Integration unterschiedlicher innerer Rollen und Persönlichkeitsanteile. Besonders intensiv beschäftigt sie sich dabei mit dem Begriff der Identität. Für sie bedeutet Identität, trotz aller Rollen und Entwicklungen mit sich selbst verbunden zu bleiben. Mentoring unterstütze Menschen dabei, wieder Zugang zu ihrer eigenen inneren Stimmigkeit zu finden. Götz Müller greift anschließend die Verantwortung des Mentees im Prozess auf. Barbara Riese macht deutlich, dass Mentoring niemals funktionieren könne, wenn der Begleitete keine echte Bereitschaft zur Veränderung mitbringt. Der Erfolg entstehe immer als Co-Kreation zwischen Mentor und Mentee. Offenheit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion seien dabei unverzichtbar. Das Bild der geöffneten Tür beschreibt diesen Gedanken besonders anschaulich: Der Mentor könne den Raum öffnen, hindurchgehen müsse der andere jedoch selbst. Im Gespräch über die Qualifikation von Mentoren erläutert Barbara Riese, dass es keine klar definierte Mentoring-Ausbildung gebe. Während Coaching stark von Methoden und Ausbildungen geprägt sei, verstehe sie Mentoring eher als Ergebnis von Lebenserfahrung, Herzensbildung und persönlicher Reife. Sie beschreibt, dass sie zwar über einen umfangreichen Methodenkoffer verfüge, sich aber bewusst gegen eine standardisierte eigene Methode entschieden habe. Für sie stehe die individuelle Begleitung des jeweiligen Menschen im Vordergrund und nicht die Anwendung eines festen Schemas. Anhand konkreter Beispiele differenzieren Götz Müller und Barbara Riese anschließend die geeigneten Einsatzfelder von Beratung, Coaching und Mentoring. Beratung eigne sich besonders für klar definierte technische oder organisatorische Probleme. Coaching passe gut zu Themen wie Teamkommunikation oder Zusammenarbeit. Mentoring komme vor allem dann zum Einsatz, wenn Menschen sich in persönlichen Übergängen, Unsicherheiten oder inneren Krisen befinden. Barbara Riese nennt dabei Situationen wie neue Führungsrollen, Sinnfragen oder das Gefühl innerer Distanz trotz äußerem Erfolg. Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist die Bedeutung von Gruppenprozessen. Barbara Riese betont, dass Menschen soziale Wesen seien und persönliche Entwicklung häufig erst in Resonanz mit anderen entstehe. Besonders in Gruppen könne Vertrauen wachsen und Offenheit entstehen. Dadurch würden auch schwierige Themen ansprechbar, die für Verbesserungen oder Veränderungen notwendig seien. Götz Müller erkennt darin deutliche Parallelen zu seiner Arbeit in der Prozessverbesserung und zur Bedeutung psychologischer Sicherheit in Teams. Beim Thema Ende eines Mentoring-Prozesses erklärt Barbara Riese, dass sich dieses selten exakt planen lasse. Beide Beteiligten würden jedoch spüren, wenn ein Prozess abgeschlossen sei. Der entscheidende Moment sei erreicht, wenn der Mentee wieder ausreichend Zugang zu den eigenen Ressourcen, zur eigenen Kraft und zu eigenständigen Entscheidungen gefunden habe. Ziel sei niemals Abhängigkeit, sondern Selbstständigkeit. Götz Müller betont, dass dies auch seinem Verständnis erfolgreicher Beratung entspreche. Spannend wird das Gespräch auch beim Thema Reverse Mentoring. Barbara Riese beschreibt, wie insbesondere jüngere Mitarbeitende älteren Generationen beispielsweise digitale Kompetenzen vermitteln können. Gleichzeitig profitieren jüngere Menschen von der Erfahrung älterer Kollegen. Dadurch entstehe nicht nur Wissenstransfer, sondern auch eine stärkere Verbindung zwischen Generationen und Abteilungen. Zum Abschluss sprechen Götz Müller und Barbara Riese über die Rolle von KI im Mentoring. Barbara Riese sieht durchaus Potenzial, etwa bei der Analyse von Kommunikationsmustern oder als Reflexionshilfe. Sie schildert ein Beispiel aus einem Workshop, bei dem KI sichtbar machte, wie häufig Teilnehmende statt „ich“ das unpersönliche Wort „man“ verwendeten. Gleichzeitig betont sie jedoch klar die Grenzen künstlicher Intelligenz. Resonanz, echte Präsenz und menschliche Verbundenheit könne KI nicht ersetzen. Sie könne unterstützen, aber niemals die zwischenmenschliche Beziehung im Mentoring übernehmen.

Kaizen 2 go 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling

Episodennummer
388
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling
Erscheinungsdatum
Dauer
29:19 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-388-wirtschaftlicher-digitaler-zwilling/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Andreas Skuin über den wirtschaftlichen digitalen Zwilling und dessen Bedeutung für die zukunftsorientierte Unternehmenssteuerung. Andreas Skuin erläutert zunächst den klassischen digitalen Zwilling, der als virtuelles Abbild eines physischen Objekts oder Prozesses dient. In der Industrie werden solche digitalen Zwillinge typischerweise genutzt, um Maschinen, Fertigungslinien oder Werkshallen abzubilden, Zustände vorherzusagen und Prozesse zu optimieren. Ziel ist dabei vor allem, Transparenz zu schaffen, Kosten zu reduzieren und schneller auf Veränderungen reagieren zu können. Der wirtschaftliche digitale Zwilling verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Statt technischer Prozesse betrachtet er die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Unternehmens. Im Mittelpunkt stehen Ertragsstrukturen, Kostenentwicklungen und Wechselwirkungen innerhalb des Unternehmens. Andreas Skuin beschreibt, dass dieser Ansatz auf Enterprise Performance Management basiert und vor allem dazu dient, Szenarien für die Zukunft zu simulieren und deren wirtschaftliche Auswirkungen sichtbar zu machen. Götz Müller greift die Frage auf, warum ein solches Konzept überhaupt notwendig geworden ist. Andreas Skuin erklärt dazu, dass Unternehmen zwar seit langem versuchen, Szenarien und Zukunftsentwicklungen zu analysieren, viele bisherige Methoden jedoch überwiegend qualitativ arbeiten. Verfahren wie Cross-Impact-Analysen oder Monte-Carlo-Simulationen zeigen zwar Zusammenhänge auf, liefern aber häufig keine konkrete wirtschaftliche Bewertung. Der wirtschaftliche digitale Zwilling schließt genau diese Lücke, weil er Wechselwirkungen nicht nur sichtbar macht, sondern gleichzeitig bewertet. Dadurch entsteht ein deutlich klareres Bild darüber, wie sich bestimmte Entwicklungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Gemeinkosten oder Fertigungskosten auswirken. Im weiteren Verlauf sprechen Götz Müller und Andreas Skuin darüber, wer mit einem wirtschaftlichen digitalen Zwilling arbeitet. Anders als beim technischen digitalen Zwilling, der häufig von Technikern oder Produktionsverantwortlichen genutzt wird, richtet sich der wirtschaftliche Ansatz vor allem an Geschäftsführer, Unternehmer, Investoren, Interim-Manager, Sanierer, Supply-Chain-Manager und Controller. Besonders in einer volatilen Wirtschaftslage bietet der digitale Zwilling die Möglichkeit, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Controller erhalten beispielsweise ein Werkzeug für kontinuierliches Monitoring, während Supply-Chain-Manager Auswirkungen entlang der Lieferkette besser bewerten können. Anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht Andreas Skuin die praktische Anwendung. Steigende Energiekosten, sinkende Auslastung, veränderte Materialpreise oder Lieferantenwechsel lassen sich simulieren und in ihren Auswirkungen auf das Unternehmen analysieren. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig zu betrachten. So kann beispielsweise untersucht werden, welche Folgen eine Kombination aus steigenden Energiekosten, höheren Materialpreisen und sinkender Auslastung hat. Andreas Skuin betont, dass sich dabei häufig überraschende Erkenntnisse ergeben. Manche Faktoren, die öffentlich stark diskutiert werden, haben unter Umständen geringere Auswirkungen als andere, weniger offensichtliche Entwicklungen. Ein zentraler Unterschied zur klassischen Betriebswirtschaftlichen Auswertung wird ebenfalls herausgearbeitet. Andreas Skuin beschreibt die BWA bildhaft als Blick ins Kielwasser eines Schiffes. Sie zeigt sehr präzise, woher ein Unternehmen kommt, basiert jedoch auf Vergangenheitsdaten. Der wirtschaftliche digitale Zwilling hingegen funktioniert wie Radar und Navigationssystem zugleich. Er zeigt nicht nur die aktuelle Position, sondern unterstützt dabei, zukünftige Entwicklungen und Handlungsoptionen zu erkennen. Dadurch entsteht eine wesentlich vorausschauendere Form der Unternehmenssteuerung. Götz Müller hebt hervor, dass Unternehmen dadurch deutlich schneller und gezielter reagieren können. Andreas Skuin ergänzt, dass der wirtschaftliche digitale Zwilling sowohl als Frühwarnsystem als auch für Risiko- und Krisenmanagement genutzt werden kann. Darüber hinaus eignet er sich auch zur Bewertung neuer Geschäftsmodelle oder strategischer Veränderungen. Beispiele reichen von Standortverlagerungen über Lieferantenbewertungen bis hin zur Einschätzung neuer Marktmodelle oder der Frage, wie sich ein bestehendes Geschäftsmodell unter veränderten Marktbedingungen behaupten kann. Ein weiterer Schwerpunkt der Unterhaltung ist die Genauigkeit des Systems. Andreas Skuin spricht von einer Genauigkeit zwischen 90 und 95 Prozent. Entscheidungen werden dadurch zwar nicht automatisiert, erhalten aber eine deutlich solidere Datenbasis. Das Bauchgefühl der Verantwortlichen bleibt wichtig, wird jedoch durch belastbare Analysen ergänzt. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, Maßnahmen in Echtzeit zu überwachen und ihre Wirkung kontinuierlich zu verfolgen. Auch Grenzen des wirtschaftlichen digitalen Zwillings werden angesprochen. Die Qualität der Ergebnisse hängt stark von der Qualität der gelieferten Unternehmensdaten ab. Zudem basiert das System auf Benchmark-Daten aus zahlreichen Branchen, wodurch Spezialfälle unter Umständen zusätzlichen Aufwand erfordern. Andreas Skuin macht außerdem deutlich, dass letztlich immer Menschen die Entscheidungen treffen. Der digitale Zwilling liefert Transparenz und Bewertungen, ersetzt aber keine unternehmerische Verantwortung. Zum Abschluss diskutieren Götz Müller und Andreas Skuin die Rolle von Künstlicher Intelligenz. Generative KI kann dabei helfen, neue Szenarien oder mögliche Entwicklungen zu identifizieren und kreative Perspektiven einzubringen. Die wirtschaftliche Bewertung dieser Szenarien übernimmt jedoch weiterhin der digitale Zwilling. Andreas Skuin sieht darin eine sinnvolle Kombination: KI liefert Ideen und Denkansätze, während der wirtschaftliche digitale Zwilling deren Auswirkungen transparent und nachvollziehbar bewertet. Dadurch entsteht eine leistungsfähige Verbindung aus kreativer Szenarienentwicklung und datenbasierter Unternehmenssteuerung.

Kaizen 2 go 389 : Kaizen 2 go 389 : Mitarbeiterentwicklungsprozesse

Episodennummer
389
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 389 : Kaizen 2 go 389 : Mitarbeiterentwicklungsprozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
53:08 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-389-mitarbeiterentwicklungsprozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Bernd Sägmüller über Mitarbeiterentwicklungsprozesse im Kontext von Lean Management und Business Systems. Ausgangspunkt des Gesprächs ist der berufliche Hintergrund von Bernd Sägmüller, der unter anderem bei Leica Microsystems und später bei Jenoptik tätig war. Besonders prägend war dabei seine Erfahrung mit dem Danaher Business System, das ihm einen tiefen Einblick in den Aufbau und die Wirkung erfolgreicher Business-Systeme ermöglicht hat. Bei Jenoptik war Bernd Sägmüller anschließend maßgeblich daran beteiligt, ein eigenes Business-System aufzubauen und im Unternehmen zu etablieren. Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie Mitarbeiterentwicklung in unterschiedlichen Unternehmenskontexten funktioniert. Bernd Sägmüller beschreibt, dass jedes Unternehmen eigene kulturelle Voraussetzungen mitbringt und sich selbst innerhalb eines Konzerns erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Standorten zeigen können. Diese Unterschiede betreffen insbesondere Führungsstil, Kommunikationsverhalten und den Umgang mit Problemlösung und Verbesserungsprozessen. Genau darin sieht Bernd Sägmüller eine der größten Herausforderungen bei der Einführung von Lean und Business-Systemen. Anhand des Beispiels von Shopfloor-Boards verdeutlicht Bernd Sägmüller, dass sichtbare Elemente wie Kennzahlen oder Meetingstrukturen zwar wichtig sind, die eigentliche Wirkung aber von den unsichtbaren Faktoren abhängt. Entscheidend sei beispielsweise, wie Führungskräfte vor dem Board auftreten, wie Gemba-Walks durchgeführt werden oder wie offen mit Problemen umgegangen wird. Das eigentliche Lean-Mindset zeige sich nicht in Methoden allein, sondern in der täglichen Haltung und Kommunikation. Götz Müller greift diesen Gedanken auf und spricht die Herausforderung an, Menschen weiterzuentwickeln, ohne sie auf einen bloßen „Ist-Zustand“ zu reduzieren. Bernd Sägmüller erklärt dazu, dass Entwicklung immer eine Kombination aus Standards und individueller Begleitung sei. Lean-Kata und Coaching-Kata betrachtet er dabei als hilfreiche Orientierungsrahmen. Gleichzeitig betont er, dass Methoden alleine nicht ausreichen. Führungskräfte müssten lernen, wie sie Menschen mitnehmen, Vertrauen aufbauen und Veränderung sinnvoll begleiten. Besonders intensiv diskutieren beide Gesprächspartner die Rolle von Coaching und Gemba-Walks. Bernd Sägmüller beschreibt, dass echte Verbesserungen nur entstehen, wenn Verantwortliche direkt am Ort der Wertschöpfung präsent sind. Ein Business-System könne nicht ausschließlich aus der Distanz oder digital eingeführt werden. Wer Prozesse verstehen wolle, müsse sich in die Realität der Mitarbeiter hineinbegeben und echtes Interesse an deren Arbeit zeigen. Vertrauen entstehe nur durch kontinuierliche Präsenz und ernsthafte Auseinandersetzung mit den täglichen Herausforderungen. Ein konkretes Beispiel liefert Bernd Sägmüller anhand eines Shopfloor-Meetings, das gemeinsam mit einer Kollegin beobachtet und anschließend weiterentwickelt wurde. Statt weniger dominanter Wortbeiträge erhielt dort jeder Mitarbeiter feste Redezeiten. Zusätzlich wurden sogenannte Spillover-Slots eingeführt, um komplexere Themen nach dem eigentlichen Meeting gezielt weiterzuführen. Diese vergleichsweise kleinen Veränderungen führten zu deutlich strukturierteren Meetings, einer höheren Beteiligung der Mitarbeiter und einer besseren Nutzung von Problemlösungsmethoden wie A3-Reports. Besonders bemerkenswert war für Bernd Sägmüller, dass viele dieser Verbesserungen auch Monate später noch aktiv genutzt wurden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist das Thema Wissensschöpfung. Bernd Sägmüller erweitert dabei den klassischen Lean-Begriff der Wertschöpfung um die Perspektive des Wissens. Jeder Arbeitsprozess erzeuge gleichzeitig neues Wissen, insbesondere dann, wenn Probleme gelöst oder Verbesserungen umgesetzt werden. Dieses Wissen dürfe nicht verloren gehen. Unternehmen müssten deshalb Wege finden, Erkenntnisse systematisch aufzunehmen, zu dokumentieren und weiterzugeben. Dabei geht es Bernd Sägmüller nicht nur um formale Dokumentation, sondern um eine Kultur, in der Mitarbeiter erkennen, dass ihre Erfahrungen und Ideen wertvoll sind. Shopfloor-Boards, A3-Prozesse und Coaching-Fragen dienen aus seiner Sicht nicht nur der Problemlösung, sondern auch als Kristallisationspunkte für gemeinsames Lernen. Gerade durch regelmäßige Reflexion und kleine Verbesserungsvorschläge könne sich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess entwickeln, der zunehmend von den Mitarbeitern selbst getragen wird. Götz Müller bringt in diesem Zusammenhang das Beispiel von Paul Akers und dessen Ansatz „Fix what bugs you“ ein. Bernd Sägmüller bestätigt, dass gerade in kleineren Unternehmen und im Mittelstand enorme Potenziale vorhanden seien. Oft genügten bereits kleine Veränderungen, um deutliche Verbesserungen zu erzielen. Entscheidend sei allerdings, dass Führungskräfte die Ideen ihrer Mitarbeiter ernst nehmen und Verbesserungen konsequent unterstützen. Zum Ende des Gesprächs geht es um die Frage, wie Unternehmen konkret mit einer Lean-Transformation beginnen können. Bernd Sägmüller betont, dass der wichtigste Schritt die klare Unterstützung durch Geschäftsführung oder Unternehmensleitung sei. Ohne echtes Commitment von oben werde jede Transformation scheitern. Gleichzeitig empfiehlt er, nicht zu viele Themen gleichzeitig anzugehen, sondern gezielt dort zu starten, wo schnelle und sichtbare Verbesserungen möglich sind. Als sinnvoll beschreibt er außerdem die Zusammenarbeit mit erfahrenen Lean-Praktikern, die zunächst gemeinsam mit dem Unternehmen den aktuellen Zustand analysieren und daraus individuelle Entwicklungsschritte ableiten. Entscheidend sei dabei, Transformation nicht als starres Methodenprogramm zu verstehen, sondern als langfristigen Lern- und Entwicklungsprozess. Mitarbeiterentwicklung bedeute letztlich, Menschen Angebote zur Weiterentwicklung zu machen und gleichzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Lernen, Verbesserung und Wissensaustausch dauerhaft Teil der Unternehmenskultur werden können.

Kaizen 2 go 390 : Kaizen 2 go 390 : Automatisierte Angebotsprozesse

Episodennummer
390
Vollständiger Titel
Kaizen 2 go 390 : Kaizen 2 go 390 : Automatisierte Angebotsprozesse
Erscheinungsdatum
Dauer
31:16 Min
Podcast
Kaizen 2 go – Der Lean-Podcast
Moderator
Götz Müller
Episoden-URL
https://www.geemco.de/artikel/kaizen-2-go-390-automatisierte-angebotsprozesse/
Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Christian Götze über die Herausforderungen und Chancen bei der Automatisierung von Angebotsprozessen in industriellen Unternehmen. Christian Götze bringt dabei seine langjährige Erfahrung aus dem Maschinenbau, der Kunststoffindustrie sowie dem Vertrieb komplexer Spritzgießwerkzeuge ein. Heute ist er Gründer des Unternehmens Toolplace, das sich ursprünglich als Plattform zur Vernetzung von Speziallieferanten entwickelte und inzwischen Lösungen zur Digitalisierung und Automatisierung von Ausschreibungs- und Angebotsprozessen anbietet. Zu Beginn erläutert Christian Götze seinen beruflichen Werdegang. Nach seinem Maschinenbaustudium arbeitete er über viele Jahre in der Schweiz bei einem Hersteller von Spritzgießwerkzeugen. Dort war er unter anderem in den Bereichen Innovation, Entwicklung, Konstruktion und Vertrieb tätig. Die intensive Beschäftigung mit Angebotsprozessen entstand insbesondere durch die Verantwortung für den Vertrieb und die Zusammenarbeit mit großen Automobilherstellern wie Porsche, Daimler, Volkswagen und BMW. Im Gespräch beschreibt Christian Götze die zunehmenden Herausforderungen für produzierende Unternehmen. Ein wesentlicher Treiber sei der steigende internationale Wettbewerbsdruck, insbesondere durch die hohe Geschwindigkeit asiatischer Wettbewerber. Entwicklungszeiten für neue Produkte würden immer kürzer. Während Fahrzeugentwicklungen früher oft sieben Jahre dauerten, seien heute Zeiträume von rund 24 Monaten keine Seltenheit mehr. Dieser Druck wirke sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus und zwinge Unternehmen dazu, ihre Prozesse deutlich schneller und effizienter zu gestalten. Angebotsprozesse seien dabei häufig noch stark von manueller Arbeit geprägt. Fachspezialisten müssen Kundenanforderungen analysieren, technische Dokumente auswerten, Konzepte entwickeln, Kalkulationen erstellen und teilweise Informationen an weitere Lieferanten weitergeben. Gleichzeitig stehen immer weniger erfahrene Experten zur Verfügung, während die Anzahl der Anfragen steigt und die Bearbeitungszeiten sinken. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zwischen notwendigem Fachwissen und wachsendem Zeitdruck. Götz Müller greift in diesem Zusammenhang die Besonderheiten von Spritzgießwerkzeugen auf. Da diese Werkzeuge oft Investitionen im hohen sechsstelligen Bereich erfordern, versuchen Unternehmen, den Bestellzeitpunkt möglichst spät im Entwicklungsprozess anzusetzen. Änderungen am Produktdesign können sonst dazu führen, dass Werkzeuge aufwendig angepasst oder sogar neu gebaut werden müssen. Christian Götze bestätigt diese Problematik und berichtet von Werkzeugen mit Kosten von über einer Million Euro, bei denen Fehlentscheidungen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben können. Im weiteren Verlauf erklärt Christian Götze, an welchen Stellen Automatisierung besonders große Potenziale bietet. Grundsätzlich unterscheidet er zwischen Vergleichskalkulationen, die auf Erfahrungen und ähnlichen Projekten basieren, und vollständigen Neukalkulationen. Besonders interessant sei die Digitalisierung des Erfahrungswissens erfahrener Mitarbeiter. Viele Kalkulatoren verfügen über ein ausgeprägtes Bauchgefühl, das auf jahrzehntelanger Erfahrung beruht. Dieses Wissen könne durch die Auswertung historischer Unternehmensdaten digital nutzbar gemacht werden. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der automatisierten Analyse von Kundenunterlagen und technischen Daten. Moderne Systeme können Spezifikationen, Lastenhefte und CAD-Daten auswerten und daraus relevante Informationen für die Kalkulation ableiten. Durch die Kombination aus historischen Projektdaten, Machine-Learning-Verfahren und automatisierter Dokumentenanalyse lassen sich innerhalb weniger Minuten erste Preisindikationen, Lieferzeiten und detaillierte Kostenaufstellungen erzeugen. Ein wichtiges Thema ist dabei der demografische Wandel. Götz Müller weist darauf hin, dass viele erfahrene Experten in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden. Christian Götze berichtet von Unternehmen, deren gesamte Kalkulationskompetenz auf nur wenige Mitarbeiter konzentriert ist. Wenn diese ausscheiden, droht wertvolles Wissen verloren zu gehen. Die Digitalisierung historischer Daten und Entscheidungsgrundlagen kann helfen, dieses Wissen langfristig verfügbar zu machen und die Abhängigkeit von einzelnen Personen zu reduzieren. Auch die Qualität und Struktur der Unternehmensdaten wird diskutiert. Die Spannbreite reicht laut Christian Götze von sehr gut organisierten Datenbeständen bis hin zu gewachsenem Wildwuchs ohne klare Ordnung. Dennoch sei dies kein unüberwindbares Hindernis. Durch individuell entwickelte Extraktionsroutinen können relevante Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen gesammelt, strukturiert und für die weitere Verarbeitung nutzbar gemacht werden. Für Unternehmen, die sich mit dem Thema beschäftigen möchten, beschreibt Christian Götze einen typischen Einstieg. Zunächst werden die Anforderungen an die spätere Kalkulation geklärt. Anschließend erfolgt eine Analyse der vorhandenen Datenbestände. Entscheidend ist dabei eine ausreichende Menge historischer Projektdaten, damit die statistischen Verfahren zuverlässig arbeiten können. Nach der Datenaufbereitung und dem Training der Modelle stehen erste Ergebnisse meist innerhalb von zwei bis vier Wochen zur Verfügung. Zum Abschluss sprechen Götz Müller und Christian Götze über Vorbehalte gegenüber künstlicher Intelligenz. Viele Mitarbeiter befürchten, durch Automatisierung überflüssig zu werden. Christian Götze sieht die Technologie jedoch eher als Entlastung für Experten. In vielen Unternehmen steige die Zahl der Angebotsanfragen kontinuierlich, während qualifizierte Fachkräfte knapp seien. Automatisierung solle daher nicht Menschen ersetzen, sondern ihnen helfen, ihre Zeit auf wertschöpfendere Aufgaben zu konzentrieren. Ebenso geht Christian Götze auf Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Cloud-Lösungen ein. Er betont, dass Kundendaten grundsätzlich getrennt verarbeitet werden und moderne Sicherheitsstandards sowie europäische Datenschutzanforderungen eingehalten werden. Abschließend lädt er interessierte Unternehmen dazu ein, über LinkedIn oder die Website von Toolplace Kontakt aufzunehmen und sich die Möglichkeiten der automatisierten Angebotsprozesse näher erläutern zu lassen.

Letzte Überprüfung: | Quelle: geemco.de/kaizen-2-go-podcast/ | ← Alle Jahre

Referenzen & externe Quellen

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YouTube
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LeanBase
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Wikipedia
Lean Management (Wikipedia)
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