Inhalt der Episode:
- Was sind klassische Anwendungen von digitalen Zwillingen, was ist deren Fokus?
- Was war der Auslöser, sich mit wirtschaftlichen digitalen Zwillingen zu beschäftigen?
- Was ist der Fokus von wirtschaftlichen digitalen Zwillingen? Wer sind typische Anwender?
- Was sind typische Einflussfaktoren bzw. Szenarien, die mit wirtschaftlichen digitalen Zwillingen durchgespielt werden können?
- Welchen Nutzen können Unternehmen und ihre Entscheidungsträger aus wirtschaftlichen digitalen Zwillingen?
- Was unterscheidet einen wirtschaftlichen digitalen Zwilling von einer BWA, welche Vorteile sind damit verbunden?
- Was ist der Output von wirtschaftlichen digitalen Zwillingen bei welchen Einsatzfällen?
- Was sind mögliche Grenzen wirtschaftlicher digitaler Zwillinge?
- Wie kann ggf. KI, spezielle generative KI im Kontext wirtschaftlicher digitaler Zwillinge eingesetzt werden, wo liegen deren Grenzen?
- Wo kann man mehr über wirtschaftliche digitale Zwillinge erfahren?
Notizen zur Episode:
- LinkedIn-Profil von Andreas Skuin
- Website der M-Partners
- EPM360 (Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling)
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(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkript.
Episode 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute unterhalte ich mich mit Andreas Skuin. Er ist Executive Consultant und Mitglied der Geschäftsführung bei den m.partners. Hallo Andreas.
Andreas Skuin: Hallo Götz, ich grüße dich.
Götz Müller: Jetzt haben wir heute ein spannendes Thema, digitaler Zwilling, aber noch mit einem weiteren Adjektiv, nämlich wirtschaftlicher digitaler Zwilling. Und wo du mir den Begriff, ich sage mal, vorgestellt hast, fand ich das dann eben spannend, weil ich hatte da verschiedene Varianten gar nicht vor meinem geistigen Auge. Und vielleicht ist das aber auch für die Zuhörer dann ein guter Einstieg, überhaupt mal nochmal diese klassischen, ich nenne es jetzt halt mal klassisch-digitalen Zwillinge, glaube ich, wo die meisten ein Bild haben. Und dann so langsam eben auch auf den Unterschied, auf den wirtschaftlichen digitalen Zwillingen rauszugehen.
Andreas Skuin: Okay, ja, können wir gerne machen, ja. Also ja, klassischerweise, da ja der Begriff dazu in der Richtung, ist der digitale Zwillinge ein virtuelles Abbild eines physischen Objekts, eines Prozesses und ist meistens damit verbunden, dass man die Daten der Realität dabei abbildet in der Richtung. Und in der Industrie liegt dabei meistens der Fokus auf der Abbildung von einzelnen Maschinen, Fertigungslinien, Werkshallen oder anderen Dingen dabei in der Richtung und die digitalen Zwillinge dienen dann dazu, Zustände vorauszusagen oder Prozesse zu optimieren zum Beispiel und je nachdem, wie halt so Dinge benötigt werden. Also im Prinzip eigentlich ein Spiegelbild immer von dem, was ich da vor mir habe im Endeffekt, um damit dann zu erkennen, wo an welchen Stellen irgendwas gedreht werden muss, optimiert werden kann und hier auch damit Kosten zu sparen und schneller zu sein und flexibler zu sein. Und in dem Rahmen der digitale Zwilling für, also betriebswirtschaftliche digitale Zwilling, der auf dem EPM basiert, Enterprise Performance Management steht für EPM, der betrachtet halt, geht weg von dem Technischen, sondern geht eher auf das ganze Thema Ertrags- und Kostenstruktur eines Unternehmens, um hier dieses abzubilden und damit dann eher in Richtung Szenarien, Zukunftsorientierung das Ganze zu unterstützen dabei.
Götz Müller: Also jetzt hast du es schon ein bisschen angedeutet, ich nehme immer gern so eine Einstiegsfrage. Wenn mal, ich nenne es halt mal, etwas ganz Neues auftaucht, dann kommt bei mir sofort die Frage, warum ist das Neue in Anführungszeichen notwendig? Weil wenn ich es nicht bräuchte in irgendeiner Form, dann würde keiner auf die Idee kommen. Also so ein bisschen eben, was war der Auslöser, sich mit diesen wirtschaftlich-digitalen Zwillingen zu beschäftigen?
Andreas Skuin: Also der Auslöser, weshalb wir überhaupt darauf gekommen sind, liegt darin, dass wir vom Ursprung her uns immer schon Gedanken gemacht hatten, wie können wir denn eigentlich Szenarien für Unternehmen so am bestmöglichen darstellen, damit sie verstehen, wohin sie sich orientieren, sondern um auch Entscheidungen treffen zu können. Da haben wir zum Beispiel auch das Thema Cross-Impact-Analyse uns angeschaut. Und die meisten sind allerdings, also es gibt ja noch andere Methoden dabei, das geht ein bis hin zur Monte-Carlo-Simulation zum Beispiel, Spieltheorie kommt auch noch mit zum Tragen, etc. Das meiste ist allerdings meistens eher qualitativ. Also das heißt, du siehst sehr viel dabei, du erkennst die Wechselwirkungen, das ist auch spannend dabei. Was du nicht erkennst, sind Bewertungen. Und das war für uns, als wir dann das erste Mal auf dieses System gestoßen sind, ziemlich erhellend, weil wir gedacht haben: Wow, okay, gut, wir können jetzt hier mit diesem betriebswirtschaftlichen Zwilling Wechselwirkungen bewertbar zeigen. Das heißt also, wie wirken die Dinge im Unternehmen zusammen und was bedeutet das nachher für die eigentliche Wettbewerbssituation des Unternehmens in Bezug auf seine Kostenstrukturen, in Bezug auf seine Gemeinkosten, auf seine Fertigungskosten etc. Also es geht sehr tief rein dann insgesamt gesehen. Und damit haben wir, da waren wir sehr glücklich drüber, weil wir gesehen haben, wow, okay, damit können wir jetzt hier letztlich in Ergänzung das Ganze nochmal auch richtig bewertbar aufzeigen. Und das letztlich mit den Daten und Werten, die wir dann von dem Unternehmen mit einspeisen.
Götz Müller: Ja, jetzt glaube ich, die universelle Gemeinsamkeit der Zwillinge, nenne ich es mal, oder der digitalen, allgemein der digitalen Zwillinge ist eben, dass ich sie von außen beobachten kann. Und das bringt mich so ein bisschen zu der nächsten Frage, wer sind denn beim wirtschaftlichen digitalen Zwilling, wer sind denn dort die Beobachter? Ich nenne es jetzt mal beim technischen digitalen Zwilling sind es halt die Techniker. Im Extremfall ein Werksleiter, aber ich glaube, da hört es dann vielleicht auf.
Andreas Skuin: Ja, gut, ich meine, es kommt darauf an. Es geht ja im Endeffekt darum, zu verstehen, wie kann das Unternehmen, wie steht das Unternehmen zahlentechnisch heute da und wo kann es sich oder wo möchte es sich gern hin entwickeln oder wo bedarf es auch Maßnahmen, um sich dorthin zu entwickeln. Demzufolge sind natürlich Ansprechpartner oder meistens Geschäftsführer und Inhaber zum Beispiel sind hier Ansprechpartner, aber auch durchaus Investoren, die zum Beispiel auch verstehen wollen, wie steht ein Unternehmen denn da und was kann passieren, wenn bestimmte Dinge sich entwickeln. Wir leben ja in einer sehr volatilen Welt gerade momentan und das gilt es mit zu betrachten dabei. Gleichsam ist es allerdings so, dass auch Interim-Manager und Sanierer zum Beispiel dabei einen, für die das sehr hilfreich ist, weil sie damit auch sehr viel schneller, zielorientiert nach vorne schauen können und aber auch durchaus Supply Chain Manager und Controller. Supply Chain Manager, weil sie damit auch ihre ganze Lieferkette betrachten können. Und Controller, weil sie damit ein Instrument haben, mit dem sie ein Finanzcontrolling, kontinuierlich monitoren können. Und das ist das Wesentliche dabei, ohne jetzt hier monatelang die ganzen Daten und Zahlen zusammensuchen zu müssen, sondern ich habe es ad hoc da.
Götz Müller: Ja, ist nachvollziehbar. Vielleicht ergänzend dann eben auch, der Zwilling lebt ja in seiner Welt und sowohl der technische, aber eben auch der wirtschaftliche Zwilling. Was sind denn jetzt eben aus dieser Welt raus, was sind denn Einflussfaktoren, Szenarien? Lieferkette hast du angedeutet, aber ich glaube, es gibt noch eine Vielzahl bzw. man muss das ziemlich aufschlüsseln.
Andreas Skuin: Ja, gut, das sind natürlich … also ich gebe dir einfach mal ein klassisches Beispiel. Also wir sehen das ja gerade momentan, die Energiekosten explodieren gerade momentan. Und was hat das jetzt für Auswirkungen auf mich im Endeffekt? Also wenn die Energiekosten explodieren, stellt sich ja die Frage, was bedeutet das für meine Kostenstruktur insgesamt? Das kann ich dann entsprechend gleich darstellen. Oder was ist, wenn meine Auslastung, sagen wir mal, von klassischer Weise, wenn es gut läuft, sind wir bei 93 Prozent, auf einmal absackt auf 70 Prozent oder 60 Prozent? Was bedeutet das denn eigentlich? Wie wirkt sich das denn insgesamt aus? Oder wenn Materialkosten steigen, entweder ganz spezifisch oder allgemein und auch ganz spezifische Systemteile, die ich einkaufe, wenn da auf einmal Kostensteigerungen entstehen oder ich einen Lieferantenwechsel habe und damit nochmal neu kalkulieren muss, gegebenenfalls. Was bedeutet das? Wie stelle ich mich denn dann dar, wenn ich den Lieferant A, B oder C nutze? Oder wenn ich merke, ich habe jetzt hier auf lange Sicht gesehen oder mittlere Sicht gesehen, entsprechende höhere Kosten beim Materialeinkaufen, um das zu wiederholen. Oder Kapazitätsmanagement beispielsweise ist so eine Thematik. Und das kann ja alles sehr kurzfristig passieren und auch volatil sein. Und das Interessante ist halt dann, dass wir multivariabel, das heißt also, wir können verschiedene Parameter, wir können, zum Beispiel wie in Richtung Sensitivitätsanalyse, einzelne Parameter betrachten, um dann zu prüfen, was dann passiert. Oder wir können das Ganze auch multivariabel machen. Das heißt, Energiekosten steigern, Materialienkosten sind teurer geworden, Auslastung sinkt. Was bedeutet das im Gesamtkomplex eigentlich?
Götz Müller: Ja, wobei die Dinge ja durchaus von außen auch Wechselwirkungen haben.
Andreas Skuin: Absolut.
Götz Müller: Sehen wir ja jetzt gerade auch wieder, für die, die das vielleicht in fünf Jahren hören, wo halt eben da so ein kleiner Engpass entsteht und sprich die Energiepreise durch die Dicke gehen und gleichzeitig aber eben auch bestimmte Produkte halt dann gar nicht mehr transportiert werden können, weil es zu teuer ist.
Andreas Skuin: Ja, wobei interessant ist dabei zum Beispiel, dass wir oftmals beobachten, dass auch wenn die Energiepreise jetzt zum Beispiel stark ansteigen, möglicherweise im Gesamtkontext für das Unternehmen gar nicht diese Bewandtnis haben. Also es ist ganz interessant zu beobachten. Auch dazu dient es, weil man dann sieht: Moment mal, warum rege ich mich über die Energiekosten auf? Die haben im Gesamtkontext lang nicht diese Bedeutung, als wenn ich jetzt zum Beispiel Personalkostensteigerung hätte oder wo meine Auslastung entsprechend anders aussieht. Also es ist ganz interessant zu beobachten. Da kann man entsprechend, man staunt ja immer wieder selber.
Götz Müller: Ja, das bringt mich so ein bisschen auch zu meiner nächsten Frage. Vielleicht der ein oder andere, der eher so auf der wirtschaftlichen Ebene unterwegs ist, wird vielleicht einwenden: Warum brauche ich das? Ich habe doch meine BWA, die ich alle Vierteljahr vom Steuerberater bekomme aus der Finanzbuchhaltung. Die sagt mir doch schon viel. Und hinter der Frage steckt jetzt, ich nehme es halt mal einfach vorweg, was ist denn der Unterschied? Also sprich auch wieder auf das von vorhin, was kann ich jetzt aus dem digitalen, aus dem wirtschaftlich-digitalen Zwilling mehr rausholen als zum Beispiel aus einer BWA?
Andreas Skuin: Also man könnte den Unterschied vielleicht so betrachten dabei in der Richtung. Also die BWA, wenn man das jetzt mal als Vergleich mit der Schifffahrt betrachtet, das klassische Bild der BWA, das ist im Prinzip so etwas, als wenn ich die Daten aus dem Kielwasser hole. Also sehr tiefgehend und detailliert dabei in der Richtung. Und man sieht sehr präzise, und das ist das Wichtige, wo man herkommt. Der wirtschaftliche Digitalzwilling hingegen ist das Radar und das Navigationssystem. Es zeigt, wo man gerade steht und wie man weitergehen kann und wie sich das bewegt. Also das heißt in die Zukunft. Also anders formuliert nochmal, die BWA liefert historische Daten, auch wenn es jetzt nur zwei oder drei Monate alt ist möglicherweise, aber dennoch, es sind Vergangenheitsdaten. Und Vergangenheitsdaten, die sollte ich dann nutzen, um extrapoliert nach vorne zu blicken. Und dazu dient der digitale Zwilling, weil ich kann nach vorne blicken, unter Nutzung auch der Vergangenheitsdaten, aber ich gucke nach vorne. Und das ist der wesentliche Unterschied.
Götz Müller: Ja, und das erlaubt mir eben dann eine ganz andere, wenn ich am Steuer stehe, um bei dem Bild zu bleiben, eine ganz andere Form der Reaktion auf das, was ich da auf dem Radar sehe.
Andreas Skuin: Genau, es dient mir sozusagen als Frühwarnsystem zum Beispiel, in dem ich Szenarien dann darstellen kann. Es dient mir aber auch als Risikomanagement, für das Risikomanagement, aber auch zum Krisenmanagement im Fall eines Falles.
Götz Müller: Und vielleicht sogar eben, könnte ich mir vorstellen, noch wirklich einen ganzen weiten Blick in die Zukunft, wo vielleicht dann die Frage im Raum steht, ja, ist mein Geschäftsmodell eigentlich noch auf der Höhe der Zeit?
Andreas Skuin: Auch das ist ein Thema, sicherlich, ganz klar, auf jeden Fall, ja, hundertprozentig. Also das sind so Dinge, genau, und das ist das, was wir halt mit dem digitalen Zwilling bis zu einer Genauigkeit von 95 Prozent erarbeiten können und hier damit den Entscheidungsträgern Möglichkeiten bieten, Entscheidungen zu treffen in einer ganz anderen Sicherheit. Und der Bauch spielt immer eine Rolle. Im Endeffekt ist es so, der digitale Zwilling liefert Daten, liefert Aussagen, liefert Bewertungen. Entscheidungen müssen dann immer noch, die Entscheidungsregler müssen sie selber treffen dabei in der Richtung. Auch klar. Also das nimmt ihm keiner ab dabei. Es unterstützt aber in Ergänzung zum Bauchgefühl, was ja auch häufig eine ganz große Rolle spielt und auch sicherlich wertvoll ist, bietet der digitale Zwilling basierend auf Daten noch mal eine ganz andere Sicherheit.
Götz Müller: Ja, weil ich mir vorstellen könnte, dass man dem digitalen Zwilling jetzt sagt: Ja, jetzt laufe halt mal zwei Meter in die Richtung und dann gucken wir mal, was passiert, wenn XYZ noch da draußen unterwegs ist.
Andreas Skuin: Genau, also das heißt, guter Punkt, exakt, also ich kann damit auch das Monitoring praktisch machen. Ich kann verfolgen: Greifen denn eigentlich meine Maßnahmen und in welcher Form greifen die? Und das nicht nur rückblickend, sondern auch wirklich in Realtime, also in Echtzeit.
Götz Müller: Ja, und da geht mir jetzt als Lean-Mensch ein Stück weit wieder ein Licht auf oder das Herz auf sogar fast. Man kann ja jetzt eben eine Hypothese, ja nicht, sie ist mehr als eine Hypothese, sie ist dann eben durch den, und wo du 95 Prozent gesagt hast, da hat dann der Statistiker in mir leuchtende Augen bekommen. Das ist ja so gut wie sicher.
Andreas Skuin: Ja, so gesehen ja. Also es sei denn, also ich meine gut, du weißt immer nie, ob ein schwarzer Schwan noch hochkommt. Also das kannst du vorher nicht wissen. Aber in dem Moment, in dem der schwarze Schwan hochkommt, kann ich sofort gucken, was bedeutet das. Also ich habe eine extrem hohe Transparenz dabei in den Daten und das ist das, was es ermöglicht, hier diese Voraussicht etwas anders zu managen, also eine andere Art der Unternehmenssteuerung dabei zu machen.
Götz Müller: Das bringt mich jetzt auch ein bisschen, zum Teil hattest du es schon angedeutet, wo du die Menschen adressiert hast, die mit dem digitalen Zwillingen umgehen und jetzt ein bisschen vielleicht allgemeiner oder eben nochmal aus einem anderen Blickwinkel. Was sind denn so typische Einsatzfälle, wo eben so ein wirtschaftlich digitaler Zwilling zum Einsatz kommt?
Andreas Skuin: Ja, gut, zum Teil haben wir es schon erwähnt, so ist es ja nicht. Also es kommt zum Beispiel zum Einsatz grundsätzlich, wenn es um strategische Fragen geht. Wie ist meine Wettbewerbssituation als solche, Stand heute? Was müsste ich tun, um mich wieder in eine entweder bessere oder gute Wettbewerbsposition zu bringen, wenn denn diese schlecht ist? Oder was kann ich tun, um mich noch mehr zu optimieren? Was ist dann, zum Beispiel, oder andere Frage, wie ist es zum Beispiel mit der Lieferantenbewertung zum Beispiel? Das kann auch eine Frage sein. Oder wenn es darum geht, Verlagerungen zu machen, ich möchte einfach eine Verlagerung eines Werkes beispielsweise aus Deutschland nach Polen, nach Rumänien oder nach China machen. Wie sieht das dann aus beispielsweise? Oder Krisenvorausschau und Sanierungsfragen. Also ich stecke in der Krise und wie kann ich jetzt hier damit umgehen? Also ich kann hier diese Szenarien dann auch betrachten. Oder, und das hast du kurz angesprochen gehabt auch, zu sagen, was ist, wenn ich ein ganz komplett ein neues Geschäftsmodell aufsetze in meiner Branche, aber ein anderer Markt und wie könnte das dann aussehen? Also das sind so, ja … also man müsste jetzt hier ins Detail gehen und das wollen wir aber hier an der Stelle nicht, sondern es geht ja nur darum, eine Idee zu schaffen, glaube ich, oder?
Götz Müller: Ja, oder eben, da komme ich jetzt auch wieder ein bisschen auf die aktuelle Situation zurück. Du hast vorhin auch mit dem Stichwort genannt, was sind potenzielle Risiken vielleicht für mein bestehendes Geschäftsmodell, von dem ich eigentlich glaube, dass es vom Markt her auch in zehn Jahren noch funktioniert, wenn nicht XYZ da draußen passieren würde.
Andreas Skuin: Ja, und in dem Kontext ist es vielleicht auch nochmal, um nochmal an den Vorherigen anzuknüpfen, vielfach ist ja die Frage, oder es heißt ja, Unternehmen sollen digitalisieren. Gut, und da kommt dann die Frage, was heißt digitalisieren, erstens mal? Zweitens, was bringt mir Digitalisierung denn eigentlich? Und das ist ja letztlich eine Maßnahme für mein Geschäftsmodell, entweder für das bestehende Geschäftsmodell oder für ein neues Geschäftsmodell. Und das können wir hier auch betrachten zum Beispiel. Und wir werden neue Geschäftsmodelle benötigen, weil wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt. Die Chancen sind allerdings, glaube ich, ziemlich hoch, dass wir eine komplette Veränderung sehen werden.
Götz Müller: Man könnte sich dann wahrscheinlich auch die Frage stellen, was passiert denn, wenn, was fällt mir da als Beispiel ein, wenn ich ein klassischer Raketenhersteller bin und plötzlich kommt jemand wie SpaceX ums Eck, und meinen Markt etwas ins Schwanken bringt?
Andreas Skuin: Genau. Und das Schöne ist, wie gesagt, wir können eben diese Szenarien wirtschaftlich betrachten mit einer extrem hohen Transparenz und haben damit die Möglichkeit, wirklich das Unternehmen dabei zu unterstützen. Das Unternehmen kann es auch selber machen. Wir haben da auch die Möglichkeit der Lizenzvergabe. Das Unternehmen kann das auch gerne selber machen. Das ist kein Thema. Wir unterstützen auf jeden Fall aber, um das überhaupt nutzbar zu machen. Und da hat man eine ganz andere Transparenz und Basis dazu, um hier dieses umzusetzen. Vor allem Zukunft. Also ich wiederhole mich hier wahrscheinlich zum dritten oder vierten Mal, aber das ist tatsächlich ein Thema.
Götz Müller: Ja, ich glaube, das ist ja der große Unterschied eben. Ich komme halt wieder auf das Klassische, was man vielleicht kennt, eben zu BWA, die ja im Grunde eben nur der Rückspiegel ist.
Andreas Skuin: Ja, das ist das Thema dabei, absolut. Und oft ist es so, es gibt auch Unternehmen, die sagen, ja, ich gucke mir das gerne auch anders an, und haben aber jetzt nicht so einen digitalen Zwilling, sondern haben ihre eigenen Methoden dazu entwickelt, was ja auch gut ist. Dann werden sie aber wissen, dass man, um die Zahlen zu bekommen, die benötigt werden, das bedarf ziemlich viel Arbeit. Weil da muss man dann ins ERP-System hineingucken, hat viele Excel-Sheets, die man betrachtet dann und mit denen man arbeitet und und und. Und das ist schon nicht ohne. Und der Wirtschaftsprüfer oder der Steuerberater wird auch, auch wenn man das von ihm erwartet, der kann keine Aussage für die Zukunft treffen, weil er auch nur praktisch auf den alten Zahlen seine Unterlagen hat.
Götz Müller: Ja, gut, das bringt mich ein bisschen auch eben, du hast jetzt einerseits die Grenze einer BWA aufgezeigt, ich drehe jetzt den Spieß mal ein bisschen um und vielleicht ein bisschen provokante Frage auch, was sind jetzt eventuell potenzielle Grenzen wirtschaftlich-digitaler Zwillinge?
Andreas Skuin: Na gut, die Grenze ist die, dass wir … also der Fokus beim digitalen Zwilling liegt auf Geschwindigkeit. Also das heißt, wir können hier in wenigen Stunden den digitalen Zwilling aufsetzen und können damit dann arbeiten. Die Grenze liegt darin, dass wir damit keine hundertprozentige Genauigkeit haben, sondern wir liegen dann mit einer Genauigkeit bei, ich sage es mal, zwischen 90 und 95 Prozent, liegen wir dann in der Richtung. Diese Zahl hilft allerdings schon sehr gut, um Entscheidungen treffen zu können. Aber das ist eine Grenze dabei in der Art und Weise. Das Modell ist natürlich immer nur so gut wie die Daten, die wir von dem Unternehmen bekommen. Wenn die Daten des Unternehmens, die wir bekommen, nicht dementsprechend, was die Realität ist, dann spuckt der digitale Zwilling auch nicht das aus, was er aussprechen könnte, zum Beispiel. Dann ist es so, das System basiert auf Benchmark-Daten, die über Jahre angewachsen sind in den unterschiedlichsten Branchen. Und da sind wir fokussiert auf eine große Breite von Branchen. Aber es gibt dann trotzdem noch irgendwie Spezialbranchen, die wir da möglicherweise nicht abdecken können, gegebenenfalls, die müsste man dann nochmal individuell betrachten. Das ist aber möglich, bedarf aber dann nochmal einer extra Arbeit dazu in der Richtung. Also das ist dann dabei. Und natürlich, wie auch schon erwähnt, der digitale Zwilling liefert nur die Daten und die Wahrheit über die Daten, die wir dann haben. Und die menschliche Entscheidung ist dann immer noch die menschliche Entscheidung. Und wenn denn anders entschieden wird, als der digitale Zwilling etwas vorhersagt, dann ist es nur so. Punkt.
Götz Müller: Ja, speziell der letzte Punkt bringt mich dann ein bisschen auch in meine nächste Frage, auch wieder ein Thema, was ja aktuell, Anfang zweites Quartal 2026, für die, die das eventuell in ein paar Jahren hören, was ja aktuell in allen Munden ist, KI. Und wenn man den Begriff KI in den Mund nimmt, dann ertappe ich mich definitiv selber viel zu oft dabei, dass man natürlich eben die Generativ-KI, also ChatGPT und Co. meint, die sicher breit im Einsatz ist. Ich könnte mir vorstellen, dass einerseits eventuell andere Formen von KI existieren bei wirtschaftlich-digitalen Zwillingen zum Einsatz kommen können, oder eben trotzdem die klassisch Generative in irgendeiner Form. Und dann haben wir ja aber trotzdem, auch das hattest du gerade angedeutet, wieder die Situation: Ja, die KI in Anführungszeichen behauptet irgendwas und ich als Mensch muss nochmal drüber gucken und dann, wenn ich hoffentlich drüber geguckt habe, eben dann die Entscheidung treffen, für mich selber auch erst mal, glaube ich es oder glaube ich es halt nicht. Und einfach an der Stelle auch mal auf das Thema durch diese Brille, aus dieser Richtung noch drauf geguckt.
Andreas Skuin: Ja, also KI dient, also ich kann mit KI natürlich unterschiedlichste Szenarien auch durch generative KI mir aufzeigen lassen. Das kann KI sehr gut, auch mal hier und da, je nachdem. Man muss immer ein bisschen darauf aufpassen, dass nicht eventuelle Halluzinationen dabei entstehen. Also das heißt, dass KI irgendetwas erfindet. Aber oder und, ja, ich kann mir durch diese Szenarien hier oder kann mir durch die KI Szenarien aufzeigen lassen und vielleicht auch irgendwelche schwache Signale aufzeigen lassen etc. Was die KI nicht machen kann: Sie kann es nicht bewerten. Das kann sie nicht. Die KI kann in dieser Komplexität nicht die Rechenleistung bringen. Dazu ist sie nicht ausgerichtet. Ich will nicht ausschließen, dass das möglicherweise in einigen Jahren der Fall sein könnte. Stand heute, wir haben das oftmals überprüft auch und geguckt, das schafft die KI nicht. Wozu sie gut ist, ist, um Szenarien aufzuzeigen. Dazu kann sie sehr viele Dinge mit aufzeigen dabei in der Richtung. Und außerdem, damit ist es also auch keine Standard-KI, weil die Standard-KI, die man benutzt, zum Beispiel, um in den Prozessen bewertbare Unregelmäßigkeiten oder Regelmäßigkeiten für den Prozess zu sehen, die nutzen wir auch. Das hat damit aber nichts zu tun. Da werden die Werte von der KI genutzt, die letztlich so auf die Qualität sich einwirken, also im Prozess zum Beispiel. Die nutzen wir dann schon auch, aber das wird in den Algorithmen mit integriert sein. Was wir nutzen, ist, wir setzen KI dazu ein, um Aktualisierungen in den Daten, wie zum Beispiel, wenn es um Personalfragen geht, im Sinne von, wie sind die Gehaltsstrukturen beispielsweise, wie gibt es irgendwelche rechtlichen Bewandtnis etc. Dazu nutzen wir dann die KI, um diese Aktualisierungen automatisch zu machen. Das dient zur Datenfütterung dann primär.
Götz Müller: Ich könnte mir auch vorstellen, wo vielleicht dann die, ich nenne es mal ein bisschen flapsig, die Fantasie eventuell sogar wieder einen positiven Aspekt hat, gegenüber einem Menschen vielleicht, der unter Umständen, warum auch immer, da vielleicht ein bisschen einen eingeschränkten Horizont hat, wenn es auf die Fantasie ankommt, was könnte denn passieren? Weil ich glaube, oder korrigiere mich da gerne, das wird mir der wirtschaftlich-digitale Zwilling vielleicht noch nicht sagen. Da fehlt ihm vielleicht dann die Fantasie, die Szenarien.
Andreas Skuin: Genau, das ist auch nicht seine Aufgabe, korrekt. Da bin ich wirklich mit dir. Diese Fantasie kann die KI dann bringen und du kannst dann basierend auf dieser Fantasie gucken, dass du es bewertest mit unserem digitalen Zwilling. Da bin ich mit dir. Ja, das stimmt. Also völlig d'accord. Aber diese Fantasie der KI entspricht letztlich auch der Fantasie, die wir dann zum Beispiel mit der Geschäftsleitung gemeinschaftlich erarbeiten, um Szenarien zu entwickeln. Genau diese Fantasie.
Götz Müller: Da kann es ja eben sein, dass wir Menschen aufgrund unserer Historie vielleicht eher im Vergleich zur KI eher ein bisschen eingeschränkt sind, weil wir uns vielleicht manche Dinge gar nicht vorstellen können.
Andreas Skuin: Absolut. Völlig d'accord. Bin ich völlig mit dir. Absolut. Gut, genau und dann können wir mittels dieser Fantasie von KI, können wir genau das nehmen und sagen, du pass mal auf KI, jetzt haben wir das und das so betrachtet und bewertet, was würdest du dir sagen? Ich kann sogar das nochmal überprüfen lassen.
Götz Müller: Stimmt auch wieder, genau. Spannend.
Andreas Skuin: Ja, also die Vielfalt der Nutzbarkeit dieses digitalen Zwillings ist enorm. Das geht bis hin dazu, dass ich zum Beispiel sagen kann, dass ich meine Lieferanten auch bewerten kann. Also in wenigen Stunden können wir Lieferanten bewerten.
Götz Müller: Ja, und man könnte vielleicht sogar so weit gehen zu sagen, was passiert denn mit dem Lieferanten, wenn XYZ da draußen passiert und dann im zweiten Schritt, was hat das dann auf mich für einen Einfluss?
Andreas Skuin: Absolut, völlig korrekt, genau. Sehr spannend.
Götz Müller: Gut, vielleicht ein bisschen zum Abschluss, wenn jetzt da jemand da draußen sagt, der, ich nenne ihn halt wieder den technisch-digitalen Zwilling kennt, wenn der sagt: Das ist ja spannend, da tun sich ganz neue Dinge auf, wo kann man denn mehr darüber erfahren?
Andreas Skuin: Also bei uns auf jeden Fall. Also bei uns auf der Webseite zeigen wir auf, wie wir zum Beispiel, wir haben da den sogenannten 48-Stunden-Check zum Beispiel. Das heißt, wir bieten an, innerhalb von 48 Stunden hier mit dem Unternehmen gemeinschaftlich einen digitalen Zwilling für sich aufzusetzen beispielsweise. Wir können es schneller, aber das ist, irgendwo wollen wir auch hier dann auch dem Unternehmen seine Zeit lassen, in Anführungsstrichen. Darüber zum Beispiel, dann kann man sich sicherlich grundsätzlich über Szenarientechniken informieren, was das bedeutet. Wobei das natürlich nicht unbedingt dem entspricht. Also am besten ist es, man kommt auf uns zu. Ich glaube, das wäre am leichtesten.
Götz Müller: Ja, da werde ich auf jeden Fall eben auch deine Kontaktdaten dann in die Notizen dazunehmen.
Andreas Skuin: Super, danke.
Götz Müller: Und ansonsten, Andreas, ich danke dir für den interessanten Einblick in ein Thema, das ich, bevor wir an der Stelle zum Austausch gekommen sind, überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.
Andreas Skuin: Danke schön. Ich danke dir, Götz, für den tollen Austausch und deine spannenden Fragen.
Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Andreas Skuin zum Thema Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 388.
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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
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