Kaizen 2 go 037 : Lernprozesse


 

Inhalt der Episode

  • Welche Rolle spielen systematische Abläufe beim Lernen?
  • Wie haben sich Lernmethoden in den letzten Jahren verändert?
  • Welche Rolle kann die Digitalisierung dabei spielen? – Warum Mitschreiben bei Vorträgen und Seminaren trotzdem wichtig ist?
  • Wie lassen sich Methoden aus klassisch schulischen Szenarien auf die Erwachsenenbildung in Unternehmen übertragen?
  • Welche Rolle spielt Motivation beim Lernen?
  • Warum Spiele für das Lernen wichtig sind?
  • Wie die Aufmerksamkeit von Teilnehmern gesteigert werden kann?

Notizen zur Episode

Ihnen hat der Inhalt gefallen? Dann bewerten Sie die Episode bitte bei Apple Podcasts.
Jetzt eintragen und Artikel/Denkanstöße zukünftig per eMail erhalten.

Artikel teilen auf ...


(Teil)automatisiertes Transkript

Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.

Episode 037 : Lernprozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Jens Voigt bei mir im Interview. Wir unterhalten uns über Lernmethoden, Lernprozesse. Jens Voigt ist der Inhaber der Akademie für Lernmethoden. Hallo Jens.

Jens Voigt: Hallo.

Götz Müller: Wie ich das auch sonst immer in meinen Podcastgesprächen mache, übergebe ich sofort immer meinen Interviewpartnern das Wort, damit sie sich selber viel besser vorstellen können.

Jens Voigt: Na, hoffentlich kenne ich mich auch gut genug. Also, Jens Vogt, 57 Jahre alt, tatsächlich Inhaber der Akademie für Lernmethoden. Ich bin auch gleichzeitig noch Lehrer und zwar schon eine ganze Weile. Manch einer sagt schon seit Urzeiten, 32 Jahre lang. Und ja, ich entwickle Lernmethoden, baue Lernspiele und bin so ein bisschen Experte in Sachen Mindmapping und Visualisierungstechniken.

Götz Müller: Ja, dieser methodische Charakter, das war für mich auch der Impuls, dich zu fragen, ob du nicht hier bei einer Episode mitwirken würdest. Mein Thema sind ja Prozesse, typischerweise eher Geschäftsprozesse, aber Methoden des Lernens ist auf einer abstrakten Ebene eigentlich auch nichts anderes. Und jetzt hier zum Einstieg die Frage, was für eine Rolle spielen denn systematische Abläufe eben, in Anführungszeichen, Prozesse beim Lernen?

Jens Voigt: Also vorweg müsste man sagen, also aus meiner Erfahrung her, die Schüler haben viel zu wenig Systematik meistens in ihrem Lernen drin. Es wäre also sehr schön, wenn die Schule generell mehr Aufmerksamkeit den Prozessen widmen würde. Denn es gibt tatsächlich Prozesse und wenn man die einigermaßen weiß, wie also Lernen funktioniert, dann macht es auf jeden Fall Sinn, damit wirklich zu arbeiten. Also wir können ein Beispiel nehmen. Also wenn ich zum Beispiel mit einem Mindmap arbeite, dann geht das ganz systematisch. Dann geht man vom Zentrum aus. Man gestaltet erst mal die Äste und die Zweige und guckt dann, wo was hingehört. Und nachher beim Lesen eines Mindmaps ist es dann genau umgekehrt. Also man guckt auch auf das Zentrum, schaut sich anschließend die Bilder an, geht dann auf die Teilüberschriften, um dann Schritt für Schritt also jeden Ast sich mal zur Gemüte zu führen.

Und genauso ist es zum Beispiel auch bei Texten. Wenn man mit Texten arbeitet.

Dann geht ein Schüler in der Regel einfach, Ans Lesen. Also man sagt, wir haben hier zwei Seiten abzuarbeiten und lest euch das doch mal durch, dann fangen die an zu lesen. Und systematischer wäre es natürlich, wenn sie erstmal tatsächlich nur die Teilüberschriften lesen würden, sich die Bilder angucken, denn in den Bildern sind ganz viele Informationen enthalten, sich dann vielleicht zum Schluss die Zusammenfassung angucken würden. Und wenn das dann alles erledigt ist, dann erst anfangen zu lernen.

Götz Müller: Ja, wo du das gerade so erzählst, habe ich sehr deutlich das Bild meiner Tochter vor Augen gehabt, die eben sehr viel liest und dann viele Dinge rausschreibt. Aber eben ähnlich, wie sie es liest, schreibt es auch raus. Und ich habe auch mal die ganze Zeit gedacht, hey, so richtig toll ist das nicht. Was sich dann leider auch in den Schulnoten so niederschlägt. Aber sie wollte sich davon nichts anderes überzeugen lassen. So.

Jens Voigt: Das kenne ich irgendwo, ja. Gut.

Götz Müller: Das Thema Lernen, Schulwesen, Schulsystem ist ja schon ein altes, seit vielen Jahrhunderten kann man sagen, gibt es schon irgendwo Lernmethoden. Was hat sich denn für dich so in den letzten Jahren verändert?

Jens Voigt: Also für mich natürlich sehr, sehr viel, weil ich mich ja permanent mit Lernmethoden beschäftige. Also vor allen Dingen hat sich sehr viel geändert in der Betrachtungsweise unseres Gehirns. Also wenn man ganz, ganz zurückgeht an der berühmte Nürnberger Trichter, wo man also gesagt hat, man kriegt nur eine gewisse Menge an Informationen in den Kopf rein und dann ist er irgendwann mal voll. Das hat sich natürlich rasant geändert und man weiß heute, dass man eigentlich unendlich viel lernen kann. Die Frage ist natürlich, und das ist genau die andere Sache, wie die Schule darauf reagiert, auf viele neurologische Erkenntnisse und so weiter. Und da ist die Schule extrem zäh. Man muss auch nicht vergessen, dass meine Kollegen alle nicht mehr die allerjüngsten sind.

Und sagen wir mal, in meinem Bereich hier in Brandenburg, und das Gleiche gilt auch für Berlin und für Hessen und weiß ich was für wen, da sind ja jahrzehntelang keine Lehrer mehr eingestellt worden. Das war so ein Einstellungsstopp. Wir hatten immer weniger Kinder, also brauchte man keine neuen Lehrer. Das heißt, wir sind gemeinsam alt geworden. Ich bin 57 Jahre alt und bin bei weitem nicht der älteste bei uns an der Schule. Und es gibt nicht ganz so viele, die so viel jünger sind als ich.

Götz Müller: So, jetzt in meinem eher industriellen Umfeld ist natürlich ein Schlagwort im Augenblick und ich denke, das bekommt ihr wahrscheinlich auch, zumindest ansatzweise mit, ist das Thema Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0. Was würdest du sagen, was für eine Rolle kann das Thema Digitalisierung beim Lernen spielen?

Jens Voigt: Das hat auch wieder zwei Seiten. Also einerseits wir arbeiten zum Beispiel, ich arbeite an einer Schule, das ist Gymnasium Besko, was fantastisch ausgerüstet ist mit, digitalen Geräten. Wir haben für jeden Schüler einen Computer. Wir können ohne weiteres Recherchen durchführen lassen. Da muss der Schüler relativ fit gemacht werden. Was ist seriös, was ist nicht seriös? Wir können auch mit Computerprogrammen arbeiten, was auch toll ist, aber ich warne auch immer ganz gerne davor, wenn man alles dem Rechner überlässt. Also das hat sich schon vor fast 20 Jahren angedeutet, was passiert zum Beispiel, als der Taschenrechner eingeführt wurde. Die Leute haben verlernt, Kopf zu rechnen und wenn ich jetzt noch 12.

Klasse habe und ich sage, pass mal auf, Wir haben hier drei Pulse, ich bin ja auch Sportlehrer, zu addieren, also den Puls vor der Belastung, dann den Puls genau nach der Belastung und eine Minute danach, dann sind das also drei Zahlen, die da addiert werden müssen und die zücken alle ihr Handy raus und wollen dann mit dem Taschenrechner arbeiten. Er sagt, nee Leute, so nicht. Also das kann auch dazu verleiten, dass wir unser Gehirn nicht mehr ganz so viel anstrengen müssen.

Götz Müller: Ja, was geht dieser Spruch von der Vera Birkenbiel, Hirnbenutzer, Hirnbesitzer und Hirnbenutzer, glaube ich.

Jens Voigt: Ja, genau, genau. Gut, oder auch Use it or Loose it. Ja, absolut.

Götz Müller: So, jetzt haben wir natürlich in dem Podcast wahrscheinlich eher wenig Schüler, hauptsächlich Erwachsene. Das heißt, meine nächste Frage geht in die Richtung, was können wir denn aus klassisch-schulischen Szenarien oder eben Themen, wie du sie dort deinen Schülern zum Teil auch beibringst, was lässt sich denn da auf Erwachsenenbildung in Unternehmen übertragen?

Jens Voigt: Also man kann eine ganze Menge übertragen. Generell, wenn es eine gute Lernmethode ist, dann gilt sie für jung und alt. Das mal schon mal vorweg. Also eine gute Lernmethode ist für mich, wenn sie möglichst viele Areale im Gehirn aktiviert. Also du hattest gerade Vera Wirkenbiehl angesprochen, sie sagt ja immer dieses gehirngerechte Arbeiten, also mit der linken und der rechten Gehirnhälfte. Wenn man das hinkriegt, dann ist das schon mal eine coole Lernmethode. Und man muss allerdings bei Erwachsenen immer in Betracht ziehen, die haben schon sehr, sehr lange Gewohnheiten aufgebaut. Die kennen das also noch von früher, so hat man gelernt und gut ist.

Und wenn man ihnen jetzt plötzlich ganz neue Methoden zeigt, also zum Beispiel das, was ich zum Beispiel mache, mit Gedächtnistraining in die Schule bringen, also ich habe eine Almut-Technik entwickelt, die ganz leicht zu erlernen ist, aber die eben manchmal auch ein bisschen komisch ist. Man sagt, oh Gott, oh Gott, solche Eselsbrücken, also so bekloppt kann man gar nicht denken. Aber es funktioniert auf jeden Fall. oder jemand mag es total mit lineal irgendwelche Ergebnisse zu unterstreichen und so weiter und ich sage, nee.

Freies Schreiben und das Blatt quernehmen und ein Mindmap draus machen oder eine Canva oder so, dann tun sich manche tatsächlich ein bisschen schwer. Aber prinzipiell gelten die für alle Erwachsenen. Was bestimmt ganz anders ist, also was deutlich anders sein wird, ist, dass man den Wissensstoff sehr wohl auswählen muss, denn es muss Sinn haben, was man lernt. Also kein Erwachsener wird sich irgendwelchen Blödsinn antun und sagt, das ist eine Sache, die brauche ich sowieso nicht, also lerne ich die auch nicht. Und wenn man aber weiß, wofür man lernt und was man damit bezwecken will, Und deswegen ist das eigentlich effektiver, was Erwachsenen will. Und es muss also anwendungsbereit sein. Und wenn man zum Beispiel in Firmen ist, naja, das ist doch ganz klar, da muss man natürlich auch wissen, in welche Richtung arbeitet die Firma, was sind für Anforderungen dort zu lernen.

Und dann muss das also nachher der Inhalt sein. Ansonsten ist der Wissenserwerb also ähnlich wie bei Jugendlichen.

Götz Müller: Was würdest du sagen, wenn wir uns gerade so ein bisschen bei den Besonderheiten bleiben, was kann man machen, um die Motivation zu steigern, was ja bei Schülern durchaus auch ein Thema ist, dass die Motivation zu lernen jetzt nicht immer so präsent ist. Warum hast du das schon genannt, was wären noch weitere Tipps, was man da tun kann?

Jens Voigt: Ja, also ich bin ja immer so ein Verfechter davon, dass man sagt, Lernen soll Spaß machen. Und Spaß macht es vor allen Dingen dann, wenn man Ergebnisse sieht. Also es muss relativ schnell klar werden, aha, mit der Methode funktioniert es ja tatsächlich. Oder man hat vorher das Gefühl gehabt, also ich habe jetzt mittlerweile ein Alter erreicht, da geht das nicht mehr ganz so schnell. Sicherlich, das muss man wissen. es ist tatsächlich so, dass je älter man wird, dass das Denken langsamer wird, das hat physiologische Gründe und zwar werden die Neurotransmitter nicht mehr ganz so viel ausgeschüttet oder, Das ist WQS. Kennst du das?

Götz Müller: Nee, das sagt mir jetzt nichts.

Jens Voigt: WQS heißt Wissensquizspiel. Das heißt also, bevor ich zum eigentlichen Vortrag komme, gebe ich im Prinzip eine Frage raus, die die Leute garantiert nicht beantworten können. Also das soll ja nachher im Vortrag oder im Seminar nachher behandelt werden. Und dann müssen die Leute aber darauf antworten. Und zwar mit ihrem Nachbarn. Also beispielsweise 30 Sekunden lang. Und dann kann es das Abstruseste sein, das ist vollkommen egal. Der Sinn ist dahinter, dass die Leute am Ende eigentlich wissen wollen, was ist denn nun die richtige Lösung? Jetzt haben wir ja schon mal unsere Variante gegeben. Da wissen wir ja, die ist falsch. Aber welchen ist es? Und du antwortest nicht drauf. Sondern du sagst einfach, naja, das wird heute im Laufe des Vortrags irgendwann mal tatsächlich beantwortet werden. Seien Sie aufmerksam. Und dann sind die tatsächlich die ganze Zeit über bis zum Ende hellwach.

Götz Müller: Ja, das kann ich absolut nachvollziehen.

Jens Voigt: Ich fand diese Methode übrigens zu Anfang total frustrierend. Als Teilnehmer. Was will die denn von, die kann doch nicht wahr sein, dass die uns jetzt hier irgendwie so eine Dinger vorsitzt, will die Frau Birkenbiehl uns zeigen, wie blöd wir sind. Aber dann habe ich natürlich verstanden, was sie damit meinte. Also man muss sich damit beschäftigen und das Gehirn möchte immer Lücken auffüllen. Also wenn es erst mal die Lücke sieht, jetzt möchte ich es aber auch wirklich wissen.

Götz Müller: Ja, gut, der Impuls, Fragen zu beantworten, der ist ja relativ stark und das mache ich da auch zunutze. Okay, was gibt es denn noch für Tipps von dir, was man selber tun kann? Also wenn man bei sich wahrnimmt, meine Lernerfolge bringen nicht, meine Lernbestrebungen bringen nicht die Erfolge, die Resultate. Resultate und eventuell, wenn mein Gegenüber, dem ich was beibringen möchte, der von mir was lernen soll, wenn das so nicht funktioniert, was kann ich noch tun?

Jens Voigt: Tja, also man kann ja, das könnte man natürlich den ganzen Abend drüber reden, aber man könnte zum Beispiel sagen, okay, also über die Methoden haben wir ja schon gesprochen. Ich kann natürlich auch empfehlen, mal einfach auf meine Internetseite zu gehen, weil da ganz viele Methoden schon mal vorgestellt werden. Was man vielleicht aber auch trotzdem schon mal sagen kann, also immer mal wieder.

Sein Gehirn aus der Komfortzone rauszuholen. Also ich habe zum Beispiel so einen Newsletter, der heißt Eddie und das heißt eigentlich Erweiter deine Insel. Und da kriegt man also pro Woche so ein paar verrückte Aufgaben. Also zum Beispiel jemanden anlächeln und so lange lächeln, bis der zurücklächelt und das Lächeln einsammeln. Oder eine Treppe rückwärts hochgehen oder die Monate von Dezember zum Januar in einer Geschwindigkeit aufsagen oder irgendwelche Wörter buchstabieren, rückwärts buchstabieren und alles sowas. Das ist zum Beispiel Gehirnaktivierung.

Lernspiele spielen, die müssen aber auch wieder möglichst für beide Gehirnhälften sein, dann bietet sich das an. Die Ernährung spielt eine Rolle. Also wenn man zum Beispiel zu fett gegessen hat oder zu süß, dann wird man relativ schnell müde und dann ist man nicht mehr so aufnahmefähig. Also was sich hier anbietet sind, also Nüsse und was haben wir zum Beispiel, Also Paranüsse zum Beispiel hat Selen drin oder Rosinen, also dieses berühmte Studentenfutter. Kaffee ist nicht schlecht, aber nicht mehr als vier Tassen.

Grüner Tee, ja, so ein paar Sachen. Und generell einfach auch gelassen an solche Sachen rangehen und auch Fehler zulassen. Also zum Beispiel hat ja Deutschland so eine komische Auffassung, dass man ja eigentlich keine Fehler machen darf. Und ein Beispiel aus meinem Seminar, also wir machen manchmal so einen Test, wie viel schafft dann jeder erstmal so sich zu merken, also in der richtigen Reihenfolge. Und dann kommen da meistens so zwischen fünf bis neun Wörter raus, die sie wirklich in der richtigen Reihenfolge lernen konnten. Und die Vorgabe war aber 25%. Und dann sind manche frustriert, aber das ist nun mal der Durchschnitt. Und zwar der Durchschnitt von ganz Deutschland oder Europa vielleicht sogar. Und wenn sie dann nachher mit einer Methode bei mir auf 24 von 25 kommen, dann ärgern die sich über den 25. Er sagt, auf welchem Niveau, bitteschön, ärgert ihr euch jetzt?

Ich will mal ganz kurz in Erinnerung rufen, wie es vor anderthalb Stunden noch aussah. Und dann sagen, ach ja, stimmt. Also irgendwie, man darf hier keine Fehler machen in Deutschland. Das ist totaler Blödsinn. Natürlich darf man.

Götz Müller: Ja, ich bin sogar der festen Überzeugung, man muss auf eine gewisse Art und Weise Fehler machen. Ich mache da nur das Beispiel, der Wissenschaftler, der an seinem Labortisch steht und ein Experiment durchführt, im einfachsten Fall vielleicht zwei Flüssigkeiten zusammenschüttet und genau weiß, was im Anschluss passiert, der hat ja eigentlich seinen Job verfehlt, das kann er sich ersparen. Also neues Wissen an der Stelle auch, entsteht ja nur durch Fehler. Wenn ich das Ergebnis vorher schon kenne, schaffe ich da nichts Neues. Gut, ich muss überall Fehler machen und nicht alle Fehler zweimal, aber dieses Thema Fehlerkultur und da kann ich das eins zu eins auf Unternehmen, auf das Umfeld übertragen, das haben wir hier auch, dass es einfach nicht zusammenpasst, dass wir das Fehler machen dürfen oder wie gesagt sogar eigentlich Fehler machen müssen, zumindest wenn man was verbessern möchte.

Jens Voigt: Ja, genau. Also je motivierter man rangeht ans Lernen, desto leichter fällt es einem ja auch noch. Das sollte man vielleicht auch noch ergänzen. Also das ist schon sehr wichtig. Also ich möchte es unbedingt wissen, weil ich den Sinn dahinter auch verstehe, dann ist das mindestens 50 Prozent leichter, als wenn ich sage, ich muss halt lernen und sonst kriege ich die Prüfung nicht hin oder ich muss das halt für meinen Job machen oder keine Ahnung. Und wenn man dann aber zum Beispiel Gleichgesinnte findet, die also eine ähnliche Auffassung haben, also zum Beispiel Lerngruppen bildet, dann ist das auch nochmal leichter. Aber wichtig ist, immer mal wieder aus der Komfortzone rauskommen, das ist schon eine der wichtigsten Sachen überhaupt. Alles, was mit Kreativität zu tun hat, ist schon ziemlich cool.

Götz Müller: Ja, letzten Endes geht es dann hier auch wieder ein Stück weit um Routine, als an der Stelle eher um Routine durchbrechen. Trotzdem aber eben, ja man könnte ja fast sagen, im Routine durchbrechen, wiederum Routine gewinnen.

Jens Voigt: Ja, könnte man so sagen.

Götz Müller: Und gerade zu diesem Aspekt, das Stichwort, das du gerade noch gesagt hast, Kreativität, gibt es ja durchaus Menschen, die sagen, Prozess und Kreativität schränken ein. Bin ich persönlich auch nicht der Meinung. Ich denke, es gibt schon gewisse Kreativitätsmethoden, das sind ja auch Prozesse, die man nutzen kann. Und ganz wichtig eben dann mit den Ideen, die man in der Kreativität entwickelt, der auch sinnvoll was damit macht und nicht einfach nur im luftleeren Raum verpuffen lässt.

Jens Voigt: Wir haben letztens mal mit einer Erwachsenentruppe, auch mit einer Firma, mein Almut-Spiel spielt. Das ist so eine Art Name-Stadt-Land-Spiel, bloß ein bisschen spannender. Und tatsächlich ist es da so, dass wir dann sehr kreativ geworden sind anschließend. Spielerisch generell. Ich habe auch letztens mal eine ganz neue Methode kennengelernt. Die heißt die Lego Serious Play, glaube ich. Ist total genial. Das ist für alles anwendbar. Also in jedem Fall auch für Erwachsene. Die kriegen dann so ein kleines Säckchen mit Lego-Bausteinen und sagen, wir haben damals einen Autisten. Wir mussten einen Autisten darstellen und wie ein Autist ein Seminar durchführen könnte vor Normalen, die keine Autisten sind. Und er will eigentlich darüber bringen, wie ein Autist fühlt. Das sollten wir mit Lego-Bausteinen darstellen. Natürlich war es ganz wichtig, dass man dann anschließend das interpretiert, was man da gemacht hat. Und das war so genial.

Also dieser Mensch, der hat gesagt, es waren jetzt nur fünf Leute, die da mitgemacht haben, aber ich sehe das jetzt in einem ganz anderen Licht. Und das ist einfach kreativ.

Götz Müller: Okay. Noch zum Abschluss, du hast gerade dieses Stichwort Almutspiel, wenn ich es richtig mir notiert habe, genannt. Erzähl da noch ein paar Sätze drüber.

Jens Voigt: Na, dieses Almut-Spiel, das ist ein Spiel, wo man 75 Begriffe in einem kleinen Säckchen hat. Man hat einen Würfel mit zehn Seiten. Und dieser Würfel legt fest, wie viel… Also man hat noch eine ABC-Liste, das muss man noch dazu sagen. Und wenn man jetzt so einen Begriff zieht, sagen wir mal im Garten. Und da muss man innerhalb von kürzester Zeit zum Beispiel eine Sechser-Serie von Buchstaben belegen. Also das könnte der Apfelbaum sein, Brunnen, Klematis, Dusche, weiß ich was. Und wer als Erster das hat, der sagt Stopp. Und dann gibt es Punkte und so weiter. Das ist total witzig. Also ich setze das manchmal ein im Unterricht als Einstieg. Und dann machen wir eben alles, was grün ist oder alles, was spitz ist. Und dann ziehe ich dann irgendwann mal eine Karte, da steht es mal auch drauf.

Achso, das darf ich jetzt gar nicht sagen, vielleicht fällt mir gerade ein. Also, wenn ich nämlich zum Beispiel dann dran bin und sage, okay, jetzt wollen wir mal sehen. Und da steht dann zwar drauf im Garten, aber ich sage, das ist ja witzig. Also, afrikanische Hauptstädte, so, na, wollen wir mal. Ich mache nämlich Erdkunde. Und dann schreiben die natürlich auch afrikanische Länder oder Hauptstädte oder Flüsse oder was auch immer und das macht unglaublich Spaß das ist zum Beispiel ein so ein Spiel, was ich entwickelt habe Ja.

Götz Müller: Kann ich mir gut vorstellen, dass sowas eben in einem klassischen Seminarszenario dann auch Sinn macht, um die Leute ein bisschen aus ihrem normalen Kontext rauszuweisen Garantiert Ich denke, ich werde in den Notizen zur Episode auch deine Website verlinken, da werden die Zuhörer sicher noch viele spannende Inhalte finden, Ideen entwickeln, wie man das eigene lernen, wie man das Lernen von anderen optimieren kann, denn darum geht es ja die ganze Zeit bei meinem Podcast. Ja, prima, Jens, ich danke dir für die Zeit hier, auch wenn es die Teilnehmer zu einem anderen Zeitpunkt höher werden, jetzt ist Sonntagabend. Ganz kurzfristig. Und sage erstmal viele Grüße nach Brandenburg.

Jens Voigt: Ja, vielen Dank. Hat mir Spaß gemacht. War toll.

Götz Müller: Schön. Das war die heutige Episode über Lernprozesse im Gespräch mit Jens Voigt. In den Notizen zur Episode finden Sie weitere Hinweise.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

KI-generierte Zusammenfassung

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Jens Voigt über Lernmethoden und Lernprozesse und überträgt die Erkenntnisse sowohl auf schulische Kontexte als auch auf die Erwachsenenbildung in Unternehmen. Jens Voigt ist Inhaber der Akademie für Lernmethoden, seit über drei Jahrzehnten Lehrer und beschäftigt sich intensiv mit der Entwicklung von Lernmethoden, Lernspielen sowie mit Mindmapping und Visualisierungstechniken.

Götz Müller knüpft an sein eigenes Prozessverständnis an und fragt nach der Rolle systematischer Abläufe beim Lernen. Jens Voigt betont, dass Lernprozesse häufig zu wenig strukturiert sind. Viele Schülerinnen und Schüler gehen unsystematisch vor, etwa indem sie Texte einfach von vorne bis hinten lesen und Inhalte linear herausschreiben. Effektiver sei es, zunächst einen Überblick zu gewinnen, Teilüberschriften und Bilder zu betrachten, Zusammenfassungen zu lesen und erst danach in die Tiefe zu gehen. Auch beim Mindmapping beschreibt Jens Voigt einen klaren Ablauf: vom Zentrum über Hauptäste zu Unterästen. Beim späteren Wiederholen erfolgt der Prozess in umgekehrter Richtung. Lernen ist aus seiner Sicht also durchaus prozesshaft organisierbar.

Im weiteren Gespräch geht es um Veränderungen im Verständnis von Lernen. Jens Voigt verweist auf neuere Erkenntnisse der Hirnforschung. Das alte Bild vom „vollen Kopf“ sei überholt. Heute wisse man, dass prinzipiell sehr viel gelernt werden kann. Gleichzeitig sieht er das Schulsystem als eher träge, wenn es darum geht, neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufzugreifen. Er schildert die demografische Situation an vielen Schulen, an denen über Jahre kaum neue Lehrkräfte eingestellt wurden, was Innovationsprozesse zusätzlich erschwert.

Ein weiteres Thema ist die Digitalisierung. Jens Voigt beschreibt die Chancen moderner Ausstattung, etwa wenn jeder Schüler Zugang zu einem Computer hat und eigenständig recherchieren kann. Gleichzeitig warnt er vor einer Überabhängigkeit von Technik. Anhand des Beispiels Taschenrechner verdeutlicht er, dass bestimmte Grundfähigkeiten wie Kopfrechnen verloren gehen können, wenn technische Hilfsmittel gedankenlos eingesetzt werden. Digitalisierung könne unterstützen, dürfe aber nicht dazu führen, dass das Gehirn weniger gefordert wird.

Im Hinblick auf die Erwachsenenbildung betont Jens Voigt, dass gute Lernmethoden altersunabhängig funktionieren. Entscheidend sei, möglichst viele Gehirnareale zu aktivieren und unterschiedliche Zugänge zu kombinieren. Allerdings hätten Erwachsene über Jahre Gewohnheiten entwickelt, die Veränderungen erschweren. Neue Methoden wie freie Visualisierung oder Gedächtnistechniken stoßen daher manchmal auf Skepsis. Gleichzeitig seien Erwachsene im Vorteil, wenn sie den Sinn eines Lerninhalts erkennen. Relevanz und Anwendungsbezug sind aus seiner Sicht zentrale Erfolgsfaktoren. Wer versteht, warum er etwas lernt, lernt leichter und nachhaltiger.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Motivation. Jens Voigt plädiert dafür, Lernen mit positiven Emotionen zu verbinden. Sichtbare Fortschritte steigern die Lernbereitschaft erheblich. Er beschreibt unter anderem das sogenannte Wissensquizspiel, bei dem zu Beginn eine Frage gestellt wird, die die Teilnehmenden noch nicht beantworten können. Die Auflösung erfolgt erst im Verlauf des Vortrags. Diese offene Frage erzeugt eine Spannung, die das Gehirn dazu motiviert, aufmerksam zu bleiben, weil es die entstandene Wissenslücke schließen möchte.

Darüber hinaus empfiehlt Jens Voigt, das Gehirn regelmäßig aus der Komfortzone zu holen. Kleine ungewöhnliche Aufgaben im Alltag, Lernspiele oder kreative Herausforderungen aktivieren das Denken. Auch Faktoren wie Ernährung und ausreichende Aktivierung spielen eine Rolle für die Lernfähigkeit. Besonders wichtig ist ihm eine konstruktive Fehlerkultur. Viele Menschen seien frustriert, wenn sie Fehler machen. Dabei sei gerade das Ausprobieren und Scheitern ein wesentlicher Bestandteil von Lernprozessen. Er schildert Beispiele aus seinen Seminaren, in denen Teilnehmende ihre Leistung zunächst unterschätzen, später mit geeigneten Methoden jedoch enorme Fortschritte erzielen. Der Fokus sollte nicht auf dem verbleibenden Fehler, sondern auf der erreichten Verbesserung liegen.

Götz Müller greift diesen Gedanken auf und stellt die Parallele zur Unternehmenswelt her. Innovation und Verbesserung seien ohne Fehler kaum möglich. Wer von vornherein nur bestätige, was er bereits weiß, schaffe nichts Neues. Lernen und Weiterentwicklung setzen Experimente und damit auch Irrtümer voraus.

Abschließend sprechen beide über Kreativität und spielerische Ansätze. Jens Voigt berichtet von seinem selbst entwickelten Almut-Spiel, einer spielerischen Methode zur Wort- und Begriffsgenerierung, die schnelles Denken und Kreativität fördert. Ebenso nennt er Lego Serious Play als Beispiel für einen strukturierten Kreativprozess, bei dem komplexe Themen mithilfe von Bausteinen visualisiert und anschließend reflektiert werden. Solche Methoden zeigen, dass Prozesse und Kreativität keine Gegensätze sind, sondern sich sinnvoll ergänzen können.

Die Episode macht deutlich, dass Lernen kein zufälliger Vorgang ist, sondern von klaren Abläufen, Motivation, Sinnbezug, Aktivierung und einer positiven Fehlerkultur lebt. Viele der beschriebenen Prinzipien lassen sich direkt auf betriebliche Lern- und Veränderungsprozesse übertragen.

Jetzt eintragen und Artikel/Denkanstöße zukünftig per eMail erhalten.

Artikel teilen auf ...

Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.