Kaizen 2 go 024 : Mobile Geschäftsprozesse


 

Inhalt der Episode

  • In welchen Branchen und Geschäftsprozessen werden heute mobile Endgeräte bevorzugt eingesetzt?
  • Was sind die Vorteile dieser Mobilisierung?
  • Welche Fehler machen Unternehmen immer wieder bei der Einführung mobiler Geschäftsprozesse?
  • Wie sollte mit der Einführung mobiler Geschäftsprozesse begonnen werden?
  • Welche Rolle spielt das Top Management und die Führungskräfte dabei?

Notizen zur Episode

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(Teil)automatisiertes Transkript

Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.

Episode 024 : Mobile Geschäftsprozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Thorsten Jeckel bei mir. Er ist sehr stark unterwegs im Bereich iPad, mobile Lösungen und ich möchte mich da heute mit ihm unterhalten über eben mobile Geschäftsprozesse. Herzlich willkommen, Herr Jeckel.

Thorsten Jekel: Ja, vielen herzlichen Dank für Ihre nette Einladung, lieber Herr Müller.

Götz Müller: Bitteschön. Und ich denke, Sie können sich am besten selbst kurz vorstellen.

Thorsten Jekel: Das tue ich sehr gerne. Also nicht jeder kennt mich ja schon. Die anderen werden mich heute kennenlernen. Also das, was ich tue, ist, ich begleite pro Jahr so circa zwei bis drei größere Organisationen, wie beispielsweise Coca-Cola, die mit dem iPad produktiver werden wollen, mehr verkaufen möchten. Also beschäftige ich mich so wie Sie mit der Frage, wie kann man mit intelligenten Tools, wie beispielsweise dem iPad, die Produktivität steigern im Sinne von Lean-Management, im Sinne von Geschäftsprozesse optimieren. Das ist ja auch der Punkt, wo wir gemeinsam zusammengekommen sind.

Götz Müller: Genau, weil ich schon von Anfang an, kann man fast sagen, die ersten habe ich dann ein bisschen nachholen müssen, auch von Anfang an ihren Podcast mir anhöre, als auch ein Apple-Freak und hier rund um mich rum mehr oder weniger die Windows-Welt ziemlich ins Abseitsverband habe, habe ich da für mich persönlich auf jeden Fall eine große Affinität wahrgenommen und eben auch das Thema Geschäftsprozesse und Optimieren. Aber ja, unterm Strich ist das ja der Grund, warum wir beide da unterwegs sind und Sie halt sehr stark im mobilen Bereich. Jetzt haben Sie gerade schon eingedeutet, Sie sind bei Firmen unterwegs, Sie unterstützen die bei der Einführung von iPads oder von mobilen Endgeräten. Jetzt ist meine erste Frage, welche Branchen sind denn da besonders stark?

Thorsten Jekel: Ja, also tendenziell ist sogar fast eher die Frage, welche Funktion in einem Unternehmen da besonders stark ist. Und das, was ich wahrnehme, ist eigentlich so branchenübergreifend auch, dass es sehr stark Vertriebe sind, Außendienstorganisationen, wo das Ganze auch Sinn macht. Weil ich bin manchmal etwas ketzerisch, wenn ich sage, wenn ich den ganzen Tag von neun bis um fünf im Büro sitze, brauche ich weder ein Mobiltelefon noch brauche ich ein Tablet in irgendeiner Form. Spannend ist es da, wo ich mobil produktiv sein muss. Und das ist auch das, was ich beobachte. Also in Branchen, wo ich sage Banken, Versicherungen, Food Service sind Branchen, wo es sehr stark unterwegs ist. Also alle Branchen, die Mobilkunden beraten, die Mobilkunden betreuen. Das ist das, was ich wahrnehme.

Zusätzlich zu einem oft auch, ich sage jetzt mal, spieltriebgetriebenen Thema, dass Vorstände, Geschäftsführer, Aufsichtsräte, das ist so der zweite Bereich, wo die sagen, ich finde so ein Ding cool, ich will das haben und damit arbeite ich jetzt einfach mal. Ob das produktiv dann hinterher ist, ist manchmal die zweite Frage, aber da komme ich dann häufig ins Spiel.

Götz Müller: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass da bei der IT manchmal dann das zu vorzeitigem H-Ausfall führt.

Thorsten Jekel: Das ist eine tolle Formulierung.

Götz Müller: Zu vorzeitigem H-Ausfall führt.

Thorsten Jekel: Das ist immer klasse. Ich sage immer so lustig, ich habe vor kurzem ein Seminar im Vorstand gehabt, einer doch etwas größeren Bank sogar. Und der sagte mir, lieber Herr Jekyll, Sie müssen mir KLV-gerechte Lösungen vorstellen. Wissen Sie, was KLV-gerechte Lösungen sind?

Götz Müller: V sind die Vorstände, K sind die Kinder, L?

Thorsten Jekel: Sind die Laien, genau. Kinder, Laien und Vorstandsvorsitzende. Das sagte mir ein Vorstand, Vorsitzender einer relativ großen Bank in Deutschland. Und das nehme ich auch oft wahr, dass eben so die Kinder, die Laien und eben die Vorstandsvorsitzende da manchmal sehr spielerisch rangehen, was auf der einen Seite einen großen Vorteil hat, weil sie manchmal auch sagen, so wie John F. Kennedy damals gesagt hat, okay, wir fliegen innerhalb dieser Dekade zum Mond. Wenn das ein Controller analysiert hätte, wären die nie zum Mond geflogen. Und manchmal macht das durchaus auch Sinn, solche Dinge mal durchaus visionär auch mal nach vorne zu preschen. Und idealerweise bringt man es nur dann hinterher wieder auf eine klare Struktur, damit man eben Produktivität auch steigert und nicht einfach nur Kosten dazu packt.

Weil die Dinger sind ja nicht ganz billig und ich nehme oft wahr, dass dann einfach ein zusätzliches Stück Technik eingesetzt wird, Mit dem aber so ähnlich gearbeitet wird, als würde man mit einem 911er Porsche auf der Autobahn im zweiten Gang mit 60 Sachen fahren würden. Das erlebe ich häufig draußen.

Götz Müller: Aber ich denke, da öffnen sich dann eben Türen, wenn so ein Thema ganz oben eingespeist wird. Ja, jetzt hatten Sie schon gesagt, vor allen Dingen mobilisiert, so möchte ich das nennen, werden vertriebliche Prozesse. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich habe mir dann hier im Vorfeld so ein Stichwort noch notiert, interne Mobilisierung und externe Mobilisierung. Externe wäre so eben das Thema Vertrieb. Ich nehme so erste Ansätze in meinen Projekten wahr, dass auch in Fertigungsbereichen über solche Dinge nachgedacht wird, Betriebsdatenerfassung, weil die Menschen sonst zum Beispiel oft zu BDE-Terminals laufen müssen, Betriebsdatenerfassung und der Weg dorthin auch eine Verschwendung ist und da durchaus auch Zeit verloren geht und Zeit ist Geld. Was ist da Ihre Erfahrung bei solchen Bereichen? Braucht es da noch länger?

Thorsten Jekel: Sie haben ein wichtiges Thema angesprochen und das sehe ich auch so. Eines der besten Beispiele, ich weiß nicht, ob Sie das kennen, ist Audi. Audi hat in der Produktion Hakellisten, nenne ich die immer, so Papier-Checklisten, ersetzt durch iPads. Und zwar schon vor mittlerweile knapp drei Jahren.

Und genau die Idee, die Sie ansprachen, war dort sagen Wege zu BDE-Terminals oder das Thema hinterheriges Einpflegen von Papierchecklisten verlangsamt interne Prozesse. Ich sage immer so schön, wenn wir in der Produktion so ineffizient arbeiten würden wie im Büro, dann wären viele Produktionsunternehmen schon längst pleite. Und hier auf der anderen Seite, wenn man sich Beispiele wie Audi anguckt, die schon in der Produktion recht produktiv unterwegs waren, die stellen sich wiederum die Frage, wie kann ich denn noch produktiver werden? Und was auch ein schönes Beispiel ist, Audi ist ja jemand, der sehr sensibel ist, was das Thema Sicherheit anbelangt. Also die finden das auch nicht so spannend, wenn dann jemand mit einem schwarzen Bus auf dem Firmenparkplatz Produktionsdaten abgreift, sondern hier haben die sich auch viele Gedanken gemacht über das Thema Sicherheit, wie ein WLAN sicher konfiguriert werden kann. Auch zum Thema Usability.

Also das geht bis hin zu dem Punkt, dass Audi spezielle Handschuhe für die Produktionskollegen entwickelt hat, mit denen diese Geräte gut bedient werden können. Und die Ergebnisse aus diesem Projekt zeigen auch, dass hier signifikante Produktivitätssteigerungen zu beobachten sind. Also das, was Sie sagen, im ersten Moment denkt man immer an Vertrieb, Beratung und so weiter, aber durchaus auch durch beispielsweise in der Produktion sehr viele Ansatzpunkte, die eben wie beispielsweise auch Audi sehr gut umsetzen. Also das ist manchmal mehr als nur bunte Bilder.

Götz Müller: Ja, so nehme ich das auch wahr. Wo ich da immer noch gewisse Herausforderungen sehe, das ist jetzt bei der nackten Technik, weil es eben in der Produktion dann doch manchmal etwas rauer zugeht wie in einem Büro. Da hat man zwar einerseits ein wunderbares Gerät, ich denke jetzt da eher mal an sowas wie ein iPhone, weil es ein bisschen handlicher ist. Ich habe den Scanner schon mit eingebaut. Andererseits darf ich das Ding bloß schief anschauen und dann hat es schon einen Sprung in der Glasscheibe. Und dann wird es unter Umständen natürlich ein bisschen teurer.

Thorsten Jekel: Absolut richtig. Also hier ist auch wichtig, dass man für den Kunden und für den Einsatz auch passende Lösungen für diese Geräte mit berücksichtigt. Ich gebe Ihnen mal ein paar Beispiele. Ich habe ein Lichtwerbeunternehmen begleitet. Da haben wir doch etwas robustere Monteure auch, die das einsetzen. Da wird es auch mal runtergeworfen. Da ist es mal auf dem Gerüst mit dabei. Und hier haben wir uns unter anderem Gedanken gemacht über das Thema, welche Hüllen nehmen wir dafür. Und hier gibt es zum Beispiel Hüllen, die auch das US-Militär im Wüsteneinsatz hat. Also da gibt es solche Dinge, da können Sie mit dem Auto drüber fahren. Oder ich habe jetzt gerade ein Projekt, wo ich die Firma Transcomé beispielsweise gerade begleite, die eben im Außendienst auch öfter mal in der Küche unterwegs sind. Das ist die frühere Rewe Food Service.

Und hier haben wir eben auch uns ganz bewusst Gedanken gemacht, Mensch, mit welcher Tasche können wir hier arbeiten, so dass man ein Gerät im Lager nutzen kann, dass man ein Gerät beim Kunden nutzen kann, dass es auch mal runterfallen kann. Also das sind solche Dinge. Oder es gibt mit der Firma Nickemeyer beispielsweise einen Zustellfachgroßhändler, der nutzt zum Beispiel auch iPads in der Kommissionierung im Tiefkühlbereich. Das heißt, die müssen sich sogar Gedanken machen, wie kann man das Gerät einpacken, dass es bei minus 18 Grad auch funktioniert.

Und wenn man das Thema wieder weiterspielt, Firmen wie Volkswagen beispielsweise denken sogar schon in den nächsten Schritt. Die kommissionieren beispielsweise mit der Unterstützung von Brillen, die dann mit Augmented Reality Informationen in das Gesichtsfeld des Kommissionierers einblenden. Also Google Glass ist sicherlich der bekannteste Vertreter dieser Gattung, aber es gibt noch produktiver nutzbare Geräte.

Und letztendlich ist bei all diesen technischen Spielereien immer wichtig, dass man über den Spielereienkram hinausgeht, sondern wirklich in einem Gesamtbetracht, in einem gesamtheitlichen Konzept einfach überlegt, welche Geschäftsprozesse kann ich wie damit optimieren und wie bis hin zu solchen Kleinigkeiten, die eben dann auch Robustheit, passendes Gehäuse, passende Zubehörteile dazu haben, wie mache ich daraus eine vernünftige Gesamtlösung?

Götz Müller: Da haben Sie jetzt schon ein schönes Stichwort gesagt, auf das ich jetzt noch ein bisschen eingehen möchte. Wo sehen Sie persönlich aufgrund Ihrer Erfahrung den größten Vorteil dieser, nennen wir es mal, Mobilisierung? In welchen Bereichen, in welchen Prozessen?

Thorsten Jekel: Ja, ich sehe immer den größten Vorteil und oft ist es so, dass Sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können, wo sie zum einen den Kunden sofort informieren können, ihnen sofort alle Informationen haben, die er braucht und parallel dazu häufig Dinge gleich in einem Schritt erledigen können, die sie vorher in mehreren Erlebens erledigen konnten. Ich gebe Ihnen mal zwei Beispiele, was das in der Praxis heißt. Ein Beispiel, ich arbeite viel mit Steuerberatern als Partner der DATEV. Hier ist es so, dass ein Steuerberater, wenn der früher beim Mandanten war Und er sagte, Mensch, lieber Steuerberater, was sind denn diese 100.000 Euro Privatentnahme, die Sie da gebucht haben? Dann musste der Steuerberater im Zweifelsfall in der Kanzlei anrufen, sich durchhangeln und sagte, Mensch, kannst du mal jetzt als CD-Mandanten in das Wirtschaftsjahr auf das Konto und da mal reingehen?

Wenn der Steuerberater im schlimmsten Fall das Ganze beim Kunden hatte, das Gespräch, wenn in der Kanzlei jemand da war, musste er das mitnehmen und erledigen. Heute ist es so, dass er eben beim Mandanten direkt das iPad anmacht, das vorher schon entsprechend aufgerufen hat. Dann tippt er einmal drauf, kann bis hin auf die einzelne Buchung, bis hin auf den einzelnen Beleg geben, gibt dem Kunden sofort, dem Mandanten sofort eine Antwort. Und sie haben zwei Dinge gleichzeitig. Deswegen mache ich dieses Beispiel so gern. Erstens, der Kunde ist begeistert.

Und zweitens, der Steuerberater hat es gleich von der Hacke. Und wichtig ist, in dem Zuge auch immer an Prozessen zu denken. Und ich gebe Ihnen mal ein ganz anderes Beispiel. Wieder mal aus dem Automobilbereich. Mercedes-Benz hat in den USA sich mal überlegt, wie werden denn Autos verkauft? Und haben den Prozess sich angeguckt. Und in den USA werden Autos ein bisschen anders verkauft als in Deutschland. Also da gehen Sie samstags zu Ihrem Händler und dann fahren Sie mit dem Auto wieder vom Hof. Und selbst, obwohl, also wenn Sie in Amerika jemandem sagen, du musst sechs oder neun Monate auf deine E-Klasse warten, dann fragt der Kunde Sie, was Sie geraucht haben. Und das hätte der auch gerne. Also das sind die nicht gewohnt. Und was haben Sie in der Vergangenheit gehabt?

Der Verkäufer hat am Auto das Fahrzeug gezeigt mit bunten Bildern und alles so und so und so. Der Kunde hat gesagt, tolles Auto. Und dann ist der Verkäufer mit ihm hinter ins Büro und hat gesagt, lass uns die Verträge fertig machen.

Die hatten nur leider ein bauliches Problem, die hatten noch so eine Ausgangstür und da sind viele rechts rausgegangen. Jetzt haben sie sich überlegt, Mensch, wie können wir das denn machen? In dem Moment, wo der Kunde sagt, das Auto will ich haben, wie kann ich denn dieses Momentum nutzen? Und genau das machen die. Das heißt, in dem Moment, wo im Auto der Kunde sagt, das möchte ich gerne haben, dann halten sie ihm das iPad in der Nase und zwar nicht mit bunten Bildern, sondern so wie sie das vom Paket, vom Postboten her kennen, mit einem Unterschriftsfeld, please sign here. Und Mercedes hat damit die Abschlussquote um über 20 Prozent erhöht. Das heißt, es ist ein sehr schönes Beispiel, in Prozessen zu denken, nicht in bunten Bildern, sondern zu sagen, was will man damit erreichen?

Und ein Punkt kann eben sein, wirklich in dem Moment, wo der Kunde abschlussbereit ist, den Abschluss ausmachen zu können. Ein weiteres Element kann sein, eben statt nochmal zurückzukommen und sagen, ich komme nochmal für ein Angebot, wo ich einen weiteren Termin brauche und wo ich das Risiko habe, dass ein Mitbewerber reingrätscht, dann eben zu sagen, wir können das Ding sofort machen. Also immer, ich sehe das auch bei Coca-Cola sind wir gerade dabei, iPads einzuführen. Und da sagt Ulrich Nehammer, und was ich hier auch alles erzähle, sind Dinge, die auch öffentlich verfügbar sind, die ich daher kommunizieren kann. Nehammer sagt ganz klar, und das können Sie bei Videos bei YouTube sehen,

Nicht die großen Firmen fressen die kleinen, sondern die schnellen überholen die langsam. Also müssen wir schneller werden. Wir müssen Collaboration, also Zusammenarbeit. Wir müssen Connectivity, Kommunikation, Verbindung zu den Hintergrundsystemen. Und wir müssen Scalability, also Skalierbarkeit, nach oben und nach unten gewährleisten. Und das Ganze in einem Mobile-Kontext. Weil, was er so schön sagt, die schlechteste Entscheidung, die er als CEO treffen kann, ist im Büro. Sondern sie muss vor Ort getroffen werden. Und ich glaube, das ist eine große Chance dieser mobilen Technologie, ganz unabhängig davon, ob es iPads oder iPhones sind. iPads sind im Regelfall diejenigen, die für die meisten Mitarbeiter am leichtesten zu bedienen sind. Deswegen empfehle ich eigentlich im Regelfall iPads. Aber die Grundidee dahinter ist das, was wichtig ist und was die Produktivität bringt. Da werden Sie mir sicherlich zustimmen.

Götz Müller: Und spannend fand ich auch dieses Stichwort vor Ort. Das ist ja im Lean-Management-Umfeld so eine der großen Regeln, dass die Verbesserungen auch vor Ort stattfinden. Wenn man es eben umgekehrt auf der grünen Wiese oder in einem abgeschlossenen Büro macht, dann verfehlt man unter Umständen das Ziel. und da kommen wir jetzt auch ein bisschen auf den Punkt, den ich als nächstes aufgreifen möchte. Sie besprechen es immer wieder in Ihrem eigenen Podcast. Was sind denn so klassische Fehler, die Unternehmen bei der Einführung von mobilen Geschäftsprozessen, und zwar jetzt, aufgrund meines Fokus, speziell beim Prozess machen. Was berücksichtigen Sie an den bestehenden Prozessen zu wenig in dem Prozessumfeld?

Thorsten Jekel: Sehr gute Frage. Und was ich immer wieder wahrnehme, ist, wenn wir mal vorne anfangen, dass häufig solche Systeme eingesetzt werden,

Ohne dass sich die Führungskräfte erstmal darüber klar werden, wozu setze ich denn dieses System ein. Also häufig heißt es einfach, ach, die Mitbewerber haben iPads, iPads sind cool, mit denen kann man produktiver werden, also machen wir es. Statt sich zu überlegen, was will ich denn damit erreichen? Und die weiter auf der Basis dann auch eine richtige Strategie zu wählen. Das ist so Punkt Nummer eins, dass einfach häufig vom System gedacht wird und nicht von dem Ziel und von dem Prozess, den man damit verbessern und optimieren möchte. Der zweite Fehler, den ich oft wahrnehme, ist, dass bestehende, das sprach uns gerade so schön an, bestehende Prozesse gar nicht vernünftig angeguckt werden. Also was ich häufig mache, wenn ich Unternehmen begleite, sage ich, bevor ich irgendwelche neuen Prozesse baue, gucke ich mir doch erst mal an, welche Prozesse gibt es denn schon im Hause.

Und häufig ist es so, dass es schon sehr, sehr gute Prozesse gibt.

Das heißt, zu sagen, welche Prozesse gibt es, die man behält, ganz wichtig auch, was leider häufig nicht gefragt wird, zu sagen, welchen Prozess können wir denn einfach streichen. Also ich gebe mal so ein schönes Beispiel über Coca-Cola, machen wir das auch so konsequent, dass wenn die iPads ausgerollt sind, die Außendienstler ihre Notebooks abgeben müssen. Halte ich übrigens für den einzig sinnvollen Weg, wenn man iPads im Außendienst einführt. So, und was sagen dann viele? Oh, dann kann ich ja diese ganzen Excel-Formulare nicht mehr ausfüllen. Ja, und dann hat eben Kollege Nehmer gefragt, ja, was sind denn das Formulare? Ist es denn wichtig, dass der Vertrieb irgendwelche Excel-Formulare ausfüllt? Ist das verkaufsaktive Zeit? Macht dieser Prozess Sinn? Also wirklich sich zu fragen, wozu brauche ich das? Was brauche ich auch nicht mehr? Was kann ich weglassen?

Ein weiterer Fehler, der gerne gemacht wird, ist, dass die Benutzer nicht mit eingebunden werden. Das hat zwei negative Effekte. Zum einen haben diejenigen, die die Prozesse heute durchführen, häufig eine ziemlich gute Idee von dem, was sie machen. Und deswegen verliert man dort einfach gutes Know-how. Und zum Zweiten, es ist ein Akzeptanzproblem. Weil wenn Sie dann sagen, da kommt ein junger McKinsey-Schnösel oder externer Berater, der dann sagt, ich weiß alles besser. Und erstens weiß er es meistens nicht besser. Und zweitens, wenn die Lösung dann rauskommt, dann poppt das ganze Ding auf. Und dann heißt es ja, hätten wir ja gleich sagen können. Und dann ist die Akzeptanz eine ganz andere, als wenn man diese Key-User von vornherein mit einbindet und dann im iterativen Prozess das Ganze einmal aufsetzt.

Und das ist vielleicht abschließend noch zu sagen, der weitere nächste Fehler ist, dass einfach diese Dinge nicht permanent optimiert werden,

Sondern das einfach so, das war es jetzt, das ist es. Und in jedem Projekt, das kennen Sie genauso gut, lieber Müller, ist es einfach so, dass es aus der Praxis heraus immer in Feedback-Schleifen logischerweise permanent optimiert werden muss. Das ist ja auch ein wesentlicher Aspekt der ganzen Total Quality Management und Kaizen-Philosophien. Und das merkt man, die gleichen Fehler, die beim Thema wirklich Prozessen, Qualitätsmanagement gemacht werden oder bei anderen IT-Projekten, werden leider häufig auch bei den iPads gemacht, weil eben auch oft nicht verstanden wird, dass letztendlich es auch ein produktives IT-System ist. Und häufig heißt es, ach, das Ding ist so selbsterklärend, das hauen wir jetzt einfach mal raus und das erhöht die Produktivität automatisch.

Und ich vergleiche das immer so, als würde man einfach leere PCs frisch aus der Box rausnehmen und sagen, Mensch Mitarbeiter, welche Programme ihr da drauf nehmt und wie ihr die nutzt. Da müsst ihr mal selber ein bisschen gucken im Internet.

Und letztendlich machen viele das mit dem iPad auch. Also mein Appell ist, das Ganze genauso wie jedes andere IT-Projekt zu managen. Das heißt zu sagen, was ist der Fokus, was will ich damit erreichen, welche Nutzer muss ich entsprechend mit einbinden, professionelles Projektmanagement zu machen, diese Dinge wirklich strukturiert, zentral und auch einheitlich zu steuern und dann einfach eine laufende Feedback-Schleife das Ding permanent zu optimieren.

Götz Müller: Und ich denke, es steckt auch eine große Chance drin, wenn man sich mal anschaut, wie denn der Prozess wirklich aussieht, was mir sehr oft begegnet ist und das ist ja so ein bisschen der Hintergrund, warum gibt es die vielen kleinen Access, Excel und sonstige Lösungen, weil halt der offizielle Prozess, so wie er irgendwo in der Dokumentation im Schrank steht, die berühmte Schrankware, dann doch nicht die Realität widerspiegelt. Und wenn ich dann eben die Nutzer nicht mit einbeziehe, merke ich es gar nicht. Und dann hole ich mir ein tolles Werkzeug, das iPad, bilde damit einen Prozess ab, von dem ich glaube, dass er so draußen existiert. Und dann brauche ich eben doch noch irgendwas anderes, weil die Wahrheit eine ganz andere ist.

Thorsten Jekel: Absolut. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, der da manchmal so schön da ist. Und das ist immer wichtig, genauso wie Sie es gerade so schön sagen, dass man einfach nicht irgendwelche theoretischen Prozesse abbildet, die erstens von der Sache häufig keinen Sinn machen und zweitens dann auch nicht akzeptiert und nicht gelebt werden. Und da macht es auch keinen Sinn. Ein Qualitätshandbuch, was wunderschön verstaubt im Schrank, ist, glaube ich, nicht die Idee, die wir beide von Qualitätsmanagement haben.

Götz Müller: Ja, wobei da dann eben doch, und so wie Sie den Spruch des Vorstands wiedergegeben haben, traue ich mir hier den Spruch eines ISO-Zertifizierers wiederzugeben, der mir mal erzählt hat, für was eigentlich ISO steht. Idioten sammeln Ordner.

Thorsten Jekel: Den kannte ich noch nicht. Idioten sammeln Ordner. Das ist so klasse.

Götz Müller: Ja, und das ist halt da eben auch eine gewisse Gefahr, dass hier ein Glaube existiert. Papier ist geduldig von der Realität und die Wahrheit ist dann doch eine ganz andere.

Thorsten Jekel: Ja, sehe ich auch. Und ich kann mich auch daran erinnern, ich war mal fünf Jahre im Tchibo Café Service für den technischen Service unter anderem verantwortlich. Und da hatten die Kollegen in Großbritannien eine ISO-Zertifizierung gemacht. Und wir hatten überlegt, ob wir den in Deutschland auch machen. Und ich bin nach UK gereist und habe mir das mal angeschaut, was die machen. Da habe ich gefragt, was ist denn jetzt der Unterschied zu Vor-ISO- und Nach-ISO-Zertifizierung? Was habt ihr denn damit erreicht und wozu habt ihr das gemacht? Und der Kollege sagte, before ISO reproduced rubbish. Und das fand ich auch eine tolle Aussage. Also zu sagen, ein konsistenter Prozess und ein sauber dokumentierter und perfekter Prozess heißt doch lang nicht, dass dieser Prozess auch Sinn macht. Und das ist immer dieser berühmte Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität. Und ich finde, das muss man immer im Fokus haben.

Und deswegen finde ich zum Beispiel Ulrich Nehammer von Coke total faszinierend, weil der sich immer die Frage stellt, Macht dieser Prozess Sinn? Was passiert, wenn wir diesen Prozess weglassen? Was davon, was wir haben, macht Sinn? Und ich glaube, das ist immer wichtig, sich diese Fragen zusammen einfach immer zu stellen und nicht der Dokumentationswillen, wobei das Thema Dokumentation natürlich extrem wichtig ist, weil gerade wenn Sie Fluktuationen haben, wenn Sie Dinge auch einheitlich machen wollen, muss man aus meiner Erfahrung das auch schriftlich dokumentieren. Ich glaube, da wäre es mir Beipflicht nehmen.

Götz Müller: Ja, Sie haben jetzt auch einen wichtigen Punkt schon genannt, der auch im allgemeinen Lean-Umfeld, um das mal so auszudrücken. Zentral in meiner Wahrnehmung ist, was das Funktionieren der Veränderung angeht, wenn es eben von ganz oben auch unterstützt wird. Und wenn die Menschen ganz oben, ein Vorstand, sich auch wirklich dafür interessiert und nicht nur sagt, macht mal. Und dann eben letzten Endes unbewusst im ganzen Unternehmen klar ist, ja, wir sollen jetzt irgendwas machen, aber so wirklich wollen tut er es dann doch nicht.

Thorsten Jekel: Ja, absolut. Es geht auch nur, also es ist meine Erfahrung, ich bin ja seit 27 Jahren im Berufsleben und meine persönliche Erfahrung, sowohl als Mitarbeiter, als als Geführter, als auch als Führungskraft bis zum Geschäftsführer im Mittelstand, das Thema Führung hat wahnsinnig viel mit wirklichem echt gelebten Vorbild zu tun. Und ich vergleiche das immer so schön, wenn dann sich ein Vorstand vorne hinstellt und sagt, wir müssen alle den Gürtel enger schnallen und sich zeitgleich die S-Klasse in Vollausstattung bestellt, dann ist das eh nicht glaubwürdig, wie wenn man sagt, wir müssen alle in IT-Sicherheit und alles und ihr dürft nichts und wir dürfen nichts, müssen uns alle an Spielregeln halten. Und selbst ist er dann auf Dropbox und WhatsApp und solchen ganzen Dingen. Also das hat viel mit Glaubwürdigkeit zu tun und gerade so auch bei dem Thema. Ich bin viel in Bankenversicherung unterwegs.

Wenn Sie mich fragen, wie compliant ist ein Unternehmen, wie lebt ein Unternehmen eine Qualitäts- und Optimierungskultur, dann brauche ich mir nur die erste Führungsebene anzugucken und dann kann ich Ihnen die Frage relativ schnell beantworten.

Götz Müller: Ja, und das ist auch ein ganz entscheidender Punkt, wenn nicht sogar der entscheidende Punkt meiner Ansicht nach.

Thorsten Jekel: Ja, glaube ich auch. Also natürlich muss es irgendwo unterfüttert werden, wenn Sie einen brillanten Boss haben, aber er hat dann entweder überhaupt keinen Unterbau, der das vernünftig umsetzen kann oder Sie kennen das ja auch so, diese semipermeable mittlere Führungsschicht, um das mal wertneutral auszudrücken, wo Sie dann teilweise einfach durch Machtspiele… Status orientiert als Ziel orientiert dann die Dinge manchmal anpacken. Das kann eine Herausforderung sein. Und das ist dann häufig auch die größte Aufgabe der ersten Führungsebene, weil ich es oft erlebt, dass die erste Führungsebene extrem pfiffig ist. Die Mitarbeiter auch und gerade in größeren Unternehmen es manchmal schwierig ist, so dieses mittlere Management dort, das angstgetrieben, häufig einfach nur risikoavers ist, weil es nicht belohnt wird, wenn es auch mal einen Fehler macht, sondern nur bestraft wird, wenn es was falsch macht.

Das ist meine Erfahrung, dass das oft gerade in größeren Unternehmen nochmal ein sehr kritischer Punkt beim Thema Change Management sein kann.

Götz Müller: Ja, ich denke, der Faktor Angst ist da nicht zu unterschätzen. Ein Kollege, den ich auch schon hier im Interview hatte, der spricht da von der Lehmschicht. Man kann es mit D schreiben, man kann es mit Ä schreiben. Es trifft beides ein Stück weit zu. Ich glaube aber, im Grunde ist es Angst. Und auch da ist es eben wichtig, das ernst zu nehmen, weil ich es nicht per Knopfdruck ausschalten kann und nur durch das Ernstnehmen, durch das mit Umgehen und nicht vom Tisch schieben. Nur dadurch kann man, glaube ich, die Angst nehmen.

Thorsten Jekel: Absolut, das ist ein Führungsthema. Und das ist immer, ich sage immer, sowohl das Thema Qualitätsmanagement, auch das Thema IT, auch das Thema iPad-Einführung. Ich sage immer, Führung kann nicht durch IT ersetzt werden. Das ist ein Führungsthema und es muss vorgelebt werden. Also das heißt, wenn solche Dinge wirklich nicht fliegen in Unternehmen, die Erfahrung haben sicherlich in ihren Projekten genauso gemacht, Dann gucke ich mir immer zuerst die Führungskräfte an und im Regelfall ist das der Engpass.

Götz Müller: Ja, absolut. Was gibt es noch für Dinge, die man im Umfeld mobiler Geschäftsprozesse, mobiler Endgeräte beachten sollte?

Thorsten Jekel: Ich glaube, was ganz wichtig ist, dass Sie immer auf der Basis, die wir besprochen haben, nämlich wozu tun Sie das Ganze, dass Sie dann, auch wenn Sie heute sagen, Apple ist eine Plattform, die erfahrungsgemäß doch am leichtesten zu bedienen ist, die mittlerweile sogar vom Preis-Leistungs-Verhältnis teilweise attraktiver ist als andere Lösungen. Wenn Sie sich angucken, so ein iPad Pro, was gerade vorgestellt worden ist, kostet gerade mal halb so viel wie ein leistungsvergleichbares Microsoft Surface Pro. Also das sind Dinge, wo früher, wie wir immer gesagt haben, Apple ist viel teurer. Wenn man das heute vergleicht, ist Apple teilweise günstiger. Und bei Total Cost of Ownership sowieso. Aber selbst da, Sie kennen es bei BlackBerry. Wenn ich Ihnen vor fünf Jahren gesagt hätte, BlackBerry ist in fünf Jahren vom Markt weitestgehend verschwunden, dann hätten Sie mich müde angelächelt.

Und wer weiß, ob das iPad in fünf Jahren noch diese Marktbedeutung hat, wie es es heute hat.

Und wozu sage ich das und was ist der Hintergrund? Was ich immer als extrem wichtig finde, ist immer plattformübergreifend zu denken. Das heißt, wenn Sie heute sagen, ich arbeite mit einer Plattform, achten Sie immer darauf, dass alle Lösungen, die Sie heute einführen, nicht nur in Apple-Umgebungen funktionieren, sondern auch in Windows-Umgebungen, Android-Umgebungen, Blackberry-Umgebungen. Und bei den Unternehmen, die ich berate, achte ich immer genau darauf, dass wir sagen, alle Daten müssen eben zentral an einem Punkt im Unternehmen gespeichert werden und sie müssen von allen möglichen Endgeräten heute schon in Zugriff sein, also heute schon per Apple-Geräten, per Android-Geräten, per Windows-Mobile-Geräten, per Blackberry-Geräte verfügbar sein. Und selbst wenn es heute nicht diese unterschiedlichen Plattformen gibt, muss es möglich sein, relativ schnell von einer Plattform auf die andere Plattform zu wechseln, ohne dass man alle Systeme nochmal neu aufsetzen muss.

Und das Ganze auch nochmal dahin ergänzen, also erstens plattformübergreifend, zweitens in der Theorie, das erlebe ich immer so bei diesen schönen jungen Beratern, die noch die Eierschalen hinter den Ohren haben, die dann sagen, ja, es geht alles hier per virtualisierter Arbeitsplätze, es geht alles eben so, dass ich das nur noch zentral per virtualisierten Clients mache. Alles eine tolle Idee, aber häufig hat man auf dem Parkplatz beim Kunden noch eine Internetverbindung und dann sind sie beim Kunden drin und dann haben sie keine Internetverbindung mehr. Das heißt, man muss auch immer darüber nachdenken, Lösungen zu haben, die hybrid sind. Das heißt, Lösungen, die auch ohne Internetverbindung funktionieren und sich automatisch abgleichen, wenn eine Internetverbindung da ist.

Und das Ganze dann bitte auch nicht nur, das ist das zusätzliche Thema, Nicht nur, dass man von draußen auf PCs virtuell zugreift, weil die sind einfach für größere Bildschirme gebaut, sondern dass man mit nativen Apps arbeitet, die per Finger leicht zu bedienen sind, die auch über Kopf zu bedienen sind, weil dann kann man sie auch wirklich draußen produktiv beim Kunden nutzen und dann erhöhen sie auch die Produktivität.

Götz Müller: Wenn heute jemand aufwacht, idealerweise eben ein Vorstand morgens aufwacht und sagt, jetzt fliegen wir zum Mond, Jetzt wollen wir mobile Endgeräte, mobile Prozesse einführen. Wo sollte er am besten anfangen?

Thorsten Jekel: Natürlich auf www.jeckelteam.de. Nein, Spaß beiseite. Er sollte zunächst mal idealerweise sich andere Unternehmen angucken, die diesen Schritt schon erfolgreich gegangen sind. Und da empfehle ich immer, zwei Arten von Unternehmen sich anzugucken. Auf der einen Seite Unternehmen, die den Prozess, den man optimieren möchte, verbessert. Und zum zweiten Unternehmen der Branche. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Wenn Sie im Logistikbereich sind und Sie sind eine Spedition,

Und Sie sagen, ich möchte jetzt im Sinne eines Benchmarkings auch zu sagen, Mensch, ich möchte mit mobilen Endgeräten beispielsweise, möchte ich produktiver werden. Dann gucke ich mir die Speditionen an, die Sie sowas schon gemacht haben und gucke mir an, wie hat eben eine Spedition mit mobilen Endgeräten beispielsweise das Thema gut gemacht. Dann haben Sie in der Branche häufig den Besten, aber Sie haben nicht unbedingt immer derjenige, der am besten in diesem Prozess ist. Und deswegen würde ich in diesem Fall beispielsweise empfehlen, sich mal Amazon anzugucken. Amazon ist keine Spedition. Amazon hat aber dieses Thema Logistik ziemlich optimal optimiert. Also deswegen sage ich immer, gut ist immer im Sinne eines Benchmarkings, aber out of the box, mal gucken, wie machen das andere, sich mit denen wirklich zu unterhalten.

Und man kann das natürlich alles selbst machen, aber meine persönliche Erfahrung ist immer, bevor man die Fehler selbst macht, unterhalten sich zum einen mit anderen Unternehmen oder eben auch mit professionellen Beratern wie Ihnen, die in ähnlichen vergleichbaren Organisationen sowas schon mal gemacht haben. Haben, dann sparen sich ihre Kunden einfach einen Haufen Zeit.

Götz Müller: Und zeitlich bekanntlichermaßen ja Geld. Sie halten ja auch Vorträge, sind wir auf Veranstaltungen. Wo trifft man Sie denn außerhalb der virtuellen Online-Welt am besten?

Thorsten Jekel: Ja, also am besten auf www.jeckelteam.de einfach nachschauen. Da gibt es immer die offenen Termine auch. Es ist relativ schwierig, mich live in offenen Veranstaltungen zu sehen, weil ich meistens in Unternehmen bin, was ein ganz guter Weg ist. Ich bin häufiger mal bei Veranstaltungen vom Management Circle auch öffentlich unterwegs. Ich bin für die Bankenkollegen. Nächstes Jahr beispielsweise gibt es eine große Tagung vom Genossenschaftsverband. Es gibt bei der Akademie der Deutschen Genossenschaftsbanken häufig Veranstaltungen, bei DATEV, also das sind Veranstaltungen, wo ich häufiger zu sehen bin und diejenigen, die sagen, Mensch, gibt es das Ganze vielleicht auch ohne große Reisekosten, weil ich vielleicht in einer anderen Region bin, können Sie auch bei Smile2, gebe ich häufig Webinare zu diesem Thema und das können Sie von überall auf der Welt aus sich jederzeit angucken.

Götz Müller: Genau, oder man abonniert Ihren Podcast.

Thorsten Jekel: Genau, der ist gratis, einfach im iPad 4 Productivity, das 4 wie die 4 geschrieben, also iPad 4 Productivity, dann einfach in iTunes, der ist gratis. Einmal die Woche mache ich diesen Podcast, die haben ihn vorhin auch schon angesprochen. Jeden Monat gibt es einen inhaltlichen Schwerpunkt. Ich wechsle immer ab zwischen einem eher anwenderorientierten, da geht es dann beispielsweise mal einen Monat darum, wie kann man mit dem iPad präsentieren. Und der andere Monat ist dann eher etwas mit dem Schwerpunkt organisatorisch, also wie man beispielsweise organisatorische Richtlinien in Unternehmen umsetzt. Das ist immer so ein Wechsel. Und auf www.ipadforpredactivity.com können Sie sich eintragen, wenn Sie mögen. Dann kriegen Sie alle Links, die ich da immer vorstelle. Also das ist, so wie Sie gerade ansprachen, eine weitere Möglichkeit, auch im Auto, beim Laufen unterwegs, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

So wie ja jetzt auch mit Ihrem Interview, was der ein oder andere ja dann vielleicht auch im Auto oder beim Joggen so hören kann.

Götz Müller: Genau. Und wenn es jemanden gibt, der jetzt nicht so sehr auditiv unterwegs ist, ich habe da durchaus selber immer wieder Kommentare bekommen zu meinem Podcast. Ja, Podcast finde ich toll, aber deshalb und deshalb hätte ich lieber was zum Lesen. Gibt es einen Literaturtipp von Ihnen zu dem Thema?

Thorsten Jekel: Ja, also es gibt, gut zum einen gibt es, ich finde immer für das Thema Unternehmer und wirklich fokussiert zu sein, gibt es ein Buch, vielleicht kennen Sie es auch, die Vier-Stunden-Woche von Timothy Ferris. Finde ich ein extrem gutes Buch, um sehr fokussiert zu sein für sich selbst als Unternehmen. Ich finde auch ein ganz tolles Buch, nicht klassisch, wirklich Kaizen und Prozessorientierungsbuch, aber Kopfschläg Kapital von Professor Faltin, ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Finde ich ein hervorragendes Buch mit der Idee Gründen aus Komponenten. Also zu sagen, wie kann ich Komponenten intelligent kombinieren? Also das sind Bücher, die ich extrem gut finde. Selbst habe ich auch ein aktuelles Buch zum Thema Digital Working im Gabal Verlag. Also von der Seite her gibt es auch von mir was zu lesen. Von Ihnen gibt es sicherlich auch eine Menge zu lesen auf den verschiedensten Plattformen.

Also ich glaube, über alle Kanäle können wir unsere gemeinsamen Kunden gut begeistern.

Götz Müller: Genau, prima. Das fand ich jetzt eine sehr spannende Unterhaltung, habe wieder viel gelernt. Ich lerne immer am meisten aus meinen Unterhaltungen mit Interviewpartnern. Ich bedanke mich bei Ihnen für die Zeit. Gute halbe Stunde. Ich fand es spannende Fragen. Ich bin großer Fan Ihres Podcasts, höre den immer regelmäßig und bin schon gespannt, was im letzten Quartal dann als Thema auftauchen wird.

Thorsten Jekel: Auch vielen herzlichen Dank von meiner Seite, lieber Herr Müller. Und weiterhin Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg.

Götz Müller: Dankeschön. Tschüss.

Thorsten Jekel: Tschüss.

Götz Müller: Das war die heutige Episode zum Thema mobile Geschäftsprozesse im Gespräch mit Thorsten Jeckel.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

KI-generierte Zusammenfassung

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Thorsten Jekel über die Potenziale, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren mobiler Geschäftsprozesse. Thorsten Jekel begleitet jährlich mehrere große Organisationen bei der Einführung mobiler Lösungen, insbesondere rund um das iPad, mit dem Ziel, Produktivität zu steigern und Geschäftsprozesse wirksam zu optimieren.

Zu Beginn erläutert Thorsten Jekel, dass mobile Lösungen branchenübergreifend relevant sind. Besonders stark verbreitet sind sie im Vertrieb und in Außendienstorganisationen, etwa bei Banken, Versicherungen oder im Food-Service-Bereich. Überall dort, wo Mitarbeitende mobil beim Kunden arbeiten, entsteht ein unmittelbarer Mehrwert. Gleichzeitig beobachtet er, dass auch Vorstände und Geschäftsführer häufig Treiber solcher Initiativen sind. Diese Impulse von oben können Türen öffnen, bergen jedoch die Gefahr, dass Technologie aus Begeisterung eingeführt wird, ohne klare Zielsetzung.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Frage, wo mobile Endgeräte tatsächlich produktiv wirken. Neben dem klassischen Außendienst sieht Thorsten Jekel großes Potenzial in der Produktion. Er verweist auf das Beispiel von Audi, wo Papier-Checklisten durch iPads ersetzt wurden. Dadurch entfallen Wege zu stationären Terminals sowie doppelte Datenerfassungen. Die Produktivität steigt nicht durch „bunte Bilder“, sondern durch durchdachte Prozessverbesserung. Dabei spielen auch Aspekte wie Sicherheit, robuste Hardware, spezielle Schutzhüllen oder sogar angepasste Handschuhe eine Rolle. Mobile Lösungen müssen an die reale Arbeitsumgebung angepasst werden, etwa im Tiefkühlbereich oder auf Baustellen.

Entscheidend ist für Thorsten Jekel jedoch nicht das Gerät selbst, sondern der Prozessgedanke. Er schildert Beispiele aus der Praxis, etwa Steuerberater, die beim Mandanten direkt auf Buchungen zugreifen und Fragen sofort klären können. So entstehen Kundennutzen und interne Effizienz gleichzeitig. Ein weiteres Beispiel ist Mercedes-Benz in den USA: Durch den direkten Vertragsabschluss per Tablet im Moment der Kaufentscheidung wurde die Abschlussquote signifikant gesteigert. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Prozesse vom gewünschten Ergebnis her zu denken.

Im weiteren Verlauf sprechen Götz Müller und Thorsten Jekel über typische Fehler bei der Einführung mobiler Geschäftsprozesse. Der häufigste Fehler ist laut Thorsten Jekel, vom Gerät statt vom Ziel aus zu denken. Unternehmen orientieren sich an Trends oder Wettbewerbern, ohne klar zu definieren, welchen konkreten Mehrwert sie erzielen wollen. Ebenso problematisch ist es, bestehende Prozesse nicht kritisch zu hinterfragen. Oft werden ineffiziente oder überflüssige Abläufe digitalisiert, statt sie zunächst zu vereinfachen oder ganz zu streichen. Am Beispiel von Coca-Cola beschreibt Thorsten Jekel, wie konsequent bestehende Arbeitsmittel abgeschafft wurden, um echte Veränderungen zu erzwingen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einbindung der Nutzer. Werden Mitarbeitende nicht frühzeitig beteiligt, geht wertvolles Praxiswissen verloren, und die Akzeptanz sinkt. Veränderungsprozesse müssen iterativ gestaltet und kontinuierlich verbessert werden. Mobile Lösungen sind keine einmaligen IT-Projekte, sondern Teil eines fortlaufenden Optimierungsprozesses. Götz Müller betont in diesem Zusammenhang die Gefahr, theoretische Soll-Prozesse abzubilden, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Große Bedeutung messen beide Gesprächspartner der Rolle der Führung bei. Mobile Transformation ist kein Technikprojekt, sondern ein Führungsthema. Veränderungen müssen glaubwürdig vorgelebt werden. Wenn die oberste Führungsebene Optimierung fordert, selbst aber nicht entsprechend handelt, entsteht Widerstand. Besonders im mittleren Management können Ängste und Statusdenken Veränderungen bremsen. Hier braucht es ernsthafte Auseinandersetzung und aktives Change Management.

Technologisch empfiehlt Thorsten Jekel, plattformübergreifend zu denken. Unternehmen sollten vermeiden, sich zu stark an einen Anbieter zu binden. Daten müssen zentral gespeichert und von unterschiedlichen Endgeräten zugänglich sein. Zudem sollten Lösungen hybrid funktionieren, also auch ohne permanente Internetverbindung einsatzfähig sein. Native Apps mit einfacher Bedienbarkeit sind dabei virtuellen Desktop-Lösungen häufig überlegen, insbesondere im Außendienst.

Abschließend gibt Thorsten Jekel Empfehlungen für Unternehmen, die mobile Geschäftsprozesse einführen möchten. Zunächst sollten sie sich erfolgreiche Praxisbeispiele ansehen, sowohl innerhalb der eigenen Branche als auch branchenübergreifend. Benchmarking und der Austausch mit erfahrenen Partnern helfen, typische Fehler zu vermeiden. Mobile Technologien bieten große Chancen, wenn sie konsequent prozessorientiert, nutzerzentriert und strategisch eingeführt werden.

Die Episode macht deutlich, dass mobile Geschäftsprozesse weit mehr sind als technische Spielerei. Richtig eingesetzt ermöglichen sie schnellere Entscheidungen vor Ort, höhere Kundenzufriedenheit und nachhaltige Produktivitätssteigerungen. Entscheidend ist dabei stets die Verbindung aus klarer Zielsetzung, durchdachtem Prozessdesign und glaubwürdiger Führung.

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