Kaizen 2 go 042 : Geschäftsprozesse für digitale Nomaden


 

Inhalt der Episode

  • Was unterscheidet die Geschäftsprozesse digitaler Nomaden von denen „gewöhnlicher“ Unternehmen?
  • Welche besonderen Herausforderungen ergeben in der Zusammenarbeit und Kommunikation mit Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten/Dienstleistern, sonstigen Geschäftspartner?
  • Was können „normale“ Unternehmen von digitalen Nomaden lernen?
  • Welche Vorteile haben normale Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit digitalen Nomaden?
  • Welche Rolle spielt das Mindset in der Zusammenarbeit als digitaler Nomade bzw. mit digitalen Nomaden?
  • Welchen Einfluss übt die Generation Y auf die Unternehmen und deren Personal-Recruiting aus?

Notizen zur Episode

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(Teil)automatisiertes Transkript

Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.

Episode 042 : Geschäftsprozesse für digitale Nomaden

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Felicia Hargarten und Marcus Meurer im Gespräch. So gesehen auch eine Premiere, dass wir heute zu dritt sind. Es geht um das Thema Geschäftsprozesse für digitale Nomaden. Hallo erstmal ihr beiden.

Felicia Hargarten: Hi Götz, cool, dass wir auf deinem Podcast sein dürfen.

Götz Müller: Schön, dass es so geklappt hat. Ihr seid ja etwas weiter weg heute.

Felicia Hargarten: Genau, wir sind hier in Tennerifa, im Süden von Spanien.

Götz Müller: Hoffentlich gutes Wetter. Hier sieht es nicht so toll aus.

Felicia Hargarten: Ja, hier ist sehr windig. Ist auch eine super Gegend zum Kitesurfen.

Marcus Meurer: Aber es scheint jeden Tag die Sonne. Wir sind hier direkt am Meer. Wenn ich hier rausgucke aus meinem Apartment, dann sehe ich sogar Afrika auf der anderen Seite. Also alles cool, die richtige Atmosphäre, um produktiv zu sein, aber auch um viel Sport zu machen und Kitesurfen zu gehen. Bitte aufhören an der Stelle, sonst muss ich den Podcast abbrechen, weil ich gleich unterscheiden kann. Okay, ja, ich habe schon angedeutet, es geht um digitale Nomaden. Jetzt weiß vielleicht nicht jeder meiner Zuhörer, die sonst eher aus dem klassischen Business kommen, was man darunter versteht. Deshalb einfach die Bitte an euch, stellt euch ganz kurz selber vor.

Felicia Hargarten: Genau, also wir sind Markus und Feli und wir reisen seit über dreieinhalb Jahren nonstop ohne Homebase durch die Welt und arbeiten auch von unterwegs. Und ja, wir sind digitale Nomaden, was im Prinzip einfach nur heißt, dass man die neuen Technologien nutzt, also Internet und Laptop, eine gute Internetverbindung braucht man natürlich, um seine Arbeit von überall auszuführen. Und das geht natürlich am allerbesten, wenn man selbstständig ist. Es gibt aber auch digitale Nomaden, die bei einer Company angestellt sind oder Freelancen. Also es ist unterschiedlich, Unternehmer, Freelancer oder Angestellte von Companies, die es ihren Mitarbeitern erlauben, auch mal von anderen Orten aus zu arbeiten.

Götz Müller: Okay. Magst du auch noch etwas sagen, Marcus?

Marcus Meurer: Ja, ich bin Marcus. Wir betreiben all unsere Projekte und Businesses zusammen. 50-50 quasi und reise zusammen mit Feli um die Welt als ortsunabhängiger Online-Unternehmer. Und wir betreiben verschiedenste Projekte rund um das Thema digitale Nomaden, aber auch andere Sachen, die wir dann, seitdem wir selbstständig sind, nacheinander POP aufgebaut haben und rausgeschossen haben.

Felicia Hargarten: Genau, und die Digitale Nomadenkonferenz, die hat mittlerweile schon siebenmal stattgefunden und ist mittlerweile auch international unterwegs. Das ist also unser Event, wo es rund um das Thema ausunabhängiges Arbeiten geht. Und daneben haben wir auch Co-Working und Co-Living Camps in anderen Ländern. Die sind dann zehn Tage, wo mehrere Leute halt zusammenkommen, wo wir Workshops haben, uns austauschen, ein Programm, auch Activities zusammen machen, Masterminds. Also das ist nochmal unser zweites Format, was wir rund um die DNX haben.

Götz Müller: Jetzt kommt ihr ja, wenn man eure Biografie so ein bisschen liest, auf euren Websites. Ihr kommt ja schon ein Stück weit aus klassischem Business, wie wahrscheinlich die allermeisten. Man wird nicht als digitaler Nomade geboren.

Felicia Hargarten: Ganz genau. Also wir haben viele Jahre lang in verschiedenen Online-Startups gearbeitet. Zuerst in Düsseldorf und dann in Berlin und da konnten wir uns natürlich super das Know-how aufbauen. Das ist aber nicht bei allen digitalen Nomaden so. Natürlich, dass das Wissen im Internet frei verfügbar ist, gibt es auch Leute, die sich das komplett von Null selbst aneignen und nicht diesen Background haben wie wir. Aber mit unserem Background war es natürlich einfacher, klar.

Götz Müller: Was würdest du sagen, wie unterscheiden sich die Geschäftsprozesse digitaler Nomaden von denen normaler Menschen, gewöhnlicher Unternehmen?

Marcus Meurer: Ja, wie der Name digital nomadisch schon sagt, arbeiten wir höchst digital und nutzen verschiedenste Apps und Tools, um miteinander zu kommunizieren, mit unserem Team zu kommunizieren. Wir selber haben uns jetzt auch ein fully remote Team aufgebaut von 15 Leuten und da muss man natürlich dann anders agieren, als wenn man ein Office angemietet hätte in Berlin. Heißt, wir machen unser ganzes Projektmanagement mit Trello. Das ist ein Tool, was so ein bisschen nachempfindet, wie es früher an einem Whiteboard war mit den verschiedenen Post-Its. Da hat man verschiedene Tasks, die man dann hin und her schiebt. Das passiert dann komplett online in Trello. Dann gibt es ein Chat-System, was speziell für Unternehmen aufgesetzt wurde. Das heißt Slack.

Und da hast du dann verschiedene Channels zu den verschiedenen Unternehmensbereichen wie Marketing, Business Development, Operations, Accounting, Design, IT. Und darüber kommunizieren wir dann mit unseren Leuten. Ich selber nutze dann noch Wunderlist, ein anderes Tool, mich selber zu organisieren und zu sehen, was sind die wichtigsten Tasks des Tages.

Und insofern ist das schon mal ein Unterschied. Man arbeitet also viel digitaler und viel mehr online und hat die große Herausforderung, dass dadurch, dass die soziale Komponente fehlt, die man sonst vielleicht so in der Kaffeeküche hat, dass man die trotzdem dann noch so in die digitale Welt transformiert. Aber das funktioniert auch gut. Da gibt es immer mehr Learnings von anderen Unternehmen, die ja auch komplett remote aufgesetzt sind. Und die Company Happiness ist trotzdem ziemlich hoch bei uns.

Felicia Hargarten: Ja, aber neben Trello und Slack, die ja wirklich rein online sind, nutzen wir natürlich auch Skype, um die Leute mal zu sehen und direkt was durchzusprechen, Tasks und so weiter. Also das ist natürlich auch perfekt.

Götz Müller: Ja, jetzt habt ihr es gerade schon angedeutet. Es gibt natürlich besondere Herausforderungen, was so Zusammenarbeit, vor allen Dingen aber auch eben Kommunikation angeht. Zum Teil entfällt halt einfach das so gemeinsam am Tisch sitzen. Wie geht ihr damit um? Und speziell vielleicht, wenn der ein oder andere eurer Kontakte auch ihr aus einem klassischen Unternehmen oder aus einem klassischen Business kommt.

Felicia Hargarten: Also man braucht schon generell das richtige Mindset dafür. Es gibt vielleicht auch Leute, die damit überhaupt nicht klarkommen, die das gar nicht wollen, für die das einfach viel besser ist, sich zu sehen. Und man muss da schon auch ein bisschen umdenken im Kopf. Und also für uns ist es total normal. Wir kommen super gut damit klar. Und interessanterweise, da unsere Mitarbeiter auch reisen, kann es sogar vorkommen, dass wir die wirklich halt irgendwo unterwegs mal treffen und auch mal zusammen im Coworking Space sitzen. Aber es ist jetzt nicht geplant. Das ist dann eher zufällig. Und ja, es ist halt schwierig, wenn man ein Unternehmen hat, was schon besteht, die Strukturen zu verändern. Also es ist besser, wenn man neu startet und ein ganz neues Team aufbaut, direkt die Leute mit dem richtigen Mindset reinzuholen.

Und diese ganze Generation Y, also die ganzen Leute, die jetzt in ihr Berufsleben starten, mit der Uni fertig sind, die haben eigentlich schon das richtige Mindset, weil die sind mit den Online-Medien aufgewachsen. Die kennen das fast nicht mehr anders und wollen teilweise auch gar nicht mehr in diese alten Strukturen rein. Das heißt, bei denen ist es natürlich viel einfacher, als wenn du jetzt jemanden, der schon jahrelang fest im Unternehmen sitzt, plötzlich sagst, wir arbeiten jetzt online und ihr seht euch nicht mehr. Geht vielleicht auch, wenn die halt offen dafür sind, aber wird auf jeden Fall schwieriger.

Götz Müller: Ja, ich war gestern auf einem Lean-Stammtisch hier ganz lokal, da saß man eben physisch um den Tisch rum und da haben wir über das Thema Lean und New Work geredet und das sind ja durchaus eben auch Aspekte, Generation Y war da absolut auch ein Thema, war da dabei. Was würdest du sagen?

Marcus Meurer: Ja, gerade die Generation Y. Wenn ich dann kurz was sagen kann zur Generation Y, weil das ist ja mega, mega spannend. Und ich glaube, viele Unternehmen haben auch noch gar nicht erkannt, wie wichtig es ist, sich selber zu verändern, weil die Generation Y, die ist mittlerweile so weit, die ist so willensstark, die hat so eine starke eigene Meinung. Ich glaube, die will sich gar nicht adaptieren oder anpassen, wie es zum Beispiel vielleicht noch in meiner Generation war. Ich bin jetzt Ende 30, sondern sage, okay, das sind halt die Spielregeln, auf die muss ich mich einlassen. Die Generation Y ist jetzt so weit, die sagt, nee, wenn ich nicht den richtigen Arbeitgeber finde, der sich auf mich einlässt, dann mache ich halt mein eigenes Ding, mache Mikrojobs, gehe irgendwo in eine Bar, kellnern, obwohl die Leute viel mehr Skills hätten, auch im Unternehmen zu arbeiten. Aber solange das Unternehmen nicht auf die Leute zugeht, sehen die auch keinen Anlass, für das Unternehmen zu arbeiten. Also da heißt es dann für die Unternehmen, umzudenken und zu gucken, okay, die kriege ich jetzt nicht mehr über einen Salary Raise, über irgendwelche Shares, über ein Geschäftsauto oder was noch alles gab, ein Geschäftshandy oder so, das ist denen völlig glatte. Die wollen einfach selbstbestimmter und freier und flexibler arbeiten.

Götz Müller: Genau den Punkt möchte ich jetzt noch ein bisschen vertiefen. Was können normale, klassische Unternehmen von digitalen Nomaden lernen?

Felicia Hargarten: Also zumindest schon mal einige Strukturen auszuprobieren und ein bisschen mehr Freiheit zu geben. Das erste wäre wahrscheinlich halt mal Homeoffice anzubieten oder vielleicht Leute auch mal in einer Vocation zusammen ein, zwei Wochen vom Ausland aus arbeiten zu lassen, vielleicht auch mal mit einem ganzen Team so ein Team-Retreat zu machen. Sehr oft tut das auch den Leuten mal gut, aus den bestehenden Strukturen rauszukommen. Die kriegen neue Motivation, haben neue Ideen, weil das halt auch inspiriert, wenn man einfach mal woanders ist und mal von außen auf irgendwas drauf guckt. Also wir würden immer vorschlagen, mal so kleine Tests zu machen und dann auch die Mitarbeiter zu befragen, mit einzubeziehen. Wie fandest du das denn? Wäre das überhaupt was, was du cool fändest? Weil viele Unternehmen befragen ja ihre Leute und da kommt dann ganz klar raus, dass sie sich schon mehr Flexibilität wünschen.

Aber natürlich wünscht sich nicht jeder, so eine extreme Speerspitze zu sein wie wir und in fünf verschiedenen Ländern im Jahr zu sein. Also das ist halt auch dann, wir sind halt sehr extrem. Und so weit muss es ja nicht kommen. Es gibt ja noch ganz viele Stufen dazwischen. Und da einfach mal so ein bisschen rumzutesten, Erfahrungen zu sammeln, dann wieder zu optimieren, mit den Leuten zu reden, so könnte man das angehen.

Marcus Meurer: Und das Ding ist, wenn die Unternehmen sich nicht jetzt bewegen, dann werden die im schlimmsten Fall dazu gezwungen, zum einen durch Gesetze, die erlassen werden, wie beispielsweise in den Niederlanden, wo jetzt Pflicht für die Unternehmen geworden ist, sofern es die Art der Arbeit ermöglicht, diese auch am Computer zu machen, dem Mitarbeiter Homeoffice zu gewähren. Also wäre ich an der Stelle vom Unternehmen lieber einen Schritt voraus und würde denen das quasi von selbst anbieten. Und zum anderen, gerade wenn es um Mitarbeiter geht, die schwer zu kriegen sind, wie fähige Programmierer, dann ist der War for Talents-Markt, der War, der ist richtig knallhart.

Und wenn du dann ein Asset hast und sagst, bei mir kannst du flexibel arbeiten, zu flexiblen Arbeitszeiten, von wo immer du willst und wir bezeihen dir sogar noch dein Coworking-Space, damit du produktiv arbeiten kannst, dann ist das gerade für die jüngere Generation ein großer Punkt, zu dem Unternehmen zu gehen und zum Beispiel nicht zu Facebook oder Google zu gehen, im Silicon Valley, da beobachten wir es nämlich gerade, dass da die besten Talente dann zur Automatik gehen, die sind fully remote aufgestellt oder zu SAP, die komplett flexibler arbeiten.

Götz Müller: Inwieweit arbeitet ihr mit normalen Unternehmen zusammen?

Felicia Hargarten: Also wir haben immer mal wieder Anfragen auch von Unternehmen, die dafür offen sind, die mehr darüber erfahren wollen, die eben genau wissen wollen, was könnt ihr uns vielleicht mit oder wie könnt ihr uns helfen, weil die natürlich auch sehr in ihrem Daily Business oder so tief im Unternehmen sind, dass es halt wie bei einem Consulting oft mal gut ist, wenn da jemand von außen drauf schaut. Und da gibt es echt einige Unternehmen, die das schon interessiert und mit denen wir da zusammenarbeiten. Jetzt kommt ein mega spannender Artikel, die habe ich jetzt gerade mal kontaktiert von Daimler. Die haben ganz, ganz große Pläne. Kannst vielleicht auch mal in den Shownotes verkennen, den fand ich super spannend. Und was sie alles ändern wollen und wie Vorreiter sein möchten zu solchen Themen. Und das als so großes Unternehmen. Das finde ich total cool. Die habe ich dann auch mal direkt kontaktiert.

Marcus Meurer: Ja, und wir kriegen ja anfangen, du bist ja auch auf uns gekommen über das Citrix-Webinar von großen Unternehmen, die sehen, da passiert irgendwas, ich will aber verstehen, wie kann ich diese digitale Information dann auch gewinnbringend für mein Unternehmen. Und das Gute bei uns beiden ist, bei Filio und mir, dass wir einen langen Corporate-Background haben, dass wir, dadurch, dass wir schon ein bisschen älter sind und vor allem in den digitalen Nomaden-Lifestyle eingestiegen sind, auch das ganze Know-How darüber haben, Unternehmen ticken und was Unternehmen brauchen und wie die Pain-Points sind. Insofern können wir eigentlich ziemlich gut die Brücke schlagen zwischen dieser neuen Generation und der neuen Arbeitswelt, des ortsunabhängigen Arbeitssenden, zu der Corporate-Welt. Und da kriegen wir immer wieder Konzeptfragen. Wir gehen auch in Unternehmen rein und beraten dann Unternehmen, gerade in der Führungsetage. Die Leute wollen auch erstmal greifen und verstehen, was da passiert.

Und gehen wir dann natürlich gerne zur Seite mit OV, weil das auch für uns mega spannend ist. Und wir sagen jetzt nicht, alles ist Mist und alles ist scheiße. Sobald man in eine Office-Tür reingeht und dann in einem Office sitzen muss und feste Arbeitszeiten hat. Nee, es gibt auch coole Unternehmen und da wollen wir dann helfen, Unternehmen dahin zu transformieren, dass sie auch attraktiv werden für die jüngere Generation.

Felicia Hargarten: Es hat sich einfach so viel geändert in mobilen Bereichen. Die Möglichkeiten sind halt ganz anders und die Strukturen in den Unternehmen sind gleichzeitig aber stehen geblieben. Und da gilt es so ein bisschen den Gap zu schließen. Und das kommt natürlich auch individuell auf das Unternehmen an, was möglich ist. Was haben die für ein Produkt? Was haben die für Strukturen? Da gibt es ja keinen Masterplan, wie man sowas ansetzt, so eine Wandelung.

Götz Müller: Gut, wenn wir jetzt mal das Thema Wandel an sich mal verlassen und ein klassisches Unternehmen betrachten, das aber in bestimmten Bereichen mit digitalen Nomaden zusammenarbeitet, also eben den Punkt Mitarbeiterrekrutierung oder eben nicht mehr auf dem klassischen Arbeitsmarkt keine mehr zu finden. Was haben über das Thema hinaus rein in der Zusammenarbeit Unternehmen für Vorteile in der Zusammenarbeit mit digitalen Nomaden?

Felicia Hargarten: Also die digitalen Normalen, die wir kennen, die sind halt mega auf Zack. Dadurch, dass du auch viel von der Welt siehst und viele neue Leute triffst, hast du auch viele Ideen. Du hast oft halt neue Power, weil du viel Inspiration hast. Also du bist nicht so eingefahren in Routinen und Strukturen. Also ich glaube, das sind auch super Mitarbeiter, die Unternehmen vorantreiben können. Vielleicht auch in ihrem persönlichen Leben glücklicher sind als der Angestellte, der nur meckert. weil sie eben andere Bereiche ihres Lebens besser integrieren können durch die freie Zeiteinteilung. Wenn wir zum Beispiel sagen, boah, Kitesurfen ist das, was uns wirklich total glücklich macht in unserer Freizeit und wir sitzen in Berlin und können nur im Wochenurlaub Kitesurfen gehen.

Dann sind wir einfach happier, wenn wir das integrieren können, als wenn wir es nicht können. Oder wenn wir mehr Zeit haben, uns gesund zu ernähren oder unseren Sport so zu legen, wie es passt. Und als Arbeitnehmer ist man ja oft gestresst, das alles abends noch zu tun. Da kommt man halt auch in so eine Negativspirale und hat vielleicht keinen Bock mehr. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Produktivität letztendlich aus. Und Nomads sind oft, eben weil sie ihre Zeit irgendwie wirklich gut einteilen müssen, Produktivität, also die es wirklich schaffen, mehr Output rauszukriegen, eben weil sie so viele Sachen vielleicht auch unter den Hut bringen müssen. Wenn wir jetzt sagen, wir wollen heute Nachmittag Kitesurfen, hauen wir vielleicht vorher besser rein oder holen uns die Tools, um alles effizienter zu gestalten, Prozesse zu optimieren, damit wir das hinkriegen.

Und andere haben vielleicht acht Stunden und denken, ach ja, ich habe ja acht Stunden Zeit für die Arbeit und sind dementsprechend langsamer. Also das kann man nicht verallgemeinern, Aber die Gefahr besteht natürlich, dass man seine Arbeit so weit ausdehnt, wie man eh aussitzen muss zum Beispiel. Kennt man ja. Und manchmal ist es dann viel besser, nur vier Stunden zu arbeiten und richtig produktiv dann eine Pause wirklich zu machen, als dann weiter da abzuhängen und dann auf Facebook rumzuscrollen. Also da gibt es auf jeden Fall bei den Nomads Sachen und die tauschen sich untereinander aus.

Und viele Unternehmen haben halt auch die Angst, wenn ich das jetzt einem erlaube, frei zu arbeiten oder wenn ich eine Auszeit vom halben Jahr für eine Weltreise erlaube, sagen wir mal, dann wollen das alle. Aber das ist gar nicht der Fall. Es gibt viele Leute, die das halt nicht wollen oder auch die sagen, nee, ich will lieber mehr Geld haben, arbeite freiwillig. Also diese Angst, wenn alle irgendwelche Vorzüge haben wollen, brauchen die gar nicht so zu haben. Also das ist auch eine Frage, die wir in früheren Unternehmen gemacht haben.

Götz Müller: Was für Tipps würdet ihr normalen Unternehmen geben, wenn sie einerseits vielleicht einen Teil ihrer Geschäftsprozesse, nennen wir es mal, virtualisieren wollen, also durch digitale Nomaden abdecken wollen? Oder wenn sie eben in bestimmten Aspekten, so wie vielleicht heute schon, mit Freelancern arbeiten, wenn sie das noch weiter treiben und mit digitalen Nomaden zusammenarbeiten? Was sind so ein paar Tipps für Unternehmen?

Felicia Hargarten: Ja, also klar, erstmal müsste man natürlich, welche Positionen eignen sich da, als Freelancer reinzuholen, wie ist das Unternehmen jetzt aufgestellt. Ja, man muss da halt auch in der Rekrutierung einige Sachen beachten, damit das auch gut zusammenpasst und man die gleichen Vorstellungen hat. Und ja, dann halt auch die richtigen Leute auszuwählen, weil man Freelancer hat, die, wenn man ein bestehendes Team hat im Office und Freelancer dazu, also kein komplettes Freelancer-Team, da muss man auch gucken, dass diese Freelancer und die Leute, die nicht im Office sind, auch genug mitbringen von der Strategie, was passiert, weil die anderen dann in ihrer Kaffeeküche besprechen.

Das Problem hast du nicht, wenn du nur ein Remote-Team hast, so wie wir, dann haben ja alle den gleichen Stand, aber wenn du beides hast, musst du auch gucken, dass dieser Gap geschlossen wird und dass dieser Freelancer sich dann auch zugehörig fühlt, zur Firma fühlt und nicht ausgeschlossen oder den Infos fehlen, weil das nicht weitergegeben wird ordentlich, was dann halt sonst am Tisch in der Firma passiert. Also das sind so kleine Sachen, woran man muss.

Götz Müller: Gut, das sind dann eigentlich unterm Strich Dinge, die man durchaus auch in den klassischen ein Unternehmen ja beachten muss, dass halt gute Kommunikation herrscht, dass gutes Betriebsklima herrscht, all diese Dinge. Auf jeden Fall.

Felicia Hargarten: Ja, aber das ist dann nochmal diese Leute, die nicht da sind, als für die, die da sind. Dann muss man dann zwei Gruppen nochmal gesondert betrachten sozusagen.

Götz Müller: Ja, oder zum Beispiel Unternehmen, die mit Außendiensten arbeiten.

Marcus Meurer: Außendienste, ja.

Felicia Hargarten: Ja, die sind dabei dann, zumindest kenne ich es so von meinem Unternehmen hin und wieder dann auch mal im Office, nur im Homeoffice, aber das ist so ein Zwischending schon, ja.

Götz Müller: Wenn sich jetzt jemand von klassischen Arbeitskräften, ich denke mal zum größten Teil auch eben Wissensarbeiter, für das Thema interessiert, was sollte er tun, um sein Business, seine Tätigkeit zu virtualisieren in die Richtung eben digitaler Nomade? Was wären da so Einstiegspunkte?

Marcus Meurer: Also er ist schon Wissensarbeiter, das heißt ja dann, dass er ein gewisses Know-how aufgebaut hat zu einem bestimmten, das sind eigentlich die besten Voraussetzungen. Um sein Wissen dann auch Kunden anbieten zu können und um damit sein Geld zu verdienen. Und dann ist der Schritt eigentlich gar nicht mehr so weit, das Ganze ortsunabhängig aufzustellen. Das wissen viele Menschen nämlich gar nicht, dass sie schon die Möglichkeit hätten, von überall zu arbeiten. Aber irgendwie hat das so eingefahren, dass sie halt die ganze Zeit zu Hause sitzen oder in einem Office sitzen und von da aus ihre Dienstleistung anbieten. Und wenn du angestellt bist, dann wäre natürlich die erste Option zu fragen, im Unternehmen, ob du die Möglichkeit bekommst, quasi als Testballon von überall arbeiten zu dürfen und ob das Unternehmen vielleicht sogar dich noch unterstützt und den Coworking Space finanziert.

Und wir haben die Erfahrung gemacht, die Leute, denen das Vertrauen gegeben wurde, die jetzt quasi als digitale Nomaden für ein Unternehmen unterwegs sind und das als erster Mitarbeiter, dass die tendenziell, sowas auch bei uns, als wir die ersten Freelancer-Jobs haben, dass die tendenziell Und das Vertrauen dann doppelt und dreifach zurückzahlen, weil sie natürlich dann auch eine Vorreiterfunktion für alle anderen Mitarbeiter in dem Unternehmen einnehmen.

Götz Müller: Jetzt würde ich ganz gerne zum Abschluss.

Felicia Hargarten: Genau, also man muss sich dann, klar, wenn man damit, achso, ja.

Götz Müller: Ja, erzähl weiter.

Felicia Hargarten: Ja? Achso, nee, ich wollte noch sagen, klar, man muss dann natürlich, wenn man als Freelancer sich entscheidet, okay, ich arbeite jetzt von überall, muss man natürlich seine Struktur entsprechend aufstellen mit der Wohnung zu Hause, mit Krankenversicherung, Auslandskrankenversicherung. Also da gibt es ganz viele Tipps und da hilft es natürlich, sich mit Leuten, die das schon machen, auszutauschen und für sich die beste Lösung zu finden, dass man das halt auch logistisch hinbekommt. So wie komme ich an meine Post ran? Da gibt es zum Beispiel Services wie Dropscan, die dir die Post halt anscannen und per E-Mail schicken und so weiter. Also da muss man dann so ein bisschen sein Setup aufstellen, damit man nicht organisatorisch überfordert ist, wenn man dann halt unterwegs ist. Und natürlich auch viel an seiner Positivität arbeiten. Vielen Leuten fährt das erstmal schwer, wenn die an einem neuen Ort sind.

Deshalb sollte man natürlich auch lange an einem Ort bleiben. Es geht jetzt nicht darum, schnell zu reisen, sondern dass man sich da so ein bisschen wie ein Einheimischer einlebt, da auch Sport macht, selber kocht, sich eine Wohnung holt und jetzt nicht im Hotel schläft oder in einem Hostel. Das wäre ja dann mehr Reisen oder Backpacking. Das darf man dann halt auch nicht vermischen. Ein bisschen schwierig. Sonst sollte man wirklich sagen, ich will mein Unternehmen mal fragen, kann ich nicht eine Auszeit machen, zum Beispiel unbezahlter Urlaub oder ein Sabbatical-Modell. Da gibt es ja verschiedene Modelle auch. Das wäre dann wirklich, wenn man sagt, hier, ich will nur reisen. Man muss sich schon bewusst sein, dass Reisen und Arten nochmal was anderes ist.

Götz Müller: Jetzt habt ihr ja unter eurer Marke DNX, habt ihr ja verschiedene Submarken. Und so wie ich es verstanden habe, auch das ein oder andere Angebot, um in das gesamte Thema digitales Nomadentum reinzukommen. Können wir vielleicht zum Abschluss da noch ein paar Sätze drauf verlieren?

Marcus Meurer: Ja, also das, was uns groß gemacht hat, wofür die Marke DMX auch am Anfang stand, mittlerweile ist sie immer breiter und größer geworden, ist die erste Konferenz zu dem Thema digitales Nomadentum, ortsunabhängiges Arbeiten. Und das ist natürlich eine super Plattform, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen, die a. Schon ortsunabhängig unterwegs sind, von überall ihr Geld verdienen, B, mit den Leuten, die genauso interessiert sind wie du und vielleicht Tipps brauchen, wie sie ihr Leben ändern können, um auch von überall zu können.

Und C, ist auch mega spannend für diejenigen, auf diese Generation zu treffen, die völlig digital unterwegs ist und für die die bestehenden Corporate-Strukturen im Grunde keine Wahl mehr sind.

Felicia Hargarten: Und auf dem Event ist es halt mega cool. Wichtig ist halt wirklich, sich mit anderen auszutauschen, weil jemand, der da nicht drin ist, der versteht es einfach nicht so. Und ja, da werden auch Jobs untereinander vergeben, wirklich sich beim Business-Modell geholfen. Also wir haben die verschiedensten Leute da von Freelancern halt über eigene Businesses auch zu verschiedensten Themen. Und das ist ein ganz cooler Mix und auch total locker, unventionell. Also es ist keine steife Konferenz in Anführungsstrichen, sondern wirklich ein richtig cooles Event.

Und ja, wir decken da halt alles, was es dazu gibt und vermitteln unser Know-how oder halt für die, die ein Business haben, wie kannst du dein Business auch auf die nächste Stufe bekommen, und ja, bei den Nomads gibt es auch einige, die sind zum Beispiel Freelancer, wollen aber daneben her auch ihr eigenes Aufbau, also ein skalierbares Business im Grunde als Solopreneur und all diese Themen, da geht es halt in dem Event drum Und das haben wir jetzt, wie gesagt, mittlerweile auf Deutsch und auch schon international gemacht, jetzt in Bangkok.

Götz Müller: Okay, prima. Da werde ich dann in die Notizen von euch den einen oder anderen Link mit reinnehmen.

Felicia Hargarten: Genau, und die DNX-Camps kannst du vielleicht die DNX-Camps aufnehmen. Sehr, sehr cool, wenn die Leute auch, wenn die sagen, ich bin so weit, ich verdiene eigentlich schon Online-Geld, Alter, weil irgendwie habe ich immer noch Schirrland und so weiter. Da haben wir halt diese Camps auch. Das nächste ist jetzt auf Lemnos in Griechenland im Juni und dann in Brasilien im November. Das ist halt auch super, super cooler Einstieg für die Leute, die sich da immer noch ein bisschen unsicher fühlen, um das mal zu testen auch.

Götz Müller: Okay, prima. Ich fand das eine sehr spannende Unterhaltung. Eine Sache, die mir persönlich, ich bin schon 50 plus die Generation, vom Arbeiten selber her noch ziemlich fremd ist. Aber der eine oder andere Gedanke, nicht zuletzt in eurem Webinar, das ich mir angehört habe, spannende Aspekte dabei sind, wo man sich dann schon mal selber hinterfragt, wenn es wie bei mir so langsam die Kinder auch aus dem Haus gehen, wie man denn sein Leben gestalten möchte. Ja, ich danke euch für die Zeit.

Felicia Hargarten: Sehr cool, das tun wir halt auch.

Götz Müller: Und wünsche euch weiter viel Erfolg.

Marcus Meurer: Ja, dann nochmal vielleicht kurz zum Abschluss.

Götz Müller: Gerne.

Marcus Meurer: Du überlegst gerade, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wie du dann dein Leben aufstellen willst oder so. Und das Coole ist ja an diesem digitalen Nomaden-Lifestyle, dass man es nicht so auf die Spitze treiben muss und ständig reisen muss. Man kann die Zeit ja auch dafür nutzen, nochmal ein Hobby anzufangen. Was man schon immer vorhatte oder mit deiner Familie zu verbringen oder mehr Zeit für eine Sportart aufzuwenden, wofür man vorher nicht die Zeit oder den Kopf und den Headspace hatte. Also insofern kann man das in vielen Bereichen nutzen.

Felicia Hargarten: Eben. Und man nimmt sich einfach das Beste raus.

Götz Müller: Was für einen individuell passt. Okay, also ich danke euch nochmal für eure Zeit. Wünsche euch noch alles Gute und vielleicht begegnen wir uns ja mal.

Das war die Unterhaltung mit Felicia Hargarten und Marcus Meurer zum Thema Geschäftsprozesse für digitale Nomaden. Weitere Hinweise finden Sie in den Notizen zur Episode.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

KI-generierte Zusammenfassung

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Felicia Hargarten und Marcus Meurer über Geschäftsprozesse für digitale Nomaden und die Frage, was klassische Unternehmen von dieser Arbeits- und Lebensform lernen können.

Felicia Hargarten und Marcus Meurer leben und arbeiten seit mehreren Jahren ortsunabhängig ohne feste Homebase. Aktuell befinden sie sich in Tennerifa im Süden Spaniens. Als digitale Nomaden nutzen sie konsequent digitale Technologien, um ihre unternehmerischen Aktivitäten von überall auf der Welt zu steuern. Sie betreiben ihre Projekte gemeinsam als Online-Unternehmer und haben rund um das Thema ortsunabhängiges Arbeiten verschiedene Formate aufgebaut. Dazu gehört insbesondere die DNX-Konferenz, die sich als Plattform für digitales Nomadentum etabliert hat und inzwischen auch international stattfindet. Ergänzt wird dieses Angebot durch Co-Working- und Co-Living-Camps, bei denen Teilnehmer über mehrere Tage gemeinsam arbeiten, lernen und sich austauschen.

Beide Gesprächspartner kommen ursprünglich aus klassischen Online-Startups in Düsseldorf und Berlin. Dieses Fundament hat ihnen den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtert. Gleichzeitig betonen sie, dass digitales Nomadentum nicht zwingend einen solchen Hintergrund erfordert, da Wissen heute breit verfügbar ist.

Im Kern unterscheidet sich die Arbeitsweise digitaler Nomaden vor allem durch den hohen Digitalisierungsgrad der Geschäftsprozesse. Marcus Meurer beschreibt, wie sie ein vollständig remote arbeitendes Team mit 15 Personen aufgebaut haben. Projektmanagement erfolgt über Tools wie Trello, das die Logik eines physischen Kanban-Boards digital abbildet. Die interne Kommunikation läuft über Slack mit klar strukturierten Kanälen für unterschiedliche Unternehmensbereiche. Für Videokommunikation wird Skype genutzt. Diese digitale Infrastruktur ersetzt das klassische Büro mit Whiteboard, Besprechungsraum und Kaffeeküche.

Eine besondere Herausforderung besteht in der fehlenden informellen Kommunikation. Der spontane Austausch am Schreibtisch oder in der Pause entfällt. Daher müssen Transparenz, Informationsfluss und soziale Bindung bewusst gestaltet werden. Gleichzeitig berichten Felicia Hargarten und Marcus Meurer von hoher Zufriedenheit im Team. Entscheidend sei das richtige Mindset. Nicht jeder Mensch komme mit dieser Arbeitsform zurecht. Wer jedoch mit digitalen Medien aufgewachsen ist, bringe oft bereits die notwendige Selbstverständlichkeit mit.

Im Gespräch spielt die Generation Y eine wichtige Rolle. Marcus Meurer hebt hervor, dass viele jüngere Fachkräfte deutlich stärker auf Selbstbestimmung, Flexibilität und Sinnorientierung achten als frühere Generationen. Klassische Anreize wie Dienstwagen oder Gehaltserhöhungen verlieren an Bedeutung. Unternehmen, die diese Erwartungen ignorieren, riskieren, Talente zu verlieren oder gar nicht erst zu gewinnen. Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter verschärft sich dadurch weiter.

Aus Sicht von Felicia Hargarten können klassische Unternehmen in kleinen Schritten beginnen. Homeoffice-Modelle, zeitlich begrenzte Workations oder Team-Retreats im Ausland bieten erste Erfahrungsräume. Wichtig sei, die Mitarbeitenden einzubeziehen und deren Rückmeldungen ernst zu nehmen. Nicht jeder wolle permanent reisen, doch viele wünschten sich mehr Flexibilität. Der Wandel müsse dabei zum jeweiligen Geschäftsmodell passen. Einen universellen Masterplan gebe es nicht.

Auch in der Zusammenarbeit mit Freelancern oder digitalen Nomaden ergeben sich spezifische Anforderungen. Wenn Teile eines Teams vor Ort arbeiten und andere remote, entsteht leicht ein Informationsgefälle. Informelle Absprachen im Büro dürfen nicht an externen Kräften vorbeigehen. Transparente Kommunikation und strukturierte Weitergabe strategischer Informationen sind daher essenziell, um Zugehörigkeit und Motivation sicherzustellen.

Digitale Nomaden bringen aus Sicht der beiden Gäste besondere Stärken mit. Durch ihre internationale Erfahrung und den ständigen Perspektivwechsel entwickeln sie häufig neue Ideen und hohe Eigenverantwortung. Da sie ihre Arbeitszeit flexibel gestalten, arbeiten sie oft fokussierter und ergebnisorientierter. Wer sich beispielsweise bewusst Freiräume für Sport oder andere Leidenschaften schafft, ist motiviert, in kürzerer Zeit produktiv zu sein. Diese Output-Orientierung unterscheidet sich vom klassischen Zeitabsitzen im Büro.

Für Wissensarbeiter, die selbst über einen Wechsel nachdenken, sieht Marcus Meurer gute Voraussetzungen. Wer bereits über Fachwissen verfügt, kann dieses häufig auch ortsunabhängig anbieten. Ein erster Schritt kann sein, im bestehenden Unternehmen einen Pilotversuch für remote Arbeit zu initiieren. Vertrauen spiele hier eine zentrale Rolle. Wer als erster diesen Weg geht, zahle das entgegengebrachte Vertrauen meist mit besonderem Engagement zurück.

Felicia Hargarten ergänzt, dass neben der beruflichen Seite auch organisatorische Fragen geklärt werden müssen. Wohnsitz, Versicherungen, Postweiterleitung und eine stabile digitale Infrastruktur gehören zu einem tragfähigen Setup. Zudem empfiehlt sie, nicht im Modus ständiger Kurzreisen zu leben, sondern sich an einem Ort zeitweise wie ein Einheimischer zu integrieren.

Abschließend stellen Felicia Hargarten und Marcus Meurer ihre Formate rund um die DNX vor. Die Konferenz bietet Austausch zwischen erfahrenen digitalen Nomaden, Einsteigern und Interessierten aus Unternehmen. Darüber hinaus ermöglichen die DNX-Camps einen begleiteten Einstieg in das ortsunabhängige Arbeiten. Im Kern geht es ihnen darum, Menschen und Organisationen dabei zu unterstützen, Arbeitsmodelle so zu gestalten, dass sie besser zu individuellen Lebensentwürfen passen.

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