Produktivität vs. Effizienz – Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Produktivität vs. Effizienz

Produktivität und Effizienz sind zwei Begriffe, die ähnlich wie effektiv & effizient oder wichtig & dringend im Alltag oft verwendet werden, ohne dass über die Bedeutung wirklich nach­gedacht wird. Das Ergebnis kann dann zwischen wieder Verwirrung und Klarheit schwanken.

Zu diesem Artikel hat mich eine Diskussion in einer LinkedIn-Gruppe inspiriert (Registrierung und Gruppen­mitglied­schaft erforderlich). Die Frage nach dem Unterschied hat dort einige (49, Stand 23.9.2012) Kommentare verursacht. Die Antworten waren doch sehr unterschiedlich in den Erklärungen, von mathema­tischen Formeln (Produktivität = Effizienz * Effektivität oder Produktivität = Effizienz * Auslastung), über andere Abhängig­keiten (z.B. Produktivität als Maß der Effizienz) bis zur völligen Unabhängig­keit der beiden Begriffe. Mein Fazit aus der Vielzahl der unter­schied­lichen Antworten ist, dass es keine allgemein gültige Definition gibt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass in Verbes­serungs­projekten alle Stakeholder ein gemein­sames Verständnis haben.

Meiner Ansicht nach bezeichnen die beiden Begriffe ähnliche Aspekte, jedoch aus unter­schied­lichen Blick­winkeln. Der Unter­schied wird deutlich, wenn es um die Ziele geht, die mit der Erhöhung der Produktivität bzw. der Effizienz verbunden werden und zusätzlich die Wechsel­wirkungen berück­sichtig werden. Die Gemein­samkeit liegt darin, aus einge­setzten Ressourcen (Zeit, Arbeitskraft, Rohstoffe, Maschinen) mehr herauszuholen.

Die Erhöhung der Produktivität zielt darauf ab, den Ausstoß basierend auf einem festen Maß an verfüg­baren Ressourcen zu erhöhen.

Die Erhöhung der Effizienz zielt darauf ab, die notwendigen Ressourcen für einen festen Ausstoß zu reduzieren.

Ob der Fokus jetzt auf der Erhöhung der Produktivität liegt oder auf der Erhöhung der Effizienz hängt davon ab, welche Ziele damit verfolgt werden sollen.

Wenn der Markt oder Kunden nach einer höheren Menge eines Produkts oder einer Leistung fragen, die derzeit (noch) nicht geliefert werden kann, geht es um die Erhöhung der Produktivität (unter der Annahme, dass nicht einfach die einge­setzten Ressourcen im gleichen Maß erhöht werden sollen).

Wenn der Markt oder Kunden dagegen nach geringeren Preisen für Produkte oder Leistungen fragen oder aus eigenem Antrieb die Kosten gesenkt werden sollen, geht es um die Erhöhung der Effizienz (unter der Annahme, dass sich die Kosten umgekehrt propor­tional zu den eingesetzten Ressourcen verhalten).

Die Vorgehens­weise, um die Produktivität oder die Effizienz zu erhöhen, kann durchaus die Gleiche sein. Es können Methoden aus dem Bereich des Lean Managements oder Six Sigma sein. Unabhängig davon sind unter­schied­liche Randbe­dingungen und resultierende Wechsel­wirkungen zu beachten.

Die Verringerung der eingesetzten Ressourcen (im Sinne der Steigerung der Effizienz) kann beispiels­weise zu geringerem Personal­einsatz oder geringerem Einsatz von Rohstoffen und/oder Betriebs­mitteln führen. Die betroffenen Stakeholder sind im einen Fall die Mitarbeiter, im anderen Fall die Zulieferer. Aus den unter­schied­lichen Stakeholdern können sich wiederum völlig unter­schied­liche Wechsel­wirkungen ergeben (Unruhe in der Belegschaft oder höhere Einkaufs­preise aufgrund geringerer Mengen).

Eine bessere Auslastung der Ressourcen (im Sinne der Steigerung der Produktivität) kann dagegen zur Überlastung der Mitarbeiter oder der eingesetzten Maschinen führen. Auch diesen beiden Wechsel­wirkungen wird ganz anders begegnet, z.B. durch geeignete Kompensation der Arbeits­belastung der Mitarbeiter oder bewusstere Wartungs­zyklen für Maschinen.

Allen Auswirkungen ist gemeinsam, dass sie Rückwir­kungen auf die ursprüng­lichen Ziele haben können und diese bewusst in Betracht gezogen werden sollten, um die Rück­wirkungen zu beherrschen.

Frage: In welche Zielkategorien fallen Ihre Verbesserungs­projekte? Wie gehen Sie mit den Wechsel­wirkungen um?

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