Inhalt der Episode
- Was ist Cardboard Design?
- Wann und wo kommt Cardboard Design zum Einsatz?
- Welchen Nutzen und welche Vorteile bietet Cardboard Design?
- Welche Vorteile haben Software-gestützte Videoanalysen?
- Wann kommen Videoanalysen zum Einsatz?
- Wie sieht der Ablauf einer Videoanalyse aus?
- Wie reagieren die Mitarbeiter auf Videoanalysen, was ist dabei zu beachten?
Notizen zur Episode
- XING-Profil von Thomas Mittendorf
- Website der SOLME Deutschland GmbH
Artikel teilen auf ...
(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.
Episode 030 : Cardboard Design und Videoanalysen
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Thomas Mittendorf bei mir im Gespräch. In der Unterhaltung mit ihm wird es um Cardboard-Design und Videoanalysen im Umfeld von speziellen Fertigungsprozessen gehen. Herzlich willkommen, Herr Mittendorf, und ich möchte Sie bitten, sich einfach ganz kurz selber vorzustellen.
Thomas Mittendorf: Ja, schönen guten Morgen, Herr Müller. Herzlichen Dank für die Einladung hier zu unserem Gespräch. Ja, ich bin der Thomas Mittendorf. Ich bin Geschäftsführer der Firma Solme hier in Deutschland, und bin seit ungefähr 20 Jahren in dem Thema Prozessoptimierung tätig, in den administrativen und in den Produktionsprozessen. Und da werden wir jetzt ja auch gleich zu zwei Themen etwas genauer reinschauen. Die Firma Solme selber gibt es seit 1997 und wir haben so zwei Themen, zwei Hauptthemen, mit denen wir uns beschäftigen. Auf der einen Seite, was ich schon gesagt habe, das Thema der Prozessoptimierung und auf der anderen Seite stellen wir eine Videoanalyse-Software her, mit der wir Produktionsprozesse aufnehmen, organisieren, verbessern, dokumentieren und visualisieren können.
Götz Müller: Genau, Sie haben es schon angesprochen und ich hatte auch die zwei Themen in der Einleitung gesagt. Sehr spannend finde ich eben den Aspekt Cardboard-Design, wenn es um vor allen Dingen neue Arbeitsplätze geht, wenn es um größere Umgestaltungen von Arbeitsplätzen geht. Jetzt ist vielleicht nicht jeder der Zuhörer so richtig bekannt mit Cardboard-Design und deshalb möchte ich Sie einfach bitten, da mal ein paar Sätze dazu zu sagen.
Thomas Mittendorf: Ja, also das Thema Cardboard Design, auf Deutsch Kartonagensimulation, beschäftigt sich damit, wie der Name schon sagt, aus Karton Arbeitsplätze zu simulieren. Und zwar Arbeitsplätze, die im Aufbau sind, wo man sich überlegt, wie soll der Arbeitsprozess an dem Platz aussehen, die werden vorher in einem 1 zu 1 Modell in Kartonage dargestellt. Dafür haben wir einen Bausatz, mit dem es relativ schnell gelingt, mit den Mitarbeitern zusammen dieses Modell des Arbeitsplatzes herzustellen. Und das ist dann wiederum auch die Basis für die Bestellung bei einem Lieferanten, der dann daraus die Hardware macht. Mit dieser Kartonage gelingt es sehr gut, die Mitarbeiter einzubinden. In dem Sinne, dass eben diejenigen, die später in diesem Prozess an diesem Arbeitsplatz arbeiten sollen, sich zu 100 Prozent mit einbringen können und ihre Ideen umsetzen können und dementsprechend hinterher auch eine sehr hohe Akzeptanz des Arbeitsplatzes an sich vorhanden ist bei den Mitarbeitern.
Und logischerweise die ganzen Themen Effizienz, Greifwege in dem Sinne, wo wird das Material hingestellt, wie ist die Ergonomie am Arbeitsplatz, dass diese Dinge auch sehr gut mit berücksichtigt sind und auch in der späteren Umsetzung dann vorhanden sind.
Götz Müller: Ja, da waren jetzt schon viele Punkte drin. Was ist so der primäre Anlass, wenn jemand sagt, jetzt gehe ich mal nicht vielleicht den klassischen Weg, sondern eben den Weg über ein Cardboard-Design?
Thomas Mittendorf: Also der erste Ansatz ist der, dass man nicht Standard-Tische, so wie Sie es heute viel vorfinden, bestellt und damit viel Platz verschwendet auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite eben auch die Frage, wie kann ich meinen Arbeitsprozess an diesem Arbeitsplatz so optimal wie möglich gestalten. Das sind so die Hauptansatzpunkte, wenn ein Kunde sagt, lass uns das vorher mal simulieren. Und die Simulation an sich hat auch den einen Riesenvorteil, Sie können viel ausprobieren an der Stelle. Sie können relativ schnell Änderungen machen an dieser Kartonage, die man dann aufbaut. Weil wenn Sie eine Hardware da stehen haben, zum Beispiel Tisch 1 Meter auf 2 Meter, kürzlich in einem Projekt erlebt, da geht keiner her und setzt die Säge an und sagt, der Tisch ist vielleicht einen Meter zu groß. Also das ist relativ einfach, günstig zu simulieren, um einen möglichst optimalen Prozess hinzukriegen.
Götz Müller: Ja, und mit einem guten Messer oder einer leichten Säge kann man wahrscheinlich schon ganz viel machen.
Thomas Mittendorf: Ja, so was Sie sagen. Also die Werkzeuge sind zum einen ein Teppichmesser, eine Fuchsschwanzsäge und einen Akkuschrauber mit einem Bohrer dran, wo wir dann die Löcher in diese Bausatzprofile reinbohren, wo dann so Kunststoff-Spreizdübel eingedrückt werden, damit die einzelnen Teile, die wir dann aneinander bauen, auch zusammenhalten. und das war es schon. Gut, vielleicht noch eine Klebepistole für das eine oder andere, wo man noch manuell was ankleben muss, aber das war es schon.
Götz Müller: Wird dann da auch über einen längeren Zeitraum, was auch immer jetzt länger sein mag, wird dann da auch wirklich versucht, mal was zu produzieren oder sind es dann da dann noch eher nur simulierte Vorgänge?
Thomas Mittendorf: Also es wird natürlich versucht, diesen Prozess auch an diesem Kartonagenmodell dann tatsächlich auszuführen, um zu sehen, funktioniert das Ganze überhaupt. Die Grenzen dabei sind natürlich auch insofern da, sie können nicht beliebig schwere Dinge produzieren. Also da hat natürlich das Gewicht von den einzelnen Bauteilen, gibt dann die Grenze auch der Kartonage. Wobei, wenn es dann wirklich dazu kommt, dass wir schwere Teile verarbeiten wollen und auch simulieren wollen, kann man ja statt der Kartonage auch Holz nehmen.
Götz Müller: Ja, und ich könnte mir vorstellen, dass man eventuell ja auch in Schritten vorgeht, dass man vielleicht am Anfang sagt, jetzt probiere ich mal alles aus und dann hat man irgendwann mal so die Größe des Tisches erkannt. Dann kann man ja schon einen Tisch nehmen, um zum Beispiel das Thema Gewicht zu beheben und dafür eben dann noch mit anderen Dingen weiterzuarbeiten.
Thomas Mittendorf: Ja, das ist die eine Lösung. Das andere Thema ist natürlich, dass wenn es mehrere ist, wenn es sich nicht nur um einen einzelnen Arbeitsplatz handelt, Und das ist in der Regel eher so, dass es sich um mehrere Plätze handelt, die auch noch miteinander verkettet sind. Ist das schon so ein Thema, dass man eher dann alle Plätze aufbaut, um eben auch die Arbeitsinhalte sauber zu verteilen und dann gegebenenfalls auch in den Arbeitsinhalten pro Tisch noch Veränderungen vornimmt, dass man dann noch irgendwelche Dinge von Tisch 1 auf 2 verlegt, um möglichst auch einen guten Fluss in diesem Arbeitssystem herzubekommen.
Götz Müller: Ja, da haben Sie auch schon viel angedeutet, was man ja sonst eben an klassischen Problemen hat. Man hat dann irgendwas Festes und wir wissen beide, glaube ich, aus langjähriger Erfahrung, dass die Provisorien, die halt irgendwo fest dastehen, die haben dann oft sehr, sehr langen Bestand, was man ja auf der Ebene dann vermeiden kann.
Thomas Mittendorf: Ja, unbedingt. Und wenn wir das auch nochmal so von der Frage her betrachten, was bringt es denn eigentlich denjenigen, die sich damit beschäftigen? Also wir haben relativ eine hohe Platzeinsparung bei diesen Dingen, jetzt in unseren Projekten so fast 50%. Dann auch die Prozesse an sich werden so 10 bis 20 Prozent effizienter, wenn wir das über diese Art zusammen aufbauen. Die Leute sind extrem motiviert dabei, die Akzeptanz ist sehr hoch und sie können es natürlich auch sehr leicht modifizieren. Und auch diese ganzen Lean-Prinzipien, wenn wir auch nochmal den Bogen kurz schlagen, wie Ordnung und Sauberkeit, Thema Flussprinzip und Poka Yoke, Kanban und so weiter. Diese Dinge können in der Arbeit und Gestaltung, in diesen Arbeitsplätzen, in der Kartonage gleich supergut auch mit umgesetzt werden.
Und nicht zuletzt natürlich auch die Einsparung von Beständen, also Arbeit, die sich im Prozess befindet, wird damit relativ wenig, weil man es eben sehr genau und sehr gut planen kann.
Götz Müller: Außer dem Thema Gewicht, gibt es noch irgendwas, was man besonders beachten sollte, wenn man eben Cardboard-Design einsetzt?
Thomas Mittendorf: Also zum einen möchte ich sagen, wenn Sie eine sehr saubere Umgebung haben und die auch sauber behalten wollen, dann wäre es gut, wenn Sie sich einen anderen Platz suchen, diese Kartonagensimulationen durchzuführen, weil durch dieses Sägen und Zusammenbauen passiert natürlich schon auch das ein oder andere, was an Staub und Schmutz entsteht. Das wäre in einem Rheinraum zum Beispiel nicht angeraten, das zu tun. Wo sind Grenzen würde ich auch noch sagen, sind im Prinzip auch die Größen, also ich würde keine Maschine, die jetzt 4 auf 4 Meter groß ist in Kartonage simulieren, also da muss man immer auch überlegen, wo macht es denn tatsächlich Sinn und wo kann ich über eine Kartonage auch tatsächlich die Effekte erzielen, die ich mir vorstelle, Aber ansonsten gibt es eigentlich keine Grenze, die mir jetzt einfallen würde aus den ganzen praktischen Anwendungen, die wir bisher damit schon gemacht haben.
Götz Müller: Das heißt, es geht auch über klassische Handarbeitsplätze hinaus. Man kann durchaus auch mal eine kleinere Maschine mit in Anführungszeichen einbeziehen.
Thomas Mittendorf: Ja, also irgendwelche Vorrichtungen, die sich automatisch bewegen in diesen Prozessen, sind da durchaus auch darstellbar.
Götz Müller: Okay, spannend. Ja, und ich glaube, das Ganze dann gepaart eben, und dann kommen wir schon ein Stück weit zum zweiten Thema, das gepaart dann schon mit ersten Videoanalysen, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sich da spannende Effekte oder Erkenntnisse ergeben.
Thomas Mittendorf: Ja, also das ist natürlich auch ein ganz wichtiger Punkt. Jetzt neben dem Darstellen dieser Arbeitsplätze, da braucht es ja zuerst auch mal die Frage, welche Prozesse sollen denn überhaupt über die Arbeitsplätze laufen? Und da sind wir dann gleich bei der Thematik Videoanalyse, dass man eben diese Prozesse, die wir später auf den Tischen bearbeiten wollen, erst mal aufnehmen auf Video und zerlegen und analysieren und auch schauen, Wie funktionieren die Prozesse? Wo kann ich die Prozesse am besten noch verbessern, um die schon im verbesserten Stadium auf die Arbeitsplätze zu implementieren? Wenn wir dann die Arbeitsplätze haben, kann ich nochmal im nächsten Schritt nochmal eine Videoanalyse machen über die Prozesse, die wir dann auf den Arbeitsplätzen ausführen und auch wieder eine Verbesserungsschleife drüber fliegen, gerade im Sinne auch kontinuierlicher Verbesserungsprozess.
Götz Müller: Was kann man allgemein sagen was für vorteile haben es speziell denn software unterstützt die videoanalysen
Thomas Mittendorf: Also zum einen diese Videoanalyse, die wir ja auch selber herstellen und programmieren, hat zum einen den Vorteil, dass Sie das Video an sich mit einer Struktur verknüpfen können. Sie können die Struktur verbinden mit den Informationen des Prozesses, so wie Zeiten, also wie lange dauert der Prozess, die Arten, ob das jetzt eine Wertschöpfung ist oder eine notwendige Arbeit, auch gleich visualisieren. Sie können Werkzeuge und Einzelteile den Prozessen zuordnen und das ist alles sehr verknüpft miteinander und das bietet eben auch den Vorteil, dass Sie zum einen sehr effizient arbeiten können mit den Betroffenen wieder zusammen. Sie können sich die Prozesse immer wieder anschauen und über dieses Video, was wir in einzelne Scheiben auch zerlegen und fest eben mit dieser Analyse-Struktur verbinden, können Sie sich immer wieder die einzelnen Schritte anschauen, solange bis Sie für den einzelnen Schritt die Lösung gefunden haben.
Das heißt, der Prozess selber rennt Ihnen nicht weg wie in der Realität. Da können Sie dem Werker nicht sagen, bleib stehen oder mach nochmal zwei Schritte rückwärts, sondern hier können Sie wirklich sich dezidiert immer mit den einzelnen Schritten befassen und damit wird auch so ein Stück die Komplexität von den Prozessen zerlegt, weil Sie es immer wieder anhalten können.
Götz Müller: Was sind denn so typische Einsatzfälle, wo Unternehmen sagen, hier an der Stelle macht es Sinn, eine Videoanalyse einzusetzen?
Thomas Mittendorf: Also es ist ein sehr breites Feld, auf dem das eingesetzt wird. Zum einen fangen wir an bei der Prozessplanung. Wenn es darum geht, und da sind wir auch eben so gerade in der Verbindung zu dem Thema vorher Cardboard Engineering, wenn es darum geht, neue Prozesse in irgendeiner Weise in Gang zu bringen. Das heißt, wir planen zuerst die Prozessschritte, dann kann man später ein Video dahinter führen. Man kann die Zeiten damit ermitteln und so eben auch seine Linie aufbauen. Das zweite Feld, mit dem wir uns da beschäftigen, ist das Thema der Prozessoptimierung. Das heißt, wenn laufende Prozesse verbessert werden sollen, die Unternehmen suchen heute alle nach Effizienzen, dann kann man da mit der Videoanalyse reingehen und sich jeden Prozessschritt angucken mit der Frage, was kann ich im Prozessschutz selber verbessern?
Dann auch das ganze Thema der Prozessdokumentation ist ein weiteres Feld. Das heißt, wenn Sie auf der einen Seite schon Ihre Planung gemacht haben, wenn Sie Ihre Prozesse verbessert haben, haben Sie ja im Prinzip schon alle Informationen, die Sie brauchen, die der Werker vor Ort braucht, um seine Arbeit richtig machen zu können. Das heißt, die ganze Prozessdokumentation auch im Sinne von Arbeitsanweisungen fällt, ich sage mal in Anführungszeichen, automatisch hinten raus, ohne, dass wir, wie es heute in den Unternehmen meistens üblich ist, viele Leute auch damit beschäftigen, wenn dann klar ist, wie die Prozesse funktionieren, dass die dann hergehen und sagen, so, jetzt müssen wir unsere Arbeitsanweisung erstellen. Und das dauert sehr, sehr lange, ist ein sehr aufwendiger Prozess, sehr viel Redundanzen, viele Schnittstellen zu anderen Systemen. Und das haben wir hier alles in einer Hand und letztendlich, wie ich schon gesagt habe, praktisch als Abfallprodukt.
Götz Müller: Und sind ja dann typischerweise eher, so der klassische Weg, sind ja eher dann schriftliche Dokumentationen, vielleicht mal noch das ein oder andere Bild dazu, aber ich könnte mir vorstellen, jemanden zu sagen, jetzt guck mal an, wie du das machst oder wie der andere das macht, überlege mal, das vielleicht ähnlich zu machen, dass das ganz andere Effekte hat, wie das nüchtern über ein Papier zeigen zu müssen.
Thomas Mittendorf: Ja, also das wäre wieder so der Aspekt der Prozessverbesserung. Da sind wir oft schon an dem Punkt gewesen, dass die Mitarbeiter sich nicht einig waren, was ist denn jetzt der beste Prozess? Und dann haben wir es über das Video visualisiert. Wir haben es auch ausgerechnet, wie lange dauert was und haben im Video auch sehr deutlich gesehen, die Unterschiede von dem einen zum anderen. Und dabei wurde für die Mitarbeiter gleich klar, was ist die beste Methode? Was ist die beste Arbeitsweise, die wir hier durchführen müssen? Das ist auf jeden Fall ein ganz guter Punkt.
Götz Müller: Ja, da entsinne ich mich allen Video. Ich habe es leider nie wiedergefunden irgendwo in YouTube. Da wurde mal aufgenommen, so aus der dritten Reihe quasi, wurde aufgenommen, wie jemand Vuvuzelas eingepackt hat. Im Prinzip die drei, vier, fünf Teile, die da dazugehören. Welche Handbewegungen der gemacht hat weil da auch gravierende Unterschiede zeitlicher Natur bestanden wie er das hingekriegt hat der das irgendwie so ganz intuitiv richtig gemacht hat und das eben in der kurzen Zeit wo die Vuvuzela für die WM da produziert werden mussten da könnte ich mir vorstellen die haben zwar ein bisschen was mit Video gemacht aber man hat fünf Leute mit Block außenrum stehen sehen, die sich dann da Notizen gemacht haben und versucht haben zu verstehen, was der eigentlich genau macht und wie er es macht.
Thomas Mittendorf: Ja, und da ist eben auch gerade, sagen Sie, Stichwort Block, das ist ja heute auch gang und gäbe, dass die Menschen in der Produktion von der Industrial Engineering oder Arbeitsvorbereitung oder Planung gehen runter in die Produktion und schauen sich die Prozesse an, machen sich Notizen. Dann gehen sie zurück in ihr Büro und überlegen sich, wie kann ich da was tun? Und letztendlich ist immer die Frage dann zum Schluss, was haben wir da nochmal genau gesehen und wie war das nochmal genau? Und das ist unsere Erfahrung eben die, dass über das Video nichts verloren geht. Und das ist auch eine extrem gute Basis, um direkt am Punkt zu diskutieren. Wenn Sie einen Begriff auf die Agenda stellen, hat zwar jeder den Begriff auf seinem Blog stehen, aber jeder hat ein anderes Bild im Kopf.
Und durch das Video gelingt es eben alle wirklich ganz genau an den Punkt zu führen, um den es geht, relativ schnell auch die Dinge zu erkennen und zu diskutieren und zu einer Lösung zu führen. Also ich sage immer, gerade wenn wir über das Thema Verbesserungen sprechen, dass sie um die Hälfte der Zeit schneller sind, wenn sie das Video unterstützt machen, als wenn sie es auf die herkömmliche Art und Weise machen.
Götz Müller: Ja, Prozessoptimierung auf der Meta-Ebene.
Thomas Mittendorf: Genau.
Götz Müller: Gut, jetzt mag es natürlich vielleicht nicht jeder, wenn seine Arbeit auf Video aufgezeichnet wird. Wie sehen da die Reaktionen von Mitarbeitern aus? Ist das Thema Betriebsrat, Rolle des Betriebsrats da auch relevant?
Thomas Mittendorf: Also da gibt es natürlich zwei Dinge. Zum einen, ich nehme mal den Betriebsrat zuerst. Das ist mit der wichtigste Punkt, wenn Sie Videoaufnahmen machen und Sie einen Betriebsrat im Haus haben, ist dieses Thema mitbestimmungspflichtig, solange es Mitarbeiter betrifft. Wenn Sie Maschinen aufnehmen, wo keine Menschen zu sehen sind, dann ist es nicht mitbestimmungspflichtig. Aber wenn die Leute dabei sind, muss der Betriebsrat dem zustimmen. Also es ist nicht nur Informationspflicht des Arbeitgebers, sondern der Betriebsrat darf sagen ja oder nein. In diesem Zusammenhang ist es, finde ich, auch immer sehr wichtig, dass Sie am Anfang die Türen relativ weit aufmachen für den Betriebsrat und ihm alle Informationen zur Verfügung stellen, die klare Absicht hinter dieser Arbeit auch deutlich machen und mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten und ihn da nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Zum anderen hat sich auch in der Praxis bewährt, wenn man mit dem Betriebsrat für eine Pilotphase von einer, zwei, drei Wochen eine Betriebsvereinbarung schließt, die eben gewisse Dinge regelt, was die Videoaufnahmen anbelangt, die dann auch nach den drei Wochen wieder zu Ende ist, dann ist das eine ganz gute Sache, um einfach mal das Thema anzufangen und gemeinsam zu erleben, was man damit machen kann.
Götz Müller: Und ich denke mal, der ganz platte Aspekt Vertrauensaufbau einfach.
Thomas Mittendorf: Ja, ganz genau. Also die Diskussionen, die am Anfang über dieses Thema immer stattfinden, sind teilweise auch sehr stark herbeigedacht im Sinne von, dann finde ich mich morgen im YouTube wieder oder die Konkurrenz kriegt es zu sehen oder wir beurteilen hinterher den Mitarbeiter, wie viel Pause der gemacht hat oder sagen, der Mitarbeiter A ist schlechter als der Mitarbeiter, Mitarbeiter B, das sind alles wirkliche Scheindiskussionen, die in der Praxis überhaupt keine Relevanz haben, die aber durchaus, wenn man es eben mit einer anderen Absicht auch durchführen möchte, möglich wären.
Götz Müller: Ja, und ich denke, man muss es ernst nehmen, man muss die Bedenken der Menschen ernst nehmen, weil gegen den Widerstand geht es ja gar nicht.
Thomas Mittendorf: Absolut, das ist das eine, aber das ist ja nicht nur beim Video so, sondern das ist ja im Berufsleben oder im Alltag von jedem Mensch so, dass man die Dinge der Beteiligten einfach auch ernst nehmen muss. Und jetzt Ihre Frage auch zu den Mitarbeitern. Also da sind die Reaktionen unter einer Voraussetzung, wenn die Mitarbeiter gut vorher informiert werden. Auch hier wieder die Frage, was wollen wir damit tun? Was soll das Ganze? Was ist das Ziel vom Thema? Wenn Sie das sauber mit den Mitarbeitern kommunizieren, ist es in aller Regel kein Problem, dass die Mitarbeiter sagen, oh, mal eine interessante neue Sache, dann machen wir mit. Es gibt natürlich immer wieder den einen oder anderen, der sagt, nee, ich will mich nicht filmen lassen. Aber das ist kein Problem, weil wir dann immer einen finden, der stattdessen zur Verfügung steht.
Also auch hier das Thema, es ist nicht angesagt, es muss einer mitmachen, sondern es ist freiwillig. Und wenn einer sagt, ich will nicht, dann ist es okay.
Götz Müller: Kann man dann so weit gehen, dass man sagt, dass man die Person nicht erkennt? Ist das eine Option, dass man jetzt meinetwegen nur die Hände?
Thomas Mittendorf: Ja, also was wir jetzt in jüngster Vergangenheit gerne machen, ist, dass wir den betroffenen Mitarbeitern eine Helmkamera aufsetzen. Und damit ist automatisch gewährleistet, dass sie nur die Hände sehen und den Arbeitsbereich, der tatsächlich auch relevant ist. Das Einzige, was sie da eben nicht ganz so gut sehen können bei der Helmkamera, sind dann eben so auch unergonomische Bewegungen wie Bücken, Strecken oder Beugen. Das ist gut mit einem geübten Auge erkennbar, aber es ist nicht ganz so einfach, wie wenn Sie eben daneben stehen und genau sehen, wie sich der Mitarbeiter eben in diese Gitterbox reinbeugt oder eben in der Gegend rumläuft.
Götz Müller: Ja, spannend. Gibt es noch irgendwas, was man bei Videoanalysen beachten sollte?
Thomas Mittendorf: Also beachtenswert ist, dass Sie die Analyse an sich erstmal, ich sage mal, im stillen Kämmerlein machen von denjenigen, die sich auskennen, auch mit dieser Software umzugehen. Weil die Analyse ist für meine Begriffe einfach Fleißarbeit, die sein muss, um dann hinterher darauf aufzusetzen und die ganzen Erkenntnisse zu diskutieren. Und wenn die Analyse gemacht ist, dann die Leute mit an den Tisch holen und mit den Leuten zusammen diskutieren. Wir hatten ganz, ganz am Anfang vor über zehn Jahren hatten wir eben das Thema, dass wir die Mitarbeiter auch in der Analyse immer dabei hatten und das wird halt relativ schnell langweilig, je nachdem wie umfangreich auch diese Prozessanalyse ist und wie lange die Prozesse dauern.
Götz Müller: Also Analyse, wenn ich das Gefilmte in Stücke hacke und die Arbeitswerte bestimme und was sind da wirklich jetzt passiert im Sinne von Wertschöpfung oder nur notwendiger Arbeit?
Thomas Mittendorf: Ganz genau, also dass sie die Basis schaffen, um darüber zu diskutieren.
Götz Müller: Was gibt es grundsätzlich für Einsatzbereiche? So ein bisschen klang es schon an, man kann die ganz kleinen Sachen, die jetzt direkt vor einem passieren, aufnehmen. Man kann wahrscheinlich auch größere Sachen aufnehmen. Wir hatten ja mal so ein bisschen das kurze Gespräch auch, macht es Sinn, vor eine Hausfassade bei einer Wärmedämmung was aufzustellen? Was sind da so typische Einsatzfälle?
Thomas Mittendorf: Also die Einsatzfälle, ich sage immer gerne, Sie können die Videoanalyse anwenden für alles, was sich bewegt. Und das ist in dem Sinne auch richtig, weil Sie, ob das jetzt Einzelprozesse sind, ob das jetzt sehr kleine Dinge sind, die zusammengebaut werden, ob das große Sachen sind, ob das eine Maschine ist, die sich bewegt, Ob das eine Arbeit ist, die zwischen Maschine und Mitarbeiter abläuft, ob das eine Zusammenarbeit von mehreren Mitarbeitern ist, das können Sie alles komplett aufnehmen und auch administrative Prozesse, wo Sie Bildschirmarbeit haben, um einfach auch mal zu sehen, wie lange dauert denn welcher Prozess und was passiert da genau, ist auch möglich dort aufzunehmen und zu analysieren. Bis hin zu dem, was Sie gerade auch gesagt haben, wenn Sie so eine Art Weitwinkel haben wollen, zu dem, was da passiert, weil eben viele Menschen daran beteiligt sind.
Auch das ist durchaus möglich und auch analysierbar, um daraus Erkenntnisse zu entwickeln. Wie arbeiten die Leute zusammen und wo gibt es Ansatzpunkte, dass man hier Effizienzen hebt, um die Zeit der Leute einfach besser auszunutzen.
Götz Müller: Jetzt kam ja der ganz spontaner Impuls in den Sinn. Es gibt ja sowas wie Augenbewegungskameras, die also die Augenbewegungen aufzeichnen. Haben Sie mal einen Fall gehabt, wo sowas kombiniert wurde?
Thomas Mittendorf: Nein, das haben wir bisher nicht gehabt. Wir kennen auch die Möglichkeiten, dass sie an den Körper verschiedene Elektronik anbringen, die dann die Bewegungen aufzeichnet. Aber das steckt noch relativ stark in den Kinderschuhen und hat einen sehr begrenzten Einsatz. Also damit haben wir bisher nicht gearbeitet.
Götz Müller: Ja, da habe ich jetzt vor kurzem den Fall gehört, wo praktisch in dem Handschuh Sensoren drin sind und dann der Handschuh zittert oder vibriert, wenn jemand in die falsche Box greift.
Thomas Mittendorf: Genau, also das geht so. Aber das sind lauter Dinge, die gerade so im Entstehen sind und auch sehr spezielle Anwendungsfälle haben. Aber unser Thema ist ja, den Gesamtprozess uns anzugucken und nicht jetzt im ganz Speziellen, sondern in ganz einfachen oder einzelnen Bewegungen genau uns anzugucken.
Götz Müller: Okay, zum Abschluss, was wäre so ein Tipp von Ihnen, wenn ein Unternehmer sagt, ja Videoanalysen, wir kommen vielleicht mit klassischen Methoden hier nicht weiter. Was wäre da ein Tipp für die Unternehmen? Wie sollen sie anfangen?
Thomas Mittendorf: Ja, also zum einen, sie sollen mal anfangen, weil viele Unternehmen sich eben genau mit dem Thema Video noch nicht so befasst haben. Es ist ein unglaublicher Gewinn, wenn Sie den Prozess im Video sich angucken können. Das ist der eine Punkt. Der andere Punkt ist natürlich der, die klassische Vorgehensweise kommt einem jetzt in den Sinn. Ich mache einen Film und mache meine Excel-Tabelle auf und schreibe mir dann auf, was in dem Film passiert. Also ich würde den Unternehmen raten, sich auch mal die Videoanalyse-Software anzuschauen, weil es eben damit sehr sauber gelingt, eben den Film und die Filmabschnitte zu den einzelnen Inhalten zuzuordnen, was eben mit dem Media Player und der Excel-Liste so nicht der Fall ist.
Da haben Sie relativ hohen Aufwand, eben auch das Video dann später die einzelnen relevanten Stellen wiederzufinden, weil sie eben einen ganzen Film haben, der jetzt nicht in einzelnen Sequenzen zerlegt ist.
Götz Müller: Weil das eben nicht synchronisiert ist mit dem, was man sich notiert, das Film und Notizen.
Thomas Mittendorf: Ganz genau, ja. Und ich würde den Unternehmen raten, bevor sie gar nicht anfangen oder denken, das ist viel zu aufwendig und viel zu groß, mal mit einer kleinen Sache anzufangen, um sich ein Bild davon zu machen. Weil da zeigt sich oft, dass das, was man so theoretisch sich vorstellt, auch das, was wir jetzt hier zusammen besprechen, da entstehen gewisse Gedanken und auch jeder hat so seine Erfahrungen und daraus werden dann Schlüsse gezogen, die in der Praxis dann nachher doch anders aussehen. Und das kennen Sie auch, Theorie und Praxis ist einfach ein Unterschied und wenn Sie es anfangen und selber erleben, werden Sie, ich hätte jetzt fast gesagt, ja, blaues Wunder erleben, weil sie da Dinge rauskriegen, wovon sie sich vorher keine Vorstellung machen.
Götz Müller: Ja, und das Streben nach Perfektion heißt ja nicht, dass man gleich perfekt starten muss, sondern man muss halt starten.
Thomas Mittendorf: Genau, man muss starten und auch, ich denke, immer die Diskussion, hier Standort Deutschland und Wettbewerbsfähigkeit und wir sind zu teuer, kann damit wirklich auch Arbeitsplätze sichern. Ich denke immer wieder, wenn wir sehen, was in den Prozessen heute noch für Potenziale drinstecken, Und das bei Unternehmen, die sich nicht erst seit gestern mit dem Thema befassen. Dann sage ich mir, wenn es die Methode erlaubt, immer wieder besser zu werden, damit die Kosten zu senken, ist es einfach ein Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung.
Götz Müller: Ja, absolut. Schön, das war jetzt auch ein gutes Schlusswort. Da waren einige spannende Aspekte mit drin. Ich denke, das hat auch den Zuhörern, die sich mit den zwei Themen noch gar nicht beschäftigt hatten, den ein oder anderen Impuls geben können. Ich danke Ihnen für die Zeit heute im Interview. Und ja, ich denke, wir werden uns mit Sicherheit in nächster Zeit nochmal begegnen. Vielen Dank.
Thomas Mittendorf: Jawohl, sehr gerne und ich wünsche Ihnen auch gute Zeit und freue mich auf weitere Begegnungen mit Ihnen.
Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Thomas Mittendorf zum Thema Cardboard-Design und Videoanalysen.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Thomas Mittendorf über Cardboard-Design und den Einsatz von Videoanalysen zur Optimierung von Produktionsprozessen. Thomas Mittendorf ist Geschäftsführer der Solme GmbH und seit rund 20 Jahren im Bereich Prozessoptimierung tätig. Neben Beratungsleistungen entwickelt sein Unternehmen eine eigene Videoanalyse-Software, mit der sich Produktionsprozesse aufnehmen, strukturieren, auswerten und dokumentieren lassen.
Zu Beginn erläutert Thomas Mittendorf das Konzept des Cardboard-Designs, auch Kartonagensimulation genannt. Dabei werden geplante Arbeitsplätze im Maßstab 1:1 aus Karton nachgebildet. Ziel ist es, neue oder umzugestaltende Arbeitsplätze vor der Investition in reale Hardware realitätsnah zu simulieren. Mithilfe eines modularen Bausatzes entstehen flexible Modelle, die gemeinsam mit den späteren Nutzern aufgebaut werden. Diese Einbindung der Mitarbeitenden ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie können ihre Erfahrungen und Ideen direkt einbringen, was zu hoher Akzeptanz und Motivation führt.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Flexibilität. Veränderungen lassen sich mit einfachen Werkzeugen wie Messer oder Säge schnell umsetzen. Im Gegensatz zu fest installierten Tischen oder Anlagen können Maße, Anordnungen und Materialpositionen ohne großen Aufwand angepasst werden. Dadurch entsteht die Möglichkeit, verschiedene Varianten auszuprobieren und optimale Lösungen hinsichtlich Greifwegen, Ergonomie und Materialfluss zu entwickeln. Thomas Mittendorf berichtet von Projekten, in denen sich durch Cardboard-Design bis zu 50 Prozent Fläche einsparen und Effizienzsteigerungen von 10 bis 20 Prozent erzielen ließen.
Neben Einzelarbeitsplätzen lassen sich auch verkettete Arbeitsbereiche simulieren. Gerade bei mehreren Stationen ist es hilfreich, alle Arbeitsplätze gleichzeitig aufzubauen, um Arbeitsinhalte sinnvoll zu verteilen und einen guten Fluss zu gestalten. Typische Lean-Prinzipien wie Ordnung, Fluss, Poka Yoke oder Kanban können bereits in der Simulationsphase integriert werden. Auch Bestände im Prozess lassen sich durch eine präzise Planung reduzieren.
Grenzen bestehen vor allem bei sehr großen Anlagen oder hohen Gewichten. Schwere Bauteile oder Maschinen mit großen Abmessungen eignen sich nur eingeschränkt für eine Kartonagensimulation. In solchen Fällen kann alternativ mit Holz gearbeitet werden. Zudem ist die Methode für Reinräume aufgrund von Staubentwicklung ungeeignet.
Im zweiten Teil des Gesprächs widmen sich Götz Müller und Thomas Mittendorf der Videoanalyse. Diese dient sowohl der Planung neuer Prozesse als auch der Optimierung bestehender Abläufe. Vor der Gestaltung von Arbeitsplätzen wird der aktuelle Prozess gefilmt, in einzelne Schritte zerlegt und analysiert. Zeiten, Wertschöpfungsanteile und notwendige Tätigkeiten werden strukturiert erfasst. Dadurch entsteht eine fundierte Basis für Verbesserungen, die anschließend in die Arbeitsplatzgestaltung einfließen.
Ein zentraler Vorteil der Videoanalyse liegt in der Möglichkeit, Prozesse beliebig oft anzuhalten und im Detail zu betrachten. Anders als in der realen Beobachtung geht kein Aspekt verloren. Einzelne Schritte können wiederholt analysiert und diskutiert werden. Die von Thomas Mittendorf entwickelte Software verknüpft Videoaufnahmen mit strukturierten Analysedaten. Prozessschritte, Zeiten, Werkzeuge und Materialien sind direkt mit den entsprechenden Sequenzen verbunden. Das erleichtert die Auswertung erheblich und vermeidet die typischen Probleme einer separaten Excel-Dokumentation.
Typische Einsatzfelder reichen von der Prozessplanung über die Optimierung bis hin zur Dokumentation. Arbeitsanweisungen entstehen quasi nebenbei aus der strukturierten Analyse. Im Vergleich zu rein schriftlichen Dokumentationen bieten Videos eine deutlich höhere Anschaulichkeit. Unterschiedliche Arbeitsweisen lassen sich objektiv vergleichen, Zeitunterschiede transparent darstellen und die beste Methode gemeinsam definieren.
Ein weiterer Vorteil besteht in der Diskussionsqualität. Während Begriffe oft unterschiedlich interpretiert werden, schafft das Video ein gemeinsames Bild. Alle Beteiligten sehen exakt denselben Ablauf. Das verkürzt Entscheidungsprozesse und erhöht die Klarheit. Thomas Mittendorf schätzt, dass sich Verbesserungsprojekte mit Videounterstützung etwa doppelt so schnell durchführen lassen.
Natürlich sprechen Götz Müller und Thomas Mittendorf auch über Datenschutz und Mitbestimmung. Sobald Mitarbeitende gefilmt werden, ist die Zustimmung des Betriebsrats erforderlich. Eine transparente Kommunikation und eine klare Zieldefinition sind entscheidend für Akzeptanz. Pilotvereinbarungen über begrenzte Zeiträume können helfen, Vertrauen aufzubauen. In der Praxis zeigt sich, dass bei offener Information die Bereitschaft zur Mitwirkung meist hoch ist. Wer nicht gefilmt werden möchte, wird nicht dazu gezwungen. Alternativ kann mit Helmkameras gearbeitet werden, die lediglich Hände und Arbeitsbereich zeigen.
Abschließend empfiehlt Thomas Mittendorf Unternehmen, pragmatisch zu starten und zunächst kleinere Prozesse zu analysieren. Der Erkenntnisgewinn sei oft überraschend groß. Die Kombination aus Cardboard-Design und Videoanalyse ermögliche es, Prozesse systematisch zu verbessern, Kosten zu senken und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Götz Müller unterstreicht, dass Perfektion nicht Voraussetzung für den Start sei. Entscheidend sei, überhaupt zu beginnen und kontinuierlich besser zu werden.
Jetzt eintragen und Artikel/Denkanstöße zukünftig per eMail erhalten.Artikel teilen auf ...
Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.