Inhalt der Episode
- Welche Prozesse deckt ein Qualitätsmanagementsystem in einem Sportstudio ab.
- Welche Besonderheiten gibt es in Sportstudios?
- Welche Vorteile haben die Mitglieder von einem QMS?
- Welche Vorteile haben Inhaber und Mitarbeiter von einem QMS in ihrem Sportstudio?
- Wenn sich ein Sportstudio für das Thema QM interessiert, wo sollte es beginnen?
Notizen zur Episode
- XING-Profil von Achim Barth
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(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.
Episode 049 : Qualitätsmanagement im Sportstudio
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Achim Barth bei mir im Gespräch. Er berät Unternehmen und Personen im weitesten Sinne Gesundheitsumfeld und wir unterhalten uns heute speziell über Qualitätsmanagement in Sportstudios. Hallo Herr Barth.
Achim Barth: Hallo Herr Müller, vielen Dank für die Einladung.
Götz Müller: Ja, schön, dass Sie dabei sind.
Achim Barth: Sehr gerne.
Götz Müller: Ich schlage vor zum Start. Sie können das viel besser. Stellen Sie sich noch ein bisschen intensiver selber kurz vor.
Achim Barth: Ja, vielen Dank, Herr Müller. Also mein Name ist Achim Barth. Von Haus aus bin ich Diplombetriebswirt. Habe im Schwerpunkt Sportmanagement studiert. Und seit 2008 berate ich Unternehmer im Sport, Freizeit, Gesundheitswesen. Also hauptsächlich sind meine Kunden Fitnessstudio-Betreiber, Die berate ich in strategischen Themen, konzeptionell Positionierung und das Thema Qualitätsmanagement ist so ein Steckenpferd, das ich mir jetzt in den letzten Monaten so ein bisschen angeheftet habe, Weil aus meiner Sicht dieses Thema Qualitätsmanagement, so wie es in der Industrie gelebt wird, über die ISO 9001 einfach nicht in der Branche bei uns angekommen ist. Und ich denke, da ist ein ganz großes Potenzial auch für die Zukunft, um da viel intensiver tätig zu werden.
Götz Müller: Genau, so sind wir ja ursprünglich in Kontakt gekommen. Jetzt haben Sie es ja schon angedeutet, Sportstudios sind sicher nicht mit klassischer Industrie zu vergleichen. Wenn wir über ein Qualitätsmanagement-System reden, dann hat man natürlich sofort auch irgendwo die Prozesslandschaft, also die Prozesse im Fokus. Was sind denn vielleicht für die Menschen, die jetzt ein Sportstudio, wenn überhaupt, dann nur als Mitglied kennen, was sind denn so die Prozesse, die ein Qualitätsmanagement-System in einem Sportstudio abdeckt?
Achim Barth: Ja klar, das Qualitätsmanagement-System in einem Sportstudio ist natürlich von der Dienstleistung geprägt, die Kerndienstleistung. Im Fitnessstudio ist natürlich die Erbringung des Trainings, also ein Check-up am Anfang, dann die Erstellung eines Trainingsplans, die Einweisung, die Trainingsgeräte, die Evaluation des Trainings, die immer wieder Anpassung, die Adaption. Das ist natürlich der Kernprozess, der stattfindet und der muss natürlich mit einer definierten Qualität durchgeführt werden durch ausgebildetes, eingewiesenes Personal und in einer Art und Weise, dass es einfach dann auch wiederholbar ist.
Und wie inhaltlich das umgesetzt wird, muss natürlich der Kunde nachher selber entscheiden, in der Form, welchen Partner er wählt. Ein Discount-Fitnessstudio kann genauso natürlich ein Qualitätsstudio sein, weil die Qualität, die es anbietet, natürlich anders definiert, wie jemand, der als Fitnessstudio-Betreiber sagt, ich möchte mit Menschen arbeiten, die auch schon vielleicht eine Verletzung hatten, aus der Rehabilitation kommen und einen ganz anderen Bedarf haben an das Training. Also die Dienstleistung ist das Hauptthema und Nebenprozesse sind dann natürlich, wie führe ich mein Beratungsgespräch, mein Verkaufsgespräch, wie regle ich meine Einkaufsprozesse, wie regle ich den Ablauf an meiner Fitnesstheke. Aber der Kernprozess ist immer die Arbeit am Menschen, die Dienstleistung.
Götz Müller: Da haben Sie es jetzt schon angedeutet. Ich möchte es noch ein bisschen vertiefen. Was würden Sie sagen, sind so die Besonderheiten in einem Sportstudio? Mal von dem generell natürlich wichtigen Punkt, es geht im Grunde nur um eine Dienstleistung. Wie kann man das noch fassen? Was ist besonders an einem Sportstudio?
Achim Barth: Das ist besonders am Sportstudio. Also grundsätzlich kann man ja sagen, es gab in der Vergangenheit in der Fitnessbranche immer… Die Marke oder die Marketing-Aussage, das ist ein Qualitäts-Fitnessstudio und unter Qualität wurde halt immer die Ausbildung der Trainer und entsprechend auch, wie qualitativ hochwertig die Erstellung des Trainingsplans ist und auch wie professionell die Leute ins Training eingewiesen werden und nachher betreut werden. Was sich dann immer im Preis gespiegelt hat. Das heißt, Qualität wurde mit dem Preis einer guten Dienstleistung letztendlich gleichgesetzt.
Es kann aber natürlich auch ein Fitnessstudio, das im Discount-Bereich, also im niedrigen Preissegment angesiedelt ist, aus meiner Sicht ein Qualitätsstudio sein, weil halt die Qualität vom Kunden anders definiert wird. Er möchte Sauberkeit, er möchte solide Geräte, die leicht zu bedienen sind, aber seinen Trainingsplan, den holt er selber aus dem Internet, weil er das so möchte und auch nur die Leistung bezahlen möchte, die er selber für sich als Qualität definiert. Also das ist mal das Erste, dass ich nichts sagen kann, ein Fitnessstudio definiert sich durch Qualität, indem es einen guten Trainer hat, der einen guten Trainingsplan schreibt, sondern Qualität definiert sich dadurch, dass geschaut wird, was für ein Zielpublikum spreche ich an und was für einen Bedarf hat dieses Zielpublikum, was ist für sie Qualität, was ist für sie wichtig und daraufhin richte ich mein Angebot.
Aus und Qualität heißt dann auch, dass ich auch nur diese Zielgruppe anspreche und eben nicht, wenn ich ein Discount-Fitnessstudio bin, mir auch Personen reinhole, Kunden reinhole, die eigentlich eine viel enger, intensivere Betreuung brauchen. Das ist eigentlich so ganz wichtig, dass man ganz zielgruppenorientiert arbeitet als Fitnessstudio-Betreiber.
Götz Müller: Sie haben es gerade schon angedeutet, natürlich haben auch die Mitglieder eben, aus welchem Segment kommen sie denn in Einfluss? Wenn wir das jetzt noch ein bisschen verallgemeinern, mal unabhängig davon, wie ich das einzelne Mitglied einordne, was kann man sagen, welche Vorteile hat denn ein Mitglied, wenn das Sportstudio ein Qualitätsmanagement-System hat?
Achim Barth: Zum einen, der erste Vorteil ist der, dass man die Garantie hat, dass man für die Leistung, die man Geld bezahlt, auch ein optimales Ergebnis bekommt. Das heißt, die Grunderwartung, egal wie viel ich bezahle, ist Sauberkeit, ist Funktionsfähigkeit der Geräte, ist Hygienestandards, die eingehalten werden und ein Personal, das mir Auskunft geben kann, die korrekt ist im höherwertigen Fitnessbereich, dass ich mit Trainern arbeite, die eine solide Ausbildung haben und die vor allem einheitlich arbeiten. Also wo ein Trainer die Ausbildung im Institut A gemacht hat, mir nicht eine Übung erklärt und beibringt und vielleicht drei, vier Tage später ein anderer Trainer eine andere Philosophie reinbringt und mir irgendwas anderes erklärt. Dass es da eine Einheitlichkeit gibt.
Das heißt, ich als Kunde weiß, wenn ich einen Trainingsplan bekomme, wenn ich irgendwo eingewiesen werde, wenn ich irgendwo Informationen bekomme, dann sind die durchgängig geprüft, die sind für mich bindend und es gibt nicht die Unsicherheit, dass verschiedene Trainer im Studio mir andere Dinge erklären.
Götz Müller: Ja, das ist einsichtig. Wenn wir jetzt mal die Seite wechseln und uns anschauen, was ein Inhaber oder was eben auch Mitarbeiter in einem Sportstudio von einem Qualitätsmanagement-System haben. Manche Dinge bilden sich natürlich aus der Aussage, die Sie gerade gemacht haben, ab, aber mit Sicherheit gibt es noch was darüber raus.
Achim Barth: Ja, natürlich. Also zum einen, wenn ich jetzt einen inhabergeführten Betrieb mir anschauen würde, dass ich auch auf dem Markt behaupten muss, zum einen Seite abgrenzend gegenüber einem großen Discount-Fitnessstudio, das quasi über Masse und Preis geht und eine ganz gewisse Zielgruppe anspricht. Oder auch Lifestyle-Premium-Fitnessstudios, die als Filialbetriebe natürlich bestimmte Vorteile haben, sei es im Einkauf, sei es in der Personalgewinnung. Da muss ich natürlich als Einzelkämpfer mich besonders im Markt behaupten können. Und da hilft mir natürlich ein Qualitätsmanagementsystem, idealerweise ein zertifiziertes, um mich zu positionieren. Ich aber natürlich auch dann Strukturen habe, die mir es ermöglichen, den Betrieb viel effektiver und effizienter zu führen.
Und aus meiner Sicht wird in der Zukunft was ganz anderes noch zu Trage kommen, nämlich der demografische Wandel und der Druck, der dann in der Gesellschaft entsteht, auch in der öffentlichen Hand, dass die Bevölkerung, dass auch die Mitarbeitenden in Betrieben langfristig gesund erhalten bleiben müssen,
Dass der Gesetzgebende ein Interesse daran hat, dass ein Fitnessstudio-Betreiber eine Qualität nachweisen kann, zum Beispiel durch ein Qualitätsmanagementsystem, dass Personen, die bei ihnen trainieren, auch tatsächlich eine gesundheitspositive Wirkung dann erzielen. Das wird kommen, das ist momentan noch kein Standard, aber dass Krankenkassen sagen, wir kooperieren mit dir, dass Ärzte sagen oder auch Betriebe, Diverse Berufsverbände. Wir kooperieren ausschließlich mit den privatwirtschaftlichen Einrichtungen, die die Qualität durch ein Qualitätsmanagementsystem nachweisen können.
Götz Müller: Ja, ich kann mir gut vorstellen, da kommt es ja dann sehr wahrscheinlich zu einer Situation, wie wir es auch sonst im allgemeinen Gesundheitswesen kennen, Krankenhäuser, Arztpraxen, dass der Kunde, der Patient oder beim Studio das Mitglied, dass der aber unter Umständen gar nicht mehr der ist, der bezahlt und dann hier es plötzlich zur Konstellation kommt und verbunden damit eben Probleme, die man jetzt aus dem Krankenhausumfeld unter Umständen herauskennen, die dann eben im Sportstudio in dem Umfeld auch auftreten.
Achim Barth: Klar, das auf jeden Fall, wobei ich nicht der Meinung bin, dass der Patient oder in dem Fall das Mitglied später nicht mehr selber bezahlen muss und er kriegt eventuellen Zuschuss für sein Training. Eventuell bekommt er es vom Arbeitgeber teilweise mitbezahlt, weil es dann auch betriebsbedingt ist. Aber im privatwirtschaftlichen Bereich wird es immer so sein, dass der Kunde das Mitglied selber bezahlen muss. Allerdings werdet ihr diesen Zuschuss nur bekommen oder auch diese Förderung seitens der Krankenkassen oder Ähnlichem, wenn dieses Fitnessstudio die Qualität nachweisen kann.
Götz Müller: So wie wir es ja zum Beispiel bei Physiotherapeuten oder Osteopathen oder so ganz speziellen Themen ja heute schon kennen.
Achim Barth: Genau, bis zum ersten Gesundheitsmarkt ganz normal üblich ist. Also gut, Physiotherapeuten jetzt weniger, aber Pflegeeinrichtungen, Altenpflegeheime oder auch Kliniken, die müssen ja ein Qualitätsmanagement-System nachweisen.
Götz Müller: Wenn jetzt ein Studio sagt, okay, Qualitätsmanagement ist ein spannendes Thema, interessiert mich, wo soll es denn anfangen? Was wäre denn so der Einstieg in das Thema?
Achim Barth: Also aus meiner Sicht ist der Einstieg immer ein Strategiegespräch. Der Geschäftsführer, der Inhaber, idealerweise noch mit seinem engeren Führungsteam, mit dem externen Berater, der dieses Thema betreut, sich zurückziehen, sei es einen halben Tag, sei es einen kompletten Tag und mal wirklich anfangen, wo steht das Unternehmen, wo möchte das Unternehmen hin? Gibt es eine klare Zielvorgabe? Gibt es eine Vision für das Unternehmen? Was möchte man erreichen? Wo möchte man sich positionieren? Welche Risiken bestehen in den nächsten Jahren? Und auf Basis dieser Unternehmensstrategie, dieser Stärken- und Schwächenanalyse, die man diesem Tag entwickelt, aufbauend wird ein Projekt geplant, wie man das Qualitätsmanagementsystem aufbaut, wie man vorgeht, wie lange man braucht und auch, ob man es nachher dann tatsächlich zertifizieren lassen möchte, zum Beispiel über den TÜV oder auch der DECA oder ähnliche.
Götz Müller: Jetzt hatte ich vor einigen Wochen eine interessante Episode. Da ging es um das Thema Qualitätsmanagement für Planer und Architekten, also auch sehr branchenspezifisch. Letzten Endes haben wir ja im Sportstudio wieder was Vergleichbares. Wenn jetzt ein Qualitätsmanagement-System eben für eine spezielle Branche besonders gut funktionieren soll, würde ich durchaus sagen, dass es da gewisse Branchenaffinität geben sollte, bei dem Berater, aber eventuell auch beim Zertifizierer wie kann ich denn sowas erkennen? Vor dem Dilemma stehe ich ja immer Sie hatten es gut angedeutet, gehe ich zum TÜV, gehe ich zur DEKRA, wenn es dann um die Zertifizierung geht, Jetzt im Sportstudio-Umfeld hat man wahrscheinlich nicht die Vorkenntnisse, wie vielleicht in der Industrie, dass man sagt, kriege ich alleine hin. Wie suche ich mir denn da die richtige Person, die mich unterstützt?
Achim Barth: Also beim Zertifizierer, da wird es hochspannend, weil ich habe recherchiert und ich habe kein einziges Fitnessstudio in Deutschland gefunden, das eine ISO 9001 Zertifizierung hat, also eine Direktzertifizierung. Es gab ein oder zwei Multifunktionsanlagen, wo größere Konzerne dahinter standen, die dann eine ISO 9001 Zertifizierung hatten. Ich glaube, einmal über TÜV Rheinland und einmal über die DEKRA. Ansonsten gab es halt nur nicht DAX-zertifizierte Unternehmer, die halt einfach sagen, sie bieten Qualitätsmanagement an.
Ist ja kein geschützter Begriff letztendlich. Also von dem her wird es bei den Zertifizierern schwierig. Da gibt es nämlich keine, die entsprechende Branchenkenntnis haben. Was es gibt seit einigen Monaten, ist eine sogenannte Fitness-DIN, eine DIN-Norm. Und es gibt auch Zertifizierer, die diese DIN-Norm zertifizieren. DIN-Norm muss man ja nicht zertifizieren, aber die halt anbieten, die Studios entsprechend zu prüfen. ein Siegel verteilen gegen Entgelt. Da werden aber letztendlich Sachen abgeprüft, Qualität des Personals, sicherheitsrelevante Dinge, Ablaufdinge, die im normalen Qualitätsmanagementsystem auch komplett integriert sind. Also aus meiner Sicht, wenn man ein Fitnessstudio ISO 9001-2015 sind zertifiziert, sind alle Vorgaben dieser DIN-Norm ohne weiteres integrierbar, wenn das Studio selber eine bestimmte Größe dann auch erreicht hat, die in der DIN-Norm vorgegeben ist. Also in der DIN-Norm müssen Fitnessstudios Geräte vorweisen können.
Also ein Fitnessstudio, das ausschließlich mit Kleingeräten arbeitet, könnte nach dieser DIN nicht zertifiziert werden, aber natürlich ein Qualitätsmanagementsystem aufbauen.
Was die Berater betrifft, ja, auch eine sehr gute Frage.
Die Fitnessstudios müssen dann jetzt endlich… Auch ein Beratervertrauen, der entsprechende Expertise hat in der Branche, langjährige Erfahrung und aber halt auch die Expertise im Qualitätsmanagementsystem, idealerweise halt nachweisbar durch entsprechende Ausbildungszertifikate etc.
Götz Müller: Die DIN-Norm, die werde ich dann in den Notizen noch verlinken, dass der eine oder andere Zuhörer sich da noch schlauer machen kann.
Achim Barth: Ja, also ich kann ja Informationen entsprechend zur DIN-Norm geben. Das ist ja jetzt kein Thema. Also die DIN wurde 2013 glaube ich veröffentlicht. Da gibt es jetzt aber schon die entsprechende Revision. Das ist die DIN 33961. Da gibt es vier Teile und Revisionsstand 2015-11, also November 2015.
Götz Müller: In der Relation wirklich sehr neu.
Achim Barth: Genau.
Götz Müller: Okay. Jetzt gibt es ja in manchen speziellen Branchen und ansatzweise in dem, was ich vorhin erwähnt hatte, zu den Architekten und Planern, gibt es ja durchaus den Ansatz Gruppenzertifizierung. Könnte ich mir jetzt vorstellen, dass das bei Fitnessstudios, die sich einer Dachmarke in welcher Relation auch immer anschließen, gibt es da sowas schon?
Achim Barth: Mein Kenntnisstand nicht. Es gibt die ganz großen Ketten, die kennen Sie sicherlich auch, McFit, mit über 100 Einrichtungen, kein Discount-Bereich. Die haben aber aus meines Kenntnisstands keine Gruppenzertifizierung. Würde aber natürlich für so Einrichtungen, insbesondere McFit, die ja kein Franchise-Unternehmen sind, natürlich sind wir jetzt andere Discount- Ketten sind eigentlich Franchise-Ketten. Da habe ich jetzt keine Erfahrung, sehe vielleicht größere Erfahrung, ob bei Franchise-Ketten so eine Gruppenzertifizierung sinnvoll ist, weil sie doch eigenständige Unternehmer sind jeweils.
Götz Müller: Okay, kann dann ja durchaus auch ein Markt sein, der sich in den kommenden Jahren, wie Sie es angedehlt haben, noch entwickelt.
Achim Barth: Definitiv.
Götz Müller: Eine Frage, die ich immer ganz gern zum Schluss noch stelle, weil ich glaube, man kann immer in beiden Richtungen was lernen. Jetzt haben wir ja sehr, stark ist der falsche Begriff vielleicht, aber wir haben natürlich geguckt, okay, was kann man von außen reinnehmen und im Studio umsetzen? Das ist der Grundgedanke. Jetzt stecken sie in dem Umfeld ja relativ tief drin, haben aber natürlich trotzdem klassischen BWL-Hintergrund. Haben Sie irgendeine Idee, wo man sagt, das ist jetzt eine Sache, das kann jemand von einem Fitnessstudio lernen?
Achim Barth: Also ein externer Unternehmensberater meinen Sie jetzt?
Götz Müller: Was kann ein anderer Industriezweig zum Beispiel, was kann der von dem lernen, was in einem Fitnessstudio in der Natur der Sache unter Umständen, gut funktioniert und was lässt sich da nach außen übertragen?
Achim Barth: Ja, also ich denke, was insbesondere in den inhabergeführten Fitnessstudios sehr gut funktioniert, ist die familiäre Atmosphäre sehr oft. Und diese direkte Kommunikation mit dem Kunden, gibt es ein Problem, wird es direkt angesprochen, wird auch sehr oft dann direkt im Sinne des Kunden gelöst. Wo man in der Industrie oftmals sehr umständlich mit 8D-Reports und so weiter arbeitet. Das sind ja die Sachen, die können ja in so einem Betrieb, in einem Fitnesscenter natürlich durch direkte Kommunikation, wenn die Inhaber das natürlich auch so leben, sehr gut im Sinne des Kunden und auch im Sinne der Qualität für alle zufriedenstellend schnell gelöst werden.
Götz Müller: Ja, kann ich mir gut vorstellen. Und wahrscheinlich lässt es sich noch ein bisschen ausbauen in dem Augenblick, wo man eben die Trainer oder anderes Personal einfach auch entsprechende Möglichkeiten gibt, Probleme zu lösen. Das ist ja ganz oft in anderen Umfeld eben das Problem. Die Leute, die Mitarbeiter würden schon, aber sind ihnen dann vielleicht aus den ganz unterschiedlichsten Gründen die Hände gebunden.
Achim Barth: Genau, und da ist ja auch aus meiner Sicht ein großer Ansatz für das Qualitätsmanagementsystem, wenn einfach das Personal, das auch sehr oft natürlich Freiberufler sind, die nicht wie in der klassischen Industrie Vollzeitarbeit 40 Stunden die Woche anwesend sind, sondern die oftmals nur einen Tag die Woche oder halb wenige Stunden in der Woche da sind, dass die durch das Qualitätsmanagement-System wirklich auch so ähm individuell auf den Betrieb zugeschnitten, ausgebildet und erwiesen werden, dass sie alle die Qualität und die Kommunikation bei den Kunden hochhalten. Weil gerade bei diesem sehr individuellen persönlichen Dienstleistungsgeschäft wie Fitness ist es natürlich enorm von Bedeutung, auch für die Kundenzufriedenheit, um die Fluktuation zu senken und Weiterempfehlungen, was natürlich sehr wichtig sind für die Studios, zu gewährleisten.
Götz Müller: Das ist einerseits eine niedrige Bindung, andererseits aber, wenn man es richtig macht, dann wieder eine hohe Bindung.
Achim Barth: Genau.
Götz Müller: Okay, prima. Ich fand, da waren einige Aspekte drin, eben in beiden Richtungen, wo man voneinander lernen kann. Die Hinweise noch dazu, die Vertiefenden werde ich in den Notizen ergänzen. Ich danke Ihnen für die Zeit heute.
Achim Barth: Ich danke, dass ich meinen ersten Podcast hier mal aktiv begleiten durfte.
Götz Müller: Ja, gern geschehen. Und dann sage ich, ja, tschüss, bis zum nächsten Treffen.
Achim Barth: Bis zum nächsten Mal, Herr Müller. Schönen Tag noch.
Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Achim Barth zum Thema Qualitätsmanagement in Sportstudios.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Achim Barth über Qualitätsmanagement in Sportstudios und die Frage, wie sich klassische QM-Ansätze auf eine stark dienstleistungsgeprägte Branche übertragen lassen.
Achim Barth ist Diplom-Betriebswirt mit Schwerpunkt Sportmanagement und berät seit 2008 Unternehmen im Sport-, Freizeit- und Gesundheitsumfeld. Zu seinen Kunden zählen vor allem Fitnessstudiobetreiber, die er bei strategischer Ausrichtung, Positionierung und zunehmend beim Aufbau von Qualitätsmanagementsystemen unterstützt. Aus seiner Sicht ist das Thema Qualitätsmanagement in der Fitnessbranche bislang deutlich unterentwickelt, insbesondere im Vergleich zur Industrie, in der Standards wie die ISO 9001 weit verbreitet sind.
Im Zentrum eines Qualitätsmanagementsystems im Sportstudio steht die Kerndienstleistung: das Training am Menschen. Dazu gehören ein anfänglicher Check-up, die Erstellung individueller Trainingspläne, die Einweisung an Geräten, regelmäßige Evaluation und Anpassung des Trainings. Dieser Kernprozess muss strukturiert, nachvollziehbar und wiederholbar gestaltet sein. Gleichzeitig spielen unterstützende Prozesse eine Rolle, etwa Beratungsgespräche, Verkaufsprozesse, Einkauf oder organisatorische Abläufe im Studioalltag.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Definition von Qualität. Achim Barth macht deutlich, dass Qualität nicht zwangsläufig mit einem hohen Preis gleichzusetzen ist. Auch ein Discount-Studio kann qualitativ hochwertig sein, wenn es klar definiert, welche Zielgruppe es anspricht und welche Leistungen diese Zielgruppe erwartet. Während ein Premium-Studio möglicherweise intensive Betreuung für Rehabilitationskunden anbietet, legt ein preisorientiertes Studio eher Wert auf Sauberkeit, funktionierende Geräte und einfache Abläufe. Qualität bedeutet daher vor allem Passung zwischen Angebot und Zielgruppe sowie konsequente Ausrichtung aller Prozesse auf diese Zielgruppe.
Für Mitglieder eines Studios bringt ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem vor allem Sicherheit und Verlässlichkeit. Unabhängig vom Preissegment erwarten Kunden saubere Räumlichkeiten, funktionierende Geräte, eingehaltene Hygienestandards und kompetente Auskünfte durch das Personal. Im höherwertigen Segment kommt hinzu, dass Trainer einheitlich und auf abgestimmter Basis arbeiten. Widersprüchliche Trainingsanweisungen durch unterschiedliche Trainer würden Unsicherheit erzeugen. Ein strukturiertes QM-System sorgt hier für Konsistenz und geprüfte Inhalte.
Auch für Inhaber und Mitarbeiter bietet ein Qualitätsmanagementsystem erhebliche Vorteile. Gerade inhabergeführte Studios stehen im Wettbewerb mit großen Ketten im Discount- oder Premiumbereich. Ein zertifiziertes System kann helfen, sich klar zu positionieren und Strukturen zu schaffen, die Effektivität und Effizienz steigern. Darüber hinaus sieht Achim Barth mit Blick auf den demografischen Wandel und steigenden Gesundheitsdruck in der Gesellschaft eine wachsende Bedeutung von nachweisbarer Qualität. Krankenkassen, Arbeitgeber oder Verbände könnten künftig verstärkt mit Studios kooperieren, die ihre Qualität systematisch belegen können.
In diesem Zusammenhang kommt auch die Rolle von Zertifizierungen zur Sprache. Eine direkte Zertifizierung von Fitnessstudios nach ISO 9001 ist in Deutschland bislang kaum verbreitet. Achim Barth berichtet von wenigen größeren Multifunktionsanlagen, die entsprechende Zertifizierungen etwa durch TÜV Rheinland oder DEKRA erhalten haben. Spezifischer für die Branche ist die DIN 33961, eine Norm mit mehreren Teilen, die Anforderungen an Fitnessstudios definiert. Diese Norm deckt unter anderem Personalqualifikation, Sicherheitsaspekte und organisatorische Abläufe ab. Sie ist jedoch kein Ersatz für ein umfassendes QM-System, sondern kann darin integriert werden.
Beim Einstieg in das Thema empfiehlt Achim Barth ein strategisches Grundsatzgespräch mit dem Inhaber und gegebenenfalls dem Führungsteam. Dabei sollten Vision, Positionierung, Zielgruppen, Risiken und Stärken des Unternehmens analysiert werden. Auf dieser Basis kann ein Projektplan für den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems entstehen, inklusive der Entscheidung, ob eine Zertifizierung angestrebt wird.
Ein weiteres Thema ist die Auswahl geeigneter Berater und Zertifizierer. Da Qualitätsmanagement kein geschützter Begriff ist, kommt es auf nachweisbare Expertise in der Branche sowie fundierte QM-Kenntnisse an. Branchenaffinität ist besonders wichtig, weil die Fitnessbranche spezifische Besonderheiten aufweist, etwa den hohen Anteil an freiberuflichen Trainern mit begrenzter Präsenzzeit im Studio.
Zum Abschluss diskutieren Götz Müller und Achim Barth, was andere Branchen von Fitnessstudios lernen können. Besonders in inhabergeführten Studios funktioniert häufig eine direkte, persönliche Kommunikation mit den Kunden. Probleme werden schnell angesprochen und pragmatisch gelöst, ohne komplexe Berichtssysteme. Diese Kundennähe und unmittelbare Feedbackkultur können auch für Industrieunternehmen inspirierend sein. Gleichzeitig zeigt das Gespräch, dass gerade in einem so persönlichen Dienstleistungsgeschäft strukturierte Standards und klare Prozesse entscheidend sind, um Qualität dauerhaft zu sichern, Mitarbeiter einheitlich auszurichten und langfristige Kundenbindung zu fördern.
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