Inhalt der Episode
- Schlanke Produktion kann nur so gut sein wie die Produktionsausstattung. Wie unterstützt eine geeignete Produktionsausstattung die Mitarbeiter in der Produktion?
- Welche Art von Arbeitsplätzen können mit flexiblen Produktionsausstattungen ausgerüstet werden?
- Auf was sollte ein Unternehmen achten, wenn eine Produktionsausstattung gewählt wird?
- Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei der Gestaltung der Arbeitsplätze?
- Was können IT-unterstützte Prozesse und deren Gestaltung von der physischen Welt lernen?
- Was unterscheidet das Neolog-System von anderen Betriebsausstattungen?
Notizen zur Episode
- XING-Profil von Christian Schulz
- Website der Leolog GmbH
- Facebook-Auftritt der Neolog GmbH
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(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.
Episode 055 : Prozesse und Produktionsausstattung
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Christian Schulz bei mir in der Episode. Christian Schulz ist der Geschäftsführer der Neolog GmbH, ein Unternehmen, das sich mit Produktionsausstattung beschäftigt. Hallo Herr Schulz.
Christian Schulz: Hallo Herr Müller.
Götz Müller: Schön, dass Sie heute dabei sind. Ja, wie ich das sonst auch mal so mache, stellen Sie sich selber kurz vor, bitte.
Christian Schulz: Gerne. Ja, vielen Dank erstmal, dass ich dabei sein darf. Ist für mich auch eine neue Sache, ein Skype-Interview zu machen und ich freue mich drauf. Wie Sie schon gesagt haben, ich bin Geschäftsführer der Neolog GmbH. Die Neolog GmbH ist Anfang 2016 gegründet worden durch einen Geschäftspartner und mich. Und wir beschäftigen uns mit dem Thema modulare Produktionsausstattung, individuelle Produktionsausstattung und alles, was außenrum auch noch im Bereich Produktion und Betriebsausstattung zu finden ist. Ich selber persönlich habe mich vorher sieben Jahre lang bei einem Wettbewerbsunternehmen in derselben Branche rumgetrieben. Heißt, ich habe schon die letzten sieben Jahre sehr viel modulare Ausstattungen und Lösungen entwickelt, geplant, realisiert und auch final bei Kunden aufgestellt. Da davor war ich in ganz anderen Bereichen unterwegs und habe mein Berufsleben mit dem Betriebswirtschaftsstudium eigentlich auch begonnen.
Götz Müller: Okay, so jetzt geht es in meinem Podcast ja im weitesten Sinne um Prozesse, jetzt hier konkreter natürlich um das Thema Produktion, Prozesse auch, wie kann ich sie schlank gestalten, wie kann ich also Verschwendung vermeiden und eine schlanke Produktion, denke ich mal, ist dann eben auch nur so gut wie die Produktionsausstattung. Was sind denn Aspekte, wo die Produktionsausstattung eben die Mitarbeiter bei dem Thema Schlankes produzieren, Lean unterstützt?
Christian Schulz: Ja, also Produktionsausstattung ist einmal natürlich ein sehr weit gefächertes Begriff. Je nach Branche, wo man unterwegs ist, verstehen die Spezialisten andere Sachen unter Produktionsausstattung. Aus der Historie heraus ist Produktionsausstattung eigentlich was sehr Statisches. Jeder kennt es, eine Werkbank, die stelle ich hin und da komme ich schon irgendwie damit zurecht. Was wir jetzt unter Produktionsausstattung verstehen, ist eben der Ansatz zu sagen, eine Produktionsausstattung muss sich nach dem Problem richten und nicht das Problem nach der Ausstattung. Und um wirklich schlanke Produktion realisieren zu können, brauche ich eben eine sehr individuell angepasste Produktionsausstattung. Als Ergebnis aus einer guten Produktionsausstattung habe ich natürlich immer eine Verbesserung der Arbeitsabläufe, ganz klar. Ich muss vorher mir wirklich überlegen, wie möchte ich arbeiten, dann kann ich das auch verbessern. Was nicht zu vergessen ist, die Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit.
Wenn Sie heute in Produktion unterwegs sind und mit den Mitarbeitern wirklich mal in einem ruhigen Moment sprechen, werden Sie feststellen, dass sehr viel Unzufriedenheit über die Ausstattung da ist. Geht von dem kleinen Schraubendreher bis hin zur Werkbank oder dem Transportwagen oder ähnliches. Also ich denke, da ist ein Riesenpotenzial drin, Mitarbeiter einfach zufriedenzustellen, und damit auch am Ende die Qualität zu erhöhen. Die Qualität der Produktion wird erhöht, die Qualität des Produktes wird erhöht, weil die Mitarbeiter entspannter arbeiten können und andere Aspekte, die natürlich mit reinfließen, sind Reduktion der gelagerten Produktionsmaterialien, sie haben nur noch das am Band, was sie brauchen, diese klassischen Lean-Themen, die wir natürlich da immer auch mit reinbeachten müssen und wollen.
Götz Müller: Ja, wenn wir über Arbeitsplätze reden, Sie haben es schon angedeutet, ist das Feld sehr breit. Was sind denn die Dinge, die Arten von Arbeitsplätzen, die mit den Produktionsausstattungen, so wie es die Neolog zur Verfügung stellt, was kann man denn da mitbauen, um es mal so auszudrücken?
Christian Schulz: Am Ende ist immer eine ganz schwierige Frage, werden wir natürlich bei Kunden immer wieder gefragt, was könnt ihr eigentlich? Wir können eigentlich relativ viel branchenunabhängig, bereichsunabhängig und auch mehr oder minder technikunabhängig. Wir haben als Hauptprodukt ein klassisches Rohrklemmsystem im Angebot, aus dem wir modular Arbeitsplätze, Transportwagen, Arbeitsplatzausstattung bauen können. Bedeutet, Rohrklemmsystem sind Stahlrohre, beschichtete Stahlrohre mit Stahlverbindern, die über eine Schraube geklemmt werden. Das heißt, ich schneide das Rohr entsprechend ab und klemme es mit einem Verbinder mit einem anderen Rohr zusammen und kann daraus halt sehr individuell jedweder Art von Lösung bauen. Das bedeutet bei uns, wir bewegen uns in den bekannten Branchen Automobilbau, wo das ganze Thema Lean und wertschöpfende Produktionsausstattung eigentlich herkommt. Also das waren die ersten, die das aus Japan geholt haben, dieses Thema, um eben effizienter ihre Autos produzieren zu können.
Wir sind darüber hinaus im Luftfahrtbereich unterwegs, im Medizin-Pharma-Bereich unterwegs, wo auch Wirtschaften produziert werden müssen, auch wenn man sich das manchmal nicht vorstellen kann eigentlich oder davon ausgeht, dass da sehr viel automatisiert passiert. Auch da ist Bedarf für wirklich individuelle und passende Produktionsausstattung. Und wir gehen aktuell sehr viel in den kleinen Mittelstand, ins Handwerk mit rein. Ich gebe es mal als Beispiel einfach eine Kfz-Werkstatt.
Und meistens ist das Gebäude der Werkstatt ja schon da und der Meister hat seine wichtigen Werkzeuge wie Hebebühne, Reifenmontagegeräte und ähnliches. Die haben eine bestimmte Größe, die müssen irgendwo stehen. Und am Ende braucht er irgendwo noch seinen Platz, wo er mal ein Teil schrauben kann oder ähnliches. Und da kommt wieder ein Spiel, wo wir sagen, guck, wir bauen dir in deine Nische, in die Ecke flexibel einen Arbeitsplatz rein, den du trotzdem wirklich gut nutzen kannst.
Götz Müller: Ja. Wenn man sich jetzt mit dem Gedanken trägt, eben was Individuelles zu beschaffen und nicht ihre Arbeitsplätze halt von der Stange, auf was sollte man denn achten, damit man da dann unterm Strich das Optimum rausholt?
Christian Schulz: Also der wichtigste Punkt aus unserer Sicht ist immer, ich muss mir als Kunde oder angehender Kunde oder angehender Besitzer einer individuellen Lösung vorher überlegen, bin ich bereit für Veränderung. Möchte ich eigentlich nur einen Ersatz für das, was ich aktuell stehen habe, der ein bisschen anders aussieht und ich habe mein inneres Ich befriedigt und sage, ich habe etwas Neues gemacht und es geht schon. Oder bin ich wirklich bereit zu sagen, ich schaue mir meine Abläufe an, ich schaue mir meine Prozesse an, sprich nicht jetzt in ausschweifenden Sechs-Monats-Projekten, sondern auch wirklich sehr fokussiert auf einen Arbeitsplatz und überlegen mir dann, was brauche ich an diesem Arbeitsplatz genau, damit ich effizienter arbeiten kann. Wenn ich an dem Punkt bin, dass ich ja dazu bin ich bereit, dann kann ich überhaupt in dieses Thema Veränderung auch einsteigen.
Weil vorher, das erleben wir auch sehr oft, dass Kunden bei uns anrufen und sagen, ja, wir müssen jetzt mal was lean machen oder was schlankes machen, kommen Sie mal vorbei, bauen Sie den Arbeitsplatz mal bitte aus Ihrem Rohrklemmsystem nach. Da haben Sie hinterher keine Verbesserung.
Götz Müller: Ja, das ist ja nur Nachgebot, genau. Okay, jetzt haben Sie eingangs ein Stichwort genannt, das ich jetzt an der Stelle auch nochmal aufgreifen möchte, nämlich das Thema Mitarbeiter. Und gerade in Kombination mit Veränderung erlebe ich das. Das kann manchmal ein ganz toller Antreiber sein, das kann aber manchmal auch eine ziemlich große Hürde sein. Was für eine Rolle nehmen, wenn Sie in ein Unternehmen gehen, was für eine Rolle nehmen da die Mitarbeiter des Unternehmens ein? Was erleben Sie da?
Christian Schulz: Also der Mitarbeiter für uns ist der Mitarbeiter, der nachher am Arbeitsplatz arbeitet, eigentlich mit die wichtigste Person. Wir erleben es sehr oft, dass gerade diese Personen aber ausgegrenzt sind von der Gesamtplanung und Realisierung. Heißt, am Ende bekommt der Mitarbeiter seinen neuen Arbeitsplatz hingestellt und frisst oder stirbt. Wo wir halt sagen, es ist völlig falsch. Wir haben jede Möglichkeit mit den Systemen. Lasst uns den Mitarbeiter mit ins Boot holen und lasst uns ihn fragen, was ist dir denn wichtig. Es ist immer so grundsätzlich natürlich, der Arbeitsablauf wird geplant, Produktionsplanungsabteilungen, wo auch immer, das ist das Wichtigste. Aber die Kleinigkeiten, die es nachher entscheiden, ob der Mitarbeiter glücklich ist, also ein Multiplikator wird oder ein Bremser wird, sind Punkte, die aus unserer Sicht in den Produktionsplanungen nicht beachtet werden. Ich kann Ihnen ein ganz kurzes Beispiel geben. Wir haben einen wunderschönen, hocheffizienten Arbeitsplatz gebaut für den Kunden. Ich habe den Mitarbeiter zufällig am Arbeitsplatz getroffen, habe ihn dann auch so locker gefragt, ey, super Arbeitsplatz, bist du eigentlich glücklich? Und da waren wir etwas zerknuscht, ja, nein, eigentlich nicht so richtig. Was fehlt? Ja, mir fehlt eigentlich nur ein Platz, wo ich meine Flasche hinstellen kann und ein Haken, wo ich meinen Rucksack aufhängen kann. Wir haben die zwei Teile hingebaut, was kein Problem war und wir haben den besten Multiplikator im Unternehmen bekommen. Weil dann war er wirklich happy mit dem neuen Arbeitsplatz.
Hätten wir das nicht gemacht, wäre es wahrscheinlich der klassische Bremsplatz geworden, der gesagt hätte, naja, ist schon toll, aber eigentlich ist er nicht so richtig, für mich nicht mehr zufriedenstellend. Da haben wir das noch mal mehr gelernt, dass wir gesagt haben, Dreh- und Angelpunkt ist für jede Planungsabteilung im Endeffekt, holt euch die Leute ins Team, sprecht mit den Leuten und fragt, was habt ihr für Bedarf.
Götz Müller: Ja, also gerade das Thema Trinkflasche oder eben auch Kleidungsstücke kann ich absolut bestätigen. Das sind dann die Dinge, wenn man nicht darauf achtet, die irgendwo rumfahren und dann eigentlich eher noch mehr stören als helfen, plus die Effekte, die Sie gerade geäußert haben.
Christian Schulz: Genau. Und natürlich, und das verstehe ich auch, dass eine Planungsabteilung, die eine Riesenproduktion um plant, an vieles denkt, aber bestimmt nicht an die Trinkflasche, leider. Und deswegen ist es so, das ist das, dass die Mitarbeiter kennen ihren Arbeitsplatz. Die können aus dem Stehkreis sagen, guck mal, wenn du das veränderst und das veränderst, kann ich schneller arbeiten. Und wenn du das noch veränderst, kann ich qualitativ höherwertiger arbeiten. Und wenn ich meine Trinkflasche noch habe, dann brauche ich auch keine Pause mehr machen, übertrieben. Aber das ist einfach so das Thema und das wird sehr, sehr häufig vergessen.
Götz Müller: Ja, und ich glaube, das ist dann aber auch die Chance, wo eben ein modulares System, wo ich halt nochmal was anbauen kann und nicht gleich irgendwo ein Loch reinbohren in den wertvollen neuen Arbeitstisch vielleicht und dann da dann wieder eine Hürde da ist. Macht man ja nicht.
Christian Schulz: Genau, also der Mitarbeiter kann am Schluss sogar noch auswählen, ob er die Flasche lieber links oder rechts im Arbeitsplatz hätte. Übertrieben gesagt. Das ist einfach, das ist das modulare System. Genauso mit dem Thema Höhen, Entnahmehöhen oder ähnliches. Wo halt es gibt die Regeln und die Vorgaben, aber manchmal ist halt vielleicht der Mitarbeiter, aus welchen Gründen auch immer, funktioniert es nicht so richtig. Und da können Sie selbst ganz am Schluss, wenn der Arbeitsplatz schon aufgestellt ist, nochmal nachkorrigieren oder nachjustieren und sagen, nee, das verändern wir nochmal. Das machen wir nochmal neu, weil wir haben festgestellt, auch nach einer Woche Arbeit vielleicht, der Plan war gut, aber die Realität sieht anders aus.
Götz Müller: Jetzt hatten Sie am Anfang ein Stichwort gesagt, der Arbeitsplatz muss sich den Erfordernissen, so in etwa hatten Sie es ausgedrückt, anpassen, nicht umgekehrt. Da ist für mich sofort natürlich eine Assoziation entstanden, nämlich zur IT rüber, wo wir genau vergleichbare Effekte haben und da so in meiner Wahrnehmung ganz oft das Umgekehrte passiert, nämlich dass die Abläufe sich der IT anpassen und nicht die IT den Abläufen. Und deshalb vielleicht an der Stelle noch ein bisschen Reflexion, was man eventuell auch jetzt von dem Thema physische Arbeitsplätze lernen kann. Ich weiß nicht, auf was es rausläuft. Mein Gedankengang, aber da könnte ich mir vorstellen, dass man eben voneinander lernen kann. Wie geht man in dem Bereich dieses physischen Themas eines Arbeitsplatzes damit um, sich dem anzupassen?
Christian Schulz: Also die IT ist da vielleicht ein ganz gutes Beispiel dafür. Warum passt sich eigentlich am Schluss der Prozess der IT an? Weil eigentlich jeder Angst hat vor der IT. Jeder sagt, wenn ich jetzt die IT anpassen lasse an das, was ich haben möchte, dann kostet mich das ein Vermögen. Dauert zwei Jahre. Ich meine, es sind so diese geflügelten SAP-Einführungsprojekte in vielen Unternehmen, wo alle sagen, oh, ihr füllt SAP ein, um Gottes Willen, ihr seid zwei Jahre lang nicht geschäftsfähig. Das ist so diese Angst, die da ist. Die ist in der IT da, die ist aber genauso in der physischen Arbeitsplatzwelt da. Aber im Endeffekt, im physischen Bereich kann man es vielleicht so ein bisschen vergleichen mit im Privaten, dem Kleiderschrank.
Jeder hat, glaube ich, wenn er sagt, ich gehe zum Schreiner und lasse mir einen Kleiderschrank bauen, sagt jeder um Gottes Willen, es kostet ein Vermögen und macht gar keinen Sinn, weil im Schluss hängen doch nur die Klamotten drin. Ich gehe zum Ikea, ich kaufe bei Ikea einen ganz einfachen. Wenn man bei den meisten Leuten dann am Ende der Konfiguration des Ikea-Schranks mal gucken würde, was der kostet, ist man gar nicht mehr so weit von einem Schreiner-Kleiderschrank weg. weil ich halt dann doch noch hier eine Schublade möchte und da noch eine Hängestange. Und so ähnlich ist es bei den Arbeitsplätzen auch. Ich schlage einen Katalog auf von einem der großen Händler, da kriege ich meine Waldbank. Die kostet dann eine Summe X, sage ich einfach mal 500 Euro.
Dann passt die aber nicht so richtig. Dann lasse ich mir von meinem eigenen Werkzeugbau unten noch 5 cm Fuß dran schweißen, damit die die Höhe hat, die ich brauche. Das kostet wieder Geld. Dann stelle ich fest, ich brauche eine Lampe obendrauf, dann kaufe ich mir irgendwo noch eine Lampe, die baue ich dann auch damit dran. Dann brauche ich eine spezielle Arbeitsplatte oder noch eine Abdeckung drauf, kostet wieder Geld. Würde ich am Schluss mal alles zusammenzählen, komme ich auf einen Preis, der wahrscheinlich weit über einem individuellen Arbeitsplatz liegt, der von vornherein sauber geplant ist. Und das ist einfach so, da arbeiten wir auch massiv dran und vor allen Dingen im kleinen Mittelstand und im Handwerksbereich, die einfach grundsätzlich davor abschrecken, dass ich sage, oh, das ist was Individuelles, das muss ja teuer sein.
Und am Ende ist es einfach so, unsere Lösungen richten sich nach dem Problem. Wir liefern eine 100% Problemlösung und nicht 80%.
Götz Müller: Ja, und ich könnte mir vorstellen, wenn wir jetzt wieder den Bogen zur IT schlagen, man kann dann aus der Vorgehensweise in der physischen Welt durchaus was lernen, nämlich die hohe Modularität, die so ein Arbeitsplatzsystem mitbringt.
Christian Schulz: Das definitiv. Und das ist was, was in der IT auch, glaube ich, langsam kapiert wird, dass es eben vielleicht auch modulare zugehen muss, was man aus dem Bereich Produktionssysteme mitnehmen kann. Das ist halt einfach aufgebaut und es kann im Endeffekt auch jeder irgendwo zusammenstecken. Und das ist schon das, was vielleicht in der IT dann noch zu lernen wäre in dem Bereich, das ist richtig.
Götz Müller: Ja, da fällt dann vielleicht auch der praktische Anteil Weil ganz oft ist es halt so, die Menschen, die IT bauen, ja nachher gar nicht damit umgehen müssen, während bei physischen Dingen dann doch alle Beteiligten ja um den Tisch rumstehen können.
Christian Schulz: Das ist richtig, ja.
Götz Müller: So, kommen wir vielleicht noch ein bisschen speziell auf das Thema Neolog-System zu sprechen. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Betriebsproduktionsausstattungen?
Christian Schulz: Also zu dem, was ich jetzt gesagt habe, dass wir versuchen, immer eine 100% passende Problemlösung bieten zu können, kommt noch dazu. Durch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, auch die letzten sieben Jahre in dem Bereich, in der Branche, da ich gesagt habe, die Kunden brauchen eigentlich nicht den Materiallieferanten, der sagt, ja klar, kannst du bei mir eine Kiste Verbinder kaufen und ein Päckchen Rohr, und dann kannst du alles selber machen, sondern die Kunden wollen den Dienstleister. Die Kunden wollen einen Partner haben, an den sie sich wenden können, einfach nur mit einem Problem. So sieht mein Problem aus. Und das sind die Rahmenfaktoren, die ihr beachten müsst. Und dann erwarten die, dass jemand ihnen eine Lösung bietet. Und da arbeiten wir wirklich massiv dran, dass wir…
Mit Spezialisten, egal ob es Arbeitssicherheitsspezialisten oder eben Planungsspezialisten oder Lien-Spezialisten zusammenarbeiten und auch eigene Leute im Haus haben, wo wir sagen, liebe Kunde, wenn du was brauchst, sag uns einfach was und wir finden dir die Lösung. Und darüber hinaus sehen wir uns so ein bisschen auch als Gesamtintralogistik-Händler mit angeschlossenen Service-Gedanken. Also es gibt sehr viele große Händler, wo sie alles aus dem Katalog bestellen können, vom Schreibtisch bis zur Gummimatte und der Palette. Aber wenn sie bei denen versuchen, über eine Hotline eine fundierte Information oder eine Lösung zu kriegen, dann scheitern sie da meistens relativ kläglich, weil da dafür die Läden einfach zu groß und zu stark sind. Und das ist unser Vorteil als Startup, als neu gegründetes Unternehmen.
Wir haben uns gezielt die Spezialisten geholt, um da dem Kunden schnell und professionell Lösungen anbieten zu können. Oder eben auch Teile zu besorgen. Ich sehe jetzt gerade mal hier auf dem Schreibtisch eine Klammer liegen, die eigentlich aus dem Sporthantelbereich kommt, die wir jetzt für einen Kunden beschafft haben, der einen schnellen Spanner auf seinem Rohr haben wollte. Das sind Sachen, die können wir. Das ist kein Problem. Und da unterscheiden wir uns ganz massiv vom Wettbewerb. Der Wettbewerb sagt, guck in meinen Katalog, da findest du, was du brauchst. Und wir sagen, nö, was brauchst du denn? Ah, du brauchst einen Schnellverschluss auf das Rohr, haben wir nicht, besorgen wir dir. Aber dann machen wir zwei, drei Vorschläge, was wir uns vorstellen könnten und dann darf der Kunde entscheiden, ob da einer dabei ist, der für ihn auch taugt.
Götz Müller: Okay. Jetzt gehen Sie ja über die rein praktische Ausstattung, gehen Sie ja auch im Marketing ein paar neue Wege. Das heißt, die Neolog hat unter anderem einen Blog, einen kleinen, nennt sich neologisch, finde ich schon mal ein interessantes Wortspiel. Erzählen Sie da noch und zum Abschluss noch ein paar Sätze drüber.
Christian Schulz: Ja, genau. Also wir haben nicht nur Marketingbereich, sondern wir haben auf unserer Homepage unter neolog.info einmal den Bereich Neologisch, kleiner Blog, jetzt auch erst im wachsen begriffen. Also den gibt es jetzt seit knapp anderthalb Monaten. Dort werden wir jetzt sukzessive klassische Blogartikel reinstellen, Fachartikel reinstellen. Aber wir werden auch Tipps und Tricks reinsetzen, wie montiere ich eine bestimmte Lösung oder was kann ich für eine Lösung bauen, wenn ich ein Problem habe. Wir werden ein paar Success-Stories mit Kunden reinsetzen, mit ein paar Bildern, wo wir so ein bisschen einfach eine grundlegende Plattform schaffen mit diesem Blog, wo wir sagen, Mensch, wenn dich irgendwas interessiert, was in den Bereich Intralogistik geht, schau doch einfach mal rein. Da werden immer mehr interessante Artikel reinkommen. Und zum Zweiten bieten wir auf der Homepage den Webshop.
Der Webshop ist einmal die klassische Bestellplattform für Materialnachkauf durch Kunden, die schon genau wissen, was sie brauchen. Da kann vom Rohr über den Verbinder bis zum Rad alles gekauft werden.
Parallel bauen wir im Shop integriert sogenannte Markenshops auf. Da bieten wir dann Artikel und Produkte von namhaften Intralogistik-Anbietern, wie zum Beispiel die Firma Bauer Südlohn, Algorithmus-Höhenverstellungen, Schallenkammer-Magnete. Das sind alles so Händler, die im Intralogistik-Bereich eigentlich sehr viel unterwegs sind. Und wir haben festgestellt bei unseren Kunden auch, dass dieser Bedarf, zu sagen, ich möchte eigentlich nicht bei fünf Lieferanten bestellen, ich möchte eigentlich bei einem bestellen, unheimlich hoch ist. Und da haben wir gesagt, gut, das bieten wir an, wir haben den Webshop und wir bauen da die Plattform auf und sind da auch immer auf der Suche nach wirklich interessanten Artikeln, die wir damit reinnehmen können, noch zusätzlich an Lösungen, an allem Mehrwert, was Mehrwert für die Kunden einfach bietet.
Und ja, darüber hinaus, sage ich mal, spielen wir uns so ein bisschen in Facebook mit, natürlich klar, da gibt es dann mehr so die internen Einblicke ins Unternehmen, das Neolog-Oktoberfest, letzte Woche gab es ein paar schöne Bilder, was passiert im Haus, was verändert sich, wer kommt ins Team neu rein, also die Facebook-Geschichte soll wirklich, so ein bisschen den intimen Einblick ins Unternehmen geben, weniger jetzt ausgelegt auf Spezialartikel und ähnliches, sondern wirklich so die Menschen hinter Neolog am Ende. Und so versuchen wir ein bisschen eine Mischung zu machen.
Götz Müller: Okay, prima. Das war jetzt ein gutes Schlusswort. Herr Schulz, ich danke Ihnen für die Zeit, für die interessanten Einblicke.
Christian Schulz: Herr Müller, ich habe zu danken, dass ich die Chance bekommen habe, mit Ihnen mal ein bisschen über das Thema modulare Produktionssysteme zu sprechen, die Vor- und Nachteile ein bisschen darzulegen, weil ich denke, es ist ein Bereich und ein Thema, was sehr oft noch in den Kinderschuhen steckt. Es wird viel über Industrie 4.0 gesprochen, aber die wenigsten überlegen sich, dass sie alles hintendran dann auch noch machen müssen. Und deswegen ist es eigentlich eine tolle Plattform. Vielen Dank.
Götz Müller: Okay, bitteschön. Das war die heutige Episode im Gespräch mit Christian Schulz zum Thema Prozesse und Produktionsausstattung.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Christian Schulz über die Rolle einer durchdachten Produktionsausstattung für schlanke Prozesse und darüber, warum individuelle Lösungen oft wirtschaftlicher sind als vermeintlich günstige Standardprodukte.
Christian Schulz ist Geschäftsführer der Neolog GmbH, einem 2016 gegründeten Unternehmen, das sich auf modulare und individuelle Produktionsausstattung spezialisiert hat. Zuvor war Christian Schulz mehrere Jahre in derselben Branche tätig und bringt damit umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung, Planung und Umsetzung von Arbeitsplatzlösungen mit. Sein beruflicher Hintergrund ist betriebswirtschaftlich geprägt.
Götz Müller eröffnet das Gespräch mit der Frage, welchen Beitrag Produktionsausstattung zu schlanken Prozessen leisten kann. Christian Schulz betont, dass Produktionsausstattung lange Zeit als etwas Statisches verstanden wurde, etwa als einfache Werkbank, die unabhängig vom konkreten Arbeitsablauf eingesetzt wird. Sein Ansatz ist ein anderer: Nicht der Prozess soll sich an die Ausstattung anpassen, sondern die Ausstattung muss sich konsequent am Problem und am tatsächlichen Arbeitsablauf orientieren. Nur so könne eine wirklich schlanke Produktion entstehen.
Eine individuell geplante Produktionsausstattung führt aus Sicht von Christian Schulz zu klar strukturierten Arbeitsabläufen und reduziert Verschwendung. Gleichzeitig wirkt sie sich unmittelbar auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden aus. In vielen Unternehmen gebe es eine unterschätzte Unzufriedenheit mit bestehenden Arbeitsplätzen. Diese reiche von unpassendem Werkzeug bis hin zu unergonomischen Arbeitsflächen oder fehlenden Ablagemöglichkeiten. Verbesserte Ausstattung bedeute daher nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch höhere Produktqualität, da entspannter arbeitende Mitarbeitende weniger Fehler machen.
Das Leistungsspektrum der Neolog GmbH ist branchenübergreifend. Herzstück ist ein modulares Rohrklemmsystem aus beschichteten Stahlrohren und Verbindern, das flexibel kombiniert werden kann. Daraus entstehen Arbeitsplätze, Transportwagen oder komplette Arbeitsplatzsysteme. Christian Schulz nennt als typische Einsatzbereiche den Automobilbau, die Luftfahrt, die Medizin- und Pharmabranche sowie zunehmend kleine und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe. Gerade im Bestand, etwa in einer Kfz-Werkstatt mit begrenztem Raum, ermögliche das modulare System passgenaue Lösungen, die vorhandene Flächen optimal nutzen.
Auf die Frage, worauf Unternehmen bei der Beschaffung individueller Lösungen achten sollten, hebt Christian Schulz einen zentralen Punkt hervor: die Bereitschaft zur echten Veränderung. Wer lediglich eine bestehende Werkbank ersetzen wolle, ohne die Abläufe zu hinterfragen, werde keine nachhaltige Verbesserung erreichen. Entscheidend sei, sich gezielt mit dem konkreten Arbeitsplatz auseinanderzusetzen und zu klären, was tatsächlich benötigt wird, um effizienter zu arbeiten. Ohne diese Offenheit bleibe jede Investition oberflächlich.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Einbindung der Mitarbeitenden. Christian Schulz schildert, dass diejenigen, die täglich am Arbeitsplatz stehen, häufig nicht in die Planung einbezogen werden. Das führe dazu, dass neue Arbeitsplätze zwar technisch durchdacht seien, aber an praktischen Details scheiterten. Ein prägnantes Beispiel ist ein hoch effizient geplanter Arbeitsplatz, bei dem lediglich eine Ablage für die Trinkflasche und ein Haken für den Rucksack fehlten. Nachdem diese scheinbar kleinen Ergänzungen umgesetzt wurden, wandelte sich der betroffene Mitarbeitende vom Skeptiker zum aktiven Unterstützer der Veränderung. Für Christian Schulz zeigt dieses Beispiel, wie wichtig es ist, die Menschen frühzeitig einzubinden und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Das modulare System bietet dabei einen entscheidenden Vorteil: Anpassungen sind auch nach der Inbetriebnahme problemlos möglich. Höhen, Anordnungen oder Zusatzmodule können verändert werden, wenn sich in der Praxis zeigt, dass eine Planung optimiert werden muss. Diese Flexibilität unterscheidet modulare Lösungen von starren Standardprodukten.
Götz Müller zieht eine Parallele zur IT-Welt, in der sich Prozesse häufig an Software anpassen, statt umgekehrt. Christian Schulz sieht hier Ähnlichkeiten. Oft schrecken Unternehmen vor individuellen IT-Anpassungen zurück, weil sie hohe Kosten und lange Projektlaufzeiten befürchten. Im physischen Bereich sei die Angst vor individuellen Lösungen ebenfalls verbreitet. Er veranschaulicht dies mit dem Vergleich eines maßgefertigten Kleiderschranks gegenüber einem Standardmodell von IKEA. Rechnet man alle nachträglichen Anpassungen und Zusatzkäufe zusammen, liege man häufig preislich nahe an einer individuell geplanten Lösung. Ähnlich verhalte es sich bei Arbeitsplätzen: Standardprodukte würden nachträglich modifiziert, ergänzt und umgebaut, was die Gesamtkosten erhöhe und dennoch keine optimale Lösung garantiere.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Neolog GmbH liegt im Selbstverständnis als Dienstleister. Christian Schulz betont, dass viele Kunden keinen reinen Materiallieferanten suchen, sondern einen Partner, der ein Problem ganzheitlich löst. Statt lediglich Rohre und Verbinder zu verkaufen, begleitet sein Unternehmen Kunden von der Analyse bis zur fertigen Lösung. Dabei arbeitet Neolog auch mit Spezialisten aus Bereichen wie Arbeitssicherheit oder Produktionsplanung zusammen. Darüber hinaus versteht sich das Unternehmen als Anbieter im Bereich Intralogistik mit Servicegedanken. Individuelle Anforderungen, etwa besondere Spannmechanismen, werden recherchiert und als Lösungsvorschläge präsentiert, anstatt auf ein festes Katalogsortiment zu verweisen.
Abschließend spricht Götz Müller mit Christian Schulz über die Kommunikations- und Marketingaktivitäten der Neolog GmbH. Auf der Unternehmenswebsite gibt es einen Blog, der Fachartikel, Praxisbeispiele, Tipps und Success Stories veröffentlicht. Ergänzend dazu betreibt das Unternehmen einen Webshop für Materialnachkäufe sowie für Produkte ausgewählter Partner aus dem Intralogistikbereich. Ziel ist es, Kunden eine zentrale Plattform für Lösungen und Produkte zu bieten. In sozialen Medien gewährt Neolog Einblicke in das Unternehmen und stellt das Team sowie interne Aktivitäten vor.
Im Fazit unterstreichen Götz Müller und Christian Schulz, dass modulare Produktionsausstattung weit mehr ist als ein technisches Detail. Sie ist ein wesentlicher Hebel für schlanke Prozesse, höhere Qualität und motivierte Mitarbeitende – vorausgesetzt, Unternehmen sind bereit, ihre Abläufe konsequent zu hinterfragen und die Menschen in die Gestaltung einzubeziehen.
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