Kaizen 2 go 057 : Kreativitätsprozesse


 

Inhalt der Episode

  • Was ist Kreativität?
  • Wer ist kreativ?
  • Welche Hürden und Hindernisse bestehen bei der Kreativität?
  • Wie können diese noch überwunden werden?
  • Welche Rollen spielen die Vorbereitung, die Neugier aber auch die Angst?
  • Wie kann Kreativität gefördert und methodisch unterstützt werden?
  • Kurzer Abriss über verschiedene Kreativitätsmethoden
  • Kreativität vs. Innovation – Welche Prozesse spielen dabei eine Rolle?

Notizen zur Episode

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(Teil)automatisiertes Transkript

Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.

Episode 057 : Kreativitätsprozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Torsten Kühn bei mir im Podcast-Interview. Thorsten Kühn ist Industriedesigner, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Design, auch Kreativität unterrichtet da und deshalb unterhalten wir uns ja heute über Kreativitätsprozesse. Hallo Thorsten!

Torsten Kühn: Hallo Götz, schön, dass ich bei dir sein kann.

Götz Müller: Ja, schön, dass du dabei bist. Ich denke, du kannst dich viel besser vorstellen. Sag noch ein paar Sätze zu deiner Person.

Torsten Kühn: Gut, also ich bin Industriedesigner, wie du schon gesagt hast, das habe ich auch studiert. Habe ungefähr sieben Jahre lang ein eigenes Designbüro gehabt in den 90ern und habe in der Zeit einige Erfahrungen in diesem ganzen Bereich gemacht, was Design und Gestaltung angeht. Unter anderem auch in einem Bereich, der schon immer so ein bisschen ein Steckenpferd von mir war, das war Filmproduktion. Da habe ich auch die große Möglichkeit gehabt, während meines Studiums schon mit einem berühmten Regisseur zusammenarbeiten zu können. Das war der Roland Emmerich in der Designabteilung.

Ich habe noch ein paar andere Sachen gemacht. Ich bin auch im Musikbusiness lange Zeit tätig gewesen. Das ist so eine andere Seite in mir. Und habe dann auch über beide Bereiche dann irgendwann mal das Lehren angefangen, an einer Akademie in Stuttgart. Unter anderem auch an der SAE in Stuttgart, an einer Hochschule in Wiesbaden, der Rhein-Main-Hochschule. Und bin für die auch sogar in Bangkok gewesen und habe dort das Thema Design, Grafikdesign, Kreativität, Präsentationstechniken und alles, was in dem Bereich interessant war, gelehrt. Und ja, es ist so, dass ich mich schon immer auch eben mit den ganzen Hintergründen auseinandergesetzt habe, was Design und Kreativität angeht. Und habe mich da auch so ein bisschen in die Theorie reingearbeitet. Das hat schon sehr früh angefangen.

Das war für mich schon immer sehr interessant, auch während dem Studium meine Kollegen und Kommilitonen zu beobachten, wie die so vorgehen, wie die mit Ideen umgehen, wie sie sie umsetzen. Und das war sehr spannend und ich habe in der Zeit auch die ersten Ideen selber gehabt, um eine These aufzustellen, wie man mit Kreativität umgehen kann.

Und ja, das hat sich bis heute nicht verändert, das ist weiterhin spannend und aus dieser These entwickle ich gerade im Moment ein Buch mit einer Geschichte zur Kreativität und das Ganze hat damals eigentlich angefangen, dass ich einen Dozenten hatte, der Professor Schmalriede in Pforzheim, der mir ein paar richtige Flöhe in den Kopf gesetzt hat, die da immer noch rumspringen, was das Thema vernetztes Denken angeht. Und ja, da bin ich, wie gesagt, immer noch dran.

Götz Müller: Ja, ich denke, das hört man noch ein bisschen vertiefen. Jetzt zum Einstieg. Wie bin ich überhaupt drauf gekommen, dich anzusprechen? Verbesserungsthemen, und darum geht mein Podcast im weitesten Sinne irgendwo immer, hat natürlich auch was mit Ideen, mit Kreativität zu tun. Und wenn wir mal ganz vorne anfangen, dann sollte man sicher erst mal, weil vielleicht nicht jeder so ganz direkt die Assoziation hat, überhaupt einmal die Frage stellen, was ist denn Kreativität überhaupt?

Torsten Kühn: Gut, ja, das ist ein weiterer Begriff, ja, Ich sage es immer so, Kreativität begleitet uns überall. Wir denken immer so kreative Berufe, sowas wie Musiker oder Maler oder Dichter, das ist eigentlich nur die Oberfläche, die wir jeden Tag eigentlich selbstverständlich tun, im Alltag, im Job, in der Freizeit.

Aber meistens fehlt uns irgendwie die Wahrnehmung, das bewusst irgendwie einzuordnen in unser tägliches Handeln und Tun. Und dabei gibt es allerdings viele Untersuchungen zu dem Thema, die uns da helfen können und auch Tricks und Techniken anbieten können. Meistens ist es so, also das ist zumindest mein Ansatz, dass man versucht irgendwie zu vermitteln, wie die Wahrnehmung, die eigene Wahrnehmung eigentlich ist im Zusammenhang mit künstlerischen und formellen Fortschritten, also ein Bild wie ein gestalterischer Prozess, grundlegend zu planen und auszuführen ist. Und das ist eigentlich so eine Sache, wo ich immer sage, Kreativität ist im Grunde genommen ein schöpferischer Prozess. Also es kommt ja auch aus dem Lateinischen. Creare bedeutet Schöpfung oder Erzeugen. und in dem Umfang kann man auch sagen, dass es eine schöpferische Kraft ist. Und in der Neuzeit wurde das zum Beispiel immer als Gottesgeschenk betrachtet.

Also wenn man so die alten Künstler sieht, da hat man immer sofort gesagt, ja, die sind von Gott gesegnet und deswegen können die das alles, was sie da tun.

Das ist aber nicht ganz so. Also man hat verschiedenste Phänomene der Kreativität erforscht. Da gibt es also zwei Forscher, die das sehr, sehr umfangreich gemacht haben. Das ist einmal der Jérôme Gillesfort und der andere ist der Edward Bono, der ist den meisten sogar ein bisschen bekannt. Die haben unterschiedliche Phänomene der Kreativität erforscht und die forschende Meinung war, dass man einfach nur lang genug nachdenken muss, bis eine Lösung kommt. Und das stimmt allerdings natürlich nicht. Und der eigentliche Schlüssel zur Ideenfindung ist das Verlassen bekannter Denkwege. Also wenn wir uns überlegen, wie wir auf eine Idee kommen, dann ist es meistens sehr sprunghaft und sehr quer. Und wenn wir in alle Richtungen anfangen zu denken, uns beeinflussen lassen, dann kommen plötzlich solche Geistesblitze. Und diese Geistesblitze sind allerdings durch alles Mögliche beeinflusst, was uns von der Kindheit bis zum heutigen Zeitpunkt beeinflusst hat und geprägt hat.

Und in diesem Moment, wo dieser neue Gedanke kommt, dann sprechen wir meistens von Kreativität. Also es ist eher so diese Vorstellung, die man hat, bevor man etwas Neues in die Wege leitet.

Und was vor allem De Bono gesagt hat, ist eine sehr interessante Schlussfolgerung. Dass Kreative im Grunde genommen Querdenker sind. Und er nennt das auch divergentes Denken und.

Oder laterales Denken auch, das ist so die gleiche Richtung, indem man in alle Richtungen denkt und alle themenübergreifenden Ideen sammelt, ohne darüber nachzudenken, keine Kritik dabei ausübt, alte Sachen, Altbewährte sind in Frage gestellt und auch scheinbar Widersinniges einfach herauslässt. Und das macht den Kreativen eigentlich aus, dass er diese Ideen auch herauslässt.

Götz Müller: Ja, da möchte ich jetzt mal genau den letzten Satz nochmal aufgreifen. Das macht den Kreativen aus. Und mal hier die Frage in den Raum stellen, wer ist denn eigentlich kreativ, deiner Ansicht nach?

Torsten Kühn: Ja, kreativ ist eigentlich jeder. Das ist so, dass wir bei dem Wort Kreativität immer an revolutionäre Ideen und große Erfindungen denken und Genies wie Leonardo da Vinci oder Einstein oder sowas. Aber eigentlich stecken wir alle voller Kreativität und wir plagen ein beachtliches Potenzial in uns. Da muss einfach nur irgendwie der Funke überspringen. Und das kann man trainieren und systematisch vor allem weiterentwickeln.

Also man muss sich da eigentlich nur trauen dieser eigenen Kraft Raum und Zeit zu geben, und Ideen zu entwickeln und umzusetzen und das sind nicht nur Künstler und Erfinder die kreativ sind, eben auch zum Beispiel die Sekretärin, die einen spontanen Empfang planen soll oder, ja, selbst die Großmutter zu Hause, die aus irgendwelchen Sachen die sie im Kühlschrank hat, kurz mal was zusammen kocht und sagt, okay, ich mache jetzt da irgendwie was draus das wird schon passen und dann hat sie die Idee wie sie es macht. Deswegen, also, Jeder hat da irgendwo ein kreatives Potenzial in sich und das kann man auch trainieren und eben auch entwickeln. Das beste Beispiel, wo ich immer denke, wo wir das ganze Potenzial am besten erkennen, das ist, wenn man Kinder betrachtet.

Man sieht ein Kind vor einem Baum stehen, vor einem Apfelbaum und es überlegt sich, wie es an den Apfel kommt, der da an dem Ast hängt.

Und das Erstbeste, was man sieht, wird genommen, damit man größer ist und man mit einem Apfel dran zu kommen, also irgendwie eine Kiste oder einen Baumstumpf oder irgendwas, wo man sich draufstellen kann. Das sind schon die ersten Ansätze von Kreativität. Und daraus lernt man, also kennt man ja auch, dieses Notmacht erfinderisch, macht einen höchst kreativ, um Probleme zu lösen.

Götz Müller: Ja, da kommt mir jetzt einen Aspekt ganz spontan in den Sinn. Da gibt es ja Versuche, wo man einerseits kleine Kinder, so Kategorie Kindergarten, beobachtet hat und andererseits Affen. Und an manchen Stellen, die Affen den Kindern sogar überlegen waren, was auch solche Problemlösungsaspekte angeht. Und jetzt mal an der Stelle dann ein bisschen weitergesponnen, eben aus dem, was du bisher erzählt hast, Was kann man denn für Erkenntnisse aus den Dingen ziehen, wenn es eben um Kreativitätsprozesse geht?

Torsten Kühn: Also es gibt so ein paar Grundsätze, die man daraus eigentlich ableiten kann. Das eine ist, dass sich bestimmte Faktoren ergeben, die Kreativität natürlich unterstützen.

Da gehört allen voran Neugier. Die Lust und die Leidenschaft an seiner Umgebung dazu, also die Wahrnehmung der Umgebung, die richtige Wahrnehmung, ist sehr, sehr wichtig. Das ist eine Geschichte. Da sind wir aber auch schon beim Problem Nummer eins. Das ist die Prägung in unseren persönlichen Erfahrungen. Das führt alles zu Verhaltensmustern, die wir im Laufe der Zeit entweder als kreativ oder unkreativ betrachten. Das ist aber nur die Oberfläche. Wir beurteilen das. Und genau dieses Beurteilen ist oftmals etwas, was in solche Denkschubladen hineinführt und dann diese Muster unterstützt. Aber das ist keine wahre Kreativität, die dadurch entsteht, sondern das ist meistens das Herausholen von Prägungen und durch, sagen wir mal, Erfahrung und Wissen angeeignete, bereits überprüfte Lösungen. Und genau das ist ja das, was die Kreativität nicht ausmacht. Da entfernen wir uns eigentlich immer von bereits durch Muster bestimmte Bereiche.

Und da ist eigentlich auch die Kreativität oder der Begriff kreativ am ehesten angesiedelt. Also Prägung ist ein sehr, sehr starkes Moment, was da uns sehr, sehr stark auch emotional schon fast beeinflusst.

Götz Müller: Okay, jetzt hast du schon ein bisschen angedeutet, das möchte ich noch etwas vertiefen. Zumindest habe ich das rausgehört, dass es eben auch Kreativitätsbremsen sind oder Hürden, die einem dann im Weg stehen, wenn es um das Thema Kreativität, neue Ideen geht. Was sind da so in deiner Erfahrung die größten Hürden, die größten Bremsen?

Torsten Kühn: Also es gibt schon so ein paar Killer-Faktoren, was Kreativität bremsen kann. Das ist mal, nennen wir es mal, der oberflächliche Ansatz. Das geht tatsächlich um Dinge, die einen direkt beeinflussen können. Also zum Beispiel ganz banal Schlafmangel. Wenn der Schlafwagen leidet, ist einfach nicht sonderlich kreativ. Da funktionieren ganz andere Funktionen im Körper, die einen davon wegbringen, Ideen zu entwickeln. Dann natürlich Angst. Das Thema Angst ist ein sehr, sehr großes Problem. Weil eben, wie gesagt, vorher schon durch Prägung Erfahrungen erzeugt werden, die in bestimmten Situationen zu Ängsten führen. Es gibt so eine typische Angst der Kreativen, man nennt die auch die Angst vor dem weißen Blatt. Das ist fast schon ein Synonym geworden für ein bestimmtes Verhaltensmuster. Also zum Beispiel Schreiber haben den sogenannten Writer's Block.

In dem einfach ein Moment entsteht, in dem die Angst siegt und dieses weiße Blatt nicht besudelt werden darf. So, jetzt kann man da natürlich tiefenpsychologisch rangehen und das wirklich sehr, sehr ausführlich behandeln. Es stecken einfach Urängste auch mit dahinter, die einen dazu bringen, Angst vor der eigenen Kreativität zu haben. Angst vor Lösungen, die nicht sicher sind. Angst vor Verhaltensmustern, die einen außerhalb der bekannten Umgebung führt. Und deswegen kommt ja auch da wieder dieser Spruch zum Tragen, Angst ist ein schlechter Berater. Aber es geht wirklich um geistige Beweglichkeit, die zum Beispiel Kinder eben haben. Kindliche Naivität, Mut, Dinge in Frage stellen, das sind Fähigkeiten, die es zu bewahren gilt und zu fördern gilt. Und an dieser Stelle muss dann eben auch die Angst wirklich versucht in den Griff bekommen. Man muss die Angst vor der Kreativität selbst in den Griff bekommen.

Also ich sage immer, mit Humor geht zum Beispiel alles. Das ist ein sehr wichtiger Faktor, Humor.

Dann natürlich Ärger und Zorn. Es sind auch solche Sachen, wer aus Zorn, also auch aus Ungeduld heraus versucht kreativ zu sein. Man entdeckt gar nicht sein volles Potenzial, bevor die Luft eingesaugt ist, mit der man atmet, kommt schon was raus, was man nachher vielleicht gar nicht so meint. Auch das sind so typische Killer für Kreativität. Und dann natürlich allen voraus der Perfektionismus.

Perfektionismus, das ist so ein Ding. Kreativität mag der Anstoß sein für eine Idee und dann versucht man an der Stelle auch etwas zu schaffen. Es gibt dann einen Prozess, den man so durchläuft, da komme ich später nochmal drauf. Und während diesem Prozess, während diesem Schaffensprozess, in dem das Ganze auch physisch wird, findet man auch wiederum durch Prägung, durch Ansätze wie, wie man etwas bewertet, wie evaluiert wird, ob man etwas gut oder schlecht findet, wie man das in der Umwelt ansiedelt. All diese Faktoren kommen zusammen und kreieren so einen Grundwert. Und wenn man diesen Grundwert nicht erreicht, begibt man sich auf die Ideensuche nach einer Alternative. Das ist so dieser klassische Prozess, die erste Idee kann nicht gut sein. Das ist uns durch Prägung schon irgendwie… So eingepflanzt worden, auch als Kind schon. Ja, da kommt man mit einer Idee an. Ah, das ist doch nichts.

Ja, und genau an dieser Stelle ist Perfektionismus eben einfach der falsche Weg. Man versucht es mit der ersten Idee schon richtig zu machen, ist dann unglaublich frustriert, dass es nicht auf Anhieb funktioniert und verliert die Energie und sucht nach einer Alternative. Und da geht man was mit halbem Dampf rein. Und dann stirbt die Kreativität an dieser Stelle. Es wird immer schlechter und immer schlechter. Also ich behaupte Perfektionismus und Angst, generelle Angst vor der Idee, das sind so die größten Kreativitätskiller.

Götz Müller: Okay, jetzt möchte ich das auch noch ein bisschen vertiefen, vielleicht ein Stück weit, weil ich als leichter Perfektionist damit auch immer mal wieder kämpfe. Wie kann ich die Bremsen überwinden, jetzt zu sagen, ja sei halt nicht perfektisch, manchmal kann ich aus eigener Erfahrung sagen, leichter gesagt als getan. Was sind so deine Tipps, wie überwinde ich sowas? Angst, habe ich nachher noch einen Gedanken, aber speziell auch diesen Aspekt Perfektionismus.

Torsten Kühn: Ja, da gibt es verschiedene Ansätze natürlich. Also Perfektionismus, wenn man mal darauf eingeht, Perfektionismus entsteht ja eigentlich aus der Angst. Es gibt ja so dieses Pareto-Prinzip, 20% Aufwand führen zu 80% Ergebnis.

Wenn uns das nicht reicht, dann ist der Aufwand, den man dann betreiben muss, exorbitant. Und das muss man sich manchmal bewusst machen, um einfach zu sagen, im Ideenstadium, in dem ich Geistesblitze versuche zu kreieren oder auch versuche, die erstmal aufs Blatt zu bringen, ist ein wichtiger Prozess, das einfach nicht zu bewerten. Und sobald man sich beim Bewerten entdeckt, verschwendet man unglaublich viel Zeit. Und was dabei passiert ist, dass alle Ideen, die hinten Schlange stehen, keine Lust mehr haben. Und also das ist immer so mein erstes Ding. Man sollte auch seine eigenen Ideen wie in einem geleiteten, moderierten Brainstorming angehen. Da ist es so, dass es einen Moderator gibt, der innerhalb der Zeit, in der Ideen gestaltet werden, in denen Ideen präsentiert werden, dass diese Ideen nicht bewertet werden dürfen.

Und dann kann man da sehr selbstdiszipliniert auch damit umgehen und sagen, ich stecke mir jetzt eine Zeit, fünf Minuten, und diese fünf Minuten sind nur dafür da, all die Ideen, die ich im Kopf habe, unbewertet aufs Blatt zu schreiben. Also das ist schon mal so der erste Weg, um sich so ein bisschen auszutricksen.

Funktioniert eigentlich immer sehr gut, hat aber auch ein bisschen was damit zu tun, wie die Aufgabe gestellt ist. Und das ist Punkt zwei. Wenn eine Aufgabe nicht klargestellt ist, wenn die Richtung der Aufgabe nicht klar ist, wenn sie nicht einfach und simpel definiert ist, die Aufgabe, dann entsteht auch wiederum eine Kreativitätsbremse, weil man natürlich hinterfragt und dass sich Ängste entwickeln können. Da sollte man schon drauf achten, dass wenn man kreativ sein möchte oder muss, man lieber mal hinterfragt damit die Aufgabenstellung einfach klarer wird, und ganz wichtig und ich glaube das kann man nicht oft genug betonen, man muss Lust drauf haben ich glaube Kreativität entsteht immer nur, wenn man Lust und Leidenschaft für das Thema oder für die Aufgabe entwickeln kann also auch emotional angesprochen wird, wenn einen das nicht ansprengt, dann kommen auch keine guten Ideen dabei raus.

Götz Müller: Okay, jetzt hast du gerade, ich glaube, da wird jeder was mit anfangen, den Begriff Brainstorming erwähnt. Im Grunde ist ja eine Art Methode, eine Art Werkzeug. Was gibt es denn noch für Methoden und Werkzeuge, um Kreativität zu fördern?

Torsten Kühn: Ja, da gibt es einiges. Ich fange mal nicht bei den Techniken an. Ich fange mal damit an, einfach mal Neugier zu wecken. Ich glaube, das größte Problem ist oftmals, dass man sich bei gegebener Aufgabe nicht feststellen kann, wo man sich als Person befindet innerhalb dieser Aufgabenstellung. Das kann man natürlich, um Lust und Leidenschaft, wie ich gerade schon gesagt habe, zu entwickeln, erstmal versuchen, in ein Umfeld zu bringen, in dem man Neugier entwickeln kann, in dem man eine Lust und eine Leidenschaft dafür empfinden kann. Also mein erster Weg ist immer erst mal, die Umgebung dementsprechend auszustatten. Also ich versuche erst mal immer, eine Umgebung zu schaffen, in der ich mich wohlfühle. Ein Umfeld zu schaffen, in dem ich Inspirationen bekomme, die etwas initiieren in mir. Und das kann man natürlich auch für andere anwenden, indem man eben versucht, auch diese Umgebung zu schaffen.

Und wenn es bloß für einen geringen Zeitraum ist. Und beim Brainstorming zum Beispiel als eine der möglichen Techniken, die man dann anwenden kann, hat man ja auch die Möglichkeit.

In dieses Environment andere Personen einzufügen. Und je wohler man sich mit diesen Menschen fühlt, desto kreativer ist man natürlich. Das ist also die erste Möglichkeit, die ich immer versuche anzusetzen, also so eine Art Wohlfühlumgebung zu schaffen. Das ist übrigens auch ein Bestandteil einer sehr interessanten Kreativitätsmethode, die ein sehr berühmter und sehr erfolgreicher Künstler sogar mit seinem Namen versehen hat. Das ist die Walt-Disney-Methode.

In der Walt-Disney-Methode gibt es eben genau diese Ansätze, dass man erstmal versucht, die Träume aus dem Kopf zu entlassen. Also damit wieder Platz ist für andere Gedanken. Und er hat das sehr, sehr interessant aufgebaut. Deswegen mag ich diese Methode eigentlich auch sehr, sehr gerne. Sie hilft einem, neue Perspektiven zu finden zu einer Idee. Und er hat einfach gesagt, er schafft drei unterschiedliche Räumlichkeiten, in denen man sich als Mensch in eine unterschiedliche Handlungs- und Bewertungsposition bringen kann. Das erste ist der Träumer.

Der ist subjektiv und enthusiastisch orientiert. Das heißt, in dieser Umgebung sollte man sich so wohlfühlen, dass man auch träumen kann. Und wenn es auf dem Sofa ist mit einem Feuer vor einem in der Wand und Dinge, die einen in so eine Art Nachdenkprozess bringen, der einem wirklich gut tut, mit dem Kaba daneben oder was auch immer. Und hier werden praktisch Ideen entwickelt, die jenseits von jeglichem praktischen Urteil sind. Und der nächste Schritt ist dann, dies dem Realisten zu übergeben. Der versucht, einen praktischen Standpunkt einzunehmen. Der versucht, Aktivitätspläne damit zu entwickeln. Und der untersucht einfach die notwendigen Arbeitsschritte, damit das weitergehen kann. Also der ist dann eher in so einer Arbeitswerkstattumgebung, in der man Mittel zur Verfügung hat, herauszufinden, wie viel Realitätsnähe hat denn diese Idee.

Und wenn man aus dieser Idee dann die Mechanismen und die Voraussetzungen geschafft hat, dann versucht man den nächsten Raum innezuhalten und das ist dann der Raum des Kritikers.

Und der Kritiker, der ist die Herausforderung, der prüft die Vorgaben der anderen beiden. Und der hat nur ein Ziel, der will aus dieser Idee konstruktive und positive Kritik entwickeln, damit die Fehlerquellen identifiziert werden und diese Idee umsetzbar wird. Und wenn man das als Einzelperson einnehmen kann, ist man schon einen großen Schritt weiter, weil man nämlich angefangen hat, seine ganzen Denkprozesse zu strukturieren. Und das ist schon mal ein sehr, sehr wichtiger Weg, da ein bisschen eine Systematik hineinzubringen. Ich meine, man weiß es, dass die ganzen Kreativen, nennen wir das mal die ganzen Künstler, die wir so kennen, oder eben Menschen, die in bestimmten Momenten kreativ sind, weil sie zum Beispiel in einer Notsituation sind oder sowas, meistens ihre Ideen nicht umsetzen können, weil sie sich nicht strukturieren können.

Und deswegen ist eigentlich diese Walt Disney Methode eine sehr, sehr einfache Methode, um so die erste Struktur mal in seine ganzen Ideen hineinzubringen, um sie auch umsetzen zu können.

Götz Müller: Okay, da haben wir jetzt vor allen Dingen über Einzelpersonen geredet. Manches Brainstorming zumindest kann ich auch in der Gruppe einsetzen. Gibt es noch was, wo du sagen würdest, für eine Gruppe ist das so dein Mittel der ersten Wahl?

Torsten Kühn: Brainstorming, jein. Also Brainstorming ist für mich immer der Anfang, weil es ist für mich ganz wichtig, dass der Kopf frei ist. Der Kopf befreit sich erst, wenn man das Brainstorming geübt hat. Brainstorming kann auch nicht jeder sofort. Also ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass beim ersten Brainstorming in einer neuen Gruppe die Hemmungen einfach zu groß sind, sich wirklich mitzuteilen. Es gibt immer ein paar Platzhirsche, die vor Ideen bersten. Und es gibt immer welche, die sich da nicht trauen. Und das ist aber eine Geschichte, die muss man einfach üben. Und deswegen ist für mich ein Brainstorming trotz alledem immer der Anfang, um Freiheit im Kopf zu schaffen, und zwar für alle Parteien. Und ich kombiniere das aber immer ganz gern gleich mit einer Methode, in der ich dieses erste Ergebnis des Brainstormings versuche, in Zusammenhänge zu bringen. Das ist das sogenannte Mindmapping.

In der Mindmap versucht man, Ergebnisse aus dem Brainstorming ohne zutiefgreifende Bewertung schon mal in den Mittelpunkt zu stellen einer grafischen, virtuellen Karte. Das kann man auf dem Whiteboard schreiben, das kann man auf ein großes Glatt Papier schreiben, je nachdem, wie viele Leute daran beteiligt sind. Und dann versucht man, aus diesen Begriffen, die man dann um diesen Hauptbegriff anordnet, neue Schlüsse zu ziehen, neue Ideen, neue Ansätze, sich neu inspirieren zu lassen für weitere Gedanken, die da dazukommen und hat dann dabei schon eine gewisse Strukturierung vorgenommen. Und diese zwei Faktoren, also diese zwei Techniken zusammengenommen, Brainstorming und das Mindmapping als einen Bogen, führt meistens schon zu einer sehr, sehr kraftvollen Bewegung in eine Richtung. Und wenn ich die Richtung erstmal habe, dann kann ich da wieder weitergehen und kann entweder neue Ideen aufgrund dieser Basis entwickeln, der Fragestellung, die dann entstanden ist.

Oder aber ich versuche einfach, hier jetzt mal den Realisten ranzulassen und das mal zu hinterfragen, was da kommt und Bewertungsschämen zu entwickeln. Das wäre so der erste große, wichtige Schritt, den ich eigentlich fast immer mache am Anfang.

Götz Müller: Jetzt habe ich vor Jahren, kann man da schon sagen, zumindest aus dem Augenwinkel raus, eine Methode mal kennengelernt, wäre schon fast zu viel gesagt, nennt sich Triz. Ist in der damaligen Sowjetunion, wenn ich es richtig weiß, in Russland entstanden. Habe ich so rausgelesen, ich möchte nicht für mich in Anspruch nehmen, dass ich die beherrsche, dass es ein sehr strukturiertes Vorgehen ist, wo ich halt anhand von bestimmten, ich nenne es jetzt mal spontan Denkpfaden, Ideen entwickle oder provoziere aufgrund, was hältst du von so einer Vorgehensweise?

Torsten Kühn: Das kommt aber ganz darauf an, in welchem Moment man steckt in diesem kreativen Prozess. Da kann ich ein bisschen was dazu sagen, weil dieser ganze Prozess, wie er abläuft, das habe ich zumindest im Laufe der letzten Jahre entdeckt, folgt immer einem bestimmten Muster. Und dieses Muster, eigentlich ist das… Ja, paradoxerweise hat Kreativität in seiner Entwicklung, wie wir sie umsetzen, einen gewissen Musteransatz. Und dieses Muster wiederum, ich habe es kreative Spirale genannt, folgt einem Weg. Dieser Weg, der führt über die erste Idee zu einem Moment, in dem durch Prägung, wie ich vorhin schon gesagt habe, Alternativen entwickelt werden müssen. Das ist so ein Drang in uns. Diese Alternativen führen zu einem Moment, in dem man keine Bewertung mehr vornehmen kann, weil sie sich alle angleichen.

Dann fängt man entweder an, an sich selbst zu zweifeln oder aber man fängt an, systematisch vorzugehen. Das heißt, man entwickelt Bewertungsmethoden. Zum Beispiel eine Möglichkeit ist, die Utopien auszustreichen und die ganz schlechten Ideen auszustreichen. Dann bleiben immer noch genügend übrig, die man hoch bewerten kann. Das heißt, aus dem kleinen Ansatz des Mittelmäßigen wird eine 100-Prozent-Ausfüllung und mit diesen geht man dann zum Beispiel nach einem Schulnotenbewertungsprinzip vor, wo man dann sagt, okay, und die beste Idee davon nehme ich jetzt. Das ist mit Sicherheit eine der mittelmäßigen, die man von Anfang an gar nicht ausgewählt hätte, aber in diesem Moment ist es die beste. Und das ist so eine mögliche Systematik, nach der man schon fast automatisch vorgeht. Wer an der Stelle aufhört, fängt am Anfang wieder an.

Und damit das nicht passiert, kann man zum Beispiel diese 180-Grad-Wendung in diesem Kreis, den man gerade geht, durch andere Techniken aufbrechen. Da gibt es zum Beispiel die Flipflop-Technik, die so eine systematische Vorgehensweise ist, wo man einfach die Fragestellung umkehrt. Und das zwingt einen einen Perspektivenwechsel auf, der zu neuen Lösungen führt.

Oder es gibt eine recht bekannte Methode, die vor allem in Gruppen sehr gut funktioniert. Das ist die 5-3-5-Methode oder 5-3-6-Methode, je nachdem, wie man sie ansetzt, wo in einer Runde von fünf Teilnehmern jeweils drei Ideen in fünf Minuten gesammelt werden.

Und jeder schreibt das auf ein Blatt und dann wird in dieser Tabelle wieder eine Spalte gezeugt und dann schiebt man dieses Blatt nach den fünf Minuten dem nächsten Teilnehmer zu und der hat dann die Aufgabe, wieder drei Ideen zu der ersten Zeile des Blatts zu notieren und so weiter, bis man durch ist. Und am Schluss kommen dann circa 75 bis 90 Ideen auf diesen Zettel raus in 25 Minuten. Das ist eine sehr, sehr effektive Methode.

Bedeutet ein bisschen Disziplin. führt vor allem dann zu Ideen, wenn man schon sehr konkrete Vorgehensweisen definiert hat. Also wenn man schon in dem Moment ist, dass die ersten Ideen raus sind und man versucht da einzugrenzen und Bewertungen vorzunehmen, an denen man noch keine Bewertungen fühlt. An solchen Stellen finde ich solche systematischen Methoden immer sehr praktisch, um den Kreislauf zu durchbrechen, dass auch der Frust nicht so hoch ist.

Götz Müller: Jetzt möchte ich so ein bisschen gegen Ende noch einen Punkt adressieren. Eingangs habe ich den Begriff schon genannt, Kreativitätsprozesse. Ich denke, das klang an mehreren Stellen bei dir ja auch an, dass man durchaus sich auf eine Meta-Ebene heben kann und darüber nachdenken, wie bin ich denn kreativ, wie ist man denn kreativ. Dann kommt mir spontan sehr schnell eben der Aspekt Innovation Wenn ich mit meiner Kreativität auf den Markt gehe Wie siehst du da die Zusammenhänge zwischen Kreativität auf der einen Seite Und Innovation auf der anderen Seite Und dann vielleicht drüber oder drunter, je nachdem wie man es betrachten möchte Den Aspekt Prozess, wo ich so die Erfahrung mache Dass die Menschen sagen, Prozess schränkt mich wieder ein

Torsten Kühn: Ja, also Prozess, ich meine, das, was ich gerade vorgetragen habe, ist ja eigentlich ein Prozess, der automatisch schon in uns abläuft. Das muss man einfach anerkennen. Also Kreativität darf man nicht verwechseln damit, dass einem die wilden Gedanken durch den Kopf schießen. Das ist jetzt nicht der wilde Westen. Kreativität ist einfach ein Moment, in dem reflektiert wird, in dem Wahrnehmung eine Rolle spielt, Prägung eine Rolle spielt. Also das läuft alles sehr nach Mustern ab, auch wenn wir das manchmal gar nicht so wahrnehmen wollen. Insofern finde ich dieser Prozessgedanke, was Kreativität angeht, überhaupt nicht falsch. Nur damit sich eben Kreativität entwickeln kann, muss sie ein gewisses Umfeld haben, in dem das auch funktionieren kann. Also eine gewisse Sicherheit zum Beispiel, die man haben muss, damit sich Erfahrungen, die man bereits gemacht hat und Kreativität nicht in den Weg kommen.

Man muss auch in seiner Wahrnehmung sehr ähnlich, sehr, wie kann ich sagen, sehr…

Sehr ehrlich sein. Also Ehrlichkeit in seiner eigenen Wahrnehmung ist sehr, sehr wichtig, damit man Muster erkennt und diese durchbrechen kann, ganz bewusst. Wenn einem diese Umgebung geschaffen wird, zum Beispiel in der Industrie, dann führt das auch zu Innovation. Also es gibt ja diesen Unterschied. Kreativität ist ja nicht Innovation. Kreativität ist ja nur der Prozess, der zu Innovationen führt, also zu dem Neuen, was realisiert werden kann, was eine Realisierungsmöglichkeit überhaupt bietet. Und insofern ist alles, was dazu führt, diesen kreativen Prozess zu unterstützen, natürlich auch eine Möglichkeit, Innovation anzuwenden und Innovation zu erzeugen. Ich glaube, die größten Fehler, die immer gemacht werden, dass man versucht, da logisch ranzugehen und die Logik.

Ist nur ein Bestandteil unseres Denkens. Da gibt es einen alten Spruch auch hier wieder, das ist das sogenannte Shit-in-Shit-out-Prinzip. Das, was wir wahrnehmen, führt nachher zu einem Ergebnis. Das lässt einen vermuten, dass, wenn das Ergebnis falsch wahrgenommen wird, auch das Ergebnis falsch ist. Das ist tatsächlich so. Es gibt nicht diesen Denkfehler. Den wir immer denken, dass wir den tun. Logische Fehler kann man nicht vermeiden, sondern es geht einfach darum, dass man versucht, Wahrnehmungsfehler zu vermeiden. Wenn man versucht, seine Wahrnehmung zu schärfen und die richtige Umgebung für die Wahrnehmung hat, das heißt, die Wahrnehmung auch wenig eingetrübt ist durch äußerliche Ablenkungsfaktoren, dann funktioniert auch das Ergebnis danach. Falsche Wahrnehmung und gute Logik ergibt trotzdem ein falsches Ergebnis. Und das führt oftmals dazu, und das kennen wir ja auch aus der Umgebung.

Was, sagen wir mal, ein falsches Selbstbewusstsein aufgrund von Wissen und Erfahrung angeht, das führt oft auch zu Arroganz. Und das ist das, was da wiederum dazu führt, dass die Wahrnehmung wiederum eingeschränkt und limitiert wird. Das sind alles Killer für Kreativitätsgedanken. Und da steht sich natürlich der Innovationsprozess, also das Umsetzen des Resultats eines Ergebnisses und das Fördern von Kreativität, vor allem in industrieller und ökonomischer Umgebung, natürlich sehr im Wege.

Götz Müller: Ja, und ich glaube aber, das ist zumindest eine These, die ich immer wieder vertrete, Ich muss aber auch Fehler machen dürfen, denn ein neues Wissen, und das ist ja durchaus auch ein Aspekt von Kreativität, neues Wissen zu schaffen, entsteht ja praktisch nur durch Fehler. Wenn ich das Ergebnis schon vorher kenne, mache ich ja schon fast eben was falsch. Und da glaube ich, ist dann eben, wenn wir jetzt wieder in den industriellen, unternehmerischen Bereich reingehen, da ist dann auch die Führungskraft unter Umständen gefragt, dass in der Stelle eben den Mitarbeitern die Freiräume gibt, auch Fehler zu machen. Und da wieder den Punkt, den du eingangs erwähnt hast, eben vermeiden, dass Angst entsteht.

Torsten Kühn: Definitiv. Wir unterscheiden ja in der Psychologie auch von der Außen- und der Innenwahrnehmung. Und Außenwahrnehmung, Sinneswahrnehmung, Innenwahrnehmung ist sowas wie Intuition und Emotion. Dessen muss man sich einfach bewusst sein. Man muss sich damit mit Wahrnehmung bewusst auseinandersetzen. Und da ist Reflexion ein ganz, ganz, ganz wichtiger Aspekt davon. Man muss diese Wahrnehmung einfach hinterfragen dürfen. Und hinterfragen heißt auch, das Ergebnis hinterfragen. Es gibt keine Fehler in dem Sinne. Es gibt nur Experimente mit unterschiedlichem Ausgang. Und ich denke mal, Kreativität ist dann am meisten gefördert, wenn diese Fehler denken. Du hast etwas falsch getan, du hast etwas falsch gemacht, keine Kraft hat. Es geht nur darum, dass man auf dem Weg des Resultates, welches man erzielen möchte, verschiedene kleine Resultate erzeugt und alle in der Summe diesen Weg ergeben. Und da geht es gar nicht darum, ob das jetzt ein falscher oder ein richtiger Weg ist.

Und für mich ist es ganz wichtig, dass da Sicherheit geschaffen wird. In der Erfahrung, also auch Fehler, in Anführungszeichen, Fehlererfahrung, einfach einen Wert hat, der, positiv ist.

Götz Müller: Eine positive Deutung.

Torsten Kühn: Definitiv, ja. Sonst kann man keine Muster erkennen und durchbrechen. Das geht einfach nicht. Also diese Verarbeitung dieser Gedanken muss auf einer positiven Linie passieren. Sonst ist der Gedanken in dem Moment, wo er negativ wird, ausgeklammert. Und es gibt nichts Schlimmeres, als beim Rückblick sich nicht mehr daran erinnern zu können, welches diese Gedanken waren, weil sie hätten in einem anderen Umfeld, eventuell zu neuen Lösungen geführt. Und so hat man sich selbst aus diesem ganzen System herausgenommen und vergisst das. Und das ist das Schlimmste, was passieren kann, dass Ideen und Gedankengänge, die innovativ gewesen wären, vergessen werden. Durch Trägung natürlich, ja.

Götz Müller: Jetzt hattest du mir erzählt, du bist gerade in den Gedanken an einem neuen Buch. Magst du da noch ein, zwei Sätze dazu zum Abschluss erzählen?

Torsten Kühn: Ja, gerne. Und das Buch ist ein bisschen ein Handbuch. Und zwar, ich habe mir, wie gesagt, über die Jahre hinweg, über diesen Prozess, den ich vorhin schon angesprochen habe, die kreative Spirale, viele Gedanken gemacht. Und ich habe auch viele Untersuchungen gemacht. Ich unterrichte jetzt an diversen Schulen, wo es um kreative Themen wie Musik machen, Filmproduktion und Animationsfilm und solche Dinge zu tun hat und, Das Unterrichten macht mir insofern sehr großen Spaß, weil ich zu diesem Thema mit einer These vor die Schüler treten kann, vor die Studierenden, die sich immer wieder bewahrheitet hat, die das immer wieder untermauert hat, dass es diesen kreativen Prozess, diese Spirale auch gibt.

Und in diesem Buch, was ich gerade schreibe, oder ich schreibe eigentlich schon seit einer ganzen Weile dran, weil es eben immer wieder durch neue Einflüsse erweitert wird und vertieft wird, geht es im Grunde genommen um unseren Denkprozess, mit dem wir unsere ersten Ideen weiterentwickeln. Bis an den Punkt, an dem wir sie akzeptieren, als Idee, als kreativen Prozess positiv bewerten, um die Umsetzung, die sich daraus ergeben würde, auch anzufangen. Also es gibt immer so typische Prozesse, wie zum Beispiel der Chef in einer Werbeagentur kommt rein, wir haben eine neue Kampagne für den Kunden XY, der stellt Suppen her und lasst euch was Neues einfallen für die Dosen, die ihr macht. Und dann stehen die Leute erstmal begossen da und einer sagt, ich habe sofort eine Idee. Und dann fängt dieser Prozess einfach an.

Und das stößt an und das Wichtigste dabei ist, zu kommunizieren natürlich, es rauszulassen, mit anderen zu besprechen. Und dieser ganze Prozess fängt an, vorwärts zu laufen. Und diesen ganzen Prozess habe ich untersucht im Detail und habe die Details auch dabei in Versuchen mit Schülern, Ich muss so schön sagen, ich mache keine Tierversuche, ich mache Schulversuche.

Habe ich untersucht jetzt in den letzten zehn Jahren und bin immer wieder zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen bei Menschen, die sich selbst als nicht kreativ halten. Die sogenannten Kreativen, die immer Ideen haben, bei denen trete ich natürlich offene Türen ein. Aber wen ich vor allem damit anspreche, sind Menschen, die einfach sagen, ich bin nicht kreativ. Und das gibt mir eigentlich immer so das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin und insofern versuche ich auch genau diese Menschen mit dem Buch anzusprechen. Ich bin nicht kreativ, gibt es nicht. Man kann das entdecken, man kann den Blick so auf sich selbst richten, dass man diese Kraft entdeckt und dass man sich dabei auch helfen lässt und das entwickelt, und dadurch auch mehr natürlich sein eigenes Selbstwertgefühl, sein eigenes Selbstbewusstsein entwickelt.

Und vor allem, das ist, wie ich am Anfang schon gesagt habe, ganz wichtig, die Angst bekämpfen kann, die einem da im Weg steht.

Götz Müller: Ja, das fand ich jetzt einen schönen Abschluss, weil ich denke, da schließt sich dann die Klammer wieder zu meinem Thema, zu Verbesserungsprozessen, die ja durch Kreativität nur gefördert werden können und auch da eben Angst vermeiden und die Aufgabe von Führungskräften sowas anzustoßen. Dorschen, ich danke dir sehr für die Zeit heute.

Torsten Kühn: Gern geschehen.

Götz Müller: Und bin schon gespannt, wenn dein Buch rauskommt und ich denke, da werden wir uns mit Sicherheit dann weiter austauschen.

Torsten Kühn: Das werden wir auf jeden Fall tun. Vielen Dank, Götz.

Götz Müller: Bis dann, Tschüss.

Torsten Kühn: Bis dann, Götz. Tschüss.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Torsten Kühn zum Thema Kreativitätsprozesse. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 057.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

KI-generierte Zusammenfassung

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Torsten Kühn über Kreativitätsprozesse, ihre Hintergründe, typische Hürden und die Frage, wie sich Kreativität systematisch fördern lässt. Torsten Kühn ist Industriedesigner mit eigenem Designbüro in den 1990er-Jahren, Lehrer für Design, Grafik, Film und Kreativität sowie langjähriger Beobachter kreativer Arbeitsweisen. Seine Erfahrungen aus Design, Musik und Lehre haben ihn dazu geführt, sich intensiv mit den theoretischen Grundlagen kreativen Denkens auseinanderzusetzen.

Zu Beginn klärt Torsten Kühn, was unter Kreativität überhaupt zu verstehen ist. Kreativität ist für ihn kein exklusives Talent weniger Genies, sondern eine grundlegende menschliche Fähigkeit. Der Begriff leitet sich von „creare“ ab, also erschaffen oder erzeugen. Kreativität ist ein schöpferischer Prozess, der uns im Alltag permanent begleitet, auch wenn wir ihn nicht immer bewusst wahrnehmen. Sie zeigt sich nicht nur in Kunst oder Musik, sondern ebenso in alltäglichen Problemlösungen, etwa wenn spontan eine Mahlzeit aus vorhandenen Zutaten entsteht oder eine organisatorische Herausforderung gemeistert wird.

Ein zentraler Gedanke von Torsten Kühn ist, dass Kreativität vor allem im Verlassen gewohnter Denkpfade entsteht. Er greift dabei Konzepte wie divergentes oder laterales Denken auf, bei denen bewusst in unterschiedliche Richtungen gedacht wird, ohne Ideen sofort zu bewerten. Geistesblitze entstehen häufig sprunghaft und quer, gespeist aus Erfahrungen, Prägungen und Eindrücken seit der Kindheit. Kreativ ist somit jeder Mensch, denn jeder verfügt über dieses Potenzial. Besonders deutlich wird das bei Kindern, die unvoreingenommen und spielerisch Lösungen suchen.

Götz Müller greift diesen Gedanken auf und fragt nach den Faktoren, die Kreativität fördern oder behindern. Torsten Kühn benennt zunächst unterstützende Elemente wie Neugier, Leidenschaft und eine bewusste Wahrnehmung der Umgebung. Gleichzeitig warnt er vor starken Prägungen und vorschnellen Bewertungen. Viele vermeintlich kreative Lösungen seien in Wahrheit nur Wiederholungen bereits bekannter Muster. Echte Kreativität beginne dort, wo solche Muster hinterfragt und durchbrochen werden.

Als zentrale Kreativitätsbremsen nennt Torsten Kühn unter anderem Schlafmangel, Angst, Ärger und Perfektionismus. Angst spielt dabei eine besonders große Rolle. Sie äußert sich beispielsweise als „Angst vor dem weißen Blatt“ oder als Furcht vor unsicheren, ungewohnten Lösungen. Perfektionismus beschreibt er als eng mit Angst verknüpft. Wer bereits im Ideenstadium nach Perfektion strebt, blockiert sich selbst. Die erste Idee müsse nicht perfekt sein. Im Gegenteil: Zu frühe Bewertung verhindere, dass weitere Einfälle entstehen.

Um Perfektionismus zu überwinden, empfiehlt Torsten Kühn klare zeitliche Begrenzungen für die Ideensammlung und ein bewusstes Aussetzen der Bewertung. Ähnlich wie in moderierten Brainstormings sollten Ideen zunächst ungefiltert gesammelt werden. Wichtig sei zudem eine klar formulierte Aufgabenstellung. Unklare Ziele erzeugten Unsicherheit und förderten Blockaden. Darüber hinaus betont er die Bedeutung von Lust und emotionaler Beteiligung. Ohne echtes Interesse entstehe kaum kreative Energie.

Im Hinblick auf Methoden nennt Torsten Kühn zunächst das Schaffen einer inspirierenden Umgebung. Wohlbefinden und ein unterstützendes Umfeld seien wesentliche Voraussetzungen. Als strukturierende Methode stellt er die Walt-Disney-Methode vor. Dabei werden drei Rollen eingenommen: der Träumer, der Realist und der Kritiker. Der Träumer entwickelt frei und enthusiastisch Ideen. Der Realist prüft deren Umsetzbarkeit und plant konkrete Schritte. Der Kritiker analysiert Schwachstellen und gibt konstruktives Feedback. Diese bewusste Trennung helfe, Denkprozesse zu strukturieren und Ideen weiterzuentwickeln.

Für Gruppen empfiehlt Torsten Kühn eine Kombination aus Brainstorming und Mindmapping. Brainstorming dient dazu, den Kopf freizumachen und Hemmungen abzubauen. Mindmapping strukturiert die entstandenen Ideen visuell und zeigt Zusammenhänge auf. Ergänzend nennt er strukturierte Verfahren wie die 5-3-5-Methode, bei der in kurzer Zeit viele Ideen systematisch erzeugt werden. Solche Techniken seien besonders hilfreich, wenn der kreative Prozess ins Stocken gerät oder eine neue Perspektive erforderlich ist.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kreativität, Prozessdenken und Innovation. Torsten Kühn betont, dass Kreativität durchaus einem Muster folge. Er beschreibt eine „kreative Spirale“, in der Ideen entstehen, Alternativen entwickelt, bewertet und ausgewählt werden. Prozesse seien daher kein Widerspruch zur Kreativität, sondern könnten sie unterstützen. Entscheidend sei ein Umfeld, das Sicherheit biete und ehrliche Wahrnehmung ermögliche.

Innovation versteht Torsten Kühn als das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Kreativität allein sei noch keine Innovation, sondern der Weg dorthin. Fehler spielten dabei eine wichtige Rolle. Götz Müller hebt hervor, dass neues Wissen häufig durch Fehler entstehe. Torsten Kühn ergänzt, es gebe im Grunde keine Fehler, sondern nur Experimente mit unterschiedlichem Ausgang. Entscheidend sei eine positive Deutung, die Lernen ermögliche und Angst vermeide.

Zum Abschluss berichtet Torsten Kühn von seinem geplanten Buch, in dem er seine Erkenntnisse zur kreativen Spirale und zu Denkprozessen systematisch darstellt. Ziel ist es insbesondere, Menschen anzusprechen, die sich selbst für unkreativ halten. Seine zentrale Botschaft lautet: Kreativität ist in jedem Menschen angelegt und kann entdeckt, entwickelt und durch geeignete Rahmenbedingungen gefördert werden.

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