Inhalt der Episode
- Was sind Solopreneure?
- Was unterscheidet das Marketing für Solopreneure von dem anderer Unternehmensformen und -größen?
- Wie können Solopreneure mit anderen Unternehmensformen mithalten?
- Welche Rolle spielen die verschiedenen Markenausprägungen für Solopreneure?
- Wo haben es Solopreneure leichter als andere Unternehmen?
- Welche Fehler machen Solopreneure in ihrem Marketing und wie lassen sich diese Fehler vermeiden?
- Was können Solopreneure im Marketing von anderen Unternehmensformen lernen?
- Was lässt sich aus dem Solopreneur-Marketing auf andere Unternehmensformen und -größen übertragen?
Notizen zur Episode
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(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.
Episode 071 : Marketing-Prozesse für Solopreneure
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Ehrenfried Conta Gromberg bei mir im Gespräch. Ehrenfried Kontakromberg von den Smart Business Concepts. Er bezeichnet sich als Unternehmer, der sein Unternehmen aus dem Homeoffice rausgegründet hat. Erstmal hallo Herr Conta Gromberg.
Ehrenfried Conta Gromberg: Ich grüße Sie. Ich freue mich, dass ich dabei sein kann.
Götz Müller: Ja, das freut mich auch, dass Sie dabei sind. Jetzt mache ich das so wie bei allen anderen Gesprächen auch immer. Sagen Sie noch ein, zwei Worte mehr zu sich, bevor wir dann ins Gespräch einsteigen.
Ehrenfried Conta Gromberg: Ja, dass meine Frau und ich, wir uns als Unternehmer verstehen, ist insofern etwas Besonderes, weil wir in diese Sache hineingerutscht sind. Wir haben nach dem Studium ein erstes Unternehmen gegründet. Damals wirklich aus dem Wohnzimmer, so wie man sich das klassisch vorstellt. Nur mit einem Laptop und haben so weitergemacht. Wir haben also vier GmbHs innerhalb von jetzt nahezu 25 Jahren gegründet und sind immer im Homeoffice geblieben. Und das war für uns erstmal der logische Weg. Und erst im Nachhinein ist uns dann aufgefallen, dass das nicht die ganz normale deutsche Biografie ist. Und daraus sind dann alle anderen Bausteine, in denen wir heute arbeiten, eigentlich gewachsen.
Götz Müller: Jetzt ist der Titel der Episode ja Marketingprozesse für Solopreneure. Unternehmer, glaube ich, hat jeder so sein, mindestens ein Bild. Bei dem Begriff Solopreneur geht es wahrscheinlich nicht jedem so. Deshalb vielleicht zum Einstieg erstmal die Frage, wie definieren Sie Solopreneur?
Ehrenfried Conta Gromberg: Ich fange mal mit der Geschichte an, warum wir uns diesen Begriff geschnappt haben. Wir sind in Amerika darüber gestolpert, also haben wir in den USA gefunden und sagten, wir brauchen den hier in Deutschland. Weil, wenn man Unternehmer sagt, denken die Leute an die klassischen Unternehmen. Sie sehen Fabriken, sie sehen Gebäude, alles Mögliche, viel Infrastruktur. Und wenn wir heute in Berlin oder in Hamburg von einem Start-up sprechen, dann denken die Leute an hippen Teams, an viel Investmentkapital und andere Dinge. Und das, was es mit der digitalen Revolution auch gibt, nämlich eine Schicht von unternehmerisch denkenden Menschen, Entrepreneuren, die ihre eigenen Geschäftskonzepte aufbauen, das aber schlanker tun und häufig aus dem Homeoffice wie wir, das wurde bisher nicht adressiert. Und deswegen haben wir den Begriff Solopreneur draufgesetzt. Und er unterscheidet sich zu dem klassischen Selbstständigen. Das heißt, ich sage jetzt mal der Webdesigner.
Der Webdesigner arbeitet als Freelancer vielleicht auch von zu Hause oder aus einem Büro irgendwo in der Stadt, aber er arbeitet Auftrag für Auftrag ab. Und Solopreneure achten darauf, dass sie wie bei einer großen Firma, nur mit einer anderen Infrastruktur eigene Marken aufbauen. Sie arbeiten mit eigenen Produkten und das ist der große Unterschied.
Götz Müller: Ja, das möchte ich noch ein bisschen mehr vertiefen. Wie würden Sie sagen, wie unterscheidet sich dann eben und auch aufs Marketing bezogen, wie unterscheidet sich dann das Marketing für diesen Personenkreis, für Solopreneure von dem von anderen Unternehmensformen und Größen?
Ehrenfried Conta Gromberg: Als wir vor über 20 Jahren anfingen, haben wir klassische Beratung gemacht, also Projektarbeit. Das heißt, wir sind dann langsam in diese neuen Formen hineingeglitten. Und damals, als wir als Berater starteten, haben wir die ganz klassischen Tipps bekommen, die jeder Berater, Consultant bekommt. Wenn man sich einen Kundenstamm aufbaut, holt Druck die Visitenkarten, geh auf irgendwelche Netzwerktreffen, sei freundlich, sprich mit Leuten, tritt kompetent auf, mach Vorträge. Also so, wie ein Selbstständiger sich einen Kundenstamm aufbaut. Und das Ziel ist dabei, dass man Kunden kennenlernt und diese Kunden einen beauftragen. Und jeder Job ist individuell und danach wird eine Rechnung geschrieben. Und in dem Moment, als wir dann einstiegen in digitale Geschäftskonzepte, merken wir, dass das ein ganz, ganz anderes Ding ist. Das bedeutet, dort baut man Prozesse auf und diese Prozesse haben ein ganz anderes Marketing.
Und das Thema hat uns seitdem die letzten Jahre nicht mehr losgelassen, dass man einfach sich anders aufstellen muss, weil man auf ganz andere Kunden zugeht.
Götz Müller: Was würden Sie denn sagen, wenn man jetzt eben den Kontrast betrachtet zu anderen Unternehmensformen? Jetzt bin ich so die Einzelperson als Selbstständiger, das haben Sie schon angedeutet, trete ich unter Umständen doch in Konkurrenz. Was ist da der Unterschied bei Solopreneuren? Wie halten die mit anderen Unternehmensformen mit?
Ehrenfried Conta Gromberg: Also die stecken eigentlich genau zwischen Rinde und Borke. Das bedeutet, sie sind prozessorientierter aufgebaut als das, was der klassische Freelancer oder Selbstständige tut. Das heißt, sie haben eigene Produkte, sie haben eigene Prozesse, Serviceprozesse oder andere. Aber sie sind nicht so groß wie die großen Firmen, obwohl sie manchmal eine Ähnlichkeit zu den großen Firmen haben. Das heißt, wenn ich auf die Webseite eines Solopreneurs gehe, kann es sein, dass dort Services oder Leistungen angeboten werden, wo ich fast Ähnlichkeiten habe zu großen Firmen. Dahinter steckt aber eine kleinere, schmalere, smartere Infrastruktur.
Götz Müller: Wie kann man dann da mithalten mit dem, was ein großes Unternehmen mitbringt?
Ehrenfried Conta Gromberg: Indem er nicht so groß wird. Das bedeutet, der spannende Punkt ist, als wir unseren ersten Start-up in Hamburg hatten, waren wir gebrieft viel Geld ausgeben. Das heißt, Fremdkapital aufnehmen, viele Leute anstellen, viel programmieren, schnell am Ziel sein, möglichst das Ding groß bauen und wir haben pro Monat richtig viel Geld verbrannt.
Und als wir dann diesen Startup verloren, weil er abgeräumt wurde mit der gesamten Dotcom-Krise, haben wir uns hinterher gefragt, warum haben wir das eigentlich so gemacht? Also warum haben wir per se so viel Infrastruktur aufgebaut, wenn man viele von diesen Sachen doch gar nicht braucht? Wenn man kein Büro braucht, wenn man keine Schreibtische braucht, wenn man festangestellte Mitarbeiter nicht braucht, wenn man ja selbst den Code, den wir damals gebaut haben, eigentlich nicht brauchte, weil man vieles davon hätte fertig zusammenstecken können bei anderen. Und in dem Moment, wo man glaubt, dass man mit VW Konkurrent sein müsste und selber Auto bauen müsste und selber eine Produktionsstraße für Autos aufbaut, dann brauche ich sehr viel Kapital, dann komme ich auch alleine nicht durch.
Wenn ich aber anders denke und sage, wie kann ich als Einzelner mit kleineren Tools, mit kleineren Bausteinen Geschäftsprozesse aufbauen, die ich selber steuern kann, dann kann ich sehr wohl in kleinen Bereichen mit großen Firmen mithalten. Das bedeutet, dass ich ein Produkt bei Amazon so handele, dass es ein Erfolg wird, dass ich einen Service anbiete, der durchaus einen Stich machen kann, dass ich als Experte mich als Autor positioniere und erfolgreich Bücher verkaufe und nicht in einem Verlag bin oder nicht für einen großen Verlag schreibe. Das heißt, ich kann unter dem Radar der Großen fliegen und in einem Segment erfolgreich sein.
Götz Müller: Jetzt klang das für mich schon ein bisschen an. Zum einen haben Sie zum Teil, klar, Prozesse erwähnt, dann haben Sie Produkte erwähnt, Sie haben Bücher, also auch eine Form von Produkten, aber ich glaube nochmal ein bisschen was anderes, wie das Bild eines klassischen Produktes vor dem Auge hat. Und was gibt es denn für Ausprägungen von Solopreneuren?
Ehrenfried Conta Gromberg: Also wir hatten, als wir tief in die Szene einsteigen und uns sehr, sehr intensiv beschäftigen, haben gesagt, welche normalen Erfolgsmuster gibt es da draußen. Haben mit vielen Solopreneuren gesprochen, haben auch sehr, sehr viele begleitet. Und rausgekommen ist bei unserer Analyse, dass es ungefähr fünf große Routen gibt. Es gibt einmal die Produzenten, die also selber etwas herstellen. Das kann ein Gummistiefel sein, das kann ein technisches Gerät sein, das können Lebensmittel sein. Es gibt sehr viele Foodmaker, die die Sachen herstellen, wenn es nur ein einzelnes Lebensmittel ist. Zweite Gattung sind die Händler. Das heißt, dadurch, dass die Online-Marktplätze frei sind, dass ich die selber bestücken kann, wie Amazon, wie Etsy und wie sie alle heißen, kann ich dort draußen eine Handelsexistenz aufbauen, ohne ein klassisches Kaufhaus zu sein. Das Dritte, und das ist unsere Lieblingsgattung, sind die Experten.
Das sind also Solopreneure, die mit Wissensprodukten online unterwegs sind, Vom Autor über die ganzen Kursanbieter bis hin zu Public Speakern, die sich aber anders organisieren. Da gibt es ein großes Feld.
Das vierte sind die Service-Modelle. Die sind ein bisschen schwieriger immer zu denken, aber es gibt viele Solopreneure, die Services anbieten, die standardisiert sind. Also nicht der individuelle Freelancer, sondern die über einen Online-Prozess Beratungsleistungen oder klassische Dienstleistungen makeln. Und das fünfte sind dann die Erlebnismodelle, das sind die Kreativen. Da gibt es ein ganzes Spektrum über Musik, über…
Spiele, was auch immer, das heißt Erlebniswelten, das sind die fünf großen Trassen.
Götz Müller: Jetzt wird es ja, glaube ich, so in meinem Weltbild, den Aspekt Solopreneur in dieser Form gar nicht geben, wenn es eine gewisse Vorteile hätte. Vorteile für die Solopreneure selber, eventuell auch Vorteile für deren Kunden, weil sie sie ja dann beauftragen. Was würden Sie sagen, wo haben es Solopreneure leichter als klassische Unternehmen?
Ehrenfried Conta Gromberg: Sie sind schlanker. Das ist wie ähnlich bei den Autos. Wenn wir sagen, der Smart ist ein kleines Auto, was sich auf der Straße sehr gut wenden lässt und in jeden Parkplatz reinpasst, dann ist es das Gleiche mit einer kleinen, kompakten Firmeneinheit. Wenn man mit zwölf Leuten angestellt arbeitet, muss man schon kalkulieren, wie viel Geld in der Kasse pro Monat reinkommt. Sonst kann man den Personalstamm nicht halten. Und das fällt einem als Solopreneur, der ein Netzwerk, ein flexibles Team um sich heraus hat, mit Freelancern viel leichter, hoch und runter zu skalieren. Zu sagen, wir bauen auf und wir gehen auch mal eine Wende. Das heißt, man kann viel strategisch schneller entscheiden, was man tut. Und das bedeutet, dass man mit der eigenen Person in der Biografie besser die Lücken füllen kann, die gerade da sind.
Man schreibt also das Buch, wenn man die Zeit hat, die Lücken hat, und bringt es dann auf den Markt. Man arbeitet an seinem Produkt, wenn es passt, und man kann es dann eher, wie soll man sagen, ein großes Unternehmen muss viel gründlicher planen und ist dafür aber auch festgenagelter. Und das hat man als Solopreneur nicht. Man kann schlanker in die Sachen hinein.
Götz Müller: Jetzt haben Sie eingangs von Ihrer eigenen Erfahrung gesprochen, ein Stück weit gescheitert, also irgendwo sind halt Fehler passiert und jetzt möchte ich das ein bisschen verknüpfen mit dem Thema Marketing an sich, also Marketing für Solopreneure. Was würden Sie sagen, Deshalb sind Sie ja irgendwo auch mit dem aktuellen Thema in den Markt gegangen. Wo machen denn Solopreneure immer noch Fehler in ihrem Marketing? Und dann natürlich auch, wie kann man daraus lernen? Also wie kann man die Fehler vermeiden?
Ehrenfried Conta Gromberg: Also wir haben eine von unseren vier Firmen verloren. Nicht alle. So gesehen geht es uns ganz gut. Und die erste Firma, die wir gegründet haben, ist heute noch die Trägerfirma von unseren Solopreneur-Projekten. So gesehen war diese zweite Firma, wo wir im Start-up-Markt sehr schnell unterwegs waren, ein…
Eine Erfahrungsstrecke. Und zwar bin ich heute sehr hellhörig, wenn Leute sagen, man scheitert dort draußen. Das ist eine deutsche Haltung. Also wir haben Erfahrungen gesammelt und die haben uns einiges gekostet, aber sie haben uns viel weitergebracht. Und ohne diese Erfahrung würden wir nicht dort sein, wo wir heute sind. Das bedeutet, damals haben wir uns sagen lassen, seid groß, seid schnell, gebt Geld aus und macht einfach Geschwindigkeit. Wenn man als Solopreneur sich diesem Diktat nicht mehr unterzieht und sagt, Größe ist nicht mehr das Entscheidende, also ich muss nicht sofort ein großes Team haben, ich muss nicht Hunderttausende von Euro auf dem Konto haben und macht sich davon frei, dann hat man erstmal weniger Geld in der Kasse. Das ist eine Schwierigkeit, aber noch kein Fehler und man hat Flexibilität.
Wenn man jetzt in dieser kleinen, kompakten Aufstellung Fehler macht, dann passieren sie meistens, dass man doch so groß sein will wie die Großen. Dass man also dann sagt, okay, ich hole mir zu viele Termine rein, ich hole mir zu viele Produkte auf einen Schlag, die ich umsetzen möchte. Und dann wird aus dieser schlanken Aufstellung eine Belastung. Man möchte zu viel auf einmal. Man sagt, ich möchte eine Webseite, einen Facebook-Kanal, einen YouTube-Kanal, was auch immer, gleichzeitig aufbauen, wie ein Profi bespielen. Und dann kommt man als einzelne Person doch an die Grenzen, dass der Tag eben doch nur 24 Stunden hat. Und da sind, glaube ich, die Hauptfehler, sich zu verzetteln und keine Marketingstruktur haben, also keine Strategie, wenn man es Stück für Stück aufbaut.
Götz Müller: Was können umgekehrt aber Solopreneure dann eventuell doch eben von anderen Unternehmensformen, typischerweise eben dann von etwas Größeren, was können die da lernen?
Ehrenfried Conta Gromberg: Dass man den Mut hat, eine eigene Marke zu sein. Der klassische Selbstständige, also jetzt der alte Berater oder Person, die jetzt als Freelancer arbeiten, haben das Denken zu gering von sich. Sie denken wie ein Dienstleister. Das heißt, ich bin, Peter Mayer und ich biete meine Leistungen an und die Leute buchen mich. Das ist aber keine Markenbildung. Dahinter steckt kein Konzept. Große Firmen gehen da viel strategischer vor. Sie sagen, was ist eigentlich die Linie, auf der wir sind? Was ist der Markenkern? Und was für Produkte gehören zu dieser Marke dazu? Und das geht über kleinere Dienstleistungen hinaus. Und diese Größe zu sagen, strategisches Marketing zu denken, das machen Solopreneure immer mehr. Und damit haben sie quasi die strategische Positionierung einer großen Marke, ohne die Infrastruktur vorhalten zu müssen.
Götz Müller: Was würden Sie sagen, wenn man den Spieß umdreht, können eventuell, also ich erlebe das an anderer Stelle auch, können eventuell aber auch große Unternehmen, andere Unternehmensformen von Solopreneuren was lernen?
Ehrenfried Conta Gromberg: Absolut. Also ich habe vor kurzem mit Leuten telefoniert von großen Firmen, die dort riesengroße Online-Shops einbauen, also wirklich großen Shops. Und früher war die Denke, sowas muss selber programmiert werden. Also dann riesen Datenbanken drunter geschraubt, riesen Frontends programmiert, ganz viel Geld investiert. Und dann redete ich mit denen und die sagten, wir sind jetzt auf ein neues Konzept gekommen. Wir werden Magento. Magento ist ein Open-Source-Shop, der mächtig ist, aber das ist ein Tool, eine Komponente, die eigentlich offen auf dem Markt liegt. Wir holen uns einmal einen Magento-Shop und schrauben den rein und schauen mal, was passiert. Das spart den Hunderttausende von Euros, dass sie erstmal sehen, wie sie mit dieser Open-Source-Komponente weiterkommen. Und dann ein paar Schnittstellen anzubauen und die zu skalieren, anzuspitzen, das ist ein leichtes Ding.
Und die Erfahrung von vielen mittelständischen, zum Teil auch großen Firmen, ist, dass sie mit diesen Komponenten durchaus längs kommen.
Götz Müller: Ja, das finde ich jetzt einen spannenden Aspekt. Aus der Softwareentwicklung, das ist so mein persönliches früheres Leben, da haben wir das durchaus vor 15 Jahren auch schon Open Source verwendet, allerdings in einem ganz anderen Umfeld, nicht in diesem, nennen wir es mal, kommerziellen Softwareumfeld, wo man glaube ich schon immer eher dazu neigt, entweder was ganz von der Stange zu kaufen, SAP und Co., oder dann eben wirklich was eigen zu entwickeln.
Ehrenfried Conta Gromberg: Ja, und diesen Mittelweg zu finden, zu sagen, ich glaube, jeder muss irgendwo etwas Eigenes entwickeln, damit auf dem Markt entstehen kann. Aber dieses eigene, was man entwickelt, ist in meinen Augen das Produkt oder die kreative Leistung. Und bei der Infrastruktur würde ich erstmal schauen, sind denn Sachen da, die man verwenden kann. Und einige der mächtigsten Webseiten der Welt werden mit WordPress geflogen. Also zu sagen, WordPress ist wackelig und nicht sicher und so weiter, ist nicht ganz richtig, wenn man sieht, dass sehr, sehr große Markenfirmen dieses Tool nutzen. Und jetzt zu sagen, ich muss unbedingt etwas selber haben, ich glaube, davon können große Firmen weg und zwischendurch mal erstmal ein kleines Schnellboot ins Wasser setzen.
Götz Müller: Jetzt würde ich ganz gerne noch den Punkt, Sie haben es ein bisschen angedeutet, Produkte, Marke für sich selber entwickeln Da steckt ja noch was dahinter, da steckt sowas dahinter wie eine Geschäftsidee, die jetzt halt über das kleine klassische Bodyleasing irgendwo, also Zeit gegen Geld zu tauschen hinausgeht. Was können Solopreneure da tun, um ihre eigene Geschäftsidee überhaupt einmal so als solche wahrzunehmen und auch zu differenzieren und zu leben?
Ehrenfried Conta Gromberg: Also wir haben in den letzten Jahren ja sehr intensiv in unseren Gruppen mit Solopreneuren gearbeitet und Geschäftsmodelle neu geschmiedet und häufig auch die Geschäftsmodelle von Selbstständigen umgewandelt. Und wir haben gemerkt, dass wir mit den klassischen Tools wie mit der Canvas zu kompliziert wurden. Das war für mächtige, große Geschäftskonzepte gedacht. Und das, was dann am meisten geholfen hat, war die Produkttreppe, mit der wir jetzt seit vier Jahren inzwischen arbeiten. Das bedeutet, dass wir ganz einfach sagen, wenn Sie eine Marke aufbauen wollen, wenn Sie eine Produktlinie aufbauen, egal ob das jetzt als Händler ist oder als Hersteller ist oder als Experte, dann denkt immer an der Produkttreppe. Denkt nicht an ein einzelnes Produkt. Überlegt, wie ihr drei, vier, fünf Produkte in eine Linie stellen könnt, die sich miteinander ergänzen. Auf welcher Stufe stellt welches Produkt und wie hat das eine Beziehung zueinander?
Und wenn man diese Beziehung zueinander definiert, dann kommt man dem Marketing näher, weil man sagt, okay, das erste Produkt hat gar nicht die Aufgabe, Gewinn zu erwirtschaften. Es hat die Aufgabe, eine Reichweite aufzubauen. Das zweite Produkt ist vielleicht eben so. Das dritte und vierte Produkt sind dann tragende Produkte, die müssen Gewinn erwirtschaften, müssen auch entsprechend konzipiert werden, auch beworben werden. Und dann gibt es darüber spannendere Produkte, die vielleicht Premium-Segmente bedienen. Und diese Logik, diese Stringenz in einer Produktlinie, das ist das, wo wir glauben, da spielt eigentlich die Musik.
Götz Müller: Ja, und ich glaube dann, daraus leidet sich nämlich fast zwangsläufig, wenn ich darüber nachdenke, auch eine geeignete Form des Marketings ab.
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig, weil wenn Sie von Fehlern am Anfang gesprochen haben, es gibt viele Selbstständige, die haben mal ein Produkt, die haben mal ein Buch geschrieben oder die haben mal irgendein Gerät zusammengebaut. Und das hängt aber einzeln in der Luft. Und darum gibt es viele Sachen, die sie auch noch machen. Das sind solche Bauchläden. Und da ist viel Wissen dabei, auch viel Passion, aber es ist keine Stringenz. Und da rauszugehen und zu sagen, wenn ich möchte, dass ich im Markt, Beispiel mit einer bestimmten Grillform, also wir hatten jetzt einen Maker, einen Metallmaker, also einen Metallbauer in der Gruppe, der sich gefragt hat, wie kann ich einfache Produkte mit Cut-Stahlbaukenntnissen herstellen. Er hat vorher große Geräte gebaut und er sagt, er möchte kleiner, smarter werden und hat sich für den Grill entschieden, weil er den Grill sehr schnell designen kann und auf CAD-Programmen das sehr gut erstellen kann.
Und dann hat er sich die Frage gestellt, aber was ist denn für eine Marke? Also wenn ich jetzt Grill, Stahlgrille herstelle, übrigens in so einer Zwischending aus Handproduktion und halbautomatisierter Fertigung. Wenn ich das tue und wenn ich dann 100 Grille habe oder also in der ersten Charge, ersten Typ, zweiten Typ, was ist denn die rote Linie dazwischen?
Jetzt da ein Thema drüber zu denken. Und bei ihm ist es so, dass er als Unterscheidungsmerkmal zu den vielen Grillen, die im Bauhaus stehen, das Holz entdeckt hat. Weil Grillen mit Holz ist eine Leidenschaft von ihm, kennt er sich aus. Also hat er eine Grillserie aufgelegt, die perfekt ist für Grillen mit Holz. Also nicht mit Kohle, sondern mit Holz. Dafür braucht man einen anderen Rost. Dafür braucht man ein paar Sachen, die am Grill anders sind. Es sind wenige Details, aber durchaus wichtige. Und da sich jetzt darauf zu spezialisieren, zu sagen, ich baue eine Marke auf, die für Leute, die mit Holz grillen wollen, die besten Grille steckt. Das ist eine Markenstrategie und geht über ein reines Tüfteln hinaus.
Götz Müller: Was würden Sie jetzt jemandem einen Rat geben, der ganz am Anfang steht? Also ich habe da gerade so zwei Bilder vor meinem geistigen Auge. Einmal jemand, der am Anfang steht, einer, nennen wir es mal noch klassischen Selbstständigkeit, aber vielleicht dieses Bewusstsein schon hat, ich möchte mich differenzieren, wo sollte der einsteigen?
Ehrenfried Conta Gromberg: Wir fragen immer nach dem Thema und zwar nicht nach den Fähigkeiten wenn man einen Selbstständigen hat, der jetzt etliche Jahre im Beruf ist dann ist dieser Mensch professionell und er kann viel, das heißt er kann von mir aus programmieren, er hat, Ideen, wie man Projekte leitet er hat Skills, wie man Office-Programme benutzt, alles mögliche das ist aber nicht sein Thema, sein Thema liegt irgendwo anders was wäre das, was sich dort draußen erstellen oder weiterbringen möchte. Und diese Themenfrage, die rastern wir durch diese fünf Kanäle durch, dass wir sagen, wenn du etwas als Produkt herstellen wolltest, was für ein Produktthema hättest du? Beispiel, die Frau von Kochtrotz hat Lebensmittel für mehrfach Allergiker.
Das ist ein sehr, sehr konkretes Fenster, in dem sie dann Rezepte erstellt und ist dann überlegt, ist sie eine Produzentin, die diese Lebensmittelmischung dann selber verkauft oder ist es ein Expertenmodell, wo sie ein Kochbuch draus macht? Also das runterzugehen, also aus dem Thema leite ich dann Produktlinien ab. Das Thema wäre also das Maßgebliche.
Götz Müller: Und aber eben auch, ihr kam dann sofort zum Begriff wie Nische in den Sinn.
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig, wobei der Nischenbegriff häufig… Ein bisschen zu eng gedacht wird. Und zwar im Sinne der Engpasszentrierung denken viele Leute, eine Nische ist, wenn ich einen Engpass gefunden habe, wo ich alleine drin bin. Also ich bin der Einzige, der die Stradivari-Geige mit blauen Seiten bespannt. Dann habe ich meine Nische. Die Frage ist nur, ob es sehr viele Leute gibt, die Stradivaris mit blauen Seiten haben möchten. Das bedeutet, es gibt durchaus Nischenpositionierungen, wo ich in die Breite gehe. Also ich kenne Solopreneure, die haben banale, Frau, die hat Englisch-Kurse für Leute, die nicht an der Schule Englisch lernen wollen. Das ist keine, spitze Positionierung, aber eine, wo sehr viele Menschen unterwegs sind. Und sie hat ein E-Mail-Lust, die hat er aufgebaut mit 50.000 Kunden inzwischen und lebt sehr gut davon. Das bedeutet, ich kann durchaus eine Nische definieren, die auch breit ist. Beides ist möglich.
Götz Müller: Ich denke, auf jeden Fall muss natürlich ein Bedarf da sein, sonst bringt mir die Nische nichts, wenn ich das so klein mache, dass da kein Bedarf drinsteckt. Okay, das war jetzt die, nennen wir es mal die eine Ausprägung, zum Abschluss vielleicht noch dann eben die andere Ausprägung, jemand, der schon eine Weile unterwegs ist, als, wie Sie es anfänglich gesagt haben, als klassischer Selbstständiger und da jetzt irgendwo eine, nennen wir es mal Unzufriedenheit verspürt, Mit dem, so wie er aktuell vorgeht, was würden Sie dem einen Tipp geben zum Einstieg?
Ehrenfried Conta Gromberg: Also eine Analyse der Dinge, die er bereits tut und rauszubekommen, was dort die Energieräuber sind, die Zeiträuber. Und wenn man jetzt aus der Stundenarbeit, also aus der Honorararbeit raus will, dann muss man ja eine Etage nach oben klettern. Das bedeutet, wenn ich der Webdesigner bin, der bisher die Webseiten gebaut hat, dann sind das individuelle Aufträge. Und wenn ich das abschütteln möchte und ich möchte nicht mehr individuell an Aufträgen arbeiten, dann muss ich jetzt eine neue Idee haben mit meinen Fähigkeiten. Und entweder baue ich selber eine Webseite, die irgendetwas verkauft, also ich nehme meine Fähigkeiten für ein eigenes Modul, oder ich verkaufe mein Wissen als Experte und sage, ich schreibe jetzt ein Buch darüber, wo das Buch nicht alleine ausreichen wird, aber man baut ein Programm auf, wo ich anderen zeigen, wie sie Webseiten programmieren.
Oder ich mache zum Beispiel, wie das einige Programmierer tun, Ich baue ein Service auf, wo ich in der Mitte andere, die programmieren, dispatsche und baue dafür Logiken auf, die sehr, sehr schlank über Tools laufen, sodass ich eigentlich nicht mehr der Ausführende bin, sondern ein Gruppenleiter, der darüber steht. Also es gibt verschiedene Modelle, wie ich mich auf eine neue Ebene nach oben ziehen kann.
Götz Müller: Bei mir geht es spontan eben dann der Gedanke durch den Kopf, ich gucke, wie ich mich multiplizieren kann. Kann man das so zusammenfassen?
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig, absolut. Und dieser Begriff der Skalierung, ich nenne ihn schon nicht mehr, weil manche Leute immer sagen, was ist Skalierung? Aber definitiv ist das der Kernbegriff. Also ich sage immer…, habe ich einen Hebel, wo ich die Stunde, die ich habe, für zehnfachen oder für hundertfachen kann. Bei einem Buch ist es am einfachsten demonstriert. Also wenn ich das Buch schreibe, kostet mich das etliche Zeit. Aber wenn es mal geschrieben ist, kann es tausendfach verkauft werden. Deswegen gibt es auch bei den Experten die Kino-Speaker, die ich definitiv als produktorientierte Menschen ansehe, weil sie, wenn sie Veranstaltungen aufbauen, Tickets verkaufen können und dadurch in eine Skalierung hineinkommen. Und das ist was anderes, als wenn ich als Berater eins zu eins jemandem gegenüber sitze. Das heißt, wo ist also der Hebel, wo die Mängel passieren kann.
Götz Müller: Ja, und dann abschließend kommt mir eben auch in den Sinn, und dann hat der Begriff des Unternehmers eben auch wieder seine Berechtigung, weil ich dann eben nicht mehr nur durch mich als Einzelperson wirke.
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig, und das ist auch das Schwerste, wenn also klassisch eingefleischte, altgediente Selbstständige in unseren Gruppen sind, dann ist immer noch dieser Instinkt, ich arbeite für einen Kunden. Und wenn das Telefon klingelt, muss ich rangehen, muss ihm sofort zuhören und möglichst schnell eine Lösung bieten. Das heißt also, ich reagiere auf den, der mich beauftragt. Wenn wir dann sagen, hören Sie auf damit, der Vormittag gehört Ihnen, da werden Sie das Telefon nicht abnehmen. Am Vormittag sitzen Sie da und entwickeln strategisch Ihr Produkt. Und dann lassen Sie das Telefon klingeln, dann lassen Sie die E-Mails reinkommen, vollkommen egal, das schauen Sie sich abends an, reagieren Sie nicht sofort auf alles, was kommt, sondern bauen Sie Ihre eigene Sache auf. Das fällt Ihnen sehr, sehr schwer.
Götz Müller: Ja, kann ich ein Stück weit nachvollziehen, weil ich glaube, das war ja dann, anfänglich sind es ja die Dinge, die die Kunden zu den Beratern als einen Aspekt dorthin bringen.
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig. Und es ist ja so, in dem Moment, wo ich individual selbstständiger bin, der individual reagiert, ist das ja die richtige Verfahrensweise. Das heißt, wenn ich einen Kunden gut bediene, mit ihm gut arbeite, dann ist das ja eine Erfolgsrezeptur. Nur es ist nicht eine Erfolgsrezeptur für einen Entrepreneur, der eine eigene Produktlinie aufbaut. Der muss am Produkt arbeiten, strategisch arbeiten und nicht am Einzelfall.
Götz Müller: Und eben das, was ja das grundsätzliche Thema des Podcasts ist, eben sich auch über den eigenen Prozess, über die eigenen Prozesse in der Mehrzahl bewusst werden und das dann eben auch in sein Marketing mit einbinden.
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig. Und dann kommt es dazu, dass man die Zeit nicht mehr verschwendet. Das finde ich bei Ihrem Podcast einen schönen Untertitel, sich darüber klar zu werden, wie wirkt die Zeit eigentlich, die ich einsetze. Und wir hatten in unseren ersten Jahren als alte klassische Projektarbeiter doch mehrmals das Gefühl, dass wir zwar hart gearbeitet haben, aber auf der anderen Seite das Projekt entweder vor die Wand gefahren wurde oder irgendwas anderes und man sehr viele Stunden bei einem fremden Menschen in so eine Mülltonne reingeworfen hat. Und das ist nicht befriedigend. Das macht keinen Spaß.
Götz Müller: Ja, vor allem die Zeit ist ja eben das, was ich immer sage, das ist das Einzige, was man nicht zurückgewinnen kann. Man kann es nicht recyceln. Einmal verschwendet, ist halt verschwendet.
Ehrenfried Conta Gromberg: Richtig.
Götz Müller: Okay, ich fand das jetzt eine prima Sache. Ich gucke mal geschwind Richtung Uhr über, knappe halbe Stunde. Da waren einige Aspekte drin, die mir jetzt auch so im Gespräch nochmal klarer geworden sind, nachdem ich ja das ein oder andere von Ihnen schon gelesen habe. Ich danke Ihnen also für Ihre Zeit.
Ehrenfried Conta Gromberg: Gerne, ja.
Götz Müller: Und ich würde mich freuen, wenn wir uns wirklich auch mal persönlich irgendwo, selbst wenn wir jetzt nicht direkt nebeneinander wohnen, aber irgendwo mal persönlich begegnen.
Ehrenfried Conta Gromberg: Ich danke für das vertrauendes Angebot. Ich kann nichts versprechen. Wir haben dieses Jahr richtig viel voll, aber wenn sich das irgendwo ergibt, dann wo sind Sie, in welcher Stadt sind Sie nochmal?
Götz Müller: In der Nähe von Stuttgart.
Ehrenfried Conta Gromberg: Das werde ich mal bei mir verankern. Süden sind wir zur Zeit relativ selten. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg mit dem Podcast.
Götz Müller: Ja, danke schön.
Ehrenfried Conta Gromberg: Und viele unverschwendete Zeit.
Götz Müller: Prima.
Ehrenfried Conta Gromberg: Bis dann, Herr Müller.
Götz Müller: Bis dann. Das war die heutige Episode Marketingprozesse für Solopreneure im Gespräch mit Ehrenfried Conta Gronberg. Hinweise und Links zur Episode finden Sie unter dem Stichwort 071.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Ehrenfried Conta Gromberg über Marketingprozesse für Solopreneure und darüber, wie sich unternehmerisches Denken jenseits klassischer Selbstständigkeit entwickeln lässt.
Zu Beginn schildert Ehrenfried Conta Gromberg seinen eigenen Weg. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er direkt nach dem Studium ein Unternehmen aus dem Wohnzimmer heraus. Ohne große Infrastruktur, ohne Büro, nur mit Laptop. Über die Jahre entstanden vier GmbHs, stets organisiert aus dem Homeoffice. Erst im Rückblick wurde ihm bewusst, dass dieser Weg nicht der typischen deutschen Unternehmerbiografie entspricht. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich sein heutiger Schwerpunkt: Geschäftsmodelle für Solopreneure.
Ehrenfried Conta Gromberg definiert den Begriff Solopreneur bewusst als Abgrenzung zum klassischen Unternehmer und zum Freelancer. Während beim Unternehmer oft Bilder von Fabriken, großen Teams und Kapitalinvestitionen entstehen und beim Selbstständigen eher projektbezogene Auftragsarbeit im Vordergrund steht, geht es beim Solopreneur um etwas anderes. Solopreneure bauen eigene Marken und Produkte auf. Sie arbeiten nicht primär Auftrag für Auftrag ab, sondern entwickeln skalierbare Konzepte mit eigener Linie.
Götz Müller greift diesen Unterschied auf und fragt nach den Besonderheiten im Marketing. Ehrenfried Conta Gromberg beschreibt, dass sich das Marketing grundlegend verändert, sobald man von individueller Projektarbeit zu prozessbasierten Geschäftsmodellen übergeht. Klassische Berater werden häufig zu Netzwerken, Visitenkarten, Vorträgen und persönlicher Präsenz geraten. Ziel ist es, neue Kunden zu gewinnen, die individuelle Leistungen buchen. Digitale Geschäftsmodelle hingegen verlangen strukturierte Prozesse, Produktlinien und systematisches Marketing. Hier geht es weniger um einzelne Kontakte, sondern um wiederholbare Abläufe.
Ein prägendes Erlebnis war für Ehrenfried Conta Gromberg der Verlust eines Start-ups während der Dotcom-Krise. Damals folgte er dem gängigen Rat, schnell zu wachsen, viel Kapital aufzunehmen und massiv Infrastruktur aufzubauen. Monatlich wurde viel Geld verbrannt. Im Nachhinein stellte sich die Frage, warum dieser Aufwand nötig gewesen war. Heute vertritt er eine andere Haltung: Nicht Größe ist entscheidend, sondern intelligente Nutzung vorhandener Bausteine. Statt eigene komplexe Systeme zu entwickeln, können vorhandene Tools genutzt werden. So bleibt die Struktur schlank und flexibel.
Solopreneure bewegen sich nach seiner Einschätzung zwischen klassischen Selbstständigen und großen Unternehmen. Sie denken prozessorientierter als Freelancer, verfügen aber über deutlich weniger Infrastruktur als Konzerne. Gerade diese Schlankheit ist ein Vorteil. Sie können schneller entscheiden, Strategien anpassen und Ressourcen flexibel einsetzen. Während größere Unternehmen hohe Fixkosten tragen, können Solopreneure mit Netzwerken aus Freelancern arbeiten und ihre Kapazitäten je nach Bedarf hoch- oder herunterfahren.
Ehrenfried Conta Gromberg unterscheidet fünf typische Modelle von Solopreneuren: Produzenten, die eigene Produkte herstellen; Händler, die über Plattformen wie Amazon oder Etsy agieren; Experten, die Wissensprodukte anbieten; standardisierte Serviceanbieter; sowie Kreative mit Erlebnismodellen. Besonders im Expertenbereich sieht er großes Potenzial, etwa bei Autoren, Kursanbietern oder Speakern, die ihre Inhalte skalierbar strukturieren.
Typische Fehler im Marketing entstehen seiner Erfahrung nach, wenn Solopreneure versuchen, wie große Unternehmen zu agieren. Zu viele Kanäle gleichzeitig, zu viele Produkte auf einmal, zu viel Aktion ohne klare Struktur. Der Tag bleibt auf 24 Stunden begrenzt. Wer sich verzettelt, verliert die strategische Linie. Stattdessen empfiehlt er, schrittweise vorzugehen und eine klare Marketingstruktur aufzubauen.
Von großen Unternehmen können Solopreneure strategisches Markenverständnis lernen. Es reicht nicht, als Dienstleister aufzutreten. Entscheidend ist die Entwicklung eines Markenkerns und einer konsistenten Produktlinie. Umgekehrt können große Unternehmen von der Leichtigkeit und Tool-Nutzung der Solopreneure profitieren. Statt alles selbst zu programmieren, können vorhandene Systeme genutzt und getestet werden, bevor große Investitionen erfolgen.
Ein zentrales Instrument in der Arbeit von Ehrenfried Conta Gromberg ist die sogenannte Produkttreppe. Statt isolierter Einzelprodukte empfiehlt er eine aufeinander abgestimmte Produktlinie mit mehreren Stufen. Ein Einstiegsprodukt dient der Reichweite, mittlere Produkte tragen zur Stabilität bei, Premiumangebote sichern die Profitabilität. Diese Logik erleichtert auch das Marketing, da jedes Produkt eine klare Rolle erfüllt.
Für Einsteiger rät Ehrenfried Conta Gromberg, nicht nur auf Fähigkeiten zu schauen, sondern auf das zugrunde liegende Thema. Aus dem Thema entwickeln sich Produkte und daraus wiederum Geschäftsmodelle. Nische bedeutet dabei nicht zwangsläufig extreme Enge, sondern kann auch eine klar definierte, aber breite Zielgruppe umfassen.
Erfahrene Selbstständige, die unzufrieden sind, empfiehlt er eine Analyse der eigenen Tätigkeiten. Wo entstehen Zeit- und Energieräuber? Wer aus der Stundenlogik aussteigen will, braucht Hebel zur Vervielfachung der eigenen Leistung, etwa durch Bücher, Programme oder standardisierte Angebote. Skalierung bedeutet, die eigene Stunde mehrfach wirksam werden zu lassen.
Zum Abschluss betont Ehrenfried Conta Gromberg die Notwendigkeit, sich vom reaktiven Arbeiten zu lösen. Unternehmerisches Denken erfordert geschützte Zeit für strategische Produktentwicklung. Wer dauerhaft nur auf Kundenanfragen reagiert, bleibt im operativen Modus gefangen. Der Aufbau eigener Prozesse und Produkte schafft hingegen nachhaltige Wirkung und verhindert, dass wertvolle Zeit ungenutzt verpufft.
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