Inhalt der Episode
- Was hat Digitalisierung mit Mobilität zu tun?
- Was bedeutet Mobiliät im digitalen Zeitalter für eine Organisation, unabhängig von der Branche?
- Welche Risiken können sich aus der Digitalisierung ergeben? Wenn man zu früh oder zu spät ist?
- Welche Rolle spielen Geschäftsprozesse bei der Digitalisierung, welche Rolle spielt die Digitalisierung für Geschäftsprozesse?
Notizen zur Episode
- LinkedIn-Profil von Stefan Odenbach
- Website von Stefan Odenbach
- Artikel im Steinbeis Magazin
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(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.
Episode 075 : Digitale Mobilität
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Stefan Odenbach ist Digitalisierungsexperte und wir werden uns da über das Thema digitale Mobilität unterhalten. Hallo Herr Odenbach.
Stefan Odenbach: Schönen Tag Herr Müller, hier ist Stefan Odenbach aus Ravensburg. Hallo.
Götz Müller: Genau, schön, dass Sie heute dabei sind. Sagen Sie noch ein, zwei Sätze zu Ihrer Person, damit die Zuhörer Sie gut einordnen können.
Stefan Odenbach: Ja, ich bin seit über 15 Jahren in der IT-Branche tätig, habe die klassische Ausbildung im Studium zum Wirtschaftsinformatiker gemacht und ein paar Jahre später noch ein MBA draufgesetzt und habe mich in den letzten Jahren sehr verstärkt auf das Thema Digitalisierung spezialisiert und freue mich über das heutige Interview.
Götz Müller: Okay, ich habe es ja in der Vorstellung schon kurz gesagt und möchte es hier nochmal wiederholen. Wir unterhalten uns über digitale Mobilität, wo ich Ihren Artikel gelesen habe im Steinbeis-Magazin. Fand ich das spannend schon von der Überschrift her, weil das jetzt eine Sache ist, die für mich so ein bisschen als, ich sage hier durchaus Laie, eben nicht so direkt auf der Hand liegt. Und deshalb zum Einstieg die Frage, was hat denn Digitalisierung mit Mobilität direkt zu tun?
Stefan Odenbach: Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Vielen Dank dafür. Das war auch bei Steinbeis so ein Thema, bei diesem Fokusthema Mobilität. Und ja, es hat sogar sehr, sehr viel mit Mobilität zu tun. Ganz einfach aus dem Grund, früher war es so, dass Daten und Informationen nur in einem sehr, sehr begrenzten Umfeld quasi verfügbar waren. Man hat dann damals mit irgendwelchen Informationsgebern oder mit der Postkutsche diese Informationen dann verteilt. Und heutzutage ist natürlich eine Information weltweit über das Internet, über verschiedenste Kanäle, sehr, sehr mobil. Also überall, wo ich bin, egal ob ich in Australien am Strand liege oder irgendwo in den USA, kann ich natürlich auf einen Knopfdruck sehr, sehr schnell die Daten in die ganze Welt verschicken.
Götz Müller: Okay, das heißt im Grunde ist dann auch schon wieder, man könnte auch sagen, ist es schon eine Selbstverständlichkeit, wo wir uns vielleicht schon extrem dran gewöhnt haben, dass Daten, die ja digital typischerweise vorhanden sind, wenn wir nicht von Briefen sprechen, dass die ja auch sehr mobil sind.
Stefan Odenbach: Absolut richtig. Es ist mittlerweile tatsächlich so, gerade die junge Generation, die Y-Generation, dass sie natürlich ganz, ganz selbstverständlich mit diesen Informationskanälen Facebook, Twitter und so weiter umgehen. Und heutzutage sehr, sehr viel auch über WhatsApp kommunizieren.
Götz Müller: Okay, und jetzt ist ja das Grundthema meines Podcasts sind Geschäftsprozesse. Da gehören natürlich auch irgendwo zugrunde liegende Geschäftsmodelle dazu. Und dann an der Stelle mal nachgefragt, vielleicht auch das ein oder andere Beispiel, was von den Daten, was von den Dingen werden jetzt mobil, wie sehen also die zugehörigen digitalen Geschäftsprozesse aus?
Stefan Odenbach: Genau, also auf die Frage hin, bei Geschäftsmodellen, welche Dinge werden mobil, ist es tatsächlich so, dass es alle möglichen Firmen von kleinen bis großen betreffen kann. Und Dinge ist tatsächlich auch in Anführungsstrichen zu sehen, weil es können natürlich tatsächlich Informationen sein, die jetzt so nicht physikalisch vorliegen.
Aber auf der anderen Seite tatsächlich auch früher oder bisher wird sehr viel auch über Papier kommuniziert. Das heißt, irgendwelche Störungsformulare, aus der Praxis gesprochen, in einem Handwerksbetrieb, bei einem serviceorientierten Unternehmen. Der Kunde muss irgendeine Unterschrift leisten auf einem Stück Papier. Und bis dieses Stück Papier wieder zurück in der Organisation ist und durch die verschiedenen Hände aus verschiedenen Abteilungen gelaufen sind, dauert es auch relativ viel Zeit. Und genau hier spielen diese digitalen Geschäftsmodelle eine wichtige Rolle, gerade wenn es um die mobile Datenerfassung geht. Der Kunde muss also nicht zwingend mit seinem kaputten Gerät zurückladen, sondern der Techniker kommt raus zum Kunde und kann im Prinzip vor Ort die komplette Service- und Entstörung übernehmen. Geht sogar so weit, dass angenommen ein Fahrstuhl defekt ist, irgendein Bauteil muss ausgetauscht werden.
Jetzt ist es vielleicht ein spezieller Fall oder ein bestimmter Error-Code, den der Techniker sowieso auch noch nicht hatte. Und der Halt wäre ihm möglich, dass er dann tatsächlich auf seinem mobilen Endgerät, er gewisse Suchbegriffe eingeben kann und er dann ganz gezielt sozusagen auf dem Handbuch unterstützt werden kann. Geht sogar so weit, dass sich ein Mitarbeiter, der sich in der Zentrale befindet, sich direkt mit ihm in Verbindung setzt und ihn sogar anleiten kann, wo an welchen Schrauben, an welchen Rädern muss er drehen, damit der Aufzug wieder in Gang gesetzt werden kann.
Götz Müller: Ja, und dann entfällt so dieses klassische, du musst wieder zurück ins Büro fahren, um noch irgendwas zu holen.
Stefan Odenbach: Ganz genau.
Götz Müller: Okay. Jetzt haben Sie in dem Artikel, auf den ich mich da ja beziehe, haben Sie ein magisches Dreieck aufgebaut. Das ist nicht das klassische magische Dreieck, das ich zumindest so aus dem Projektmanagement raus kenne, Kostentermin und Leistung bis an Qualität, sondern Sie nennen es 3P, die Prozesse, die Performance und die Personen. Das möchte ich noch ein bisschen vertiefen. Um was geht es da im Detail?
Stefan Odenbach: Genau, also natürlich, dieses klassische magische Dreieck spielt natürlich überall eine wichtige Rolle. Bei mir war es tatsächlich so, ich habe mir mal bei den unterschiedlichen Organisationen mal geguckt, was sind denn so die hauptlichen Treiber bei verschiedensten Projekten, beispielsweise im Entwicklungsprozess oder bei der Organisation, Kommunikationsthemen. Und es war tatsächlich so, überall sind irgendwelche Personen beteiligt. Die wollen miteinander arbeiten, sprich es werden irgendwelche internen Workflows, also Prozesse, abgearbeitet oder übergeben. Und am Ende der Tage ist die Performance ganz, ganz wichtig. Und heutzutage, wenn man über digitale Workflows, über Dokumentmanagementsysteme oder ECM-Systeme nachdenkt, ist es tatsächlich so, dass auch die Performance, also wie schnell und wie effizient und wie einfach können diese Arbeitsabläufe digital abgebildet werden über entsprechende Technologien dann.
Und da ist wirklich so, neben diesen drei P's, Personen, Prozesse, Performance, habe ich gesagt, es gibt eigentlich sogar ein Viereck, die Raute oder diese Diamanten und das ist so die Psychologie, weil tatsächlich oftmals ist auch das Thema, wie solche.
Ganzheitlichen Digitalisierungsprozesse angenommen werden, auch eine Philosophiefrage von den unterschiedlichen Beteiligten des Unternehmens in den verschiedenen Fachabteilungen. Und da spielt natürlich immer auch die Sicherheit, also wie sicher sind meine digitalen mobilen Daten, die irgendwo auf der Welt vielleicht gespeichert werden. Dann auch das Thema, wie verfügbar sind meine Daten. Jetzt bin ich vielleicht in einer strukturschwachen Region, wo ich eine schlechte Internetverbindung habe. Wie kann ich dann mobil auf meine Daten zugreifen? Also das Thema Offline-Fähigkeit von mobilen Daten spielt da oftmals eine wichtige Rolle. Und am Ende der Tage natürlich auch die Rentabilität. Was kostet mich so eine Lösung, dass ich quasi jederzeit, egal wo ich mich befinde, auf diese Daten sicher zugreifen kann?
Götz Müller: Jetzt hatten Sie es gerade schon angedeutet, Risiko. Risiko, glaube ich, kann man aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Als erstes sicher naheliegend, auch das haben Sie ja erwähnt. Wo sind meine Daten? Wer kann da vielleicht unerlaubterweise darauf zugreifen? Das möchte ich ein bisschen vertiefen, weil ich könnte mir vorstellen, dass da eben doch auch viele Vorbehalte entstehen, die dann auch wieder auf dieser von Ihnen angedeuteten psychologischen Ebene wirksam sind.
Stefan Odenbach: Absolut richtig. Also tatsächlich das Thema Datenschutz, Datensicherheit. Tagtäglich kommen irgendwelche Meldungen, dass irgendwelche Hacker auch größere Firmen quasi geknackt haben oder auch Behörden. Das kriegen wir jeden Tag auch mit. Ist natürlich definitiv das Thema, wo liegen meine Daten, welches Recht gilt. Gilt deutsches Recht, EU-Recht oder amerikanisches Recht? und auch da sind natürlich die rechtlichen Auslegungen, was gehört mir, was ist quasi frei zugänglich, auch sehr, sehr unterschiedlich. Und definitiv ist das natürlich ein ganz, ganz wichtiger Bestandteil und dann können auch die ganzen Cloud-Dienste, die es ja mittlerweile in allen möglichen IT-Bereichen gibt, auch funktionieren. Wenn ein Kunde tatsächlich auch sagt, ja, ich glaube daran, dass mein externer Partner, der tagtäglich sich mit dem Thema Datenschutz und Sicherheit auskennt und weiterbildet, meine Daten sicherer verwalten kann, wenn ich das jetzt selber in-house mit einem Mitarbeiter, der das halt so zu wahr nebenher macht, werkstellig.
Götz Müller: Ja, das ist der eine Punkt, glaube ich, wo man über das Risikothema nachdenken muss. Dann haben wir noch nicht immer so ein ganz allgemeines Thema. Was ist denn, wenn ich zu früh oder zu spät dran bin bei der Digitalisierung? Was wären da Ihre Gedanken dazu?
Stefan Odenbach: Also da bin ich natürlich als Vertreter der Digitalisierung auf dem Standpunkt zu sagen, es gibt es eigentlich nie zu früh, sondern eher zu spät. Und ich zitiere da ganz gern den Chef von Tesla Motors, den Elon Musk, der sagt, if a trend is obvious, you are too late. Also sprich auf Deutsch gesagt, wenn ein Trend klar kennbar ist für alle, dann bist du einfach zu spät dran. Und im Prinzip ist es genau die Situation, es gibt eigentlich nie den falschen Moment, sondern tatsächlich zu sagen, man muss jetzt einfach den ersten Schritt machen. Und das kann tatsächlich auch wirklich ein ganz kleiner Schritt erstmal sein in die richtige Richtung. Und sowas ist auch ein inkrementeller Prozess. Das heißt, man startet erstmal mit einem kleinen Teilprozess und kann dann nach und nach das Ganze immer weiter ausweiten. Letzte großen Firmen können das auch nicht über Nacht bewerkstelligen.
Von daher ist es tatsächlich so, je früher, umso besser. Und wenn man zu lange wartet, kann es natürlich wirklich sein. Man sieht es ja auch bei anderen Branchen, dass dann andere Geschäftsmodelle, die effizienter oder auch digitaler laufen, dann plötzlich über Nacht da sind und alle sich dann wundern und sagen, wie können die jetzt so plötzlich auch nicht heraus so erfolgreich sein.
Götz Müller: Sie haben das schon das ein oder andere Beispiel gebracht. Ich möchte es noch ein bisschen vertiefen. Was bedeutet jetzt die Mobilität im digitalen Zeitalter für eine Organisation, vielleicht ein Stück weit auch unabhängig von der Branche?
Stefan Odenbach: Die Mobilität wird immer wichtiger, wenn man sieht, wie die Mitarbeiter heutzutage kommunizieren. Viele Vertriebsmitarbeiter, die natürlich viel außer Haus sind, die sind 80 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil unterwegs, also tatsächlich auch nicht in Organisation und haben natürlich da einen sehr, sehr großen Bedarf zu sagen, kurz bevor ich zu einem Kundentermin reinlaufe, gehe ich nochmal auf mein iPad oder auf mein Telefon, sage bitte die aktuellsten, Zahlen des Kunden abrufen, bekommt dann quasi über ein On-Demand-Dashboard dargestellt, was sind die aktuellen Umsätze bei diesen Kunden, gab es gleich eine Reklamation, sodass der Mitarbeiter wirklich fünf Minuten vor dem Gespräch auf dem aktuellsten Stand ist und dann sagen kann, okay, ich gebe ein gutes Gefühl rein, weil ich wirklich weiß, was läuft bei meinem Kunde.
Und es kann ja sein, dass er auf dem Weg dahin irgendwas passiert ist, er das halt nicht mitbekommen hat, weil er gerade im Funkloch war und so er sich dann nochmal tatsächlich kurz bevor er den Termin hat auf den neuesten Stand bringen kann.
Götz Müller: Jetzt geht es ja eben auch um Geschäftsprozesse und bei Geschäftsprozessen im Zusammenhang mit Digitalisierung. Sie haben den Elon Musk zitiert. Da greife ich immer ganz gern auf das Zitat von einem… Relativ großen deutschen Telefonanbieter, es ist jetzt nicht die Vodafone, nicht Telekom, da hat der Deutschlandchef gesagt, wenn man einen Prozess digitalisiert, dann hat man halt einen digitalen Prozess. Das heißt, was für eine Rolle würden Sie sagen, so vielleicht auch in einem Henne-Ei-Thema, spielen eben Geschäftsprozesse bei der Digitalisierung?
Stefan Odenbach: Also eine sehr, sehr große Rolle, weil definitiv diese Aussage stimmt. Man kann natürlich einen schlechten Prozess mit einer Software sogar noch zementieren. Also sprich, noch schlechter machen wir eigentlich schon was. Das kann natürlich dann auch Ausmaße annehmen, die man so gar nicht haben möchte. Also sprich, wenn man jetzt Daten, Rechnungsdaten, die man bisher vielleicht nur im Leitsordner im Schrank gehortet hatte und die plötzlich in digitaler Form aufgrund von einem Fehler auf der Webseite für alle einfach zugänglich sind. Was es ja auch schon bei großen Telekommunikationsanbietern gab, dass irgendwelche Daten über Kreditkarten oder Kontoinformationen plötzlich im Internet frei zum Download waren. Das sind natürlich solche Themen und auch die Reden, die heraus resultieren, die man natürlich in diesem Prozess auf jeden Fall über verschiedene Wertschöpfungsstufen und natürlich auch Sicherheitsmechanismen abfangen kann.
Deswegen ist gerade diese Entwicklung und das Design dieser Geschäftsprozesse sehr, sehr wichtig und vor allem hat man dadurch auch eine große Chance, einfach die bestehenden Prozesse zu überdenken und zu sagen, ist das wirklich das Gelbe vom Ei, diesen Prozess weiter wie in der Vergangenheit zu treiben und in der Fall nur effizienter und digitaler zu gestalten oder das wirklich als Chance zu begreifen und zu sagen, wir machen einen komplett neuen Prozess, weil sich einfach die Rahmenbedingungen am Markt, die Kundenanforderungen geändert haben.
Götz Müller: Das heißt, die würden auch sagen, ich gucke zuerst mal auf das Ei, also auf den Geschäftsprozess, bevor ich ihn ausbrüte, digitalisiere und dann zur Henne werden lasse.
Stefan Odenbach: So bildet sich die Sprung ganz genau, ja.
Götz Müller: Okay. Dann einen weiteren Punkt, den ich noch aufgreifen wollte. Zumindest habe ich es ein bisschen rausgehört. Ich selber bin jetzt in dem Bereich beratungsseitig unterwegs. Handwerk Was würden Sie sagen, was für Chancen ergeben sich auf das Handwerk? Wobei da ja eben, und da schließt sich für mich die Klammer dann, auch das Thema Mobilität ja ganz entscheidend ist. Denn viele Handwerksbranchen finden ja nicht auf einem abgeschlossenen Betriebsgelände statt, wie wir das jetzt aus der Industrie raus kennen.
Stefan Odenbach: Ganz genau. Also hier hat man wirklich diesen klassischen Fall, dass das Handwerk eigentlich eine sehr analoge Branche ist.
Und die digitalen Helferlein oftmals vielleicht sogar hinderlich sind. Man hat das Thema, ich bin jetzt auf der Baustelle, wenn es regnet, wenn es stürmt, wenn es schneit oder wenn die Sonne scheint und ich mit einem Tablet in solchen Bedingungen natürlich sehr schlecht hantieren kann. Es spiegelt zu stark oder mit Handschuhen schlecht bedienbar. Die ganzen Probleme, die da aufkommen oder auch die Fehlanfälligkeit. Nach wie vor das Thema Akkulaufzeit ist immer ein großes Problem. Immer dann, wenn ich ein wichtiges Telefonat führen muss, ist ausgerechnet gerade Akku leer. Solche Geschichten. Und da ist tatsächlich so die große Herausforderung zum Handwerk zu sagen, wie kann man diese analogen Prozesse, die seit Jahrhunderten quasi sehr gut funktionieren.
Digital sinnvoll unterstützen, sodass an Bord, wo die Leistung erbracht wird, Das Ganze ist sehr effizient und einfach funktioniert und dennoch dieser große Verwaltungsaufwand wechselt im Sinne von, ich muss da nicht den Handbettel einscannen oder manuell abtippen. Da bin ich zum Beispiel auch im Beratungsumfeld, gerade im Handwerk unterwegs, mit entsprechenden Smartcams. Das sind dann solche digitale Stifte, die auf ganz normalem Papier schreiben. Die haben eine Infrarotkamera eingebaut und alles, was der Handwerker drauf schreibt, Zahlen, Buchstaben oder Ankreuzchenfelder oder auch die Originalunterschrift auf Papier rechtsgültig mit dem Kugelschreiber. Dennoch spart er sich den kompletten Scanningaufwand, weil er einfach dann direkt mobil über das Handynetz die Daten an die Zentrale schicken kann, sodass die Mitarbeiterin schon die Rechnung vorerfassen kann.
Oder er macht es einmal am Tag, kann alle seine Vorgänge automatisch rüberziehen und er muss nicht eine Praktikantin oder irgendein Mitarbeiter an den Scanner erstmal legen und alles auch so. Und Handzettel kann mal einen Kaffeefleck haben, sonst schmiert sein und da hat man eine sehr, sehr hohe Prozessqualität dann, weil dieser Stift die ganzen Kaffeeflecken quasi ignoriert, sondern nur das, was tatsächlich geschrieben wurde. Und dadurch hat man natürlich auch eine sehr, sehr hohe quasi Lesbarkeit her und gerade für die Dokumentationspflichten dann, wenn es um die Faktura geht, kann man da sehr, sehr viel dann quasi automatisieren und alles, was Effizienz steigert, steigert natürlich dann auch für den Handwerker zum einen die Zufriedenheit, weil er als selbstständiger Handwerker das nicht abends oder am Wochenende sehr viel mit manueller Aufwand betreiben muss, sondern dass dieses System das automatisch macht.
Götz Müller: Ja, da höre ich dann auch so ein bisschen raus zum Abschluss jetzt. Dokumentenmanagementsystem, Digitalisierung von Unterlagen fängt vielleicht bei Rechnungen und solchen Dingen an, ist jetzt kein so neues Thema, aber ich glaube, zumindest habe ich das rausgehört, da gewinnt eben dieser Bezug zum Geschäftsprozess eine ganz neue Bedeutung.
Stefan Odenbach: Ganz genau, weil im Prinzip in jedem Unternehmen gibt es irgendeinen papiergebundenen Prozess und das Dokumentensystem, Management-System ist im Prinzip so das Herzstück des Ganzen, läuft in der Regel im Hintergrund, man kriegt das gar nicht so unbedingt mit, aber mittlerweile gibt es auch Möglichkeiten, ein GMS-System, ein Formular bereitzustellen, was dann auch mobil verfügbar ist, dass irgendwelche Daten angelegt werden, die automatisch ans ERP-System gehen und dann dort zum Beispiel eine Rechnung oder ein Auftrag, oder Service-Schein angelegt werden kann. Von daher ist es tatsächlich so, man spricht außerdem nicht mehr von DMS-Systemen, also rein Beleg- und Dokumentensystemen, sondern Enterprise-Content-Management-Systemen. Da geht es wirklich darum, jeglichen Inhalt, ob der jetzt tatsächlich in physischer Form vorliegt oder vielleicht auch, was auch immer mehr kommt, die Sprache, dass ein Mitarbeiter sagt, ich diktiere was in meine App rein und darauf basierend wird dann ein Prozess angestoßen.
Götz Müller: Und dann eben wieder mit dem vorhin von Ihnen angedeuteten Thema, ich kann vielleicht draußen auf der Baustelle, wenn die Witterungsverhältnisse nicht so sind, kann ich vielleicht mit den klassischen Werkzeugen, mit den klassisch-digitalen Werkzeugen so gar nicht umgehen und diktiere ich mir vielleicht irgendwas nur.
Stefan Odenbach: Und gerade im Handwerk ist das so, Handwerk ist also eine klassische Branche, bei der viele Menschen aus der ganzen Welt arbeiten, also nicht nur Deutschsprachige, sondern aus ganz Europa, aus der ganzen Welt. Und da ist eben auch so, dass es oftmals schwierig ist, wenn jetzt eine App nur auf Deutsch und nur auf Englisch verfügbar ist und wenn es jetzt irgendein Mitarbeiter ist, der beide Sprache nicht zu 100% beherrscht, dass der einfach Schwierigkeiten hat. Das Thema Flüchtlinge ist aber so ein Thema, wie kann man gerade auch das Handwerk quasi mit motivierten und quasi guten Mitarbeitern beschäftigen, die aber vielleicht jetzt noch nicht diesen Wissenstand haben, wie andere, die das von der Pike auch gelernt haben.
Götz Müller: Ja, was durchaus in meiner Wahrnehmung bei meinen Kunden ein echtes Problem ist, dass eben der Fachkräftenachwuchs so nicht da ist und dass auf bestimmte Personenkreise noch nicht so zugegriffen werden können, auch aus solchen Gründen, wie Sie es gerade gesagt haben. Die sind zwar da, aber ich kann es noch nicht machen.
Stefan Odenbach: Ganz genau. Und da ist es eben tatsächlich so, dass die alten Mittel, die nicht unbedingt schlechter sein müssen als das neue Thema, tatsächlich so einen Prozess unterstützen können. Also sprich, das Schreiben auf Papier können eigentlich die meisten, also sprich, irgendwelche Zahlen reinschreiben in ein vordefiniertes Formular. Ist wesentlich einfacher von der Handhabung her, wie jetzt eine App, die halt wirklich erklärungsbedürftig ist, da braucht es erstmal Schulung, bis sowas eingeführt ist und dann mal Papier und Stift, ganz, ganz einfach und quasi über Nacht verfügbar.
Götz Müller: Okay, prima. Fand ich jetzt eine interessante Unterhaltung, auch der ein oder andere für mich neue Aspekt dabei, wo man eben das Thema Digitalisierung nicht nur so einspurig betrachten darf, sondern eben sich auch daraus ganz neue Möglichkeiten ergeben. Herr Ohnbach, ich danke Ihnen für Ihre Zeit.
Stefan Odenbach: Ich sage auch, Herr Müller, herzlichen Dank.
Götz Müller: Ja, vielleicht ergibt sich mal die Chance, dass man sich persönlich begegnet.
Stefan Odenbach: Genau, wie gesagt, wir sind ja alle in Baden-Württemberg, da sind die Wege ja noch relativ kurz. Von daher würde ich mich freuen, wenn wir uns bald auch mal persönlich dann im Face-to-Face-Gespräch dann wieder treffen.
Götz Müller: Das war die heutige Episode zum Thema Digitale Mobilität im Gespräch mit Stefan Odenbach. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 075.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Stefan Odenbach über digitale Mobilität und ihre Bedeutung für Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle. Stefan Odenbach ist seit vielen Jahren in der IT-Branche tätig, ausgebildeter Wirtschaftsinformatiker mit zusätzlichem MBA und hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Digitalisierung beschäftigt.
Zu Beginn klärt Stefan Odenbach die grundlegende Frage, was Digitalisierung mit Mobilität zu tun hat. Er beschreibt, dass Informationen früher stark an physische Orte gebunden waren und nur mit erheblichem Aufwand transportiert werden konnten. Heute hingegen sind Daten über das Internet weltweit nahezu in Echtzeit verfügbar. Diese neue Form der Mobilität betrifft nicht nur Menschen und Waren, sondern vor allem Informationen. Daten können von nahezu jedem Ort aus erzeugt, verarbeitet und weitergegeben werden. Was für viele längst selbstverständlich geworden ist, stellt in Wahrheit einen tiefgreifenden Wandel dar.
Im weiteren Gespräch lenkt Götz Müller den Fokus auf Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle. Stefan Odenbach erläutert, dass digitale Mobilität Unternehmen aller Größen betrifft. Besonders deutlich wird das am Beispiel serviceorientierter Betriebe oder Handwerksunternehmen. Klassische papierbasierte Abläufe, etwa Serviceberichte oder Störungsformulare, verursachen Zeitverzögerungen, weil Dokumente physisch durch verschiedene Abteilungen wandern. Durch mobile Datenerfassung können Techniker Informationen direkt vor Ort digital erfassen und übermitteln.
Ein anschauliches Beispiel ist der Einsatz mobiler Endgeräte bei Wartungseinsätzen. Ein Servicetechniker kann Fehlercodes recherchieren, digitale Handbücher abrufen oder sich sogar aus der Zentrale live unterstützen lassen. Dadurch entfallen unnötige Rückfahrten ins Büro. Wissen wird mobil verfügbar und Prozesse werden beschleunigt. Die Wertschöpfung findet direkt am Ort der Leistungserbringung statt.
Ein zentrales Konzept von Stefan Odenbach ist das sogenannte 3P-Modell: Prozesse, Personen und Performance. In jeder Organisation arbeiten Menschen in definierten Abläufen zusammen, um Ergebnisse zu erzielen. Digitale Technologien beeinflussen dabei vor allem die Performance, also Geschwindigkeit, Effizienz und Transparenz der Abläufe. Gleichzeitig betont Stefan Odenbach, dass Digitalisierung nie rein technisch betrachtet werden darf. Ergänzend zu den drei P kommt eine psychologische Dimension hinzu. Die Akzeptanz neuer Systeme hängt von Vertrauen, Sicherheitsbedenken und der individuellen Haltung gegenüber Veränderungen ab.
Besonders das Thema Datensicherheit wird intensiv diskutiert. Stefan Odenbach weist darauf hin, dass Datenschutz, rechtliche Rahmenbedingungen und Cloud-Lösungen häufig Vorbehalte auslösen. Entscheidend sei die Frage, ob Unternehmen ihren externen IT-Partnern zutrauen, Daten professioneller zu schützen als eine interne Nebenlösung. Vertrauen und Risikobewusstsein spielen eine zentrale Rolle für den Erfolg digitaler Initiativen.
Im Hinblick auf den richtigen Zeitpunkt für Digitalisierung positioniert sich Stefan Odenbach klar. Es sei selten zu früh, aber häufig zu spät. Wer offensichtliche Trends erst dann aufgreife, wenn sie allgemein sichtbar sind, verliere wertvolle Zeit. Digitalisierung müsse nicht als radikaler Umbruch starten. Vielmehr empfiehlt er inkrementelle Schritte, also schrittweise Verbesserungen einzelner Teilprozesse. Dadurch können Organisationen Erfahrungen sammeln und Risiken kontrolliert managen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rolle der Geschäftsprozesse selbst. Stefan Odenbach warnt davor, schlechte Prozesse einfach zu digitalisieren. Eine ineffiziente Struktur werde durch Software nicht automatisch besser, sondern unter Umständen nur schneller fehlerhaft. Digitalisierung biete daher die Chance, bestehende Abläufe grundsätzlich zu hinterfragen und neu zu gestalten. Die technische Umsetzung sollte auf einem durchdachten Prozessdesign aufbauen.
Im branchenspezifischen Teil des Gesprächs richtet Götz Müller den Blick auf das Handwerk. Hier wird die Verbindung von Mobilität und Digitalisierung besonders deutlich. Handwerksbetriebe arbeiten überwiegend außerhalb fester Bürostrukturen. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen oft rau: Witterung, Schmutz oder Handschuhe erschweren die Nutzung klassischer Tablets oder Smartphones. Stefan Odenbach beschreibt deshalb hybride Lösungen, etwa digitale Stifte, die auf normalem Papier schreiben, aber die Inhalte per Infrarot erfassen und automatisch digital übertragen. So bleibt die einfache Handhabung erhalten, während administrative Aufwände sinken.
Durch solche Lösungen können Serviceberichte unmittelbar an die Zentrale übermittelt werden. Rechnungen lassen sich schneller vorbereiten, Medienbrüche entfallen und die Prozessqualität steigt. Besonders für kleinere Betriebe bedeutet das eine spürbare Entlastung im administrativen Bereich.
Abschließend wird das Thema Dokumentenmanagement vertieft. Stefan Odenbach erklärt, dass moderne Systeme weit über reine Ablagefunktionen hinausgehen. Enterprise Content Management umfasst sämtliche Inhalte eines Unternehmens, unabhängig davon, ob sie schriftlich, digital oder sprachbasiert vorliegen. Selbst Diktate können Prozesse auslösen und automatisch in ERP-Systeme integriert werden.
Ein zusätzlicher Aspekt betrifft die Fachkräftesituation im Handwerk. Da viele Mitarbeitende unterschiedliche sprachliche Hintergründe haben, müssen digitale Lösungen einfach und intuitiv sein. Papierbasierte Formulare in Kombination mit digitaler Erfassung können hier Brücken schlagen und Schulungsaufwände reduzieren.
Das Gespräch zeigt insgesamt, dass digitale Mobilität weit mehr ist als mobile Geräte. Sie verändert Informationsflüsse, beschleunigt Abläufe, fordert Prozessklarheit und verlangt zugleich psychologische Sensibilität. Digitalisierung wird damit nicht zum Selbstzweck, sondern zum strategischen Instrument zur Verbesserung von Wertschöpfung und Effizienz.
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