Inhalt der Episode:
- Was verstehst Du unter Selbststeuerungsprozess?
- Für wen ist dieser Prozess relevant, d.h. wer und auch was wird da gesteuert?
- Was sind typische Indizien dafür, dass der Selbststeuerungsprozess hakt oder klemmt?
- Wie erkennt man einen guten Selbststeuerungsprozess?
- Welche Auswirkungen (positive wie negativ) können sich auf dritte Personen ergeben?
- Was sind typische Herausforderungen, die sich im bzw. durch den Selbststeuerungsprozess ergeben?
- Welche Probleme können entstehen, wenn man das Thema insgesamt unterschätzt?
- Was sind mögliche Folgen, wenn man es übertreibt?
- Welche Rolle spielt Kaizen im Selbststeuerungsprozess, welche Wechselwirkungen ergeben sich zu klassischem Lean, was kann man von dort übernehmen bzw. wie kann Lean profitieren, wenn man einen guten Selbststeuerungsprozess fährt?
- Wo kann man mehr über den Selbststeuerungsprozess und seine Mechanismen erfahren?
Notizen zur Episode:
- Website von Jürgen Lauber
- LinkedIn-Profil von Jürgen Lauber
- Web-App für persönliches Kaizen / mentales 5S
- Prolog zum Buch von Jürgen Lauber
- Buch von Jürgen Lauber bei Amazon — Jürgen Lauber stellt Hörer:innen der Episode ein persönliches kostenfreies PDF des Buchs zur Verfügung, wenn sie ihn via Kontaktformular auf seiner Website mit Bezug zu der Episode anschreiben
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Wenn Sie selbst ein interessantes Thema für eine Episode im Umfeld von Geschäftsprozessen haben, können Sie mir das auf dieser Seite mit Vorbereitungsfragen vorschlagen.
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(Teil)automatisiertes Transkript
Episode 385 : Selbststeuerungsprozess
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkript.
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Jürgen Lauber bei mir im Podcast-Gespräch. Er sagt von sich selber, er hat die Transformation, sage ich jetzt mal, vom Industrie-CEO zum Influencer gemacht. Hallo Jürgen.
Jürgen Lauber: Hallo. Hallo Götz. Schön, dass du mich hast heute.
Götz Müller: Jetzt musst du vielleicht diese Vorstellung noch ein bisschen erläutern, was dahintersteckt.
Jürgen Lauber: Ja, also gut, ich bin 64 Jahre, Elektroingenieur und habe über 30 Jahre in internationalen Industrieunternehmen gearbeitet und durfte 15 Jahre sogar Unternehmen an der Spitze führen. Und ja, deswegen war ich halt eben Industrie-CEO, wie du mich angekündigt hast. Und der maßgebliche Erfolg im Job, in meinem Beruf war, dass ich die Selbststeuerung meiner Mitarbeiter systematisch verbessert habe. Das war irgendwie, damit hatte ich Erfolg, das war besonders. Und das konnte ich auch gut. Und damit habe ich mich vor 10 Jahren selbstständig gemacht und habe einen Selbstmanagement-Start-up, habe die 2easy AG gegründet und habe 2021 ein Selbststeuerungsbuch gemacht. Und das ist ja das, wovon wir heute sprechen zusammen.
Götz Müller: Genau, und da einfach die Frage nochmal für die Zuhörer auch zur Klärung. Was verstehst du unter Selbststeuerungsprozess?
Jürgen Lauber: Ja, also ein Prozess, es sollte auf jeden Fall etwas Definiertes, eine nachvollziehbare Vorgehensweise sein, um der Fremdsteuerung, um Ablenkung, um Verzettelung entgegenzuwirken. Also ein Prozess ist, kurz gesagt, sich systematisch weniger durch Zufall, von Launen, seiner Intuition oder irgendwie seinem Anschein leiden zu lassen. Das ist eigentlich das, was ich verstehe. Und eigentlich geht es darum, sein Denken und Handeln zielführender zu machen. Und jedes Prozess hat er sein Ziel. Das grundlegende Ziel ist, dass mir es heute und in Zukunft gut geht. Ganz einfach.
Götz Müller: Jetzt kann man natürlich sagen, selbst ist jeder. Selbst ist jeder.
Jürgen Lauber: Sich selbst der Nächste, ist sich jeder.
Götz Müller: Auch das. Und natürlich, da hat man vielleicht aber doch nochmal zur Sicherheit nachgefragt, für wen ist der Prozess relevant? Also wer oder eben auch was wird gesteuert bei diesem Selbst?
Jürgen Lauber: Also Selbststeuerung ist eigentlich für jeden relevant, der Handlungsspielräume hat und gleichzeitig wenig operative Führung erfährt. Und das sind im Normalfall primär Menschen, die vor Bildschirmen sitzen und also mental, also geistige Arbeit leisten. Denen fehlt in ihrer Wertschöpfung die visuelle Steuerung, die festen Strukturen, die klare Ordnung, die Übersicht und die Einfachheit, die eigentlich eine gute Arbeitsumgebung in der Fertigung ausmacht. Und weil sie die eben vor dem Bildschirm nicht haben, müssen sie selber dafür sorgen, okay? Ja. Und die Frage, was ich denn da steuere, ich steuere mich ja nicht selbst, also körperlich steuere ich mich nicht, ich sitze ja weiterhin vor dem Bildschirm oder am Schreibtisch. Was ich steuere beim Selbststeuerungsprozess, das ist, dass ich systematisch meine Aufmerksamkeit, meine Wahrnehmung, meine Erinnerung und sogar meine Gefühlslage wohltue und steuere. Das ist eigentlich der Trick dabei. Also das, was mich ausmacht, aber körperlich bleibe ich da, wo ich bin. Also nicht eine körperliche Selbststeuerung.
Götz Müller: Ja, mir kommt jetzt sofort der Gedanke durch, du hast das Stichwort genannt, Wertstrom, Produktion, das kann ich ja von außen beobachten. Das jetzt mit dem Selbst ist, glaube ich, nicht so ganz einfach. Da ist mir irgendwann mal dieser Spruch begegnet, wer im Marmeladeglas sitzt, kann das Etikett nicht lesen. Und deshalb an der Stelle die Frage, wie erkenne ich, wenn ich in diesem, bleiben wir wirklich bei dem Marmeladeglas, wenn ich da drinsitze, wie erkenne ich jetzt da drin, dass da irgendwas nicht funktioniert an meiner Selbststeuerung?
Jürgen Lauber: Also eigentlich erkenne ich es am Ergebnis. Der Selbststeuerungsprozess geht ja darum, dass es mir heute und in Zukunft beruflich gut geht. Und das möchte ich sichern gegen alle Widrigkeiten und gegen alle Hindernisse, die sich da eben im normalen Alltag ergeben. Und deswegen ist die grundsätzliche Frage, wie fühle ich mich? Wie politisch bin ich? Oder wie sehen, erleben mich die anderen Menschen? Wenn ich gestresst bin, dann ist mein Selbststeuerungsprozess nicht gut. Dann vergesse ich alles, dann werde ich vergesslich. Wenn ich unsicher bin, dann ist mein Selbststeuerungsprozess auch nicht gut, weil dann bin ich irgendwie so mental blockiert. Da fällt mir auch nichts mehr ein. Und das sind solche Dinge, auch wenn ich in einem Marmeladeglas sitze, weiß ich, wie ich mich fühle. Ich hoffe, das ist eine gute Marmelade.
Götz Müller:: Gut, das waren jetzt die Punkte, wo ich erkenne, wenn es nicht gut funktioniert. Jetzt kann man natürlich ähnlich wie vielleicht Gesundheit im weiten Sinne sagen, Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit. Kann man das auf den Selbststeuerungsprozess auch übertragen? Also kann ich auch definieren, wie ein guter Selbststeuerungsprozess aussieht?
Jürgen Lauber: Ja, da sollte ich unabhängig von dem, was eben passiert, was um mich rumläuft, sollte ich souverän wirken, eben nicht launisch und nicht hektisch. Weil das bringt nichts. Das ist nicht zielführend. Wenn ich mich gut steuern kann, also wenn ich meine Erinnerung gut steuern kann, meine Wahrnehmung, dann bin ich zuverlässig. Vergesse ich weniger, vergesse ich nichts, nichts Wesentliches. Bin ich fähig, mich um andere zu kümmern, also anderen zu helfen oder bin ich selbst hilfsbedürftiger? Wenn es gut läuft, soll ich sogar fähig sein, anderen zu helfen. Dann ist mein Selbststeuerungsprozess gut, weil das ist ja wieder etwas, was mich als Mitarbeiter, Kollege wertvoller macht und das wiederum sichert meine berufliche Zukunft.
Götz Müller: Ja, gut, da ging jetzt mir gerade noch durch den Kopf, wenn ich jetzt von anderen angesprochen werde, im Sinne von, gehst zum Jürgen, der kann dir immer helfen, dann kann das ja durchaus aber auch gewisse Fremdsteuerungsaspekte haben. Und ich glaube, ein guter Selbststeuerungsprozess, zumindest ist das mein Verständnis, korrigiere mich da gerne, beinhaltet auch eben, dass ich nicht fremdgesteuert bin, weil ich selber die Steuerung über mich habe.
Jürgen Lauber: Ich habe auch nicht gesagt, dass du den anderen immer helfen musst, sondern ich habe gesagt: Hast du die Fähigkeit, dich um andere zu kümmern? Kannst du das oder kannst du das nicht? Also bist du einer, der helfen kann oder bist du einer, der Hilfe braucht? Und das macht schon den Prozess. Ist der Prozess gut, bist du fähig, auch wenn du das willst, wenn du das als zielführend achtest, anderen zu helfen, zu unterstützen, ist deine Selbststeuerung defizitär, dann bist du eigentlich immer der, der Hilfe von anderen braucht.
Götz Müller: Aber sich eben auch nicht, so höre ich so ein bisschen raus, sich eben auch nicht im Extremfall zum Sklaven von anderen macht.
Jürgen Lauber: Nein, nein, Sklaven sowieso nicht. Sklave mache ich ja nicht, weil da würde ich mich ja nicht gut fühlen. Aber der ganze Prozess ist ja darauf ausgelegt, dass ich mich jeden Tag gut fühle. Dass ich mich jede Woche gut fühle. Also sklavisch, also wenn ich mich jetzt gut als Sklave fühle, es gibt ja dann auch so irgendwelche Praktiken, die haben es gerne als Sklave, dann kann er sich auch als Sklave fühlen. Aber der Normalbürger will sich gut fühlen, anerkannt fühlen und er will auch nicht ausgepumpt am Feierabend ankommen. Also solange jemand helfen kann, ohne sich auszupumpen, ohne sich zu übernehmen, ist das sinnvoll, in puncto Selbststeuerung das auch zu tun, aber es ist eben dann den Alarmknopf oder diese Regelung zu haben, wenn man merkt, oh, jetzt werde ich ausgenutzt, zum Beispiel. Das bringt mir nichts mehr.
Götz Müller: Ja, im Extremfall, wenn man eine gute Selbstwahrnehmung hat, würde ich mal vermuten, dass man das eben auch wahrnimmt und sich dann nicht mehr gut fühlt.
Jürgen Lauber: Man steuert ja auch die Wahrnehmung, was nehme ich denn mit in die Zukunft, was fällt mir denn eigentlich auf. Also das muss ich ja auch steuern. Zum Beispiel bei Vorgesetzten ist immer wichtig, hinzuschauen und wahrzunehmen, was die Mitarbeiter eigentlich machen. Also auch positiv. Und zwar zeitnah und jeden Tag eigentlich. Das gibt ein ganz anderes Bild, als wenn man einfach nur dann zum Jahresgespräch mal hinschaut und sich dann mal wieder erinnert. Also da ist die Wahrnehmung auch zu steuern und dann natürlich auch festzuhalten, was einem aufgefallen ist. Das kommt ja aus dem japanischen Kaizen, wo man als Vorgesetzter gezwungen wird, in die Produktion reinzustehen und einfach mal drei Stunden zuzuschauen. Plötzlich sieht man Dinge, die einem sonst nicht auffallen, wenn man gerade einfach durchläuft und den Mitarbeitern zunickt.
Götz Müller: Ja, oder sich es halt nur erzählen lässt.
Jürgen Lauber:: Oder, ja, noch schlimmer. Das ist ja, wenn man nicht mal Gemba macht. Das gibt es ja gar nicht, oder?
Götz Müller: Gut, jetzt hast du schon eine dritte Person, könnte man es nennen, genannt, nämlich den Vorgesetzten. Jetzt gibt es ja noch weitere. Und vielleicht in dem Zusammenhang eben dann, wen kann man sich da grundsätzlich vorstellen? Und welche Auswirkungen hat es aber im positiven, aber natürlich vor allen Dingen auch im negativen Sinne, wenn halt die Selbststeuerung irgendwie hakt.
Jürgen Lauber: Wenn es gut funktioniert, bin ich derjenige, der souverän ist, auch wenn es klemmt, der nicht launisch ist oder nicht hektisch ist. Weil all das bringt bei gedanklicher Arbeit, bei jeder Arbeit nur Nachteile. Also hektisch zu sein oder launisch, das ist toxisch. Das ist negativ. Also wenn es gut funktioniert, komme ich rüber als jemand, der souverän ist, der einfach irgendwo auch gut drauf ist. Ich bin zuverlässig, ich komme zuverlässig rüber, ich bin eben nicht vergesslich, gar das Gegenteil, total vergesslich, muss immer erinnert werden, ich bin vorbereitet oder nicht vorbereitet, wenn meine Selbststeuerung funktioniert, gehe ich irgendwo zu vorbereitet in ein Meeting rein und lasse mir irgendwas einfallen ad hoc im Meeting, weil ich eben nicht vorbereitet bin. Und das merkt man einfach. Für mich ist, wenn jemand reingeht in ein Meeting, ohne sich vorzubereiten, der will das ja nicht. Das ist einfach nur ein Defizit, sondern in der Fähigkeit, sich selbst zu steuern. Kein Mensch will das eigentlich. Das ist einfach eine Schwäche, die jemand momentan hat.
Götz Müller: Ja, was mir da bezüglich launisch zum Beispiel dann als Stichwort einfällt, so Elemente wie psychologische Sicherheit. Wenn ich jetzt halt Vorgesetzter bin und ich bin launisch, dann glaube ich, werden sich meine Mitarbeiter unter diesen Aspekten halt schwertun und dann habe ich natürlich wieder eine Rückkopplung auf meine eigenen Arbeitsergebnisse.
Jürgen Lauber: Grundsätzlich, es darf nicht sein. Ein Vorgesetzter darf nicht launisch sein. Das ist, das will er ja auch nicht. Okay, also kein Vorgesetzter will launisch sein. Und wenn er dann trotzdem launisch ist, hat er einfach sich nicht im Griff, weil seine, seine gefühlsmäßige Selbststörung funktioniert nicht. Und das kann man alles beheben. Das ist nicht, das ist nicht menschenabhängig, sondern das ist situativ abhängig. Der hat sich einfach aktuell nicht im Griff oder hat generell eine Verhaltenspräferenz, die toxisch ist, auch das ist wiederum ein Defizit in der Selbststeuerung, das man beheben kann. Nichts ist angeboren. Keiner will toxisch rüberkommen, keiner will launisch rüberkommen. Wenn er's trotzdem ist …
Götz Müller: Ja, wobei bei dem Aspekt toxisch, und ich bin kein Psychologe, deshalb, ich bin auch Elektroingenieur, aber manchmal sind die Ingenieure dann, was das Gucken hinter Kulissen angeht, auch nicht schlecht. Vielleicht kommt mir jetzt der Begriff Narzissmus in den Sinn, wo ja toxisch für mich eben als Laie eine relativ große Verwandtschaft da ist und da, wenn ich es richtig weiß, sagt man ja schon, dass das Richtung krankhaft geht, also nicht, nicht so völlig von innen heraus beeinflussbar.
Jürgen Lauber: Also Götz, in meinem ganzen Arbeitsleben habe ich noch nie jemanden getroffen und ich habe in Amerika gearbeitet, Italien gearbeitet, ich habe in Deutschland gearbeitet, in Schweiz, der das sein wollte. Und ich habe noch niemanden getroffen, der es ist. Ich habe viele getroffen, die andere so bezeichnet haben. Aber realistisch habe ich ein absolut positives Bild von allen Menschen, mit denen ich gearbeitet habe. Jeder möchte Anerkennung haben. Jeder möchte Wertschätzung erfahren. Keiner ist freiwillig toxisch. Also es gibt da vielleicht ein paar Kranke, aber ich habe es in meinem ganzen Berufsleben, ich bin 64, noch nicht getroffen. Es ist eine gute Erklärung. Ich bin ja kein Psychologe. Ich bin Elektroingenieur, ich bin Prozessmesstechniker, ich habe Regelkreise aufgebaut, also meine ganze Systematik läuft auf Regelkreise. Ich regle jeden Tag, ich regle jede Woche, ich habe drei überlagerte Regelkreise und damit kriege ich eigentlich das Arbeitsleben geregelt als Elektroingenieur. Ich habe einen ganz anderen Zugang zu dem Thema, wie ein Psychologe, natürlich ein Psychologe will psychologische Probleme herbeisinnen, fällt mir nicht ein. Ich regle Probleme und die Regelstrecke ist eben, wie sie ist. Okay. Also insofern habe ich das einfach auch meinen Mitarbeitern, eben meinen Lesern oder meinen Mentees so vermittelt und das funktioniert bei jedem, egal welche psychologische Grundkonfiguration der hat.
Götz Müller: Ja, das ist aber, dieses Stichwort Regelkreis finde ich ganz spannend, weil da haben wir ja eben auch diese, man könnte jetzt sagen, also doch das Rauschen, der englische Begriff Noise ein, also die äußeren Einflüsse, die eben diesen Regelprozess, diesen Steuerungsprozess, Klammer auf, erst durch die Rückkopplung wird ja aus der Steuerung eine Regelung, wie ich irgendwann mal, fällt mir gerade ein, vor dem letzten Jahrtausend im Studium gelernt habe. Was sind denn jetzt die konkrete Nachfrage, was sind denn jetzt typische Herausforderungen, die auf diesen Selbststeuerungsprozess eben einwirken?
Jürgen Lauber: Also grundsätzlich geht es darum, dass man den Schwächen und Eigenheiten des menschlichen Denkens entgegenwirken muss. Okay, das ist ganz grundlegend. Das hat sich eben am Ende so ergeben beim Entwicklungsprozess dieses Selbststeuerungsprozesses. Und zwar geht es darum, dass wir einfach evolutionsbiologisch, weil es uns überlebenstüchtig machte, extrem leicht ablenkbar und erregbar sind. Das ist genau die Eigenschaft von uns Menschen, die Smartphone-Apps ausnutzen, die uns immer wieder praktisch durcheinanderbringen. Aber genau das ist für die Arbeitswelt, speziell wenn ich Denkarbeit mache, schlecht. Und deswegen müssen wir da entgegenwirken. Und deswegen ist dieser Selbststeuerungsprozess, so wie ich ihn dokumentiert habe, im Buch beschrieben, der sorgt dafür, dass du immer ein wohltuendes Ziel vor dem Auge hast, jederzeit. Und wenn du ein Ziel vor dem geistigen Auge hast, kann man dich ganz schwer ablenken. Das ist zum Beispiel etwas, was in diesem Prozess gemacht wird, sicherstellt, dass du immer ein Ziel auf Augen hast. Ein weiteres Ding, was auch typisch menschlich ist, wir haben evolutionsbiologisch einen Vorteil, denkfaul zu sein. Warum? Weil Denken kostet extrem viel Energie in unserem Gehirn und deswegen sagt unser Kopf, komm, lass bleiben, fang an, geh gleich an den Bildschirm, arbeite gleich los etc. Weil eben planen zum Beispiel, reflektieren, abwägen, das kostet extrem viel Energie. Früher gab es das nicht, als wir noch irgendwo in der Wüste waren oder auf der Steppe. Und darum sagte dein Kopf, mach gleich, geh los und dann, deswegen ist es viel besser, wenn man einfach sich auf Anschein verlässt, auf die Intuition, aber das ist schlecht natürlich bei der Arbeit. Wenn man sich auf Anschein und Intuition verlässt und deswegen bringt dich der Prozess, der Kern des Prozesses ist, dass du einfach Selbststeuerungszeit nimmst. Du brauchst einfach Selbststeuerungszeit und es sollte mehr als fünf Minuten sein und es sollte am Morgen sein und es eben nicht zwischendurch ad hoc mal zwischendrin zu machen, sondern sich bewusst für seine Selbststeuerung einige Minuten Zeit zu nehmen. Das ist schon revolutionär. Und das macht schon einen riesigen Unterschied, weil die meisten Menschen machen das irgendwo so nebenbei, irgendwie wenn es in den Kratzer in den Sinn kommt. Meistens sogar noch abends, wenn der mentale Speicher total leer ist. Und das größte Problem eigentlich, das ist, dass wir, als Menschen hat es nie einen Vorteil gebracht, angenehme Dinge zu speichern in unserer Erinnerung oder Positives, Fortschritte. Das ist gar nicht wichtig gewesen. Das hat weder Überlebens- noch Fortpflanzungsfortschritte gebracht. Aber was wir extrem stark wahrnehmen, sind Negatives und wir speichern es auch extrem lang. Und darum haben wir in unseren normalen Erinnerungen eine totale Negativ-Dominanz. Und dieses falsches Erinnern hat übrigens, da hat sogar ein Psychologe, der Daniel Kahnemann, hat für dieses Erforschen den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Der hat nämlich nachgewiesen, dass Menschen dazu neigen, schlechte Entscheidungen zu treffen, weil sie sich gar nicht beziehungsweise falsch erinnern. Und die einfachste Entscheidung zum Beispiel, die wir uns jeden Tag zigmal treffen, ist, was mache ich als nächstes, und die kann schon wieder total falsch sein. Und deswegen braucht man im Prozess, muss man eigentlich die Leute dazu bringen, dass sie mehr notieren, dass sie notieren, dass sie strukturieren, dass sie visualisieren und dass sie das, was sie dann notiert haben, auch rekapitulieren. Und das möglichst eben mit der Hand, weil mit der Hand geht das direkt in den Kopf. Also das ist eben nicht irgendwie im Rechner irgendwo, wenn es noch blinkt, etc., abgelenkt gleich. Und das ist also diese Erinnerung, sich richtig zu erinnern, damit man überhaupt zu einem guten Plan für die Zukunft kommen kann. Das ist essentiell und das ist eben dieses Reviewen. Du hast ja gesagt, dieses Regeln. Ich muss schauen, was war. Und dann schließt den Regelkreis und daraus, was war, kann ich überhaupt ableiten, was sein soll. Und dieses Reviewen und Planen, das nenne ich im Buch smoffen, das ist das persönliche Review smoffen. Das ist eigentlich der Kern dieses Selbststeuerungsprozesses. Ganz simpel eigentlich, aber es machen die wenigsten.
Götz Müller: Gut, jetzt höre ich da definitiv raus, oder du hast so ausgedrückt, Zeit nehmen, und jetzt in dem klassischen Produktionsprozess haben wir dann, ich würde sagen, durchaus ein vergleichbares Dilemma, so ein bisschen ganz extrem ausgedrückt, ich habe keine Zeit, kennen wir ja alle den Spruch wahrscheinlich, die Säge zu schärfen, ich muss Bäume fällen. Also sprich Säge schärfen und da gibt es ja das noch auf die Spitze getrieben, ich glaube, von Abraham Lincoln, der gesagt hat, wenn ich eine Stunde Zeit hätte, um Bäume zu fällen, würde ich 50 Minuten die Säge schärfen. Und ich glaube eben, das lässt sich eins zu eins auf das Thema Selbststeuerungsprozess übertragen. Jetzt aber vielleicht ein bisschen hinterfragt, weil zumindest ist es mir das ein oder andere Mal begegnet, so ein bisschen eine abfällige Sicht auf das Thema Selbstoptimierung, weil im Grunde optimiere ich mich ja ein Stück weit selber. Wie stehst du dazu? Beziehungsweise was würdest du jemandem antworten, der sagt, diese ganze Selbstoptimierung, das ist doch…
Jürgen Lauber: Ich optimiere nicht mich, ich optimiere mein Gefühl, wie es mir geht. Das ist etwas ganz anderes. Also es geht nicht darum, dass ich hübsch aussehe, dass ich, was weiß ich, ich reich bin oder was weiß ich. Das Wort Optimierung würde ich in dem Fall nie, also ich benutze das auch in meinem Buch nie. Das ist toxisch, wie du siehst. Das ist Selbstoptimierung. Das ist so oberflächlich. Wenn ich optimiere was, dann ist es mein Ansehen bei meiner Umgebung, bei meinen Mitmenschen. Also das ist eine gute Optimierung. So könntest du es machen. Wenn die mich positiv sehen, wenn die mich positiv erleben, ist meine Selbststeuerung gut. Dann habe ich mich im Griff. Dann kann ich mit meiner Umgebung und allen Widrigkeiten umgehen. Aber Selbstoptimierung, da würde ich auch sagen, ist Schrott. Der Begriff ist schon übel. Entschuldigung.
Götz Müller: Vielleicht ein bisschen auf die Spitze getrieben, vielleicht ist es aber auch gar nicht möglich. Was könnte passieren, wenn ich es eben vielleicht ein Stück weit fehlgeleitet übertreibe?
Jürgen Lauber: Selbststeuerung ist ja eine Art Navigation durch den Arbeitsalltag. Arbeitsalltag, Arbeitsleben. Deswegen heißt ja mein Buch aus Navigationshandbuch durch Arbeitsalltag und Arbeitsleben. Und wenn ich jetzt als Kapitän es mit der Navigation übertreiben würde, habe ich eigentlich im schlimmsten Fall Zeit vergeudet. Eigentlich kann ja nichts passieren. Also ich kann, was weiß ich, bei Windstille, wenn kein Wind ist, kann ich eine Stunde Navigation betreiben, aber es passiert ja eh nichts. Aber es kann eigentlich nichts groß schief gehen, weil ich mache ja etwas Sinnvolles, Navigieren. Und genauso ist es bei der Selbststeuerung auch. Die Selbststeuerung braucht, so wie ich dir das geschildert habe, mit diesem Review und Preview täglich, wöchentlich und dann kann man es auch quartalsweise machen, vierteljährlich. Die braucht, je nach Jobziel und Großwetterlage, also wie die Situation ist, brauche ich pro Woche 40 bis 60 Minuten dafür. Das ist das Normale. Das heißt also pro Arbeitstag im Schnitt 10 Minuten. Würde ich jetzt 20 reinstecke, kommt nicht mehr wesentlich mehr dabei raus. Aber es kommt auch nichts anderes raus. Es kommt auch nichts Toxisches raus, etwas Gefährliches oder sowas. Ich beginne vielleicht zu grübeln und diese Grübelzeit hätte ich mir sparen können. Also ich werde vielleicht bei der Planung und Review ineffizienter, das ist richtig. Aber eigentlich kann nichts Schlimmes passieren. Das Einzige, wo ich dann wirklich sage, wo ich als Coach dann öfters mal auch, was das sich zwei, dreimal im Jahr zugezogen wird, wenn es um langfristige strategische Ziele geht, die ich verfolge, persönliche Ziele, da kann ich mich schon als Mensch verrennen. Und da ist es nicht schlecht, wenn du vielleicht irgendeinen Vertrauten, irgendeinen Mentor hast, mit dem du das mal besprechen kannst, der dich hinterfragen kann. Also man kann sich schon mit langfristigen Zielen, mit strategischen Zielen kann man sich schon verrennen. Ist mir auch schon passiert. Ich habe leider Gottes auch niemand mehr, der über mir steht, der mich hinterfragt. Aber das, wenn ich es auf Ebene Tag und Woche mache, dass ich mich am Wochenende gut fühle, dass ich mich am Feierabend gut fühle, kann nichts passieren. Wenn ich mich schlecht fühle, habe ich etwas falsch gemacht. Das merke ich sofort.
Götz Müller: Ja, ist plausibel.
Jürgen Lauber: Ja, also wie gesagt, es geht so, wie ich das im Buch beschreibe, relativ schnell. Es ist wie so ein Netflix-Film, wenn man sieht, wie viel Zeit wir in unsere Smartphone reinstarren oder irgendwie Streaming anschauen, ist das 40 bis 60 Minuten pro Woche für seine Steuerung über Tage, Wochen und Quartale hinweg. Das ist nicht viel. Und dafür bin ich dann wesentlich effizienter, zuverlässiger und besser in die restliche Zeit. Das ist also nicht so wie der Abraham Lincoln 50 Minuten für die Säge braucht. Das ist eigentlich die 10 Minuten oder 5 bis 10 Minuten. Das sind kein Kaffee, dafür hat man eine Zigarette geraucht etc. Länger darf es nicht brauchen, weil ansonsten macht man es auch nicht. Also keiner nimmt morgens sich 20 Minuten, sei 30. Das ist nicht drin im normalen Leben. Hat man noch Kinder, was weiß ich. Das muss ruckzuck gehen. Fünf bis zehn Minuten muss da ausreichen.
Götz Müller: Okay. Jetzt hattest du eingangs auch das kurze Stichwort Kaizen genannt. Das ist jetzt Eulen nach Athen tragen oder in den Podcast, der letzten Endes ja auch den Titel hat. Hier jetzt nachgefragt, um auch so ein bisschen vielleicht eben den Bogen zum klassischen Lean zu schlagen. Welche Rolle spielt dieses kontinuierliche Verbessern auf einer, ja, ich würde sagen, eben auf einer Meta-Ebene des Prozesses, des Selbststeuerungsprozesses, weil ich glaube, jetzt könnten sich durchaus da Wechselwirkungen zu klassischem Lean in der Einrichtung ergeben, aber umgekehrt halt vielleicht jemand, der im Lean total zu Hause ist, jetzt bei der Selbststeuerung vielleicht noch das eine oder andere Defizit hat, erkennt plötzlich: Ach guck mal, wenn ich das, was ich sowieso schon mache, auf mich selber anwende, wird es ja nicht schlechter.
Jürgen Lauber: Also beim Kaizen geht es ja darum, Muda zu eliminieren. Und Muda ist ja eigentlich das alles, was Wertschöpfung behindert, beziehungsweise nichts mehr beiträgt. Und bei Denkarbeit vor Bildschirmen, ist Muda Vergesslichkeit, Unsicherheit, Stress, Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen, häufige Taskwechsel, häufiges Eindenken und Umdenken. Und was ich tue bei diesem Smoffen-Prozess, bei diesem Review und Preview, das ich periodisch mache, vor jedem Arbeitstag, vor jeder Arbeitswoche, ich versuche das systematisch zu vermeiden. Ich räume auf im Kopf und schaffe Ordnung sowie Übersicht, auf einen Blick einen Tag auf einen Blick, eine Woche auf einen Blick, alles auf einen Blick und das ist das, was ich eigentlich im Kaizen auch habe oder im Lean auch sage, ich muss es sehen, ich muss visuell gesteuert sein. Was du jetzt mit dem klassischen Lean meinst, kann ich schlecht dazu etwas sagen, denn ich selbst habe in Japan das Kaizen erlernt. Ich habe dann anschließend das mit der Hilfe von japanischen Kaizen-Mentoren, -Gurus in einem Schweizer Industrieunternehmen umgesetzt und das ist praktisch meine Erfahrungsbasis. Und aufgrund dieser Erfahrungen, die wir dann gemacht haben mit diesem japanischen Kaizen, haben wir dann das Ganze, den Grundgedanken dieses Kaizen von der Fertigungsarbeit, der Produktionsfläche, einfach übertragen auf die Denkarbeit an Schreibtischen. Und was daraus entstanden ist, habe ich dann anschließend in meinem Buch dokumentiert. Also der Kern dessen, die Idee ist eigentlich das, was ich aus dem japanischen Kaizen kenne. Ob das jetzt eins zu eins mit dem eher amerikanischen Lean ist, kann ich nicht so sagen, weil ich ganz einfach meine Mudamilch eben mit Japanern eingezogen habe und nicht mit Amerikanern. Deswegen bin ich halt eben anders. Aber ich denke, das ist das allerselbe. Es hat nur einen anderen Titel. Es wird nur anders gesehen. Die kontinuierliche Verbesserung mache ich jeden Tag. Ich schaue jeden Tag und jede Woche, frage ich mich, habe ich gestern das Bestmögliche aus dem Tag gemacht? Das ist im Prozess mit drin. Und eine bessere Verbesserung gibt es ja nicht, als sich jeden Tag und jede Woche zu hinterfragen, ob ich gestern das Bestmögliche aus meinem Tag, aus meinen Ressourcen gemacht habe.
Götz Müller: Bei dem, was du erzählt hast, ging mir gerade auf einer ganz methodischen Ebene so eine Art mentales 5S durch den Kopf. Also durchaus eben auch erkennen, was belastet mich unnötig, was gehört da eigentlich nicht hin, und wenn es nur dieses kleine Teil ist, das man in der Hand und in der Hosentasche haben kann, also sprich Smartphone, und was bedeutet das aber eben für meinen Geist? Das höre ich da zumindest raus.
Jürgen Lauber: Im Prinzip ist es 5S für den Kopf. Kannst du das auch sagen? Also, wie gesagt, ich bin nicht in dieser Welt so zu Hause, weil ich habe es eben aufgrund dessen, mein Eigentümer hat mich da mal gezwungen, nach Japan zu gehen. So kam ich dann da drauf. Sonst hätte ich es auch nicht gemacht. Und deswegen hatte ich mich mit dem, auf der Sichtweise des japanischen Kaizen beschäftigt und nicht aus dem amerikanischen her, aus dem, was da eben dokumentiert ist.
Götz Müller: Gut, jetzt so ein bisschen zum Abschluss mit einem Blick auf die Uhr. Den Selbststeuerungsprozess haben wir jetzt ziemlich diskutiert, aber ich bin mir andererseits auch sicher, wir haben es nur angerissen. Du hast an der einen oder anderen Stelle auch ein Buch erwähnt von dir, das du geschrieben hast. Ich vermute mal, dass man da ein bisschen mehr drüber nachlesen kann.
Jürgen Lauber: Ja, also für mich ist, ich bin ja, du hast ja gesagt, ich bin vom CEO zum Influencer geworden. Ich möchte eigentlich möglichst viele Menschen beeinflussen, dass ihr Selbststeuerungsprozess im Sinne ihres Wohlergehens besser wird und deswegen, ich kann das ja nicht immer nur eins zu eins machen, deswegen habe ich ein Buch dazu geschrieben, das dann 2021 praktisch veröffentlicht wurde. Und das auch inzwischen sehr, sehr viele, also sehr, sehr begeisternde Rezensionen hat von den Lesern. Und damit das möglichst breit geht, gebe ich es auch digital ab. Und das ist praktisch die Anleitung zu diesem 5S, wie du sagst, dieses mentale 5S. Wie funktioniert denn das? Welche Denkmuster brauche ich? Was sind die Ziele dazu? Wie mache ich denn das methodisch? Wie mache ich denn einen Review von gestern, einen strukturierten Review? Wie strukturiere ich den? Wie lenke ich denn eigentlich meine Aufmerksamkeit? Es ist ja alles schön und gut zu hören, aber wie geht es denn? Und dass das alles irgendwo dann dokumentiert ist, dass ich den Prozess auch leben kann, habe ich eben das im Buch festgehalten. Es sind 360 Seiten, muss man alles lesen. Das ist so ein Navigationbuch, nimmt man wesentliche Teile raus, nimmt man ein, zwei der Bausteine raus, hat man sofort eine Wirkung. Und es wirkt sofort, das ist ja auch das, was Kaizen ausmacht, dass man nicht lange darüber redet, sondern sofort irgendwas macht und sofort eine positive Wirkung spürt. Und ja, das Buch, deine Hörer, die es interessiert, wenn sie mir eine E-Mail schicken, gebe ich ihnen das gerne auch kostenlos ab als PDF. Wie gesagt, das lässt sich immer bei Amazon kaufen, kostet 70 Euro und wie gesagt, das wird gut verkauft. Ich verkaufe da pro Monat 50 bis 100 Bücher, läuft also supergut. Die Nachfrage ist groß, aber ich lebe ja nicht davon. Ich habe, Gott sei Dank, als CEO genug Geld verdient. Und deswegen bin ich froh, wenn es gelesen wird, wenn es ankommt, wenn es wirkt. Im Sinne vom Wohlergehen von Menschen und damit auch den Mitmenschen und Umgebung, Partner, Familie, Kollegen. Das wirkt einfach cool. Win-win. Es verliert ja keiner was.
Götz Müller: Okay. Ja, prima. Das wird sicher den einen oder anderen Zuhörer motivieren, motivieren, dich anzuschreiben. Ich werde in die Notizen zur Episode, werde ich die Kontaktdaten, Möglichkeiten, dich zu kontaktieren, mit reinnehmen.
Jürgen Lauber: Sehr gerne, Götz.
Götz Müller: Jürgen, an der Stelle, ich danke dir für den Einblick in ein, glaube ich, schon wichtiges Thema, in den Blick von außen auf das eigene Marmeladeglas, um mal bei der Metapher noch mal zu bleiben. Ja, ich danke dir für deine Zeit.
Jürgen Lauber: Also, herzlichen Dank, dass ich dabei sein durfte heute. Tschüss, Götz. Ciao.
Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Jürgen Lauber zum Thema Selbststeuerungsprozess. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 385.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Jürgen Lauber über den Selbststeuerungsprozess und dessen Bedeutung für Menschen, die überwiegend geistige Arbeit leisten. Jürgen Lauber beschreibt seinen eigenen beruflichen Hintergrund als langjähriger Industrie-CEO und erläutert, wie er sich nach seiner aktiven Karriere intensiv mit der Verbesserung von Selbststeuerung beschäftigt hat. Sein zentrales Anliegen ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Denken und Handeln bewusster und zielgerichteter auszurichten, um sowohl beruflich als auch persönlich langfristig ein gutes Gefühl zu erreichen.
Zu Beginn klärt Jürgen Lauber, was er unter einem Selbststeuerungsprozess versteht. Es handelt sich um eine strukturierte Vorgehensweise, die dabei hilft, Ablenkung, Fremdsteuerung und Verzettelung zu reduzieren. Ziel ist es, weniger von Zufällen, spontanen Impulsen oder äußeren Einflüssen bestimmt zu werden. Stattdessen soll das eigene Handeln systematisch auf ein positives Ergebnis ausgerichtet werden. Im Kern geht es darum, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Erinnerung und sogar die eigene Gefühlslage aktiv zu steuern.
Besonders relevant ist dieses Konzept für Menschen mit Handlungsspielraum, die wenig direkte Führung erfahren. Dazu zählen vor allem Wissensarbeiter, die überwiegend am Bildschirm arbeiten. Im Gegensatz zur Produktion fehlen ihnen oft klare visuelle Strukturen und Abläufe, weshalb sie selbst für Ordnung und Orientierung sorgen müssen. Genau hier setzt der Selbststeuerungsprozess an.
Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, wie man erkennt, ob die eigene Selbststeuerung funktioniert. Laut Jürgen Lauber zeigt sich dies vor allem im Ergebnis und im eigenen Empfinden. Stress, Unsicherheit oder Vergesslichkeit sind klare Hinweise auf Defizite. Umgekehrt zeichnet sich eine gute Selbststeuerung durch Souveränität, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit aus, auch anderen helfen zu können, ohne sich dabei zu überlasten. Dabei geht es nicht darum, sich fremdbestimmen zu lassen, sondern bewusst zu entscheiden, wann und wie man Unterstützung gibt.
Götz Müller greift diesen Punkt auf und bringt die Perspektive von Führung und Zusammenarbeit ein. Eine schlechte Selbststeuerung, etwa in Form von Launenhaftigkeit, wirkt sich negativ auf das Umfeld aus und kann beispielsweise die psychologische Sicherheit im Team beeinträchtigen. Jürgen Lauber betont, dass solches Verhalten kein bewusstes Ziel ist, sondern Ausdruck mangelnder Selbststeuerung. Er sieht darin kein unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein regulierbares Defizit.
Sein Ansatz ist stark durch das Denken in Regelkreisen geprägt. Er betrachtet Selbststeuerung als kontinuierlichen Prozess aus Beobachtung, Bewertung und Anpassung. Dabei spielen äußere Einflüsse eine große Rolle, insbesondere die natürlichen Schwächen des menschlichen Denkens. Menschen sind evolutionsbedingt leicht ablenkbar und neigen dazu, Energie zu sparen, indem sie Planung und Reflexion vermeiden. Gleichzeitig erinnern sie sich stärker an negative Ereignisse als an positive, was zu verzerrten Entscheidungen führen kann.
Um diesen Effekten entgegenzuwirken, empfiehlt Jürgen Lauber feste Zeiten für Selbststeuerung einzuplanen. Besonders wichtig ist eine kurze, bewusste Reflexion am Morgen. Diese sollte mehr als nur wenige Minuten umfassen, aber dennoch praktikabel bleiben. Ergänzt wird dies durch regelmäßige Rückblicke und Vorschauen, die er als zentralen Bestandteil seines Prozesses beschreibt. Dabei geht es darum, Erlebnisse zu dokumentieren, zu strukturieren und daraus gezielt Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.
Götz Müller zieht Parallelen zu Lean-Prinzipien und bringt das Bild des „Säge Schärfens“ ins Spiel. Jürgen Lauber bestätigt diesen Gedanken und betont, dass bereits fünf bis zehn Minuten täglicher Reflexion einen erheblichen Unterschied machen können. Insgesamt liegt der zeitliche Aufwand bei etwa 40 bis 60 Minuten pro Woche, was im Verhältnis zum Nutzen sehr gering ist.
Kritisch setzt sich Jürgen Lauber mit dem Begriff der Selbstoptimierung auseinander. Für ihn geht es nicht darum, sich im klassischen Sinne zu „optimieren“, sondern darum, das eigene Wohlbefinden und die Wirkung auf andere zu verbessern. Eine gute Selbststeuerung zeigt sich darin, wie man von seinem Umfeld wahrgenommen wird und wie gut man mit Herausforderungen umgehen kann.
Auch mögliche Risiken werden angesprochen. Während eine Übertreibung im täglichen Prozess kaum negative Folgen hat, besteht bei langfristigen Zielen die Gefahr, sich zu verrennen. Hier empfiehlt Jürgen Lauber den Austausch mit vertrauten Personen oder Mentoren, um die eigene Richtung regelmäßig zu hinterfragen.
Abschließend stellt er den Bezug zu Kaizen her. Für ihn ist der Selbststeuerungsprozess eine Übertragung von Lean-Prinzipien auf die Denkarbeit. Begriffe wie Verschwendung lassen sich direkt auf mentale Prozesse anwenden, etwa in Form von Stress, Unsicherheit oder häufigem Kontextwechsel. Der von ihm entwickelte Ansatz kann daher als eine Art „5S für den Kopf“ verstanden werden, das für Klarheit, Struktur und kontinuierliche Verbesserung sorgt.
Zum Ende des Gesprächs verweist Jürgen Lauber auf sein Buch, in dem er seine Methode ausführlich beschreibt und praktische Anleitungen gibt. Sein Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen, ihren Alltag bewusster und wirksamer zu gestalten.
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