Kaizen 2 go 085 : 5S



Im Gespräch mit Frédéric Jordan --

Wir unterhalten uns über die 5S-Methode, die offensichtlichen Bestandteile aber auch die versteckten Elemente, die für den erfolgreichen Einsatz ebenso wichtig sind.
 

Inhalt der Episode

  • Was ist 5S überhaupt? Wie funktioniert es?
  • Was ist der verborgene Zweck von 5S?
  • Welche Rolle spielen Mitarbeiter und Führungskräfte?
  • Wie sollte 5S eingeführt werden?
  • Was kann dabei passieren und wie geht man mit diesen Situationen um?
  • Wie funktioniert 5S außerhalb der Produktion?
  • Was sollte man mit 5S nicht machen?

Notizen zur Episode

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(Teil)automatisiertes Transkript

Götz Müller: Episode 85 – 5S

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Heute geht mein Podcast zum ersten Mal international. Ich habe einen Kollegen aus der Schweiz dabei, den Frederic Jordan, den man auch den Rebellen aus der Schweiz nennt.

Hallo Frederik.

Frédéric Jordan: Hallo Götz.

Götz Müller: Es freut mich, dass du heute dabei bist. Es war eine ganz spontane Aktion nach eine kleine Diskussion, die du selber gerne mitbekommen hast.

Frédéric Jordan: Das ist so. Du hast mir die Unterlagen zugestellt. Ich habe bis heute keinen Zugang zu diesen Gruppe. Von dem nach darf ich dort nicht mitmachen.

Götz Müller: Deshalb werden wir das hier im Podcast aufarbeiten. In dieser Diskussion ging es um das Thema 5S. Und du hattest ja selber einen Artikel auf deinem Blog zeitgleich darüber geschrieben, den ich dann dort auch verlinkt habe und da kamen auch sehr schön Dinge raus, Dinge rüber, wie eigentlich wie 5S im Grunde falsch verstanden wird und dann auch nicht so richtig funktioniert.

Aber vielleicht zum Einstieg, damit die Zuhörer, falls jetzt nicht jeder mit 5S wirklich vertraut ist. Sag ein paar Sätze zum Thema 5S. Wie funktioniert es, wo kommt es her? Und dann später eben werden wir es ja noch vertiefen, was steckt noch dahinter.

Frédéric Jordan: Okay. Also die 5S Methode, das ist ja richtig aber der Einstieg für die meisten Firmen die sich mit Lean Management verschönern möchten. Das sind fünf Punkte. Das besteht aus Sortiere aus, Stelle ordentlich hin, Säubere, Standardisiere und die Selbstdisziplin. Das sind eigentlich fünf ganz einfache Punkte, wo man heute auch immer Qualitätsmanagement sehr häufig im Zusammenhang mit TQM natürlich hört und sieht. Es ist ganz einfach verständlich.

Man hat Sm 5 Begriffe, eine kleine Methode, Das kann man sofort lernen und umsetzen. Es gibt ganz, ganz viele Literaturschnipsel dazu, nichts ausführliches, nur kleine Dinge. Aber das kann eigentlich jeder anwenden. Das funktioniert auch so. Darf man nicht vergessen, 5S hat den Vorteil, schon nur wenn man alles putzt und ordentlich hinstellt und das ganze säubert und dann irgendwie standardisiert, Sinne von ich möchte gerne meine Tastatur immer vor den beiden Bildschirm, nicht links und rechts am Abend. Es sieht einfach schön aus. Ss funktioniert, es ist praktisch.

Götz Müller: Genau. Jetzt hatte ich ja schon angedeutet, das ist das, was man der Oberfläche sieht. Wenn man gemeinsam aufräumt, eben auch hinterher, wenn es aufgeräumt ist.

Jetzt steckt da aber viel mehr dahinter und das ist ja das, was ganz oft übersehen wird, ich glaube auch deiner Ansicht nach. Erzähl darüber noch ein bisschen, was ist der verborgene Zweck hinter 5S.

Frédéric Jordan: Das ist jetzt eine gute Frage. Der verborgene Zweck, ich denke, alles was mit Toyota zusammenhängt, hat keine verborgenen Zwecke. Es ist relativ logisch aneinander reinfasst. Ich habe einen Arbeitsplatz, der muss irgendwie funktionieren, damit der Prozess stabil läuft. Das bedeutet, es muss Sauberkeit vorhanden sein. Ich muss alle Gegenstände, die ich entweder bearbeitete oder benötige, irgendwie in Griffnähe haben. Es muss funktionieren und einfach sein.

Ich denke, das ist ja das, was die meisten auch verstehen. Es geht wirklich mal in erster Linie am Arbeitsplatz nur – und dort sind wir beim Problem – dass die Arbeitsplätze gerade in der Fabrik ja nicht separiert irgendwo in der Gegend stehen, sondern die hängen irgendwo zusammen. Es geht um den Gesamtprozess und meiner Ansicht nach wird das ganze Thema 5S einfach zuwenig auf das Gesamte angeschaut, sondern immer nur auf einen Arbeitsplatz oder identische Arbeitsplätze. Und das ist eigentlich falsch, aus meiner Sicht.

Götz Müller: Was ich dann ganz oft noch wahrnehme, dass Betroffenen vor Ort irgendwas übergestülpt wird. Das heißt, da hat jemand seinen Arbeitsplatz, vielleicht teilen sich im Schichtbetrieb den Arbeitsplatz auch Menschen und dann kommt da irgend so ein Schlaumeier, vielleicht so Schlaumeier, wie wir zwei – wobei, nee, ich glaube wir zwei machen das nicht – und dann stülpt man den Menschen vor Ort irgendwas über. Was ist da so Deine Erfahrung, was passiert dann ganz einfach und ganz schnell?

Frédéric Jordan: Ja, zuerst kommt der Widerstand. Die meisten Menschen wehren sich dagegen. Einerseits was natürlich heißt 5S, was bedeutet das? Dann heißt es, kommt aus Japan, okay ich bin kein Asiate. Oder einfach das ist mein Arbeitsplatz, da mache ich, was ich will und Punkt. Eben den Widerstand.

Götz Müller: Okay, wir haben schon drüber gesprochen, über die Menschen. Das heißt, was für eine Rolle sollten die Mitarbeiter, deren Führungskräfte im 5S dann aber eben spielen, damit genau das nicht passiert, sondern damit es funktioniert.

Frédéric Jordan: Das hat jetzt viele Facetten, ich nehme mal ein paar raus. Einerseits sollte die vorgesetzte Stelle verstehen, was ist das überhaupt für eine Methode. Das heißt, es keine Checkliste aus dem QM-Bereich. Das ist eine Methode, um etwas zu standardisieren, zu verbessern, zu säubern. Eben den Prozess zu stabilisieren. Er muss eigentlich verstehen, was hat das für Auswirkungen, wenn ich auf meinen Arbeitsprozess, an einem Arbeitsplatz 5S einsetze. Was bedeutet das überhaupt.

Was passiert auch, wenn ich es über mehrere Arbeitsplätze mache. Und erst dann, wenn diese Person das verstanden hat, dann sollte er es seinen Mitarbeitern dann mitteilen, nicht vorher.

Götz Müller: Wie sollte er das machen? Was ist deine Erfahrung, der beste Weg es den Mitarbeitern nahezubringen? Also wie man es nicht macht, hatten wir grad schon diskutiert. Ich habe das wirklich mal erlebt, da hat der Inhaber dann am Wochenende, Mitarbeiter waren alle zu Hause, hat am Wochenende mit seinem Hausmeister zusammen aufgeräumt.

Frédéric Jordan: Ja, wie sollte er das tun? Ich sag so. Meine persönliche Erfahrung, idealerweise vermittelt man die reine Grundtheorie wirklich am Board. Irgendwo gemeinsam, wo man spricht. Was, woher kommt das ganze, was beinhaltet es, was macht es für einen Sinn? Ein bisschen Information, mit Kaffee und Hörnchen, damit die Leute auch keine Angst davor haben.

Und was einzuführen, bin ich persönlich der Meinung, man sollte nur einen einzigen Punkt nehmen, in der Fabrik, einen Arbeitsplatz. Das mit dem Team, das dort arbeitet, anschauen, nochmals erklären, gemeinsam das machen. Und erst wenn es dort wirklich funktioniert, wenn die Leute verstehen, was passiert, nützt das überhaupt das, was ich gerne möchte. Bringt es mir die Erfolge, die ich wünsche, dann wird es ausgedehnt auf die nächsten Arbeitsplätze. So rein für den Start, wenn es jemand wirklich noch nie mit Lean zu tun hat.

Götz Müller: Was ist so grundsätzlich deine – außer dem Widerstand, wenn ich eben so von außen überstülpe – was ist so grundsätzlich deine Erfahrung, wie die Menschen auf das Thema 5S reagieren? Und und wie geht man dann – auch wieder in deiner Erfahrung – am besten damit um.

Frédéric Jordan: Es gibt zwei grundsätzliche Richtung. Die einen, die finden das toll, die setzen diese Methode um, wie es einfach auch im Buch steht. 5 Punkte, erledigt und somit fertig. Und dann werde ich so audit-mäßig alle paar Wochen wiederholen und dann ist das alles gut.

Die Gegenpartei, die wehren sich natürlich dagegen, die wollen das nicht, die wollen das nicht verstehen, sie sehen auch keinen Sinn dahinter.

Putzen vielleicht noch ja. Aber sobald es dann so in die Standardisierung reingeht oder Selbstdisziplin, warum soll ich das tun? Dann hört es meistens auf.

Persönlich versuche ich den Leuten dasselbe beizubringen, wie man früher von den Werkern kennt. Wo der Azubi am Abend Besen nahm und seine Maschine putzte. Oder allgemein die Leute ihre Maschine putzen. Und es geht ja schlussendlich auch in einem Punkt darum, erhalte deine Maschine, die soll sauber sein, wenn man am Abend den ganzen Arbeitsplatz verlässt, soll es sauber sein.

Man stellt alles wieder zurück und verräumt es auch. Und ich denke mit diesem Link von früher, das offenbar heute ganz ganz viele Junge nicht mehr kennen, gelingt es mir meist, dass die Arbeiter in den Fabriken verstehen, ah das ist ja dasselbe in grün.

Erster Blick drauf, ich mache das gleiche wie früher nur jetzt mit Methode.

Götz Müller: Wobei ich da zum Teil die Erfahrung gemacht habe, Du hast das Stichwort Auszubildende, Lehrlinge genannt, in manchen Unternehmen herrscht so ein bisschen – ich finde es eine Unsitte – ja, aufräumen macht der Azubi.

Frédéric Jordan: Absolut, absolut.

Götz Müller: Und dann finde ich, passiert eben genau das Gegenteil von dem, was wir uns, glaube ich, wünschen, nämlich dass jeder für seinen Arbeitsplatz selber für die Ordnung sorgt bzw. im Idealfall ja im Grunde vermeidet, dass irgendwas unordentlich wird. Weil dann muss ich ja nichts aufräumen, weil ich ja den Azubi dafür habe.

Und werde ich den Verdacht nicht los, dass das manchmal immer noch den in den Köpfen drin ist. Und dann habe ich irgendwann ausgelernt und jetzt steige ich so gedanklich oder real, virtuell eine Stufe hoch und jetzt macht es ja wieder der Azubi. Also muss ich es plötzlich nicht mehr machen. Begegnet Dir sowas auch? Also mir begegnet es immer mal wieder.

Frédéric Jordan: Ja, da stimme ich dir zu. Ich hatte vor schätzungsweise zwei Monaten das Vergnügen eine wirklich tolle Werkstatt zu besichtigen und dort war genau das das Problem. Es war Punkt vier Uhr 00 und dann gingen eigentlich die Azubis los, schnappen sich das Putzmaterial und putzt die ganze Werkhalle. Das sah super aus und die haben das auch toll gemacht. Aber genau das, was Du jetzt gesagt hast, eben die Ausgelernten, die müssen dann das nicht mehr tun. Das merkte man auch.

Die ließen definitiv alles stehen und liegen , wo es auch lag. Das ging soweit, dass man auch Paletten mit Material drauf einfach irgendwo in der Landschaft stehen ließ, weil der Azubi räumt es ja dann weg. Sehr schade, ist natürlich falsch.

Götz Müller: Ja und ich finde, ich sage es dann auch durchaus, ich finde es im Grunde auch respektlos den Auszubildenden gegenüber.

Frédéric Jordan: Das ist so, korrekt.

Götz Müller: Die sollen ja was lernen und putzen lernen, ja muss man vielleicht auch lernen, aber das sollte nicht inhalt über drei Jahre der Ausbildung sein. Weil wegen mir immer eine Stunde am Tag oder so. Und eben mit diesem Negativeffekt, dass die anderen nicht mehr aufräumen deshalb.

Frédéric Jordan: Genau.

Götz Müller: Okay, jetzt haben wir ja immer wieder das Stichwort gehabt. Produktion, Werkstatt, Produktionshallen. Da hat es seinen Hintergrund, da kommt es her. Was hast du für Erfahrungen gemacht mit 5S in anderen Bereichen?

Frédéric Jordan: Lustige. ich sag's mal so. In der Werkhalle versteht man es noch. Weil da macht man was, da produziert man was. Im Bürobereich beispielsweise, ist es zumindest in der Schweiz so, dass so wie du arbeitest, kannst du frei entscheiden. Das heißt, wie ein Menschenrecht, ich darf machen, tun wie ich das will, spielt keine Rolle. Oder wie es auch schon geheißen hat, alle Sekunden, die man in der Produktion einspart irgendwo, werden dann im Büro zehnfach rausgeworfen. Das merke ich schon auch. Es ist in der Bürolandschaft viel schwieriger 5S einerseits überhaupt mal einzuführen und den Leuten auch klar zu machen, das ist auch ein Büroarbeitsplatz, wo das möglich ist, damit was hinzukriegen, bzw. nicht nur am Arbeitsplatz selbst, sondern in der näheren Umgebung, Das heißt alles was so Gemeinschaftschränke sind oder Archive, Lager generell oder was auch immer.

Es ist schwieriger.

Götz Müller: Wobei ich dann da immer mal wieder so auf verbrannte Erde stoße, wenn da vielleicht schon mal jemand war und da kommen wir dann jetzt zu einem Punkt, wo auch in besagter XING-Unterhaltung, -Diskussion da ein Thema war, wo dann festgelegt wird, ja das Telefon muss da stehen und da darf sonst nix stehen. Solche Dinge und ich glaube auch da erzeugt mam einen Widerstand, der im Grunde überhaupt nicht hilfreich ist. Was ist da deine Erfahrung?

Frédéric Jordan: Ja, die verbrannte Erde. Das ist in gutes Stichwort. Ja, die gibt's tatsächlich. Gerade in den Bürobereichen höre ich natürlich sehr oft, das hatten wir schon mal. Logisch, wenn man sich mal überlegt, das ganze Lean-Thema so um die 25 Jahre bei uns rumgeistert in irgendeiner Art und Weise, ist es natürlich verständlich, dass irgendjemand, meistens sind es Berater gewesen, in der Firma waren und gesagt haben: Sie müssen tun. Und sofern man Pech hatte, einen ich sag mal, einen Berater zu kriegen, der, ganz übertrieben, die Ablage für die Tastatur direkt in den Tisch reinfräste, dann hat man – das gibt's übrigens – dann hat man natürlich einfach bisschen negative Schwingungen, wie man so schön sagt, gegen solche Methoden und die Leute sind dann auch gar nicht begeistert wenn man damit kommt.

Götz Müller: Okay und jetzt jetzt möchte ich noch ein Punkt vertiefen, um den es auch in der Diskussion ging, was dann für mich so der Impuls war, da ein Stück weit dich mitreinzuziehen, nämlich das Thema Standards im 5S, Audits und ich nenne es mal krass, anderen Unfug.

Was ist dir da schon begegnet, so bissle auch ein Wort der Warnung an alle, die draußen zuhören, was soll man denn besser noch lassen.

Frédéric Jordan: Hm. Also Unfug gefällt mir. Ich denke so. MA muss ja verstehen, dass Standard, gerade am Arbeitsplatz, muss so sein ,dass er einerseits den Prozess unterstützt aber eben auf die jeweilige Person passt. Das heißt der Standard kann wechseln. Stichwort Links- und Rechtshänder, da gibts einfach Differenzen, die muss man einhalten.

Betreffend Audits. Ich bin ein extremer Gegner aller Audits. Ich war ehemals viele, viele Jahre lang in den Finanzen tätig und das ist einfach so, Checkliste, da stelle ich mir immer so einen alten grauen Mann vor, der mit der Checkliste durchläuft und findet ja, nein, ja, nein. Wenn du zu viele nein hast, dann wirst Du gefeuert. Und das ist einfach Quatsch. Man muss verstehen, was man tut und ich denke, es macht viel mehr Sinn, wenn man es gemeinsam erarbeitet und den Sinn versteht anstelle einer Checkliste so àla ISO 9000 irgenwas, wo es halt heute, gerade in Werkstätten sehr, sehr häufig vorkommt, prüfe täglich deine 5S. Sinn und Zweck sei dahin gestellt und einfach, das ist Quatsch. Was ich würde persönlich sagen, hört auf mit Audits. Macht lieber Erfahrungsaustausche, fragt fremde Firmen, oder befreundete Firmen, fragt Berater. Aber hört auf mit diesen Audits. Ganz persönliche Meinung.

Götz Müller: Weil genau dieser Effekt, den du gerade genannt hast, da kommt dann einer mit dem erhobenen Zeigefinger und man weiß nicht genau, was anschließend passiert. Und dadurch eben dieser unbekannte Faktor mitreinkommt und dadurch schlichtweg auch Angst entsteht einfach, glaube ich.

Frédéric Jordan: Ja, so eine Kontrolle.

Götz Müller: Und ich glaube, kontrolliert werden, will keiner so gern.

Frédéric Jordan: Nein, das ist so.

Götz Müller: Jetzt gibt's noch einen Punkt. Ich möchte nocht bissle was für deinen, ich sag mal, für deinen Blutdruck tun. Ich weiß, dass du diesen Punkt auch erwähnt hast. Da gibt's ja noch ein sechstes S. Wobei im Grunde, also ich kenne zwei sechste S. Ich vermute mal, du denkst jetzt an das eine sechste S und sag mal zu dem 6S, an das du jetzt gerade denkst, sag mal zu dem noch einen Satz.

Frédéric Jordan: Ich gehe davon aus, du meinst die Sicherheit.

Götz Müller: Ja.

Frédéric Jordan: Also ich bin ein Mensch, der sich schätzungsweise ja gut 20 Jahre mit vielen Bereichen aus Asien beschäftigt. Ich sag' es mal so, ich bin sicher nicht der Guru persönlich, aber ich habe ein gewisses Verständnis für den Minimalismus, den gerade die Japaner haben.

Für mich persönlich ist die Sicherheit völlig unwichtig. Weil, wenn ich etwas säubere und aussortiere, egal was danach ist, wenn ich es hinstelle, wenn ich genau weiß, wo was ist. Dann passt das eigentlich, dann brauche ich keine Sicherheit zusätzlich. Das ist eine Wiederholung, sag ich jetzt mal.

Götz Müller: Ja und so weit, wie ich es weiß, gibt's zwei andere Aspekte, wo im Grunde die Sicherheit auch ganz stark mit adressiert wird. Da habe ich ja schon den ein oder anderen
Artikel und und andere Dinge drüber geschrieben, nämlich das, wo im Grunde ein ganz wichtiger Teil des Lean Managements und da wo es herkommt. Nämlich das TWI Training Within Industry, bei der Arbeitsunterweisung steht das Thema Sicherheit ganz weit oben. Da sind also die Führungskräfte, die andere unterweisen ganz stark miteingebunden, das zu beachten. Und der weitere Punkt, wo das Thema Sicherheit drinsteckt, ich diese Job Trainings hat Toyota erweitert und hat an der Stelle, auch wieder ganz losgelöst vom 5S, ein Thema Job Safety Training eingeführt, wo genau dieses Thema vorbeugende Sicherheit auch ganz stark adressiert wird. Im Grunde aufräumen und alles was also beim 5S, womit anfängt und was da die Folge ist, ist ja zu einem Teil was nachgelagertes. Wichtig ist aber eben, dass ich die Sicherheit vorher schaffe. Den Unfall, wenn er passiert ist, kann ich dann nicht mehr verhindern.

Mit meinem sechsten S wollte ich aber auf was ganz anderes raus. Und zwar ich weiß nicht mehr, wo es mir begegnet ist aber es gibt noch einen weiteren japanischen Begriff, ich möchte nicht behaupten, dass ich den richtig ausspreche. Qenn er so ausgesprochen wird, wie man ihn auf Englisch Japanisch schreibt, dann wird er wahrscheinlich sowas wie “Schukan” ausgesprochen und es heißt Gewöhnung.

Das find ich persönlich und da auch mal im Gespräch mit dir, wie nimmst Du wahr, das finde ich persönlich auch einen wichtigen Aspekt. Nämlich Gewöhnung diese Routine, die ich damit schaffe. Um dann daraus auch dann so Dinge wie Daily Kaizen und sowas abzuleiten, und nicht, da hast Du ja auch einen schönen Artikel dazu geschrieben, diese Kaizen-Events, irgendwo loszutreten. Was ja im Grunde, ich will nicht sagen kontraproduktiv ist, aber am Grunddedanken völlig vorbeigeht.

Frédéric Jordan: Das ist korrekt. Also ich gehe noch mal einen Schritt zurück zum TWI. Ich muss gestehen, ich kenne das TWI ein bisschen. Es ist nicht so mein Bereich, also ich kenn es wenig. Aber ist toll, dass du mich darauf hingewiesen hast. Ich habe das gerne noch mal wieder an.

Zum letzten Punkt eben der Gewöhnung. Eigentlich so viel ich persönlich weiß, das muss ja auch nicht stimmen, da ich wie gesagt, kein Japaner bin ich. Ist eigenlich nicht dieser Punkt beim 5S früher eigentlich unter dem fünften Punkt gelaufen, mit der Selbstdisziplin und Kaizen. Ob das jetzt wirklich tatsächlich so ist oder nicht, weil das mit der Aufmerksamkeit oder ähnlichen Begriffen ist natürlich in Japan eine Selbstverständlichkeit mit diesen Bereichen. Man darf auch nicht vergessen, dass vieles das, ich sag mal in den letzten 25, 30 Jahre gemacht wurden, bei Toyota bspw., hat man ein bisschen aufgeräumt aus dem Grund raus, weil die jüngeren Personen, auch die Japaner nicht mehr dieselben kulturellen Hintergründe kennen, wie anno dazumal. Die kennen auch die Geschichte von Toyota selbst nicht mehr und sie haben natürlich eine weltweite Fabrikation.

Und dementsprechend hast du ganz viele Leute, die halt häufig gar nichts anfangen können mit japanischen Dinge. Die müssen alles in Englisch haben. Dementsprechend macht es durchaus Sin,n wenn man dort eine Ergänzung macht. Wobei eben die Frage ist, wie und auf welche Art. Da bin ich vielleicht ein Purist, war vielleicht zu oft in Asien.

Ich finde sowas persönlich unnötig, in der Methode drin. Dass man es hingegen separat schult und erklärt, das finde ich gut.

Götz Müller: Ja, ich würde es nicht mal, weil jetzt wo wir uns darüber unterhalten, ich würde es gar nicht mal als so einen greifbar losgelösten Schritt, wie die ersten drei vor allen Dingen sehen, sondern ich würde es eben also eine Sache unter der Wasseroberfläche sehen. Die schon mit drin ist, wie Du das richtig richtig gesagt hast, im fünften S und aber eben Auswirkungen auf das Gesamtverhalten der Menschen letzten Endes hat. Nämlich diesen Gewöhnungseffekt und wenn ich mich an die eine Sache gewöhnt habe, dann gewöhne ich mich an andere Dinge, die dann sehr dicht dabei sind, nämlich regelmäßig über das Thema, wie kann ich was verbessern und jetzt nicht bloß in meinem ganz direkten Arbeitsumfeld, wo ich physische Dinge seh,e sondern drüberhinaus und da glaube ich eben steckt auch in ein wichtiges Element drinnen im 5S im allgemeinen, nämlich dieser Gewöhnungsfaktor.

Da wäre die Frage, wie nimmst du das wahr? Kannst du dir das vorstellen, dass das mit eine Rolle spielt?

Frédéric Jordan: Ich gebe dir da recht. das ist tatsächlich so. Der Punkt, die Gewöhnung, ich gehe jetzt davon aus, obwohl es ein japanischer Begriff ist, das auch das für die Nicht-Japaner geschaffen wurde. Weil der Aspekt der Gewöhnung von ebensolchen Routinen oder die Akzeptanz, dass man eine Methode oder Abfolge folgt, wie sie ist, dann langsam versteht, wie es funktioniert, dann den Sinn versteht,, sich eben daran gewöhnt das ist für die meisten Asiaten ein Anteil der Kultur und habe mich jetzt richtig in dieser Diskussion auch gefragt, warum gab's, weil bei uns ist ja immer das sechste S eben Sicherheit, was ich persönlich Quatsch finde, die Gewöhnung, das war für mich gar nie ein Punkt, den ich jetzt separat angeschaut habe, bis du gesagt, das gehört für mich dazu.

Es heißt ja auch regelmässig machen, wieder ergänzen, wieder üben, verinnerlichen, eben die Selbstdisziplin. Auch dort gab es ja verschiedene Übersetzung vom Japanischen, die früher ganz, ganz hart waren und jetzt immer weicher und sanfte sind, damit sie eben die Westler auch verstehen. Man könnte jetzt den sechsten Punkt mithinzunehmen aber ich sehe das nicht auf methodischen Punkt, sondern als übergeordneten.

Götz Müller: Okay, ich fand das jetzt eine prima Unterhaltung. Für mich selber kamen da noch mal ein, zwei Punkte im drüberreden, im drübernachdenken dazu, die ich vielleicht vorher so aktiv gar nicht auf dem Schirm hatte. Von daher danke ich dir für deine Zeit.

Frédéric Jordan: Ich danke Dir, Götz, herzlichen Dank.

Götz Müller: Ich werde dann in den Notizen zur Episode ein, zwei Artikel von dir verlinken zu dem Thema. Da kann man dann noch mal ein paar Punkte nachlesen.

Wir sind ja an vielen anderen Stellen auch mehr oder weniger virtuell im Austausch und ich freue mich, wenn wir uns auch mal wirklich physisch irgendwann mal gegenüberstehen.

Frédéric Jordan: Ich war da vor kurzem fast bei dir. Ich fuhr zumindest durch.

Götz Müller: Okay gut. Also ich danke dir noch mal.

Frédéric Jordan: Ich danke dir, Götz, war super.

Götz Müller: Viele Grüße in die Schweiz.

Frédéric Jordan: Danke dir.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Frederick Jordan zum Thema 5S.

Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 085.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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