
Das macht OEE attraktiv. Noch attraktiver wird sie, wenn sich die Zahl verbessert.
Die Verfügbarkeit steigt. Die Leistung steigt. Die Qualität steigt. Die OEE steigt.
Damit müsste doch auch etwas für das Unternehmen gewonnen sein.
Nur für wen?
Verfügbarkeit
Eine Maschine steht weniger. Störungen werden schneller beseitigt, Rüstzeiten reduziert und ungeplante Unterbrechungen vermieden. Die verfügbare Produktionszeit steigt.
Das kann eine sinnvolle Verbesserung sein.
Allerdings bedeutet mehr verfügbare Maschinenzeit zunächst einmal nur, dass mehr Zeit für Produktion zur Verfügung steht. Was während dieser Zeit produziert wird, ist damit noch nicht beantwortet.
Eine Maschine kann sehr zuverlässig laufen und trotzdem Dinge produzieren, die niemand gerade benötigt.
Dann ist die Verfügbarkeit zwar gestiegen. Der Kundennutzen muss davon nicht automatisch berührt werden.
Leistung
Auch die Leistung lässt sich verbessern. Taktzeiten werden verkürzt, Geschwindigkeiten erhöht, Abläufe optimiert.
Mehr Teile pro Zeiteinheit klingen nach einem eindeutigen Fortschritt.
Doch mehr Output ist zunächst einmal mehr Output.
Wenn dadurch ein Lager wächst, Aufträge vorgezogen werden, die noch gar nicht gebraucht werden, oder sich Engpässe an anderer Stelle verschärfen, verändert sich die Situation für den Kunden möglicherweise überhaupt nicht.
Die Maschine hat mehr geleistet. Der Wertstrom muss deshalb noch lange nicht mehr geleistet haben.
Qualität
Dann kommt die Qualität hinzu.
Weniger Ausschuss, weniger Nacharbeit, weniger Fehler. Auch hier zeigt die Kennzahl in die gewünschte Richtung.
Und natürlich ist es sinnvoll, Fehler zu vermeiden.
Nur kann selbst eine perfekte Qualitätsrate am falschen Produkt oder zum falschen Zeitpunkt ziemlich wenig Kundennutzen erzeugen.
Ein fehlerfreies Produkt, das sechs Wochen zu früh produziert wurde, ist aus Sicht des Kunden möglicherweise nicht besser als ein fehlerfreies Produkt, das rechtzeitig produziert wird. Im Gegenteil: Die zusätzliche Produktion kann Kosten, Bestände und Komplexität erzeugen, die irgendwo im System wieder auftauchen.
Qualität ist wichtig. Aber auch Qualität beantwortet nicht allein die Frage nach dem Wert.
– William Bruce Cameron
Alles steigt
Jetzt wird es besonders überzeugend.
Verfügbarkeit steigt.
Leistung steigt.
Qualität steigt.
Die OEE steigt.
Aus Sicht des Kennzahlensystems sieht die Entwicklung hervorragend aus. Präsentationen lassen sich damit gut füllen. Verbesserungsprojekte können Erfolge ausweisen. Zielwerte werden erreicht oder sogar übertroffen.
Und trotzdem kann am Ende etwas fehlen.
Der Kunde wollte möglicherweise nicht mehr Maschinenlaufzeit, mehr Ausbringung oder eine bessere interne Kennzahl. Er wollte sein Produkt zur vereinbarten Zeit, in der vereinbarten Menge, mit der erwarteten Qualität und zu einem angemessenen Preis.
Die OEE misst davon nur einen bestimmten Ausschnitt.
Der Kundennutzen nicht
Darin liegt die dunkle Seite der OEE nicht in der Kennzahl selbst. Sie entsteht, wenn aus einer internen Steuerungsgröße ein Ersatz für die eigentliche Zielsetzung wird.
Dann beginnt die Organisation, die OEE zu optimieren, weil sich OEE optimieren lässt.
Maschinen sollen möglichst verfügbar sein. Die Leistung soll möglichst hoch sein. Die Qualitätsrate soll möglichst nahe an hundert Prozent liegen.
Das alles kann sinnvoll sein.
Es kann aber auch dazu führen, dass sich die Aufmerksamkeit immer stärker auf die Maschine richtet und immer weniger auf den Fluss der tatsächlichen Nachfrage.
Eine Verbesserung ist dann erfolgreich, weil eine Kennzahl gestiegen ist. Ob dadurch ein Kundenproblem gelöst wurde, wird zur nachgelagerten Frage.
Dabei wäre die Reihenfolge eigentlich eine andere: Erst steht der Bedarf. Daraus ergibt sich der Prozess. Und erst dann stellt sich die Frage, welche Kennzahlen helfen, diesen Prozess sinnvoll zu verstehen und zu verbessern.
Die OEE kann dabei ein hilfreiches Werkzeug sein. Sie kann aber nicht entscheiden, ob das, was produziert wird, überhaupt gebraucht wird.
Kennzahl oder Kompass?
Eine Kennzahl kann Orientierung geben. Sie kann jedoch nicht automatisch zum Kompass für das gesamte Unternehmen werden.
Wenn Verfügbarkeit, Leistung und Qualität gleichzeitig steigen, lohnt sich deshalb eine zusätzliche Frage: Was hat sich für den Kunden verändert?
Ist die Lieferzeit kürzer geworden?
Ist die Liefertreue besser geworden?
Ist das Produkt für den Kunden wertvoller oder einfacher nutzbar geworden?
Oder ist lediglich die interne Produktion effizienter geworden?
Manchmal ist genau diese letzte Frage die unangenehmste. Denn eine Organisation kann sehr erfolgreich darin werden, ihre Produktionsleistung zu steigern, während sie gleichzeitig immer mehr Leistung produziert, die für den Kunden keinen zusätzlichen Wert besitzt.
Dann steigt die OEE.
Und der Kundennutzen bleibt stehen.
Wenn Sie verhindern möchten, dass interne Kennzahlen zum Selbstzweck werden und stattdessen die Verbindung zwischen Prozessleistung und tatsächlichem Kundennutzen erhalten bleiben soll, dannnehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.
Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an (öffnet eine ics-Datei in Ihrer Kalender-Application bzw. generiert in Ihrem Download-Verzeichnis mit einem Terminvorschlag in einer Stunde, den Sie noch individuell anpassen können).
Frage: Welche Verbesserungen haben in Ihrem Verantwortungsbereich tatsächlich den Kundennutzen verändert und welche vor allem interne Kennzahlen verbessert? Wo könnte eine steigende OEE dazu führen, mehr zu produzieren, als der nachgelagerte Prozess oder der Kunde tatsächlich benötigt? Und welche Kennzahl würde sichtbar machen, ob die nächste OEE-Verbesserung tatsächlich einen relevanten Unterschied für den Kunden erzeugt?
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