Kaizen 2 go 073 : Smart City und ihre Prozesse


 

Inhalt der Episode

  • Was versteht man unter einer Smart City und wie unterscheidet sie sich von einer „normalen“ Kommune?
  • Welche Einfluss hat das auf die kommunale Verwaltung?
  • Was bedeutet das für den Bürger und die Unternehmen?
  • Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich? Wer hat weltweit die Nase vor?

Notizen zur Episode

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(Teil)automatisiertes Transkript

Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkripts.

Episode 073 : Smart City und ihre Prozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Willi Wendt bei mir im Podcastgespräch. Er ist Teamleiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Hallo Herr Wendt.

Willi Wendt: Hallo. Ich freue mich da sein zu dürfen, Herr Müller.

Götz Müller: Dass Sie heute dabei sind. Jetzt habe ich schon ein, zwei Stichworte gesagt zu Ihnen, aber Sie können sich bestimmt noch selber viel besser vorstellen.

Willi Wendt: Ja, also, wie Sie ja schon gesagt haben, Willi Wendt am Fraunhofer IAO, also am Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Ich bin, wie Sie gesagt haben, Teamleiter im Team Urban Data and Resilience, allerdings noch ganz frisch zuvor, noch im Team Informationsmanagement. Studiert habe ich aber was ganz anderes. Damals in grauer Vorzeit an der TUKL in Kaiserslautern habe ich Raum- und Umweltplanung studiert, allerdings mit einem sehr starken Technik-Fokus und jetzt bediene ich da eben sehr stark die Schnittstelle zwischen Technik, IT und Stadt. Auch das Team, was ich jetzt betreue, hat so diesen technischen, städtischen Fokus.

Götz Müller: Spannend, da haben wir noch eine kleine unbekannte Gemeinsamkeit. Ich habe im letzten Jahrtausend dort mal Elektrotechnik studiert in Kaiserslautern.

Willi Wendt: Ah ja, schön. Da kennen wir die Stadt ja ganz gut.

Götz Müller: Genau. So, und in der Einleitung bzw. im Vorspann habe ich das dann schon gesagt. Es geht heute um Smart City und dort die Prozesse. Und jetzt für denjenigen, der jetzt vielleicht mit Smart City gar nichts anfangen kann, zum Einstieg einfach mal die klassische Frage, was ist denn überhaupt eine Smart City? Was versteht man da drunter?

Willi Wendt: Das ist natürlich, wie man sich vorstellen kann, keine Antwort, die mir leicht über die Lippen kommt. Es gibt auch viele Versuche, das zu definieren. Ich glaube aber, die alle werden dem immer nur zum Teil gerecht, weil es natürlich ein sehr breites Feld ist. Gekommen ist es ja eher aus dem Marketing-Bereich, dass sich IBM und Cisco mal gedacht haben, wie können wir denn, Cleverness an Städte verkaufen und da ist das so ein Werbewort geworden und das sieht man ja auch mittlerweile überall. Es gibt Smart Banking und smart allerlei. Aber ich sage mal, wenn man das jetzt auf die Stadt überträgt und auf das, was ich im Forschungsleben mitbekomme, würde ich jetzt mal einfach und grob sagen, naja, es hat was damit zu tun, wie Städte sinnvoll die Daten nutzen, die sich eher geben.

Ja, also in Städten entstehen sehr, sehr viele Daten und eine Stadt ist dann smart, wenn sie eben clever diese Daten nutzt für ihre Bedarfe, für ihre Zwecke und natürlich auch für die Bürger. Und was ich ganz sicherlich nicht smart finde, ist einfach eine Stadt, die sehr viel Geld für technische Infrastruktur ausgibt und denkt damit, wer es erledigt, sondern eben der Umgang mit diesen ganzen Informationen, die wir heutzutage generieren, den clever zu nutzen für die eigenen Bedarfe. Also ich glaube, dann ist eine Stadt smart und das kann man eben auch relativ kostengünstig sogar, behaupte ich jetzt mal, vielleicht schaffen.

Götz Müller: Was mir so dann immer durch den Kopf schießt, beziehungsweise was ich ganz gern verwende, um so eine Definition noch ein bisschen greifbarer zu machen, nämlich was ist denn der Unterschied zu einer klassischen normalen, in Anführungszeichen, Kommune?

Willi Wendt: Also wenn man das jetzt mal auf diese Datenidee oder Informationsidee bezieht, ist, sage ich mal, eine normale Kommune, Es ist jetzt nicht so nett zu sagen, die Kommunen können das nicht, weil die können das sehr wohl. Die nutzen Daten sehr, sehr gut. Aber eine normale Kommune nutzt Daten, würde ich jetzt mal sagen, in so einem gewissen Silo. Die meisten Städte wissen sehr gut Bescheid über den Verkehr in der Stadt. Dann gibt es eben Verkehrsleitsysteme. Ja, also da gibt es eben schon eine Datennutzung. Aber eine smarte Kommune, eine clevere Kommune, die ist schon dazu in der Lage, die Daten über diese Silos, über diese Fachdisziplinen hinaus eben zu nutzen und einzusetzen. Da würde ich sagen, ist so ein bisschen der Cut von, ich bin eine normale Kommune, hin zur smarten Kommune.

Götz Müller: So, dann fällt mir natürlich ein, irgendwo haben wir in meinem außenstehenden, vielleicht auch naiven Weltbild, irgendwo haben wir ja zwei große Mitspieler. Das sind einerseits die kommunalen Verwaltungen und andererseits die Bürger. Und jetzt fangen wir einfach mit der kommunalen Verwaltung an. Was hat denn dann dieser Aspekt Smart City, was hat der für einen Einfluss auf die kommunale Verwaltung? Was macht die jetzt auch wieder anders? wie normal.

Willi Wendt: Ja, was macht die anders? Also ich sage mal mal, Der erste Schritt ist natürlich immer, das verändert natürlich was. Also es ist jetzt nicht nur positiv. Wir müssen uns natürlich aus kommunaler Sicht natürlich ein bisschen aus bestehenden Mustern so herausbewegen, würde ich jetzt mal sagen. Und das ist natürlich nicht einfach. Ich will jetzt nicht sagen, das fällt Kommunen schwerer als Unternehmen. Ich glaube, das fällt beiden nämlich ähnlich schwer. Aber wenn wir neue Möglichkeiten haben, müssen wir natürlich auch einfach mal Verhaltensmuster ändern, neue Technik einsetzen. Das ist halt erstmal ein natürlicher erster Aufwand, aber ich glaube, der Benefit, der Nutzen, den wir hinten rausziehen können, der ist schon sehr wesentlich. Also ob jetzt ein städtisches Amt einfach seine Arbeit effektiver gestalten kann, einfach auch Arbeitsschritte erleichtern. Ich glaube, das liegt auf der Hand.

Die Kommunen können vielleicht auch Prozesse beobachten, Trends früher erkennen, frühzeitig, wenn sie eben gewisse Informationen einfach automatisiert beobachten und das eben nicht mehr von Hand machen müssen.

Ich weiß nicht, man spielt ja gerne mal auch mit dem Beispiel. Also wenn jetzt zum Beispiel in New York die Steuerbehörde nicht mehr von Tür zu Tür geht, um illegale Geschäfte oder, naja, was heißt Geschäfte, aber ungemeldete Unternehmen vielleicht zu identifizieren. Das war ja früher der Fall. Jetzt analysieren sie aber einfach Abwasserdaten und sehen, okay, in manchen Gebäuden fällt halt schon sehr, sehr viel Abwasser an für private Nutzung. Und dann geht man eben gezielt in diese Räumlichkeiten und findet dann natürlich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit dann auch einfach nicht angemeldete Gewerbe. Also das ist einfach ein ganz einfacher Schritt und der dort einfach natürlich eine viel höhere Effizienz und auch eine ganz klare Arbeitserleichterung durchführt.

Und wenn man das jetzt auf Deutschland überträgt, wenn ein Stadtplanungsamt ein neues Baugebiet ausweist und natürlich gesammelt alle Informationen in einem System hat und sieht, was das Umweltamt für Fragestellungen hat und wie das Verkehrsplanungsamt, welche Verkehrswege wie belastet sind und welche Auswirkungen vielleicht ein neues Baugebiet hat, wenn die das gesammelt haben, können die natürlich Entscheidungen viel einfacher vorbereiten und auch Planungen viel einfacher durchführen. Ich glaube, das ist klar, aber natürlich im ersten Schritt ist natürlich ein bisschen mehr Aufwand nötig, einfach den Weg hin zu solchen neuen Techniken.

Götz Müller: Also auch wieder in meinem Weltbild ist ja Verwaltung jetzt kein Selbstzweck, sondern sie sollte sich ja im Idealfall eben an den Kunden orientieren. Dann vielleicht an der Stelle jetzt den Schwenk auf die andere, beziehungsweise wir sind ja schon gerade gekommen, im Grunde gibt es ja drei Gruppen. Die zweite, sicher größte Gruppe, nämlich die Bürger. Wenn wir die Bürger jetzt mal als Kunden betrachten, was ist dann der Vorteil für die Bürger?

Willi Wendt: Wenn wir jetzt also sagen, dass die Kommune natürlich effizienter arbeitet und alles denen viel schneller geht und leichter von der Hand, hat der Kunde, also der Bürger natürlich indirekt was davon. Also wenn meine Verwaltung alles viel schneller erledigt, ist natürlich schon mal grundsätzlich ziemlich gut. Aber natürlich kann ich mit diesen neuen Techniken dem Bürger selbst auch ganz andere Services anbieten. Also das heißt ja jetzt nicht, dass wir einfach nur Sachen übertragen ins Digitale. Also ich melde mich an für die Kfz-Zulassung einfach digital, anstatt dass ich anrufe. Ist sicherlich auch sowas, aber ist natürlich jetzt nicht so das große Highlight. Aber natürlich gibt es Services, die ich anbiete. Das Beispiel hatten wir ja auch gerade schon.

Das Verkehrsleitsystem ist ja schon mal ein Service, den große Städte ihren Bürgern durchaus anbieten und sagen, du, wenn du jetzt zum Punkt A willst, fahr mal besser über die B10 und nicht über die B27, weil sie einfach zu voll ist. Also sowas ist natürlich auch ein Service, der eben gestützt wird durch eine clevere Nutzung von Informationen. Aber es gibt ja auch ganz viele andere Beispiele also da gibt es zahlreiche, Internetplattformen, wo der Bürger berichten kann hey, bei mir in der Straße ist dort, ein Loch in der Straße, das kann er berichten und dann kriegt das ein Verwaltungsmitarbeiter, dann können sie das Loch schließen, können das direkt dem Bürger auch mitkommunizieren also solche Tools gibt es ja auch zahlreiche, und die Anwendungsfälle sind ja unbegrenzt und sei es die Stadt, die eine.

Die Verkehrs-App, die ÖPNV-App betreibt Ja, also es gibt also viele Services, die direkt für den Kunden zur Verfügung gestellt werden und es gibt viele Sachen, wovon der Bürger natürlich profitiert und er merkt es vielleicht gar nicht und sicherlich ein Problem ist. Und das ist so auch dieses Verhältnis Bürger-Bürger-Stadt natürlich. Der Bürger sieht das natürlich häufig so ein bisschen als, ja, ich bezahle ja meine Steuern und das ist mein Service, den mir die Stadt ja sowieso zu erbringen hat. Und bei dem einen oder anderen ist es halt auch schwierig, weil ein paar Sachen kosten einfach Geld. Ich muss Daten irgendwo sammeln, ich muss die auswerten und ein bisschen Geld kostet es natürlich. Und da ist natürlich auch die Frage, wie kann eine Stadt das finanzieren? Gibt es vielleicht Services, wo wirklich auch Gebühren fällig werden?

Gibt es Geschäftsmodelle, die Services ermöglichen, ohne dass der Bürger was draufzahlt, aber der Stadt eben doch ein bisschen Geld zurückspielen, dass sie was durchführen kann? Oder ist alles schon abgedeckt dadurch, dass wir effizienter arbeiten können und die Stadt damit so viel Geld einspart, dass sie eben die Kosten wieder drin hat? Das ist so eine schwierige Frage, wenn es dann darum geht, der Bürger ist Kunde und zahlt er jetzt dafür, dass die Stadt ihre Leistung erbringt oder nicht. Also es ist ein spannendes Feld, in dem das in der Forschung auch wirklich gerade jetzt akut wirklich viel diskutiert wird.

Götz Müller: Jetzt hatten Sie das Beispiel mit dem Verkehrsleitsystem gemacht und da habe ich nochmal einen Schritt weiter nachgedacht und nehme ich genau über den Aspekt Parkleitsystem. Da kommt man jetzt dann sofort in den Sinn, im Grunde treffen da jetzt ja eben diese drei Fraktionen, nämlich die Unternehmen, die ich jetzt im Parkhaus betreibe, zusammen und jeder hat so für sich einen kleinen Datenteil. Was ist da Ihre Erfahrung? Wie funktioniert dann da die Kooperation?

Willi Wendt: Weil jetzt müsste ja.

Götz Müller: Das Unternehmen der Stadt vielleicht Daten geben, damit die Stadt dann dem Bürger sagen kann, fahr in dieses Parkhaus, auf diesen Weg.

Willi Wendt: Also gerade beim Parkleitsystem würde ich sagen, es zeigt die Erfahrung, dass das hier ganz gut funktioniert. Dort ist auch, sagen wir mal, das Interessenbild relativ klar. Die Stadt will natürlich Leute, die von außen kommen, einkaufen wollen. Die wollen wir natürlich auch anlocken. Das heißt, dort ist der Bedarf klar. Wir wollen die Leute schnell in die Stadt bekommen. Die Parkhausbetreiber freuen sich natürlich über jeden zahlenden Gast. Also dort ist das Bild relativ klar, deswegen funktioniert das ganz gut. Aber gerade die Schnittstelle dann, also dann gibt es ja noch den ÖPNV-Betreiber, dann gibt es vielleicht noch einen, der verleiht Fahrräder, dann gibt es vielleicht den E-Car-Sharing-Anbieter. Und wenn man die dann zusammenzubringen, dann wird es A, richtig spannend, weil wir dann ja auch andere Probleme lösen können.

Ja, also dann haben wir vielleicht auch weniger CO2 hier in Stuttgart sitzend und Schadstoffbelastung, wissen wir ja, wovon wir reden. Das ist nicht so gut.

Und das heißt, dann können wir vielleicht auch andere Probleme lösen, aber da ist es auch momentan noch so ein bisschen schwierig, eben diese Geschäftsmodelle, die bei dem Parkleitsystem ja relativ einfach sind, zusammenzubringen. Und gerade jetzt gibt es sehr viele sogenannte urbanen Datenplattformen, wo in der Stadt wirklich Daten vielerlei Informationen zusammengetragen werden sollen. Und dann will man die auswerten und dann eben diesen Mehrwert für die verschiedensten städtischen Ämter und für den Bürger generieren. Wo es da aber wirklich eben bis jetzt eigentlich meines Erachtens noch stark hakt, sind eben sinnvolle Geschäftsmodelle, dass dann eben eine Stadt zum Beispiel so eine Plattform betreiben kann und eben auch ein Geschäftsmodell dahinter hat, dass das funktioniert, weil das wird ja nicht umsonst funktionieren.

Auf der einen Seite, dass aber eben auf der anderen Seite so ein Parkhausbetreiber oder so ein Anbieter von irgendeinem Service, das kann ja auch jemand sein, der eine App programmiert, die dem Bürger dann irgendwelche Informationen bereitstellt, dass die dann eben auch sich andocken können, ihr Geschäftsmodell funktioniert, aber gleichzeitig es eben auch der Stadt dann ermöglichen, so eine Plattform zu betreiben. Und das ist gerade wirklich genau die Schnittstelle, die wirklich gerade die akuteste ist, würde ich sagen. Aber die Forschung ist dran. Es gibt spannende Projekte in vielen Städten, das mal auszuprobieren. Wir wollen das gerade mit Dublin mal ausprobieren und mal gucken, wie schnell es da weitergeht.

Götz Müller: Ja, jetzt möchte ich gerade den Punkt Unternehmen noch ein bisschen vertiefen. Sie haben es immer wieder angedeutet, Geschäftsmodell. Unternehmen wollen einerseits den Kunden einen Nutzen stiften, so wie es im Grunde ja die Verwaltung auch machen möchte. Nur die Verwaltung, wenn es da zum Schluss null auf null rauskommt, funktioniert es noch. Die Unternehmen möchten natürlich schon Geld verdienen. Sie kaufen vielleicht einerseits Daten ein, Sie geben andererseits Daten ab. Was ist da Ihre Erfahrung? Wie funktioniert da das Zusammenspiel?

Willi Wendt: Ja, es funktioniert eigentlich schon. Der Punkt ist natürlich, die Unternehmen sehen ja beide Gruppen als potenzielle Kunden. Es gibt Unternehmen, die wollen natürlich dem Bürger einen gewissen Service verkaufen und eine Dienstleistung. Und es gibt natürlich Unternehmen, die genauso auch den Städten Services und Dienstleistungen verkaufen. Da muss man immer ein bisschen, und es gibt natürlich Unternehmen, die wollen beiden Seiten was verkaufen. Das ist natürlich klar. Ähm… Ja, es ist auch nicht so ganz einfach. Wir wissen ja, die öffentlichen Kassen sind jetzt nicht so prall gefüllt. Es gibt aber dennoch zahlreiche Unternehmen, die sich um die kleinen Mittel in den öffentlichen Kassen streiten. Das heißt, natürlich ist da tatsächlich der Bedarf riesig, die Tools der Unternehmen in Städten an den Mann zu bringen. Und deswegen ist auch da tatsächlich gefühlt die Bereitschaft natürlich dann relativ groß, auch Informationen zu teilen mit den Städten.

Wenn es jetzt aber Unternehmen sind, die eigentlich ihre Services an Bürger verkaufen wollen.

Und dann kommt man quasi von Stadtseite und sagt, ja übrigens eure Daten wären noch gut für den Use Case B, C und D anstatt nur A, können wir die denn haben, sind die Unternehmen natürlich etwas zurückhaltender, die sagen dann nur ja, wenn sie eben auch in den anderen Use-Case eben einen Benefit sehen. Und die Firmen, das muss man natürlich auch dazu sagen, die Nutzerdaten erheben, erheben die natürlich bei ihren Nutzern unter gewissen Voraussetzungen. Die haben dann irgendeinen Nutzungsvertrag und natürlich tun die sich genauso schwer, dann die Daten für irgendeinen anderen Nutzungsgrund oder einen anderen Use-Case-Service einfach rauszugeben. Also ist ja auch verständlich, glaube ich, auch im Sinne des Nutzers. Und wir haben ja relativ feste Datenschutzbestimmungen in Deutschland, bald für ganz Europa. Und die sind natürlich ein bisschen anders gestrickt als in anderen Ländern.

Aber man hat zwei verschiedene Unternehmensgruppen, wobei ich auf jeden Fall anmerken muss, dass technisch gefühlt alles möglich ist. Und die Unternehmen sicherlich sehr viele Services haben, die noch gar nicht im Nutzen sind, vor allen Dingen in Bezug zu potenziellen Tools für Städte und Services für Städte, die aber so weit einfach sind, dass die Städte noch gar nicht so weit sind. Das ist aber auch, glaube ich, natürlich, dass die Industrie da relativ schnell vorneweg prescht. Und ich glaube, auch der Bürger ist ein bisschen schneller in dem Sinne im Vergleich zu den Städten. Also es gibt ja viele Sachen, wo die Städte einfach gar nicht hinterherkommen, was aber auch, glaube ich, ganz normal ist.

Götz Müller: Jetzt gibt es ja das große Stichwort Digitalisierung. Sie haben es auch schon im Grunde mehrfach angedeutet, denn Daten, letztendlich das Entstehen bei der Digitalisierung von vielen Dingen. Das möchte ich noch ein bisschen vertiefen im Sinne von, wer leistet da welchen Beitrag, vielleicht auch noch ein bisschen mehr Richtung Datenschutz, was auch Transparenz angeht, wo man ja heutzutage zum Beispiel Verkehrsdaten, die durch Handynutzung oder solche Dinge erzeugt werden, ist man sich ja im Grunde gar nicht bewusst,

Willi Wendt: Was da passiert. Ja, welchen Beitrag leisten die Bürger, welchen Beitrag leisten, also wie gesagt, ich glaube, wenn man das jetzt mal so aufteilt, Digitalisierung, wie gesagt, ich glaube, die Kommunen sind da ein bisschen im Hinterherrennen. Beispiel ist, das prominenteste Beispiel ist sicherlich die Social Media, Twitter und Facebook. Facebook ist ja schon wieder out in den USA.

Wir produzieren ja rund um die Uhr Daten und das Schöne bei Social Media ist ja auch, dass, glaube ich, den Kommunen erstmal nicht richtig klar vor Augen geführt wurde, dass sie gar nicht mehr drum herum kommen. Also wenn jetzt in einem Krisenfall die Hälfte der Bevölkerung über Twitter und Facebook irgendwelche Falschmeldungen verbreitet, ist relativ klar, wenn wir dem Herr werden wollen, das war ja in München so bei diesem Amoklauf, wenn wir dem Herr werden wollen, reicht es nicht nur darüber Bescheid zu wissen, sondern wir müssen aktiv mit Daten umgehen. Also wir müssen das einbeziehen. Aber da auch wieder eher, okay, jetzt ist es so dringend und so klar für uns, dass wir da hinterher müssen. Aber die Bürger und die Nutzer von Services und von diesen digitalen Services stehen ja auch der Technologie an. Wie gesagt, die ist ganz, ganz weit vorne weg.

Da sind halt, wie Sie schon gesagt haben, auch ganz andere Sachen möglich. Und vielen Bürgern ist auch gar nicht bewusst, welche Daten sie preisgeben. Also wenn sie bei Google Maps natürlich sich irgendwo hinbewegen.

Dann weiß der ganz genau, dass sie es sind, die sich von A nach B bewegen. Und die haben relativ gute Informationen. Wenn jetzt, sagen wir mal, der Einbrecher ganz genau auf Google Maps ihr tägliches Profil nachvollziehen kann und weiß, jetzt ist er auf Arbeit, weiß er ja ganz genau, wann er bei ihm einsteigen muss, um es jetzt mal ganz drastisch zu sagen. Also es gibt sicherlich auch eine Nutzung, die wir vielleicht gar nicht wollen, der wir aber zustimmen, weil wir das Kleingedruckte, was auf 800 Seiten Nutzungsvereinbarung zusammengefasst ist, gar nicht genau lesen können, beziehungsweise auch wollen. Ich ertappe mich auch immer wieder dabei, wie ich irgendein Agreement einfach so bestätige, ohne das jetzt ins Detail zu lesen. Und ich glaube, es ist halt ganz wichtig, dass die Städte des Landes, Also die Unternehmen wissen längst, was sie damit verdienen können. Also in Google.

Die längst, wenn die jetzt ein autonomes Fahrzeug bauen, denen geht es ja da gar nicht darum, dass sie mit einem Auto Geld verdienen, sondern wenn ich in das Auto einsteige und sage, ich will eine Pizza essen, fährt es mich natürlich zu dem Pizzadienst, der Google das meiste Geld gibt.

Und die Grundidee, dass wir also mit Daten und Informationen Geld verdienen, also das Google-Fahrzeug weiß natürlich, man kennt ja auch meine Vorlieben. Und wenn ich Hunger habe, dann fährt es mich dahin, weil es weiß, was ich am liebsten esse. Ja, damit verdienen die Geld und ich glaube, Städte müssen auch erkennen, dass sie das eben auch können, dass sie auch Daten nutzen können, um eben Prozesse zu vereinfachen, um Entscheidungen treffen zu können, um ihren Bürgern Services anbieten zu können, wie es eben auch diese Unternehmen clever machen.

Beziehungsweise die Städte kommen auch gar nicht mehr drum rum, denn wenn sie eben nicht wollen, dass die Daten der Bürger auf irgendeinem Server in den USA bei irgendeinem Großunternehmen liegen, was damit machen kann, was es will, sondern wenn man den Bürgern sagen will, okay, wir nutzen eure Daten eben sicher und in eurem Sinne kommt man da ja auch gar nicht drum rum, sich mal Gedanken zu machen, wie man das anstellen kann. Aber ich bin gerade positiv, weil eben viele Städte genauso, dieser Schalter ist bei vielen Städten gerade umgelegt, dass sie sagen, okay, wir wollen das aktiv machen, weil wir das für unsere Bürger machen wollen. Und wenn die Bürger dann eben die städtische Verkehrs-App benutzen anstatt Google, sind das dann eben Daten, die auch nicht nur Google-Zugehilfe kommen, sondern eben auch der Stadt und dem Bürger nochmal on top.

Und ich glaube, wie gesagt, der Schalter ist umgelegt. Die Städte wissen, dass das…

Gut, Sie haben jetzt gesehen, dass Sie das tun müssen, aber ich bin gerade sehr positiv, dass sich das auch demnächst stark ändert.

Götz Müller: Jetzt haben Sie vorhin das Stichwort Dublin genannt. Dann haben wir gerade auch über das Thema Datenschutz gesprochen. Jetzt habe ich so kurz vor mir das Bild gehabt, der Bürger in den USA möchte ja auch nicht, dass der Einbrecher einsteigt. Das heißt, ich möchte ein bisschen auf den Punkt rausgehen. Wie stellen sich andere Länder, Städte an der Stelle auf? Wo stehen wir da in Deutschland im Vergleich zum internationalen Wettbewerb, um es mal so zu nennen?

Willi Wendt: Ja, also ich glaube, da muss man fast stadtweise denken. Also das ist nicht in allen Städten, also in einem Land gleich. Also wir können jetzt nicht einfach so pauschal sagen, zum Beispiel die USA stehen so und so da, das andere Land steht so und so da. Ja, wir könnten aber von Rahmenbedingungen reden. Also dass natürlich in den USA andere Rahmenbedingungen herrschen als in Europa. Also gerade was Datenschutz angeht, gibt es ja in Europa noch sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen. Allerdings gibt es ja eine Verordnung, die muss umgesetzt werden bis spätestens Mai 2018. Das heißt, wir haben bald in Europa ein einheitliches Datenschutzrecht. Und da werden wir auch dann, die Länder können zwar schon ein paar Feinheiten noch selbstbestimmen, dennoch gibt es dann zwischen Dublin und Berlin und Sofia gefühlt keine Unterschiede eigentlich.

Wie das mit der Überprüfung aussieht, sei nochmal dahingestellt, ob man dem gerecht wird oder nicht, aber was das angeht, gibt es dann zumindest in Europa einheitliche Grenzen. Es ist sicherlich ein großer Unterschied, wenn wir eben in Länder gehen, die eben sehr viel lockerer mit Datenschutz umgehen. Da will ich auch gar nicht sagen, dass die USA am lockersten damit umgehen. Ich glaube zum Beispiel in China sieht es nochmal ganz anders aus. Also wenn der Staat gewisse Daten haben will und für etwas nutzen will, dann bekommt er die auch, sage ich jetzt mal ganz einfach.

Es gibt aber trotzdem irgendwie, der Grund ist, es ist spannend, weil trotzdem in allen diesen verschiedenen Systemen gibt es immer Städte, die sich irgendwie hervortun und kreativer eben mit gewissen Punkten umgehen als andere. Ja, also es sind sehr häufig eben solche, wo ein zusätzlicher Bedarf besteht an, also ich würde jetzt wirklich fast sagen Forschung, also New York steht gut da zum Beispiel, weil einfach die NYU eine riesige Universität ist, die ein riesiges Data Science Center hat und denen einfach die Anwendungsfelder ausgegangen sind und die dann der Stadt New York angeboten haben, hey, wir helfen euch, eure Daten zu analysieren und bringen euch coole Use Cases. Und New York hat gesagt, na gut, dann machen wir das und deswegen sind die natürlich ziemlich weit vorne weg.

Und dann gibt es eben Städte wie Barcelona oder in Spanien gibt es auch kleinere Städte, Santander, die eben vorne wegmarschiert sind mit so gewissen Forschungsprojekten, die sich dann verstetigt haben, wo man eben auch dann in der Anwendung auch aus städtischer Seite gemerkt hat, hey, das nutzt uns was und dann war quasi so das Gebrochen, diese, okay, das ist ein Mehraufwand, sondern dann haben alle gesehen, den Mehrwert erkennen können. Das ist wahrscheinlich das richtige Wort. Und dann ging das relativ schnell weiter. Also das waren jetzt zwei Beispiele. Zum Beispiel Dublin ist ein Beispiel. Dort ist ein sehr hoher Grundkern an Tech-Firmen, die einfach ein Eigeninteresse haben. Also da sitzt Yahoo, IBM, Microsoft, Google. Airbnb. Also die sitzen halt alle in Dublin. Und dann ist natürlich klar, dass dort auch eine relativ große Keimzelle ist, um solche Fortschritte voranzutreiben. Aber auch hier wieder die EU versucht es, hat das auch erkannt, dass sie eben mit solchen Forschungsprojekten gezielt solche Prozesse anstreben kann. Und wenn es dann nur in jeder zweiten Stadt klappt, wäre das ja schon mal was. Und deswegen gibt es derzeit relativ viele groß angelegte Forschungsprojekte, um eben die Städte auch in Anführungsstrichen smart zu machen, um urbane Daten besser zu nutzen und um eben auch Anwendungsfelder für Städte zu generieren, aber eben auch für die Forschung einzubeziehen und dann auch wieder Anwendungsfelder für die Bevölkerung zu generieren und das dann zu verstetigen. Also das ist gerade ein sehr starker Trend in Europa, aber auch in Asien.

Und dass eben in Singapur weit ist, dass New York weit ist, würde ich sagen, hat zwar auch mit Rahmenbedingungen vielleicht zu tun, aber vor allem damit, dass eben dort sich an einem Punkt eben besonders viele Leute gefunden haben, die ein starkes Interesse daran hatten, das weiter zu treiben.

Götz Müller: Um das Thema vielleicht zum Abschluss noch ein bisschen greifbarer zu machen, über Risiken haben wir einiges gesprochen, was ist jetzt so, weder für den klassischen Zuhörer, nämlich den Bürger, was sind denn aber die Chancen, die sich jetzt über so Dinge, die man vielleicht schon ein Stück weit ja kennt, Verkehrsleitsysteme, was sind die Chancen, die sich für den Bürger daraus ergeben?

Willi Wendt: Ja, also kann man jetzt, wie gesagt, ich nehme schon an, es wird zahlreiche Services geben, die der Bürger zusätzlich erfährt. Ich glaube nicht, dass sich das nur in so etwas wie Parkleitsystemen abspielen wird. Das wird auch sicherlich mehr dahin gehen, dass Bürger zahlreiche Apps, die sie vielleicht jetzt schon benutzen.

Dass sie dann die vielleicht über die Stadt angeboten kriegen, dass sie die vielleicht gesammelt angeboten kriegen. Ja, also dann habe ich nicht mehr eine App von den lokalen Verkehrsbetrieben. Dann habe ich noch die App für mein Carsharing und dann habe ich noch irgendeine App, um mich beim Amt anzumelden. Ich nehme an, da wird es eine Bündelung geben, zusehends. Also wir sehen es ja häufig auch bei diesen Karten mit RFID-Chips. In Stuttgart ein schönes Beispiel. Also ich kann jetzt ja mit der Karte der VVS nicht nur beim Bus mitfahren. Ich kann auch ein Auto mieten oder eben auch das Cargo-Bike oder solche Services gibt es ja im Kartenformat. Das wird es aber dann meines Erachtens wahrscheinlich auch zukünftig stärker in App-Form geben.

Ich als Bürger, wenn ich solche Apps nutze und die Daten mit solchen Apps teile, sorge dann dafür, dass meine Daten eben auch bei meiner Stadt ankommen und nicht eben irgendwo sonst. und ich kann, vielleicht ist es ein sehr schwieriger Prozess, das gut zu kommunizieren.

Da werden die Städte auch noch sicherlich zu kämpfen mit haben, dem Bürger klar zu machen, hey, die Daten, die du uns teilst, die haben einen super Zweck und wir setzen die noch für X und Y ein. Aber wenn man das geschafft hat und der Bürger das versteht.

Dann wird eben dem Bürger die Möglichkeit gegeben, wenn er die Informationen nicht teilt mit Google, sondern eben mit seiner Heimatstadt, dann wird sich für den auch seine Lebensqualität auf so vielen anderen Ebenen ändern, auch wenn er das gar nicht direkt in der App merkt. Und sei es, weil die Stadt plötzlich viel gezielter weiß, wo sie verkehrsruhige Bereiche einbaut, wo sie Bäume pflanzt. Also hier ein schönes Beispiel aus New York. Also die Stadt New York schaut, wo sind denn die meisten Atmenwegserkrankungen in der Stadt. Und das sind dann die Punkte, wo man einfach die meisten Bäume pflanzt. Einfach gut, weil dort eben der Bedarf sehr hoch ist, offensichtlich.

Und ja, das sind so einfach Dinge, um die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen, die der Bürger vielleicht gar nicht im ersten Moment spürt, die aber, glaube ich, sehr wichtig sind, dem Bürger zu kommunizieren, damit er versteht, hey, ich nutze doch lieber die Stadt-App, weil da gibt es noch so viele Mehrwerte darüber hinaus, dass es für mich einfach total gut ist. Und ich glaube dann, wenn wir das erreicht haben, dann haben wir wirklich was Tolles erreicht. Dann könnte man sogar darüber nachdenken, ob wir dann die Informationen zwischen den Städten auch noch vernetzen. Das ist dann aber ein ganz weiter Schritt. Aber wenn ich halt weiß, okay, da kommt jetzt gleich ein Menschenstrom von Stuttgart nach Frankfurt wegen Messe A.

Und dann ist dort der neue Bedarf, die Leute, die da kommen, die kommen nämlich hauptsächlich mit ÖPNV, dann brauche ich am Bahnhof X vielleicht zusätzlich ein paar Fahrräder oder ein paar E-Cars, also solche Sachen wären ja dann auch denkbar, aber da sind wir noch ein paar Jahre von entfernt, aber warum nicht?

Götz Müller: Ich finde es wichtig und das erlebe ich jetzt in meinem Umfeld eben auch wieder. Sie haben es vielleicht nur am Rande erwähnt, aber ich erlebe es als zentral. Man muss drüber reden, man muss die Dinge kommunizieren. Und von daher fand ich das jetzt ein spannendes Gespräch. Da waren ein paar Einblicke drin, was mir, obwohl ich ja Ihren Vortrag da gehört hatte, so noch nicht klar war. Ich denke, wir gehen auf spannende Zeiten zu.

Willi Wendt: Auf jeden Fall.

Götz Müller: Herr Wendt, ich danke Ihnen für die Zeit. Pi mal da um eine halbe Stunde.

Willi Wendt: Ja, war ein gutes Gespräch. Ich bedanke mich auch. Und wenn es Rückfragen gibt, ich bin ganz gut erreichbar, wenn man mich beim Fraunhofer IAO sucht. Genau. Es gibt wirklich viele spannende Dinge, über die man reden kann in dem Kontext.

Götz Müller: Ich werde dann auch Ihre Kontaktdaten in der Episode hinterlegen.

Willi Wendt: Okay, gut. Dann bedanke ich mich und bis bald.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Willi Wendt über Smart City und ihre Prozesse. Weitere Hinweise und Links finden Sie in den Notizen zur Episode.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

KI-generierte Zusammenfassung

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Willi Wendt vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation über das Thema Smart City und die damit verbundenen Prozesse. Willi Wendt leitet dort ein Team mit Schwerpunkt auf urbanen Daten und Resilienz. Sein fachlicher Hintergrund liegt in der Raum- und Umweltplanung mit starkem Technikbezug, wodurch er heute an der Schnittstelle zwischen Stadt, IT und Technologie arbeitet.

Zu Beginn klärt Willi Wendt, was unter einer Smart City zu verstehen ist. Der Begriff sei ursprünglich stark vom Marketing geprägt worden, unter anderem durch Unternehmen wie IBM und Cisco. Für ihn steht jedoch nicht teure technische Infrastruktur im Mittelpunkt, sondern der intelligente Umgang mit Daten. Städte erzeugen eine enorme Menge an Informationen. „Smart“ ist eine Stadt dann, wenn sie diese Daten sinnvoll nutzt, um eigene Bedarfe zu erkennen, Prozesse zu verbessern und den Bürgerinnen und Bürgern konkrete Mehrwerte zu bieten. Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, Daten nicht nur innerhalb einzelner Fachbereiche zu verwenden, sondern sie über Silogrenzen hinweg zusammenzuführen.

Götz Müller greift diesen Gedanken auf und fragt nach dem Unterschied zwischen einer klassischen Kommune und einer Smart City. Willi Wendt erläutert, dass viele Kommunen durchaus datenbasiert arbeiten, etwa im Verkehr. Der Unterschied liege jedoch in der integrierten Nutzung. Eine smarte Kommune verbindet beispielsweise Verkehrs-, Umwelt- und Planungsdaten, um fundiertere Entscheidungen zu treffen. So könne ein Stadtplanungsamt bei der Ausweisung eines Neubaugebiets gleichzeitig Umweltaspekte, Verkehrsbelastungen und weitere Einflussfaktoren berücksichtigen. Das erhöhe Effizienz und Qualität von Entscheidungen, erfordere aber zunächst ein Umdenken und organisatorische Veränderungen.

Anhand eines Beispiels aus New York City verdeutlicht Willi Wendt, wie datenbasierte Ansätze Prozesse vereinfachen können. Dort analysiert die Steuerbehörde unter anderem Abwasserdaten, um Hinweise auf nicht angemeldete Gewerbe zu erhalten. Statt flächendeckender Kontrollen können gezielte Prüfungen durchgeführt werden. Solche Ansätze steigern Effizienz und entlasten Mitarbeitende.

Für Bürgerinnen und Bürger ergeben sich laut Willi Wendt sowohl indirekte als auch direkte Vorteile. Indirekt profitieren sie von schnelleren, effizienteren Verwaltungsprozessen. Direkt entstehen neue Services, etwa durch digitale Meldesysteme für Straßenschäden oder intelligente Verkehrs- und Parkleitsysteme. Götz Müller spricht dabei das Zusammenspiel verschiedener Akteure an, etwa Parkhausbetreiber, ÖPNV, Carsharing-Anbieter und Stadtverwaltung. Während einfache Konstellationen wie Parkleitsysteme gut funktionieren, wird es bei komplexeren Plattformlösungen anspruchsvoller. Hier treffen unterschiedliche Geschäftsmodelle und Interessen aufeinander. Urbane Datenplattformen, die verschiedenste Informationen bündeln, stehen vor der Herausforderung, tragfähige Finanzierungs- und Kooperationsmodelle zu entwickeln.

Im Gespräch wird deutlich, dass Unternehmen eine doppelte Rolle spielen. Einige bieten ihre Leistungen direkt Städten an, andere richten sich primär an Endkunden. Wenn Städte zusätzliche Nutzungen von Daten anfragen, stoßen sie häufig auf Zurückhaltung, insbesondere aufgrund vertraglicher Bindungen und Datenschutzanforderungen. Gleichzeitig betont Willi Wendt, dass technisch vieles bereits möglich sei. Oft seien Unternehmen und Bürger schneller als kommunale Strukturen, was zu einem gewissen Aufholbedarf auf Seiten der Städte führe.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Datenschutz. Mit Blick auf Europa verweist Willi Wendt auf die Vereinheitlichung durch die Datenschutz-Grundverordnung. International unterscheiden sich die Rahmenbedingungen teils deutlich, etwa im Vergleich zu den USA oder China. Dennoch hängt der Fortschritt weniger vom Land als von einzelnen Städten und deren Ökosystemen ab. Städte wie Barcelona, Santander oder Dublin seien durch Forschungsinitiativen und starke Technologiecluster besonders aktiv. In Dublin beispielsweise profitieren Projekte von der Präsenz großer Technologieunternehmen wie Google oder Microsoft.

Für die Zukunft sieht Willi Wendt große Chancen in gebündelten, integrierten Angeboten. Statt vieler einzelner Anwendungen könnten Bürger zentrale Plattformen oder Apps nutzen, die Mobilität, Verwaltung und weitere Services verbinden. Voraussetzung sei jedoch eine transparente Kommunikation: Bürger müssten verstehen, welchen Zweck ihre Daten erfüllen und welchen Mehrwert sie daraus ziehen. Gelinge dies, könne sich die Lebensqualität deutlich verbessern, etwa durch gezielte Verkehrslenkung, bessere Luftqualität oder eine bedarfsgerechte Stadtplanung.

Zum Abschluss betont Götz Müller die Bedeutung der Kommunikation. Technische Möglichkeiten allein reichen nicht aus. Erst wenn Ziele, Nutzen und Hintergründe offen vermittelt werden, entsteht Vertrauen. Beide Gesprächspartner sehen die Entwicklung als dynamischen Prozess mit großen Potenzialen, aber auch strukturellen und kulturellen Herausforderungen.

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