KVP – eine Frage der Antreiber

Antreiber

Zur Frage des Antriebs im KVP habe ich 2015 schon einmal einen Artikel geschrieben. In diesem Artikel geht es um die Antreiber auf Basis der Transaktionsanalyse und deren Relevanz im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Dabei ist zu bedenken, dass die Antreiber an sich grundsätzlich wertfrei sind und es immer auf die spezifische Ausprägung ankommt, um zu beurteilen, ob der Antreiber nützlich oder hinderlich ist, für eine Person ebenso wie den KVP.

Die Antreiber der Transaktionsanalyse sind die folgenden:

  • Sei stark!
  • Sei perfekt!
  • Mach es allen recht!
  • Beeil Dich!
  • Streng Dich an!

Eine sehr schöne Übersicht und Zusammenfassung der Antreiber als Modell der persönlichen inneren Steuerungsmuster können Sie auf dieser Seite finden.

Mein Artikel betrachtet jetzt die Antreiber im Bezug zum KVP.

Antreiber „Sei stark!“

In der Transaktionsanalyse drückt dieser Antreiber aus, dass ein Mensch sich sehr stark auf die eigene Leistung fokussiert und sich schwer damit tut, anderen Vertrauen entgegen zu bringen. Im KVP es aber zwingend notwendig auf das Element der Team-Arbeit zu setzen und auch bei Verbesserungen darauf zu vertrauen, dass die tätig Person am Ort der Wertschöpfung die Verhältnisse dort am besten kennt. Es geht auch darum ein möglicherweise überkommenes Führungsverständnis auf Basis der eigenen Leistung zu hinterfragen und mitarbeiterorientiert zu korrigieren. Dazu gehört auch der Leitsatz aus dem Training Within Industry, dass Führungskräfte nur durch die Leistung der Mitarbeiter wirken (können).

Antreiber „Sei perfekt“

Hinter diesem Antreiber steckt der Anspruch dem Kunden eine fehlerfreie Leistung zu bieten. Im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess sind jedoch Fehler zwingend notwendig, um neues Wissen als Basis für Verbesserungen zu schaffen. Dazu ist also eine positive Fehlerkultur notwendig. Der Umgang mit diesem (vermeintlichen) Paradoxon ist ein meinen Augen ein zentrales Element der Führungsverantwortung, speziell an der Schnittstelle bzw. dem Übergang zwischen der Bereitstellung der Leistung für den Kunden und der Verbesserung derselben im Rahmen des KVP. „Sei perfekt“ kann auch eine Bremse sein, wenn es darum geht Verbesserungen zu testen bzw. zuvor Verbesserungsvorschläge überhaupt zu machen. Diese Mechanismen offenzulegen ist ebenfalls ein Element der Führungsrolle im KVP.

„Kleinigkeiten sind es, die Perfektion ausmachen, aber Perfektion ist alles andere als eine Kleinigkeit.“

– Sir Frederick Henry Royce

Antreiber „Mach es allen recht!“

Die primäre Ausrichtung der Verbesserungen muss immer der (einzelne) Kunde sein und der Nutzen für ihn, den eine Leistung bieten soll. Gleichzeitig darf jedoch der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens nicht aus dem Auge verloren werden – auch wieder aus Kundensicht, weil dadurch letztlich die Bereitstellung der Leistung zum Nutzen des Kunden gefährdet werden kann. Ebenso geht es darum zwischen dem Bedürfnis und den Erwartungen des Kunden zu differenzieren. Bezogen auf die oft zitierten Fordschen Pferde kann es das Bedürfnis des Kunden sein, sich vom Punkt A zum Punkt B auf möglichst schnelle Art und Weise zu bewegen. In seinem Weltbild kann sich daraus die Erwartung der schnelleren Pferde bilden. Sein Bedürfnis kann jedoch auch auf eine andere Weise erfüllt werden.

Antreiber „Beeil Dich!“

Die Prozessdurchlaufzeit ist in der Regel ein entscheidender Zufriedenheitsfaktor für Kunden. Als negativer Aspekt kann es bedeuten, dass Tätigkeiten unterbrochen werden und nicht in einem Rutsch bearbeiten werden, was dem One-Piece-Flow betrifft. Mit der Unterbrechung von Tätigkeiten ist auch oft verbunden, dass Menschen mehrere Dinge gleichzeitig bearbeiten. Dies bedeutet oft auch, dass sich die Durchlaufzeit für einen einzelnen Durchgang erhöht, wie dies bspw. Puffer zwischen einzelnen Produktionsschritten verursachen. „Beeil Dich“ kann innerhalb von Prozess auch leicht zu Abkürzungen (zu Lasten der Qualität) führen und ganz direkt zur Verschwendung unnötiger Bewegungen oder Transporte.

Antreiber „Streng Dich an!“

Aus der Transaktionsanalyse kann dieser Antreiber den Eindruck verursachen, dass Arbeit anstrengend sein. Dabei sollte man im Lean Management berücksichtigen, dass hinter dem Respect for people auch steckt, dass Arbeit eben gerade nicht schwer sein muss, bspw. dass (unnötige) Bewegung durch schlechte ergonomische Verhältnisse zu den klassischen Verschwendungsarten gehören und nicht zur Wertschöpfung beitragen. „Streng Dich an“ darf im KVP aber nicht dazu führen, die Arbeit zu verdichten, sondern intelligenter zu arbeiten. Arbeitsverdichtung führen oft zu verständlichen Widerstände gegen Verbesserungen.

Bei allen Antreibern sollte man speziell als Führungskraft beachten, dass der Transfer eigener Antreiber bzw. die Abbildung abgeleiteter Erwartungshaltungen auf die Mitarbeiter negative Effekte in den Arbeitsbeziehungen zur Folge haben kann.

Diese negativen Auswirkungen können sich Führungskräfte auch mittels dem Job Relations Training (JRT) aus dem TWI (Training Within Industry) bewusst machen und die negativen Konsequenzen damit vermeiden.

Frage: Welche Antreiber herrschen in Ihrem Unternehmen vor? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus auf den KVP? Welche persönlichen Antreiber bilden Sie unter Umständen und mit negativen Folgen auf Ihre Mitarbeiter ab?

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