KVP – keine Frage der Sicherheit/Gewissheit

Gewissheit

Bzgl. Sicherheit bzw. Unsicherheit hatte ich vor ein paar Jahren schon mal einen Artikel geschrieben. In diesem Artikel geht es um die Sicherheit bzw. Gewissheit aus einem anderen Aspekt.

Es geht jetzt vielmehr um die Sicherheit/Gewissheit das Ergebnis einer Verbesserung schon vorher zu kennen. Das ist mehr in der Form zu verstehen, dass vermeintlich geglaubt wird, die Lösung eines Problem schon als bekannt zu kennen wird, noch bevor das eigentliche Problem in seiner Bedeutung oder in seinen Ursachen wirklich verstanden wurde.

Deshalb beschäftigen sich die ersten vier Schritte des Toyota Problemlösungsprozesses auch nur mit dem Problem, so wie die erste Phase des PDCA-Zyklus ähnlich viel Zeit umfassen sollte wie die folgenden drei Phasen.

Ein ähnlich Gedanke trifft auf das Lernen zu. Mike Rother vertritt hier die klare These, dass keinen echtes Lernen stattfinden, wenn sich der Vorgang des Lernens nicht unangenehm anfühlt, weil man sich dann immer noch in der Komfortzone befindet, in der kein Fortschritt möglich ist.

Nich schlimmer ist es, wenn man glaubt über eine Sache nicht mehr lernen zu können, weil man vermeintlich schon alles weiß. Boris Grundl stellt in diesen Fällen gerne die provokante Frage „Kennen Sie es oder können Sie es?“

Ich vermute, dass ein Grund für die zugrundeliegende Einstellung des schon Kennens/Wissens die vermeintliche Schwäche bzw. die Angst davor ist, dass einem die Unkenntnis/Unsicherheit/Ungewissheit eben als Schwäche ausgelegt wird. Dabei wird aber in meinen Augen verkannt, dass es vielmehr eine Stärke ist, das (vermeintlich) bestehende Wissen in Frage zu stellen. Letztlich kann es sonst keine Veränderung als Voraussetzung für eine Verbesserung geben, weil es ja sonst eben keinen Grund gibt, etwas an der bestehenden Situation zu verändern bzw. kann das bestehende Wissen natürlich immer in der Form hinterfragt werden, warum bei Anwendung des bestehenden Wissens noch keine Verbesserung eingetreten ist bzw. sich der gewünschte Zustand bzw. die gewünschten Ergebnisse noch nicht eingestellt haben.

„Du hast die Wahl. Du kannst dir Sorgen machen, bis du davon tot umfällst. Oder du kannst es vorziehen, das bisschen Ungewissheit zu genießen.“

– Norman Mailer

Die Gewissheit bzw. Sicherheit in Form der schnellen (Er)Kenntnis einer Lösung ist daher immer auch ein limitierender Faktor im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der ein besonders hinterhältiges Verhalten hat, weil er an einer Stelle ansetzt, die ja Grund gewöhnlich positiv besetzt ist.

Es gilt aber das Äquivalent zu Fehlern, die ebenfalls keine Limitierungen bzw. negative Aspekte sind, sondern die Voraussetzung für mögliche Weiterentwicklungen.

Es ist also wichtig – speziell für Führungskräfte – dass nicht zu früh geglaubt wird, die Lösungen schon zu kennen, einerseits um das Wissen und die Erfahrung der Mitarbeiter wirklich zu nutzen und andererseits den Horizont für Neues zu öffnen.

An anderer Stelle habe ich vor kurzem einen Artikel gelesen, der in der Einleitung die teuersten sieben Wort im geschäftlichen Bereich nannte „Das – haben – wir – noch – nie – so – gemacht“ oder wahlweise auch „… – schon – immer – …”

In beiden Fällen bergen die beiden Universalquantifikatoren „nie“ bzw. „immer“ eine sehr große Gefahr (die „größte“ vermeide ich hier bewusst ;-) dass keine Weiterentwicklung stattfindet bzw. die damit bekannte bzw. abgeleitet Lösung hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, weil eben gar keine Alternative in Betracht gezogen wird.

Diesem Effekt kann in meinen Augen nur dadurch entgegengewirkt werden, dass aktuelles Wissen und vorhandene Lösungen immer (!) in Frage gestellt werden – zumindest langfristig im Sinne eines Endpunkts, den es im Wortsinn des KVP so oder so nicht geben darf, weil sonst die Weiterentwicklung zum Erliegen kommen muss.

Auch hier sind wiederum die Führungskräfte gefragt, die also nicht nur nicht selbst die Lösung zu früh vorgeben dürfen, sondern sich auch nicht mit der erstbesten Lösung zufriedengeben dürfen. Hierauf den Fokus zu setzen, kann viel bessere Lösungen „produzieren“, als selbst zu früh eine Lösung bereitzuhalten.

Frage: Welche Gewissheit besteht in Ihrem Unternehmen im KVP? Was sind die Folgen daraus? Wie kann diese Schlussfolgerung überwunden werden?

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