
Ge wie Gelegentlich
Der Weg an den Ort der Wertschöpfung findet statt, allerdings nicht als fester Bestandteil der Führungsarbeit. Ein Audit steht bevor, ein wichtiger Kunde kommt zu Besuch oder eine Kennzahl entwickelt sich unerwartet. Erst dann rückt Gemba in den Mittelpunkt. Solche Besuche vermitteln schnell den Eindruck von Präsenz. Gleichzeitig bleibt der eigentliche Alltag oft unsichtbar. Probleme, Umgehungslösungen und kleine Störungen zeigen sich selten genau dann, wenn ein Termin im Kalender steht. Wer Gemba nur gelegentlich erlebt, sieht vor allem Momentaufnahmen. Zusammenhänge entstehen jedoch erst durch wiederholtes Beobachten und den kontinuierlichen Austausch mit den Menschen vor Ort.
M wie Management
Führung am Gemba bedeutet nicht, Antworten mitzubringen. Sie beginnt mit Fragen. Dennoch entwickelt sich der Besuch am Ort der Wertschöpfung häufig zu einer Gelegenheit, Entscheidungen zu verkünden oder Erwartungen zu formulieren. Beobachten geht nahtlos in Bewerten über. Zuhören wird durch Erklären ersetzt. Damit verändert sich auch das Verhalten der Mitarbeitenden. Wer damit rechnet, vor allem Anweisungen zu erhalten, wird Probleme seltener offen ansprechen. Gespräche konzentrieren sich zunehmend auf Ergebnisse und weniger auf deren Ursachen. Gemba verliert dadurch seine wichtigste Funktion als Ort gemeinsamen Lernens.
– Peter Drucker
B wie By
Das kleine Wort „by“ beschreibt im Ausdruck „Management by Announcement“ den eigentlichen Mechanismus. Gesteuert wird durch Aussagen, Vorgaben und Botschaften. Die Führungskraft erklärt, was künftig anders laufen soll, und verlässt anschließend den Bereich wieder. Ob die Veränderung tatsächlich funktioniert, bleibt zunächst offen. Zwischen Entscheidung und Umsetzung entsteht eine Lücke, die häufig unterschätzt wird. Prozesse verändern sich nicht durch Ankündigungen, sondern durch gemeinsames Verstehen, Ausprobieren und Nachjustieren. Je komplexer ein Arbeitsablauf ist, desto größer wird der Abstand zwischen einer guten Idee und ihrer erfolgreichen Umsetzung.
A wie Announcement
Ankündigungen erzeugen Aufmerksamkeit. Sie vermitteln Orientierung und können wichtige Impulse setzen. Problematisch wird es dort, wo sie den eigentlichen Verbesserungsprozess ersetzen. Nach dem Rundgang folgen Maßnahmenlisten, Präsentationen oder E Mails mit neuen Vorgaben. Der Eindruck von Aktivität entsteht schnell. Ob die angekündigten Veränderungen tatsächlich wirksam werden, bleibt dagegen oft unbeobachtet. Mit der Zeit entwickelt sich eine Kultur, in der auf jede neue Botschaft gewartet wird. Eigenständige Problemlösung tritt in den Hintergrund, weil Veränderung vor allem von außen angestoßen wird. Gemba wird dadurch zum Ausgangspunkt neuer Anweisungen statt neuer Erkenntnisse.
Gemba beginnt mit Verstehen
Der eigentliche Wert von Gemba liegt nicht im Besuch selbst, sondern in der Art des Besuchs. Wer den Ort der Wertschöpfung ausschließlich nutzt, um Informationen einzusammeln oder Entscheidungen zu verkünden, schöpft sein Potenzial nur teilweise aus. Erst die Bereitschaft, zuzuhören, Fragen zu stellen und gemeinsam Zusammenhänge zu verstehen, macht Gemba zu einem Führungsprinzip. Verbesserung entsteht nicht dadurch, dass Führungskräfte häufiger sichtbar werden. Sie entsteht dort, wo Neugier wichtiger ist als Gewissheit und wo Beobachtung den Ausgangspunkt für gemeinsames Lernen bildet.
Wenn Sie verhindern möchten, dass Gemba zu gelegentlichen Rundgängen mit anschließenden Anweisungen wird und stattdessen ein Ort des gemeinsamen Lernens entsteht, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.
Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an (öffnet eine ics-Datei in Ihrer Kalender-Application bzw. generiert in Ihrem Download-Verzeichnis mit einem Terminvorschlag in einer Stunde, den Sie noch individuell anpassen können).
Frage: Wie häufig dient der Besuch am Ort der Wertschöpfung dem Verstehen und nicht dem Bewerten? Welche Erkenntnisse bleiben verborgen, weil Gemba nur zu besonderen Anlässen stattfindet? Und woran wäre erkennbar, dass Fragen im Führungsalltag wichtiger geworden sind als Ankündigungen?
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