Inhalt der Episode:
- Wo kommt Blockchain ursprünglich her, was verbindet man typischerweise damit?
- Wo können Blockchains im Unternehmenskontext, speziell KMU, eingesetzt werden?
- Welche Bedeutung können Blockchains für die digitale Transformation haben?
- Welche Nutzen können KMU damit erzielen, was sonst so nicht möglich oder deutlich aufwändiger wäre?
- Welche Einsatzfälle stecken dahinter?
- Wie sieht das Zusammenspiel mit dem Internet of Things und KI aus?
- Ein paar Praxisbeispiele
- Wo kann man sich über das Thema noch weiter informieren?
Notizen zur Episode:
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Wenn Sie selbst ein interessantes Thema für eine Episode im Umfeld von Geschäftsprozessen haben, können Sie mir das auf dieser Seite mit Vorbereitungsfragen vorschlagen.
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(Teil)automatisiertes Transkript
Eine KI-generierte Zusammenfassung finden Sie am Ende des Transkript.
Episode 392 : Blockchain-Prozesse für KMU
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Andreas Skuin bei mir im Podcast-Gespräch. Er ist Executive Consultant und Mitglieder der Geschäftsführung bei den m.partners. Hallo Andreas.
Andreas Skuin: Hallo Götz, ich grüße dich.
Götz Müller: Ja, schön, dass du heute dabei bist. Ich habe schon ein kurzes Stichwort zu dir gesagt, aber stell‘ Dich gerne noch mal in ein paar Sätzen den Zuhörern vor.
Andreas Skuin: Ja, also erstmal herzlichen Dank, Götz, für die Einladung und freue mich auf das Gespräch. Bin sehr gespannt darauf, muss ich sagen. Zwei Sätze zu mir noch. Ja, ich bin jetzt schon seit einigen Jahren im Bereich Lean Management, Transformation und auch Digitalisierung unterwegs, da verbunden mit der Firma m.partners. Wir unterstützen dabei mittelständische Unternehmen in Richtung Zukunftsorientierung, Transparenz und bei der Entwicklung der Digitalisierung auch in der Richtung und der Optimierung der Governance-Regularien, die ja auch immer mehr werden insgesamt in Deutschland und die Unternehmen da auch sicherlich darunter viel leiden dabei. Ja, und ich freue mich jetzt auf den Austausch mit dir. Blockchain bin ich seit, einigen Jahren unterwegs, habe dazu auch nochmal eine Weiterbildung gemacht, was auch ganz spannend war, an der Universität Nicosia. Auch das ist zum Beispiel eine Referenz, die man hier nennen darf an der Stelle, die sicherlich mit zu den führenden Institutionen gehören, in diesem ganzen Kontext dabei, über den wir jetzt heute reden.
Götz Müller: Jetzt könnte ich mir vorstellen, dass dem einen oder anderen Zuhörer es ähnlich ging wie mir, wo ich dich bei dem Treffen kennengelernt habe, beziehungsweise wir kennen uns schon ein bisschen länger, aber wo du halt das Thema Blockchain dort vorgestellt hast. Und ich sage dir ganz offen, ich habe Blockchain immer mit dem Thema Bitcoin, mit Kryptowährungen verbunden. Und jetzt gibt es da ja offensichtlich, sonst hätten wir, glaube ich, das Thema nicht gewählt, noch einen anderen Einsatzbereich. Und das wäre für mich so ein bisschen ein Einstieg, wo es ursprünglich herkommt und eben noch ein bisschen vertieft, was man so klassisch damit verbindet, um dann auf diesen anderen Kontext überzugehen.
Andreas Skuin: Ja, also in der Tat, da geht es nicht nur dir so. Es geht vielen so, dass Bitcoin mit Blockchain verbunden wird und das ist, also sagen wir mal so, Blockchain ist durch Bitcoin prominent geworden und Bitcoin nutzt Blockchain auch als solches, als Technologie. Doch der Ursprung der Blockchain, den kann man eigentlich auf das Jahr 1991 zurückdatieren, als damals Haber und Stornetta das Verketten von Datenblöcken mittels kryptografischer Hashwerte entwickelt haben. Und danach haben sich dann viele Dinge weiterentwickelt, ohne jetzt hier auf die explizite Timeline einzugehen. Doch 2008 kam dann auf einmal Blockchain hoch, basierend auf dem Whitepaper von dem sogenannten Satoshi Nakamoto und der das erste Mal ein Konzept entwickelt hat, mit dem die sogenannte Peer-to-Peer-Zahlung möglich war, also Direktzahlungen, ohne einen Mittelsmann dabei. Und damit verbunden hat sich die Blockchain weiterentwickelt, sodass also die Blockchain letztlich, durch Elemente wie sogenannte Smart Contracts und andere Dinge, insbesondere wenn das Thema Datensouveränität oder Fälschungssicherheit eine Rolle spielt, weiterentwickelt dabei.
Götz Müller: Jetzt geht mir gerade der Gedanke durch den Kopf: Im Grunde ist es ja, und ich glaube, das ist dann auch eine, korrigiere mich da aber gerne, eine ganz passende Überleitung zu unserem Thema heute. Im Grunde ist es eine Form von, ich nenne es jetzt einfach mal wahrscheinlich sehr laienhaft, eine Form von Vertrauensmedium, Vertrauenskanal. Weil wenn ich da online eine Währung kaufe, also nicht ein Stück Papier, wie vielleicht ganz klassisch auf einem Scheck oder einen Geldschein oder eine Münze, muss ich ja demjenigen, der mir das gibt, eben Vertrauen entgegenbringen. Und ich glaube, das, wenn ich jetzt so ganz spontan rekapituliere in der Vorbereitung, das ist diese, in Anführungszeichen, große möglicherweise Gemeinsamkeit, oder?
Andreas Skuin: Vertrauen ist ein ganz großes Stichwort an der Stelle. Ja, absolut. Das ist richtig, weil im Endeffekt das, was übertragen wird über die Blockchain, das sind Informationen, Dokumente oder andere Dinge, die sind fälschungssicher und manipulationssicher übertragen. Das heißt also das, was auf der Blockchain drauf ist, kann nicht verändert werden. Und insofern, ja, wenn man das Ganze auf Kryptowährung beziehen möchte, was auch da wiederum schwierig ist, weil man eigentlich da eigentlich mehr von Tokens spricht. Man spricht eigentlich, Bitcoin ist die einzige Kryptowährung letztlich, aber letztlich spricht man dann von, wenn man auch von anderen Kryptos redet, dann redet man wie zum Beispiel von Ethereum oder von XRP oder so. Das sind dann aber im eigentlichen definitorischen Sinne eher Token. Und, ja, die Übertragung derer erfolgt dann vertrauenswürdig über die Blockchain. Korrekt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt dabei. Wenn wir allerdings das jetzt nochmal anders betrachten wollen, dann ist es eigentlich letztlich die, insbesondere wenn wir mal jetzt auf das Feld der KMU beispielsweise eingehen, also im Sinne von kleinen und mittelständischen Unternehmen, was könnte das eigentlich ausmachen? Und da gibt es konkrete Einsatzfelder, wie zum Beispiel, wenn es um Dokumentationen geht oder Nachweise geht oder Lieferketten-Transparenz beispielsweise oder auch Rechtssicherheiten. Das heißt, die Blockchain ermöglicht es innerhalb der Lieferkette zum Beispiel, als ein Beispiel, könnte zum Beispiel der digitale Produktpass irgendwann mal auf der Blockchain laufen und damit könnten dann innerhalb der Lieferkette die Dokumente, die dafür relevant sind, auf der Blockchain fälschungssicher übertragen werden. Und das schafft natürlich dann eine andere Art von Vertrauen, weil ich mir dann sicher sein kann, dass das, was da übertragen wurde, nicht manipuliert wurde in dem Kontext dabei. Hilft dir das ein bisschen so?
Götz Müller: Ja, definitiv. Das wird ja auch das Thema unserer Episode sein eben, der Titel, den ich gewählt habe, Blockchain-Prozesse, ist jetzt auch noch relativ allgemein. Du hast es gerade schon ein bisschen angedeutet, im Unternehmenskontext auch speziell, so hatte ich es auch aus deinem Vortrag herausgehört, eben speziell auch im Bereich der KMUs. Vielleicht schilderst du einfach ein paar, ja, wie gesagt, angedeutet hast du es schon, ein paar Einsatzfelder.
Andreas Skuin: Ja, also Einsatzfelder wären zum Beispiel, wie jetzt gerade eben schon erwähnt, mit der Verkettung. Also sagen wir mal so, oftmals ist es ja so, KMUs sind ja mit anderen Partnern verkettet oder vernetzt. Die arbeiten ja heute schon vielfach zusammen. Und der Haken ist oftmals der, oder die Thematik ist oftmals die, dass man ja die Vernetzung untereinander, insbesondere dann, wenn die Partner unbekannt sind, nicht genau weiß, wer sind die eigentlich, wer ist das eigentlich und kann ich dem vertrauen oder kann ich dem nicht vertrauen dabei an der Stelle. Und wie sind eventuell die Dokumente, die ich dazu benötige? Kann ich die so annehmen oder nicht annehmen? Und das ist über die Blockchain eben möglich. Es gibt dabei einen Punkt nur dabei in der Richtung, dass natürlich die Informationen, die auf die Blockchain kommen, das ist eine andere Geschichte. Aber das ist wie immer so. Informationen, die in ein Netz hineingebracht werden, die sollten so sein, dass sie auch adäquat sind. Wenn sie das nicht sind, dann ändert die Blockchain auch nichts daran. Die Blockchain übermittelt die Informationen, die eingetragen worden sind, entsprechend weiter. Andererseits ist es so, in dem Bewusstsein, dass die Leute genau wissen, das, was übertragen wird, auch nicht mehr geändert werden kann, werden sich die Leute sehr stark daran halten, auch rein aus dem Verantwortungsbewusstsein heraus, dies so korrekt wie möglich zu machen. Denn, und das ist das Wichtige dabei, diese Information kann rückverfolgt werden und man kann ganz klar erkennen, von wem kommt was. Und das ist natürlich dann auch entsprechend in Bezug auf die Rechtssicherheit ein großes Thema, weil ich immer den Verursacher auch dann hierbei erkennen kann.
Götz Müller: Mir ging gerade, keine Ahnung warum, mir ging gerade das Bild von zwei Parteien, nenne ich es mal neutral, die beim Notar sitzen und der dann da eine halbe Stunde mehr oder weniger einen Monolog führt, indem er vorliest und dann zum Schluss seinen Kaiser Wilhelm darunter setzt und jede Seite mit Siegel irgendwie mit den anderen verbindet, wo man eben dann sicher ist, wenn da auf jeder Seite so ein kleiner schriftlicher Haken dran ist, dass das halt auch 20 Jahre später immer noch das ist, was der Notar da vorgelesen hat. Und ich glaube, das ist so im übertragenen Sinne so ein bisschen ein Einsatz, den die Blockchain dann liefert, oder?
Andreas Skuin: Zum Beispiel, absolut, genau. Also ich kann ja auch sofort erkennen, ob ein Dokument in irgendeiner Form verändert wurde oder nicht verändert wurde. Und ich kann auch erkennen, das kann ein Komma sein, also das wird sofort transparent gemacht, wenn irgendetwas verändert worden ist. Und ich meine, du sprichst ja im Prinzip ein interessantes Thema dabei an, also das ist uns zum Beispiel auch ein Thema, was zu möglicherweise interessanten Geschäftsmodellen führen könnte, wenn ich zum Beispiel, ich kann Maschinen zum Beispiel dann verleasen oder basierend auf einer Tokenisierung, ich kann also auch Anteile von einer Maschine verkaufen beispielsweise und das basiert auf dem sogenannten Thema, das nennt sich Real-World-Asset. Das heißt, da werden Anteile, Kleinstanteile zum Beispiel verkauft an der Ecke und die sind dann auch mittels Blockchain quasi notariell dann abgesichert in Anführungsstrichen. Also soweit sind wir noch nicht, rein rechtlich noch nicht, aber das sind so die Dinge, über die ganz stark momentan die Entwicklungen laufen beispielsweise.
Götz Müller: Ja, das geht dann so ein bisschen in die Richtung meiner nächsten Frage, weil, so hatte ich das wahrgenommen, die Überschrift, um es mal so anzudeuten, über allem wäre eben digitale Transformation, weil dass die Blockchain an sich schon mal digital ist, ich glaube, das ist unbestritten. Und da noch ein bisschen vertieft, möglicherweise aber auch Wiederholung, um es nochmal klarer zu machen, welche Bedeutung jetzt hier die Blockchain bekommt.
Andreas Skuin: Ja gut, ich meine, du knüpft im Prinzip da genau daran an in der Ecke. Also die Blockchain ist letztlich das Bindegewebe der digitalen Transformation, weil sie ermöglicht es, dass Daten und Werte sicher über Firmengrenzen hinweg fließen können, ohne dass man jetzt sich blind darauf vertrauen muss, dass irgendein Mittelsmann dabei ist, sondern die Blockchain eliminiert den Mittelsmann, die braucht brauche den nicht. Im Gegenteil, der Mittelsmann kann sogar eher störend sein, weil der Mittelsmann sogar, wenn ich das klassischerweise mache, da kann ich mir möglicherweise unsicher sein, ob das jetzt ein Geldtransfer ist oder ein Dokumententransfer oder sonst irgendwas. Und das ermöglicht die Blockchain, dass ich den Mittelsmann eben nicht brauche, weil ich auch darauf vertrauen kann, ganz genau. Und damit kann ich die digitale Transformation nochmal in einer ganz anderen Form realisieren. Ich kann Prozesse ganz anders dann optimieren. Ich bin viel schneller vor allem, weil ich da auch diese zeitlichen Einschränkungen nicht mehr habe dabei. Und das bietet dann im Endeffekt, man kann es auch sagen, ein Internet der Werte oder der Wahrheit dann nachher. Wobei die Blockchain im Background läuft.
Götz Müller: Ja, das geht so ein bisschen in die Richtung meiner nächsten Frage. Du hast es gerade schon ein bisschen angedeutet, ich möchte es noch ein bisschen vertiefen, weil wenn ich so eine neue Technologie, auch wenn sie jetzt schon, und das fand ich spannend, von 91, wenn sie schon relativ einerseits alt ist und dann jetzt aber eben in einem neuen Kontext, so nenne ich es jetzt einfach mal, eingeführt werden soll, muss es ja einen Vorteil bringen. Den Aspekt Zeit hast du schon angedeutet mit allem, was damit zusammenhängt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es eben noch mehr gibt, was eventuell vielleicht gar nicht möglich wäre oder halt eben deutlich aufwendiger.
Andreas Skuin: Naja, also das eine ist auf jeden Fall eine, das, was wir gerade schon auch mehrfach angesprochen hatten, ist die Transparenz. Also ich kann auf der Blockchain erkennen, was passiert insgesamt. Und ich weiß auf jeden Fall immer, woher das kommt insgesamt gesehen. Ich kann aber nichtsdestotrotz auch zum Beispiel, wenn es um das Thema Qualitätssicherung von Daten geht beispielsweise, oder es geht um das Thema Nachhaltigkeitsfragen oder auch Liquidität durch schnellere Prozesse beispielsweise. Ich kann mit der Blockchains auch, ich unterstütze die sogenannten Smart Contracts. Ein Smart Contract ist eigentlich nichts anderes als Algorithmus, der letztlich auf der Blockchain Transaktionen durchführt, weil das ist ein Rechenmodell im Endeffekt. Und mittels Blockchain und Smart Contracts kann ich dann zum Beispiel, wenn ich das Beispiel nehme, innerhalb einer Lieferkette angenommen, ich verschicke etwas und diese Ware, kommt beim Lieferanten an, er dokumentiert das durch Bestätigung auf der Blockchain. Die Blockchain realisiert das und kann dann mittels Smart Contracts zum Beispiel sofort eine Zahlung automatisiert vornehmen lassen. Diese kann sofort verbucht werden und damit spare ich natürlich Zeit und Kosten auch und in der Verwaltung beispielsweise. Oder ich habe irgendwelche Regularien, die ich erfüllen muss. Nehmen wir das Beispiel NIS-2, was jetzt gerade momentan ja sehr prominent ist insgesamt gesehen. Ich kann zum Beispiel dann die auditierungsrelevanten Elemente auf der Blockchain entsprechend dokumentieren und kann das dem Auditor geben, der wiederum dann sofort erkennt: Ah ja, das ist alles fälschungssicher, dokumentiert und abgelegt. Und weil bei NIS-2 ist auch das große Thema, ich muss fälschungssicher dokumentieren, dass hier keine Angriffe getätigt werden oder wie ich das System abgesichert habe. Also da bin ich viel, viel schneller dabei in der Richtung. Und wir haben es gerade angesprochen und Transaktionen können automatisiert werden. Auch das kann innerhalb eines Unternehmens passieren. Ich kann ein Unternehmen als solches, ich habe auch die Unterscheidung zum Beispiel zwischen offenen Blockchains und geschlossenen oder halboffenen, je nachdem. Der Vorteil ist der, bei den offenen, da wird es heutzutage, weil die Regularien haben sich da entsprechend entwickelt, wird zum Beispiel oftmals über das sogenannte KYC, Know Your Customer, KYC steht für Know Your Customer, wird dann der Zugang ermöglicht. Oder ich habe ein geschlossenes System für mein eigenes Unternehmen beispielsweise. Dann habe ich verschiedene Entitäten, die letztlich als Vernetzung daliegen und ich kann dann beispielsweise meine Maschinen miteinander vernetzen und die miteinander kommunizieren lassen, auch unterstützt durch die KI beispielsweise. Ja, also das sind so Dinge, die hier möglich sind in einer anderen Art und Weise, als die wir bisher so kennen.
Götz Müller: Das geht dann auch so ein bisschen, Maschinenvernetzung picke ich mir da mal raus, das geht dann auch so ein bisschen Richtung Internet of Things, eventuell, und das wäre jetzt auch ein Teil meiner nächsten Frage, was für eine Rolle könnte eventuell KI da spielen?
Andreas Skuin: Also das Interessante, man könnte in diesem Zusammenspiel von KI, Internet of Things oder Industrial Internet of Things oder je nachdem, und der Blockchain, könnte man zum Beispiel sagen: Okay, ich muss ja irgendwo Informationen herbekommen. Das ist die IoT. Das sind meine Sinnesorgane. Das sind die Sensoren, die die Information aufnehmen. Die KI wäre das Gehirn zum Beispiel und sie analysiert die Daten, erkennt Muster und trifft dann auch Entscheidungen. Die Blockchain wiederum ist das Gedächtnis, das alle Wahrnehmungen speichert und automatisiert basierend auf diesen Entscheidungen dann Aktivitäten loslegt. Das heißt, es wird zum Beispiel dann, weil der Bedarf, weil zum Beispiel eine Maschine feststellt, sie braucht wieder Materialnachschub beispielsweise. Die KI prüft das dann und sagt dann: Okay, gut, ja, was für Material wird benötigt, in welcher Art und Weise. Die Blockchain nimmt das auf und die Blockchain bestellt dann automatisch diese Ware und damit habe ich dann die Möglichkeit, auch die einzelnen Elemente im klassischen Sinne, wie zum Beispiel Cyber-Physical-Systems ja miteinander kommunizieren sollen, wirklich bis hin zu einer autonomen Fabrik das Ganze aufzubauen beispielsweise.
Götz Müller: Jetzt, glaube ich, haben viele, und da gehöre ich halt auch dazu, wenn sie den Begriff KI hören, wahrscheinlich zu 70, 80 Prozent irgendwo hat man natürlich die Large Language Models vor dem geistigen Auge oder im Sinn. Und was wir alle mittlerweile in der einen oder anderen Form erlebt haben, dass halt da irgendwelche schrägen Sachen manchmal erfunden werden, um es mal vorsichtig auszudrücken. Könnte die Blockchain da jetzt eine Lösung sein oder ist das jetzt von mir gerade irgendwie ein Irrweg, meine Fantasie.
Andreas Skuin: Also wenn du, ich vermute, du meinst jetzt speziell die generative KI. Die generative KI, mir der könntest du … die spielt hier in dem Sinne weniger eine Rolle dabei in der Richtung. Also sagen wir mal so, wenn du mit der generativen KI arbeitest und die spuckt irgendwas aus, was immer das sein mag, dann wird das auf der Blockchain gespeichert, aber es wird genau das gespeichert, was du entscheidest, was gespeichert wird, mehr nicht. Okay. Wir reden hier von einer anderen KI. Wir reden hier von der KI, die im industriellen Kontext, wenn es zum Beispiel um Qualitätssicherung geht, also Prüfung von Fehlern, Vergleichen oder Aufnehmen der Daten aus der Sensorik, wie gerade vorhin schon erwähnt, da nimmt die KI entsprechende Informationen auf. Das ist die andere KI. Das gibt es verschiedene. Wir reden ja von KI, da reden wir von unterschiedlichsten Modellen der KI dabei. Und generative KI ist sicherlich momentan die prominenteste, aber davon reden wir nicht. Nein, wir reden von der, die im Standardeinsatz genutzt wird. Ich bin da jetzt nicht so tief drin, deswegen bin ich da ein bisschen überfragt. Auf jeden Fall, wir reden eher da an der Stelle von den KIs, die letztlich vergleichbare, standardisierte Ergebnisse produzieren, die dazu dienen, hier, beispielsweise, Fehler zu entlarven. Es gibt eine Kamera zum Beispiel und diese Kamera prüft, in der Produktion von Textilien zum Beispiel will, ob irgendwelche Fehler erkennbar sind innerhalb des Stoffes, das produziert wird. Das muss erlernt werden. Die KI muss die Information bekommen, wie sie das prüfen soll dabei. Und wenn sie Fehler erkennt, dann stoppt die Maschine zum Beispiel oder sie erkennt, dass hier ein Riss ist, dann wird die Maschine auch gestoppt. Und die Blockchain protokolliert das gegebenenfalls und sagt dann: Okay, gut, wir müssen jetzt zum Beispiel einen Servicetechniker rufen und dann kriegt der Servicetechniker sofort die Nachricht. Als Beispiel jetzt mal, oder die Maschine stellt fest: Aha, ich bin fertig. Die KI sagt: Ja, es ist in Ordnung, Qualität ist in Ordnung. Und die Blockchain liefert dann die Information an den Kunden und sagt: Okay, pass auf, du kriegst die Ware an dem Tag zugestellt, bitte bereite dich vor.
Götz Müller: Und kann man es dann, wie gesagt, sehr laienhaft, sogar ein bisschen zu naive an sich, könnte man es jetzt so ausdrücken, dass die Blockchain auch diesem Notarstempel auf dieser Charge zum Beispiel entspricht? Kein Fehler drin, Stempel drauf?
Andreas Skuin: Wenn die KI, die Blockchain kommuniziert in dem Moment mit der KI, wenn die KI das so kommuniziert und sagt: Ja, da ist kein Fehler drin, dann bekommt die Blockchain diese Information, die Blockchain kommuniziert oder nimmt diese Information auf und gibt diese weiter. Sie kann natürlich nicht für die Fehler der KI, wenn die KI jetzt in dem Moment einen Fehler geschrieben hat, das kann die Blockchain nicht entscheiden. Die Blockchain protokolliert nur, was die KI gemacht hat in dem Moment. Okay. Das heißt mit anderen Worten, wenn dann tatsächlich irgendwelche Fehler beim Kunden in Erscheinung treten, kann aber immer festgestellt werden: Aha, wo kommt das denn eigentlich her?
Götz Müller: Also ich kriege ein Stück weit dann, vielleicht ein bisschen flapsig ausgedrückt, zumindest die Nachvollziehbarkeit kriege ich absolut ins Haus, wo man sonst im klassischen Kontext immer ziemlich heftige Anstrengungen manchmal machen muss oder halt gar nicht macht, weil es nicht sinnvoll machbar ist.
Andreas Skuin: Genau, exakt, ganz genau. Also diese, das ist vor allem auch, je komplexer ein oder je komplizierter ein Prozess ist, der durch verschiedene Stufen läuft, hier sprechen wir auch von chemischen Prozessen beispielsweise, also gerade in der Prozessindustrie beispielsweise, also, ob das jetzt Chemie ist oder bei Baumaterialien oder anderen Dingen dabei, da wird das dann sehr herausfordernd. Das wird gemacht, aber das muss heute sehr stark manuell gemacht werden und das kann ich über die Blockchain dann letztlich vereinfachen, indem ich genau, wie du gesagt hast, diese Prozesse sofort nachvollziehen kann.
Götz Müller: Ja, jetzt waren da schon ein paar Beispiele drin. Ich weiß halt jetzt noch aus deinem Vortrag, hast du das, ich finde, sehr stark generalisiert, sodass man so ein bisschen aus einer Helikopterperspektive rausgeguckt hat. Und ich glaube, das könnte eben für die Zuhörer auch interessant sein, ein paar Praxisbeispiele, digitaler Produktpass war schon ein Stichwort, was möglicherweise dann auch sehr direkt für einen Anwender, da habe ich jetzt so das Bild vor meinem geistlichen Auge, ich laufe über einen Bazar und sehe da einen Anbieter, der Rolex hat, und wenn die jetzt so einen digitalen Produktpass hätten, dann könnte ich sicher sein, also wie gesagt, in meinem naiven Weltbild, dass das jetzt wirklich eine Rolex ist und nicht irgendwo aus dem fernen Osten…
Andreas Skuin: Zum Beispiel, guter Punkt. In der Luxusindustrie wird das gemacht. Da wird über sogenannte NFTs, NFTs steht für Non-Fungible Token, und dieser wird gekoppelt an das Produkt, also sprich in dem Fall an die Rolex und damit ist das zertifiziert, dass diese Rolex auch echt ist. Und diese Zertifizierung, die geht dann über die gesamte Lieferkette bis hin zum Kunden weiter. Und der kann das dann jederzeit nachvollziehen. Gutes Beispiel. Es gibt dann zum Beispiel auch noch, es gibt von Renault, da gibt es ein Projekt, das nennt sich XCEED. Da geht es um die fälschungssichere Zertifizierung von Bauteilen über mehr als 500 Zulieferer hinweg beispielsweise. Oder im Retail-Bereich Walmart zum Beispiel in den USA trackt verschiedene Produkte. Dann gibt es Batterie-Pass-Lösungen schon in China beispielsweise. Da haben wir auch einen Mandanten, mit dem wir da zusammenarbeiten an der Stelle. Dann gibt es auch das Projekt MineHub zum Beispiel. Da werden komplette Lieferketten in der Bergbau- und Metallindustrie digitalisiert und über Blockchain also vernetzt miteinander und und und. Also es gibt international sehr viele Sachen, die da schon laufen. Und es gibt Pilotprojekte von Siemens beispielsweise und auch anderen, die da auch über das Thema autonome Fabrik auch schon viel nachdenken und gucken danach.
Götz Müller: Ein Stichwort hatte ich noch notiert, weil du es in dem Vortrag auch genannt hattest, könnte auch vielleicht spannend sein, Kreislaufwirtschaft, wo man jetzt vielleicht auf den ersten Blick auch denkt: Okay, was hat das damit zu tun? Ich fand es dann aber sehr eingängig, wo du es kurz angerissen hattest.
Andreas Skuin: Na gut, Kreislaufwirtschaft ist ja gekoppelt mit einem digitalen Produktpass.
Götz Müller: Ja, genau, dass ich halt, egal was ich dann recycle, dass ich halt weiß, was da drinsteckt, weil das ja möglicherweise schon einen Einfluss hat darauf, welche Wertstoffe ich dann da wirklich rausziehen kann.
Andreas Skuin: Exakt, ganz genau. Und der Batteriepass, den ich gerade eben erwähnt habe, ist ja die erste Variante eines sogenannten digitalen Produktpasses beispielsweise. Aber das wird sich weiterentwickeln. Das sind unterschiedliche Branchen, ich kann jetzt nicht sagen, welche Branchen insgesamt alle, werden aber davon abgedeckt sein und müssen diesen digitalen Produktpass liefern. Und dieser digitale Produktpass, der dient ja dazu, die Informationen praktisch von dem eigentlichen Erstlieferanten, je nachdem auf welcher Ebene, bis hin zum End-User und dann auch in den Recycling-Bereich hinein durchgeführt. Da müssen alle Informationen gespeichert sein darauf. Man kann sich das auch als digitalen Schatten vorstellen. Manche sagen auch ein digitaler Zwilling. Da gibt es verschiedene Dinge dazu in der Richtung. Und Blockchain könnte dabei eine Lösung sein, weil die Informationen dann letztlich vom Ursprung bis zum Ende und zum Recycling dann mitgeführt werden.
Götz Müller: Ja, oder eben, das finde ich so spannend, zumindest habe ich das von mich mal mitgenommen, dass Kreislaufwirtschaft ja mehr sein kann wie nacktes Recycling, wo man jetzt vielleicht, wo jeder so vor dem geistigen Auge hat, okay, es wird halt das Plastik zum Beispiel, wird halt geschreddert und dann bloß als Granulat wiederverwendet. Ich glaube aber, zumindest habe ich es so rausgehört, dass ich das jetzt auf einer höheren Ebene machen kann, dass ich zum Beispiel eben eine Batterie wieder verwende, wenn ich sicher bin, wie lange die im Einsatz war, wo die herkommt, was da drinsteckt und dass ich sie nicht in ihre Einzelbestandteile auflösen muss.
Andreas Skuin: Ja, also was da gemacht wird, hat mit der Blockchain direkt nichts zu tun. Die Blockchain dient nur dazu, das Ganze zu dokumentieren. Also der Prozess, der im Rahmen dieses Lifecycles, was da passiert, insgesamt gesehen, ist völlig produktspezifisch, firmenspezifisch, kundenspezifisch etc. Die Blockchain protokolliert. Die Blockchain ist so gesehen erstmal dumm. Du fütterst die Blockchain mit den Informationen und sagst und gibst der Blockchain die Dinge, die sie benötigt, um das zu tun, was du willst, im Endeffekt. Aber ansonsten für was dahinten im Rahmen dieses Lifecycles zu tun hat, ist eine andere Geschichte. Also bitte da trennen davon in der Richtung.
Götz Müller: Ja, aber ein Stück weit ist, und ich vergleiche es halt wieder mit dem Papier, das Stück Papier ist auch dumm. Erst dadurch, dass da Buchstaben und Zahlen draufkommen, bekommt es seinen Wert und dann kriegt es den Stempel. Ich spreche immer gerne mit Metaphern. Und dann ist es eben nachvollziehbar, dass das, was da draufsteht auf dem Papier, wirklich das ist, was mal ursprünglich jemand draufgeschrieben hat.
Andreas Skuin: Korrekt, ja. Der Vergleich, der passt ganz gut, ja.
Götz Müller: Gut, so ein bisschen mit dem Blick auf die Uhr. Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere sagt: Das hört sich ja spannend an, wo kann ich mehr darüber erfahren?
Andreas Skuin: Also ich würde noch ganz kurz etwas ergänzen wollen. Also interessant, um zu verstehen, wie man eine Blockchain oder wann eine Blockchain Sinn macht oder nicht Sinn macht. Da gibt es in Anlehnung an Gartner zum Beispiel, gibt es Entscheidungsbäume, die dann letztlich dazu dienen, zu verstehen, was ist denn mir wichtig überhaupt dabei. Und eine der größten Fragen, die dabei eine Rolle spielt, ist zum Beispiel: Brauchen wir eine Wahrheit, die keiner allein kontrolliert? Also ist es mir wichtig, dass ich eine Souveränität habe über meine Daten und die Informationen, die weitergeleitet werden und ich möchte nicht, dass das über andere Instanzen läuft, die da gegebenenfalls sich damit einmischen können beispielsweise. Das ist eine der wichtigsten Fragen und ich glaube, die zunehmend immer wichtiger wird. Und das ist etwas, was man dann für sich auch mal prüfen kann, so als Orientierung, wie eine Art Souveränitätscheck dabei an der Stelle. Ich glaube, das ist noch hilfreich. Um auf deine Frage noch einzugehen, wo man sich informieren kann. Ja gut, also es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Ja, also bei uns, ja. Oder auch in Verbindung mit dem Münchner Kreis zum Beispiel, der sich ja ganz stark dem Thema Digitalisierung verschrieben hat. Aber es gibt auch andere Stellen, wie zum Beispiel, also wir reden jetzt mal von Deutschland primär, da gibt es dann den sogenannten Blockchain-Bundesverband, dann gibt es noch sogar die DIN-Organisation oder die Gesellschaft für Qualität und Zertifikate, die beschäftigen sich auch stark damit, die auch schon Pilotprojekte laufen lassen beispielsweise. Dann gibt es verschiedene Fraunhofer-Institute, aber es gibt auch Vereine, wie zum Beispiel in Berlin die BerChain oder in Bayern Blockchain Bayern beispielsweise oder Hanseatic Blockchain oder Blockchain Region Rhein-Ruhr oder auch hier in Baden-Württemberg. Also es gibt unterschiedlichste Stellen und da wird schon auch einiges gemacht und was ich auch gut finde, weil wir haben für meine Begriffe die ideale Möglichkeit in Deutschland, gerade dieses Industrie-Know-how, auch in Verbindung mit KI zum Beispiel, dann zu nutzen und hier echt spannende Lösungen zu bieten an der Ecke. Also das ist, auch wenn es in Deutschland etwas verstaubt ist in den letzten Jahren, bedauerlichweise. Ich glaube, dass es kommt, auch im Kontext der Regularen.
Götz Müller: Ja, und ich hoffe, oder anders ausgedrückt, ein bisschen positiv ausgedrückt, bin mir sicher, der eine oder andere wird jetzt aufmerksam werden und sagen: Spannend, könnte ein Problem lösen, vor dem wir eigentlich schon lange stehen. Und deshalb, Andreas, ich danke dir für deine Zeit, für die interessanten Einblicke.
Andreas Skuin: Sehr gerne, ganz herzlich nochmal danke für deine Einladung und danke für deine Fragen, ich fand das sehr gut. Und ja, danke für den Austausch.
Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Andreas Skuin zum Thema Blockchain-Prozesse für KMU. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 392.
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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
KI-generierte Zusammenfassung
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Andreas Skuin über den Einsatz der Blockchain-Technologie in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die weit verbreitete Annahme, Blockchain sei nahezu ausschließlich mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen verbunden. Andreas Skuin erläutert, dass diese Wahrnehmung zwar verständlich sei, die eigentliche Technologie jedoch weit darüber hinausgehe und zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen biete.
Andreas Skuin erklärt zunächst die historischen Ursprünge der Blockchain. Die grundlegende Idee der kryptografisch miteinander verketteten Datenblöcke sei bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelt worden. Bekannt geworden sei die Technologie allerdings erst mit dem Bitcoin-Whitepaper aus dem Jahr 2008. Während Bitcoin die Blockchain als technische Grundlage nutze, habe sich die Technologie inzwischen erheblich weiterentwickelt. Insbesondere Smart Contracts und weitere Funktionen eröffneten heute völlig neue Einsatzmöglichkeiten, insbesondere überall dort, wo Manipulationssicherheit, Nachvollziehbarkeit und Datensouveränität erforderlich seien.
Götz Müller greift den Gedanken auf, dass Blockchain letztlich eine Form der Vertrauensbildung ermögliche. Andreas Skuin bestätigt diese Einschätzung. Die Blockchain sorge dafür, dass einmal gespeicherte Informationen nicht nachträglich verändert werden könnten. Dadurch entstehe ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Geschäftspartnern, ohne dass dafür eine zentrale Kontrollinstanz notwendig sei.
Anhand verschiedener Beispiele erläutert Andreas Skuin die Bedeutung für mittelständische Unternehmen. Gerade in Lieferketten arbeiteten viele Unternehmen mit Partnern zusammen, die sie nicht persönlich kennen. Hier könne Blockchain helfen, Dokumente fälschungssicher auszutauschen und deren Herkunft eindeutig nachzuweisen. Gleichzeitig betont er, dass die Blockchain keine falschen Informationen korrigiere. Sie garantiere lediglich, dass einmal eingetragene Daten unverändert erhalten blieben. Deshalb bleibe die Qualität der ursprünglichen Datenerfassung weiterhin entscheidend.
Götz Müller vergleicht diese Eigenschaft mit der Arbeit eines Notars, der Dokumente dauerhaft beglaubigt und gegen spätere Veränderungen absichert. Andreas Skuin hält diesen Vergleich für treffend. Bereits kleinste Änderungen an einem Dokument würden durch die Blockchain sofort sichtbar. Dadurch entstünden neue Möglichkeiten, beispielsweise Eigentumsrechte oder Anteile an Vermögenswerten digital und nachvollziehbar abzubilden. Er verweist dabei auf aktuelle Entwicklungen rund um tokenisierte Vermögenswerte.
Im weiteren Verlauf beschreibt Andreas Skuin die Blockchain als wichtiges Fundament der digitalen Transformation. Sie ermögliche den sicheren Austausch von Daten und Werten über Unternehmensgrenzen hinweg, ohne dass ein zentraler Vermittler erforderlich sei. Dadurch könnten Prozesse schneller, effizienter und kostengünstiger gestaltet werden. Die Blockchain arbeite dabei meist im Hintergrund und bilde eine vertrauenswürdige Infrastruktur für digitale Geschäftsprozesse.
Ein wesentlicher Vorteil liege nach seinen Ausführungen in der Transparenz. Unternehmen könnten jederzeit nachvollziehen, woher Daten stammen und welche Stationen sie durchlaufen hätten. Gleichzeitig unterstütze die Blockchain die Qualitätssicherung, Nachhaltigkeitsnachweise und regulatorische Anforderungen. Andreas Skuin nennt als Beispiel Smart Contracts. Diese Programme führten automatisch definierte Aktionen aus, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt seien. Trifft beispielsweise eine Lieferung beim Kunden ein und wird dies auf der Blockchain bestätigt, könne unmittelbar die Zahlung ausgelöst und automatisch verbucht werden. Dadurch entfielen zahlreiche manuelle Verwaltungsaufgaben.
Auch gesetzliche Anforderungen wie Dokumentationspflichten oder IT-Sicherheitsvorgaben ließen sich mit Blockchain einfacher erfüllen. Da alle relevanten Informationen manipulationssicher gespeichert würden, könnten Auditoren wesentlich schneller prüfen, ob die erforderlichen Nachweise vollständig vorhanden seien.
Anschließend richtet Götz Müller den Blick auf das Zusammenspiel von Blockchain, Internet of Things und Künstlicher Intelligenz. Andreas Skuin beschreibt diese drei Technologien anhand eines anschaulichen Vergleichs. Sensoren des Internet of Things seien die Sinnesorgane, welche Informationen aufnehmen. Die Künstliche Intelligenz bilde das Gehirn, das Daten analysiere und Entscheidungen treffe. Die Blockchain fungiere schließlich als Gedächtnis, das alle relevanten Informationen dauerhaft speichere und daraus automatisierte Prozesse anstoße.
So könne beispielsweise eine Maschine selbstständig erkennen, dass Material nachbestellt werden müsse. Die Künstliche Intelligenz ermittle den Bedarf, während die Blockchain den Bestellprozess dokumentiere und automatisch auslöse. Dadurch werde langfristig sogar der Weg zu weitgehend autonomen Produktionssystemen eröffnet.
Götz Müller spricht anschließend die häufig mit generativer KI verbundenen Fehler oder sogenannten Halluzinationen an. Andreas Skuin macht deutlich, dass in industriellen Anwendungen meist andere Formen der Künstlichen Intelligenz eingesetzt würden. Dort gehe es um standardisierte Verfahren zur Fehlererkennung oder Qualitätskontrolle. Die Blockchain bewerte diese Ergebnisse nicht, sondern dokumentiere sie unveränderlich. Dadurch lasse sich später jederzeit nachvollziehen, welche Entscheidungen getroffen wurden und auf welcher Grundlage sie entstanden seien.
Besonders bei komplexen Produktions- oder Chemieprozessen erleichtere diese lückenlose Dokumentation die Ursachenanalyse erheblich. Was heute oft mit hohem manuellem Aufwand nachvollzogen werden müsse, könne künftig deutlich einfacher erfolgen.
Im weiteren Gespräch nennt Andreas Skuin zahlreiche Praxisbeispiele. In der Luxusgüterbranche würden sogenannte Non-Fungible Tokens genutzt, um die Echtheit hochwertiger Produkte wie Luxusuhren nachzuweisen. Darüber hinaus verweist er auf Projekte von Renault zur Zertifizierung von Bauteilen über Hunderte von Zulieferern, auf Lieferkettenlösungen bei Walmart, digitale Batteriepässe sowie Blockchain-Anwendungen in der Bergbau- und Metallindustrie. Auch Industrieunternehmen wie Siemens beschäftigten sich intensiv mit entsprechenden Konzepten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der digitale Produktpass und dessen Bedeutung für die Kreislaufwirtschaft. Andreas Skuin erläutert, dass Produkte künftig über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg digital begleitet werden könnten. Informationen über Herkunft, Materialien, Nutzung und Recycling stünden dadurch jederzeit zur Verfügung. Die Blockchain übernehme dabei die Rolle eines unveränderlichen Dokumentationssystems. Götz Müller hebt hervor, dass dadurch nicht nur Recycling erleichtert werde, sondern auch die Wiederverwendung kompletter Komponenten, etwa von Batterien, wirtschaftlicher möglich werde.
Zum Abschluss erläutert Andreas Skuin, dass Unternehmen vor einer Einführung zunächst prüfen sollten, ob sie tatsächlich eine gemeinsame, von keiner einzelnen Partei kontrollierte Datenbasis benötigen. Gerade diese Datensouveränität sei häufig das entscheidende Argument für Blockchain-Lösungen. Abschließend nennt er zahlreiche Anlaufstellen für weiterführende Informationen und betont, dass Deutschland aufgrund seines industriellen Know-hows großes Potenzial besitze, Blockchain gemeinsam mit Künstlicher Intelligenz für innovative Anwendungen in der Industrie zu nutzen.
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