KVP – eine Frage des Bewusstseins

Bewusstsein

Mit Bewusstsein im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess meine ich hier den bewussten Umgang mit dem Prozess auf einer Meta-Ebene, dem konkreten bewussten Umgang mit Verbesserungspotenzialen (sonst auch Verschwendungen genannt ;-)

Einige Inspirationen habe ich dem Buch „Top: Die neue Wissenschaft vom Lernen“ von K. Anders Ericsson entnommen, der dort den Begriff des bewussten Lernens (deliberate learning) verwendet. Im Grunde handelt es beim KVP bzw. den Verbesserungen auch um eine Art von Lernprozess, wie Dinge, Abläufe usw. besser gemacht werden können. In dem Buch sind einige Beispiele enthalten, welche Durchbrüche beim Lernen möglich sind, wenn damit bewusst umgegangen wird. Es kommt auch klar zum Ausdruck, dass Lernen jenseits der Komfortzone stattfinden muss. Eine Aussage, die ähnlich auch bei Mike Rothers Toyota Kata auftaucht, wenn er davon spricht, dass sich Lernen „blöd“ anfühlen muss, damit man den Vorgang auch wirklich als Lernen bezeichnen kann.

Ericsson macht in seinem Buch auch einige interessante Aussagen, die in meinen Augen für den KVP zutreffen, wenn dort der Lernaspekt berücksichtigt wird.

Jeder kann unabhängig vom Talent seine Fähigkeiten verbessern

Diese Aussage gilt für den KVP selbst genauso wie auch für die Beteiligten Personen. Es ist also egal, auf welcher Hierarchieebene sich diese Person befindet. Dazu kommt dann noch Aspekt, dass die Menschen vor Ort die spezifischen Randbedingungen in einem Ablauf viel besser kennen, als eine Führungskraft oder eine andere ausstehende Personen. Deren Aufgabe ist es vielmehr eben dieses Bewusstsein zu schaffen und damit die Verbesserung mitzugestalten.

Bewusstes Lernen im Beruf funktioniert am besten, wenn es in den Alltag integriert ist

Auch das ist im KVP ein bewährtes Prinzip, wenn – zumindest anfänglich – regelmäßige KVP-Runden initiiert werden. Vergleichbares gilt auch für die Toyota Kata, wenn mittels der Coaching-Kata immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden und auch damit in den Alltag eingebaut werden. Bewusstsein entsteht dabei durch den Einsatz bzw. die Unterstützung durch die Kata-Kärtchen. Ähnliches trifft auch auf die Unterweisungskarte des Job Instruction Trainings zu. Bewusstsein und Integration in den betrieblichen Alltag entsteht auf einer anderen Ebene auch dadurch, dass in der Trainingsvorbereitung ein Schulungsplan und die Aufschlüsselungen der zu unterweisenden Tätigkeiten erstellt werden.

„Wo Bewusstsein ist, da ist Fähigkeit zur Wissenschaft.“

– Ludwig Feuerbach

Kurze, bewusste und fokussierte Lerneinheiten sind wirksamer als ausgedehnte, ziellose und unkonzentrierte

Dieser Aspekt kommt im Daily Kaizen besonders gut zum Ausdruck, was in der Regel immer effektiver ist, als ganz- oder sogar mehrtägige Kaizen-Events, welche im Nebeneffekt meistens dazu führen, dass die Tagesarbeit komplett liegen bleibt und die Beteiligten unter Umständen nicht richtig bei der Sache sind, weil die Gedanken immer wieder abschweifen. Im Job Instruction Training ebenso wie den Unterweisungen selbst wird das durch überschaubare und fokussierte Einheiten realisiert.

Durch gezieltes Lernen verändern sich auch bei Erwachsenen Struktur und Funktionsweise des Gehirns

Dieser Punkt wird in meinen Augen durch die besondere Form der Unterweisungsmethodik des JIT besonders unterstrichen. Das gilt sowohl für die Form, in der das Job Instruction Training durchgeführt wird, als auch für die Unterweisungen selbst. Beim JIT entsteht der Lerneffekt durch eigenes Üben des Erlernten ebenso wie durch Beobachtung und Reflexion anderer. Bei der Unterweisung tritt gezieltes Lernen für den Lerner dadurch ein, dass er in definierten Wiederholungen nicht nur die Tätigkeit ausführt, sondern auch die entsprechenden Elemente (Schritte, Schlüsselaspekte, Gründe) wiedergibt.

Fazit

Das Buch von K. Anders Ericsson beschreibt meiner Meinung nach sehr schön, warum die Elemente der Training Within Industry so erfolgreich waren, warum sie immer noch aktuell sind und auch keine Optimierung in der Struktur an sich benötigen. Das Buch kann auch der Reflexion von fehlgeschlagenen KVP-(Einführungs-)Bemühungen dienen, indem die Punkte identifiziert werden können, an denen Lerneffekte als Teil des KVP ignoriert wurden und der Versuch gemacht wurde, „Wachstum“ bzw. dessen Beschleunigung zu erzwingen.

Frage: Welches Bewusstein bzgl. dem KVP und den Verbesserungen herrscht in Ihrem Unternehmen vor? Wie sehen die resultierenden Ergebnisse aus? Was lässt sich daran durch eine verändertes Bewusstsein verbessern?

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