Kaizen 2 go 112 : Grenzen, Etappenziele & Erfolgsfaktoren


 

Inhalt der Episode

  • Erfolgsfaktoren, wichtig im Extremsport aber auch in Unternehmen und der Verbesserung der Geschäftsprozesse
  • Lauf bis zum nächsten Verpflegungspunkt – die Macht der Aufteilung in Zwischenziele
  • Die Grenze ist dort, wo die menschliche Vorstellungskraft endet
  • Vorstellungskraft vs. “Glaube” – was ist wichtiger, was spielt wann welche Rolle?
  • Wie kann man ggf. den eigenen, anfänglichen Unglauben überwinden? Wie lässt sich die Unsicherheit bzgl. des eigenen Vermögens in Gewissheit wandeln?
  • Freude vs. Schmerz – Veränderungsimpulse, nachhaltig vs. schnell
  • Seven Continents als Beispiel einer großen Vision, die über die Person hinausgeht

Notizen zur Episode


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 112 – Grenzen, Etappenziele & Erfolgsfaktoren

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Norman Bücher bei mir im Podcast-Gespräch. Ich sage jetzt noch gar nichts über ihn. Ich spanne mal kurz so ein bisschen den Rahmen auf, warum ich mit ihm spreche. Ich kenne im Grunde schon fast zehn Jahre, da können wir nachher noch kurz darüber reflektieren. Und dann habe ich ihn auf einer Projektmanagementveranstaltung getroffen und den Vortrag, den er da gehalten hat, der hat im Grunde erstmal mit Projektmanagement direkt gar nichts zu tun gehabt und trotzdem waren da Elemente dabei, wo ich sagte: Hey, im KVP, im Lean Management sind das durchaus ähnliche Dinge, also so, wie mache ich Sachen regelmäßig? Wie überwinde ich eigene Widerstände, vielleicht auch mal Widerstände, Hürden bei anderen, Grenzen?“ So genug gesagt. Hallo Norman.

Norman Bücher: Hallo Götz. Schön, dass ich heute bei dir, bei euch, sein darf, freut mich richtig.

Götz Müller: Ja, mich definitiv auch. Ich hatte jetzt ja schon ein bisschen einen Spannungsbogen aufgebaut, sag aber mal jetzt selbst zu dir noch zwei, drei Sätze.

Norman Bücher: Also, ohne die jetzt hier jetzt glaub die gesamte Sendezeit gleich jetzt mit einem Eigenprofil vorstelle oder nutze. Nur so viel, also wie gesagt, wir kennen uns ja seit zehn Jahren und ich glaube, du hast mich als Extremsportler, Extremläufer, Abenteurer kennengelernt, der zu Fuß die Welt erkundet, mal eine Wüste durchquert, über ein Bergmassiv läuft, durch einen Dschungel läuft, Läufe von ein paar hundert Kilometern, aber auch mal mit tausend Kilometern und mehr. Also, so hast du mich kennengelernt. So bin ich immer noch. Das ist immer noch meine große Leidenschaft einfach zu Fuß die Welt zu erkunden, meine eigenen Grenzen zu erfahren, auch ab und an zumindest zu verschieben und ja, seit zehn Jahren diese Erfahrung auch weiterzugeben. Ich meine, da hast du mich jetzt auch Anfang März in Darmstand erlebt, auf den PM Powerdays, eben mit einer Keynote, mit Vorträgen, was jetzt ein Projektmanager, oder was eine Führungskraft, oder was ein Mitarbeiter von mir als Extremsportler lernen kann. Da gibt es ja durchaus Parallelen. Ich denke, da reden wir, denke ich nachher noch darüber, wie man da die Brücke schlagen kann vom Extremsport zum Business oder auch explizit ins Projektmanagement. Ob das das Thema Ziel ist, ein paar Dinge hast du ja schon eben genannt, der innere Schweinehund, diszipliniert in kleinen Schritten etwas zu verfolgen, etwas zu machen, Richtung Ziel. Thema Eigenmotivation, Willenskraft, also ich denke, da kann man so viele Parallelen ziehen, wenn ich bei Firmen bin mit Vorträgen, mit Workshops, in Seminaren einfach darüber zu sprechen, einfach da mal das ganze Thema Motivation, Zielemanagement durch eine andere Brille zu beleuchten. Und ja, wie gesagt, das mache ich jetzt seit zehn Jahren. Das ist bis heute so meine Passion und ich glaube, darum soll es auch heute in unserem Gespräch gehen.

Götz Müller: Genau. Weil ich also während deines Vortrags da unheimlich viele Parallelen gesehen habe. So ein Ziel, das, du hast es ja gerade schon angedeutet, das viele hundert Kilometer, manchmal sogar vierstellig, was die Kilometerzahl angeht, ganz weit weg, wo man im Grunde am Anfang vielleicht sogar gar nicht weiß, wie man da hinkommen wird und dann aber viele kleine Schritte, letzten Endes. Jeder einzelne Schritt zählt. Wenn ich irgendwann aufhören würde, würde es nicht mehr funktionieren. So. Jetzt habe ich mir in der Vorbereitung, auch während deinem Vortrag so ein paar Stichworte gemacht. Und das erste, was mir da in den Sinn kam und da sollten wir meiner Ansicht nach jetzt mal einsteigen: Was sind denn so für dich, aber dann eben auch im Transfer, klassische Erfolgsfaktoren?

Norman Bücher: Also, da gibt es natürlich einige, um es jetzt mal zu konzentrieren. Also für mich ist immer, was ich festgestellt habe, als Extremsportler, aber auch als Unternehmer, finde ich, braucht es zunächst einfach mal einen Weg überhaupt, eine Richtung, wohin ich laufen möchte und so eine Richtung, so ein Weg drückt sich erst mal in einem Ziel aus, also eine Klarheit für ein Zeil zu haben, überhaupt erst mal ein Ziel zu haben, eine Richtung zu haben, wohin ich laufen möchte und, um ein plakatives Beispiel zu nennen, das nehme ich auch immer wieder in meinen Vorträgen, war ich vor sechs Jahren am Ayers Rock, bin einmal quer durchs australische Outback gelaufen und zum Ayers Rock, zu diesem großen, roten Felsen. Das war für mich damals so ein Ziel. Dieses Zielfoto hatte ich wirklich so im Kopf, über Wochen, über Monate, auch neben meinem Bett so ein Bild gehabt vom Ayers Rock, im Büro ein riesengroßes Poster vom Ayers Rock und mir immer wieder vorgestellt, wie ich dort hinlaufe. Also übertragen auf, gerade auf das Thema Projektmanagement, bevor ich überhaupt etwas mache, ja, es hört sich banal an, aber es ist so, brauche ich erst mal überhaupt einen Grund, da kommen wir später noch dazu, aber erst einmal ein Ziel, eine Ahnung, wohin ich überhaupt laufen möchte. Das ist ein Erfolgsfaktor und der zweite, teilweise für mich noch zentralere Faktor, ich glaube, es wird immer über das was gesprochen, über das Ziel gesprochen, aber viel wichtiger finde ich die Frage, warum möchte ich das Ziel erreichen. Also nicht nur das was, sondern auch das das warum dahinter, das weshalb. Also warum mache ich mich auf den Weg, warum möchte ich zum Ayers Rock laufen? Warum möchte ich denn so ein großes Projekt auch im geschäftlichen Kontext beginnen? Also sich ganz klar das eigene warum, das eigene Motiv erst mal klar machen und sich das vor allem schwarz auf weiß aufzuschreiben. Das halte ich erst mal für zwei ganz zentrale Faktoren. Also ein Ziel zu haben, ein Motiv dahinter zu haben und auf diesem Weg, um jetzt noch ein drittes zu nennen, auch die Beharrlichkeit, die Ausdauer zu haben. Und ich glaube, da ist auch mein Sport, was ich tue, eben der Ausdauersport, oder sogar der extreme Ausdauersport, ist es natürlich eine schöne Metapher, ein sehr schönes Bild, zu sagen: Gut, du läufst jetzt über tausend Kilometer durchs Outback, ich glaube, es ist klar, dass da nicht immer alles so schön und reibungslos verläuft auf so einem langen Weg. Und da kommen Schmerzen, da kommen körperliche Probleme, da spielt das Wetter mal eine Rolle, da ist Gegenwind, da schüttet es, im Outback nicht unbedingt, aber bei anderen Projekten. Also du hast Widerstände, du hast Hindernisse auf dem Weg und ich glaube, jeder Projektmanager, jeder Unternehmer, jede Führungskraft weiß das. So ein Projekt, das sind erst mal ganz viele unbekannte Variablen, die da eine Rolle spielen und die da aufploppen, die da auftreten können und noch mal, da ist, glaube ich, das Bild eines Extremsportlers, eines Abenteurers, da eine schöne Metapher. Wenn wir über Ausdauer reden, wenn wir über Motivation reden oder wenn wir auch, Erfolgsfaktor Eins für mich, wenn wir über ein klares Ziel sprechen.

Götz Müller: Mir kam da jetzt gerade noch der Gedanke, was ich so ein bisschen rausgehört habe. Wenn das jetzt so eine 0815-Nummer wäre, also wie, ich gehe in die nächste Kneipe oder ich geh zum Einkaufen, dann wäre es doch vermutlich, in meiner Vorstellung zumindest, wäre es für dich wahrscheinlich auch kein Reiz mehr, oder?

Norman Bücher: Ein Stück weit natürlich richtig. Also man sagt ja so bekanntlich, wenn es um Zeile geht, sie sollen anspruchsvoll sein, gleichzeitig realistisch. Ich denke, man braucht da einfach einen Mix, ich glaube, sich jeden Tag immer nur mit seiner Vision, also mit ganz langfristigen großen Zielen zu beschäftigen, es gibt natürlich die Motivation, das ist wunderbar, aber wenn man es nur dabei belässt, also nur so visionäre, große Ziele hat, kenne ich von mir auch, und bin ich auch ganz ehrlich, da komme ich nicht ins Handeln. Also nur zu denken: Hey, ich möchte zum Ayers Rock laufen, über tausend Kilometer, da würde ich daheim ein halbes Jahr vorher teilweise gar nicht in die Gänge kommen. Also du musst da wirklich, um noch mal auf dein Beispiel mit dem Einkaufen oder Kneipe gehen, du brauchst das runtergebrochen auch ganz, kleine, ich nenne es mal Alltagsziele. Auch auf dem Weg zu denem großen Ziel. Das können dann große Dinge sein wie „Ich gehe mal in einen Outdoorladen und kleide mich ein und kaufe erstmal ein paar Laufschuhe“, bevor ich dann erstmal trainieren kann, bevor ich dann mal Monate später ins Outback gehen kann. Ich kleide mich erstmal ein. Ich gestalte erst mal meinen Trainingsplan, bevor ich erstmal ins Training starte. Also du brauchst, meiner Erfahrung nach, kleine Ziele, Alltagsziele, also auch große, visionäre Ziele. Du brauchst da eine gesunde Mischung und ich denke, das kannst du sicher noch besser beurteilen, gerade im Projektmanagement gilt das sicherlich auch.

Götz Müller: Ja, und ich höre da dann auch raus und das war ja das eine Beispiel, das du gebracht hast, das mit diesem zum nächsten Verpflegungspunkt laufen, so eine gewisse Etappe, wo es dann manchmal, so diese Brücke vom Ziel in die konkrete Handlung, wie du es gerade schon angedeutet hast. Ich glaube, das ist auch ein ganz entscheidender Faktor, weil das Ziel allein bestimmt es nicht, sondern die Handlung tut das ja.

Norman Bücher: Genau. Also, auch bekannt, du kannst noch so viel visionieren, träumen, dir Dinge vorstellen, was wichtig ist, seine Berechtigung hat, keine Frage, aber jeder weiß, schlussendlich bestimmt die Handlung, oder was du tatsächlich tust, dann wirklich loszulaufen. Beim Vortrag, den du auch in Darmstadt gehört hast, da bringe ich das Beispiel, eben nicht hundert Kilometer sich nur vorzustellen, da das zu visionieren, sondern wirklich da loszulaufen und dann zu sagen, ich denke nicht an die hundert Kilometer als ganzes, nein ich denke jetzt erstmal an den ersten Kilometer und wenn ich den geschafft habe, dann denke ich an den nächsten Kilometer und dann wieder an den nächstne Kilometer. Also sich wirklich von Etappe zu Etappe zu hangeln und vor allem auch mit der Vorstellung da erstmal sich das in kleinen Häppchen das Ziel zu strukturieren. Und dann ist meiner Erfahrung nach, dann habe ich auch wieder, gerade wenn es so ein großes, komplexes Ziel ist, mit so kleinen Häppchen davon abgeleitet, dann komme ich meistens zumindest ins Handeln.

Götz Müller: Und dann ist es auch nicht mehr dieser Berg, wo man vielleicht so wie der sprichwörtliche Ochse davorsteht, der einem dann erstmal unüberwindbar erscheint. Sondern ich habe halt die nächste Baumreihe vielleicht, wenn wir mal bei der Berg-Metapher bleiben, überwunden. Jetzt hattest du auch einen spannenden Satz da drin, und ich denke, auch das ist wichtig, mit dieser Grenze und dem Aspekt Vorstellungskraft, weil ja jetzt im Umfeld Kontinuierlicher Verbesserungsprozess ist auch immer so ein Aspekt, ich brauche schon eine Vision, die mir eine Richtung vorgibt, wo ich hinwill: Was für ein Element ist das bei dir und wie lässt sich das auch übertragen?

Norman Bücher: Ganz konkret, ich habe es ja schon ein bisschen angedeutet, ich arbeite in meiner Vorbereitung, meinem Training sehr stark mit inneren Bildern und die kreiere ich mich, indem ich zum Beispiel von meinem Zielpunkt ein Zielfoto habe. Also noch mal das Beispiel Ayers Rock, wo ich in Australien zu diesem Felsen gelaufen bin, war ganz klar mein Zielfoto, das habe ich in verschiedenen Ecken gehabt, habe ich mir visualisiert, erst mal sichtbar gemacht. Ich meine, du kannst ein Ziel aufschreiben, in eine Schublade tun, das ist auch ein guter Schritt, aber viel zielführender, im wahrsten Sinne des Wortes ist es, wenn du dir dein Zielfoto bildhaft gestaltest, zum Beispiel durch ein Foto, auch gerne dir eine Collage machst, irgendwas visuelles hast und sagst: Okay, das machst du jetzt und hängst es dir irgendwo hin, wo du es bestenfalls jeden Tag siehst. Und das mache ich, wenn ich, nicht im sportlichen Kontext jetzt, als Unternehmer sozusagen, ich habe da meine Vision, gerade auch mit meinem großen Projekt 7 Continents auch mit einem sozialen Projekt, das habe ich hier in meinem Büro, das habe ich zu Hause, da denke ich täglich daran und genau solche Visualisierungshilfen, solche Bilder, die helfen mir, unterstützen mich dabei erstmal mein Ziel zu denken, sich mit dem überhaupt zu beschäftigen.

Götz Müller: Also im Grunde das Stichwort, das du mehrfach genannt hast, auch Vorstellungskraft. Und in deinem Vortrag fand ich auch einen spannenden Punkt, da hast du ja der Vorstellungskraft auch noch den Glauben, jetzt vielleicht nicht im religiösen Sinne, sondern in Anführungszeichen, wo ich mir dann die Frage gestellt habe, auch jetzt in der Vorbereitung: Wann setze ich was ein, wann ist welcher Aspekt, also Vorstellung oder Glaube, was ist wann wichtiger?

Norman Bücher: Also ganz konkret. Wenn ich Glaube und Vorstellung, Vorstellungskraft ist ja eine Energie, die du hast und die du dir auch antrainieren kannst. Also wenn beides so zusammenfällt oder wenn ich gerade auch so die Frage, was ist denn stärker, Glaube oder Vorstellungskraft? Ganz klar der Glaube. Also ganz, ganz starke Überzeugungen, die du hast, die du in dir trägst, also dein Weltbild, so schaust du durch deine Brille hinaus und wenn du sagst, ich glaube, ich kann mir zwar irgendwie vorstellen, aber ganz ganz tief drin glaube ich nicht wirklich daran, dass ich tausend Kilometer durchs Outback laufe, glaube ich nicht daran, dass ich jetzt dieses große Projekt jetzt wirklich auch durchstehe. Ich kann es mir irgendwie vorstellen, ja, habe mir das Ziel auch so gesetzt, aber wenn ganz tief in dir drin der Glaube präsent ist oder nicht hundertprozentig, immer so hin und her, irgendwie ja, irgendwie doch nein, also solche Restzweifel aufkommen oder da sind, dann wird schlussendlich der Glaube siegen.

Götz Müller: Ist es jetzt immer so, dass man diesen Glauben so ultimativ hat oder wie gehe ich vielleicht mit einem anfänglichen Unglauben um? Es ist ja im Grunde eine Sache, die man, habe ich bei dir so herausgehört, die du typischerweise irgendwann ja ein erstes Mal machst, du bist nicht mit dem Ayers Rock nicht schon aus einem Vorleben auf die Welt gekommen. Da könnte ich mir dann schon vorstellen, dass man vielleicht doch leichte Zweifel hat. Wie gehst du damit um? Also mir begegnet sowas das immer in den Aussagen „Haben wir noch nie so gemacht.“ oder „Haben wir mal ausprobiert, hat nicht funktioniert.“ und da steckt sowas, glaube ich, auch drin.

Norman Bücher: Ja, natürlich. Ich glaube, „haben wir noch nie so gemacht“, ich glaube, der Punkt ist ja, sobald du dich auf Neuland begibst, deine Komfortzone verlässt, unbekanntes Terrain betrittst, ob als Projektmanager in einem Business-Kontext, ob als Extremsportler, dann hast du immrer so ein, a) natürlich ein Risiko, in welcher Form auch immer und so ein, ich sage jetzt mal, Gefühl in der Magengegend, gepaart mit Unsicherheit und „Hm, ist dünnes Eis, kenne ich noch nicht, habe ich noch nicht den Erfahrungswert“ und ich glaube, da wirklich sich, ob das jetzt Bilder sind oder gerade mit der Vorstellungskraft zu arbeiten, also dieses als ob, also sich die Szene oder ein Ziel sich vorzustellen, als ob ich das schon erreicht hätte. Unabhängig, ob ich das jetzt noch nie gemacht hätte, also ich habe es noch nie gemacht, ich stelle mir das aber schon im Training, in der Vorbereitung vor, so als ob ich das erreicht hätte. Durch Bilder, auch durch Sprache, also durch Suggestion oder durch Affirmation, durch gewisse Sätze ritualisiert immer wieder das bildlich gesagt so in dich hineinhämmerst und sagst, ich kreiere oder schaffe mir starke Überzeugungen, oder Glaubenssätze, durch Bilder, durch Suggestion, durch Affirmation, obwohl ich so eine Erfahrung noch nicht gemacht habe.

Götz Müller: Und dann habe ich mir noch Folgendes überlegt. Jetzt gut, du läufst typischerweise alleine, auch wenn du vielleicht ein Unterstützungsteam hast, das dich in einer bestimmten Form begleitet. jetzt in Unternehmen ist ja in der Regel kein Mensch allein unterwegs, man ist immer in irgendeinem Team unterwegs, man ist vielleicht Führungskraft. Das hießt, ich muss auch andere auf diesen Weg mitnehmen und ich soll dann sprichwörtlich auch mitlaufen und jetzt haben die diesen Glauben eventuell auch diese Vorstellungskraft noch nicht. Was wäre hier an der Stelle dein Typ für eine Führungskraft, wie sie sowas, ja, in die Köpfe von ihren Mitarbeitern reinkriegen?

Norman Bücher: Puh, das ist auch ein Thema, über das wir die ganze Sendung sprechen könnten. Also ich glaube, gerade wenn es darum geht, Unternehmensziele auf die nächste Ebene, auch auf Mitarbeiterebene zu bringen, braucht es ja eine gewisse Identifikation auch mit dem Unternehmensziel, weil es nicht dein eigenes ist. Zu sagen, ich setze mir meine Ziele selbst, zu sagen, ich laufe jetzt zum Ayers Rock, ich laufe jetzt durch die Wüste, das sind erst mal meine eigenen Ziele, habe auch als Konsequenz in der Regel eine eigene hohe Motivation, was jetzt bei dem Unternehmenskontext nicht immer so einfach ist oder eins zu eins übertragbar ist. Ich glaube, da zu schaffen, wenn man Unternehmensziele herunterbricht oder auf Mitarbeiter überträgt, eine Identifikation zu schaffen, dass der Mitarbeiter sagt, „Ja, mit dem Ziel kann ich mich identifizieren, das mache ich ein Stück weit auch zu meinem eigenen Ziel.“ und nicht nur „Ja, ich arbeite das irgendwie ab. Ich bin ja hier, um Geld zu verdienen.“, sondern wirklich, dass der Mitarbeiter ein Stück weit, das gelingt mal mehr mal weniger, es schafft, dieses Ziel auf sich zu übertragen oder in diesem Unternehmensziel einen eigenen Sinn zu finden.

Götz Müller: Ja, ich glaube, da spielt dann auch das warum, du hast es gerade mit dem Sinn ausgedrückt, spielt dann auch schon wieder eine wichtige Rolle. Oder vielleicht sogar eine noch wichtigere Rolle unter Umständen.

Norman Bücher: Absolut. Also, ich glaube, auch dieses bekannte Zitat hier, ich weiß nicht mehr genau wie der Wortlaut ist, aber „Du musst die Männer dazu kriegen, dass sie aufs Schiff gehen aus diesem Eigenantrieb, und nicht, weil sie es müssen“ und diesen Reiz auch zu decken oder damals mit dieser Antarktisexpedition, die ist gefährlich, du kannst umkommen, es ist kalt, es ist dunkel, aber trotzdem haben sich damals, ich weiß nicht wie viele, beworben, die wollten dabei sein. Und das meine ich. Wie gesagt, man kann es nicht immer eins zu eins in den Unternehmenskontext übertragen, aber doch so weit, einen Reiz zu schaffen für die Mitarbeiter, dass sie sagen „Hey, das ist ein geiles Projekt, da hänge ich mich rein, da kann ich mich mit identifizieren“ und ich glaube, gerade wenn man so über einen Teamkontext spricht oder gerade wenn es um ein Team geht, halte ich das für sehr sehr zentral.

Götz Müller: Jetzt gibt es ja auch unterschiedliche, oder im Grunde gibt es nur zwei Formen der Impulse zur Veränderung, einerseits das Thema Freude, also ich will irgendwo hin oder ich will irgendwo weg, weil ich dort einen Schmerz habe. Was ist deiner Ansicht nach das Wirksamere und wie kann ich das nutzen?

Norman Bücher: Das ist eine Frage jetzt auch der Zielsetzung, wie ich es nutzen möchte. Als Unternehmer oder als Unternehmen oder aus welcher Institution oder aus welchem Rahmen auch immer ist es bekannt, dass von den beiden Prinzipien, die genannt hast, Freude und Schmerz, der Schmerz erst mal das Stärkere ist. Also du versuchst grundsätzlich immer, Schmerz zu vermeiden und dann Freude zu erfahren. Also wenn du beides nebeneinander stellst, auf die gleiche Ebene, ist der Schmerz erstmal das Stärkere. Aber grundsätzlich, wie gesagt, die Frage ist, wie du herangehst. Wenn du sagst, ich bestrafte jetzt Mitarbeiter, ich füge ihm – in Anführungszeichen – Schmerz zu, um ihn zu motivieren oder ich sage jetzt „Hey, ich schaffe es über die Freude, in welcher Form auch immer, ihn zu motivieren“. Ich glaube, wir sind uns einig. Das angenehmere, das schönere, Prinzip oder die Herangehensweise ist sicherlich die Freude.

Götz Müller: Dann habe ich mir hier noch einen Satz aufgeschrieben und auch bei dem dachte ich „Hey, cool, lässt sich eins zu eins übertragen.“ und das möchte ich jetzt noch ein bisschen vertiefen. Erfolg ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Wenn ich Prozess höre, dann gehen bei mir immer alle Aufmerksamkeitspegel hoch, was ist da für dich dieser Zusammenhang.

Norman Bücher: Ich bin jetzt seit ziemlich genau zehn Jahren … mache ich das, bin ich als Unternehmer, als Keynote-Speaker, als Motivationstrainer selbstständig, war damals in einer Unternehmensberatung, habe gekündigt und mich dann wie gesagt 2008 selbstständig gemacht und gedacht „Cool, jetzt mache ich das und halte einen Vortrag und mache das Projekt und dann bin ich erfolgreich.“, aber ich merke immer wieder, du hast so irgendwo, ich sage jetzt mal eine Stufe, die Treppe, die ich auch im Vortrag bringe, die Treppe, ich habe einen Treppenlauf gemacht, 397 Stufen und hundert mal, 84 Kilometer und wenn ich an diese Treppe in Radebeul, die Spitzhaustreppe, zurückdenke, das finde ich auch wieder so ein wunderschönes Bild, ein sehr passendes, treffendes Bild. Wenn ich sage, hey, du kommst auf einem gewissen Level an, du sagst, du hast jetzt dieses Projekt beendet, du hast eine Qualifikation gemacht, du hast jetzt eine Karrierestufe erreicht und denkst, ok. Manche sagen vielleicht, jetzt habe ich es geschafft, okay. Aber du wirst dann merken, es geht irgendwie immer weiter. Also deshalb auch dieses zu sagen, hey, wenn ich da bin, jetzt habe ich das Einkommensniveau, jetzt habe ich die Karrierestufe, jetzt habe ich die Qualifikation, das Projekt beendet, jetzt bin ich erfolgreich. Also das halte ich für Schwachsinn, weil es geht per se immer immer weiter. Die Treppe, die hört, auch wenn man da physisch auf dieser Treppe steht, die geht immer weiter. Also wirklich bis zum Horizont und selbst wenn du am Horizont bist, du wirst dann merken, wenn das das tollste Ziel ist, du findest danach immer noch ein weiteres. Also, es geht immer weiter. Deshalb meine ich so, diesen Prozess oder auch mal mit dem Bild der Treppe gesprochen, nach jeder Stufe wirst du merken, okay, zumindest vielleicht nicht immer in materieller Hinsicht, aber auf meiner persönlichen inneren Wachstumstreppe da geht es weiter. Da finde ich wieder einen neuen Aspekt, ein neues Ziel. Höher, schneller, weiter auf einer materiellen Ebene halte ich für schwierig, aber Wachstum in einer persönlichen, auf einer inneren Ebene, da bin ich überzeugt, kann es gar nicht hoch genug hinaus gehen.

Götz Müller: Dann hattest du noch einen spannenden Aspekt drin, in deinen Erzählen, es hat ja nicht immer alles funktioniert. Also es gab auch mal Fehlschläge. Fehlschläge gibt es jetzt natürlich auch im betrieblich-geschäftlich-unternehmerischen Kontext, vielleicht auch mal den ein oder anderen, der dann verbal in irgendeiner Form ausdrückt, da so eine Kritik übt, war jetzt nicht so prickelnd. Was ist da dein Tipp, wie gehe ich mit Kritik und mit Fehlschlägen um?

Norman Bücher: Also ein Punkt ist sicherlich erstmal, es sich bewusst zu machen, also es bewusst wahrzunehmen und, wenn, wie du sagst damals ein Lauf, damals in Brasilien, den ich abgebrochen habe, und klar kannst du sagen, ich mache weiter wie bisher, jetzt mal im Projektmanagementkontext gesprochen, aber ich glaube, der erste Prozess … sich da auch mal bildhaft … sich rauszunehmen, auch aus dem Projekt zu nehmen und zu sagen „Ich reflektiere, ich mache mir die Situation bewusst, analysiere das Ganze“ Also warum ist es schiefgelaufen? Weshalb? Was hat dazu geführt, dass es nicht so gelaufen ist wie geplant? Wie gesagt, die Reflexion halte ich da für einen ganz entscheidenden Punkt und aber schlussendlich dann zu sagen: „Okay, es geht irgendwie weiter.“ Also ich setze da dann nach der Analyse, nach der Reflexionsphase, mache ich einen Haken, also so mache ich es zumindest. Ich mache einen Haken dran und sage „Okay, ich schaue nach vorne. Ich suche mir ein neues Ziel, eine neue Expedition und ein neues Abenteuer.“ und habe dadurch wieder eine neue Motivation, einen Weg, ein Ziel, um die nächsten Schritte zu gehen.

Götz Müller: Ja, und ich glaube, also zumindest wieder, ich sage immer, in meinem Kontext habe ich ja auch etwas daraus gelernt und ich darf dann durchaus den vermeintlichen Fehler oder das Scheitern eben als auch Lernerfahrung annehmen.

Norman Bücher: Absolut.

Götz Müller: Und so weit umdeuten und dann wegzukommen von dieser nur negativen Schiene.

Norman Bücher: Absolut. Also es gibt den schönen Satz, den hat mir damals ein Kumpel gesagt, nachdem ich im Dschungel, bei diesem Jungle-Marathon abgebrochen habe, der hat gesagt: „Du bist nicht gescheitert, du bist nur gescheiter.“ Also wie du sagst, man lernt immer. Es ist nur im ersten Moment vielleicht mal schmerzhaft und vielleicht bei einem Lauf, der schon nach der zweiten Etappe von sechs … bin ich raus, krankheitsbedingt. Bin da um die halbe Welt geflogen, habe viele tausend Euro investiert und war dann nach dem zweiten Tag draußen. Das war erstmal schmerzhaft. Das war nicht schön. Aber mit zeitlichem Abstand, mit der Reflexion, mit der Analysephase habe ich gemerkt „Okay, ich habe da vieles gelernt. Viele Lernerfahrungen gemacht.“ Und dieses gescheiter, man kann es ausdrücken wie man möchte, aber ich glaube, diesen Prozess des Dazulernens halte ich da für ganz wichtig.

Götz Müller: So. Jetzt hast du ganz am Anfang, und da möchte ich zum Ende hin den Bogen schlagen, du hast am Anfang ganz kurz das Stichwort 7 Continents genannt. Das ist für mich, wie du das erzählt hast, eben so eine, ja, eine sehr große Vision, im klassischen Sinn auch, die über dich als Einzelperson erst mal hinausgeht. Erzähl mal darüber noch ein bisschen, was das für dich bedeutet und was dann konkret auch dahintersteckt.

Norman Bücher: Das ist mein ganz großes Lebensprojekt, meine Lebensvision. 7 Continents. Ja, ich werde dieses Jahr loslaufen von Straßburg nach Berlin zum Bundesaußenminister als erste Etappe und möchte die nächsten sieben Jahre durch alle sieben Kontinente laufen, habe siebzig Länder geplant, habe sieben Fragen im Gepäck, sieben gleiche Fragen, die ich Jugendlichen auf der ganzen Welt stellen möchte und stellen werde. Und möchte dann diese Sichtweisen, diese Antworten der Jugendlichen zusammentragen, ich möchte die teilen und werde sie September 2024, also ich plane schon ein bisschen im Voraus, zur UN nach New York bringen. Und wie gesagt, Jugendlichen eine Stimme geben und ich bin überzeugt – ich bin selbst Vater einer Tochter – und merke einfach, Kinder, Jugendliche, das ist die Zukunft. Das ist nicht nur so eine Floskel, die teilweise oder häufig nur von Politikern gebraucht wird, sondern daran glaube ich. Jugendlichen und deren Meinungen mehr Beachtung schenken und die nach außen tragen und die, ja, Gehör zu verschaffen. Ich laufe da mit so einer Art Mikrophon, das ist mein Fackelstab, laufe mit so einem Mikrophon dann durch die Kontinente, sammle die Stimmen, die Antworten der Jugendlichen und trage die dann noch nach New York. Das ist der eine Aspekt von 7 Continents. Aber es geht um viel, viel mehr. Ich bin gerade dabei, stecke jetzt mittendrin, in der Gründung einer Stiftung, eines Vereines, den ich auf die Beine stelle und ich möchte, neben dem Stimmensammeln, Jugendliche in ihrer Entwicklung fördern, sie unterstützen. Gerade bei dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe da ein Programm, das sich Young Social Leader nennt, also junge Menschen, die sagen, sie möchten mit ihren Ideen etwas bewegen, die Welt verändern und in ihrem Umkreis, in ihrem Rahmen zumindest die Welt verändern und denen möchte ich die Chance geben, solche Ideen zu fördern, finanziell zu fördern, aber auch mit Know-How zu begleiten, mit Coaches, mit Mentoren, also sozusagen so eine Idee in einem sozialen, in einem gesellschaftlichen Kontext möchte ich fördern, die möchte ich begleiten. Also, deshalb ich könnte da jetzt noch minuten- oder stundenlang weiter erzählen. Das ist ein großes Projekt, und wie gesagt, ich habe es auch in Darmstadt schon gesagt auf der Bühne. Das Schöne ist, jeder kann dabei sein. Jeder kann sagen, er möchte das Projekt 7 Continents unterstützen, ob als Spender, als Mentor, als Botschafter, als Sponsor. Also, es ist ein großes, großes Projekt und für mich jetzt mit vierzig Jahren die erste wirklich richtige Lebensvision.

Götz Müller: Sehr spanend. Das werde ich dann in den Notizen auf jeden Fall verlinken. Da kann das dann jeder sich anschauen und du hast es ja selber angedeutet, es ist ein längerer Weg, es wird nicht morgen zu Ende sein, auch nicht nächstes Jahr, auch gegebenenfalls, so wie das jeder für sich machen möchte, auch gegebenenfalls begleiten. Norman. Ich danke dir für deine Zeit. Halbe Stunde sehe ich auf der Uhr. Passt super. Waren spannende Impulse dabei, eben mal aus einem ganz anderen Kontext und trotzdem hatte ich ja während deinem Vortrag schon den Gedanken immer wieder: Passt wie die Faust aufs Auge. Also, vielen Dank.

Norman Bücher: Danke dir Götz, dass ich dabei sein durfte. Hat mir Spaß gemacht und wenn du jetzt sagst, dreißig Minuten, die Zeit ist für mich zumindest wirklich verflogen und ich glaube, das ist ja ein gutes Zeichen.

Götz Müller: Genau.

Das war die heutige Episode im Gespräch mit Norman Bücher zum Thema Grenzen, Etappenziele & Erfolgsfaktoren. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 112.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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