Inhalt der Episode:
- Was sind klassische Einsatzfälle für 3D-Druck?
- Was zeichnet diese Einsatzfälle aus?
- Welche weiteren, oft unerkannten Einsatzfälle sind noch vorstellbar?
- Warum werden diese Einsatzfälle gar nicht erkannt?
- Wie kann man dieses Bewusstsein schaffen?
- Welche Voraussetzungen sind für diese Einsatzfälle von 3D-Druck notwendig?
- Wie vermeidet man, dass dadurch unnötige Hürden entstehen?
- Wie kann man Ideen am/im Shopfloor anregen?
Notizen zur Episode:
- LinkedIn-Profil von Johannes Lutz
- Website von Johannes Lutz – 3D Industrie GmbH
- 3D Druck Podcast von Johannes Lutz
- Buch von Johannes Lutz: 3D-Druck Profi-Wissen
Mitmachen?
Wenn Sie selbst ein interessantes Thema für eine Episode im Umfeld von Geschäftsprozessen haben, können Sie mir das auf dieser Seite mit Vorbereitungsfragen vorschlagen.
Ich freue mich darauf!
Artikel teilen auf ...
(Teil)automatisiertes Transkript
Episode 380 : 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen
Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.
Götz Müller: Heute habe ich Johannes Lutz bei mir im Podcast-Gespräch. Er berät zu wirtschaftlichen Anwendungen im 3D-Druck. Hallo Herr Lutz.
Johannes Lutz: Hallo, grüße Sie. Also schön, dass ich da sein kann.
Götz Müller: Ja, ich habe schon ein kurzes Stichwort zu Ihnen gesagt, aber stellen Sie sich gerne noch mal ein paar Sätzen, auch wie Sie zu dem Thema gekommen sind, den Zuhörern vor.
Johannes Lutz: Ja, also ich bin Johannes Lutz von 3D Industrie und wir beraten hauptsächlich mittelständische Unternehmen dabei, wie man den 3D-Druck oder Additive Manufacturing wirtschaftlich einsetzt. Also wir suchen die richtigen Anwendungen, wir suchen die richtige Maschine raus, wir qualifizieren die Mitarbeiter, wir nehmen denen die richtigen Blockaden davon und wir haben einige 3D-Druck-Dienstleister bei uns auch in der Beratung, die wir auch beraten. Aber was ganz interessant ist, das erzähle ich auch immer am Anfang, wie ich denn so zu diesem Thema 3D-Druck gekommen bin. Es ist ganz lustig, ich bin damals an der Hochschule Aalen, ich habe Fertigungstechnik dort studiert, durch die Labore gelaufen, weil ich von Grund her sehr neugierig war, was die Hochschule dort so macht. Und dann stand ich vor so einem Gerät, so möchte ich es mal nennen, auf so einem Rollwägelchen und das hat so vor sich hin gewackelt und ich habe dann den Professor gefragt und ich habe ihn gefragt: Was ist das, was macht das Ding? Und er sagt: Ja, das ist ein 3D-Drucker, schicken Sie mir doch mal einen Datensatz, dann können Sie das Bauteil morgen abholen. Und das war für mich so der Moment, wo ich so diesen, ja, diesen Gedanken hatte, so ich glaube, ich habe das Feuer entdeckt, aber wie ich gemerkt habe, hat das danach nicht wirklich jemand interessiert und ich habe mich sehr stark darum bemüht, dieses Thema 3D-Druck noch weiter in die Welt hinauszutragen. Ich habe dann eine Firma gegründet dafür. Wir haben am Anfang Drucker verkauft, bis ich gemerkt habe, es gibt viele mentale Blockaden, dass die Unternehmen nicht nur einen Drucker kaufen, sondern auch diese Technologie richtig gut einsetzen. Und da stehe ich sozusagen heute mit der Firma 3D-Industrie, die ich selber gegründet habe, und wir unterstützen sozusagen dabei, den 3D-Druck richtig wirtschaftlich einzusetzen.
Götz Müller: Ja, Einsatz ist ein gutes Stichwort. Vielleicht einfach mal, um alle mich eingeschlossen abzuholen, was sind denn so klassische Einsatzfälle von 3D-Druck? Das, was einem vielleicht, so wie Sie es gerade erzählt haben, mal begegnen könnte.
Johannes Lutz: Also viele glauben am Anfang, 3D-Druck sind diese alienartigen Bauteile, diese Raketenteile, vielleicht auch 3D-gedruckte Stühle, 3D-gedruckte Häuser, 3D-Druck in der Medizintechnik, dass irgendwelche Organe gedruckt werden, aber so weit sind wir bei ganz vielen Dingen gar nicht, denn 3D-Druck ist schon einige Jahre alt und wird hauptsächlich bei dem ganzen Thema Prototypen eingesetzt. Also wenn es um Muster, Mock-Ups, Dummy-Teile geht, dass man mal was in der Hand hält, dass man Bauteile drucken kann, die eigentlich ausschauen, als werden sie normal gefertigt, aber dann aus Kunststoff bestehen. Und da kennt man den 3D-Druck vielleicht am Anfang. Ein paar Privatleute kennen vielleicht den 3D-Druck von ein paar Figürchen, die man so druckt. Aber so diese nächsten Schritte, so dieses Thema, was kommt nach dem Prototypen, das haben viele noch gar nicht so wirklich auf dem Schirm, weil 3D-Druck lässt sich in drei Bestandteile aufteilen. Einmal das Thema Prototypen, wie anfangs gesagt, dann das ganze Thema Betriebsmittel, also Vorrichtungen, Halterungen, Montagehilfen und dann der letzte Teil ist eher so Serienteile und Endanwendungen. Da gibt es auch schon einige. Meistens erkennt man die gar nicht wirklich, dass diese Bauteile oder diese Produkte dann 3D gedruckt sind.
Götz Müller: Jetzt haben Sie ein Stichwort genannt. Das wäre so mein Ansatzpunkt auch gewesen, nämlich Einzelstücke, keine Serienfertigung, obwohl Sie es dann ja durchaus so auch genannt haben. Das wären jetzt für mich typische Einsatzfälle, oder?
Johannes Lutz: Ja, also wenn wir zum industriellen Bereich bleiben, dann hat 3D-Druck natürlich ganz viele Vorteile. Aber so diese Einzelstücke, Ersatzteile, Kleinserien, Betriebsmittel mit schneller Verfügbarkeit. Wir haben mittlerweile im 3D-Druck sehr gute Materialien. Man kann günstig starten. Aber das ist so dieser erste Gedanke, den man hat, wenn man in der Industrie unterwegs ist, wie man 3D-Druck so als Einsatzfall verwendet als Vorteil für sich selbst, als Unternehmen, wenn man Kosten einsparen will, einsetzen kann.
Götz Müller: Jetzt haben Sie, ich glaube, mindestens einmal, vielleicht sogar zweimal das Thema Betriebsmittel genannt. Das würde ich ganz gern vertiefen, weil das ja im Grunde auch ein Teil, oder wenn ich hier nochmal auf den Titel unserer Episode schaue, im Grunde der Kern unserer Episode ist, wo man dort eben den 3D-Druck einsetzt. Weil wenn ich mal so ein bisschen das ein oder andere Projekt vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen lasse, ist mir da 3D-Druck selber noch nie begegnet.
Johannes Lutz: Also es ist ganz interessant. Also viele Unternehmen haben mittlerweile so einen kleinen Drucker in der Konstruktionsabteilung stehen oder in der Entwicklungsabteilung, und dort werden aktuell noch viele Prototypen gedruckt. Und viele schaffen es, noch nicht ganz in dieses Thema Betriebsmittel reinzukommen. Das ist so diese nächste Hürde. Weil man natürlich am Anfang auch immer glaubt, dass das Bauteil brechen könnte. Und das ist ja Kunststoff und mein Professor hat früher immer gesagt: Wer Kunststoff kennt, nimmt Stahl. Das ist aber hier nicht ganz richtig, weil man kann die Bauteile ja natürlich gesondert konstruieren. Aber wenn wir jetzt so an dieses Thema Betriebsmittelbau denken und Betriebsmittel allgemein, dann steckt doch ein ganz, ganz großer Schatz drin, diese Teile einzusetzen. Ich habe da auch ein paar Beispiele, und zwar ein mittelständisches Unternehmen, normale Fertigungstiefe. Die meisten haben irgendwo eine Sandstrahlanlage und müssen irgendwelche Teile sandstrahlen. Und jetzt denkt man natürlich, wie kann man dort jetzt 3D-Druck einsetzen, weil man zuerst immer denkt, man muss das Bauteil an sich 3D drucken. Aber 3D-Druck kann ein gutes Hilfsmittel sein. In dem Beispiel war es so, dass wir dort bei einer Potenzialanalyse durchgelaufen sind und wir haben einfach geguckt, wo kann man 3D-Druck einsetzen und ich bin da meistens sehr offen, habe da vielleicht auch eine andere Brille auf, die Brille des 3D-Drucks. Und dort war ein Mitarbeiter dran gehockt, der hat sich einfach sehr abgemüht, diese Rundteile dort abzukleben, damit dieses Strahlgut beim Sandstrahlen bestimmte Stellen nicht trifft. Und ein Einsatzfall dort war zum Beispiel, dass diese Teile nicht mehr abgeklebt werden müssen, dass man einfach eine Schablone hat oder eine Vorrichtung, die man dort drauf schiebt und die dieses Strahlgut auch gut aushält. Und da sind einige Magneten auch mit eingedruckt, also die kann man während dem Druckvorgang mit einlegen, dass es dort auch festhält. Somit spart sich der Mitarbeiter einfach viel, viel Arbeit und viel Zeit, weil wenn man sich das so vorstellt, das muss man abkleben, dann legt man sich die in die Sandstrahlkabine, dann sind die gesandstrahlt, dann legt man die wieder raus, dann muss man das Ganze wieder abkleben und wenn man das nicht sauber macht, dann hat man meistens die Qualitätssicherung noch im Nacken und dann gehen die Teile wieder zurück. Also das ist zum Beispiel ein ganz einfacher Einsatzpunkt von Hilfsmitteln, aber auch das ganze Thema Montage. Bauteile, die montiert werden müssen, immer dann, wenn ein Mitarbeiter sagt, Mensch, ich brauche da mal die dritte Hand, dann ist es für mich das erste Anzeichen, dass hier der Prozess nicht ganz passt und dass man dort vielleicht eine Vorrichtung braucht. Und das sind meist die… Ich sage es auch gern so, die popeligsten Anwendungen, also gar nicht die Raketenteile, sondern wirklich ganz einfache Bauteile, die vielleicht viereckig sind mit zwei Bohrungen und einer Abschrägung, die einem dabei helfen, Stress aus dem ganzen Arbeitsprozess rauszunehmen.
Götz Müller: Ich würde das ganz gerne ein bisschen vertiefen im Sinne von so ein bisschen dahinter schauen, warum erkennt man das jetzt? Sie haben es gesagt, natürlich sind Sie ein bisschen vorgespannt, möchte ich es nennen, was das Thema 3D-Druck angeht, aber letzten Endes, warum sieht es ein, in Anführungszeichen, Normalsterblicher vielleicht nicht, weil ich glaube, dass das ja auch für die Zuhörer dann ein Impuls sein kann: Ach ja, guck mal, geht mir ja auch genauso.
Johannes Lutz: Also das ist aus meiner Sicht natürlich ganz einfach zu sehen, aber ich gebe da gerne einen Input, wie man die richtige Brille dafür hat, diese Anwendungen zu finden oder das richtige Gespür dafür zu haben. Es ist nicht ganz einfach, weil diese Branche an sich, die 3D-Druck-Branche, die hat in den letzten Jahren natürlich viele Lösungen und Raketenteile präsentiert. Das heißt, der erste Gedanke, den man immer sofort hat, wenn man irgendwie 3D-Druck einsetzt, ist, man muss dort irgendein komisches Bauteil fertigen dabei. Aber es geht ganz oft um, wenn wir jetzt bei dem Thema Betriebsmittel bleiben, um das Thema zentrieren, irgendeinen Anschlag zu haben, irgendwas zu halten in dem Fall. Und hier, wenn man natürlich diesen Input nicht hat, dann ist es eher, was man nicht weiß, kann man nicht vermissen. Und diesen Blick von außen in etwa zu kriegen und wenn man dann dort in dieser Fertigung steht und einfach, also man sich selber in die Fertigung reinstellt und sagt, wo könnte man jetzt hier 3D-Druck einsetzen und man nicht weiß, wo man hinläuft und welche Frage man stellt, dann hat man kein richtiges Problembewusstsein dafür, also man kennt seine Probleme einfach nicht. Das klingt in Deutschland immer so komisch, wenn man von so einem Problem spricht, viele sagen, es ist Es ist viel besser, über Herausforderungen zu sprechen, aber ich bin da meistens immer jemand, der das ganz schön auch direkt anspricht. Also viele haben dieses Know-how nicht, sind aber an dem Punkt, dass, wenn man die Technik dann kennt, das auch schneller erlernbar ist. Ich kann das vielleicht an einem Beispiel von so einer Elektroabteilung mal noch zeigen. Und zwar, wir waren auf einer Potenzialanalyse, sind dort durchgelaufen und ich war dort mit dem Ansprechpartner, sind wir gemeinsam durch die Firma gelaufen. Und dann sind wir in diese Elektroabteilung rein, das heißt, dort werden Bauteile verlötet, zusammengebaut und der Mitarbeiter sagte dann: Wir machen heute eine Potenzialanalyse für 3D-Druck, habt ihr was zum Drucken? Und es ist natürlich klar, dass dort keine Köpfe nach oben gegangen sind, dass sich alle gemeldet haben, haben gesagt, hier haben wir was, sondern wir haben die Frage anders gestellt, und zwar, wer ist denn derjenige, der am lautesten flucht hier drin? Dann sind die Köpfe nach oben gegangen und haben auf einen gezeigt und den haben wir dann gefragt und der hat dann auch ganz offen und ehrlich berichtet, dass er sich bei manchen Prozessen einfach schwertut und dort Stress spürt und das eigentlich so der erste ausschlaggebende Punkt ist, Probleme zu entdecken. Und noch gar nicht über 3D-Druck nachzudenken, sondern erstmal zu wissen, was sagt denn die Person, wo tut sich die schwer. Das ist manchmal so, dass man vielleicht in diesen Abteilungen so einen Auftrag vor sich herschiebt, weil den macht man einfach ungern. Der wirkliche Ursprung dabei ist, dass man vielleicht nicht die richtige Vorrichtung hat. Und dann kommt man auch so an diese Einsatzfälle auch ran. Nicht nur, indem man jetzt die CAD-Dateien auf dem Rechner durchstöbert, sondern als ersten Schritt mal mit den Leuten spricht, wo die sich schwertun. Und man muss am Anfang gar keine Lösung haben, sondern einfach diese Punkte mal aufnehmen. Das ist etwas, das ich am Anfang immer empfehle, um dieses Bewusstsein dafür zu kriegen, wo sind denn die Einsatzfälle?
Götz Müller: Ja, Bewusstsein ist auch ein gutes Stichwort. Bei dem einen Beispiel habe ich für mein Empfinden den Lean-Klassiker Paul Akers Fix What Bugs You, also reparier das, was dich nervt. Aber wie gelingt es jetzt eben, dieses Bewusstsein und dann noch mit dem 3D-Druck zu koppeln? Weil ich glaube, dass das schon eben möglicherweise ganz neue Chancen auftut aus unterschiedlichen Gründen beziehungsweise unterschiedliche Vorteile der 3D-Druck hier mitbringt.
Johannes Lutz: Ja, also um natürlich immer so ein Bewusstsein zu schaffen in so einem Unternehmen, ist am Anfang, es gibt verschiedene Bewusstseinsstufen, auch im 3D-Druck. Die erste ist erstmal kein Bewusstsein zu haben dafür, einfach, man weiß es einfach nicht. Das ist einfach, wie wenn da noch nichts da wäre. Und das schafft man immer nur dann, wenn man so einen Impuls von außen bekommt, um seinen Horizont zu erweitern. Und das ist ganz einfach gesagt, das spürt man selbst dann, wenn man so ein Aha-Erlebnis auf einmal hat. Da denkt man sich so: Oh wow, da tut sich so ein weißer Fleck im Kopf auf, den man jetzt ausmalen kann. Und das schafft man besonders immer dann, wenn sich die Person darin auch selbst wiederfindet. Also wenn man Themen anspricht oder an Redewendungen nimmt, wo man sich darin wiederfindet, wie zum Beispiel, dass ein Mitarbeiter sagt, was ist denn das schon wieder für eine Sisyphus-Arbeit? Oder da macht jetzt jemand eine Doktorarbeit draus, das zu montieren. Und das ist für mich das erste Zeichen, da gibt es etwas, was nicht ganz passt. Da müssen wir mal schauen, ob man das mit 3D-Druck sozusagen lösen kann. Und im Marketing, das vergleiche ich damit ganz gut, da gibt es ein Sprichwort, und zwar, wenn der Gegenüber in wenigen Worten das sagen kann, was man selber spürt, denkt, aber nicht sagen kann, dann hat man so ein Aha-Erlebnis und dann schafft man das erste Mal so ein Bewusstsein. Und wenn man dann so diesen ersten Punkt hat in diesem Bewusstsein, dann darf man natürlich dort nicht nachlassen, sondern die nächsten Schritte dann einleiten, dass man da mit den richtigen Fragestellungen tiefer geht, zum Beispiel beim Mitarbeiter und fragt: Was stört dich denn da genau? Möchtest du, dass ich dir überhaupt helfe? Weil viele wollen zum Beispiel am Anfang erstmal gar keine Hilfe. Hier haben wir eine spezielle Methode entwickelt, die acht Schritte hat, wie man diese Themen genau anspricht und sich zum Schluss auch rückversichert, dass der Mitarbeiter hier auch eine Veränderung vornehmen möchte, weil keiner geht morgens zur Arbeit und will den schlechtesten Tag seines Lebens haben, sondern eigentlich sind alle Mitarbeiter sehr stark gewollt, Prozesse zu verbessern, Stress rauszunehmen und die Ergebnisse spürt man dann danach. Ach, vor allem dann, wenn die Qualitätssicherung sagt, irgendwie schicken wir da keine Bauteile mehr zurück in die Abteilung. Was ist da anders? Das ist so der Effekt, auf den ich dann meistens warte. Und dann, wenn man da noch ein Stück weit weitergeht, da möchte ich jetzt nicht vorweggreifen, aber da gibt es dann unter den Mitarbeitern manchmal so ein bisschen so ein Konkurrenzgehabe, dass es dann heißt: Der hat da jetzt so eine Vorrichtung und der ist da jetzt viel schneller. So was will ich auch. Und dann schickt man im Unternehmen so eine Dynamik los, die extrem wertvoll ist, weil man auf einmal selbst erkennt, dass manche Arbeitsschritte so ein Unwohlgefühl erzeugen. Dann sind die Mitarbeiter meistens so schlau und sagen dann: Hier brauche ich eine Vorrichtung. Hier brauche ich irgendetwas, was dort hält oder mir dort irgendeine Erleichterung gibt in dem Fall. Und das ist super, super wertvoll. Ich nenne es jetzt spielerisch gesagt ganz oft, wie wenn man so Super Mario ist, wenn man so einen Gamification-Ansatz hat. Also man muss jetzt nicht sofort die Prinzessin retten im Unternehmen, sondern man hält so Ausschau für in dem Fall Goldmünzen, Münzen, was Geld ist, Schatzkarten, was Innovation ist und Sanduhren im übertragenen Sinne, was Zeitersparnis ist. Und die gilt sozusagen einzusammeln und dafür einen richtigen Blick zu kriegen. Aber das ist eine Sache nicht, die man von heute auf morgen hinbekommt, sondern das ist ein Prozess, den man einfach im Unternehmen durchgeht. Und irgendwann ist es ganz normal, dass man sagt, ich brauche hier eine Vorrichtung, kann man die mal drucken, so in dem Fall.
Götz Müller: Ja, ich finde das hochspannend, dass das halt nicht nur so ein mechanisch-technisches Thema ist, sondern das schon ziemlich psychologische Anteile hat.
Johannes Lutz: Absolut, ja.
Götz Müller: Ja, jetzt würde ich es aber ganz gerne eben doch nochmal ein bisschen wieder auf die Technik, fokussieren ist vielleicht der falsche Begriff, aber der kommt mir halt gerade in den Kopf. Also im Sinne von, was muss ich denn dann, wenn ich jetzt angefangen habe zu sehen, Dinge zu erkennen, was habe ich denn dann für Voraussetzungen, damit 3D-Druck eben funktioniert?
Johannes Lutz: Also, wenn wir bei diesem Bewusstseinsthema mal anknüpfen, dann ist der erste Punkt erstmal das Problem zu entdecken und aber auch persönlich den Willen zu haben, es lösen zu wollen. Das ist so mal der erste Schritt. Es gibt viele, die sagen, ich kenne das Problem, aber ich will dann trotzdem nichts machen. Vielleicht, wie Sie es gerade auch angesprochen haben, weil die nächsten Schritte unbekannt sind. Aber was man dann braucht, ist die nächste Person sozusagen, die ein Bauteil konstruieren kann oder sich diesem Problem in der Sache annimmt, dass man den Mitarbeiter fragt, wie soll denn das Ganze ausschauen? Also man muss was konstruieren können am CAD und eine Datei vom CAD exportieren können, die man dann in das Programm des 3D-Druckers lädt. Das nennt man Slicer. Das heißt, dieses Programm schneidet dieses Bauteil in ganz viele einzelne Schichten, weil 3D-Druck ist ein Schichtbauverfahren. Und man braucht natürlich den 3D-Drucker dann. In dieser Software des 3D-Druckers positioniert man dieses Bauteil, wählt vielleicht noch ein paar Stützstrukturen aus, weil wir können im 3D-Druck, wenn wir zum Beispiel so einen Überhang haben, ein 3D-Drucker kann nicht in die Luft drucken, sondern der muss dann mit dem Baumaterial oder mit Stützmaterial unterstützen. Das macht aber die Software automatisch, da muss man sich gar nicht so viele Gedanken machen. Man lädt das Material, man wählt die Datei aus und der Drucker läuft. Man bleibt vielleicht noch die ersten paar Sekunden dabei, dass alles gut startet. Und dann kann man diesen Kollegen, sozusagen den 3D-Drucker, auch mal alleine lassen. Und wenn das dann zum Teil vier Stunden oder zwölf Stunden läuft, hat man am nächsten Tag sein Bauteil in der Hand. Also was man definitiv braucht, ist eine Person, die sich auskennt mit dem CAD-Programm, mit der Druckersoftware und auch mit dem 3D-Drucker. Egal, welche Technologie das jetzt erstmal ist. Man kann dort mit wirklich wenig Geld starten. Also es gibt viele Unternehmen, die sich für unter 1.000 Euro den 3D-Drucker bereits auf den Bürotisch gestellt haben und die ersten Anwendungen dort herausnehmen. Aber es ist manchmal so, da ist das Ego dann so groß, dass man denkt, man macht auf einmal dann Teile für die Luftfahrt. Es hat auch einen Grund, warum es große 3D-Drucker gibt und warum man bei manchen Technologien auch mehr investieren muss. Aber für den Anfang, wie wir es jetzt so gehabt haben, um so mal die ersten Voraussetzungen zu klären, ist das so der erste Schritt, den man gehen muss. Und danach natürlich nicht nur der Wille, das Bauteil herauszunehmen und einzusetzen, sondern dann weitere Anwendungen zu finden und das Ganze zu optimieren dabei.
Götz Müller: Und man könnte ja durchaus, man muss ja jetzt nicht ganz tief in den Geldbeutel greifen, sondern man kann ja durchaus auch zu einem Dienstleister gehen, so wie man halt in manchen anderen Bereichen zu einem Lohnfertiger geht. So könnte man ja auch einen Dienstleister suchen, der einem eben sowas druckt.
Johannes Lutz: Absolut. Ja, vielleicht da, wenn ich da ein, zwei Worte dazu sage, die Dienstleister heutzutage wissen auch ganz genau, welche Fragen sie da stellen müssen. Und die sind natürlich auch top vorbereitet, was Konstruktion angeht. Also ein Dienstleister hat absolut den Willen zu helfen. Der versteht die Konstruktion, der weiß auch, wie man das Bauteil günstig fertigt. Wer sich am Anfang jetzt erstmal schwer tut, dort einen Drucker zu kaufen, der kann gerne auf einen Dienstleister zugehen und sollte diesem Weg des Dienstleisters auch in der Hinsicht vertrauen, dass am Ende des Tages ein gutes Ergebnis da ist. Also man kann natürlich immer Bauteile drucken, aber das Wichtigste ist, dass man am Ende des Tages ein Ergebnis hat, womit man auch was anfangen kann.
Götz Müller: Ja, vielleicht auch in die Richtung auch nochmal nachgefragt. Jetzt sagt vielleicht der eine oder andere: Ja, wir montieren zwar unheimlich viel, aber eine wirkliche Konstruktionsabteilung, weil wir halt beigestellte Komponenten montieren, eine eigene Konstruktion haben wir nicht. Da wäre jetzt meine Nachfrage, löse ich sowas auch über den Dienstleister oder wie löse ich dann dieses Problem?
Johannes Lutz: Also dort gibt es zwei ganz gute Lösungen. Natürlich einerseits über den Dienstleister, der, wenn er das Bauteil bekommt oder den Datensatz bekommt, kann er in relativ wenigen Klicks sozusagen das Negativ oder das Positiv dazu machen, dass dieses Bauteil irgendwie gehalten wird. Es gibt aber mittlerweile gute Software, womit man dieses Bauteil einfach reinlädt und selbst in wenigen Klicks eine einfache Vorrichtung sicherstellen kann. Also das ist wirklich sehr, sehr einfach mit wenigen Stegen, die man dort hinsetzt. Und die Software ist genau so konzipiert, dass man das Bauteil hineinlädt und die schon nahezu fast weiß, auf welcher Seite möchtest du das positionieren, wie groß ist deine Bauplattform von dem Drucker, das wählt dann auch die richtige Größe aus sozusagen. Also um überhaupt zu dieser Datei zu kommen, die man drucken möchte, glaubt man am Anfang immer, dass es große Hürden sind. Aber hier gibt es schon ganz gute Helfer. Und das ist eine einfache Sache. Also ich kann das wirklich so behaupten. Man muss sich natürlich ein, zwei Videos online angucken. Man muss sich mal 20 Minuten damit beschäftigen. Aber man wird schnell sehen, dass man dort schnell hineinfindet, wenn man einen normalen Windows-PC benutzen kann.
Götz Müller: Ja, ich glaube, ein Stück weit muss man vielleicht selber aufpassen, dass man es nicht zu weit treibt, An einer anderen Stelle hätte man vielleicht einfach irgendein Blech zusammengebogen. Das muss ja nicht toll aussehen. Das muss bloß seinen Zweck erfüllen. Und ich denke, dass vielleicht der 3D-Druck, könnte ich mir vorstellen, so ein bisschen provoziert eine Form von Perfektionismus. Kann sowas passieren?
Johannes Lutz: Absolut. Also es gibt da so zwei Dinge. Die einen, die sagen, man kennt nur alienartige Bauteile, die so geschwungen sind mit so Freiformflächen. Und so müsste man auch konstruieren. Und dadurch, dass das so ausschaut, tut man sich vielleicht schwer, es auch so zu machen. Und dann sitzen die vor ihrem CAD-Programm und fragen sich wirklich: Was ist jetzt mein nächster Klick, was muss ich denn da jetzt machen? Aber auch die anderen, die dann aus so einer einfachen Vorrichtung so einen Perfektionismus machen, das ist übertrieben. Also ich sage auch ganz oft, wenn man diese Anwendung der Vorrichtung, die man dort findet, einfacher mit einem Stück Flachstahl und drei Bohrungen lösen kann, dann macht man es damit. Wenn das ein Stück Blech auch hilft, dann mach es mit einem Stück Blech. Wenn man aber merkt, dass dieses Bauteil etwas komplizierter ist und es daran scheitert, dass man es konstruieren muss, man muss eine Zeichnung erstellen, man muss es fräsen, es ist aufwendig, es ist teuer, man muss sechs Wochen warten in dem Fall, dann sage ich immer, dann geht auf 3D-Druck und man muss das nicht perfekt machen. Also man kann Teile auch drucken, wie wenn man normal konstruieren würde. Da ist jetzt nicht der Drucker sauer, man verbraucht einfach ein bisschen mehr Material. Das ist alles. Wobei es dann noch mehr Punkte gibt, die da immer wieder so Hürden sind, was die Leute halt haben, um schnell voranzukommen
Götz Müller: Mir geht jetzt noch eine ganz verrückte Idee durch den Kopf, wo sie auch so Richtung Software-Unterstützung gesagt haben, spielt KI da schon eine Rolle, so im Sinne von, dass ich, mittlerweile gibt es ja Bilderkennung, auch tolle Sachen, dass ich der KI meinetwegen von mehreren Seiten hier Fotos von meinem Teil, das gehalten werden soll, schicke und ihr dann sage, jetzt machen wir mal Vorschläge, was ich da machen könnte und wie man das mit dem 3D-Druck realisieren kann. Ist sowas schon vorstellbar?
Johannes Lutz: Also vorstellbar auf alle Fälle. Es gibt auch schon Anwendungen diesbezüglich, dass man selbst mit seinem Smartphone Bauteile mit mehreren Fotos einscannen kann. Daraus wird dann eine Datei. Die ist jetzt aber nicht wirklich sehr genau, wenn man das so sieht. Also man spricht dort von Millimetern in der Genauigkeit und daraus lässt sich dann ein Bauteil erzeugen. Aber man ist noch nicht an dem Punkt, dass man der KI jetzt per Text sagen kann, mach mir bitte eine Vorrichtung an den und den Stellen, soll es gehalten werden. Aber das Thema KI kommt immer mehr. Also die KI würde jetzt eher dabei helfen, dass man sagt, ich habe hier in meiner Fertigung folgende Probleme, und zwar dieses Bauteil soll so und so gehalten werden, dass die KI einem dann dabei hilft, diese Anwendung zu qualifizieren. Das heißt, wo wird sie gehalten? Ist dort ein chemischer Prozess mit dem Einsatz? Wird da was geklebt? Ist da eine höhere Temperatur? Und dann hilft die KI, das richtige Material auszuwählen, die richtige Technologie auszuwählen und dann muss man wieder selber ran, das Bauteil konstruieren und dann den nächsten Schritt gehen. Also die KI hilft eher in dem Bereich, ganz am Anfang die ersten Schritte zu machen. KI gibt es aber mittlerweile schon im 3D-Druck auch schon. Das heißt, viele Prozessparameter werden automatisch dann weiterentwickelt und dass das Ergebnis sozusagen stimmt. Im Konstruieren ist es noch nicht ganz so weit. Da ist noch zu viel Individualität sozusagen im Einsatz.
Götz Müller: Ja, ich möchte jetzt an der Stelle ein Stück weit zum Abschluss, aber nochmal an den Anfang zurück, wie Sie es auch genannt haben, wie, vielleicht auch wiederholt zum Teil, wie schaffe ich es jetzt eben am Shopfloor vor allen Dingen, also da, wo Betriebsmittel dann eingesetzt werden, zum Beispiel halt beim Rüsten oder eben beim Montieren, wie schaffe ich es, dass ich dort Ideen generiere, weil natürlich auch, Stichwort KI, wieder, wenn nicht jemand den Prompt reintippt, die Idee, dann kommt auch nichts raus.
Johannes Lutz: Ja, es ist immer Input-Output sozusagen. Wenn man sich das so vorstellt, also wie gesagt, niemand geht morgens zur Arbeit und sagt, er will den schlechtesten Tag seines Lebens haben. Man muss am Anfang, wenn man jetzt mit den Leuten zusammensteht, natürlich erstmal aufrichtiges Interesse zeigen. Dass man dort in diesen kleinen Arbeitsprozessen, wo Stress entsteht, auch anknüpfen zu können. Es sind vor allem die richtigen Fragen, die man dort stellen muss. Also es sind keine oberflächlichen Fragen, sondern ein bisschen tiefer reinzugehen und diese Blockaden, die dort entstehen und diese Hürden gar nicht erst zu erzeugen. Also ich würde, so würde ich es machen, ich würde gar nicht erst das Thema 3D-Druck ansprechen am Shopfloor. Ich würde eher sagen, was habt ihr dort für kleine Herausforderungen? Wo gibt es Aufträge, die ihr immer wieder so vor euch herschiebt? Ich kenne das selber. Ich habe in der Ausbildung mal in so einer kleinen Laserabteilung gearbeitet und um mich herum waren lauter rote Kisten mit kleinen Teilen drin. Und wenn ich da so ein kleines Teil gesehen habe, was ich schlecht in den Laser reinlegen konnte, um das zu beschriften, dann habe ich die Kiste einfach nochmal ein Stück weit unter die anderen gestellt, dass das irgendwann später kommt. Solche Dinge sollten herausgefunden werden. Auch, dass dieser Laser, der das Teil beschriftet, dass da nicht immer nur ein Teil beschriftet wird und die Tür geht die ganze Zeit auf und zu, sondern dass man doch eine Vorrichtung hat. Also das sind so Dinge, natürlich muss derjenige, der die Fragen stellt am Shopfloor, schon ein Stück weiter sein vom Bewusstsein. Also derjenige sollte in etwa wissen, was könnte da auf jemanden zukommen, aber es gemeinsam mit den Leuten sozusagen zu erarbeiten und die Hürden wie, ich würde das Thema 3D-Druck gar nicht ansprechen. Und was noch wichtig ist, egal welche Rückmeldung von dem Mitarbeiter kommt, ob es jetzt ein Bauteil ist, das sehr kompliziert ist oder eine Anwendung, die sehr kompliziert ist. Ich würde alles erstmal aufnehmen und würde im Nachgang entscheiden, was macht man damit. Weil am Anfang kommen immer sehr komplexe Bauteile, weil man denkt, wenn man das komplexe Bauteil jetzt im 3D-Druck schafft, schafft man alle anderen auch. Dazwischen gibt es aber so viele Hürden, die man da noch nehmen muss, dass man die Lust daran verliert. Somit sind diese einfachen Anwendungen, irgendein Winkel, irgendeine Zentrierung, ein Bauteil, was nur dabei hilft, dass man es ordentlich positionieren kann. Oder mir fallen jetzt ganz viele Beispiele ein. Vielleicht ein Satz noch dazu. Ich war in dieser Elektronikabteilung und da hat einer immer so Blasgeräusche gemacht, als würde dort so eine Lokomotive durch die Abteilung fahren. Und er hat im Endeffekt nichts anderes gemacht, wie die ganze Zeit diesen Lötrauch weggeblasen, damit er diesen nicht einatmet, was ja auch sehr gefährlich ist. Und das sind so Kleinigkeiten, auf die man im Endeffekt achten muss, um beim Shopfloor sowas zu entdecken. Und wenn man einmal sowas entdeckt hat, dann muss man da dranbleiben. Weil, das kann ich ja vielleicht auch noch sagen, dann bin ich auch fertig mit meiner Antwort gleich. Und zwar, wenn eine Anwendung im Einsatz ist, dann muss man die Anwendung weiterhin verfolgen. Und das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Qualitätssicherung im Nachgang sagt, wir haben wieder hier einen Ausschlag. Das bedeutet, hier muss was eskaliert werden in der Hinsicht, dass Bauteile wieder zurück in die Abteilung gehen zum Nacharbeiten. Und das ist meistens so der Punkt, dass eine 3D-gedruckte Vorrichtung nicht so eingesetzt wird wie sonst. Und das Beispiel hatten wir dort. Der Mitarbeiter hat es tatkräftig eingesetzt. Wir haben gemerkt, es läuft super. Und irgendwann war der Ausreißer da. Wir haben dann nachgefragt, hey, setzt du denn die Vorrichtung noch ein? Gibt es da irgendetwas? Und er hat gesagt, er setzt die Vorrichtung ein. Das hat er aber nicht, weil die Vorrichtung ist ihm kaputt gegangen. Und er konnte es im Endeffekt nicht zugeben. Und wir haben dann nachgefragt. Und er hat gesagt, die ist mir kaputt gegangen. So sieht die aus, die ist da gebrochen. Und dann haben wir gesagt, es ist richtig gut, dass das passiert ist, weil wir jetzt die Vorrichtung verbessern können und die Vorrichtung war nicht teuer, die hat zwischen 10 und 20 Euro gekostet, es zu drucken und dann hat er so richtig verstanden, was so dieser große Effekt dahinter ist, dass es nicht an ihm liegt, sondern dass man diesen Prozess verbessern kann und eine Sache, die da im Shopfloor auch wichtig ist, die Leute stehen ja dort meistens gemeinsam und irgendwann machen einen die Mitarbeiter auch darauf aufmerksam, die eigenen Kollegen, die sagen dann: Hey, also da stimmt doch irgendwas nicht, du mühst dich da immer wieder ab. Hast du schon mal darüber nachgedacht? Also das ist so ein Sogeffekt an Anwendung, der da immer wieder kommt.
Götz Müller: Ja, da höre ich ganz viele Aspekte raus, wie es mir im klassischen Lean Management, wenn man das so nennen will, eben auch begegnet. Also auch dieser Effekt: Ja, ganz was Tolles will ich auch haben. Also dieser Sogeffekt, dieser Pull-Effekt, der sehr positiv ist. Auch das Verbessern in kleinen Schritten, nicht den ganz großen Hub machen, der dann vielleicht fehlschlägt und deshalb eventuell, eine zusätzliche Hürde aufbaut, so im Sinne von, das habe ich doch gleich gesagt, dass es nicht funktioniert, sondern lieber in kleinen Schritten sich an ein Thema herantasten, auch wenn man vielleicht sogar weiß, dass es noch nicht optimal ist, trotzdem schafft es vielleicht eine kleine Verbesserung. Könnte ich mir vorstellen, dass das auch Effekte sind.
Johannes Lutz: Man sieht vor allem, also wenn man so auf das das Ergebnis geht am Ende des Tages, dann muss man den Kollegen in der Abteilung auch mitgeben, wie viel sie eingespart haben. Weil wenn man wirklich an einem Tag eine Stunde einspart, mit einer einfachen Vorrichtung, die da keine 40 Euro kostet als Beispiel, was kein Geld ist in der Hinsicht und es auch viel schneller geht, diese Vorrichtung zur Verfügung zu stellen, dann, wenn man sich das mal hochrechnet, dann ist das richtig viel Geld. Also eine Stunde am Tag, 220 Arbeitstage in der Hinsicht und der Mitarbeiter kostet 50 Euro. Da kann sich, jetzt nur die Stunde, jetzt in einem einfachen Beispiel über den Daumen, dann ist am Ende des Jahres ein großer Einsparfaktor da. Und wenn dieses Bündel Geld auf dem Tisch liegt, dann ist es was, was man dort einsparen kann. Die Grundessenz am Ende des Tages ist eher die Frage, was kostet dich 3D-Druck, wenn du es nicht tust? 3D-Druck sorgt dafür, dass im übertragenen Sinne, ganz einfach gesagt, mehr Geld auf dem Konto bleibt oder die Kostenstelle nicht ausgereizt wird und über Budget läuft. Also man merkt es nach der Zeit richtig, wenn man nicht nur ein oder zwei Anwendungen findet. Ich war bei manchen Unternehmen, da haben wir 180 Anwendungen gefunden. Also da haben wir irgendwann aufgehört zu rechnen, was am Ende des Tages an Geld eingespart wurde. Und da ist so dieses Ziel auch erfüllt worden, dass die Leute einfach sagen: Das machen wir mit 3D-Druck, weil das haben wir da schon immer gemacht. Und da gibt es gar nicht den anderen Weg. Also da haben die meistens sogar schon Kopfweh, wenn die darüber nachdenken, die Teile zu fräsen oder aus Blech zu biegen, so in der Richtung. Also das kann was ganz Tolles im Unternehmen anstoßen, wenn die Geschäftsleitung dort auch mitmacht, weil man muss doch ein Treiber in dem Unternehmen sein mit dem Wille zu einer deutlichen Verbesserung und die Mitarbeiter das auch spüren lassen. Da gibt es ja viele Möglichkeiten, denen auch mal was Gutes zu tun, wenn man da richtig tolle Ideen auch noch mit einreicht.
Götz Müller: Ja, und auch da wieder viele Ähnlichkeiten mit dem Thema Lean im Allgemeinen. Deshalb, Herr Lutz, ich danke Ihnen für Ihre Zeit, für die interessanten Einblicke.
Johannes Lutz: Ja, sehr gerne.
Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Johannes Lutz zum Thema 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 380.
Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.
Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.
Jetzt eintragen und Artikel/Denkanstöße zukünftig per eMail erhalten.
Artikel teilen auf ...
Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.