KVP – keine Frage der Herkunft

Herkunft

Ein immer wieder geäußerter Vorbehalt gegen Lean, Kaizen, KVP & Co. ist die Herkunft des Konzepts. Interessanterweise wird dabei fallweise auf die japanische oder amerikanische Herkunft verwiesen, je nachdem welcher Wissens- oder eher Nicht-Wissenshintergrund besteht. Beiden Herkunftsvorwürfen liegt zugrunde, dass dabei pauschalisiert wird und eine intensive Betrachtung einer Vorgehensweise und ihrer Leistungsergebnisse typischerweise auch unterbleibt.

Die Vorbehalte gegen die Herkunft sind auch nichts, was eine Besonderheit von Lean & Co. darstellt, sondern sie treten auch in ganz anderen Szenarien auf. Allgemein spricht man auch vom Not-Invented-Here-Syndrom, das in besonderem Maß auch im Umfeld von Entwicklungsergebnissen im Rahmen von Produktentstehungsprozessen auftritt. Dabei handelt es sich jedoch eher um Konkurrenzsituationen bzgl. einer anderen Vorgehensweise, die aber durchaus auch ein Ergebnis produzieren kann bzw. schon produziert hat.

Vergleichbar bestehen die Vorbehalte auch bei der Unternehmensgröße, der Branche, der Leistungsform (Produktion vs. Dienstleistung, Verwaltung bzw. klassisch indirekte Bereiche). Hier besteht die Gemeinsamkeit darin, dass dem anderen Szenario als einer Form der Herkunft wiederum die Anwendbarkeit in Abrede gestellt, ohne eine Alternative aufzuzeigen. In der Regel sind es die eigenen Verhältnisse, die als besonders dargestellt oder angenommen werden und deren Übertragbarkeit deshalb in Frage gestellt werden.

„Beurteilt die Menschen nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach ihrer Leistung.“

– Perikles

Mit besonderer Vorliebe werden diese besonderen Verhältnisse auch (nur) als Ausreden verwendet, um sich mit der Sache nicht beschäftigen zu müssen bzw. evtl. den Zusatzaufwand der Anpassung (so er denn wirklich nötig ist) nicht erbringen zu müssen. Dabei kann es sich um den Aufwand an sich handeln (in Unkenntnis oder Fehleinschätzung des verknüpften Nutzens), oder um die Vermeidung der intellektuellen Beschäftigung damit. Hier muss man (mindestens) drei grundsätzliche Unterschiede betrachten: nicht können, nicht wollen, nicht kümmern. Wichtig dabei ist aber wirklich zu durchdringen, worum es sich wirklich handelt, um den Hebel auch an der richtigen Stelle der Ursache anzusetzen. Ein Nicht-wollen kann bspw. auf einem Nicht-können im Sinne von nicht wissen beruhen.

Nicht können

Hier geht es logischerweise darum, die entsprechenden Fähigkeiten und das notwendige Wissen zu vermitteln, immer jedoch auf der Basis, dass der Wille, die Fähigkeiten und das Wissen zu erwerben, wirklich vorhanden ist.

Nicht wollen

Der Aspekt des Nicht-wollens ist oft deutlich versteckter und vielschichtiger. In der Regel spielt hier auch das Element der Veränderung und der Angst davor mit. Letztlich schwingt bei jeder wahrgenommenen oder gefühlten Notwendigkeit zur Veränderung auch immer mit, dass diese darauf beruht, dass die aktuelle Vorgehensweise ihren Zweck nicht erfüllt, also falsch ist. Man sollte sich auch bewusst sein, dass es keine Nicht-Vorgehensweise gibt, d.h. jede neue Vorgehensweise ersetzt immer eine andere Vorgehensweise (=Verhalten), so wie es auch keine Nicht-Kommunikation und keine Nicht-Entscheidungen gibt. Da also eine Veränderung immer auch auf dem Status Quo beruht, der als falsch beurteilt wurde, muss dies in meinen Augen fast zwangsläufig Widerstand erzeugen, weil ja niemand gerne hört, dass er etwas falsch macht. In meiner Erfahrung ist es sehr wertvoll, diesen Effekt aktiv und dezidiert anzusprechen und zu betonen, dass ein Zustand (des Verhalten) in der Vergangenheit durchaus richtig gewesen sein kann, aber niemand davor gefeit ist, dass sich Zustände oder der Kontext verändert und die Richtigkeit in der Vergangenheit in der Zukunft durchaus falsch werden kann.

Nicht kümmern

Das Nicht-kümmern liegt typischerweise auf der Ebene der unbewussten Inkompetenz, die grundsätzlich erstmal durch die Bewusstmachung des Umstands adressiert werden muss. Daraus kann sich dann ein Nicht-können und/oder Nicht-wollen entwickeln, die dann wie oben beschrieben umgangen werden können.

Frage: Woher rühren in Ihrem Unternehmen Widerstände gegen den KVP & Co? Welche tieferliegenden Mechanismen spielen unter Umständen noch eine Folge? Wie wurde damit in der Vergangenheit umgegangen?

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