Muss man Lean kapieren (um es zu kopieren)?

kapieren

Dieser Artikel ist die direkte Fortsetzung des letzten, in dem es um die Frage ging, ob man Lean kopieren kann. [1] Ein LinkedIn-Kontakt hat darauf geantwortet, dass es möglich ist, wenn man es kapiert.

Auf den ersten Blick einleuchtend, oder?

Trotzdem gibt es auch hier mal wieder mehrere Aspekte, über die es sich lohnt nachzudenken.

Da ergibt sich die Frage, wer es kapieren muss. Was (bspw. wie tief) die betreffende Person es kapieren muss. Was man (und wer ist ‘man' jetzt?) dafür tun muss, damit es kapiert wird. Was die Folgen sind, wenn es nicht kapiert wird? Vielleicht aber doch auch, warum man es kapieren muss oder ob es nicht vielleicht doch Alternativen gibt (nicht zu Lean, aber zum Kapieren)? Vielleicht muss man (oder muss man nicht) die Fragen in der richtigen Reihenfolge stellen und beantworten, um eine Erkenntnis zu erlangen.

Da kann ich jetzt auf jeden Fall nur sagen, ich weiß es (noch) nicht. Kommen Sie halt einfach mal mit auf meine Gedankenreise.

Zum Einstieg will ich doch mal den Ausgangspunkt umkehren, also mit der Hypothese beginnen, dass man Lean doch nicht kapieren muss, um es zu kopieren. Vielleicht muss man es aber gar nicht kopieren. Vielleicht geht's primär nur darum, vergleichbare Resultate zu zielen, orientiert an SQDCM (Safety, Quality, Delivery, Cost, Morale). Man muss das gar nicht Lean nennen, solange hinten nur das Gleiche rauskommt. Kann halt sein, dass man das Rad neu erfinden muss, auch wenn manches wahrscheinlich einfach nur gesunder Menschenverstand ist.

Wenn man aber aus Erfahrungen anderer lernen will, ist es typischerweise nützlich, deren Erfahrungen auch zu reflektieren. Da muss man sich dieser Erfahrungen auch erstmal bewusst sein. Also auch schon mal eine Form der Kopie und mit dem Reflektieren bleibt das Kapieren praktisch auch nicht aus. Kapieren muss man es nicht, aber reflektieren schon.

Über das Was hatte ich oben beim SQDCM schon etwas geschrieben, grundsätzlich könnte es natürlich auch etwas anderes sein, aber dann wird's vermutlich kein Lean sein. Was sicherlich auch nicht verkehrt ist, ist die Definition von Wertschöpfung (verändernd, nutzenstiftend für den Kunden und beim ersten Mal richtig), die Verschwendungen (Muda) in ihren verschiedenen Ausprägungen leiten sich dann daraus ab, sollte man m.E. auch kapieren. Kann man sich mühsam selbst erarbeiten oder halt kopierend kapieren. Ähnliches gilt auch für Mura und Muri. Auch da tut man sich leichter, wenn einem das mal jemand erklärt. Die Zusammenhänge sind nicht ganz so offensichtlich, als dass sie einen einfach so „ins Gesicht springen“.

„Kopieren heißt noch nicht kapieren.“

– Walter Ludin

Da wären wir jetzt beim Erklärbär angekommen, also der Person, die einen dabei unterstützen kann, dass man etwas kapiert. Natürlich kann man sich sehr viel selbst erarbeiten. Trotzdem glaube ich, dass es ganz ohne äußere Impulse nicht geht, zumindest wird es damit viel leichter und man kann die freie mentale Energie auf andere Aspekte richten, bspw. dass man diese im eigenen Umfeld bzw. Tätigkeitsbereich erkennt, entsprechende Schlüsse daraus zieht und ins Handeln kommt.

Bestimmte Dinge, die es zu kapieren gilt, haben mit Lean an sich auch gar nicht zu tun. Das sind bspw. größere Zusammenhänge, die immer dann entstehen bzw. notwendig sind, wenn mehrere Personen in irgendeiner Form an bzw. für etwas zusammenarbeiten. Letztlich es das, was Gesellschaften erfolgreicher macht als ein Individuum, egal ob man jetzt Ameisen, Bienen oder eben Menschen betrachtet. Bloß, dass halt bei Ameisen und Bienen vermutlich viel Verhalten angeboren ist, während es im menschlichen Kontext erst kapiert werden muss.

Dabei geht es auch manchmal um so etwas wie Komplexität. Die kann man nur nicht unbedingt kapieren (sonst wäre sie es nicht), aber man sollte sie zumindest erkennen und etwas über die Möglichkeiten im Umgang damit verstehen (kapieren).

Bleibt das aus, und damit sind wir bei den Folgen angekommen, wird halt irgendwann irgendwas schiefgehen. Zumindest das sollte man kapieren – also erkennen, dass (anhand eines Maßstabs) etwas schiefgegangen ist – und entsprechend etwas daraus lernen und beim nächsten Mal anders machen. Dann hat man schon wieder etwas kapiert ;-)

Über das weitere Feld des Kapierens von Methoden und Werkzeugen will ich hier einen großen Bogen machen. Außer vielleicht die Aussage, dass man kapieren sollte, dass man Lean nicht kapiert hat, wenn glaubt, dass das bloßes Kapieren (und Kopieren) von Methoden & Werkzeugen ausreicht. Kapiert?

Um insgesamt die Sache mit dem Kapieren und Kopieren abzuschließen, noch ein abschließender Hinweis: Egal, ob man sich der „Sache“ mit der Toyota Kata, mit A3 Management oder ähnlichen Denkprozessen nähert, sie alle fördern in meinen Augen das Kapieren und die Unterstützung dabei/darin. Irgendwie scheint die Sache also nicht so ganz unwichtig zu sein.

[1] Blog-Artikel: Kann man Lean kopieren?

Wenn Sie wissen möchten, wie A3 Management in Ihrem Verantwortungsbereich aussehen können, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an.

Frage: Was haben die Menschen in Ihrem Verantwortungsbereich wirklich kapiert, wenn es um Lean geht? Woher wissen Sie das? Was könnten Sie tun, um das Verständnis zu steigern (auf beiden Seiten)?

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