Warum Kolumbus nicht wirklich lean unterwegs war

Bahamas

Heute geht's weiter mit der kleinen Serie über berühmte Persönlichkeiten und ihren (konstruierten) Bezug zu Lean. Während es beim letzten Mal mit Galileo Galilei nach innen ans Lehren und Lernen ging (obwohl er ja sonst eher bei den Sternen war), ist heute mal wieder etwas irdisches dran. Genau genommen sogar eher was wässriges.

Bevor's richtig losgeht, doch noch mal ein Wort der Warnung: Nehmen Sie nicht alles bierernst, was ich jetzt hier schreiben werde ;-)

Wie Sie am Titel des Artikels schon gesehen haben, nehm' ich mir heute Kolumbus vor. Im Allgemeinen verbindet man mit ihm ja die Entdeckung Amerikas, obwohl er eigentlich was anderes vorhatte und sich der Name Amerika von einem anderen Entdecker (Amerigo Vespucci) ableitet.

Jetzt könnte man ja sogar spekulieren, ob das damit was zu tun hat, dass Kolumbus halt nicht wirklich lean unterwegs war.

Anm.: Die Warum-Frage bezieht sich hier nicht auf die Gründe an sich, sondern warum ich diese Schlussfolgerung ziehe. Achten Sie mal selbst darauf, wie Sie die Warum-Frage einsetzen. Persönliche Schlussfolgerungen sind nämlich nur das und nicht die ultimative Wahrheit. Deshalb kann das auch leicht Widerstand hervorrufen.

Das bringt mich nach der Vorrede jetzt letztlich eben zu der Frage, warum Kolumbus in meinen Augen eben nicht lean unterwegs war. Einerseits gibt's da natürlich keine fixe Definition, auch vor dem Hintergrund, dass lean ja kein Zustand ist, anderseits lässt sich das an ein paar „Dingen“ festmachen, die erfüllt sein sollten, wenn man lean für sich in Anspruch nehmen will.

Der erste Punkt auf dieser sprichwörtlichen Reise ist sein Ausgangspunkt, bevor er mit seinen Schiffen losfuhr.

Dabei geht es mir nicht um den räumlich-physikalischen Ausgangspunkt, sondern um das „außenrum“.

Er wusste zwar, wo er hin will, aber er wusste nicht, wo er hinfuhr. D.h. er wollte zwar auf dem westlichen Weg nach Asien fahren, hatte aber keine Ahnung, auf was er sich da einlässt.

Da könnte man sogar argumentieren, dass das ganz im Sinne der Toyota-Kata bzw. der Verbesserungs-Kata war, die ja auch davon ausgeht bzw. das so vorschlägt, dass schon der nächste Ziel-Zustand jenseits des Wissenshorizonts liegen soll/muss und damit der Weg dorthin konsequenterweise unbekannt ist. Andererseits erfüllte sein erster Zwischenstopp auf den Kanaren dann dieses Kriterien schon wieder nicht mehr, was ich aber mal einer kleinen Lean-Irrung abtun will, die jedem unterlaufen kann.

„Zuverlässige Informationen sind unbedingt nötig für das Gelingen eines Unternehmens.“

– Christoph Kolumbus

Im Oktober 1492 war es dann endlich so weit und er konnte auf den Bahamas an Land gehen.

Jetzt könnte man sagen, alles im grünen Bereich, Hauptsache angekommen. Entsprechend guten Lean-Prinzipien muss man jetzt aber erstmal eine Reflexion machen. Was lief alles nicht so gut? Bzgl. Total Productive Maintenance war schon die erste Etappe bis zu den Kanaren nicht grad eine Glanzleistung, weil da erstmal bei der Pinta das Steuerruder repariert werden musste (vermutlich auch wg. Muri). Lean-technisch wurde das aber wieder wettgemacht, weil man bei der Gelegenheit bei der Niña dafür etwas Leveling ggü. den beiden anderen Schiffen durch die Umrüstung des Hauptsegel machen konnte (war halt vorher ziemlich viel Mura). Insgesamt ging das aber wg. der unproduktiven Liegezeiten (40 %, Rüstzeiten sind halt nicht wertschöpfend) doch ziemlich auf Kosten der Durchlaufzeit. Wobei er da verglichen mit manchem modernen Wertstrom doch ziemlich gut unterwegs war.

Seinen Mitarbeitern gegenüber hat er dabei auch ziemlich an den KPIs gedreht, indem er sie systematisch manipuliert hat, damit es keine Meuterei gibt. Gemessen am Job-Relations-Prinzip „die Mitarbeiter wissen lassen, woran sie sind“ nicht so ganz im Sinne des Erfinders.

Durch die Lean-Brille betrachtet, war die Ankunft auf den Bahamas im übertragenen Sinn schon der nächste Fehlgriff, weil er nämlich jetzt immer noch nicht wusste, wo er eigentlich wahr. Das muss man sich mal auf der Lean-Zunge zergehen lassen. Da ist jemand mit ziemlich viel Venture Capital, einer ganzen Unternehmung, drei Geschäftsbereichen (aka Santa Maria, Niña, Pinta), drei kompletten Mannschaften zehn Wochen unterwegs (davon nur etwa sechs auf See), kommt irgendwo an und hat aber keine Ahnung, wo er wirklich ist. In über 25 Jahren mit Lean & Co. hab' ich sowas noch nicht erlebt.

So weit, so gut, auf zum Rückweg. Ignorieren wir da mal, dass er ein Drittel der Mannschaft zurücklassen muss, als die Santa Maria bei den Antillen auf Grund lief. Kann ja mal passieren, im Lean-Kontext legt man es ja auch darauf an, dass es knirscht, wenn man die Bestände runterfährt. Sollte aber nie auf Kosten der Mitarbeiter gehen.

Am Ende der Reise zurück in Spanien, hatte er zwar wieder bekannten Boden unter den Füßen, aber er wusste trotzdem nicht, wo er gewesen war und hat das auch zeitlebens nicht eingestanden, ob es schon damals deutliche Hinweise einiger Zeitgenossen gab. Wie schon angedeutet, ist das letztlich der Grund, warum man die Namensgebung dann Amerigo Vespucci überlassen hat.

Damit will ich es bewenden lassen, das Wirken des Kolumbus durch die Lean-Brille zu betrachten. Schon der Wikipedia-Artikel würde noch viel mehr hergeben, Sie können gerne durch Kommentare Ihre Eindrücke schildern.

Frage: Welche Lean-Aspekte kommen Ihnen in den Sinn, die man mit Kolumbus verbinden könnte? Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Was lässt sich daraus lernen?

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