Wenn Heijunka zur Excel-Übung wird

Heijunka

Heijunka soll Produktion nivellieren. Schwankungen sollen geglättet, Überlastung reduziert und ein gleichmäßigerer Produktionsfluss ermöglicht werden. Der Gedanke dahinter ist ausgesprochen attraktiv. Weniger Peaks, weniger hektische Reaktionen und eine bessere Nutzung der vorhandenen Kapazitäten. In der praktischen Umsetzung kann sich die Logik jedoch umkehren. Dann wird die Produktion auf dem Papier geglättet, während die Hektik in der Realität zunimmt. Die Planung sieht gleichmäßig aus, die tatsächlichen Abläufe werden immer unruhiger. Heijunka wird zur Excel-Übung.

Glätten auf dem Papier

In einer Tabellenkalkulation lassen sich Aufträge hervorragend verteilen. Mengen werden verschoben, Kapazitäten angepasst und Produktionsfolgen so angeordnet, dass eine möglichst gleichmäßige Auslastung entsteht. Die Darstellung wirkt übersichtlich und kontrollierbar. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie diese Planung in der Realität umgesetzt werden kann. Materialverfügbarkeit, Personal, Maschinenzustände und kurzfristige Kundenanforderungen lassen sich nicht immer so glatt verteilen wie Zahlen in einer Tabelle. Die Planung ist dann nivelliert, während der tatsächliche Ablauf mit den Schwankungen kämpft, die in der Darstellung bereits verschwunden sind.

Excel wie Ersatzrealität

Eine Planung kann nur so gut sein wie ihr Verständnis der Realität. Werden Entscheidungen jedoch überwiegend am Bildschirm getroffen, entsteht leicht eine eigene Wirklichkeit. Aufträge erscheinen als Zeilen, Kapazitäten als Zahlen und Prozesse als verfügbare Zeitfenster. Die tatsächlichen Wechselwirkungen zwischen den Abläufen verschwinden dabei schnell hinter der Darstellung. Eine Excel-Tabelle kann Zusammenhänge sichtbar machen. Sie kann sie aber nicht automatisch verstehen. Je präziser die Planung wirkt, desto größer kann die Versuchung werden, ihre Ergebnisse für die Realität zu halten. Dann wird nicht mehr die Produktion nivelliert, sondern zunächst einmal die Tabelle.

„Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich.“

– George E.P. Box

Hektik in der Realität

Die Abweichungen zwischen Planung und tatsächlichem Ablauf verschwinden nicht dadurch, dass sie im Plan nicht mehr auftauchen. Sie werden lediglich an andere Stellen verschoben. Ein fehlendes Teil erzeugt eine Umplanung, eine Störung verändert die Reihenfolge und ein dringender Auftrag verdrängt die sorgfältig geplante Nivellierung. Aus der gleichmäßigen Planung entsteht dann eine Kette kurzfristiger Reaktionen. Die Produktion versucht, den Plan einzuhalten, während gleichzeitig immer mehr Ausnahmen bearbeitet werden müssen. Die Glättung findet auf dem Papier statt. Die Hektik entsteht dort, wo die Arbeit tatsächlich stattfindet.

Nivellierung ohne Stabilität

Heijunka kann keine Instabilität wegplanen. Wenn Prozesse regelmäßig von Störungen, fehlenden Informationen oder schwankenden Voraussetzungen geprägt sind, erzeugt eine fein austarierte Planung nicht automatisch mehr Ruhe. Im Gegenteil. Je enger die Planung an idealen Bedingungen ausgerichtet ist, desto empfindlicher reagiert sie auf Abweichungen. Dann wird jede Störung zum Anlass für neue Eingriffe. Die Organisation arbeitet permanent daran, den ursprünglichen Plan wiederherzustellen. Was als Nivellierung gedacht war, entwickelt sich zu einem permanenten Planungs- und Umplanungsprozess. Die Schwankung verschwindet nicht. Sie verändert nur ihren Ort.

Die Realität als Prüfstand

Eine nivellierte Planung ist kein Ergebnis, sondern eine Annahme darüber, wie der Prozess funktionieren könnte. Ob diese Annahme trägt, zeigt sich nicht in der Tabelle, sondern im Ablauf. Dort wird sichtbar, ob die Produktion tatsächlich ruhiger, stabiler und beherrschbarer geworden ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie gleichmäßig die Aufträge verteilt sind. Entscheidend ist, ob die Menschen und Prozesse mit dieser Verteilung tatsächlich arbeiten können. Heijunka entfaltet seinen Wert nicht durch eine perfekte Planung. Es entsteht dort, wo Planung und Realität in einen lernenden Zusammenhang gebracht werden.

Wenn Sie verhindern möchten, dass Heijunka nur auf dem Bildschirm für Ruhe sorgt, während die tatsächlichen Abläufe immer hektischer werden, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an (öffnet eine ics-Datei in Ihrer Kalender-Application bzw. generiert in Ihrem Download-Verzeichnis mit einem Terminvorschlag in einer Stunde, den Sie noch individuell anpassen können).

Frage: Wo wird die Produktion in Ihrem Verantwortungsbereich auf dem Papier geglättet? Welche Schwankungen tauchen anschließend als kurzfristige Umplanung und operative Hektik wieder auf? Und woran wäre erkennbar, dass die Nivellierung nicht nur geplant, sondern im tatsächlichen Ablauf wirksam geworden ist?

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