Wo Qualitätsmanagementsysteme nicht lean sind

Qualitätsmanagementsysteme

Um es gleich vorwegzuschicken, ich will mit diesem Beitrag nicht den Wert von Qualitätsmanagementsystemen in Frage stellen. Gleichzeitig will ich aber ein paar Aspekte ansprechen, die mir bei manchen Ausprägungen immer wieder begegnen, die im Sinn der Überschrift eben nicht lean sind, deshalb zumindest auf einer Meta-Ebene Verbesserungspotenziale bergen und damit auch den Wert der Qualitätsmanagementsysteme steigern können (wenn sie behoben werden).

Der Impuls zu diesem Beitrag ist aus einem virtuellen Rundgang bei einem Lean-Vorzeigeunternehmen entstanden [1]. Eine Aussage im Kontext von Visual Management und Standards bezog sich auf die räumliche Nähe von Antworten und den zugrundeliegenden Fragen. Kernaussagen war dabei, dass die Antworten – bspw. in Form von kurzen Arbeitsanleitungen – dort platziert werden sollten, wo die Fragen entstehen. Exemplarisch wurde das anhand des Umgangs mit dem Zwei-Behälter-Kanban-System gezeigt. Dabei handelt es sich eher um indirekte Fragen, die mit der Wertschöpfung an sich nichts zu tun haben, aber entscheidend dazu beitragen können, dass die Wertschöpfung reibungslos (verschwendungsarm) erbracht werden kann.

Aber auch die Anleitungen und Informationen, die auf Zuschnittschablonen aufgebracht werden, fallen in diese Kategorie der Antworten, die dort gegeben werden, wo die entsprechenden Fragen entstehen. Nämlich, was ist alles im Umgang mit der Schablone zu beachten, damit die Arbeitsergebnisse die gewünschte Qualität haben, ein Wiederholversprechen einhalten und dafür einem Standard entsprechend, der im Grund auch weit mehr ist als die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs in Form des auszuscheidenden Umrisses.

Was sind nun Lean-Aspekte im Bezug zu Qualitätsmanagementsystemen, die im Grund und wahrsten Sinn des Wortes auch „nur“ die Qualität sicherstellen sollen, indem Standards definiert und eingehalten werden.

„Eines der traurigsten Dinge im Leben ist, dass ein Mensch viele gute Taten tun muss, um zu beweisen, dass der tüchtig ist, aber nur einen Fehler zu begehen braucht, um zu beweisen, dass er nichts taugt.“

– George Bernhard Shaw

Hinter der räumlichen Nähe steckt bspw. der Fokus auf den „Kunden“ der Antworten, die eine Arbeitsanleitung bietet. Das ist nämlich nicht ein Qualitätsmanager oder eine vergleichbare Rolle, sondern der Mitarbeiter, der die entsprechende Tätigkeit entsprechend dem Standards verrichten soll. Es kann noch die Führungskraft sein, die die Einhaltung des Standards kontrollieren (was aber an sich schon keine Wertschöpfung mehr darstellt).

Die räumliche Nähe betrifft auch die verschwendungsarme Ermöglichung der Tätigkeit, indem die entsprechenden Informationen direkt dort am Ort des Geschehens vorliegen (also kein Informationstransport und keine notwendige Bewegung, um die Information zu erlangen). Das sorgt dann auch dafür, dass die Tätigkeit in ein Rutsch durchgeführt werden kann und das Flussprinzip eingehalten wird.

Natürlich ist der Umgang mit einer Kanban-Karte kein direkter Bestandteil des Wertstroms. Man kann sich aber sehr leicht vorstellen, was passiert, wenn das nicht reibungslos passiert. Wenn bspw. ein Ferienarbeiter mangels entsprechender Kenntnisse die Karte nicht am Bestimmungsort abgibt/platziert oder erst den Vorgesetzten fragen muss und dazu die eigentliche Tätigkeit unterbrechen muss.

Natürlich ist es wichtig, dass die im Qualitätsmanagementsystem dokumentierten Standards einem Änderungswesen unterliegen, gerade weil die Standards immer nur der aktuell bekannte beste Weg sind, eine Tätigkeit auszuführen und sich das bei neuen Erkenntnissen jederzeit ändern kann. Gerade deshalb muss das QMS mit seinem Änderungsprozess selbst auch an den Lean-Prinzipien orientieren und darf ggü. möglichen Verbesserungen keine Hürden aufbauen. Dazu gehört auch das Verständnis, dass die besten Verbesserungsvorschläge von den Personen kommen und auch diesen dienen sollen, die direkt am Ort des Geschehens die Wertschöpfung erbringen. Das gilt sowohl für die direkte Wertschöpfung selbst, als auch für die Tätigkeiten, die diese unterstützen.

Beides ist eine ständige Quelle für Verbesserungsmöglichkeiten. Deren Nutzung ist auch eine Ausdrucksform des „Respect for people“ als Teil der Lean-Prinzipien.

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie den Umgang mit Ihrem Qualitätsmanagementsystem stärker an den Lean-Prinzipien orientieren und damit dessen Nutzen steigern können, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an.

[1] Virtuelle Unternehmenstour Seating Matters https://youtu.be/7ZxFNuPfX1E

Frage: Wie sieht der Umgang mit dem Qualitätsmanagementsystem in Ihrem Verantwortungsbereich aus? Wie könnte des Nutzen des QMS gesteigert werden? Welche Veränderungen wären dazu notwendig?

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