Kaizen 2 go 244 : Wichtigkeit von Schnittstellen für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen


 

Inhalt der Episode:

  • Über welche Art von Schnittstellen reden wir?
  • Was charakterisiert diese Schnittstellen sehr oft?
  • Wie gehen IT-Systeme typischerweise damit um?
  • Weitere Details bzgl. Systemschnittstellen
  • Die Rolle der Schnittstellen bei der Digitalisierung
  • Middleware als Übersetzer
  • Varianten von Middleware
  • Gefahren bei der Fokussierung auf reine Schnittstellenaspekte

Notizen zur Episode:


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 244 : Wichtigkeit von Schnittstellen für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Thiemo Limbach bei mir im Podcast-Gespräch. Er ist Senior Sales Manager bei Axon Ivy für Deutschland. Hallo Herr Limbach.

Thiemo Limbach: Hallo Herr Müller.

Götz Müller: Klasse, dass Sie heute dabei sind. Ich habe schon einen halben Satz zu Ihnen gesagt, aber stellen Sie sich gerne den Zuhörern noch mal in 2-3 Sätzen vor.

Thiemo Limbach: Ja, vielen Dank auch von meiner Seite aus für die Einladung. Ich selber bin Wirtschaftsingenieur, verheiratet, drei Kinder und habe über die verschiedenen Stationen im Industriebereich, Sondermaschinenbau, EMS-Dienstleister, Hard- und Software, jetzt Anfang des Jahres tatsächlich den Weg zu einem reinen Plattformanbieter gefunden, der den Bereich der, ich sage jetzt mal Digitalisierung, den ich seit sechs Jahren verfolge, eigentlich ganz toll bei den Kunden platzieren kann mit einer ganz spannenden Plattform, die eigentlich ganz viele von den heutigen Themen in Unternehmen lösen kann.

Götz Müller: Ja, und wo Sie sagen Plattform als Begriff, da kommt mir definitiv auch noch mal unser Thema heute, nämlich Schnittstellen für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen in den Sinn, ich glaube, das ist ein zentrales Merkmal von Plattformen, dass sie eben in irgendeiner Umgebung existieren und dazu natürlich Schnittstellen brauchen. Deshalb so ein bisschen zum Einstieg die Frage noch mal ganz konkret, weil es, glaube ich, viele Schnittstellen gibt und jeder hat so sein eigenes Bild von Schnittstellen, über welche Art von Schnittstellen reden wir jetzt?

Thiemo Limbach: Ja, ich würde es tatsächlich ganz allgemein fassen: im Endeffekt über Mensch-Maschine-Schnittstellen, über in dem Falle dann klassischen Benutzerschnittstellen, also wie komme ich auf die Systeme, welche Oberflächen habe ich und daraus resultierend dann an und für sich, wie kann ich so etwas dann automatisieren. Da kommen dann Begriffe wie REST API, SOAP etc.
Götz Müller: Ja. Da wird es dann sicher sehr technisch, aber ich glaube eben dieser Schnittstellenaspekt Mensch-Maschine sowieso, wo ja im Grunde zwei Welten aufeinander treffen, mit mir kommt dann noch so ein Begriff wie die Papierschnittstelle in den Sinn, die unter Digitalisierungsaspekten immer sehr spannend ist.

Thiemo Limbach: Ganz genau. Also auch da sehen wir ja heutzutage, und das fand ich eigentlich immer das Spannende zu beobachten … irgendwo wachsen ja diese ganzen Softwaresysteme in den ganzen Unternehmen. Es gibt immer Sonderlösungen für alles und im Endeffekt verbindet in vielen Unternehmen heutzutage diese Software-Silos, wie ich sie immer ganz gerne nenne, eigentlich der Mensch. Ja, und das ist dann teilweise ein bisschen schwierig.

Götz Müller: Ja, so von einem Excel ins nächste und so weiter und so weiter.

Thiemo Limbach: Genau, ja.

Götz Müller: Bis hin zu den Geschichten und da kommt mir eine andere Episode spontan in den Sinn, bis hin zu eben der Schatten-IT, von der die IT im Grunde gar nichts weiß, wo in den einzelnen Abteilungen halt irgendetwas hingebastelt wird, weil man ein gewisses Defizit hat, weil man irgendetwas braucht und keiner gibt's an.

Thiemo Limbach: Ganz genau.

Götz Müller: Gut. Jetzt noch mal ein bisschen spezieller auf die Schnittstellen geguckt, ich glaube ein paar Aspekte waren schon dabei, was charakterisiert diese Art von Schnittstellen, über die wir jetzt heute reden.

Thiemo Limbach: Also wir haben, wenn ich es mal so sage, auf der einen Seite die Mensch-Maschine-Schnittstelle, so wie wir gerade schon gesagt haben. Wir füllen irgendwelche Daten von einem System ins andere. Das können heute Roboter machen, ja, da gibt es tatsächlich schon Lösungen für, aber die große Anforderung ist an und für sich, wenn man sich das tatsächlich noch mal anschaut, was passiert zum Beispiel bei einer Fusion von kleinen Unternehmen, ja. Dann hat das eine Unternehmen das Warenwirtschaftssystem in dem einen System gemacht und das andere in dem anderen und plötzlich hat man vier, fünf, sechs, sieben verschiedene Systeme, die alle ihre Berechtigung haben. Und dann geht's eigentlich darum, wie kann man die wirklich miteinander vereinen und es ist tatsächlich erschreckend, was heutzutage der Mitarbeiter leisten muss, also da werden häufig Zahlen von bis zu 15 verschiedenen Systeme, die am Tag im Wechsel benutzt werden müssen und das, was resultiert daraus, das ist ganz klar, das sind menschliche Fehler, Frustration, Fehleingaben etc.

Götz Müller: im Grunde muss er es ausbaden.

Thiemo Limbach: Genau und er kann meistens die Tragweite gar nicht spüren, sondern sagt „Na ja, okay, das haben wir ja schon immer so gemacht.“, das ist immer so der Klassiker, exportieren aus dem einen Programm, versuchen es irgendwo zu importieren, ziehen dann wieder die Felder richtig, schauen, dass Dubletten raus sind. Das sind so ganz gängige Themen, selber schon erlebt in Unternehmen, wo man sich dann manchmal so ein bisschen an den Kopf greift: Ist das wirklich die moderne IT, wie wir sie leben wollen in einem hochtechnologischen Unternehmen?

Götz Müller: Ja, und ich glaube eine Herausforderung ist auch, diesen idealen Punkt zu erkennen, wo jetzt irgendeine Mediationsinstanz, möchte ich es mal nennen, außerhalb der menschlichen zwei Hände und dem Hirn, das irgendwo noch zugange ist, ab welchem Punkt lohnt sich's oder sagt man jetzt „Wenn ich das habe, dann tippe ich es halt jetzt mal ab.“ und dann gewöhnt man sich irgendwann wieder an Dinge und dann tippt man es bis zum Sankt Nimmerleinstag im Extremfall ab.

Thiemo Limbach: Das ist der eine Punkt und wenn man das dann aber potenziert auf die Anzahl der Mitarbeiter, die das tagtäglich machen, das ist dann wirklich Verschwendung von Ressourcen im kriminellen Stil in Unternehmen. Das muss man einfach mal so auf den Punkt bringen.

Götz Müller: Und ein Stück weit, glaube ich, ich meine im Lean-Kontext verwendet man gerne den Begriff „respect for people“, also Respekt gegenüber den Menschen, im Grunde, wenn man mal wirklich darüber nachdenkt, ist es eigentlich auch respektlos, den Mensch hier als Datentransportmedium zu missbrauchen, seine Lebenszeit schlichtweg.

Thiemo Limbach: Er macht Arbeiten, die ihm eigentlich nicht würdig sind einfach, würde ich so hart sagen. Also ein ganz konkretes Beispiel vielleicht: Ich habe eine Firma, die für jeden Einstellungsprozess drei E-Mails schreiben müssen, an verschiedene E-Mail-Verteiler und dann auch noch diesen E-Mails nachzutelefonieren, um dann auch noch zu fragen, wann denn diese Aufgaben erledigt sind, die in diesem E-Mail stehen und das ist … das brauche ich nicht weiter auszuführen, das kann man sich vorstellen, was da für Ressourcen also wirklich verbrannt werden in den Unternehmen und da ist dann auch das Stichwort Burnout, Überarbeitung etc. ein Thema. Das ist ganz klar.

Götz Müller: Weil das ja in vielen Fällen die verantwortlichen Menschen gar nicht auf dem Schirm haben, dass die Mitarbeiter mit solchen stumpfsinnigen Dingen unter Umständen belastet werden und dann eben man halt annimmt, das trägt ja nicht zur Auslastung, zur Arbeitsbelastung bei und dementsprechend wird's nicht mit eingeplant, aber die Menschen müssen es trotzdem tun.

Thiemo Limbach: Ich nehme dann immer ganz gerne das Beispiel, das ist einfach über die Zeit hinweg in vielen Unternehmen zum echten Problem geworden, früher war es nicht so, sag ich mal, da hat man vielleicht nur ein E-Mail geschrieben, weil eine E-Mail an einen IT-Administrator gereicht hat und man wusste, es ist erledigt und heute ist das dann die Parkplatzverwaltung und die Zugangskarten und die Versicherungsan- und abmeldungen etc. und das ist einfach gewachsen und da muss man manchmal vielleicht sich so ein bisschen herausnehmen aus diesem täglichen Prozess und sagen „Ist das wirklich zeitgemäß, wie ich es hier tue?“ und im Endeffekt … man kann auch andere Beispiele nennen, wie Skonti, das ist auch ein ganz klassisches Beispiel, werden nicht gezogen bei einer hohen Anzahl von Unternehmen, weil der Freigabeprozess der Rechnung zu lange dauert. Das ist Geld. Das ist ganz einfach massives Geld, was dort verschenkt wird.

Götz Müller: Genau und das ist im Grunde ja Geld im Einkauf und da gibt's ja diesen alten Spruch, jeder Euro im Einkauf schlägt eins zu eins auf meine Bilanz durch und hier natürlich erst recht.

Thiemo Limbach: Absolut.

Götz Müller: Gut. Wenn wir jetzt ein bisschen mehr Richtung IT-Systeme gucken und wie gehen die mit den Dingen um, außer jetzt einfach den Mensch zu missbrauchen, um dann wieder auf den Aspekt Schnittstellen wieder zentral zu kommen.

Thiemo Limbach: Da fällt mir eigentlich ein … häufig folgen die Prozesse den bestehenden Systemen und nicht andersrum. Das heißt, häufig wird einfach ein Prozess, der eigentlich anders gehört und anders korrekter wäre, falsch gemacht aus unternehmerischer Sicht, weil das System es so erzwingt. Also klassisch irgendwelche Excel, klassisch irgendwelche Exporte, so wie wir es eben schon mal hatten und das ist dann einfach nicht der richtige Weg. Und auf der anderen Seite muss man ehrlicherweise sagen, streben sehr, sehr viele Systeme zu einer All-in-One-Lösung. Das beobachten wir auch immer wieder, dass wir, ich will jetzt da gar keine Namen nennen, jeder kann sich das vorstellen, dass die großen Systemhäuser eigentlich anstreben bei den Lösungen für die Unternehmen, dass alles, also vom CRM, Material, Logistik, Bestellung, Human Resources, alles möglichst ein System macht. Das funktioniert aber nicht. Funktioniert ganz schlicht und ergreifend aus dem Grund nicht, weil, wir sprechen hier nie von einer grünen Wiese oder von einer idealen Welt. Wir sprechen, so wie ich eben schon meinte, im Normalfall von Unternehmen, die gewachsen sind oder fusionsbedingt einfach viele, viele verschiedene Systeme haben. Was folgt daraus: die großen Systeme streben nach einer Alleinherrschaft, nenne ich es jetzt mal ganz böse, in einem Unternehmen zu haben. Das klappt aber nicht und sie bieten keine Schnittstellen an oder wenig Schnittstellen. Und das akzeptiert wiederum aber der heutige Kunde nicht mehr. Der Kunde ist heute anspruchsvoll. Da fallen mir Themen ein wie best-of-breed, stufenweise hybrid, cherry picking. Das erwartet der Kunde heutzutage. Und da stoßen dann, ja, wirklich Welten aufeinander.

Götz Müller: Weil er ja möglicherweise weiß wie seine Prozesse funktionieren und er sich dann halt das System aussucht primär, in diesem kleinen Element vielleicht, wo halt am besten zu seinem Prozess passt.

Thiemo Limbach: Ja, aber meistens nur einen Teilprozess und dann ist man genau bei den Schnittstellen. Und das ist, ich sage mal ganz einfach, da fehlt dann die Akzeptanz auf der einen Seite bei dem Softwarehersteller, der sagt „Okay, der möchte dieses Modul nicht von mir, deswegen muss ich ihm Schnittstellen anbieten.“, das macht er nicht. Und das ist halt dann genau der Ansatz, dass dieser Klebstoff, diese verbindenden Plattformen, wie halt jetzt auch von der Axon Ivy eine angeboten wird, genau das machen, wo einfach der Firma diese Autarkität überlassen wird, zu sagen, ich möchte Human-Resource-Bereiche mit der Software machen, Materialbeschaffung mit der Software, Urlaubsverwaltung mit der anderen Software und ich kann das dann alles vereinen, ohne dass ich diese Medienbrüche habe.

Götz Müller: Und ich glaube halt, und das ist ja auch die Überschrift über unsere Episode heute, speziell wenn ich dann digitalisiere, um zu automatisieren, ich meine sonstige Digitalisierung machen wir im Grunde schon seit Jahrzehnten, aber was jetzt halt, glaube ich, dazu kommt, ist dieser Aspekt Automatisierung und dann wird es ja plötzlich unheimlich wichtig, weil der Mensch halt kein Automat ist, der bisher die Schnittstelle gebildet hat.

Thiemo Limbach: Genau, und da kann der Mensch dann optimal unterstützt werden in diesen ganzen Fleißarbeiten, ja, also ich nenne noch mal das Beispiel: Ich habe eine E-Mail geschickt und jetzt muss ich das irgendwie auf Wiedervorlage haben, dass ich meinen lieben Kollegen, meine liebe Kollegin in der IT-Administration jetzt jeden Tag nerve, ob jetzt im Active Directory der neue Kunde angelegt wird, der neue Mitarbeiter angelegt wurde und das kann ich natürlich optimal automatisieren, indem ich dann einfach einen Bericht bekomme, die Task ist jetzt noch nicht erledigt, weil diese Middleware, nenne ich sie mal, einfach immer wieder schaut im Active Directory, der Mitarbeiter ist dort noch nicht, angelegt also ist die Task noch nicht erledigt.

Götz Müller: Jetzt haben Sie einen Begriff gerade verwendet, Middleware, den habe ich mir ja auch ein bisschen auf meinem roten Faden für unsere Unterhaltung notiert und das möchte ich noch ein bisschen weiter vertiefen, welche Rolle, vielleicht der ein oder andere hat den Begriff jetzt nur am Rande gehört, was man darunter versteht unter Middleware.

Thiemo Limbach: Ja, für uns … das ist richtig, man muss das immer ein bisschen genauer erklären, wie man diese Vokabeln benutzt. Also für uns ist an der Stelle die Middleware der Übersetzer, der Vermittler, der Automatisierungspart zwischen den bestehenden Softwaresystemen oder Software-Silos in einem Unternehmen. Das heißt, diese Middleware kann aus einem SAP, aus einem Salesforce Daten hin- und herschreiben und zusätzlich eine gewisse Automation und Logik hereinbringen.

Götz Müller: Übernimmt also ein Stück weit, höre ich da raus, auch die Rolle des Menschen in Abläufen, in, ja, im Grunde ja Automatismen. Ich meine, wenn man drüber nachdenkt, dass halt ein Mensch die E-Mail liest und dann anhand von dem, was er da liest, etwas interpretiert, Buchstaben und Zeichen letzten Endes, und dann irgendetwas anderes tut, ist das ja im Grunde auch nichts anderes als ein Automatismus, nur dass da niemand den Menschen als Automat sieht. Und trotzdem hat eine Software, glaube ich, eine ähnliche Funktion.

Thiemo Limbach: Genau. Also das ist, so wie sie es hier schon beschrieben haben, die einfachste Möglichkeit. Das ist dann so ein Roboter, RPA-Schlagwörter, und man kann natürlich mit einer Middleware jetzt, wie wir sie anbieten, zum Beispiel noch viel mehr Intelligenz mit reinbringen, dass dann tatsächlich, um noch mal bei dem Onboarding-Prozess zu bleiben, eben keine drei E-Mails an verschiedene Verteiler verschickt werden, sondern das, was damit bewirkt wird, das heißt, also ein Ticket wird aufgemacht, eine Task für den IT-Mitarbeiter in seinem System kreiert, das würde ich sozusagen auf Mausklick machen können, ohne dieses Medium E-Mail mehr zu benutzen, weil da brauche ich habe dann wieder die ganzen Mensch-Maschine-Schnittstellen.

Götz Müller: Jetzt könnte ich mir vorstellen, der ein oder andere sagt, ja, verstehe ich, aber ich weiß, dass meine Menschen halt intelligent sind und sehr flexibel handeln können und vielleicht so ein bisschen entweder aktiv oder passiv im Kopf des ein oder anderen Zuhörers die Frage entsteht, ja, funktioniert das bei mir auch oder bin ich nicht viel zu speziell, und wie gehe ich dann … weil ich glaube die Große, was man unter Plattform, glaube ich, auch mit verbindet, ist eben diese Universalität einer Plattform, weil sonst würde ich es so nicht nennen.

Thiemo Limbach: Genau. Das sind tatsächlich für mich zwei Fragen, einmal die Frage „Passt eine Geschäftsprozessautomatisierung für mein Unternehmen?“, das muss man sich im Einzelfall anschauen. Selbstverständlich sollte man dort ehrlich sein, dass man einfach sagt, für ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern wird es wahrscheinlich wenig Skalierungseffekt dabei haben, aber bei größeren Unternehmen, ich sage jetzt mal, die Erfahrung zeigt, Größenordnung 700 Mitarbeiter und größer, ist es eigentlich klar, dass wir dort Systeme oder Prozesse vorfinden, die sehr, sehr häufig und immer identisch ausgeführt werden oder ausgeführt werden müssen. Und der zweite Teil der Frage war ja, in dem Bereich der Plattform. Was heißt Plattform? Das benutzen wir ganz bewusst dieses Wort, weil wir haben damit dann nicht nur die Vereinheitlichung gemeint, das heißt also, wir haben wirklich nur noch eine Oberfläche, egal woher die Daten kommen. Das heißt also, nach Benutzung der Schnittstellen kann ich dann mit einer einheitlichen Oberfläche arbeiten, was wiederum der Mitarbeiterzufriedenheit und der Einfachheit zugutekommt. Ich habe den zweiten großen, großen Vorteil, ich kann auf allen Devices diese Lösungen anbieten. Das ist auch ein ganz klares Must-Have heutzutage für alle Mitarbeiter, also für moderne Mitarbeiter, die einfach sagen, diese „anytime, everywhere, any device“-Mentalität, das funktioniert auch deutlich einfacher, wenn man dort dann mit einer standardisierten Plattform arbeitet.

Götz Müller: Ist das dann der einzige Weg über Standards? Weil ich könnte mir jetzt vorstellen, der oder andere sagt „Ja, okay … Standard und jetzt haben Sie gerade erzählt drüber, der Prozess soll nicht der Software, den Systemen folgen müssen“ und ich könnte mir vorstellen, der ein oder andere sagt jetzt „Ja, Moment, jetzt erzählen sie aber gerade das Gegenteil von dem, was ich vorhin gesagt habe.“

Thiemo Limbach: Dann war es vielleicht ein bisschen missverständlich ausgedrückt. Heutige Geschäftsprozessautomatisierung oder, ja, Automatisierung, Digitalisierung funktioniert ja so, dass im ersten Schritt wir uns zum Beispiel mit dem Unternehmen über die Prozesse unterhalten und an der Stelle wird dann häufig auch, das sind häufig sehr lustige Meetings, Sie wissen schon, worauf ich hinaus will. Da ist dann häufig eine große Diskrepanz zwischen was jemand glaubt, wie etwas gemacht wird und wie es tatsächlich in der richtigen Welt aussieht. Und dann hat man schon einen ganz wesentlichen Schritt erreicht, weil dann sind wir nämlich genau an dem Punkt, dann werden jetzt erstmal die Traum-Prozesse, so wie es heute gemacht wird, vielleicht wird, während man sich darüber unterhält, sogar festgestellt, Moment, das können wir ja sogar noch genialer machen, einfach mal so Brainstorming, und dann können diese Prozesse, weil wir uns eben nicht mehr an irgendeine Software lehnen müssen, die das eventuell gar nicht kann, irgendeinen Wert von A nach B, weil es in einem anderen Format ist oder wie immer und dann können wir uns dieser klassischen Middleware, wie halt zum Beispiel von uns halt dann bedienen und sagen „Pass auf, und dann bauen wir jetzt genau das nach, was ihr euch vorstellt.“ und dann hat man genau den Prozess, dass man sagt, die Systeme folgen dem, ich sag jetzt mal, kreierten Prozess, dem idealen kreierten Prozess von den Mitarbeitern.

Götz Müller: Weil sonst auch immer eine gewisse latente Tendenz da ist, nicht weil die das Böse meinen, sondern weil sie im Grunde ja wissen, es geht anders besser, sich dann da irgendwas sonst zurecht basteln, auf Schwäbisch, um ihren, ja, wie sollen wir es ausdrücken, ihren Mangel, den sie wahrnehmen, in Kombination mit dem guten Willen, ja, sich da etwas zurecht stricken, wovon jetzt vielleicht klassisch eine IT gar nichts weiß, weil der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin sonst einfach ihre Tätigkeit nicht komplett richtig machen kann.

Thiemo Limbach: Und da sind wir ja eigentlich schon an dem Punkt, der bisher noch ganz vergessen wurde, der wahrscheinlich aber später noch kurz kommt, ist ja, der Mitarbeiter selber ist ja eine ganz wichtige Rolle bei diesem ganzen Digitalisierungsprozess. Das Individuum steht da an erster Stelle und da geht's auch darum, von Anfang an mitzunehmen, die Mitarbeiter selber die Prozesse kreieren zulassen, darüber sprechen zu lassen und eben nicht, dass ein Geschäftsführer, ein Teamleiter, ein Linienvorgesetzter oder was auch immer sagt: „Das muss so sein, weil ich habe das mal so gelernt.“ Das funktioniert heute nicht mehr.

Götz Müller: Ja oder weil er halt einfach in den allermeisten Fällen, ich will nicht 100% sagen, aber den allermeisten Fällen halt von dem Thema dann mittlerweile aufgrund seiner Tätigkeit ganz normal einfach schon so weit weg ist, dass er halt nicht besser wissen kann, was davor passiert, wie die Menschen, die da vor Ort sind.

Thiemo Limbach: Ja. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen, ja, ein bisschen Angst, ja, dass sich das verselbständigt hat über die Jahre hinweg, dass er da jetzt nicht mehr die Hoheit hat, aber muss er ja auch nicht.

Götz Müller: Wobei man ihm, glaube ich, insofern die Hoffnung und die Illusion, nehmen kann, in vielen Fällen hat es sich verselbständigt, weil es gute Gründe gibt, glaube ich.

Thiemo Limbach: Genau, genau.

Götz Müller: Weil ist ja keiner da morgens durchs Werkstor läuft und sagt „Heute verändere ich mal den Prozess, um ihn richtig schwierig zu machen“, sondern da kommt jeder rein und eigentlich jeder eine gute Arbeit abliefern und der Prozess hindert die Menschen ganz oft, die Systeme behindern die Menschen ganz oft.

Thiemo Limbach: Exakt, exakt. Das ist genau der Punkt.

Götz Müller: Und ich glaube, das ist auch das Thema, wo eine Schnittstelle wichtig ist, ja, wenn ich jetzt über so Dinge wie ein Swimlane-Diagramm, wo ich halt einzelne Rollen, Funktionen habe und dann sehe, dass es, in dem Augenblick, wo ich die Bahn überschreite, gibt es eine Schnittstelle, für die es ja ganz oft entweder einen guten Grund gibt, weil vielleicht es das System so erzwingt oder dass man dann halt erkennt, ja, das könnte ich auch ganz anders machen, wenn ich den Prozess neu gestalte, aber das System lässt es eben vielleicht nicht zu. Das heißt, und Sie haben es auch schon ein bisschen angedeutet, dieser Faktor Mensch und seine, ja, durchaus Kreativität, Dinge zu durchschauen, hier bei Schnittstellen auch eine ganz wichtige Rolle spielt.

Thiemo Limbach: Genau. Also das ist auch ein Punkt, ich sagte es ja eingangs, dass ich so seit vielen Jahren mich mit diesem ganzen Thema Digitalisierung beschäftige und ich bin tatsächlich über diese neue Führungstheoreme dazu gekommen, wo ich halt einfach festgestellt habe, das ist nicht mehr so wie vor 30 Jahren, dass der Big Boss alles weiß, sondern heutzutage funktionieren Teams anders und da sind wir dann genau an der Stelle, wo plötzlich ein Team zusammengestellt wird und gefragt wird, wie möchtet ihr das gerne tun. Das ist für viele Mitarbeiter auch komplett neu und wenn man die ein bisschen motiviert hat, dann kommen da ganz verrückte Sachen raus. Ja, meistens aber super fürs Unternehmen.

Götz Müller: Ja, verrückt, glaube ich, zumindest habe ich es deutlich so rausgehört, verrückt im positiven Sinn, also dass es ja ganz anders vielleicht gemacht wird, wie man es die letzten X Jahrzehnte gemacht hat, aber eben viel besser.

Thiemo Limbach: Genau. Genau.

Götz Müller: Und manchmal scheint ja auf den ersten Blick dieses anders gleich verrückt zu sein, aber das muss ja nicht unbedingt so sein.

Thiemo Limbach: Genau. Also verrückt im positiven Sinne, auf jeden Fall. Und was tatsächlich dort ein wesentlicher Punkte ist, dass die Mitarbeiter aus oder in diese kreative Rolle motiviert werden müssen reinzugehen.

Götz Müller: Ja, speziell, ich könnte mir halt vorstellen, wenn seit vielen Jahren bis Jahrzehnten eben genau das nicht gefragt war, diese Kreativität einzubringen, weil man gesagt hat, jetzt habe ich mir eine tolle IT gekauft, tolle Systeme gekauft. Jetzt möchte ich die Kreativität eigentlich vielleicht gar nicht haben und ursprünglich vielleicht sogar sinnvoll gewesen. Ich entsinne mich da an eine Episode vor ein paar Wochen, der Aspekt digitaler Taylorismus, jetzt mal digital in Klammern gesetzt, Taylorismus hat ja vor 100 Jahren seine absolute Berechtigung gehabt. Wir wären heute, glaube ich, nicht dort, wenn wir den damals nicht gehabt hätten. Nur ob das jetzt so sinnvoll ist, den heute noch so weiterzuführen.

Thiemo Limbach: Ja. Die Ansprüche sind heute viel zu hoch an Unternehmen als dass man das eben nicht fördert. Vielleicht noch ein Satz dazu. Wenn Sie heutzutage Human-Resource-Abteilungen fragen, was Studienabgängern, High Potentials, das Wichtigste ist, dann ist es Selbstbestimmtheit.

Götz Müller: Ja.

Thiemo Limbach: Das muss man einfach wirken lassen und da muss man dann auch seine Firma drauf ausbauen, wenn man weiter, also wenn man weiter dort mit neuen Studenten versorgt werden möchte.

Götz Müller: Ja, und wenn man halt die High Potentials vor allen Dingen anziehen möchte und sie nicht von jemand anderem abgeworben oder überhaupt von anderen angezogen werden und für mich dann halt nur die, ist jetzt wieder blöd vielleicht im Kontext des Menschen, die Spreu übrig bleibt für mich als Unternehmen. Gut. Jetzt würde mich so ein bisschen zum Abschluss noch eine Frage interessieren kann, immer noch Faktor Mensch speziell. Wie gelingt es Ihnen, als jemand, der jetzt einerseits sehr technische Systeme anbietet, und aber, glaube ich, wie mit deutlich rauskam, verstanden hat, dass trotzdem der Mensch hier eine wichtige Rolle spielt, aber nicht jeder, wenn der Digitalisierung hört, in meiner Wahrnehmung, so Hurra schreit, weil zum Teil einfacher Ängste da sind … wie gelingt es, was ist so Ihr Tipp zum Abschluss, ich stelle die Frage ganz oft, weil da immer wieder neue Aspekte dabei sind, wie gelingt es, die Menschen da mitzunehmen, wie man manchmal abgegriffen auch sagt?

Thiemo Limbach: Ja, also vielleicht fangen wir ganz kurz mit dem technischen Aspekt an, weil das auch so eine ganz wichtige Sache ist. Und das ist tatsächlich bei uns auch ein ganz großer Punkt, dass die potenziellen Kunden unsere Systeme komplett in Eigenregie betreuen können und die Prozesse selber kreieren können, weil wir dort einfach mit etablierten Technologiestandards arbeiten und das ist schon mal ein ganz wichtiger Punkt, was man in den Kundengesprächen häufig mitbekommt. Das ist den ganz, ganz wichtig, dass sie verstehen, sie machen sich nicht abhängig von dem Unternehmen, weil man das Wissen im Haus sehr, sehr einfach aufbauen kann und der zweite Punkt ist tatsächlich, so wie ich es eben schon mal versucht habe, so zwei-, dreimal anzudeuten, tatsächlich von Anfang an die wirklichen Operator, die wirklichen Mitarbeiter, die dann tagtäglich von diesen Prozessen betroffen sind oder mit diesen Prozessen arbeiten, mit ins Boot zu nehmen und denen vor allen Dingen eine Stimme zu geben, nicht einfach mitzunehmen, in ein Meeting reinzusetzen, sondern zu sagen, wir brauchen jetzt euren Input. Und da kommt man dann natürlich selbstverständlich in diese ganzen, ja, neuen Führungstheoreme, sage ich jetzt einfach mal so, auf Augenhöhe, intrinsische Motivation und diese ganzen Themen und da sind wir dann ganz weit weg von der Technik, sondern da sind wir dann tatsächlich bei Personalführung. Das ist ja heutzutage wichtig.

Götz Müller: Bin ich bin ich total bei Ihnen, ist im Grunde, ja, Wasser auf meine Mühlen oder Wasser auf die Mühlen jedes Menschen, der sich mit Lean und Co beschäftigt, nicht umsonst eben, wie schon mal angedeutet, gibt's da das Prinzip „respect for people“, die den Menschen nicht irgendwie als Teil eines Automatismus verstehen, sondern ihn als die denkende Instanz zu verstehen, die mit ihrer Kreativität, mit ihrem Denken, im Grunde heute definitiv immer noch jeder Maschine überlegen ist, mit seiner Problemlösungsfähigkeit vor allen Dingen.

Thiemo Limbach: Absolut. Genau wie sie sagen. Das ist Wertschätzung, das ist auf Augenhöhe, die Menschen respektieren und einfach als Mensch dort als ganz wichtigen Bestandteil vom Großen und Ganzen zu sehen, ja, und auch zu initialisieren.

Götz Müller: Prima. Ich fand das wieder, an der Stelle wiederhole ich mich, glaube ich, mittlerweile wiederhole ich mich zum Schutz immer. Ich fand es wieder eine sehr spannende Episode, wo eben ein vermeintlich rein technischer Aspekt zum Schluss immer wieder ganz deutlich der Faktor Mensch rauskommt und man ihn berücksichtigen sollte, muss, meiner Ansicht nach, um letzten Endes zum Erfolg zu kommen. Deshalb, Herr Limbach, ich danke Ihnen für Ihre Zeit, für die interessanten Einblicke, für das Gespräch insgesamt.

Thiemo Limbach: Vielen Dank, Herr Müller, auch von meiner Seite aus, hat mir Spaß gemacht.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Thiemo Limbach zum Thema Wichtigkeit von Schnittstellen für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 244.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei iTunes. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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