Kaizen 2 go 302 : Lean und Digitalisierung auf der Baustelle


 

Inhalt der Episode:

  • Was sind die typischerweise größten Herausforderungen bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen im Baugewerbe?
  • Was unterscheidet Bauprozesse und ggf. allgemeiner gefasst Handwerksprozesse von denen anderer Branchen?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Digitalisierung?
  • Welchen Nutzen können Bauunternehmen und deren Kunden aus der Digitalisierung der Prozesse ziehen?
  • Welche Voraussetzung sollten bestehen, bevor Bauprozesse digitalisiert werden?
  • Welche ggf. besondere Rolle spielt der Faktor Mensch in einer traditionellen Branche bei der Digitalisierung?
  • Welche Rolle spielen die wechselnden Einsatz- und Tätigkeitsorte bei der Digitalisierung?
  • Was kann man aus der Digitalisierung in der Baubranche auf andere Branchen übertragen? Welche Erkenntnisse kann man aus den Besonderheiten der Baubranche ziehen, die dann wiederum anderen Branche zugutekommen können?
  • Wie sieht ein typischer Einstieg in die Digitalisierung in der Baubranche aus? Mit welchen Prozessen (aus der Prozesslandschaft) beginnt man am besten?
  • Wo kann man mehr über Werkules erfahren? Wie ist der Name entstanden? Was macht Werkules besonders bzw. unterscheidet es von anderen Digitalisierungsansätzen?

Notizen zur Episode:


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 302 : Lean und Digitalisierung auf der Baustelle

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Alexander Fritsch bei mir im Podcast-Gespräch. Er ist einer der Mitgründer und Geschäftsführer der Werkules. Hallo Herr Fritsch.

Alexander Fritsch: Hallo.

Götz Müller: Schön, dass Sie dabei sind. Ich habe schon ein kurzes Stichwort zu Ihnen gesagt, aber stellen Sie sich gerne nochmal in ein paar Sätzen den Zuhörern vor.

Alexander Fritsch: Sehr gerne. Also erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein. Genau. Ich bin der Alexander, wohne in Frankfurt, wo wir mit Werkules auch ansässig sind und unser Büro haben, bin hier vor mehreren Jahren hingezogen, habe einen klassischen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und habe vorher in anderen Startups gearbeitet, einmal zum Thema Bildung und einmal zum Thema Finanzen, aber immer mit einem Technologie-Hintergrund und mache das jetzt im Bereich Bauen mit Werkules.

Götz Müller: Okay. Ja, das finde ich schon mal einen spannenden, nennen wir es mal Kontrast, zum Baugewerbe und ich glaube, das ist auch eine gute Frage zum Einstieg. Was sind denn so Ihrer Erfahrung nach die typisch größten Herausforderungen, wenn wir eben über Digitalisierung von Geschäftsprozessen in Baugewerbe reden?

Alexander Fritsch: Gut, ich sehe das jetzt mehr aus unserer Brille fürs Erste, ich mache dann gleich auch einen Schwenk zum Bauunternehmen selber. Die Software-Entwicklung ist, wenn man das mit anderen Erfahrungen, die ich auch vorher gesammelt habe, vergleicht, anders. Man hat den sehr fragmentierten Markt, das heißt, wir sind im Ausbau-Gewerbe, das heißt im Innenbereich zum Beispiel Bodenlegern, Malern, aber auch im Außenbereich Garten-, Landschaftsbauer bis zum Bauhauptgewerbe, Straßen, Tiefbau, muss man jeden Kunden einzeln angehen. Jeder Kunde hat andere Prozesse, ist anders aufgestellt und das macht es in der Software-Entwicklung natürlich auch zu einer Herausforderung. Und hinzu kommt auch, dass die Leute im Handwerk immer sehr beschäftigt sind, viel zu tun haben und deswegen man auch nicht immer das beste Feedback bekommst. Da gibt es ja digitale Methoden, um mit Feedback-Tools Promoter-Scores oder sämtliche KPIS zu ziehen, die Grundlagen hat man im Handwerk eher weniger. Was damit einhergeht ist, dass die Kunden wenig digital affin sind und das merken wir auch, wenn wir unser Produkt dann vertreiben, um jetzt von der Entwicklung wegzukommen, also wenn wir Online-Demos halten und unser Produkt dann, meistens in 30 Minuten, manchmal aber auch mehr, präsentieren, haben wir unseren Geschäftsabschluss, wo die Vertragsunterschrift auch noch komplett digital läuft, ein Geschäft ohne persönlichen Kontakt und für ein Handwerk, das meist sehr regional und konservativ organisiert ist, ist das natürlich, ja, erstmal eine Herausforderung.

Götz Müller: Ja, ich glaube, also, wenn ich mir das überlege, man geht halt auf die Baustelle und bespricht dort, was zu machen ist oder auf die Noch-Nicht-Baustelle, aber man bespricht vor Ort, was zu machen ist und ich könnte mir vorstellen, dass das natürlich, wenn ich mir etwas kaufe, als Handwerksbetrieb, vergleichbar ist, oder?

Alexander Fritsch: Genau so ist es. Das wird meistens vor Ort besprochen, das hatten wir ganz am Anfang auch mit einigen Kunden, wo wir dann zum Beispiel mit unserer App, für die digitale Zeiterfassung, sind wir wirklich vor Ort gefahren und habe uns mit den gewerblichen Leute uns zusammengesetzt und haben die Zeiterfassung erklärt. Was ist denn, wenn ich jetzt zum Beispiel auf dem Lager bin auf der Baustelle, wie erfasse ich da die Zeiten? Was mache ich da anders? Wie gebe ich mein Fahrzeug mit an? Kann ich meinen Bau-Tagebuch mit dokumentieren? Wie ist das mit den Fahrzeiten zwischen den Baustellen? Das sind dann alles so Fragen, die dann mit aufkommen und haben mit der Zeit aber gemerkt, wir können das gar nicht abdecken, wir können nicht jedes Mal zum Kunden rausfahren. Das ist kostentechnisch für uns nicht abbildbar und auch zeitlich und auch von den Mann-Kapazitäten, die wir haben, und haben dann auf online umgestellt, das machen viele Wettbewerber von uns auch so, aber das ist natürlich eine Herausforderung für den Kunden.

Götz Müller: Ja, andererseits wäre es für mich ein Stück weit, wenn ich mir das jetzt so überlege, auch auf eine gewisse paradox, wenn ich etwas Digitales verkaufe, aber mein eigener, auch Akquiseprozess, sehr analog ist, oder?

Alexander Fritsch: Ja, absolut. Das wäre sehr paradox, genau. Deswegen, wir erhalten das komplett digital und fahren damit auch ganz gut. Was man natürlich auch sagen kann, man nimmt dann nicht jedem in diesen Prozess mit in der Digitalisierung. Nicht jeder Kunde ist unser Kunde. Also jemand, der mit zwei Jahren vor der Rente sein Geschäft führt, den werden wir auch nicht als Kunden gewinnen und das ist okay. Mit der Haltung muss man da auch reingehen.

Götz Müller: Ja, ich glaube, da würde dann wahrscheinlich unterm Strich auch beide Seiten glücklich werden mit.

Alexander Fritsch: Das ist für beide Seiten die bessere Lösung in dem Fall.

Götz Müller: Genau ok, wenn wir jetzt noch ein bisschen tiefer reingucken, gerade auch, Sie haben es, ich glaube, da war auch schon viel drin, aber was unterscheidet den Bauprozesse oder wenn wir es mal ein bisschen allgemeiner fassen, Sie hatten ja auch so ein bisschen die Gewerke aufgezählt, zumindest ein gewissen Teil davon, was unterscheidet, allgemeiner gefasst, also Handwerksprozesse, von denen anderer Branchen? Sie haben ja eben auch in anderen Branchen Erfahrung.

Alexander Fritsch: Genau, so ist es. Also wir haben hier ein sehr projektbezogenes Arbeiten, das merken wir zum Beispiel an unserem Controlling, Werkules ist ja vor allen Dingen ein Controlling-Tool. Das heißt, ich habe meine Kostenstellen jetzt nicht auf Abteilungs- oder auf Team-Ebene, sondern tatsächlich eher pro Projekt. Daher bündelt sich auch sehr viel bei einzelnen Personen, also entweder beim Bauleiter oder bestenfalls, wenn der Betrieb ein bisschen größer ist, noch bei der Projektassistenz, im schlimmsten Fall beim Chef, und das merkt man wirklich im Handwerk und auch im Baubereich dann, wenn man vom Generalunternehmer und von größeren Bauunternehmen spricht, eher weniger, aber wir haben ja wirklich mehr mit den kleineren Betrieben, ich sag mal bis maximal 200 Leute zu tun, das ist so unser Sweet Spot, da hängt halt einfach unglaublich viel vom Chef ab, und wenn der krank ist, dann kann das auch mal eng werden, ob das jetzt Standard-Prozesse wie die Rechnungsfreigabe sind, das Erstellen von halbfertigen Leistungen am Monatsende oder auch zum Beispiel ganz simple Sachen, die Lageristik. Also die wenigsten Bauunternehmen oder Handwerker haben einen Lageristen, da fährt der Chef wirklich morgens um vier oder fünf aufs Lager und gibt die einzelnen Dokumente und Materialien raus und sagt den Leuten, den Kolonnen, wo sie jeweils hinfahren.

Götz Müller: Ja, und so weit wie ich die Baubranche kenne aus Kundenprojekten, ist sie halt, Sie sagten es schon, sehr traditionell. Das hängt sicher auch mit der Größe der Unternehmen zusammen, und dieses „Ich will wissen, was da passiert“ ist, glaube ich, schon sehr stark ausgeprägt.

Alexander Fritsch: Genau. So ist es. Da gibt es auch andere Beispiele jetzt über die Zeit, die wir kennengelernt haben und aus diesem Bereich kommt ja auch Werkules. Also Werkules ist aus Hessens größtem Fliesenlegerbetrieb, aus Gießen, entstanden und das war zum Beispiel ein Unternehmer, der das eben viel mehr auf Vertrauensbasis nach einer gewissen Zeit gemacht hat und er hat wirklich standardisierte, strukturierte Prozesse da eingebaut, die dann auch erst wirklich eine Digitalisierung ermöglichen und so schaffe ich es halt als Unternehmer dann auch von meinem Prozessen, mich stabil aufzustellen, dass eben dieser gesamte Betrieb auch nicht immer auf den Chef angewiesen ist.

Götz Müller: Ja, das jetzt schon ein gutes Stichwort, im Sinne von Konsequenzen. Sie haben ein Stichwort genannt, eben dieses von der Personenabhängigkeit lösen, gibt es noch andere Konsequenzen, die sich aus bauspezifischen Prozessen, aus dem handwerksspezifischen, ja, ich würde mal fast sagen bis zur Denke, vielleicht ein Stück weit, sich ableitet?

Alexander Fritsch: Ja, hundert Prozent. Also, wir können mal bei den Basics anfangen, also wir sagen immer, unsere Software ist so komplex wie nötig, aber so einfach wie möglich. Das heißt ganz einfach, große Buttons für dicke Daumen. Wir haben einen großen Startbutton für die Start der Arbeitszeit, und so banal sich das auch anhört, einen fürs Beenden und die sind rot und grün. Wir haben das Ganze in mehreren Sprachen, in über zehn Sprachen, damit wirklich jeder damit arbeiten kann. Und ein anderes Thema ist halt eben das, was wir halt vereinfachen können, zu vereinfachen, zum Beispiel mit Automatisierung. Da kann dazu gehören, weil wir jetzt hier, und dann sind wir wieder beim Thema Bauprozessen, projektbezogen arbeiten, sind das ganz viele Erinnerungen und Alltagserleichterungen. Zum Beispiel, was wir in unserer Software machen, ist hinzugehen und zu sagen, wir prüfen die Dokumente der Nachunternehmer und machen Unbedenklichkeitsprüfungen bei Projekten, wo ich auch mal als GU arbeite, selber GU bin, und wir weisen zum Beispiel darauf hin, wenn von einem Nachunternehmer die Aufenthaltsgenehmigung oder Sonstiges abläuft und das sind halt so einfach Automatisierungen, in dem Fall spart es mir dann Haftungsrisiken und hohe Strafzahlungen, aber das sind so, wo man sieht, dass ist die Konsequenz daraus, einfach der Zielgruppe entgegenzukommen und so viel automatisieren wie möglich, so einfach halten wie möglich und auch, was wir eben angesprochen haben, einfach mal Prozesse zu strukturieren und zu gucken, dass ich die replizieren kann, weil dann kann ich als Unternehmer auch erst hingehen und sagen, wenn dann mal eine Person ausfällt, ich kann eine andere einfacher anlernen oder wenn die bereits angelernt ist, kann die den Prozess übernehmen. Ich kann mich als Chef aus meinem Kerngeschäft ein bisschen rausziehen und tatsächlich strategischer arbeiten, was die wenigsten Leute im Bau oder ich sage mal im Handwerk, was ja ein bisschen kleiner organisiert ist, machen und ich kann es auch erst dann digital abbilden.

Götz Müller: Da höre ich natürlich jetzt, und auch das möchte ich noch ein bisschen vertiefen, den Nutzen schon raus, für die Bauunternehmen und eventuell, wenn wir noch ein bisschen weiterschauen, Sie haben ja das Stichwort Nachunternehmer genannt und natürlich gibt es auch jemanden, sagen wir mal am Anfang der Nahrungskette, also den Bauherren oder dessen Vertreter. Was haben denn die davon, dass ich Prozesse digitalisiere?

Alexander Fritsch: Ja, also zum einen erstmal eine Zentralisierung, also normalerweise oder viele Betriebe, mit denen wir arbeiten, arbeiten mit Stift, Papier, wenn es hochkommt, manchmal noch mit Excel oder sie haben einzelne Insellösungen. Das heißt, alles ist komplett dezentral irgendwo und dann sind wir wieder beim Thema, dass ich auf einzelne Mitarbeiter angewiesen bin, bin da abhängig und das ist zum einen das Thema, also Transparenz, Kontrolle, das kann auch in Form von, da sind wir wieder bei Automatisierung, Dashboard oder Baustellen-Auswertung, Thema Controlling sein, wir haben auch zum Beispiel eine Funktion, wo ich auf einer Karte sehe, wo sind denn gerade meine Mitarbeiter, wo haben die sich zeitlich eingeloggt, natürlich datenschutzkonform, und das sind so Themen, Thema Dashboard, das spricht man im Handwerk gar nicht an. Das ist absolut unüblich, aber da bewegen sich viele andere Unternehmen auch hin und das ist natürlich auch ein Nutzen, den man aus der Digitalisierung auch im Handwerk ziehen kann. Thema weniger Haftungsrisiken, habe ich ja gerade mit der Nachunternehmer-Verwaltung angesprochen, aber auch einfach das ganz simpel und das ist tatsächlich das, was bei den Kunden auch am besten zieht bei uns, ist einfach Zeit und Geld sparen. Also wenn ich mir zum Beispiel eine Zeiterfassung angucke und sehe über meine Karte mit dem GPS Fencing, mit der Geolocation, derjenige war wirklich auf der Baustelle bei Start und Ende, dann zahle ich vielleicht eine Viertelstunde vorher und nach Feierabend Kaffeefahrt weniger und wenn ich das auf meine Männer hochrechne mit einem gemittelten Stundenlohn, je nachdem irgendwas zwischen 40, 60€ oder höher, dann sammelt sich da einiges an Geld über die Monate und Jahre an und da sind wir auch beim ganz simplen einfach Zeit und Geld sparen und einfach auch mehr Zeit haben fürs Wesentliche und zwar für die Baustelle.

Götz Müller: Ja, ich höre auch raus, so ein bisschen metaphorisch ausgedrückt, auf Ballhöhe zu sein und eben nicht erst, wenn die Baustelle abgerechnet wird nach, unter Umständen, Monaten zu erkennen, da habe ich jetzt draufgelegt.

Alexander Fritsch: Das ist ja … genau das ist auch der Kern von Werkules, zu sagen, ich kann das tagesaktuell einsehen und klicke mit einem Klick wirklich drauf und sehe, was hat meine Baustelle für eine Marge, plus 5%, -10%, woran liegt das, was für Kosten liegen drauf und wirklich schon auch mehr indessen zu wissen, habe ich vielleicht schlecht kalkuliert, zu viel mit eigenen statt mit fremden Leuten gearbeitet, mein Material zu teuer eingekauft, und kann dann wirklich noch die die Stellschrauben drehen. Weil, und das haben wir bei vielen Kunden, so rausgehört, bei vielen ist das so, die machen eine Begleitkalkulation schon gar nicht, eine Nachkalkulation ist meistens zu aufwendig, da die jeweiligen Positionen durchzugehen und das aufzuschlüsseln und viele verlassen sich einfach drauf, dass die BWA, wenn die monatlich gemacht wird, dann okay, aber zum Teil meistens dann auch wirklich halbjährlich, wenn die dann reinflattert und sehen dann erst, was haben sie denn wirklich verdient. Und dann ist es natürlich auch schwer, Rückschlüsse auf ein jeweiliges Projekt zu ziehen.

Götz Müller: Ja, und das halbe Jahr ist halt rum, da hilft mir dann der erhobene Zeigefinger des Steuerberaters nicht, der sagt „Ja, da hast du jetzt draufgelegt“.

Alexander Fritsch: Ja, genauso ist es. Und der Steuerberater freut sich tatsächlich, wenn es sowas digital abgebildet hat, weil der Steuerberater haftet natürlich auch für das, was er mit dem Kunden macht, und das Thema halbfertige Leistungen, zum Beispiel, das monatlich vorzubereiten. Viele Bauunternehmen machen so etwas ja gar nicht, weil es zu viel Arbeit ist, aber da freut sich jeder Steuerberater, weil er da eine Grundlage hat und der einmal vom Handwerksunternehmen pro Monat oder vom Bauunternehmen einen Wisch bekommt und sieht genau, die Projekte sind gerade am Laufen, da sind Kosten drauf, die sind noch nicht Schluss gerechnet und so stehen die ungefähr.

Götz Müller: Wenn wir über Digitalisierung von Prozessen reden, so erlebe ich es zumindest, dann sollte man sich auch überlegen, was habe ich denn für Voraussetzungen, damit ich überhaupt etwas digitalisiere, Sie kennen vielleicht auch dieses, etwas derbe, Zitat der Scheiß-Prozesse, den ich halt digitalisiere und dann ist halt ein digitaler Scheiß-Prozess.

Alexander Fritsch: Ja, absolut. Das hängt halt vor allen Dingen, meines Erachtens nach, mit der Änderungsbereitschaft beim Kunden zusammen, also der Betrieb soll sich, wenn an eine Software anpassen und nicht die Software an den Betrieb. Es gibt viele Kunden, die auf uns zukommen und sagen: Wir können ja mit eurer Lösung gar nicht arbeiten, weil unsere Prozess sehen ja komplett anders aus. Das ist aber total die falsche Denkweise, weil jeder Betrieb hat natürlich seine eigenen Prozesse und die sind irgendwann über die Jahre entstanden oder noch länger tatsächlich. Die Frage ist halt nur, die werden nicht mehr hinterfragt vom Betrieb selber und als Software-Anbieter ist man immer drauf gepolt, eine Lösung zu haben, die ich über eine breite Masse verkaufen kann, weil das ist natürlich viel rentabler als Unternehmer. Und wenn ich wirklich als Software-Anbieter eine einzelne Lösungen bau' für einen Kunden, die genau diesen Prozess des Kunden abbildet, dann habe ich eine Individuallösung. Das kann auch ein Geschäftsmodell sein, ist aber in dem Sinne wenig skalierbar und deswegen ist einfach das Wichtigste, dass die Kunden, wenn ich so eine Lösung verkaufe, einfach auch eine Änderungsbereitschaft haben und sagen, ich stelle meine Prozesse bewusst mit euch um und ich hinterfrage das erstmal und dann kann das gerne auch im Dialog sein und dann kann es auch Anpassungen an der Software geben, aber grundlegend jedes Mal, für jeden Betrieb neue Funktionen zu bauen, weil der Unternehmer dann nicht die Bereitschaft mitbringt, das Ganze auch bei sich umzusetzen, das ist kritisch.

Götz Müller: Ja und ich würde das durchaus ja auch als Chance bezeichnen, eben jemand Drittes, Sie als Software-Lieferant, auf die Prozesse schauen zu lassen, von denen man vielleicht selber als Unternehmen gar nicht das Bewusstsein hat, dass, ich sage es immer ein bisschen flapsig, das ist so wie mit dem Kommunizieren, da wissen wir seit Watzlawick, dass das Nichtkommunizieren nicht funktioniert, und mit dem Nichtverhalten, was dann in Summe einen Prozess darstellt, funktioniert es ja nicht. Ich kann ja nicht jemandem sagen: Jetzt verhalte dich mal nicht. Das heißt, jeder hat ein Verhalten, eine Kommunikation und damit auch einen Prozess, ob ich das Bewusstsein dafür habe oder nicht.

Alexander Fritsch: Genau, so ist es, ja. Ich kann ja auch mal einen Prozess zum Beispiel bei uns aus der Software rauspicken, da gibt es zig Prozesse, der einfachste wäre in dem Sinne wahrscheinlich das Thema Zeiterfassung, das ist jetzt aber auch ab diesem Oktober Pflicht und viele Betriebe müssen sich da jetzt umstellen, das merken wir auch bei uns. Und viele hatten ja vorher, es gibt eine Statistik, also wir kommen ja aus Hessen, und alleine 69% der Betriebe in Hessen haben keine digitale Zeiterfassung. Das ist eine riesen Zahl und Baugewerbe ist total undigitalisiert und auch eine der Branchen, die am wenigsten digitalisiert sind, und das merkt man bei so Themen und wie das meistens läuft, ist dann halt mit Stundenzetteln, die dann händisch ausgefüllt werden, dann gehen die ins Büro und dann wird geguckt, ist da ein Rechtschreibfehler oder kann ich das überhaupt lesen, dann geht das vielleicht noch mal zurück, der Bauleiter kontrolliert die, dann werden die sortiert, Überstunden, Minderstunden abgeglichen, abgeheftet, dann werden die gebündelt am Ende des Monats, dann gehen die zum Steuerberater. Das ist ja alles so etwas, das kann ich ja super automatisieren, wie wir das am Anfang gesagt haben, also zum Beispiel einfach Start, Stopp, Pausenzeiten werden automatisch gezogen, anhand gewisser Arbeitszeitmodelle, die kann ich vorher einstellen, ich habe auch gleichzeitig die GPS, dadurch weiß ich, ist derjenige auf der Baustelle oder nicht. Der Bauleiter sieht es im Büro, was da auf dem Handy reinflattert von der Baustelle, gibt das Ganze frei, danach ist es revisionssicher in der Buchhaltung, wird dann in einem PDF-Export oder einem DATEV-Export oder über die DATEV-Schnittstelle einfach direkt an den Steuerberater weitergegeben. Ich habe keinen Papierkram, ich habe es weniger fehleranfällig und habe einfach mehr Zeit.

Götz Müller: Jetzt klang da ja schon an, bei der Zeiterfassung natürlich der Faktor Mensch und Sie hatten es eingangs auch schon das ein oder andere Mal gesagt, Baubranche, Handwerk ist eine sehr traditionelle Branche und da geht für mich dann immer die Frage auf: Welche Rolle spielt der Faktor Mensch? Einerseits, das hatten Sie auch schon gesagt, der Inhaber, der Unternehmensleiter, der Chef spielt eine Rolle, aber natürlich ist das nicht der einzige Mensch, der in dem Kontext unterwegs ist, sondern eben auch die Mitarbeiter. Und da habe ich für mich irgendwann mal vor Jahren so einen Begriff, eine digitale Schere, definiert. Also sprich, da gibt es halt Branchen, wo die Schere ziemlich zu ist, also Mensch und Digitalisierung und Prozess ziemlich dicht beieinander und dann gibt’s halt, und dann würde ich jetzt das Handwerk dazu zählen, eben Branchen, wo die Schere ziemlich weit offen ist, also eine große Distanz besteht und was ergibt sich da aus dem Faktor Mensch und wie geht man damit um?

Alexander Fritsch: Mhm. Total interessante Frage. Also wir haben zum einen im Handwerk selber eine unglaubliche Schere. Wir haben Kunden, die machen mit uns Sonderentwicklungen mit, die sind Pilotkunden, die testen einfach alles, weil sie sagen, das finden wir spannend und wir finden es schön, dass wir jemanden an der Hand haben, mit dem wir auch Ideen umsetzen können und das mit uns mitdenkt. Auf der anderen Seite haben wir dann wirklich Kunden, wo man sagt, dass sind Nichtkunden oder also Interessenten, wo man sagt, das sind keine Kunden von uns, die werden wir nicht gewinnen. Das ist okay, die stehen zum Beispiel kurz vor der Rente oder haben einfach dieses Verständnis dafür nicht. Diese Schere gibt es aber nicht nur allgemein im Handwerk, sondern auch in den Betrieben selber. Häufig kommen wirklich die Unternehmer auf uns zu und sagen, die Geschäftsführer, und sagen: „Wir möchten das gerne einführen. Wir sehen da total einen Sinn drin.“ Und dann wird das implementiert und dann wird es viel von den Gewerksleuten zum Beispiel auf der Baustelle nicht benutzt. Ob das jetzt ein Facharbeiter, Hilfsarbeiter, Vorarbeiter, was auch immer ist, im Endeffekt, diese ganze Digitalisierung, und dann können wir auch jetzt darüber hinaus bei allen weggehen, hängt von Daten ab. Und wenn ich etwas automatisiere, so wie wir es viel tun, brauche ich einfach Daten und das fängt beim einfachsten an. Ich muss einfach erst mal wissen, was für Mitarbeiter habe ich denn da, damit die ihre Zeit erfassen können. Die Zeiten brauche ich nachher für die Buchhaltung und was von der Buchhaltung fließt daher ins Controlling und wenn ich halt nicht beim Mitarbeiter, schon beim gewerblichen, auf der Baustelle ansetze, dann funktioniert dieses ganze Konzept 0,0. Wir haben das auch erkannt, und wir sind ja vor allen Dingen ein Controlling-Tool, was tatsächlich aus Unternehmerperspektive gebaut wurde, haben aber nach einer Zeit auch gesagt, das können wir langfristig gar nicht machen. Wir müssen jeden mitnehmen. Und dann haben wir weitere Funktionen gebaut. Da fallen zum Beispiel so etwas wie Erinnerungen rein. Da fallen aber auch schon, und da sind wir wirklich schon beim Azubi auf der Baustelle, fällt da mit rein, dass er seine Einsatzplanung aufruft, kann direkt mit dem Handy das Navi starten, hat alle Dokumente, die er braucht, kann genauso, wenn er zu Hause ist, noch seine Krankmeldung einreichen übers Handy oder seinen Urlaubsantrag und sieht, wie viele Tage Urlaub hat er noch, und haben damit auch wirklich einiges an Mehrwert geschaffen für die Leute, die, sagen wir mal, nicht den kaufmännischen Part abdecken.

Götz Müller: Jetzt habe ich erlebt, dass ein, ja, ich würde schon fast sagen, ein zentrales Merkmal, und Sie hatten es ja auch schon angerissen, von Handwerk, von Baustelle ist, dass ich halt nicht im Vergleich zur Industrie diesen klassisch stabilen Einsatz- und Tätigkeitsort habe, also die Werkshalle, vielleicht, wenn wir jetzt mal so ein Handwerk wie ein Schreinerhandwerk nehmen, der natürlich seine Schreinerei hat, natürlich macht er auch Dinge beim Kunden, aber wenn ich mir jetzt so das klassische, den Fliesenleger, den sie als Stichwort genannt haben, der legt ja nicht bei sich in der Werkstatt Fliesen, sondern die Fliesen werden im Bad des Kunden gelegt. Welche Rolle spielt dieser wechselnde Einsatz- und Tätigkeitsort bei der Digitalisierung?

Alexander Fritsch: Keine und doch wieder eine sehr große. Also zum einen spielt das wenig eine Rolle, weil wir mit Werkules in der Cloud sind, das heißt, wir sind sowohl geräte- als auch betriebssystemunabhängig, wir können jederzeit Updates da ausspielen und man kann auf die Software zugreifen. Das heißt, ich kann sowohl jetzt Büros sitzen und meine Margen, als kaufmännischer Mitarbeiter, checken, aber auch mit der Bauleistungsprüfung mit einer Checkliste auf der Baustelle mit einem iPad stehen und als Polier ganz einfach schauen, habe ich einen Verzug zum Beispiel auf meiner Baustelle, kann aber auch mit dem Handy meine Zeit erfassen. Und da sind wir unabhängig, was Einsatz- und Tätigkeitsorte angeht, wir sind auch sprachenunabhängig, also wir könnten, je nachdem, wenn wir unser Produkt ein bisschen modifizieren, auch schnell ins Ausland skalieren. Wo wir aber total oder was heißt total abhängig sind oder bis vor kurzem abhängig waren und das schwingt mit dem Thema Cloud mit, ist natürlich der Internetzugang. Und da waren wir bis vor kurzem sehr abhängig, weil wir auch viele Kunden hatten, die, vor allen Dingen auch im Tiefbau, die kein Internet vor Ort auf der Baustelle hatten und dann der Betrieb lahm lag, oder zumindest der digitale, und sie keine Zeiten erfassen konnten oder sonstige Dinge damit nicht machen konnten, und da haben wir dann eine Offline-Nutzung gebaut, um da halt eben vorzubeugen. Das ist so das, wo man sagen kann, ja zum einen ist der Einsatz und Tätigkeitsort wirklich relevant, aber zum anderen irgendwo auch nicht.

Götz Müller: Ja, und das bringt mich im Grunde auch zur nächsten Frage, die ich bei fast allen Themen, mit allen Gesprächspartnern, stelle: Was kann ich aus dem, was Sie jetzt, ja, nennen wir es mal gelernt haben in der Baubranche über Digitalisierung, was kann ich daraus auf andere Branchen übertragen? Weil ich glaube zu wissen, dass der größte Teil halt meiner Zuhörer nicht aus dem Bau, aus dem Handwerk, kommt, sondern eben aus anderen Branchen und damit, mit einer Antwort von Ihnen oder mit Impulsen, die dann da auch etwas mitnehmen können, obwohl sie mit der Branche an sich gar nichts zu tun haben.

Alexander Fritsch: Ja, da gibt es eine Menge. Das Erste wird jetzt kein Geheimnis sein und das Erste ist einfach nutzerorientiert zu denken und wirklich einen krassen Kundenfokus zu haben. Ich glaube, seit Jeff Bezos predigt das sowieso jeder, aber das hat sich bei mir in der Praxis nochmal erwiesen, bei uns im Team. Es ist total wichtig, also vieles Startups oder Digitalisierungs- und Software-Unternehmen planen ihre Software irgendwie auf einem Whiteboard oder es ist abstrakt und wir haben es in der Praxis über fünf Jahre entwickelt und haben dann wirklich jedes Mal eine Funktion eingebaut und das Ganze erstmal validiert und dieses Thema Validierung, was zum Thema Kundenfokus dazugehört, hat noch eine andere Komponente, und zwar das Thema neue Customer. Also wirklich zu gucken, nicht nur den Fokus auf den Kunden zu legen, sondern wirklich zu gucken, dass ich den Kunden wirklich kennenlerne. Wir haben die Software dann vor allen Dingen für den Fliesen- und Innenausbau-Bereich entwickelt und das Handwerk ist ja, was ich am Anfang angesprochen habe, sehr fragmentiert und da kommt es halt wirklich darauf an, entweder seine Zielgruppe sehr genau einzugrenzen oder sein Produkt halt anzupassen. Wenn ich mir zum Beispiel das Handwerk angucke, habe ich ja die einzelnen Gewerke und da kann ich zum Beispiel auch sagen, ich habe entweder Betriebe, die er von der Kostenstruktur lohnkostenstark sind, das sind zum Beispiel, sagen wir mal, die älteren Gewerke oder alteingesessenen Werke, so etwas wie Maler, Fliesenleger, Estrichleger, Trockenbauer, ich habe aber auch die, die einen Materialfokus haben, das sind zum Beispiel die Sanitär, Heizung, Klima, Elektro, Lüftung, die brauchen dann zum Beispiel ein Inventarisierungs- und Warenwirtschaftssystemen, die brauchen ein Bestellwesen, und das ist das, was wir bei uns super gelernt haben über die Zeit, nicht nur den Kunden selber zu kennen, sondern auch, nicht nur auf den Kunden den Fokus zu legen, sondern auch die Kunden wirklich in die Tiefe kennenzulernen.

Götz Müller: Mhm, ja. Da könnte ich mir auch vorstellen, dass da eben extreme Unterschiede bestehen, weil im einen Fall ist das immer das Gleiche und da ist es eher die Arbeitszeit, die zählt und im anderen Fall, wo dann technische Aspekte reinfließen, alles, was so mit E-Mobilität im weitesten Sinne dann vielleicht mal zu tun hat, mit Energiesparen, da wir es ja dann sehr, sehr technisch, wo der, sagen wir fast mal, der handwerkliche Anteil vielleicht sogar in den Hintergrund tritt.

Alexander Fritsch: So ist es. Genau.

Götz Müller: Wenn wir jetzt und auch das ist eine Frage, die ich immer gerne stelle, neben dem Übertragen in andere Branchen, wie sieht der Einstieg aus in Digitalisierung in der Baubranche, womit, und zum Teil klang es schon an, ich möchte es jetzt, so ein bisschen Richtung Abschluss, auch ein noch ein bisschen vertiefen, womit fange ich denn an? Ich glaube, das ist immer eine Frage, die sich die meisten stellen, die sagen „Hört sich spannend an“, aber was ist dieser erste Schritt?

Alexander Fritsch: Gut. Die Beraterantwort in dem Fall ist jetzt erstmal ein Bestandsaufnahme zu machen, aber das ist in dem Sinne tatsächlich wirklich auch das Beste. Also erstmal zu schauen, wie sind denn aktuell meine Prozesse strukturiert. Was für Leute hängen denn da drin? Was habe ich denn in meinem Alltagsbetrieb, jetzt komplett von irgendwelcher Digitalisierung weggelöst, was habe ich an Kommunikationswegen? Was nutze ich denn für Tools? Und das kann auch nicht digital sein. Was sind das für Magnettafeln, was sind das für Zettel, was sind das für Formulare, was sind das für Excel-Tabellen? Und erstmal zu gucken, wo stehe ich denn da aktuell und auch zu gucken, wo hakt es da. Und danach möglichst viel zu konsolidieren. Also wir haben das damals gemacht mit sämtlichen Excel-Listen und das nach Möglichkeit dann auch an einem Ort zu bündeln. Wir haben es in einer Software gebündelt, kann so aussehen, um einfach weniger Fehler zu machen und vor allem weniger menschliche Fehler, das können sämtliche Eingabefehler, Formeln sonst was in Excel Sheets sein, das können Formulare sein, die verloren gehen, irgendwelche Papiere, und einfach so viel wie möglich dann zu zentralisieren und Digitalisierung ist auch nicht immer gleich gut, weil Digitalisierung für Digitalisierung macht dann auch keinen Sinn. Ob ich mir dann zum Beispiel jetzt viele einzelne Insellösungen hole und die über Schnittstellen und vielleicht Datentransfers, Import-Export-Lösungen da verknüpfe, das ist auch noch mal ein Thema, Fehleranfälligkeit. Also ich glaube insbesondere in der Baubranche, weil sie so wenig digitalaffin ist, macht es einfach Sinn, erstmal zu gucken, wo stehe ich, wie kann ich es konsolidieren und nach Möglichkeit finde ich vielleicht eine Lösung, die einfach ist, vielleicht nicht zu sehr in die Tiefe geht, aber erstmal viel abbildet, damit ich da erstmal reinkomme. Wenn ich dann so etwas für mich gefunden habe, vielleicht hinzugehen und zu sagen: Wir testen das erst mal im Kleinen, so nach dem Motto, jeder kennt seine Pappenheimer im Unternehmen und schaut sich einfach mal an, mit wem habe ich denn jetzt hier wirklich Möglichkeiten, das Ganze einfach mal in einem Testlauf durchzustarten. Wir machen das auch bei uns mit Testverträgen zum Teil, wo dann wirklich sagen wir mal zehn gewerbliche, zwei Bauleiter, jemand aus der Buchhaltung, also jeder aus einem Bereich das Ganze erstmal antestet und das Ganze vielleicht für zwei, drei Monate und danach schaut man, okay, jetzt gehts los. Genau.

Götz Müller: Ja, ich glaube, da findet dann eben auch ein, ja, interner Erfahrungsaustausch statt, da hat sich dann jemand in ein Thema schon mal eingearbeitet, Stichwort Key User und so weiter und kann dann auch intern anderen, die vielleicht eher so nach dem Motto „Ich gucke erstmal, was die anderen machen und dann mach ich mit“, da kann man vielleicht auch diese Hürde besser nehmen, wie wenn man das über alle drüber kippt.

Alexander Fritsch: Genau. Wir nennen das bei uns im Vertrieb den Champion, einfach nur ein anderer Name, aber das ist auch für uns im Onboarding das Leichteste. Wir haben das mittlerweile so zentralisiert, dass wir sagen, eine Person klickt da einmal komplett durch, das ist der sogenannte Admin, hat auch mehr Rechte in der Software als das andere zum Beispiel tun, sieht auch die einzelnen Bereiche und die Person ist da wirklich fit und hat da auch Lust drauf.

Götz Müller: Jetzt könnte ich mir vorstellen, zumindest geht es mir so und da bin ich mal ganz eigennützig, der Name Werkules hört sich ja spannend an, ich meine, da kann man vielleicht Herkules raushören und ich bin insofern ganz neugierig, wie kommt man auf so eine Idee oder wie ist der Name entstanden und ein Stück weit aber auch, was unterscheidet Werkules von anderen Digitalisierungsansätzen?

Alexander Fritsch: Ja, also Werkules ist, damals noch nicht unter dem Namen Werkules, ist vor einigen Jahren, circa fünf, in der Praxis entstanden. Ich habe es schon eingangs erwähnt, in Hessens größtem Fliesenlegerbetrieb, und da war es einfach so, dass der Umsatz so stark gewachsen ist, aber die Profitabilität nicht hinterherkam, dass, ja, einfach mehr Kontrolle und Übersicht notwendig war und dann ist halt Stück für Stück so mit den einzelnen Funktionen diese Software daraus standen. Und dann kamen die Nachunternehmer auf meinem Mitgründer, den Mario, oder einen meiner beiden Mitgründer, den Mario, zu und haben gesagt „Wir möchten das Ganze auch mal bei uns testen und bei uns einführen.“ und dann haben wir gesagt, wir bringen das Ganze auf den Markt. Das war dann auch circa die Zeit, wo ich dann dazu kam, und dann kam auch erst der Markenname Werkules dazu, der dann, ja, auch unter ein paar Bierchen entstanden ist und, genau, diese Verknüpfung zwischen Werk, Handwerk, wirklich hartem, bodenständigen, ehrlichen Arbeiten, aber auch Herkules, diesem Heroischen, so wie wir es hier im Büro an der Wand stehen haben „Software für Götter“, wirklich mit dem ein Unternehmer den Olymp erklimmen kann und das ist das, was die Marke ausdrücken soll. Daher kommen wir und das ist unsere DNA.

Götz Müller: Ja, finde ich einen spannenden Gedanken und auch einen guten Abschluss jetzt, Herr Fritsch, ich danke Ihnen für Ihre Zeit, für die sehr spannenden Einblicke, da ich selber, in Anführungszeichen, aus einer Handwerksbranche ursprünglich herkommen und auch einiges an Kunden dort hatte, ist das immer interessant, auch andere Impulse da mitzunehmen, deshalb nochmal vielen Dank.

Alexander Fritsch: Vielen dank Ihnen für die Einladung und hat eine Menge Spaß gemacht.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Alexander Fritsch zum Thema Lean und Digitalisierung auf der Baustelle. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 302.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei iTunes. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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