KVP – eine Frage der Mehrdeutigkeit

Mehrdeutigkeit

Mit dem Begriff „Mehrdeutigkeit“ beziehe ich mich auf mögliche Lösungen für Problemstellungen, die im KVP (aber auch sonst) bearbeitet werden. Die Mehrdeutigkeit ist in meinen Augen durch die Komplexität gegeben, die typischerweise den System zugrundeliegt.

Die Frage ist dann also, wie mit dieser Mehrdeutigkeit umgegangen werden soll. Sie entsteht im Grunde schon zu Beginn des Problemlösungsprozesses, wenn es darum geht, zuerst einmal die Problemstellung wirklich zu erfassen. Probleme in komplexen Systemen haben ebenso typischerweise nicht nur eine Ursache. Bzw. man kann nie wirklich sicher sein, dass es nur eine Ursache gibt. Daraus leitet sich dann die Frage ab, wann die Ursachensuche wirklich bzw. sinnvollerweise enden sollte, um anschließend mit der Lösungsfindung zu beginnen.

Die 5xWarum-Fragetechnik kann dabei ein Ausgangspunkt sein, ebenso wie ein Ishikawa-Diagramm (Ursache-Wirkungsdiagramm). Anhand seines Alters lässt sich auch erkennen, dass komplexe Systeme an sich keine besonders neuen Phänomene sind, sondern schon vor Jahrzehnten aufgetreten sind.

Dass es heutzutage möglicherweise mehr komplexe Systeme solche mit gesteigerter Komplexität und entsprechend damit verknüpfte Fragestellungen gibt, hat in meinen Augen nichts mit der Wirksamkeit der bekannten Hilfsmittel und Methoden zu tun. Viel wichtiger ist es, sich der Komplexität und damit der Mehrdeutigkeit bewusst zu sein, damit bewusst umzugehen und nicht in die Falle vermeintlich einfacher Lösungen zu treten.

Gleichzeitig darf aber die Möglichkeit der Mehrdeutigkeit kein Grund sein, entweder in eine Analyse-Paralyse seitens der Ursachensuche oder einer fortlaufenden Suche nach der perfekten und ultimativen Lösung zu verfallen, aber keine Entscheidungen zu treffen (was so oder so nicht möglich ist) und erste Lösungsschritte zu gehen.

Dieser Aspekt kommt auch in der Toyota-Kata mit den Fragen der Coaching-Kata zum Ausdruck, bei denen immer wieder Reflexionsfragen gestellt werden, um sich der Lerneffekte bewusst zu werden und dann von dort aus, ggf. die Ausrichtung den geänderten Verhältnissen anzupassen.

„Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“

– Sokrates

Mit der Mehrdeutigkeit sind auch die Punkte Perfektionismus und Standardisierung eng verbunden und gleichzeitig keine Ausrede dafür, das eine oder andere im einen Extrem zu übertreiben oder auf der anderen Seite ganz zu lassen.

Das Streben nach Perfektion darf nie aufgegeben werden, ebenso wie die Standardisierung nicht laufend zu verfolgen. Gleichzeitig darf speziell die Standardisierung keine Begründung sein, für immer an einem Zustand festzuhalten und diesen nicht mehr anzufassen.

Das Bewusstsein für die Komplexität in vielen System ist dabei der Ausgangspunkt, Veränderungen immer wieder anzugehen. Aber nicht um der Veränderung willen, sondern im Bewusstsein, dass nichts perfekt sein kann und kein Standard für alle Zeit zementiert ist.

Auf Seiten möglicher Lösungen ist die Pugh Concept Selection ein wertvolles Hilfsmittel zur Auswahl einer besten bzw. best bekannten Lösung, die gleichzeitig von den vermeintlich verworfenen Lösungen noch etwas gutes übernehmen kann und dadurch auch die Personen in die Lösungsfindung integriert, die hinter den Verlierer-Lösungen stehen.

Dadurch wird auch die achte Verschwendungsart des nicht genutzten Mitarbeiterpotenzial vermieden bzw. dessen Auftretenswahrscheinlichkeit reduziert. Auch hier sollte man davon ausgehen, dass diese Verschwendungsart nie völlig vermieden werden kann. Damit kann auch aus diesem Aspekt neuer Antrieb entstehen.

Der wichtigste Punkt der Mehrdeutigkeit ist also, sich der Möglichkeit bewusst zu sein und daraus geeignete Schlussfolgerungen zu ziehen und auch diese kontinuierlich weiter zu hinterfragen, ohne deshalb in eine Form der Starre zu verfallen.

Wenn Sie bisher mit Mehrdeutigkeiten zu „kämpfen“ hatten, kann ein extern moderierter Workshop neue Gesichtspunkte schaffen. Kommen Sie gerne auf mich zu, wenn Sie dabei Unterstützung benötigen. Mit den vielfältigen Lösungsansätzen im Rahmen des Kaizen2go Lean System Baukasten und der Kaizen2go Pakete stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Frage: Welche Mehrdeutigkeiten sind Ihnen bisher im KVP begegnet? Wie sind Sie damit umgegangen? Wo sind durch Mehrdeutigkeiten Einschränkungen entstanden?

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