KVP – eine Frage der Säge

KVP – eine Frage der Säge: die zu schärfen ist, jeder MA ist ein Zahn, wenn einer auswählt, geht die Wirkung insgesamt zurück

Säge

Möglicherweise kennen Sie die Aussage von Abraham Lincoln zur Wichtigkeit des Sägeschärfens. Es handelt sich dabei auch um den siebten Weg bzw. die siebte Gewohnheit hoch effektiver Menschen, wie das von Stephen R. Covey in seinem Buch „Die sieben Wege zur Effektivität“ vorgestellt wurde.

Über den großen Nutzen dieser Vorgehensweise muss man, glaube ich, nicht mehr diskutieren. In diesem Artikel will ich auf einen Aspekt des Sägeschärfens eingehen, wie ich ihn kürzlich auf einer Lean-Tagung gehört habe. Außerdem möchte ich noch eine Ergänzung bzw. Erkenntnis anfügen, die mir erst bei der Suche nach dem Zitat klargeworden ist.

Wenn man über die Säge spricht, meint man in der Regel das Werkzeug. In besagtem Vortrag ist der Redner noch einen Schritt weitergegangen und hat die Säge metaphorisch mit den Mitarbeitern gleichgesetzt. Er hat dabei betont, dass es auch bei einer Säge auf jeden einzelnen Sägezahn ankommt. Wenn nur ein Zahn seine Wirkung nicht erbringt oder erbringen kann, leidet letztendlich die Gesamtleistung der Säge. Anfänglich vielleicht nur unmerklich, später aber immer stärken. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass dann die anderen Zähne die Leistung des schwächeren oder ausgefallenen Zahns übernehmen müssen. Zu Beginn die direkt angrenzenden Zähne, später auch die weiter entfernten, bis es zum Schluss zum Stocken kommt und die Sägeleistung insgesamt zusammenbricht und ausfällt.

Deshalb ist es wichtig, sich um den einzelnen Zahn zu kümmern, selbst wenn es sich vermeintlich um das sprichwörtlich kleine Rad im Getriebe handelt. Dies betrifft sowohl das Wohlbefinden, als auch die Fähigkeiten des Zahns, die es gilt ggf. nachzuschärfen, wie ich das im Artikel über die Trainingsverantwortung als Teil der Führungsaufgabe dargestellt hatte.

„Wenn ich acht Stunden Zeit hätte, einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Säge schärfen.“

– Abraham Lincoln

Die eingangs erwähnte Erkenntnis betrifft den Zeitraum des Sägeschärfens. Da ich die exakte Formulierung von Abraham Lincoln nicht kenn, beziehe ich mich dabei auf die übliche Wiedergabe des Zitats, wie ich es auch im Kasten übernommen habe.

Dort steht nichts davon, dass das Sägeschärfen in den ersten sechs Stunden stattfinden soll und erst in der siebten und achten Stunde mit dem Baumfällen begonnen wird. In meinen Augen kann man davon ausgehen, dass Abraham Lincoln das Sägeschärfen über die gesamten achten Stunden gleichmäßig verteilt wissen wollte.

Zu Beginn ist es vielleicht sogar „nur“ eine Überprüfung der einzelnen Zähne, ob jeder der kommenden Arbeit gewachsen ist und die notwendigen Fähigkeiten vorhanden sind. Dabei muss man sich auch bewusst sein, wo die größten Belastungen bei der Säge bzw. wo der stärkste Teil der Wertschöpfung stattfindet. Bei der Säge sind das die Zähne in der Mitte, die am meisten belastet werden.

Gleichzeitig kommt der Sägeprozess immer dann ins Stocken, wenn die Bewegungsrichtung umgekehrt wird, also bei den äußeren Zähnen. Eventuell kann es sogar wichtig sein, diese Zähne besonders zu betrachten und auch hier nicht die gleichen Maßstäbe anzusetzen wie bei den Zähnen in der Mitte. Ähnlich wie das im Training Within Industry in den Job Relations durch die Individualität der Menschen zum Ausdruck kommt. Diese Individualität ist also nicht nur für den einzelnen Kunden relevant, sondern auch für den einzelnen Mitarbeiter.

Wie schon oben erwähnt, gehe ich davon aus, dass das Sägeschärfen nicht im Block zu Beginn auftritt, sondern laufend die Leistung der Zähne im Sägeprozess betrachtet wird und ggf. nachgeschärft wird. Aus diesem Gedanken lassen sich bspw. auch die regelmäßigen Layered Process Audits ableiten. Auch dabei steht der unterstützende Charakter der Vorgehensweise im Vordergrund, nicht die reine Kontrolle.

Frage: Wie wird in Ihrem Unternehmen die Säge geschärft? Wie werden dabei die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Mitarbeiters berücksichtigt und gleichzeitig der Bezug zu den Prozessen im Unternehmen sichergestellt?

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