KVP – eine Frage von Push vs. Pull

Push vs. Pull

Zu diesem Beitrag hat mich der Artikel „Push vs. Pull“ von Tony Robbins inspiriert (der Begriff „Pull“ sollte im Lean-Umfeld wohl immer Assoziationen auslösen ;-) Dabei steht „Push“ für die Motivation durch eine Notwendigkeit und „Pull“ für die Motivation durch eine Möglichkeit. Die beiden Begriffe stehen für das Meta-Programm der Möglichkeit-Notwendigkeit.

Tony Robbins nennt dann in seinen Artikel verschiedene Situationen, in denen dieses Meta-Programm mit seinen beiden Polen relevant ist (klassische Motivationsaspekte, optimaler Einsatz von Mitarbeitern auf verschiedenen Arbeitsplätzen, Verhalten bzw. Motivation von Kindern).

Im Grunde lassen sich vergleichbare Gesichtspunkte auch auf die handelnden Personen im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess und anderer Themen aus dem weiten Feld des Lean Managements anwenden bzw. diesen beiden Ausprägungen zuordnen. Gleichzeitig kann es dann nützlich sein, sich über die Mechanismen inner halb des KVP bewusst zu sein, mit den Erfordernissen der Kunden abzugleichen und auch die besagten involvierten Menschen zu berücksichtigen.

Die sieben (plus zwei) Verschwendungsarten beispielsweise sind in meinen Augen klare Aspekte einer Push-Ausprägung, nämlich der Notwendigkeit diese in den Prozessen zu erkennen und zu reduzieren. Gleichzeitig sollte einem aber auch bewusst sein, dass sich daraus Limitierungen ergeben können. Bei den Verschwendungsarten bspw. kommt es leicht zum Stillstand der Verbesserungen, wenn ein gewisses Reduktionsniveau der Verschwendungen erreicht ist, weil (vermeintlich) kein weiteres Reduktionspotenzial mehr erkennbar zu sein scheint.

Ähnliches gilt für den Einsatz der 5S-Methodik, die mit den Teilen der Verschwendungsarten eng verzahnt ist. Über den Routine-Anteil der 5S-Methode hinaus (der aber selbst auch Push-orientiert ist), orientiert sie sich am Aussortieren, Aufräumen usw. also an einem äußerlich erkennbaren Zustand, der immer ein Indiz für den Bezug zu einer Notwendigkeit ist.

„Manche Menschen sehen Dinge, wie sie sind, und fragen: ’Warum?‘ Ich wage, von Dingen zu träumen, die es niemals gab, und frage: ’Warum nicht?‘“

– Robert Browning

Eine zentrale Repräsentation der Pull-Ausprägung, also einer Motivation durch Möglichkeiten ist das Modell der Toyota-Kata, zumindest im Element der Verbesserungs-Kata.

Dort wird auf die Vision („True North“) verwiesen, aus der sich die nächsten Ziel-Zustände ableiten. Die Vision und ebenso das wichtige Element eines guten Ziel-Zustands, nämlich des unbekannten Wegs dorthin, ist in meinen Augen ein klares Indiz für eine Pull-Motivation. Daher werden sich die Personen beim Suchen und Begehen dieses Wegs umso leichter tun, je mehr sie durch Möglichkeiten bzw. der Suche nach (neuen) Möglichkeiten motiviert werden.

Im Vergleich zur Verbesserungs-Kata erscheint mir die Coaching-Kata in ihrer Anwendung an sich stärker push-orientiert, indem hier immer wieder die fünf Fragen gestellt werden. Wenn man sich dann jedoch die einzelnen Fragen betrachtet, tritt wieder stärker eine Pull-Orientierung in den Vordergrund.

Die erste Frage bezieht sich auf den oben erwähnten Ziel-Zustand und auch die dritte Frage nach möglichen Hindernissen verweist auf mehr auf Möglichkeiten. Andererseits ist die Frage nach dem „einen“ Hindernis, um das man sich als nächstes kümmert, wieder enger an einer Notwendigkeit (einer vorhandenen „Sache“) orientiert.

Auch die vierte und fünfte Frage nach dem nächsten Schritt und dem resultierenden Lerneffekt öffnet die Motivation durch Möglichkeiten.

Auch wenn die Gedanken jetzt vielleicht sehr theoretisch erscheinen, glaube ich doch, dass ein bewusster Umgang damit hilfreich sein kann, speziell wenn diese Überlegungen dann mit der Realität und dem erkennbaren Verhalten der Menschen abgeglichen werden, um dieses besser einschätzen zu können und dann letztlich das eigene (Kommunikations-)verhalten darauf abzustimmen, weil wir letztlich nur darauf den ultimativen Einfluss haben – auch wenn das nicht notwendigerweise leicht ist, aber umso leichter fällt, desto bewusster wird damit umgehen (können).

Frage: Welche Handlungsmotivationen der Menschen nehmen Sie im KVP wahr? Wie können Sie damit bewusst umgehen? Welche Möglichkeiten können sich daraus ergeben?

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