KVP – eine Frage der Verwöhnung?

Verwöhnung

Vor kurzem habe ich in LinkedIn einen Artikel zu Thema Verwöhnung in Organisationen gelesen. Er hat mich zur Reflexion und zu diesem Titel angeregt.

Der Grundgedanke des Autors, der dabei auch auf Aussagen von Peter Sloterdijk zurückgreift, ist, dass Menschen und sogar gesamte Unternehmen der Verwöhnung anheimfallen können.

Wie schon an anderer Stelle habe ich mir bei Lesen ein paar Gedanken gemacht, in wie weit die Überlegungen des Autors auch auf den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess übertragbar sind bzw. welche Querbeziehung sich zum KVP ergeben.

Zum Grundverständnis des Verwöhnungsaspekts sei hier nur kurz wiedergegeben, dass der Autor die Verwöhnung mit dem Verbleib und der Einrichtung in der Komfortzone gleichzeitig.

Der Artikel enthält zwar einige Erklärungsansätze und deutet Wege an, wie der Verwöhnung in Unternehmen begegnet werden kann. Im Sinne nachhaltiger Verbesserung(sansätze) konnte ich jedoch kaum eine Analyse der eigentlichen Ursachen erkennen. Der Autor geht nach meinem Verständnis davon aus, dass es früher oder später einfach zur Verwöhnung kommen muss und macht sich von diesem Standpunkt aus Gedanken, wie die Verwöhnung dann „bekämpft“ werden kann bzw. muss.

Vor dem Hintergrund und mit dem Grundverständnis des KVP ist in meinen Augen aber der passendere Ansatz, sich Gedanken über die Ursachen der Verwöhnung zu machen und das „Problem“ dann an der Wurzel zu beheben, das heißt von vorneherein zu verhindern, dass es dazu einer Verwöhnung kommt, um dann auch keine Notwendigkeit zu haben, die Verwöhnung wieder zu beseitigen.

Was mir in diesem Zusammenhang in den Artikel völlig fehlt, ist die Frage nach dem Sinn und Zweck von Unternehmen. Stellt man sich nämlich dieser Frage als einer zentralen Führungsaufgabe in Unternehmen, wird es in der Folge auch unnötig, die Verwöhnung zu bekämpfen, weil sie gar nicht auftritt.

„Von Jugend auf verwöhnt durchs Glück und seine Gaben, hat man, so viel man braucht, und glaubt, noch nichts zu haben.“

– Johann Wolfgang von Goethe

Ein Ursache – wenn nicht sogar die ultimative Ursache der Verwöhnung – ist die Hinwendung in einem Unternehmen nach innen – sei es durch eine falsch verstandene Gewinn- oder Umsatzmaximierungsabsicht oder die Absicht Arbeitsplätze zu schaffen und/oder zu sichern. Beide kann in meinen Augen nie der Zweck eines Unternehmens sein, weil mir als Kunde dabei der völlige Bezug zum Gegenwert zu meiner Bezahlung fehlt. Gewinn, zugrundeliegenden Umsatz und sichere Arbeitsplätze sind nur eine Folge der Nutzenstiftung für die Kunden und dessen kontinuierlicher Verbesserung, auch im Sinn der Stiftung neuen Nutzens (in Form von innovativen Produkten oder Dienstleistungen)

Mit diesem Verständnis des Zwecks eines Unternehmens, der die gesamte Belegschaft des Unternehmens durchdringt, kann es in meinen Augen nie zu einer Verwöhnung bzgl. des Status Quo der Leistungserbringung oder des Leistungsspektrums kommen und dem zur Folge auch zu keiner Einrichtung in einer wie auch immer gearteten Komfortzone.

Am Ende des Artikels verweist der Autor auf die kleinen Herausforderungen des Alltags als Ausweg aus der Komfortzone und der Verwöhnung, bleibt aber praktische Hinweise bzw. Wegweiser für die beteiligten Menschen (Führungskräfte und Mitarbeiter) schuldig, sondern nennt als den Zweck des Menschen, die Welt zu verwöhnen (statt sich selbst) und gibt den Bezug zu den Unternehmen wieder auf, den er zu Beginn seines Artikels erst eröffnet hatte.

Deshalb will ich zum Abschluss den Versuch wagen und von den einzelnen Unternehmen den Fokus zu weiten und den – oder zumindest einen – Zweck des Menschen und im Grunde jedes Lebenwesen nach Erhalt seiner Art in den Mittelpunkt zu stellen.

Daraus sollte sich genügend Antrieb ergeben, der Verwöhnung zu begegnen und sich kontinuierlich am Rande der Komfortzone zu bewegen – zumal wenn man die vielfältigen Herausforderung unserer Zeit betrachtet. Die Vermittlung des Verständnisses dafür ist in meinen Augen auch eine zentrale Führungsaufgabe, auch in der Selbstführung.

Trotz der angedeuteten Kritik an dem Artikel halte ich ihn jedoch für sehr wertvoll in seinen Grundüberlegungen, weil er letztlich den Horizont zu weiteren Überlegungen geöffnet hat.

Frage: Welche Verwöhnung tritt in Ihrem Unternehmen auf? Welche Folgen ergeben sich draus? Wie kann mit Hilfe des KVP der Verwöhnung begegnet werden?

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