KVP – keine Frage des Witzes

Witz

Vor kurzem habe ich etwas über den besten Golfer-Witz gehört. Vermutlich gehört er auch zu den kürzesten, weil er nur 2,5 Worte lange ist. Ein befreundeter Golfer hat ihn in einer leichten Variation mit 3,5 Worten bestätigt. Dabei hatte ich gleich ein Deja-vu im Bezug zu Lean & Co.

„Ich kann's“ bzw. „Ich hab's kapiert“.

Die Lean-Variante kann da durchaus mithalten – bei der Länge und beim Witz an sich, in der persönlichen Variante ist der Witz sogar noch ein Buchstabe kürzer (was auch sonst ;-)

„Ich bin's“

Was steckt dahinter, sowohl beim Golf als auch bei Lean?

In beiden Fällen handelt es sich nicht um einen Endzustand bzw. eine Fähigkeit, den man irgendwann erreichen kann oder die man irgendwann so vollständig beherrscht, dass keine Weiterentwicklung mehr möglich ist. In beiden Fällen kann man in meinen Augen sogar so weit gehen, dass man sagen kann, dass schon der Gedanken daran, dass man diesen Endzustand erreicht hat, der Anfang vom Ende jeder Weiterentwicklung ist und dass es von dort aus nur noch bergab bzw. rückwärts gehen kann.

Ich bin zwar kein Golfspieler, aber mit dem Thema Lean beschäftige ich mich jetzt schon zwanzig Jahre. In dieser Zeit habe ich sicherlich einiges an Wissen und Erfahrung gesammelt. Und trotzdem lerne ich ständig noch dazu, weil sich das Thema selbst weiterentwickelt. Aber auch im Umgang mit den beteiligten, betroffenen und interessierten Menschen ist es nicht so, dass man einen ultimativen Endzustand erreichen kann. Mit jedem Individuum treten neue Aspekte zutage, die wiederum auf das Unternehmenssystem einwirken.

„Was man ernst meint, sagt man besten im Spaß.“

– Wilhelm Busch

Schon der menschliche Faktor alleine führt meiner Meinung nach die Taylorisch-mechanistische Sicht auf ein Unternehmen und dessen Prozesse ad absurdum. Dabei haben wir die externen Einflüsse des Marktes mit Kunden und Wettbewerbern sowie andere Einflussfaktoren (Lieferanten, Politik, Umwelt, …) noch gar nicht berücksichtigt.

Diese beschränkte Sichtweise führt konsequenterweise auch zu einer Beschränkung des Lösungsraums für bestehende Probleme oder sogar zur Negation derselben nach dem Motto „was nicht sein darf, das nicht sein kann“. Auch hier unterbleibt dann jeder Entwicklungsspielraum und dem zur Folge die Problemlösung.

Auch die in aller Munde befindliche Digitalisierung birgt in meinen Augen eine ähnlich große Gefahr, weil auch ihr ein mechanistisches Unternehmensmodell zugrundeliegt und oft von einem Glauben an ultimativ beherrschbare Algorithmen ausgeht.

Das soll jedoch nicht heißen, dass die Digitalisierung an sich nicht funktionieren kann. Ich plädiere allerdings ganz stark dafür, sich der Grenzen bewusst zu sein und die Digitalisierung nicht als das ultimative Allheilmittel zu betrachten und dadurch andere Einflussfaktoren auszuschließen.

Allen Ansätzen liegt der verständliche Wunsch nach Generalisierung eines Lösungsansatzes zugrunde, der aber so nicht erfüllbar ist und wenn er trotzdem verfolgt wird, selbst die größte Hürde und Gefahr für die Problemlösung und Weiterentwicklung darstellt.

Da Unternehmen und der Kontext, in dem sie wirken, komplexe Systeme sind, können Lösungsansätze, die von einem Endpunkt des Lösungsprozesses ausgehen, meiner Meinung nach selbst keine dauerhafte und abschließende Lösung darstellen. Jeder Versuch und Glaube diesen Endpunkt zu erreichen, ist daher von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Frage: Welcher Entwicklungsgedanke herrscht in Ihrem Unternehmen vor? Welchen Folgen ergeben sich daraus? Was könnte ein anderer Ansatz sein?

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