Was Lean mit Heiraten zu tun haben könnte

Heiraten

Heut' geht's weiter mit meiner kleinen, unregelmäßigen Serie metaphorischer Artikel. Sie können sich ja mal überlegen, um was es dieses Mal gehen könnte. Hier sind ein paar Hinweise. Es geht um Delegation und Verantwortung und die Personen, die damit in Spiel kommen bzw. damit zu tun haben.

Wenn es also ums Heiraten geht, dürfte es ziemlich naheliegend sein, dass das Hochzeits- und spätere Ehepaar dabei eine gewisse Rolle spielt. Beim einer Hochzeit bzw. dem Heiraten (durch die Prozessbrille betrachtet ;-) gibt es aber noch weitere Beteiligte, die zumindest temporär eine gewisse Rolle spielen.

In dieser Zeit tragen diese Personen für eine bestimmte Rolle auch Verantwortung, die ihnen entweder vom Hochzeitspaar oder von dritten delegiert wurde.

Ich denke dabei an den Standesbeamten, der die Eheschließung vollzieht und beurkundet (von Amts wegen). Mit ähnlichen Aufgaben sind Pfarrer oder Hochzeitsredner beauftragt (vom Hochzeitspaar). Mit der Vorbereitung und dem Ablauf einer Hochzeitsfeier kann ein Hochzeitsplaner beauftragt werden.

All diesen Rollen ist gemeinsam, dass die betreffenden Personen für einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Verantwortung tragen. Sie tragen jedoch keine Verantwortung, ob die Ehe an sich gelingt. Selbst bei einer ggf. notwendigen Eheberatung beschränkt sich die Verantwortung einer beratenden Person auf den Beratungsprozess, jedoch nicht für die inhaltliche Gestaltung. In allen Fällen kann diese Verantwortung auch nicht delegiert werden, d.h. für das Gelingen einer Ehe kann außer dem Ehepaar niemand die Verantwortung übernehmen und sie kann auch nicht delegiert werden.

Wo ist nun der metaphorische Bezug zwischen dem Thema Heiraten/Hochzeit und Lean & Co.?

„Von weitem sieht eine Ehe außerordentlich einfach aus.“

– Hans Fallada

Die Gemeinsamkeit ist in meinen Augen in der Rolle eines Beraters begründet. Dabei ist auch grundsätzlich irrelevant, ob es sich um einen externen Berater handelt oder eine vergleichbare Rolle unternehmensintern ausgefüllt wird.

Es ist ebenso egal, ob es sich nur um einen kleinen Rahmen handelt, bspw. in Form eines Rüst-Workshops, einer Muda-Safari, umfangreichere Aktivitäten bei der Umgestaltung eines Wertstroms oder einer umfassenden Lean-Einführung und -Transformation. Die genannte externe oder interne Beratungsrolle trägt dabei die Verantwortung für den Prozess aber nicht für die inhaltliche Mitwirkung durch Beiträge der Beteiligten (im übertragenen Sinn minimal das Ja-Wort) und letztlich den Erfolg des Vorhabens.

Im Fall der Eheschließung sind sich die beteiligten Personen dieser Abgrenzung durchaus bewusst. Je nach Persönlichkeit und Rollenverständnis des Standesbeamten/Pfarrers/… drückt sich das ggf. auch in mehr oder weniger mahnenden oder zumindest freundlichen hinweisenden Worten aus.

Im Fall von Lean-Themen habe ich allerdings immer wieder mal den Eindruck, dass seitens der Auftraggeber eher eine Einstellung der Volldelegation vorherrscht und am liebsten die Gesamtverantwortung auf den „externen“ Berater abgewälzt und die eigene Beteiligung auf ein Minimum reduziert wird.

Da dessen Beteiligungen jedoch zeitlich immer beschränkt sein wird, kann dieses Ansinnen damit auch in der Natur der Sache begründet nur eingeschränkt von Erfolg gekrönt sein. Spätestens wenn die Trauzeremonie oder die Hochzeitfeier beendet ist und der graue Alltag einkehrt, ist die Organisation, ähm das Ehepaar, auf sich selbst gestellt und alleine für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich.

In meinen Augen kann das nur gelingen, wenn diese Verantwortung angenommen und gemeinsam daran gearbeitet wird. Im Lean-Kontext bedeutet das, dass jede Führungskraft kontinuierlich die Verbesserung der Prozesse in ihrem Verantwortungsbereich fördert, beispielsweise indem sie die richtigen Fragen stellt, damit alle Beteiligten zur Mitwirkung anregt und auf diesem Weg die Verantwortung für die Beteiligung auf möglichst viele Schultern verteilt, ohne dass die Beteiligung beliebig wird.

Frage: Welche Parallelen zwischen Heiraten und Lean kommen Ihnen in den Sinn? Wie nehmen Sie Ihre Verantwortung dabei wahr? Welche Ergebnisse erzielen Sie damit?

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