Wie Lean von Sucht befreien kann

Sucht

Wenn ich in diesem Artikel von Sucht spreche, geht es nicht um Süchte im herkömmlichen Sinn, also Drogen o.ä. Wobei möglicherweise ähnliche Effekte zugrundeliegen, nämlich der körperlichen Abhängigkeit von bestimmten Stoffen. Um aber eins vorwegzuschicken: Man möge mir bitte eine sicherlich laienhafte Sicht auf die Dinge nachsehen. Es geht mir um einen Denkanstoß, nicht eine wissenschaftliche Ausarbeitung, die den entsprechenden Kriterien gerecht wird.

Mit einer klassischen Sucht gibt es in meinem Beispiel neben der Abhängigkeit noch die Gemeinsamkeit der Entzugserscheinungen, die dann auftreten können, wenn Lean zum Einsatz kommt. Lean ist also hier kein Ersatzstoff, der diese Entzugserscheinungen vermeidet. Der Einsatz von Lean führt eher zu einer Form des kalten Entzugs.

Gleichzeitig kann Lean aber trotzdem einen gewissen Ersatz bieten. Typischerweise passiert dieser Ersatz aber nicht unbewusst oder automatisch. In meinen Augen muss es eine gewisse Form der Begleitung in Form von Aufmerksamkeits- und Bewusstseinslenkung geben, mindestens auf einer kommunikativen Ebene, idealerweise parallel ergänzt bzw. angeregt durch bestimmte Handlungs- und Denkprozesse.

Vor der Sucht betroffen sind in vielen Fällen Führungskräfte, selten hab' ich diese Effekte auch bei Mitarbeitern beobachtet. Bei diesen geht die Suchtgefahr oft mit Führungsambitionen einher. Wenn eine Führungskraft einmal von der Sucht befallen ist, steigert sich die Abhängigkeit oft auch im Lauf der Führungslaufbahn, d.h. mit dem Aufstieg in der Hierarchie findet auch eine Steigerung der Sucht statt.

Hab' ich Sie jetzt bis hierhin genug auf die Folter gespannt? Bei der Sucht, von der ich hier spreche, geht es um Feuerwehraktionen im Verantwortungsbereich der betroffenen Person. Diese sprichwörtlichen Feuerwehraktionen verursachen dann den Ausstoß von Adrenalin, was möglicherweise suchtverstärkend wirkt. – Bitte beachten Sie auch hier meinen eingangs erwähnten Vorbehalt.

Diese Feuerwehraktionen können dabei völlig unterschiedliche Ausprägungen haben, in völlig unterschiedlichen Bereichen (eines Unternehmens) und auf völlig unterschiedlichen Hierarchieebenen auftreten.

Die Ergebnisse sind allerdings immer wieder die gleichen (vorausgesetzt, dass Feuer konnte gelöscht werden): Lob durch den Vorgesetzten, wertschätzende Rückmeldungen von Kollegen, Erleichterung bei den Mitarbeiter, um ein paar der durchaus positiven Effekte zu nennen. Eine Steigerung der Effekte kann dabei auch in Form eines hierarchischen Aufstiegs eintreten.

„Das gefährlichste aller Rauschgifte ist der Erfolg.“

– Billy Graham

Zweifellos haben Sie an dieser Stelle schon die selbstverstärkenden Effekte wahrgenommen. Selbst ohne den Effekt des Adrenalins, wer will denn nicht gelobt werden, wem sind – von Ausnahmen abgesehen – die genannten positiven, indirekten Begleiterscheinungen der gelöschten Feuer lästig oder nicht willkommen.

In vielen Fällen gelingt es jedoch mit den Feuerwehraktionen nicht, die zugrundeliegenden eigentlichen Feuerursachen zu beseitigen oder zumindest im sprichwörtlichen Sinn Feuermelder zu installieren, um Probleme rechtzeitig zu entdecken und im Keim zu ersticken, statt die dann lodernden Feuer durch Großeinsätze löschen zu müssen.

Auf den Lean-Kontext übertragen bedeutet das, bei den beteiligten Personen das richtige Bewusstsein für die Ursachen zu schaffen und entsprechende Kompetenzen aufzubauen, entweder diese Ursachen direkt und dauerhaft zu beseitigen oder zumindest die ersten Rauchfähnchen wahrzunehmen und im kleinen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um dann später entspannte Vorbeugung zu betreiben.

Natürlich sind dann keine spektakulären Rettungsmaßnahmen mehr notwendig und entsprechende Heldentaten werden auch nicht mehr belohnt.

Das Mittel der Wahl, um diese Effekte zu erzielen, sind geeignete Visualisierungen (ausgerichtet an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort) und die regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit (bspw. mittels Layered Process Audits), nicht um die Menschen zu kontrollieren, sondern um einen Prozesskontext zu schaffen, in dem die Menschen nicht daran gehindert werden, eine ordentliche Arbeit abzuliefern und damit ihrem natürlichen Streben danach nachkommen können.

Die Vorgesetzten der modernen Helden sind dabei gefordert, deren Taten weg von den Feuerwehraktionen hin zur sprichwörtlichen Installation von Feuermeldern zu leiten und dabei diese Initiativen mindestens im gleichen Maß wertzuschätzen. Dies kann auch bedeuten, dass die Führungskräfte neue Kompetenzen erwerben müssen, deren unspektakulärer Einsatz aber ebenso belohnt werden kann.

Die drei Säulen des Training Within Industry fördern genau Fähigkeiten, speziell bei den Führungskräften der untersten Ebene. Um die volle Wirkungskraft der Methoden ausspielen zu können, ist auch ein verändertes Bewusstsein bei den Führungskräften dieser Führungskräfte bis hin zur Geschäftsleitung notwendig.

Im Sinn der Überschrift dieses Artikels kann Lean und seine Elemente schon ein Form eines Ersatzstoffes für die beschriebenen Süchte sein, muss jedoch auch deshalb auf der kommunikativen Ebene geeignet begleitet werden.

Wenn Sie wissen möchten, wie die Elemente des Training Within Industry von der beschriebenen Sucht befreien kann, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an.

Frage: Welche “Sucht”-Faktoren nehmen Sie in Ihrem Verantwortungsbereich wahr? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Wie wollen Sie damit umgehen?

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