Welche Lernerfahrungen kann man im Lean Kontext machen

Lernerfahrungen

Lernen und Lernerfahrungen im Lean Kontext bezieht sich in meinen Gedanken hier auf zwei Bereiche. Einmal die Anwendung von Lean Management oder im Lean Management selbst. Die beiden Bereich haben auch nicht unerhebliche Wechselwirkungen und beeinflussen sich gegenseitig. Ich sehe hier trotzdem gewisse Unterschiede, weil die Lern-Auslöser unterschiedlich sind und die Lerneffekte auch unterschiedliche Aspekte betreffen.

Beide Lernbereiche lassen sich mit dem Lernen von Fremdsprachen vergleichen. Dort sehe ich auch mindestens zwei, je nach Fokus sogar drei Bereiche. Erstens ist es notwendig, den Wortschatz einer Fremdsprache zu lernen. Der zweite Bereich ist die Syntax und Grammatik der Fremdsprache. Und dann lässt sich die Sprache noch theoretisch durch die Brille des Sprachwissenschaftlers betrachten, der auch den Vergleich, Zusammenhänge und Unterschiede zu anderen Sprachen betrachtet.

Eine weitere Brille, durch die sowohl das Erlernen der Sprache als auch Lean Management betrachtet werden kann, ist die Form des Lernens. Hier will ich in meinen Überlegungen zwischen Schule bzw. Sprachkurs auf der einen Seite und dem selbstgesteuerten Lernen differenzieren.

Lernen bei der Lean Anwendung

Wenn man wie ich sich schon seit über zwanzig Jahren mit Lean & Co. beschäftigt, besteht die Gefahr, dass man denkt, man hätte schon alles gesehen und erlebt.

Sicherlich sind die Unterschiede bei der Vorgehensweise in produzierenden Unternehmen oder Dienstleistungsunternehmen nicht so groß, wenn man mal verstanden hat, wie sich „Dinge“ abstrahieren lassen. Selbst die Unterschiede etwas größer sind, zähle ich aber auch Handwerksbetriebe oder das Gesundheitswesen hier mit dazu.

Die große Gemeinsamkeit ist, dass sich diese Organisationen im Grund doch entlang ihrer Leistungserbringung aufstellen, egal ob nun ein Auto produziert wird, eine Dienstleistung erbracht wird oder ein Menschen einen Gesundungsprozess durchläuft. Die große Gemeinsamkeit ist dabei, dass – zumindest auf einer Meta-Ebene – doch immer wieder ähnliche Abläufe stattfinden.

Im Vergleich zur Sprache handelt es sich um Grammatik und Satzbau, wo trotz aller Unterschiede im meinen Augen doch große Ähnlichkeiten vorhanden sind. Es geht um Subjekte, Objekte, Tätigkeiten, um besagten Satzbau, um Strukturen zu schaffen. Selbst wenn verschiedenen Sprachen doch ganz andere und unterschiedlich strenge Regeln haben, lassen sich die Elemente doch auf diese Strukturen zurückführen.

Und auch die Semantik, der Wortschatz, hat immer noch große Gemeinsamkeiten. Ein Baum bleibt ein Baum, egal ob ich ihn als solchen auf deutsch, englisch, griechisch oder italienisch bezeichne. Die unterschiedlichen Schriftzeichen spielen da nur eine untergeordnete Rolle.

So lässt sich eine Wertstromanalyse oder Kennzahlen-basierte Prozessanalyse in einem Produktions- unternehmen oder einem Dienstleistungsunternehmen einsetzen. Und trotzdem erweitert es den Erfahrungshorizont, wenn man mit einem „neuen“ Unternehmen eine neue Sprache kennen lernt.

Spannender werden die Lerneffekte, wenn man Workshops zu Arbeitsprozessen in einer Stadtverwaltung moderiert und dabei feststellt, dass dort nicht mal im Ansatz vergleichbare Abläufe existieren (wenn mal das Thema der regelmäßigen Abgaben u.ä. ausnimmt). Speziell gilt das im Umfeld der Bauverwaltung, bei der die Themen eher einen Projektcharakter haben, also die Einmaligkeit im einer zeitlich und räumlichen Abgegrenzheit im Vordergrund steht und mit durch die beteiligte Aufbauorganisation geprägt wird, diese aber nur in losem Zusammenhang mit den Inhalten steht.

„Der größte Feind des Wissens ist nicht Ignoranz, sondern die Illusion wissend zu sein.“

– Stephen Hawking

Auf den ersten Blick scheinen also die klassischen Sprachmittel wie Wortschatz und Grammatik zu versagen.

Dann ist es aber hilfreich, eben besagten Projektcharakter heranzuziehen und den trotz der immanenten Einmaligkeit vorhandenen Projektmanagementprozess einzusetzen.

Dann wird es auch plötzlich wieder möglich, Schnittstellen zu identifizieren und die damit einhergehenden Probleme anzugehen.

Ähnlich wie bei einer Vielzahl von bereitserlernten Fremdsprachen kann dann auch so ein Szenario nicht mehr schrecken und die Gemeinsamkeiten rücken wieder in den Vordergrund.

So weit also erstmal die Betrachtung der Lerneffekte durch die Anwendungs- und Einsatzbrille des Lean Managements.

Der zweite Bereich des Lernens im Lean Kontext bewegt sich im Umfeld des Profitierens von den Erfahrungen anderer. Dabei kann es teilweise natürlich auch um Anwendungsszenarien geht, kommt da aber einer starker Reflexionsanteil dazu, der typischerweise an den gemachten Erfahrungen dranhängt und sich mit diesen wechselseitig verstärkt.

Der Unterschied zu dem ersten Bereich besteht darin, dass die Lernerfahrungen hier gezielt gesucht werden (müssen), sei es durch die Auswahl der Medien (Literatur, Podcasts, Videos, Konferenzen, …), durch den expliziten Einsatz der Zeit, die dafür aufgebracht wird und ggf. noch damit verbundene Investitionen.

Auch bzgl. der Intensität der Lernerfahrung liegt hierbei eine größere Verantwortung beim Lernenden, was dann wiederum auch den Unterschied zu schulähnlichen Szenarien ausmacht, bei denen eine hohe Verantwortung für den Lernerfolg beim Lehrer liegt – gemäß der Job Instruction Philosophie aus dem Training Within Industry „Wenn der Schüler nicht gelernt hat, hat der Lehrer nicht gelehrt“ – von der grundsätzlich vorausgesetzten Lernbereitschaft mal abgesehen.

Den größten Unterschied des Lernens im Lean Management im Vergleich zum Sprachenlernen sehe ich im Kontext der beteiligten Menschen begründet. Hier bietet Lean Management letztlich ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Gelegenheiten, weil diese im Vordergrund stehen und gleichzeitig diese immer wieder anders sind. Das erfordert dann auch ein hohes Maß an Flexibilität und ebenfalls eine laufende Lernbereitschaft sich immer wieder auf neue Szenarien einzustellen. Je stärker dabei die Fähigkeit und Bereitschaft zur (Selbst)Reflexion ist, desto tiefgreifendere und bleibendere Lernerfahrungen sind dadurch möglich.

Bei der Sprachmetapher lässt sich das durch eine Immersion in die Umwelt einer Fremdsprache erreichen, also mittels Sprachreisen oder anderen Möglichkeiten, sich der Fremdsprache am Ort des Geschehens auszusehen, quasi auch eine Form des Gemba Walks.

Die Krönung des Ganzen ist möglich, wenn man sich selbst zu einer Art des Lehrers aufschwingt, sei es als Sprachlehrer, als Sprachwissenschaftler oder im Lean Kontext durch Beiträge in der Lean Community, im ganz Kleinen schon durch Blog-Artikel, Podcast-Episoden oder auch mal ein 2-s-Lean-Video àla Paul Akers. [1]

Wenn Sie durch externe Impulse Ihre eigenen Lernerfahrungen oder die Ihres Teams im Lean Kontext vertiefen wollen, schauen Sie sich gerne auf diesem beiden Seiten um.

Sie erfahren dort alles weitere Wissenswerte, um den Nutzen für Sie und/oder Ihr Team einschätzen zu können. Natürlich stehe ich Ihnen für Fragen auch gerne zur Verfügung. Sie erreichen mich am besten über mein Kontaktformular oder gerne auch telefonisch unter 0171-7342717.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an.

[1] https://www.youtube.com/user/PaulaAkers

Frage: Wie sehen Ihre Lernerfahrungen im Lean Kontext aus? Welchen Einfluss nehmen Sie darauf? Wo lassen sich diese noch vertiefen?

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