KVP – eine Frage der Besen

Der Impuls zu diesem Artikel ist aus dem Sprichwort „neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Ecken“ entstanden. Dieser Gedanke lässt sich auch auf den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess anwenden und hat mehrere Aspekte, die es Wert sind, dabei betrachtet zu werden. Sowohl die neuen Besen als auch die alten haben dabei förderliche wie auch hinderliche Elemente, über die man sich bewusst sein sollte, um jeweils das Maximum aus neu und alt herauszuholen.

Förderliche neue Besen

In diese Kategorien fallen bspw. neue Kunden, neue Märkte, neue Produkte, neue Technologien, Werkstoffe, Materialien, die in neuen, veränderten Prozessen resultieren und dadurch neue Impulse zur Verbesserung schaffen. Wichtig dabei ist, dass diese Veränderungen offen angenommen und die resultierenden Chancen aufgegriffen werden.

Auch Veränderungen in den Team, bspw. neue Kollegen oder Führungskräfte können neue Einsichten bieten, um alte Gewohnheiten zu hinterfragen und auf den Prüfstand des Zeitgemäßen zu stellen.

Hinderliche neue Besen

Natürlich ist nicht alles Neue auch zwingend besser oder förderlich. Veränderung zum Selbstzweck kann zwar aufrütteln, ist aber an sich nicht automatisch besser oder förderlich. Erzwungene Veränderung nur um einer Situation einen persönlichen Stempel aufzudrücken, kann etwas mit dem eigenen Ego zu tun haben, ist aber deshalb nicht notwendigerweise besser als der Status Quo.

Ein Weg, diesem möglichen Aktionismus zu entgehen, kann der Einsatz der Pugh Concept Selection Methode sein. Das wichtigste Element dieser Methode ist, die Kriterien zur Bewertung einer Situation aufzustellen, bevor erste Ideen zur Veränderung entwickelt werden, damit kognitive Verzerrungen vermieden werden, indem Maßstäbe angelegt werden, die sich an schon vorhandenen oder frisch entwickelten Ideen orientieren. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_kognitiven_Verzerrungen

„Das Bekenntnis der eigenen Fehler wirkt wie ein Besen. Der Besen fegt den Dreck weg, ein Bekenntnis tut nichts weniger.“

– Mahatma Gandhi

Förderliche alte Besen

In diesen Bereich fallen vor allem Erfahrungen, generell auch das bestehende Potenzial von Mitarbeitern, das leider immer noch viel zu selten genutzt wird, speziell wenn es um das Verständnis von bestehenden Situationen geht. Auf jeden Fall ist es wichtig, Erfahrungen von Menschen wertzuschätzen, egal ob sie in spezifischen Situationen zutreffend sind oder nicht. Ähnlich wie bei den hinderlich alten Besen kann die dort genannte Methodik einen Ausweg aus kognitiven Verzerrungen ermöglichen. Allerdings ist die bei alten Besen die Gefahr ungleich größer und es ist gleichzeitig auch eine größere Herausfordung Bewertungskriterien zu finden, die nicht durch den bekannten Status Quo beeinflusst werden.

Hinderliche alte Besen

Hinderliche Bewertungen werden oft von Aussagen begleitet wie „haben wir schon immer so gemacht“, „haben wir noch nie so gemacht“ oder auch „haben wir probiert, hat aber nicht funktioniert“. Diese Aussagen können natürlichen einen zutreffenden Hintergrund haben, trotzdem sollten erstmal alle Warnlampen angehen. Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, diese Aussage vorwegzunehmen und das mögliche Auftreten selbst zu thematisieren. Unterbleibt diese Vorwegnahme, entsteht sehr viel leichter ein späterer Widerstand, wenn diese Aussagen erst einmal gemacht sind, weil dadurch immer die Erfahrung und die damit verbundene Urteilskraft in Frage gestellt, meist sogar auf beiden Seiten.

Besondere Herausforderungen entstehen auch dann, wenn (vermeintlich) förderlich neue Besen auf (ebenso vermeintlich) hinderliche alte Besen stoßen. Dabei kann aber schon die Bewusstheitsbildung über diesen Zustand Abhilfe schaffen.

Fazit

Wichtig in meinen Augen ist, kontinuierlich und möglichst neutral zu hinterfragen, ob sich der Status Quo rechtfertigen muss oder die neuen Impulse. Wichtiger als vordefinierte Antworten zu geben, ist es, sich damit regelmäßig zu hinterfragen, um von einem reaktiven Modus in einen proaktiven Modus zu gelangen oder sogar noch besser in einen voraktiven Modus. Ein Aspekt dieses Gedankengangs ist dabei auch die Zufriedenheit mit dem Status Quo, die allerdings immer Gefahr läuft in Ausreden zu resultieren, die den Status Quo vermeintlich rechtfertigen. Ein guter Indikator für diesen Zustand ist das Wort „eigentlich“.

Ein weiterer Indikator für den Zustand des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses kann die Entwicklung der Suche nach einem Besen sein. Statt einem Besen können Sie natürlich auch jedes andere typische Arbeitsmittel (oder Informationen) einsetzen. Dabei sind es nicht die absoluten Suchzeiten, die besondere Aussagekraft haben, sondern eben die Entwicklung der Suchzeiten – ganz im Sinn des Titels dieses Artikel eben eine Frage des Besens ;-)

Frage: Welche Besen nutzen Sie im KVP in Ihrem Unternehmen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Was würden andere Besen bewirken?

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