Warum Meinungen im Lean Management keinen Platz haben dürfen und Zweifel immer angebracht sind

Meinungen

„Eigentlich“ ist diese Fragestellung eine ziemlich klar Sache, oder? Und trotzdem steckt der Teufel hier im Detail und es lohnt sich m.E. deshalb, sich darüber Gedanken zu machen (auch das ist übrigens eine Meinung).

Was sind denn Meinungen überhaupt? Im Wikipedia-Artikel [1] wird dabei zwischen Meinung, Glauben, Wissen unterschieden, wobei zwischen Meinung und Glauben eine enge Beziehung bezieht. Was ich aber bemerkenswert fand, ist die Tatsache, dass der Begriff Fakten in dem Artikel gar nicht vorkommt (Stand 4/2020).

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass Fakten und Wissen das Gleiche wäre. Ich sehe aber da schon noch einen Unterschied. Wissen hat dabei deutlich mehr mit der persönlichen Verfügbarkeit desselben zu tun, während Fakten in sich selbst ruhen.

Zum Thema Wissen und dessen Rolle hatte ich schon mehrere Artikel geschrieben [2], [3].

Aber es soll in diesem Artikel ja um Meinungen (im Lean Management) gehen. Wenn es um Problemlösungen geht, gibt es mehrere „Stellen“, an denen Meinungen auftreten können. Einmal kann das bei der Ursachenanalyse der Fall sein. Hier kann es dann passieren, dass Aussage getätigt werden wie „ich bin der Meinung, dass es da und daran liegt (oder liegen könnte)“.

Dabei handelt es sich dann nach den klassischen Regeln der „Kunst“ eben um eine sprichwörtlich ausgesprochene Meinung, die evtl. noch im Rahmen eines Ishikawa-Diagramms auftreten können, dann aber in der Folge keine Rolle im Sinne kausaler Ursache-Wirkungs-Untersuchungen spielen dürfen.

Ein zweites Auftreten von Meinungen kann dann bei der Lösungsfindung sein. Auch dort sind es Formulierungen, die ebenfalls oft mit „ich bin der Meinung, dass …“ beginnen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma kann es sein, wenn man sich schon zu Beginn bzw. idealerweise vor der Lösungsfindung auf die Pugh-Concept-Selection-Methode [4] geeinigt hat und dementsprechend schon zu Beginn, d.h. nach der Zieldefinition, die Kriterien und deren Gewichtung zur Bewertung der Lösungen festgelegt hat.

„Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber er hat keinen Anspruch darauf, dass andere sie teilen.“

– Manfred Rommel

So weit dürfte also alles klar sein im Sinn der Überschrift des Artikel und der damit verbundenen These, oder?

Darüberhinaus könnte man also meinen (!), dass es nicht notwendig ist, sich weiter mit Meinungen zu beschäftigt.

Da aber Meinungen trotzdem auftreten und die angedeuteten Folgen haben, lohnt es sich trotzdem, noch einen weiteren Blick auf Meinungen zu haben.

Es gibt nämlich mindestens einen Fall, in Meinungen als solche erstmal als existent betrachtet werden und dann auf dieser Basis auch der Umgang mit ihnen gepflegt wird.

Im Rahmen der Job Relations, also der Arbeitsbeziehungen aus dem Training Within Industry besteht das Postulat, dass Meinungen wie Fakten betrachtet werden sollten. Die Entwickler des Job Relations Training haben sich dabei jedoch nicht auf die Wertigkeit an sich, sondern haben dies explizit auf den Umgang damit bezogen.

Im ersten Schritt zum Umgang mit Problemen im Sinne der Arbeitsbeziehungen geht es darum, die Fakten zu einer Situation zu sammeln. An dieser Stelle spielen objektive Fakten nach deren Ansicht die gleiche Rolle wie Meinungen der beteiligten Personen.

Eine Ignoranz der Meinungen an dieser Stelle birgt die große Gefahr, dass auch die vertretenden Personen deshalb gering geschätzt werden. Dass das wiederum zu ganz eigenen Problemen führen kann, sollte in meinen Augen ganz außer Frage stehen. Mit größter Wahrscheinlichkeit lassen sich solche Situationen ausmachen und sie können auch nicht einfach wegdiskutiert werden. Das würde dann im Grund eine Form der Ignoranz ggü. der Meinungsfreiheit sein und mögliche Auswirkungen dürften dann auch nicht überraschen.

Wenn man die Job Relations und Training Within Industry also als Wurzel des Lean Managements betrachtet (was in der historischen Betrachtung faktisch (!) außer Frage steht), ist die in der Überschrift des Artikels ausgedrückte These in der Form nicht haltbar.

Vermutlich sind Sie aber nicht völlig überrascht, wenn ich jetzt „eingestehe“, dass mir vor Beginn des Artikels schon klar war. Ich möchte im Rahmen des Artikels an Sie appellieren, mit Meinungen grundsätzlich offen umzugehen, sie als solche grundsätzlich anzuerkennen und das auch entsprechend auszudrücken. In den Augen der vertretenden Personen (und nur das zählt) drücken Sie damit auch den Respekt den Menschen gegenüber aus und werden letztlich auch dem entsprechenden Lean Prinzip gerecht. Dass das trotzdem in vielen Fällen eine Herausforderung bleibt (auch für mich), steht dabei ebenso außer Frage, vor allem wenn es um Abweichungen von der eigenen Meinung geht.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Meinung
[2] Blog-Artikel “Warum Wissen keine Lösung ist”
[3] Blog-Artikel “KVP – keine Frage des Wissens”
[4] Pugh Concept Selection

Frage: Wie gehen Sie mit Meinungen im Lean Management um? Welchen Situationen sind Sie dabei begegnet? Wie sind Sie mit möglichen Konflikten umgegangen?

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