
S wie Schaubilder
Visualisierung gehört zu den wichtigsten Lean-Prinzipien. Probleme sollen sichtbar werden, damit sie bearbeitet werden können. Manchmal entwickelt sich jedoch eine besondere Faszination für die Darstellung selbst. Kennzahlen, Ampelsysteme und Diagramme werden immer detaillierter, während die eigentliche Problemlösung kaum vorankommt. Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf die Frage, wie etwas aussieht, anstatt darauf, warum es überhaupt passiert. Dadurch entsteht eine paradoxe Situation. Die Transparenz nimmt zu und das Verständnis bleibt unverändert. Schaubilder erfüllen ihren Zweck nur dann, wenn sie zu besseren Entscheidungen führen. Andernfalls werden sie zu dekorativen Elementen eines Systems, das seine Probleme zwar sichtbar macht, aber nicht beseitigt.
Q wie Qualitätsposter
Kaum ein Unternehmen würde die Bedeutung von Qualität infrage stellen. Entsprechend sichtbar wird das Thema häufig gemacht. Leitlinien hängen an den Wänden, Qualitätsziele werden kommuniziert und Kampagnen schaffen Aufmerksamkeit. Gleichzeitig lassen sich viele Qualitätsprobleme nicht durch Botschaften lösen. Fehler entstehen in Prozessen, Schnittstellen und Arbeitsbedingungen. Dort entscheidet sich letztlich, ob Qualität entsteht oder nicht. Je stärker die Kommunikation in den Vordergrund rückt, desto leichter gerät dieser Zusammenhang aus dem Blick. Das Ergebnis sind oft beeindruckende Poster und unveränderte Ursachen. Qualität wird dargestellt, während die eigentlichen Herausforderungen weiterhin Teil des täglichen Arbeitsablaufs bleiben.
D wie Daily Meetings
Regelmäßige Besprechungen sollen Probleme sichtbar machen und schnelle Reaktionen ermöglichen. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Dennoch entwickeln manche Daily Meetings eine bemerkenswerte Eigendynamik. Dieselben Kennzahlen werden betrachtet, dieselben Schwierigkeiten angesprochen und dieselben Maßnahmen wiederholt. Der Termin findet zuverlässig statt, während die zugrunde liegenden Probleme erstaunlich beständig bleiben. Mit der Zeit entsteht eine Form organisatorischer Gewöhnung. Abweichungen werden berichtet, ohne noch Überraschung auszulösen. Das Meeting dient dann vor allem der Bestätigung, dass das Problem weiterhin existiert. Die eigentliche Stärke täglicher Abstimmungen liegt jedoch nicht in der Wiederholung von Informationen, sondern in der konsequenten Beseitigung ihrer Ursachen.
– Albert Einstein (zugeschrieben)
C wie Checklisten
Checklisten schaffen Struktur und helfen dabei, wichtige Schritte nicht zu vergessen. Deshalb gehören sie in vielen Bereichen zu den unverzichtbaren Arbeitsmitteln. Problematisch wird es dort, wo die Einhaltung der Checkliste wichtiger wird als das Verständnis der Situation. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Vollständigkeit statt auf Wirksamkeit. Ein Haken auf einem Formular vermittelt Sicherheit, auch wenn das zugrunde liegende Problem unverändert besteht. Mit der Zeit entsteht eine Kultur des Erfüllens. Vorgaben werden abgearbeitet und Audits erfolgreich bestanden. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob dadurch tatsächlich bessere Ergebnisse erzielt werden. Checklisten unterstützen Verbesserung, ersetzen sie aber nicht.
P wie PowerPoint
PowerPoint gehört längst zum Standard moderner Unternehmenskommunikation. Entscheidungen werden vorbereitet, Ergebnisse präsentiert und Fortschritte dokumentiert. Kritisch wird es dort, wo die Darstellung wichtiger wird als die Realität, die dargestellt werden soll. Präsentationen verdichten Informationen und schaffen Übersicht. Sie können jedoch auch eine trügerische Klarheit erzeugen. Probleme wirken beherrschbar, Maßnahmen erscheinen wirksam und Entwicklungen scheinen unter Kontrolle. Die eigentliche Arbeit findet jedoch nicht in Folien statt, sondern in Prozessen, Teams und täglichen Entscheidungen. Je mehr Energie in die Aufbereitung von Informationen fließt, desto größer wird die Gefahr, dass die Verbesserung selbst zur Nebensache wird.
SQDCP entfaltet seine Wirkung nicht durch Boards, Meetings oder Kennzahlen allein. Diese Elemente schaffen lediglich die Voraussetzungen für Lernen und Verbesserung. Sobald die Darstellung wichtiger wird als die Veränderung, entsteht Lean-Theater. Von außen betrachtet wirkt alles professionell organisiert. Hinter der Kulisse bleiben die Probleme jedoch erstaunlich konstant.
Wenn Sie verhindern möchten, dass SQDCP-Boards zu reiner Symbolik werden und stattdessen echte Verbesserung fördern sollen, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.
Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an (öffnet eine ics-Datei in Ihrer Kalender-Application bzw. generiert in Ihrem Download-Verzeichnis mit einem Terminvorschlag in einer Stunde, den Sie noch individuell anpassen können).
[1] Die dunkle Seite von SMED[2] Wenn PDCA zur Verschlechterungsschleife wird
[3] Was KAIZEN nicht ist bzw. sein sollte
[4] Die 5+S des Lean-Scheitern
Frage: Welche Themen erscheinen regelmäßig auf den Shopfloor-Boards, ohne dass sich ihre Ursachen nachhaltig verändern? Wo wird im eigenen Verantwortungsbereich mehr Energie in die Darstellung als in die Problemlösung investiert? Und woran wäre erkennbar, dass aus Transparenz bereits Routine geworden ist?
Sie können einen Kommentar hinterlassen, indem Sie hier klicken.
Oder teilen Sie den Artikel, gerne mit Ihrem Kommentar, auf Ihrem bevorzugten Social-Media-Kanal und lassen andere an Ihrer Erkenntnis teilhaben.
Artikel teilen auf ...
Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.