Kaizen 2 go 194 : Mobile Kommunikationsprozesse mit B2B-Messengern


 

Inhalt der Episode:

  • Was ist der grundsätzliche Vorteil von Messenger-basierter Kommunikation ggü. eMail?
  • In welchem Kontext werden Business-Messenger heute eingesetzt?
  • Welche Randbedingungen sind dabei zu beachten?
  • Welche Beschränkungen haben haben aktuell verfügbare Lösungen?
  • Offene Kommunikationskreise vs. geschlossene Kommunikationskreise, welche Konsequenzen ergeben sich daraus für eine Messenger-Lösung?
  • Cloud-basierte Lösung vs. selbstgehostete Lösung, Randbedingungen, Wechselwirkungen
  • Welche zukünftigen Entwicklungen sind im Kontext der B2B-Messenger noch denkbar?

Notizen zur Episode:


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 194 : Mobile Kommunikationsprozesse mit B2B-Messengern

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Sandra Jörg bei mir im Podcast-Gespräch. Sie ist die Gründerin und Geschäftsführerin der BLACKPIN GmbH. Hallo Sandra.

Sandra Jörg: Hallo, ja vielen Dank für die Einladung.

Götz Müller: Ich habe schon einen halben Satz zu dir gesagt, aber stell dich gern noch mal in zwei, drei Sätzen intensiver vor.

Sandra Jörg: Ja, genau. Also ich bin Sandra Jörg, CEO von BLACKPIN, uns gibt es jetzt seit drei Jahren. Die Idee entstand in Israel, ich habe sieben Jahren in Israel gelebt, habe vorher in einer Agentur gearbeitet und dann eigene Agentur gegründet in Israel, im Bereich Marketing und digitale Produktentwicklung, und kam dann auf die Idee, einen Mobile Messenger zu kreieren.

Götz Müller: Okay. Jetzt haben wir heute das Thema Messenger, also sprich Kommunikation über die Ferne. Seit Jahrzehnten, vielen Jahrzehnten kommunizieren wir schon über E-Mail. Wenn man etwas benutzt, kann man sich, glaube ich, immer die Frage stellen „Okay, was ist daran jetzt besser?“. Das heißt, was sind so grundsätzliche Vorteile, wenn ich messenger-basierte Kommunikation einsetze?

Sandra Jörg: Genau, also der große Unterschied liegt einfach mal grundsätzlich darin, im Vergleich zu einer E-Mail, dass ich einen mobilen Messenger eben mobil nutzen kann, also von unterwegs aus, nicht nur von zu Hause oder vom Büro aus und dass ich schnell und einfach direkt kommunizieren kann. Es ist nicht so kompliziert. Es ist eben relativ simpel. Deshalb haben ja auch im Community-Bereich diese ganzen Community-Messenger, die wir kennen, die großen Namen, so einen riesen Erfolg auch hier in Europa, weil es eben sehr unkompliziert funktioniert. Und es ist ja nicht nur die E-Mail, die jetzt nach und nach so im Rang abgelaufen wird mit Messengern, sondern es ist ja auch die SMS. Wenn man sich mal selber überlegt, wann habe ich eigentlich die letzte SMS geschrieben oder wann habe ich zum letzten Mal an aufs Band gesprochen bei irgendjemandem, auf eine Mailbox. Dann ist das wahrscheinlich schon eine Weile her, weil man jetzt eben auch durch Sprachnachrichten relativ schnell und unkompliziert Menschen erreichen kann.

Götz Müller: Ja und jetzt wo du das sagst, speziell Sprachnachrichten, ich denke irgendwo nähern wir uns ja noch einer, ich sage mal, natürlichen Kommunikation, im Sinne von so, wie wir zwei jetzt miteinander sprechen.

Sandra Jörg: Richtig, absolut. Genau, das ist eigentlich auf den Punkt getroffen. Es wird emotionaler, man bekommt mehr die Stimmung mit beim anderen und das ist natürlich immer besser wie das geschriebene Wort. Wenn man dann eben … es ist so eine Mischung, ich finde, eigentlich ist E-Mail- oder SMS-Kommunikation und Telefonie und Festnetztelefonie auch und jetzt haben wir so eine Mischung gefunden aus diesen einzelnen Kommunikationskanälen und das Beste so herausgezogen von allem und dadurch entstand eigentlich ein Messenger, nur eben eher im Community-Bereich also indem sie C2C-Bereich und wir haben uns ja auf den B2B-Bereich spezialisiert und da ist eben so ein normaler Community Messenger vielleicht nicht unbedingt der Geeignetste aus vielen verschiedenen Gründen und genau da setzen wir an.

Götz Müller: Ich denke, zu dem kommen wir noch mal, aber genau an der Stelle will ich noch mal ein bisschen tiefer bohren, sprich in was für einem Kontext haben wir jetzt Business Messenger? Wo setzt man die jetzt ein?

Sandra Jörg: Genau, also Business Messenger kann man eigentlich überall einsetzen. Es gibt so viele Anwendungsbeispiele. Das sehen wir jetzt, wenn wir zu auf Kunden zugehen oder Interessenten, potenzielle Kunden. Die Anwendungsbeispiele sind so unterschiedlich, also ich mache einfach mal ein paar.

Götz Müller: Genau.

Sandra Jörg: Also zum Beispiel Newsletter. Früher gab es E-Mail-Newsletter und heutzutage macht man das eben über Messenger. Da gibt es auch verschiedene Tools schon, aber man erreicht einfach die Leute auf dem Handy direkter und schneller und ortsunabhängiger als jetzt per E-Mail. Also deshalb glaube ich, dass Newsletter der Vergangenheit bald angehören und wir haben eben Kunden, die unseren Messenger einsetzen wollen, gar nicht unbedingt für die Multi-Channel-Kommunikation, also die Gruppenkommunikation, wo alle untereinander kommunizieren, sondern die wollen es gerne einsetzen, so als One-Channel-Communication, wo sie einfach reinkommunizieren in eine bestimmte Gruppe, die vordefiniert ist. Das ist ein Beispiel, ein anderes Beispiel ist das agile Arbeiten, wenn Menschen dezentral an irgendwelchen Ordnung auf der Welt sitzen und schnell Kommunikation austauschen wollen zum Beispiel im Vertrieb oder im Support oder in der Pflege, im Medizinbereich, wo man eben schnell vor Ort sein muss und wissen muss, wo befindet sich diese Person und ich kann dann relativ schnell praktisch sagen, hier ist der Standort dieser Person und ich komme jetzt dahin, jetzt im Pflegebereich zum Beispiel, und ich helfe jetzt. Wer hilft ihr, wird dann im Bedarf ermittelt. Ist es ein Notfall? Kommt der Arzt, ist es eine Pflegekraft, ist es Nachbarschaftshilfe und immer da, wo verschiedene Gruppen von Menschen eine bestimmte Tätigkeit gemeinsam angehen, in verschiedenen Arbeitsverhältnissen, da passt halt ein Messenger super gut, weil die zum Beispiel gar keine also Laptops oder auch Handys firmeneigene Handys besitzen und so kann ich, Thema Bring your own device, also über mein eigenes Handy, Privat-Handy kann ich mich andocken an Firmenkommunikation oder Netzwerkkommunikation. Und da ist es ein Riesenvorteil.

Götz Müller: Jetzt hast du das Stichwort, Bring your own device genannt, jetzt rollen sich vielleicht beim ein und anderen ITler die Fußnägel hoch, weil er sagt, das geht ja gar nicht, Datensicherheit und solche Stichworte. Das heißt, den Punkt möchte ich noch ein bisschen vertiefen. Was sind denn so Randbedingungen? Speziell wenn man, obwohl, ich glaube nicht mal B2B oder B2C oder C2C einen riesigen Unterschied machen, was die Randbedingungen angeht.

Sandra Jörg: Ja. Wobei ich sage mal so viel, im Privatkundenbereich kann sich jeder selber noch aussuchen, wie sicher er seine Daten durchs Internet jagt oder so durch die Netze, das ist seine eigene Verantwortung, wenn es dann irgendwo woanders landet, weil Dritte mithören oder die Gespräche aufgezeichnet werden oder die Chats. Das ist dann seine Verantwortung. Im Businessbereich ist es schon mal etwas Anderes, weil ich als Firma eine bestimmte Verantwortung gegenüber meinen Kunden und Mitarbeitern habe und da gibt es die DSGVO und ich muss mich im Rahmen dieser gesetzlichen Verpflichtung eben bewegen, sonst mache ich mich strafbar und deshalb haben wir einen Messenger auf den Markt gebracht, der eben DSGVO-konform ist, der eben so geschützt ist, dass ich in einem rechtlichen Bereich mich bewege und als Firma habe ich schon noch mal eine andere Verantwortung gegenüber anderen eben auch und ich sage mal unsere USP oder da, wo wir eben ansetzen, ist zu sagen, im B2B-Bereich muss geschützte Kommunikation stattfinden, zum Schutz des Mitarbeiters, zum Schutz des Kunden, des Partners, zum Schutz gegenüber mir selbst, dass ich mich nicht strafbar mache und ich brauche eben auch zusätzliche Features, die es im C2C-Bereich nicht gibt, die mir das einfach leichter machen, im B2B-Bereich zu kommunizieren. Ich mache mal ein Beispiel, dass man es besser greifen kann. Man kann zum Beispiel bei uns die Mitarbeiter, Kunden oder Partner, je nachdem, in Teams einteilen und strukturieren, der Organisationen entsprechend, aber auch Arbeitsgruppen entsprechend oder Patienten entsprechend in der Medizin-Branche. Oder wir haben zum Beispiel eine Anfrage einer Gebäudereinigungsfirma, die wollen dann die Projekte, also die Gebäude, die sie reinigen pro Jahr oder pro Monat, eben einteilen in eine Teamkarte sozusagen und dann gibt es Mitarbeiter, die sich diesen Gebäuden, die man praktisch eingeteilt hat in diese Gebäude und die sind da in diesem Arbeitsteam. Also das ist sehr unterschiedlich, wie es aufgebaut wird oder Supportgruppen oder gebietsbezogen, wenn es der Bereich Vertrieb ist. Also da gibt's viele verschiedene unterschiedliche Einsatzgebiete, wie man es strukturieren kann und das zum Beispiel hat ja jetzt, wenn wir jetzt an die Großen denken, wie WhatsApp, das haben die ja nicht, solche Strukturen, genau. Oder unsere App kann man zum Beispiel customizen, dass es eben der eigene Company Messenger ist oder für Organisationen, wir haben auch Anfragen von Vereinen oder Ministerien, also Organisation wie Schulen oder Städte, Kommunen und dann kann man das eben selber branden und dann wird es auch so zum eigenen Messenger, mit dem man sich identifizieren kann. Und solche Features, das ist eben auch der Mehrwert eines Business Messengers.

Götz Müller: Plus wahrscheinlich so Aspekte wie Datensicherheit.

Sandra Jörg: Genau, genau. Also Datensicherheit ist natürlich der allergrößte USP, den wir jetzt als BLACKPIN, den wir nach außen vertreten. Wir sind absolut geschlossen, ein geschlossener Messenger, das ist auch der Unterschied zwischen WhatsApp oder Threema zum Beispiel, das sind offene Community Messenger und diese Community Messenger, da kann ja jeder rein. Das ist ein großes Netz und ich greife auf das Telefonbuch zu auf meinem Handy, auf meine Kontakte. Und der Unterschied zu einem geschlossenen Messenger ist, dass wir eben gar nicht aufs Telefonbuch zugreifen müssen und werden, sondern dass wir ein eigenes Kontakteverzeichnis haben. Das wird eingespeist durch die Firma selbst und ich kann eben dann dort auf die Menschen zugreifen und zwar nicht mehr nach Lieschen Müller, nach einem Namen, sondern nach Kompetenzbereichen. Ich suche ja nicht in einer Firma, die fünfhundert Mitarbeiter hat, nach einem Namen in dem Sinn, sondern ich suche eher nach einem Leistungs- oder Kompetenzbereich und so die eben geclustert in Teams, in Kompetenzbereiche, in Abteilungen und kann ebenso relativ schnell auch Zugang haben zu Wissen und Informationen, und zu den Menschen natürlich, am Ende des Tages, aber auf andere Art und Weise. Und der Vorteil ist eben auch, dass ich natürlich nicht, wenn ich in einer Firma arbeite, alle fünfhundert Mitarbeiter beispielsweise auf meinem Handy haben möchte, in meinen privaten Kontakten drin, damit ich eine Gruppe eröffnen kann. In Community Messengern müsste ich das machen. Wenn ich aber jetzt in einem Firmen-Messenger drin bin, dann habe ich ja schon Zugriff, weil die User alle vorher schon angelegt sind. Deshalb muss ich jetzt als Nutzer mir gar keine Gedanken machen, diese Struktur und das Einspeisen der User entsteht in einem Admin Center, in einem Kunden-Admin-Center und durch das, dass diese App geschlossen ist, ist sie eben viel sicherer, sie ist Ende zu Ende verschlüsselt. Das ist WhatsApp jetzt auch erstmal, aber die Frage ist immer, wie viele Schlüssel werden generiert. Wir generieren halt nur einen einzigen Schlüssel für den User selber zum Schutz des Users und WhatsApp zum Beispiel generiert drei Schlüssel: einmal für sich, einmal für den Staat und dann noch für User. Also die kopieren einfach und zeichnen jegliches Gespräch, Chats, Dokumente, alles auf und das tun wir eben nicht.

Götz Müller: Jetzt möchte ich den Punkt dieser, ich nenne es jetzt mal Kommunikationskreise, offene und geschlossene, oder offene versus geschlossene, noch ein bisschen vertiefen, im Sinne von „Was ergibt sich daraus?“ und wenn ich jetzt noch mal an die klassische E-Mail denke, dann habe ich da ja eben keine Einschränkung, wen ich mit in CC oder gar in BCC nehme. Was ergibt sich also für den Messenger daraus und vielleicht auch, welche neue Möglichkeiten ergeben sich daraus?

Sandra Jörg: Genau. Also Einschränkungen sehe ich jetzt erstmal keine, weil ich kann ja jederzeit, wenn ich als Firma BLACKPIN lizensiere, als Software-as-a-Service Business Modell. Dann kann ich erstmal jeden integrieren, den ich will, da kann sogar die Omi mit rein oder die Putzfrau eines Unternehmens. Es ist völlig egal, wer dann am Ende in diesem Netz ist und das Netz kann aber auch riesengroß sein, also ich kann auch ein Netzwerk aufbauen, indem ich viele Partner dazu hole, ein großes Firmennetzwerk. Das ist relativ offen. Deshalb, finde ich, ist es nicht eingeschränkt. Aber es ist halt besser strukturiert und organisiert teilweise als E-Mails. Also teilweise ja, finde ich, sind E-Mail-Programme relativ kompliziert geworden mit ganz vielen Features, die man auch gar nicht braucht so richtig in der Nutzung und das, was man braucht finde ich manchmal da nicht und da finde ich, so ein einfacher Messenger, der relativ simpel zu bedienen ist, ist einfach besser in der Anwendung. Deshalb hat er auch so einen großen Erfolg, weil die Zahl, wenn man die sich mal anguckt oder die WhatsApp-Nutzungen in Deutschland, wenn man mal guckt, vor vier Jahren hätte diese Statistik anders ausgesehen, da gibt es eine Statistik, dass die Nutzung in Deutschland im Moment fast gleich hoch ist wie die Internetnutzung an sich. Das muss man sich mal vorstellen und über die E-Mail-Nutzung da sprechen wir erst gar nicht mehr, die geht so rapide nach unten, so rasant und Telefonie eben auch. Es ist eben schön, dass ich Nachrichten senden kann, die nicht live verarbeitet werden müssen. Ich gehe fast schon nicht mehr an Telefonat ran und schreibt dann immer sofort direkt zurück, weil es einfach schneller ist und weil es nicht sofort passieren muss. Ich kann mir aussuchen, wann antworte ich auf was.

Götz Müller: Ja. Das ist … das sehe ich auch, diese Asynchronität sehe ich auch als Vorteil, wenn man sich selber auch ein Stück weit diszipliniert. Man darf halt nicht diesen, ich sage mal, diesen Antwortreflex haben, oder?

Sandra Jörg: Ja. Asynchrone Kommunikation, das ist das große Stichwort. Das ist das Tolle und das finde ich selber auch so toll und nutze das, aber ja, man ist schon versucht, immer wieder auch reinzugucken. Wir hatten gerade ein Meeting, in dem ein Kunde gefragt hat, können wir denn, bei uns sieht man auch wer ist online, wer ist offline, im Status, können wir den abschalten, weil dann immer die Erwartung, weil man dann ja weiß, der sieht das gerade, da ist ein Haken dran und der hat es gesehen und dann erwartet man, der muss jetzt antworten. Also klar, da gibt es schon auch neue Regeln innerhalb dieses Messengers oder diesem neuen Kommunikationstool durch Features, die es so noch nicht gab, kommen dann ganz neue Etiketten zustande: Wie schnell muss jetzt antworten, wenn der Chef sieht, dass ich online bin? Und da gibt's dann natürlich auch Nachfragen von Kunden „Können wir das nicht ausschalten, das ist uns zu transparent?“, obwohl es die Technik erlaubt.

Götz Müller: Ja, was ich, wenn ich es jetzt richtig, ich nutze selber WhatsApp auch nicht wirklich, aber ich glaube, auch da habe ich ja solche Möglichkeiten, aber ich sehe dann halt auch nicht mehr, ob die anderen online oder offline sind, wenn ich selber meinen Status verberge.

Sandra Jörg: Ich weiß es auch nicht ganz genau, wie es WhatsApp geregelt hat, aber früher auf jeden Fall bei WhatsApp war es so, dass man gesehen hat, der ist jetzt, er war gerade, bis dahin online oder ist online, ja, irgendwie so und wenn man es ausgeschaltet, sieht man die anderen auch nicht mehr, genau. Bei uns kann man es nicht ausschalten, weil wir in einem geschlossenen, sicheren Raum sind, aber natürlich ist es schon eine Frage für eine Firma, wollen wir zeigen, wann wir online sind.

Götz Müller: Ja, weil ja unter Umständen …

Sandra Jörg: Aber wir haben jetzt keine Sortierfunktion drin „Zeige mir bitte alle Mitarbeiter an, die online sind“ oder so, das haben wir nicht, aber es könnte natürlich auch ein großer Vorteil sein. Es gibt Use Cases, die auch hier spannend sind. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Patienten habe, der versorgt werden muss in einem Dorf oder so und ich habe ein bestimmtes Team aus freien Mitarbeitern, Helfern, die sich dann nachbarschaftshilfetechnisch um diese Person kümmern, dann ist es schon interessant, wenn ich gerade sehe, wer zur Verfügung stehen würde, aber da kann man das auch anderes machen, indem man sich freiwillig einloggt und sagt „Von hier bis da stehe ich zur Verfügung für die Patienten XY.“.

Götz Müller: Ich glaube, da ergeben sich ja wieder neue Möglichkeiten, die ich halt vorher gar nicht hatte, Flexibilität auf beiden Seiten ein Stück weit.

Sandra Jörg: Ja, genau. Es ergeben sich neue Möglichkeiten durch neue Arten der Kommunikation logischerweise und, ja, somit kann ich mich ganz anders einbringen. Ich kann eben Ressourcen sparen, ich kann Zeit sparen, ich kann schneller an Orten sein, wo ich gebraucht werde, weil ich eben das identifizieren kann. Ich kann sehen, wer von meinen Mitarbeitern ist gerade wo draußen im Vertrieb oder im Service und kann die dann halt viel effizienter einsetzen. Es wird natürlich dann auch grüner, ich kann ökonomischer Handeln, in dem wie ich meine Mitarbeiter im Außendienst einsetze, also da ergeben sich wirklich ganz, ganz viele unzählige neue Möglichkeiten und jedes Mal, wenn wir irgendwo beim Kunden sind und der Fall diskutiert wird, wo sie gerne einen Messenger einsetzen würden, sind das immer wieder neue spannende Themen, wo wir selber gar nicht auf die Idee gekommen wären, also so unterschiedlich, jeder Fall ist anders und spannend.

Götz Müller: Ja, ich hatte jetzt kürzlich auch eine Podcast-Aufzeichnung, da ging es um sprachgesteuerte Kommissionierung und da sehe ich jetzt durchaus Ähnlichkeiten, in Anführungszeichen, weil es ja auch darum geht zum Beispiel, wie steuere ich Wege, die jemand nimmt, wo sich dann jemand befindet und da geht's halt dann jetzt nicht um irgendwelche Sachen, die ich aus dem Regal nehme, sondern bei deinem Pflege-Beispiel, sondern es geht darum, wie ich Menschen vor Ort unterstütze, die pflegebedürftig sind.

Sandra Jörg: Genau, zum Beispiel. Oder in Notfallsituationen. Ich am ich bin der Ersthelfer in einem Notfall, also an einem Unfallort und ich hole mir die Rettungskräfte, Feuerwehr, Polizei, alle dazu, wenn ich in diesem Netzwerk bin, dann kann ich das relativ schnell machen, indem ich den Standort durchgeben.

Götz Müller: Ja und ich hole mir vielleicht auch schon erste Unterstützung dadurch, dass ich frage, was soll ich jetzt machen, und ich muss halt nicht warten, die fünf bis zehn Minuten, Viertelstunde, bis dann jemand physisch da ist.

Sandra Jörg: Richtig. Ja, genau. Das auch. Ja, absolut. Ja, es ergeben sich ganz viele spannende Themen. Wir waren gerade wie gesagt bei einem Kunden und oder einem potenziellen Kunden und die haben zum Beispiel die Wartung ihrer Geräte bei ihren Kunden vor Ort, also das ist dann wieder C2C, aber die schicken dann ihre Servicekräfte dahin, weil die Kunde nicht weiter kommen an dieser Maschine und jetzt in dem Fall könnte man das also in Zukunft mit Augmented Reality machen, dass sie dann Videotelefonie machen und dann direkt eingreifen aufs Videobild und sie genau ihren Kunden sagen, wo welche Knöpfe gedrückt werden müssen, wie das Gerät gereinigt werden muss, damit es wieder funktioniert nicht. Da kann man halt einfach auch komplett Kosten sparen im Bereich Service und Support. Das ist schon Wahnsinn, was da in Zukunft machbar sein wird.

Götz Müller: Und Geschwindigkeit vor allem. Gerade wenn ich jetzt über eine Maschine nachdenke, die etwas produziert, die dann vielleicht Stunden oder vielleicht einen Tag steht, weil der Mensch physisch erstmal dahin muss und wenn ich dem aber sagen kann „Ok, stell dich mal davor, was blinkt denn da?“ und ich ihm dann sagen kann „Drück die und die Knöpfe und dann passiert schon wieder was.“.

Sandra Jörg: Genau. Und dann gibt es natürlich auch ganz neue Geschäftsmodelle für diese Firmen, wenn man das mal weiterspinnt. Also wir planen ja in der nächsten Phase eine digitale Transaktionsplattform aus diesem Messenger zu bauen. Wenn ich das jetzt weiterspinne, gerade mit dieser Firma, dann werden sie neue Geschäftsmodelle haben, denn sie werden ja dort, wo der Servicemitarbeiter nicht mehr gebraucht wird vor Ort, nämlich da sitzen dann irgendwelche Menschen direkt im Unternehmen oder auch irgendwo weltweit, es ist dann völlig egal, wo die Menschen sitzen, also komplettes dezentrales Arbeiten, der kann dann wirklich auf Mallorca sitzen und sich dort ein schönes Leben machen, an dem Ort wo er leben möchte und ist eben der Servicemitarbeiter dieser Firma. Und wenn ich dann denke „Okay, wie verdient der aber dann noch sein Geld?“, dann kann ich zum Beispiel sagen: Okay, wir bieten verschiedene Level von Support an. Wenn du jetzt als Kunde meiner Firma sofort einen Mitarbeiter live am Telefon haben wollen würdest, dann musst du eben 40 Cent zahlen und dann geht es mit Micropayment um ganz neue Geschäftsmodelle auf einmal und auf einmal geht es nicht mehr nur um die Maschinen, die verkauft werden, sondern es geht um Support, um ganz neue Einnahmequellen.

Götz Müller: Wo ich halt vorher ganz klassisch die 0190-Nummer hatte.

Sandra Jörg: Zum Beispiel, genau, und dann wird wieder das Telefon ersetzt, genau zum Beispiel. Aber es werden auch einfach Mitarbeiter ganz anders arbeiten, in ganz anderen Arbeitsumfeldern und sie werden es sich viel häufiger selber aussuchen, wo sie sein werden, aber es wird gar nicht mehr relevant sein, wo sie sein werden.

Götz Müller: Jetzt hattest du gerade noch ein Stichwort genannt Plattform und da ist dann bei mir der Gedanke sofort entstanden, ok … oder noch mal einen Schritt zurück … ich persönlich kenne jetzt halt verschiedene Modelle, einmal Cloud-basierte Lösungen oder selbst gehostet, egal, ob ich jetzt über einen Messenger rede oder ob ich über Dinge rede, die mir Microsoft zur Verfügung stellt, wo ja auch selbst gehostete Lösungen zum Teil schon drin sind. Was sind so im Kontext Messenger die Randbedingungen und Wechselwirkungen, die es da gibt?

Sandra Jörg: Wir haben einen Messenger kreiert, der ganz simpel funktionieren soll, Plug-and-Play, das heißt, wenn ich diesen Messenger lizenziere, dann habe ich den Messenger, ich habe den Cloud-Dienst und das Hosting in einem. Ganz simpel. Ich kann sofort loslegen. In fünf Minuten hätte ich jetzt eine Firma angelegt und dann kann diese Firma loslegen beispielsweise und wichtig ist einfach ein eigener Cloud-Dienst ist schwierig bei einem Messenger. Wir haben keinen eigenen Cloud-Dienst. Also das ist auch gar nicht wichtig, sondern ich brauche also auch ein Hosting, ich brauche ein Hosting, was skalierbar ist, was den Bedürfnissen entsprechend angepasst wird, wie die Kommunikation stattfindet, wie viele Daten ausgetauscht und deshalb ist auf jeden Fall ein Modell wichtig, dass ich relativ schnell mich anpassen kann und skalierbar bin. Das kann man heutzutage gar nicht mehr selber leisten als Firma, in dem Sinn, vor allem nicht als Messenger wie wir, weil das ja nicht unsere Fachkompetenz ist. Deshalb würde ich auf jeden Fall auf die Fachkompetenz eines Cloud-Dienstes zurückgreifen. Wichtig ist aber nur, dass ich darauf achte, wo meine Daten gelagert werden, wo sie gespeichert werden und wo das Hosting stattfindet und das ist eben bei uns garantiert in Deutschland und das ist wichtig an dieser Stelle, dass die Daten eben nicht über Umwege, über Amerika oder sonst wo, nach Deutschland wieder gelangen oder halt auch in anderen Ländern gespeichert werden, sondern dass sie wirklich hier in Deutschland sind, Made in Germany, Hosted in Germany, und die Daten liegen in Deutschland.

Götz Müller: Zum Abschluss gucke ich dann immer so gerne ein bisschen in die Glaskugel, also sprich in die Zukunft, und ein bisschen was klang in unserer Unterhaltung ja schon an, was sind deiner, eurer Vorstellung nach so zukünftige Entwicklungen in dem Kontext, was kann man sich da noch vorstellen?

Sandra Jörg: Ja also, wenn ich jetzt mir Dinge wünschen dürfte auch, die passieren könnten, sollten, durften, dann würde ich auf jeden Fall sagen, dass Menschen hier in Deutschland oder Europa mehr achten auf das, was mit ihren Daten passiert, weil die Daten eben in Zukunft ja das wichtige Gut werden oder unser Wissen, unser Know-how und das sie eben nicht so leicht damit umgehen und mehr Verantwortung für sich selber oder auch Firmen für ihre Mitarbeiter und dass sie eben das mehr auf dem Schirm haben und dann eben auch diese Wege gehen und sich für Dienste wie uns entscheiden, die eben zum Schutz, ja, unserer Daten in Europa, sage ich jetzt mal, sind und deshalb würde ich mir wünschen, dass wir uns natürlich im Markt positionieren und das andere, wo wir uns sehen, ist halt ganz klar als digitale Transaktionsplattform und die Kommunikation ist die Basis. Überall, wo Kommunikation stattfindet, findet eben auch Transaktion statt und da wollen wir hin. Wir wollen so die europäische Antwort auf WhatsApp sein und WeChat in China. WeChat in China ist viel größer und deren Business Modell ist viel spannender als WhatsApp, die haben komplett die ganze Banken- oder Finanzbranche revolutioniert in China. Die Taschengelder von Kindern werden nur noch über WeChat hin und her geschoben, also da hat sich einfach alles mal gedreht komplett in Richtung Zukunft und an wird die Reise hingehen. Und ich glaube, Europa braucht darauf eine Antwort und da wollen wir hin. Das ist aber jetzt ein ganz großes Big Picture. Jetzt schauen wir mal, wohin die Reise. Wir sind ein kleines Startup, aber wir haben eine große Vision.

Götz Müller: Ja. Ich denke, das ist auch eine wichtige Sache, dass man eben dieses große Bild hat, weil von alleine entsteht es nicht.

Sandra Jörg: Genau und da braucht man aber auch Unterstützung, das schaffen wir auch alleine nicht, deshalb brauchen wir Partner, Supporter, das ist ganz klar. Ja, wir brauchen einfach Rückendeckung und dann kriegt man es auch hin. Also wir glauben schon, dass wir so etwas schaffen können, aber man schafft so etwas nicht alleine.

Götz Müller: Gut, aber wenn man sich mal überlegt, wie Facebook meinetwegen entstanden ist, aus einem Studenten Netzwerk, ist im Grunde nichts unmöglich.

Sandra Jörg: Ja, wobei wir auch wissen, dass der natürlich große Supporter gehabt hat, die ganz viel Geld auf ihren Konten hatten, sonst wär es so groß, so schnell auch nicht so groß geworden, aber klar, das sind natürlich einzelne Leuchtturm-Startups, die nicht leicht zu wiederholen sind und ich kenne mich so in der Startup-Szene auch aus, weil ich früher viel Startup Consulting gemacht habe und ich weiß, wie schwer es ist, und nicht umsonst sagt man, dass nur jedes hunderte Startup so ein Leuchtturm-Startup wird, was richtig durch die Decke geht und wenn man dann jetzt schon so eine große Version hat und so groß denkt, dann muss man auch realistisch sein, dass das nicht aus dem Nichts kommt, sondern da braucht man schon auch Unterstützung und ich bin auch ein Freund von Netzwerken und zusammen ist man stärker wie allein und deshalb, glaube ich, dass man das dann schon schafft oder halt viel Glück dann braucht oder auch viel Schicksal spielt eine Rolle, also da muss einfach viel zusammenspielen, dass das dann auch so kommt, aber ich glaube dran.

Götz Müller: Gut. Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen und ich danke dir für deine Zeit, für das interessante Gespräch.

Sandra Jörg: Danke für deine Zeit, die du dir genommen hast.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Sandra Jörg zum Thema Mobile Kommunikationsprozesse mit B2B-Messengern. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 194.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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