Kaizen 2 go 135 : Disruption in Metzgereien


 

Inhalt der Episode

  • Was war der Auslöser für Dich über eine Veränderung Deines Geschäftsmodells nachzudenken?
  • Wie unterscheidet sich Dein Geschäftsmodell von dem klassischer Lieferdienste?
  • Welche Herausforderungen sind Dir bisher begegnet und wie bist Du damit umgegangen?
  • Warum tun sich traditionelle Branchen schwer, Innovation überhaupt anzugehen und dann auch Veränderungen umzusetzen?
  • Wie lassen sich Deine Ideen auf andere Branchen übertragen?
  • Welchen Tipp hast Du für jemand, der auch das Bedürfnis hat etwas zu verändern?
  • Welchen Rat kannst Du denen geben, die sich mit Veränderungen schwertun?

Notizen zur Episode

  • Website zum Schlemmerdepot

  • Mitmachen?

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    (Teil)automatisiertes Transkript

    Episode 135 – Disruption in Metzgereien

    Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

    Götz Müller: Heute habe ich Daniel Kropp bei mir im Podcast-Gespräch. Er ist Fleischermeister und Landwirt. Hallo Daniel.

    Daniel Kropp: Hallo Götz, grüße dich.

    Götz Müller: Ja, wir haben ja heute ein sehr spannendes Thema, wo der ein oder andere Zuhörer vielleicht meint, was hat das jetzt mit Geschäftsprozessen und solchen Dingen zu tun. Sag doch mal noch zwei, drei Sätze zu dir als Person.

    Daniel Kropp: Also, zu mir als Person, ja, wir haben einen Bauernhof in der Nähe von Frankfurt, auf dem bin ich aufgewachsen und dort haben wir eine Metzgerei. Mein Vater war da schon relativ früh sehr innovativ und hat gesagt, wir müssen bei uns auf dem Hof eine Metzgerei gründen, ist so aus dem Geschäft der Hausschlachtung entstanden und das habe ich von Kindesbeinen an mit mitbekommen und ja, das hat sich mittlerweile zu einem sehr gut gehenden Hofladen entwickelt. Ich sah da Sinn drin und habe Metzger gelernt zu Hause beim Vater und in meiner Freizeit bin ich viele Jahren kommunalpolitisch aktiv gewesen, habe Interesse an Sport oder sportlichen Geschichte, bin Fallschirmspringer, das sind so meine privaten Dinge, die ich mache und … ja.

    Götz Müller: Okay. Jetzt haben wir den Begriff Disruption in unserem Titel heute, da geht's im Grunde ja primär auch um Geschäftsmodelle. Jetzt habe ich gerade schon raus gehört, dass ihr ja mit eurem Hof an sich schon, mit dem Hofladen dann schon erste … Innovation war das Stichwort. Was war für dich so der Auslöser, dann noch einen Schritt weiter zu gehen und über das Thema Hofladen, Präsenzmetzgerei nenne ich das jetzt mal, nachzudenken?

    Daniel Kropp: Ja, für uns war es so gewesen, dass wir sehr guten Zulauf bei uns auf dem Hof schon hatten, aber über die Jahre festgestellt haben, dass die Leute sich immer schwerer tun, sich nach unseren Öffnungszeiten zu richten. Und da war dann die Überlegung, wie können wir es schaffen, dass wir die Öffnungszeiten nicht erweitern müssen, aber den Kunden es deutlich einfacher machen können, zu uns zu kommen. Da war von langem schon mal den Gedanken an den Internethandel gewesen, online Ware zu verschicken ist bei mir schon lange auf dem Schirm, aber das war bislang nicht möglich gewesen und ein Heimlieferservice an sich, das ist auch sehr teuer, das ist so, dass man den Kunden bei der Onlinebestellaufgabe eine sehr große Freiheit gibt, aber genau die Freiheit wird genau dann wieder beschnitten, wenn es darum geht, sich auf einen Anlieferungstermin zu verständigen. Und der Onlinehandel geht aus meiner Sicht nicht, ohne dass Ware mit aktiver Kühlung verschickt wird, also temperaturgeführt und ja, da kamen so ein paar Dinge, wo ich gesagt habe, wir müssen hier eine Lösung finden, dass wir unsere Öffnungszeiten deutlich erweitern, dass auch der Kunde, der lange arbeiten muss und spät abends kommen möchte, da Möglichkeiten geboten bekommt, unsere Ware bekommen. Das ist also der Grund, warum ich mich auf die Suche nach Lösungen gemacht habe und das Ergebnis ist das Schlemmerdepot. Und ja, der Grund liegt wirklich darin, dass die Leute immer größere Probleme haben, sich nach unseren Öffnungszeiten zu richten.

    Götz Müller: Ja. Aber vielleicht hier noch mal ein bisschen, du hast ein paar Stichwörter schon gesagt, aber vielleicht noch ein bisschen tiefer eingestiegen, weil klassische Lieferdienste auch, sagen wir mal, im Lebensmittelbereich, gibt es ja schon. Das ist sicher eines der ganz neuen Themen, gibt es noch keine zehn Jahre. Wie unterscheidet sich jetzt und du hast gerade das Stichwort gesagt, wie unterscheidet sich das Thema Schlemmerdepot mit allem was dazu gehört, von einem klassischen Lieferdienst, selbst wenn wir über Lebensmittel reden?

    Daniel Kropp: Wenn man über Lebensmittel redet, gibt es Programme oder Lieferdienste, die man miteinander vergleichen kann und welche, die man vergleichen muss aber letztendlich nicht vergleichen kann. Wenn man sich mal den Pizza- oder Essenslieferdienst anschaut, der abends kommt, der hat die Thematik, der Kunde bestellt, die Waren werden hergestellt und werden dann zum Kunden gebracht und selbst wenn der Lieferdienst eine Zeit lang später kommt, dann hat er immer noch die Situation, dass der Kunde vielleicht nicht erfreut darüber ist, aber er kommt zu seinem Geschäft. Du bist zu Hause, hast Lust auf die Pizza, der Pizzabote kommt nicht, aber dann kommt er irgendwann, du bekommst die Pizza und wenn die Pizza dann gut gewesen ist, sagst du beim nächsten Mal vielleicht „Okay, wir bestellen einen Moment früher, weil der Luigi immer lange braucht“, das würde sich bei mir deutlich anders auswirken. Wenn ich dem Kunden ein Lieferfenster von zwei Stunden zum Beispiel zur Verfügung stelle, wo ich sage, Sie können aussuchen, ob wir zwischen zwei und vier kommen oder zwischen sechs und acht kommen, dann ist das für den Kunden schon eine riesen Einschränkung in seiner Freiheit, für den Metzger aber eine riesen Herausforderung. Das ist eine Sache, die passt nicht. Und wenn jetzt mein Fahrer eine Viertelstunde früher kommt und der Kunde nicht da ist, oder er kommt eine Viertelstunde später, kriege ich ein riesen Problem, weil dann meine Ware nicht an den kommt und die Marge auf dem einzelnen Artikel zu gering, als dass ich es mir leisten kann, dass der Fahrer dann mit der Ware zurückkommt und somit war absehbar, dass der Lieferservice für unsere Waren nicht funktionieren wird. Ich könnte noch mal den Schwenk ziehen zu einem Lieferdienst für Tiefkühlkost wie es zum Beispiel Bofrost oder Eismann machen, oder der Getränkehändler. Da ist es auch so, wenn der Fahrer vorbeikommt und den Kunden nicht antrifft, kommt zwar das Geschäft nicht zu Stande, das ist zwar schade aber alle von den genannten haben ihre Ware noch und somit ist der Verlust nicht so groß. Bei individuellen Fleisch- und Wurstwaren wird das ganz anders sein und das führt dazu, dass ein sehr großer Schaden entsteht, wenn die Leute sich nicht treffen. Gleichwohl ist es so, dass allein diese Einschränkung auf ein Lieferfenster schon den Markt deutlich schmälert und es geht ja darum, wie schaffe ich es, dass mein Angebot für alle attraktiv ist und das ist es nun mal nicht, wenn der Kunde sagt, ich muss mir jetzt zwei Stunden für den Metzger abstellen heute Abend. Das machen zu wenig Leute.

    Götz Müller: Ja. Das ist so wie, fällt mir jetzt spontan ein, wenn der Schornsteinfeger sagt, ich komme vormittags.

    Daniel Kropp: Ja.

    Götz Müller: So. Da …
    Daniel Kropp: Ja, das ist absolut kein Geschäftsmodell. Da musste eine bessere Lösung her und die habe ich geschaffen.

    Götz Müller: Ja, das sind, würde ich sagen, ich betrachte mich da als totalen Laien, nicht bloß, weil ich mittlerweile Vegetarier bin, aber ich glaube, der normale Kunde denkt über diese Herausforderung, wie du es gerade angedeutet hast, gar nicht darüber nach und deshalb wäre jetzt meine nächste Frage, wie bist du damit umgegangen? Also das, was es aktuell gab, klassische Themen, Eismann hast du genannt, oder andere, ich zähle jetzt nicht alle auf. Du hast ja eine Alternative gesucht und auch gefunden, aber was waren so ein bisschen … ich möchte so ein bisschen nachvollziehen, was dir durch den Kopf schoss.

    Daniel Kropp: Die Thematik war, wie kann ich mein Geschäft zukunftsfähig aufstellen? Das fing eigentlich damit an, dass ein Freund von mir gesagt hat, ich habe im Nachbarort einen Verkaufsraum, mach hier eine Filiale rein. Und dann haben wir uns das überlegt und dann war relativ schnell klar, dass ein Filialgeschäft in den Metzgereien nicht sehr attraktiv ist. Du hast sehr hohe Kosten, um den Verkaufsraum einzurichten, bist stationär gebunden und hast dann die Thematik, dass die Erwartungshaltung vom Kunden bei einer Metzgerei eine deutlich andere ist als zum Beispiel bei einer Bäckerei. Bei einer Bäckerei fährst du morgens hin und willst schnell deine Ware haben und willst auf dem Weg zur Arbeit möglichst zügig vorankommen. Beim Metzger ist es schon noch so, dass man den Metzger des Vertrauens hinter der Theke erwartet als Kunde, in ganz vielen Fällen ist das der Fall. Allerdings ist das ja nicht möglich im Filialgeschäft und da dachte ich, das funktioniert nicht und dann war die Idee “Okay, da sind einige Ortschaften bei uns im Umkreis, wo kein Metzger mehr da ist” und dann habe ich zu meinem Vater gesagt “Dann lass uns hier einen Heimlieferservice aufziehen.” und dann war er der Auffassung, dass das nicht funktionieren würde. Ich habe gefragt warum und dann meinte er, er hätte als Lehrling früher die Bestellzettel abholen müssen. Er ist rumgefahren, hat die Bestellzettel alle geholt und dann ist samstags einer rausgefahren und hat die Ware verteilt und er meinte, das ging dann nicht mehr das Geschäft und jetzt würde ich heute wieder damit anfangen, das würde nicht funktionieren. Und dann habe ich gesagt “Vater, es gibt manche Dinge, die gehen eine Zeit lang nicht mehr und dann aus irgendwelchen anderen Gründen gehen sie wieder, da muss man sich halt mal Gedanken darüber machen.” und dann habe ich die einzelnen Geschäftsmodelle verglichen und kam zu der Erkenntnis, das ganze Geschäftsmodell hat damals für den Metzger, bei dem mein Vater Lehrling war, funktioniert, weil eben der Bedarf bei den Kunden da war, weil die Leute eben nicht mobil waren und funktioniert hat es letztendlich, weil die Leute zu Hause waren und eine ganz andere Familienstruktur war. Wir hatten mehr Einzelbedienerhaushalte, Mehrgenerationshaushalten, wo von den älteren Generationen, über die mittlere bis zu den Kindern immer jemand da war, der die Ware annehmen konnte. Oftmals wurde auch zentral in einem Haushalt gekocht, da wusste jeder wie er mit dem Fleisch und der Wurst umgehen muss und hatte einen zentralen Kühlschrank, wo es untergebracht wird. Aber genau das ist ja heutzutage nicht mehr der Fall. Also ich werde immer damit konfrontiert sein, dass die Leute immer viel mobiler sind als früher und dass zwar jeder gern einen Lieferservice annehmen würde, aber in der praktischen Umsetzung werde ich an die Grenzen stoßen, dass es die Probleme in der Praxis gibt und deshalb habe ich von vorne herein gar nicht erst angefangen, diesen Heimlieferservice aufzuziehen, weil ich wusste, mein Vater hatte Recht bis an den Punkt. Es würde nicht funktionieren. Es funktioniert erst dann, wenn man das entkoppelt, wenn man die zeitliche und örtliche Geschichte für den Lieferanten und den Kunden entkoppelt. Und das wird mit dem vollautomatisierten Warendepot der Fall, weil man dort als Lieferant für viele Kunden Waren zu einem zentralen Punkt liefert. Das spart Logistikkosten in ganz großem Stil, weil die letzte Meile des Fahrens zur Haustür des Kunden das teuerste an der ganzen Geschichte ist, aber es für viele Kunden viel attraktiver ist, zu wissen, ich habe die Wahre verlässlich in meiner Nähe, kann sie dann annehmen, wenn es mir passt, als dem Kunden zu sagen “Okay, wir bringen es dir nach Hause”, er muss sich darauf einstellen, da haben viele kein Interesse daran oder können es gar nicht und dann ist es auch noch teurer, also warum macht man es dem Kunden nicht einfach, indem man sagt “Hier, du bekommst günstig, sicher und genau dann, wann du willst.” und ja.

    Götz Müller: Ja. Das ist ja eine Art von Packstation, wo ich ja auch diese zeitliche und räumliche Entkopplung habe.

    Daniel Kropp: Ja. Jetzt muss man dazu sagen, die Packstation ist schon einige Zeit deutschlandweit bekannt und im Einsatz. Die Grundüberlegung hatte ich, da gab es die Packstation noch nicht, oder zumindest für mich nicht wissentlich. Allerdings muss man bei dem, was ich vorhabe, schon noch abgrenzen, weil die Packstation, die es ja mittlerweile auch gekühlt gibt, sich vom Schlemmerdepot noch deutlich unterscheidet. Der Gedanke ist Kooperation mit anderen Lebensmittelerzeugern und das ist bei der Packstation so nicht möglich, weil ich Wert darauf liege, dass die Ware im Depot sicher gehandelt wird und bei der Packstation hätte ich bei einem Fach nicht die Möglichkeit, dass ich von außen noch Ware zuliefere. Beim Schlemmerdepot ist es so, der Kunde kann bei mehreren Anbietern seine Waren bestellen, Fisch, Käse, Delikatessenhändler, Metzgerei. Er kann seine Ware bestellen, lässt sie zum Depot liefern, alle können ihre Ware zum Depot bringen und wenn alle Artikel am Depot angekommen sind, kommt der Kunde und holt alles auf einmal ab. Bei einem System wie der Packstation hätte ich die Situation, dass ich für jede Kunden-Lieferanten-Kombination ein einzelnes Fach brauche. Das ist beim Schlemmerdepot nicht der Fall, sondern das Depot nimmt die Ware vollautomatisiert an, lagert sie im System ein, in verschiedenen Kühl- und Gefrierzonen und lagert sie dann an den Kunden aus, wenn der Kunde kommt.

    Götz Müller: Mhm. Ich habe praktisch, höre ich jetzt raus, ich habe nicht diese 1-zu-1-Zuordnung, so im Sinne von “Das ist mein Fach.” wie jetzt bei einem klassischen Post-Schließfach, sondern ich habe halt irgendeins und es wird mir gesagt, dein Stück Fleisch liegt im Fach XY.

    Daniel Kropp: Genau. Das ist … Man kann sich das vorstellen wie ein vollautomatisiertes Großlager. Der Lagerroboter lagert die Ware ordentlich verpackt, sodass kein Geruch von der einen Ware zur anderen kommen kann, im Depot ein und damit habe ich Platzausbeute, habe eine ganz andere finanzielle Situation, weil die Ressourcen im Depot deutlich besser genutzt werden und der Kunde kann sich sicher sein, dass die Ware im Depot 1A gelagert wurde. Also ich habe durch den Lagerautomat noch zusätzliche Informationen, aber wenn man es rein aus dem Gesichtspunkt Sicherheit sieht, und das ist bei Lebensmitteln halt, für mich ein absolut tragendes Thema, dann weiß der Kunde, dass die Ware vom Lieferant temperaturgeführt bis zum Depot kam, dann vom Lagerroboter angenommen wurde, sämtliche Lagervorgänge transparent nachvollziehbar waren und der Kunde kommt und bekommt es an einem zentralen Ausgabeschacht ausgegeben und kann das sogar vom Auto aus bedienen, was für den Kunden halt super komfortabel ist. Du brauchst keine Parkplätze suchen, du weißt immer genau, ich kann mit meinem Auto direkt am Depot vorbeifahren, ohne dass du unter Umständen noch zum Depot hinlaufen musst, sondern du fährst ans Depot ran, verifizierst dich und bekommst direkt ins Auto angegeben.

    Götz Müller: Ja. Und durch diese fehlende 1-zu-1-Zuordnung, also Fach-zu-Kunde, diese Konstante, ich miete halt ein Fach in der Packstation und das läuft dann erstmal, habe ich natürlich hier eine viel höhere Ressourceneffizienz, was einfach den Platzbedarf angeht.

    Daniel Kropp: Ja. Und es bietet auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, also dass das Schlemmerdepot vom Auto aus bedienbar ist, aber ein ganz großer Punkt ist auch, dass Lebensmittel, die nicht abgeholt wurden, vollautomatisiert an andere Personen ausgegeben werden können. Also wir haben die Thematik, ich arbeite gerne mit sozialen Initiativen zusammen und gerade kleine Initiativen, wenn da jemand anfängt und sagt, er will, wie bei uns zum Beispiel der Pfarrer Merle, der die Schönecker Essensbank gegründet hat oder eine Bekannte von mir, die Frau Assmann, die die Strassenengel Hanau gegründet hat, ich finde so etwas toll, da initiativ tätig zu werden, aber diese Organisationen haben eine sehr große Hürde am Anfang zu überwinden, wenn es darum geht, frische Lebensmittel an bedürftige Menschen weiterzuleiten. Auf der anderen Seite hat der Metzgereibetrieb dann auch wieder ein rechtliches Thema, wenn er sich da aus dem Fenster lehnt und Ware nach außen gibt, die dann durch Dritte an Bedürftige weitervermittelt werden. Da braucht man dann schon eine rechtliche Sicherheit und das ist für alle Beteiligten super schwierig. Genauso auch für den Bedürftigen selbst, der zu einer Art Tafel geht und seine Ware dort abholt, da sehe ich auch deutlich die Thematik, was so das Schamgefühl angeht und da wird es mit dem Schlemmerdepot so sein, dass wenn die Lebensmittel bestellt und nicht abgeholt wurden, dann wurden die ja immer 100% behandelt und gekühlt, und die sind nicht über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus und da wird es möglich mit der Digitalisierung wohltätige Initiativen anzuschließen, die dann per App die Ware an Bedürfte weiterleiten und derjenige, der dann zum Schlemmerdepot geht, geht dorthin als wäre er ganz normaler Kunde und nimmt seine Ware dort an. Und das wird mit dem Lagerautomat halt wunderbar möglich, da Waren direkt, ohne dass sie die Kühlkette jemals verlassen, ohne dass ein Dritter da tätig werden muss, keine Arbeit damit hat, keine rechtlichen Risiken eingeht, dass die Ware dann direkt an Bedürftige weitervermittelt werden kann. Das ist halt ein riesen Thema und das wird mit dem Lagerautomat wunderbar möglich.

    Götz Müller: Ja. Finde ich sehr spannend. Im Grunde steckt ja deutlich mehr dahinter, als man vielleicht auf den ersten Blick vermutet. Jetzt möchte ich das Thema mal noch ein bisschen nennen wir es mal abstrahieren. In meinem, auch wieder naiven Weltbild, ist jetzt ja Metzgerei, Fleischerei eine Sache, die gibt es schon seit zehntausenden Jahren, wahrscheinlich gehen die Anfänge darauf zurück, wo wir mal hinter den Mammuts noch her waren, wo eben Tiere zerlegt wurden und man dann irgendwas mit dem Fleisch machen musste. Also, worauf ich hinaus will, so eine sehr traditionelle Branche wie deine, wie die Metzgerei, oder auch die Landwirtschaft, die ja im Grunde ähnlich alt ist. Wie … ich muss ein bisschen anders anfangen, warum tun sich, würdest du sagen, solche traditionellen Branchen schwer, mit dem Thema Innovation umzugehen?

    Daniel Kropp: Ja, das ist eine gute Frage. Also, ich glaube, das ist a) natürlich auch typabhängig, wie ist der Unternehmer, der die Metzgerei führt, persönlich unterwegs. Ich bin immer jemand, der neue Dinge … ja, positiv denen entgegengeht. Das ist so ein Thema. Vielleicht liegt es auch daran, dass der typische Metzger handwerklich großes Interesse hat, aber die Digitalisierung für sich nicht entdeckt. Aber Fakt ist ganz klar, wenn wir diese riesen Möglichkeiten nicht nutzen, wird es für diesen kleinen regionalen Erzeuger wirklich schwer sein, wirtschaftlich zu überleben. Also ich habe … hatte ein Gespräch gehabt mit einem Mann von einem sehr großen Unternehmen, der dort die Forschungs- und Entwicklungsabteilung leitet, der Mann kommt aus Finnland und er sagte zu mir “Herr Kropp, die skandinavischen Länder sind, was das Internet angeht, deutlich den mitteleuropäischen Ländern voraus”, aber dort in Finnland gibt es zum Beispiel keine kleinen Metzger mehr. Da hat man noch zwei, drei große Lebensmitteleinzelhändler, aber die kleinen sind weg. Und für mich ist so das Thema, die Regionalität ist bei den Leuten momentan, Gott sei Dank, ganz im Fokus. Jeder ruft regional und findet das gut und ich selbst weiß, dass es gut ist. Ich sehe aber hier die Situation, dass wenn diese regionalen Händler nicht die Möglichkeiten des Internets nutzen, werden sie es wirklich schwer haben und das ganz große Problem ist halt die unattraktive Situation für den Vertrieb momentan. Wenn ich mich zurückerinnere, wie ich ein kleiner Junge, da bin ich mit dem Fahrrad rumgefahren und habe die Einkäufe für das Wochenende erledigt, weil wenn unsere Metzgerei um ein Uhr zugemacht hat, hatte der HL damals auch um ein Uhr zu und dann hatte meine Mutter keine Möglichkeit mehr, fürs Wochenende noch Ware einzukaufen. Dann haben die den Vertrieb erweitert, sind auf vier Uhr gegangen, das war so der erste Schritt. Aus HL wurde dann Rewe, dann war acht und heute ist es Standard samstags bis um zehn Uhr Ware einkaufen zu können. Und wenn man dann schaut, wie mobil die Leute heute geworden sind und welche Auswirkung das hatte, dann sieht man, dass es für die Leute immer schwieriger wird, sich danach zu richtigen. Wenn man guckt, wie werden Verabredungen heute getroffen. Früher wusstest du am Mittwochsabend, mit wem du dich am Samstag wo triffst trifft, weil es gar nicht mehr so wirklich klar war, dass man die Leute noch erreicht. Und heute heißt es am Samstagmorgen: “Ja, wir schreiben nachher noch mal bei WhatsApp oder wir gucken nachher noch mal.” und dann ist es so, wenn du die Ware von deinem bestimmten Händler haben möchtest, musst du dann entscheiden, wir müssen uns jetzt verabreden, sonst hat der Metzger Kropp nachher zu. Das machen auch viele Leute, aber es ist halt auch so, dass es immer Leute gibt, die zwar gern deine Ware kaufen möchten, aber dann auf der anderen Seite sagen „Ach, jetzt sind wir nicht verabredet, wir gucken nachher noch mal.“ oder sie haben etwas anderes vor, aber sie kommen einfach nicht dran und wenn du dann eine Möglichkeit bringst und sagst “Du kannst auch heute Abend um acht noch bei mir einkaufen.”, dann habe ich als Familienbetrieb natürlich nicht mehr die Möglichkeit, mein Betrieb abends um acht aufzulassen, aber da gibt es im Schlemmerdepot dann halt diese riesen Möglichkeit, dass ich sagen kann “Hier, du kannst nachts entspannt bei mir bestellen und ich lagere die Ware dann im Schlemmerdepot ein und du nimmst sie dann in Empfang, wenn es dir passt.” Da muss man halt einfach reagieren, also für mich als Metzger war es schon immer so, dass der Kundennutzen mir ganz klar transparent ist. Ich habe fünfzehn Jahre Thekenerfahrung. Wenn ich heute gerade in dieser Startup-Welt höre, dass man aus Kundensicht denken muss und dass man das doch bedenken muss, bin ich jedes Mal schockiert. Also für mich war das vollkommen befremdlich, weil es bei mir schon immer so war. Wenn man so nah am Kunden ist, dann stellt sich mir nicht die Frage, dass man aus Kundensicht denken müsste, weil es natürlich so ist. Natürlich muss man aus Kundensicht denken. Natürlich muss ich meinem Kunden das bringen, was er möchte und das Schlemmerdepot, wir denken partnerschaftlich. Also für mich ist so dieses Thema Verkäufer-Kunde gar nicht so im Vordergrund. Natürlich ist der eine derjenige, der es verkauft und der andere der, der es kauft, aber der Gedanke muss ein partnerschaftlicher sein. Und wenn ich partnerschaftlich denke, dann gehe ich auf meinen Kunden zu und sage “Hier, wie können wir das für uns so angenehm wie möglich machen? Ich habe die Ware und du musst an die Ware gut rankommen und du zahlst mir davon mit deinem Geld. Wir alle haben etwas davon.” Partnerschaftlich ist immer beidseitig einander positiv zugewandt.

    Götz Müller: Ja, das möchte ich jetzt insofern ein bisschen vertiefen, du hast es gerade ein bisschen angedeutet, du kommst mit anderen Gründern in Kontakt, auch vielleicht mit anderen Gründern aus traditionellen Branchen, ich denke jetzt so zum Beispiel mal an Banken, an andere Handelsbranchen, wo man zum Teil ja auch schon Jahrhunderte unterwegs ist, was ist deine Erfahrung, die du da machst beziehungsweise was ist deine Erfahrung über Erfahrungen, die andere da machen? Wo tun sie sich schwer? Wo tun sie sich mit der Innovation schwer? Wo tun sie sich zum Beispiel mit dem Aspekt Kundenorientierung schwer?

    Daniel Kropp: Ja. Ich habe den StartUp Förderpreis vom House of Logistics and Mobility gewonnen, bin jetzt hier momentan mit meinem Büro fürs Schlemmerdepot im Gateway Garden in Frankfurt. Dieses Gebäude wird vom Land Hessen und von der Fraport und von mehreren großen Unternehmen, ja, gefördert und erhalten, wie man es auch immer nennt, aber da sieht man, dass der Wille von der Politik ja da ist, diese Startup-Szene voranzutreiben, zu etablieren und zu unterstützen. Das ist sehr sehr gut. Wenn man mal schaut, wie man dem Silicon Valley immer noch hinterherhängt, dann ist es auch absolut notwendig, aber da sehe ich politisch schon die Thematik, dass man da viel dafür tut, dass dieses, sagen wir mal zarte Pflänzchen Startup Deutschland, dass man dafür etwas tut. Was so die Meinung aus der Startup-Szene angeht ist es halt immer noch so, was das Kapital in Deutschland angeht, wesentlich schwieriger ist, eine gute Idee finanziert zu bekommen, als es vielleicht im Silicon Valley ist, oder auf jeden Fall früher war. Da sagt jeder, früher bist du ins Silicon Valley reingelaufen, hast gesagt “Hier, ich habe eine coole Idee”, hast die dargestellt und dann gab's dafür Geld. Das ist ja heute auch mittlerweile ein bisschen anders da, aber da sehe ich für mich schon die große Herausforderung, weil ich habe eine Idee, die ist richtig profitabel, wenn sie funktioniert, aber den Banken mit den Regularien die die wiederum haben und das muss man halt auch sehen und in deren Sicht muss man sich auch reinzuversetzen, die haben es halt schwer, einfach in eine Idee zu investieren, wobei ich da momentan auch den Trend sehen, dass die das erkennen. Also ich glaube, auch im Bankensektor ist es mittlerweile absolut angekommen, dass wenn man nicht die Strategie ändert, dass die Zeit den Banken dort auch deutlich zusetzt. Ich war jetzt … die DZ Bank, die haben eine Transaction Banking Kongressreihe aufgelegt und sind auf mein Schlemmerdepot gekommen und haben gesagt, dass dort der genossenschaftliche Gedanke sich absolut widerspiegelt, der ja nunmal die DZ Bank mit ihren gut 900 Volks- und Raiffeisenbanken im Anschluss ausmacht, und haben gesagt, sie würden mich gern auf dem Podium haben, um mal die Kundensicht zu zeigen und mich als positives Beispiel voranzuführen, wo so die Reise hingeht. Ja, so könnte man es, glaube ich, beschreiben. Und da war für mich deutlich zu spüren, dass gerade bei den Volks- und Raiffeisenbanken das angekommen ist, dass man, ja, die … dass man dort verstärktes Interesse hat, solche Unternehmen hat wie meines zu fördern. Wir müssen jetzt mal ausloten, wie das in meinem einzelnen Fall möglich ist, aber da ist ganz klar angekommen, dass es künftig mit “Wir machen jetzt mal so weiter” nicht getan sein wird, sondern dass man dort deutlich sagt “Nein, wir sind flexibel, wir sind der Zukunft positiv zugewandt, wir schauen, dass wir uns da positiv positionieren.” und das ist für mich natürlich super, klar.

    Götz Müller: Ja und ich könnte mir eben vorstellen, weil im Grunde Banken ja unter einem ähnlichen Veränderungsdruck stehen. Kein Mensch braucht im Grunde eine Bank, ich brauche vielleicht die Dienstleistung, aber die Bank selber im Sinne von, da ist ein Gebäude und da gehe ich rein, da ist ein Schalter und da steht ein Mensch dahinter, brauche ich im Grunde nicht. Wenn ich darüber nachdenke, wann ich das letzte Mal wirklich physisch eine Bank betreten habe, das ist schon eine Ecke her. Das heißt, was ich jetzt aufgreifen möchte, ist so der Gedanke, was dir da bisher begegnet ist, was diese Übertragung von Ideen angeht. So die Idee mit dem Schlemmerdepot, die Grundidee mal auf eine ganz andere Branche zu übertragen.

    Daniel Kropp: Ja, also wenn man das mal betrachtet … Ich war am Montag dieser Woche bei Oracle eingeladen, die hatten einen Modern Costumer Expierence Day gemacht, da war der erste Speaker, der hat auch diese Thematik Bankensektor aufgerufen, ich habe jetzt die Zahlen nicht hundert Prozent im Kopf, aber es war ein Ausschnitt aus der FAZ, den er da gebracht hat, dass in Zukunft von 1500 deutschen Banken noch 150 übrig bleiben werden. Ob das so ist, kann ich nicht beurteilen. Nach deinen Ausführungen ist das natürlich schon ein Thema, aber ganz klar ist es, auch da muss ich einiges tun, und da sind halt einfach neue Geschäftsmodelle gefragt. In meinem Fall kann ich nur sagen, dass von Seiten der Volks- und Raiffeisenbanken das Thema Schlemmerdepot sehr gut aufgegriffen wird, weil es halt auch irgendwo mit dem Thema Raiffeisen zusammenpasst, also die Volks- und Raiffeisenbanken kommen ja vollkommen aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Früher hing ja jeder zweite Arbeitsplatz irgendwo an der Landwirtschaft und da war ja der Gedanke, wir schaffen wir es, dass wir gemeinsam stark sind, indem dass man Maschinengemeinschaften gründet, die Raiffeisen sich gegründet hat für gemeinschaftlichen Saatgutleinkauf, Düngemitteleinkauf, diese Geschichten. Da ist ja die Bank meines Wissens erst später aus dem landwirtschaftlichen Sektor der Raiffeisen entstanden, aber auch heute ist es noch so, oder gerade heute ist es so, dass man viel mehr Dinge gemeinschaftlich nutzt als früher. Allein dieser Gedanke, dass die Leute, früher hast du deine CD gekauft, heute willst du Musik streamen und du weißt, dass du viel mehr Musik streamen kannst und verfügbar hast, für einen kleinen Preis als wenn jeder seine CD kauft. Also muss man sich umstellen und das ist ja auch hier der Gedanke. Die Idee, die ich vertrete mit dem Schlemmerdepot, die ist so umfassend, dass sie der einzelne Metzger niemals umsetzen kann. In Summe, das gemeinsam auf die Straße gebracht und die Metzger sich daran angeschlossen, aber gemeinschaftlich mit dem Gastronomen, der zukünftig viel mehr Essen verkaufen kann als Gastplätze es zulassen und seine Küche ganz anders da auslasten kann, weil er viel länger kochen kann und nicht nur auf diese Stoßzeiten angewiesen ist, da muss man halt erkennen, dass man gemeinschaftlich viel mehr erreichen kann als jeder einzelne selbst. Ich meine, das ist doch den Leuten nicht neu. Aber das muss man halt angehen.

    Götz Müller: Und wenn ich mal weiterdenke, das war ein gutes Stichwort. Im Grunde, CD hören kann ich nur eine und die anderen 50, 100 liegen die ganze Zeit unbenutzt im Schrank, im Auto ist es ähnlich. So das durchschnittliche Auto, glaube ich, fährt 500, 600 Stunden im Jahr und den Rest steht es nur rum, warum soll es nicht jemand anders nutzen können in der Zeit. Das finde ich spannend, wie viel Gemeinsamkeit es da gibt. Wenn wir jetzt mal so ein bisschen in die Zukunft gucken oder jemand, der noch in einer klassischen Branche in irgendeiner Form verhaftet ist, was wäre so, auch so ein bisschen Richtung Abschluss, was wäre so dein Tipp, dein Rat, denjegenigen gegenüber die sagen, ich will etwas verändern, aber vielleicht auch denjenigen gegenüber, die sagen, brauche ich das wirklich, muss ich mich wirklich verändern?

    Daniel Kropp: Ich glaube, da ist immer diese Thematik, was will ich mit meinem Betrieb noch? Kann ich meinen Betrieb noch über meine Lebenszeit mit meinem Schema weiterfahren und reicht mir das oder bin ich innovativ? Ich meine, das weiß doch jeder, nichts ist beständiger als der Wandel. Also wenn ich mich nicht auf die sich ständigen Bedingungen eingehe … wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit und da muss man für sich abschätzen, reicht mir das noch? Lass ich es noch auslaufen oder sage ich “Nein, wir haben Spaß dran.” Selbst für den Metzgermeister, der vielleicht sagt, ich habe gar keine Betriebsnachfolger ist es vielleicht auch cool zu sagen “Hier, lass uns den Betrieb so aufstellen, dass jemand anders vielleicht den Betrieb gerne weiterführt.” Also Innovation hat noch nie geschadet. Für mich ist der Tipp, orientiert euch. Du hast die Automobilindustrie gerade angesprochen. Das ist für mich ganz klar die Prognosen die laufen, dass viel mehr Leute Autos sharen werden. Das ist ein großes Thema. Und bei mir zum Beispiel, das Schlemmerdepot, ich brauche jemanden, der Serien fertigen kann, ich brauche jemanden, der ein Vertriebsnetz zur Verfügung stellen kann und ich brauche jemanden, ja, der auch ein Servicenetz zu Verfügung stellen kann, um die Schlemmerdepots deutschlandweit warten zu können. Wenn man da jetzt mal schaut, wo sind die Parallelen, der Automobilzweig. Jeder der ein Auto konstruieren kann, kann auch ein Schlemmerdepot konstruieren. Jeder der ein Auto bauen kann, könnte auch ein Schlemmerdepot bauen. Jeder der ein Auto verkaufen könnte, könnte auch ein Schlemmerdepot verkaufen. Und ausgebildeter Mechatroniker, der Autos repariert, kann auch jeden Service an einem Schlemmerdepot machen. Also ich denke, wir müssen da viel mehr in Kooperationen denken. Wenn ich einen Automobilhersteller dafür gewinnen könnte … ich meine, wir haben zehntausend Kommunen in Deutschland und jede Kommune hat aus unterschiedlichen Gründen ein maximales Interesse an einem Schlemmerdepot. Die Infrastruktur im ländlichen Raum wird mit einem Schlemmerdepot weitaus verbessert und die Leute, die in der Stadt wohnen, können an regionale Lebensmittel 24/7 sehr leicht gelangen, ohne dass sie aufs Land rausfahren müssen. Also wenn man hier die Parallele sieht und sagt … wenn ich einen Automobilhersteller hätte, der sagt „Das ist das Ding der Zukunft und wir tun uns momentan nicht schwer, unser bestehendes Konzept etwas zu erweitern mit einem neuen Feld. Wenn es dann wirklich so kommen sollte, dass bei uns Einbrüche was die Stückzahl angeht, kommen würden, dann ist es umso besser und wenn nicht, das hoffe ich natürlich, dann ist es für uns kein Problem, unseren Geschäftszweig erweitern.“ Also man muss in Kooperationen denken und man muss immer wieder gucken, ein Auto ist natürlich komplett anders als eine Metzgerei und trotzdem kann man hier den Bogen spinnen und sagen „Hier, da sind Parallelen da. Wir können hier leicht reagieren und dann machen wir eine Kooperation.“ Ich habe gerade gestern in der Gründerszene gelesen, dass Doordash, das ist ein Startup das ähnlich wie Lieferando Lebensmittel in Amerika vertreibt. Das sind deutsche Gründer, Walmart haben jetzt das Thema, dass andere Internetgrößen in den Foodmarkt eindringen, die sagen, wir müssen hier unsere Lebensmittel auch irgendwie adäquat zum Kunden bringen und Ford, die haben ein Konsortium gegründet, wo sie sagen, wir tun uns zusammen, Ford, Walmart und Doordash und wir vertreiben gemeinsam oder entwickeln gemeinsam ein Konzept wie wir Lebensmittel günstig und flexibel an den Kunden bringen. Hier würde das Schlemmerdepot … das ist für mich der Lückenschluss in deren Konzept. Da gibt es Gemeinsamkeiten und da muss man mal schauen. Ich denke, wir sind gerade in Deutschland, was den Automobilsektor angeht, ja ziemlich gut aufgestellt. Das ist so der nächste Schritt zu sagen … heute haben sie gerade wieder im Radio gesagt, VW investiert Milliarden in die neue E-Mobilität. Ich glaube, da gibt es Brücken und die gilt es für mich momentan auszuloten und zu gucken, wie man da Kooperationen schnüren kann.

    Götz Müller: Ja. Das Thema … das Stichwort Kooperationen fand ich jetzt einen guten Abschluss. Daniel, ich danke dir für deine Zeit. Ich denke, da waren unheimlich viel spannende Themen dabei, ich hätte mir das am Anfang gar nicht vorstellen können, über was wir uns alles unterhalten werden. Also ich danke dir noch einmal.

    Daniel Kropp: Dankeschön. Ja, war mir sehr angenehm. Jederzeit gerne wieder.

    Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Daniel Kropp zum Thema Disruption in Metzgereien. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 135.

    Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei iTunes. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

    Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

    Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.