Kaizen 2 go 204 : Ordnungsprozesse im Haushalt


 

Inhalt der Episode:

  • Was sind die klassischen Herausforderungen, die Menschen mit Ordnung im Haushalt haben?
  • Wie kann im Haushalt mehr Ordnung erreicht werden?
  • Ist klassisches 5S eine Lösung dafür?
  • Welchen Hürden für 5S im Haushalt begegnen Sie immer wieder?
  • Wer hat in Ihrer Wahrnehmung mit Ordnung die größeren Probleme, Männer oder Frauen?
  • Gibt es dabei unterschiedliche Ausprägungen?
  • Was denken Sie, sind die Ursachen dafür?
  • Was empfehlen Sie den Menschen, die Ordnung im Haushalt einführen wollen?
  • Wie lässt sich Ordnung im Haushalt aufrechterhalten, wenn man kein Lean-Fachmann oder -Fachfrau ist?
  • Abschließender Tipp für die Zuhörer?

Notizen zur Episode:


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 204 : Ordnungsprozesse im Haushalt

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich die Frau Ordnung bei mir im Podcast-Gespräch. Sie ist Professional Organizer und berät Menschen beim Ordnung halten. Hallo Frau Ordnung.

Frau Ordnung: Hallo Herr Götz Müller. Vielen Dank für die Einladung.

Götz Müller: Klasse, dass Sie heute dabei sind. Jetzt habe ich schon einen halben Satz zu Ihnen gesagt, aber sagen Sie gerne noch mal zwei, drei Sätze mehr. Vielleicht auch wie Sie zu dem Namen gekommen und wie sie zu dem Thema gekommen sind.

Frau Ordnung: Ja, sehr gerne. Also ich bin, wie Sie ja gesagt haben, Professional Organizer, das heißt zu Deutsch Ordnungscoach und Aufräumberater und ich unterstütze seit vier, fünf Jahren Menschen dabei, sage ich mal ganz einfach, für mehr Ordnung im Haushalt zu sorgen, wenn diese sich dann eben wirklich massiv davon belastet fühlen. Also es ist keine Messie-Beratung, es gibt wirklich Menschen, wie sie und mich oder wie Sie und mich vielleicht nicht, aber wie viele andere, die ein Thema mit Ordnung im Haushalt haben und so ist die Frau Ordnung dann entstanden.

Götz Müller: Jetzt haben Sie gerade den Begriff Messie verwendet, ich glaube, da hat jeder so sein gewisses Bild im Kopf und dann wird auch ziemlich klar, dass man da ein kleines Problem hat, wenn man Messie ist, aber das ist ja gar nicht Ihre Zielgruppe. Das heißt, zum Einstieg mal so, was sind denn dann so die klassischen Herausforderungen der Menschen, die sagen „Ja, ich habe ein Thema mit Ordnung im Haushalt“?

Frau Ordnung: Ja, also die klassischen Herausforderungen beziehungsweise „Wann ich werde ich gerufen?“, ich fahre ja zu den Leuten hin, das ist tatsächlich, wenn sie den Satz hören „Es ist zu viel.“. Also wenn jemand sagt, also so ein ganz großer Klassiker ist zum Beispiel Sie haben eine Familie, Sie haben zwei Kinder, dann sind letztes Jahr die Eltern oder Schwiegereltern verstorben, Sie haben das Haus selbst entrümpelt und jetzt steht bei ihnen in der Wohnung sämtliche Erb-Gegenstand-Zeug wirklich um, die Kinder, Schulsachen und so weiter, das liegt dort alles rum, es hat null Organisation und am Ende haben Sie in der Familie nur noch Stress und Hetze und Ärger und kommen da alleine nicht mehr raus und da gibt's im Prinzip vier, sage ich mal, Hauptpunkte, die dann halt auch verhindern, dass man alleine für Ordnung sorgt. Und das ist einfach, das eine ist, es dauert halt unheimlich lang, also wenn ich allein ausmiste, das weiß jeder. So ein Keller, der rümpelt sich von selbst zu, aber den mal wieder aufzuräumen, das dauert halt eine Weile. Und das Zweite ist halt die fehlende Selbstdisziplin, also das ist tatsächlich ein Punkt, den ich da auch anspreche. Dann noch das unterschiedliche Ordnungsempfinden, also Männer und Frauen und Kinder und er, Sie und ich haben alle ein unterschiedliches Ordnungsempfinden und nicht zu unterschätzen die negative Haltung in der Gesellschaft. Also wie oft hört man das, auch ich als Frau Ordnung, „Ja ja, Ordnung ist das halbe Leben. Ich lebe in der anderen Hälfte.“ oder „Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen.“

Götz Müller: Oder die Variante „Das Genie beherrscht das Chaos.“.

Frau Ordnung: Genau. Und das sind ja so Klassikersätze, wo man sozusagen, wenn man auch diese Lean-Philosophie lebt, ja super „Das Genie beherrscht das Chaos.“, das sind alles so Ausreden und das sind auch Herausforderungen, warum es bei vielen mit Ordnung im Haushalt einfach nicht klappt, weil das ist ja peinlich fast schon, zu sagen „Ich halte gern Ordnung.“.

Götz Müller: Jetzt kommt mir gerade noch ein anderer Gedanke, ich glaube, man hört es, zumindest bei mir hört man es ja raus, wo ich jetzt herkomme. Sind Schwaben da jetzt besonders, vielleicht vorbelastet? Im Sinne von: Man schmeißt halt nichts weg und einen Keller und eine Bühne hat man sowieso.

Frau Ordnung: Das würde ich, glaube ich, so nicht mal primär sagen. Ich arbeite natürlich auch hauptsächlich mit Schwaben, allein der Region wegen, ich war aber auch schon weiter weg unterwegs und es ist eher, würde ich behaupten, eine Generationenfrage, weil unsere Großeltern, also ich weiß nicht, wie das bei Ihnen war, aber meine, die kamen halt mit nichts aus irgendeinem böhmischen-tschechischen, sonst was, Gebiet, die hatten kein Problem mit dem Ausmisten, die hatten auch nichts, die haben auch nichts geerbt, aber die jetzt dreißig-, vierzig-, fünfzig-jährigen, die haben ein eigenes Haus voll mit Sachen. Und dann noch mal zwei Haushalte am besten erben mit noch mehr Sachen und dann kommt eben dieses „Ha, das ist doch noch gut. Das ist doch geerbt. Das kann doch nicht weg.“. Und dann sitzt man halt da.

Götz Müller: Gut. Die klassische Frage natürlich ist: Wie kann man im Haushalt mehr Ordnung erreichen? Im Unternehmen, glaube ich, die meisten, die hier zuhören kennen das Thema 5S und andere Sachen. Jetzt hat man so etwas im Privatleben wahrscheinlich eher selten auf dem Schirm.

Frau Ordnung: Ja, also das ist tatsächlich witzig, weil ich beschäftige mich ja auch schon seit einem Jahr mit dem Thema Lean Management und ich würde behaupten, man kann vieles vielleicht, nicht alles aber extrem viele Lean-Methoden im Haushalt benutzen, um dort für mehr Ordnung zu sorgen. Also wenn sie sich allein schon hinsetzen, ich sage nur die sieben Arten der Verschwendung, und mit dem Hintergedanken gehen Sie mal durch die Küche und überlegen, wo habe ich denn hier überall Verschwendung? Abgelaufene Lebensmittel, Lagerhaltung, was weiß denn ich, unnötige Bestände, unnötiger Transport, was es da nicht alles gibt. Also das kann man nutzen. Dann ist natürlich das klassische 5S, Ordnung und Sauberkeit, ausmisten, sortieren da halte ich ganze Vorträge mittlerweile, nur zum Thema 5s im Haushalt umsetzen. Und da haben wir wieder das Stichwort, was ich ganz am Anfang bei den Herausforderungen hatte, das Thema Selbstdisziplin. Man muss die Menschen darauf einfach eben sensibilisieren, dass das fünfte S, unser geliebtes Shitsuke, die Selbstdisziplin, die braucht man einfach um Ordnung im Haushalt zu halten. Es geht nicht ohne. Und genau. Das ist eines. Dann sind ganz viele Leute mit dem Thema innere Ordnung beschäftigt, die gibt ja auch noch, die innere Ordnung bei Menschen. Da kann ich jetzt mit der Maslowschen Bedürfnispyramide ums Eck kommen und sagen: Man kann nach, wie heißt das hier so schön, Hansei-Methode reflektieren, wie sollte meine Zukunft aussehen, wie sieht die Gegenwart aus, was habe ich in der Vergangenheit bisher dafür gemacht und so weiter und so fort. Das sind also diese ganzen Lean-Prinzipien, die kann man im Haushalt, da findet man ja auch mehr oder weniger schon immer wieder. Den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess, Kaizen. Also man räumt ja auf und dann guckt man, dass man es vielleicht noch ein bisschen besser machen kann und wer richtig lean leben will im Haushalt, der organisiert sich sogar mit einem Kanban-Board. Also das ist dann so das Nonplusultra, aber geht jetzt vielleicht ein bisschen weit.

Götz Müller: Ja. Ich stelle mir dann da auch immer die Frage, natürlich sind das auch gewisse eigene Erfahrungen, wie funktioniert es mit den anderen Haushaltsmitgliedern? Jetzt gibt's ja unterschiedliche Altersstrukturen in den Haushalten, ich denke da jetzt halt an die kleinen Kinder, für die dann manchmal schon das Aufräumen im eigenen Kinderzimmer herausfordernd ist, wobei ich da eine spannende Erzählung mal von dem Mitarbeiter eines Kunden gehört habe, der da seinen fünfjährigen Sohn sehr mit eingebunden hatte und der dann plötzlich auch seine Spielsachen wiedergefunden hat und dann an der Stelle auch ganz happy war.

Frau Ordnung: Ja und da gibt's also zum … ich weiß nicht, in welchem Lean-Prinzip das vorkommt, aber ich trainiere das immer bei den 5S-Kursen, wenn es dann heißt „Stelle hin.“, das ist hier oder in meinem Fall ist es immer das zweite S, wo es heißt „Stelle hin“, das ist die Grundregel und ich würde sagen, dass es auch so die Regel aller Regeln zum Ordnung halten im Haushalt ist. Jedes Ding hat seinen Platz. Und wenn ich einem Kind erkläre, jedes Ding hat seinen Platz, dann guckt mich das mit großen Augen an. Wenn ich aber im Kinderzimmer stehe und sage „Guck, ich habe hier ein Legomännchen, wo wohnt das denn? Ich habe hier Barbie Puppen, wo wohnen die denn? Wo wohnen denn die Stifte? Wo wohnen denn deine Schulsachen?“ Da muss man ein bisschen kreativ werden und genau das ist wirklich wieder dieses Thema 5S. Dann definiert man einen festen Platz und ich sage Ihnen eines, geben Sie mal einem zehnjährigen einen Labelprinter in die Hand, der beschriftet alles. So und da sind die auch beim Thema aussortieren, da sind eher die Eltern die, aus meiner Erfahrung, die hier die Begrenzung im Kopf haben und da ist mein Beispiel immer: Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben ihren Sohn zu Weihnachten für 200€ ein Playmobilschiff geschenkt. So ein super teures Teil. Und dann sagt der Sohnemann im Februar „Also weißt du was Papa, damit spiele ich eh nicht. Das ist vom Weihnachtsmann, das kann weg. Das hast ja zum Glück nicht du mir geschenkt, weil für dich wäre es ja teuer gewesen, aber das ist ja vom Weihnachtsmann oder vom Christkind, ich spiele damit eh nicht, das kann weg.“ Also wer hat da das Problem mit dem Aussortieren?

Götz Müller: Da muss man tapfer sein.

Frau Ordnung: Ja. Das ist es. Eben. Und das versuche ich einfach ein bisschen da zu vermitteln. Und deshalb auch bei dem Aussortierprozess in der 5S-Aktion sich von diesen Emotionen lösen, dass es mal teuer war oder geerbt oder sonst was.

Götz Müller: Ja.

Frau Ordnung: Da kommt dann dieses halb-esoterische „Macht mich dieses Teil glücklich?“ Das hat jetzt wiederum nichts mit Lean zu tun, kommt zwar auch aus Japan, aber …

Götz Müller: Ja. Mir fallen da jetzt durchaus Aspekte ein, die man jetzt in einem klassischen Produktionsumfeld natürlich als allererstes auch hat, wenn es halt um Werkzeug geht und so weiter, speziell wenn es vielleicht eher so ein bisschen Richtung Werkstattcharakter hat, wo man sich dann vielleicht das ein oder andere Werkzeug für eine bestimmte Sache selber so sprichwörtlich zurecht geschnitzt hat und wenn dann jemand kommt wie wir und sagte „Warum sind hier fünf Schraubenschlüssel?“ und halt vielleicht im Extremfall nicht sieht, dass der eine an der einen Stelle vielleicht irgendwo ein bisschen dünner ist oder sonst was Besonderes hat und man damit ein bisschen besser arbeitet und den dann deshalb nicht wegschmeißen kann. Begegnen Ihnen vergleichbare Dinge jetzt auch im Haushalt?

Frau Ordnung: Ja, klar. Also natürlich bei den Herren sind es auch die Werkzeuge, da kann ich mich jetzt schlecht hinstellen und sagen „Macht Sie dieser Schraubenzieher glücklich?“, aber wenn dann halt der Herr antwortet „Ha, wisset Sie, bei dem das bäbbt schon der Griff so hinten, der war aber teuer.“, dann sage ich, das tut mir leid, also wenn da der Griff hinten klebt, dann macht der Schraubenzieher diesen Herrn ja nicht glücklich und ein richtig, richtig tolles Tool, auch im Sinne des Lean, das wissen Sie jetzt noch besser als ich sind natürlich Schattenbretter und so Sachen. Also in einer Werkstatt, und das gibt, ich weiß nicht, ob Sie das wissen, natürlich auch zum Beispiel bis ins kleinste Detail ausgedacht für die Küchenzeile. Da gibt's doch in den Werkstätten und in den Produktionsbetrieben, da gibt es diese Schaumstoff- wie nennt man das -, da wo man halt die Werkzeuge so reinpresst, das gibt's auch für Pfannenwender. Also man kann sich das auch in die Küche einbauen. Das finde ich jetzt wiederum ein bisschen sehr extrem, aber kann man machen.

Götz Müller: Ja. Mir kommt dann da als Hinderungsgrund, und ich ertappe mich da selber auch immer wieder, wenn ich da so an den Tupperschrank denke, kleine Schleichwerbung an der Stelle, der Deckel, wo vielleicht die Schlüssel schon lange kaputt ist und den Deckel könnte man ja vielleicht noch mal für irgendwas anderes brauchen, oder man hat halt zwei Schüsseln und zwei Deckel,, wobei man die Hälfte davon nie braucht und trotzdem halt hier dieser Widerstand dann das wegzuwerfen. Ich glaube, das ist aber so die große Gemeinsamkeit, dieses, ja, Wegwerfen, nicht wegwerfen können.

Frau Ordnung: Ja, das ist halt das ist halt natürlich eben ein riesen Punkt, aber da sage ich mal so, man muss allein sich auch bewusst machen, es ist ja nicht alles Müll, es muss ja nicht alles weggeworfen werden, Sie können ja unheimlich viel verschenken, tauschen, verkaufen, was auch immer, aber da sind wir jetzt wieder bei dem Thema die 7 Arten der Verschwendung, unnötige Bestände. Und da versuche ich einfach bei meinen Beratungen auch immer darauf aufmerksam zu machen, weil wenn sie in einen Haushalt reinkommen, dann haben sie auch unheimlich oft, wenn sie schauen, bei Bekannten oder bei sich selber vielleicht, ja, da hat man dann halt so sechs Kisten Mineralwasser rumstehen, weil Punkt und dann können die Leute noch nicht mal sagen weil und es gibt dann … Dann gibt’s, ich hole mal so weit aus, dass ich sogar sage, Sie überlegen sich, ein neues Auto kaufen, jetzt haben Sie eine Familie und zwei Kinder und dann heißt es „Na ja, wir brauchen einen Van, weil den brauchen wir im Sommerurlaub, wenn wir in den Sommerurlaub fahren, dann brauchen wir so ein riesen Kofferraum.“ und dann komme ich mit der Fragetechnik, dass ich sage „Na ja, aber wie oft fahren Sie denn oder warum brauchen sie denn diesen Kofferraum?“. „Ja, weil wir in den Urlaub fahren.“ Wie oft fahren sie denn in den Urlaub mit diesem Platzbedarf?“ Und dann kommt irgendwann raus, dass die Leute einen Van kaufen, um drei Wochen im Jahr damit in Urlaub fahren und weil der natürlich so groß ist der Kofferraum passen da wiederum sechs Kisten Wasserflaschen rein. Und das ist immer so ein bisschen, und da kommt man dann auch in dieses Thema hier, Effizienz und Effektivität. Das spielt ja auch immer eine Rolle. Und wenn ich jetzt sage „Ja, ich brauche einen Liter Milch.“, dann ist es natürlich effektiv, wenn ich da mit meinem Van hinfahre, aber effizient wäre es, wenn ich einen kleinen Roller nehmen würde oder die Vespa oder was weiß ich. So.

Götz Müller: Jetzt haben Sie vorhin einen Punkt gesagt: Männer und Frauen. Das möchte ich noch ein bisschen vertiefen.

Frau Ordnung: Ja.

Götz Müller: Gibt's da Unterschiede, was das Thema Ordnung angeht oder sind es eher andere, nennen wir es mal psychologische Aspekte, die da eine viel größere Rolle spielen, wie das Geschlecht der Personen?

Frau Ordnung: Also ich würde tatsächlich keinen Unterschied feststellen oder deklarieren, sage ich mal. Es hängt nämlich immer von den Räumen ab. Also ist man kann so sagen, Männer kommen natürlich gerne in eine Küche oder in ein Wohnzimmer und sagen „Mensch, hier sieht es ja aus.“ Wenn die Frau dafür dann in die Garage kommt oder in den Keller, dann sagt die Frau „Also, mich trifft ja der Schlag, wie kannst du da was finden?“ und der Mann sagt „Also ich finde hier alles.“ und die Frau sagt in der Küche „Also ich finde hier alles.“. Das ist auch wieder wie Kinder und Eltern, das ist ja genau dasselbe Spiel. Kinder lieben ihre Kinderzimmer. Also kein Kind sitzt dann da und sagt, da ist seit drei Monaten meine Legostadt, ich finde es total unordentlich, nur die Eltern halt und deshalb ist das eher tatsächlich eine extrem persönliche Sache. Also ich kann da jetzt nicht so einen riesen Unterschied denken, aber natürlich denken die Männer, ich weiß nicht, ob sie analytisch schon denken, könnte man jetzt vielleicht meinen, ich wollte gerade sagen, sie können besser wegschmeißen, das stimmt wieder nicht, da sage ich nur Werkzeug. Es ist immer so, Sie merken das daran, Sie können immer die Dinge von anderen Leuten tausendmal besser aussortieren als Ihre eigenen.

Götz Müller: Und da kommt mir jetzt, um ein weiteres Klischee aus der Schubladen zu ziehen, da kommt mir natürlich halt der klassische Kleiderschrank in den Sinn, wo der größere Teil der Bevölkerung davor steht und sagt, ich habe nichts anzuziehen, während ich im Grunde, ich habe meine Frau an der Stelle noch nicht soweit, aber im Grunde wäre es mir viel lieber, wenn ich sieben gleiche T-Shirt hätte und dann schon gar nicht drüber nachdenken muss, welche ich anziehe.

Frau Ordnung: Ja, das wäre ja auch schlank in dem Sinne.

Götz Müller: Ja.

Frau Ordnung: Ja und das ist, also wir hatten es vorhin von dem Thema kontinuierlicher Verbesserungsprozess, das ist zum Beispiel jetzt auch so ein Fall, jetzt haben Sie, da geht’s im Haushalt um das Thema Wäsche waschen, nehme ich mal. Also Sie waschen Wäsche, und das hatte ich neulich in einer Präsentation so erklärt, Sie haben ein Hemd an und Sie wollen, dass das sauber wieder im Schrank hängt. Also ich habe ja meinen Prozess, meinen Wertstrom. Das Hemd ist schmutzig und wann ist es sauber? Dann ist das Endziel, dass es wieder sauber im Schrank hängt. Bei den meisten liegt es dann erstmal fünf Tage vor dem Bett auf dem Stuhl. Dann entscheiden sie sich, ich möchte es jetzt mal im Badezimmer in den Schmutzwäschekorb legen, da liegt es dann noch mal sechs Tage. Dann kommt es irgendwann in die Waschmaschine, wird dann da vielleicht vier Stunden lang gewaschen, dann liegt das noch mal einen halben Tag, bis man von der Arbeit nach Hause kommt, in der Waschmaschine und wartet darauf, aufgehängt zu werden, dann hat man eine Wäscheleine, da trocknet das Ding zwei Tage und zum Schluss haben sie einen Prozess bis das Hemd im Schrank hängt, von durchschnittlich, wir hatten das mal ausgerechnet, neunzehneinhalb Tagen. Das heißt, zu Ihrer Kernaussage, Sie brauchen halt mindestens zwanzig Hemden, wenn Sie jeden Tag ein neues anziehen wollen. Wenn ich den Prozess jetzt schlank gestalte, dann schaffe ich als erstes den Stuhl vorm Bett ab und sage, du liebes Hemd, du kommst gleich ins Badezimmer in den Schmutzwäschekorb. Dann schaue ich, an meiner Waschmaschine habe ich höchstwahrscheinlich ein 1,5 bis 3 kg Schnellmix-Sparprogramm, da darf ich nicht mal so viel Wäsche rein. Da passen also nach vier Tagen drei Hemden und ein helles T-Shirt und vielleicht noch eine helle Hose oder sowas rein, das reicht schon. Das Programm ist auch nach einer Stunde fertig. Und wenn das dann noch bügelleicht ist und Sie das in den Trockner tun, statt es auf eine Leine zu hängen, dann haben sie den Prozess und von neunzehneinhalb Tagen auf vier Tage gekürzt und dann reichen Ihnen auch wieder nur sieben Hemden.

Götz Müller: Was im Grunde ja so das Standardziel ist, wenn einem sonst nichts anderes einfällt, die Durchlaufzeit zu verkürzen.

Frau Ordnung: Und das ist eben … deshalb meine ich, das Thema Lean kann man im Haushalt auf so wahnsinnig vielfältige Weise anwenden. Nur die Frage ist natürlich, ob man das dann auch so benennen muss. Also ich gehe nicht hin und mache mir jetzt erstmal eine Wertstromanalyse.

Götz Müller: Das wäre jetzt meine nächste Frage, wie Sie dann die Themen da einführen. Also bei mir würden Sie natürlich offene Türen einrennen, weil natürlich dann sofort ein Bild vor meinem geistigen Auge habe. Nur wenn halt jetzt jemand mit Lean gar keine Vorerfahrung hat, manchmal dadurch aber vorteilhafterweise auch keine negativen Vorerfahrung. Wie sieht dann für Sie der Einstieg aus? Weil jetzt mit zwei Zahlen, Buchstaben, 5S, mit der Tür werden Sie auch nicht ins Haus fallen.

Frau Ordnung: Nee. Und das ist aber super simple. Sie benutzen einfach die Wörter nicht. Also wenn ich jetzt sage, es steht eine 5S-Aktion an, dann sage ich halt nicht „Wir machen jetzt eine 5S-Aktion.“, sondern ich sag „So, dann wollen wir doch mal anfangen und ich würde vorschlagen, als erstes sortieren wir doch mal kräftig aus. Und dann, zufälligerweise, putzen wir danach auch die Sachen oder die Dame muss den Knopf von dem Mantel, der wurde nicht aussortiert, sondern der soll wieder in den Schrank zurück, da ist also ein Knopf abgefallen, also „säubere und“, Dingens, jetzt ist mir tatsächlich das Wort entfallen, dann wird der Knopf natürlich gleich angenäht, bevor ich ihn zurück in den Schrank hänge. Und dann werden die Standards geschaffen, zu sagen, ja, können wir hier vielleicht das ein oder andere beschriften oder nehmen wir hier eine Kiste oder schreiben wir drauf „Socken“ und da schreiben wir drauf „Unterwäsche“ oder was weiß denn ich und dann muss man an der Selbstdisziplin natürlich noch ein bisschen motivierend arbeiten. Und dann haben die eine 5S-Aktion gemacht, ohne dass das Wort je in den Mund genommen wurde oder benannt wurde.

Götz Müller: An der Stelle kommt mir jetzt gerade noch ein Gedanke, das ist ja im klassischen Lean-Kontext, so wie ich ihn jetzt in meinem geschäftlichen Umfeld lebe, bringt es ja gar nichts, wenn ich für die Menschen aufräume. Dann mag das zwar funktionieren, aber kaum dass ich weg bin, hilft es natürlich nicht. Ich könnte mir jetzt vorstellen, dass im Haushalt natürlich einerseits die gleiche Situation da ist, andererseits Sie aber natürlich keine Putzfrau sein wollen, sondern Sie wollen ein, ich nenne es jetzt Ordnungscoach sein. Das heißt, und umgekehrt glaube ich aber natürlich, jemand, der da einen gewissen Schmerz hat, sucht erstmal nach einer Hilfe, die diese Unterstützung leistet und jetzt dann aber jemand vor denen, vielleicht im Extremfall, vor den Kopf zu stoßen und sagen „Ja, aufräumen musst du aber selber.“ Was für eine Erfahrung machen sie damit?

Frau Ordnung: Ja, aber das ist so, also ich nenne das betreutes Haushalten, es ist tatsächlich so. Und Sie können das ganz, ganz schnell andersrum argumentieren. Ich stehe beim Kunden und jetzt habe ich da diese fünf Pfannenwender oder fünf Schraubenzieher in der Hand. Also zum einen, ich nehme die zwar mal kurz in die Hand, aber eigentlich lasse ich das, wenn es geht, immer den Kunden selbst machen und dann sag ich nämlich „Jetzt, passen sie mal auf, natürlich müssen Sie das selbst entscheiden, weil es sind ja nicht meine Sachen.“ Wenn ich jetzt sage, weil … und das ist auch ganz klar, ich sag denen, also ich sage meinem Kunden ganz klar. „Wissen Sie, wegen mir können wir jetzt einen Container bestellen und da kann alles rein, weil mir ist das egal. Sie entscheiden das.“ Und das ist auch das, was ich bei den Kursen und Vorträgen immer vermittle. Da sitzen dann 30 Zuhörer, die glauben, ich habe jetzt hier so den Supertrunk oder das Megarezept, wie aufräumen und Ordnung halten zu Hause total einfach und ganz schnell und „Wow, die Frau hat das gesagt und jetzt geht es total easy.“ und ich sage dann auch immer: aufräumen und ausmisten und entscheiden und dieses Machen, das müssen die Leute selbst und das kann ihnen keiner abnehmen. Und wenn dann jemand unglaublich guckt, dann sage ich immer „Ja gut, es kann Ihnen jemand abnehmen, ich kann Ihnen gerne einen Haushaltsentrümpler empfehlen, der kommt dann mit zwei Handwerkern und mit einem Container und dann ist hier in einem Tag, dann haben Sie es ordentlich.“ Das ist die Alternative.

Götz Müller: Und in einem halben Jahr sieht es wieder aus wie vorher.

Frau Ordnung: Ja, die meisten … das ist schon so, wenn Sie jetzt zum Beispiel ältere Herrschaften haben, es gibt wirklich achtzig, fünfundachtzigjährige, die sagen „Wissen Sie, ich habe so viele Hobbys in meinem Leben gehabt und ich kann mich nicht davon trennen und eigentlich finde ich das ja noch ganz toll, aber meine Tochter hat gesagt, ich soll mal Ihren Kurs anschauen.“ Da versuche ich dann schon auch ein bisschen sentimentaler in dem Sinne, dass man dann sagt „Na ja, wie lange haben Sie denn gebraucht, bis dieser Keller so voll war, wie er jetzt ist und dann sagen sie oft?“ und dann sagen sie oft „Fünfundzwanzig Jahre.“, „Dreißig Jahre“, „Fünfzehn Jahre.“, wo man dann sagt „Wissen Sie was, selbst wenn Sie jetzt ausmisten und so weiterleben wie bisher, ich wünsch’s Ihnen ja, aber Sie müssten 105 Jahre alt werden diesen Zustand wieder zu erleben.“ Also man kann das ein bisschen … das hängt wirklich vom Einzelfall ab.

Götz Müller: Was ich noch ein bisschen vertiefen will, ist dieses, die Ordnung, die dann erreicht wurde, aufrecht zu erhalten, weil das ja eben … Klassisch sind die meisten meiner Zuhörer jetzt halt in einen unternehmerisch- geschäftlich-betrieblichen Kontext unterwegs und dort haben sie nämlich genau die gleiche Herausforderung und deshalb finde ich es immer spannend, Sie haben ja den Weg gemacht, das Thema aus einem, nennen wir es mal Arbeitskontext raus in den Privathaushalt-Kontext zu übertragen und ich bin aber fest davon überzeugt, dass man auch Elemente, die man dort lernt, wieder zurück übertragen kann. Das heißt, wie schaffen Sie es, dass in dem Haushalt die geschaffte Ordnung aufrechterhalten wird, weil ja die Menschen vor Ort in den Haushalten, in den Familien, auch keine Lean-Fachleute sind?

Frau Ordnung: Nee. Ja, also das sind so ein paar mehrere Komponenten natürlich. Das eine ist das Thema: die Prozesse. Jetzt haben wir vorhin das Beispiel mit den Sprudelkisten gehabt. Der wird natürlich so angepasst, dass der Kunde, der Privatmensch mit diesem neuen, verbesserten Prozess auch so gut leben kann, dass er den natürlich umsetzt. Dann hängt für diese Umsetzung aber natürlich wirklich viel an dieser Selbstdisziplin, also das ist tatsächlich so ein Knackpunkt und das vermittle ich eigentlich am meisten den Menschen. Ich komme natürlich auch bei manchen Leuten alle paar Monate noch mal, aber das ist eher dann nur noch so ein Auffrischen und wenn man den Leuten wirklich, wirklich klar macht „Sie, es geht einfach nicht ohne diese bewusste Selbstdisziplin“, man kann die ja schöner formulieren. Man muss ja nicht immer mit diesen hart klingendem „Jetzt disziplinieren wir uns hier.“, aber es ist einfach bei Privatkunden sagen Sie ganz einfach „Wir haben hier jetzt Regeln. Wir haben jetzt Abläufe und an die versuchen wir uns jetzt alle mal zu halten.“ und was dann genauso wichtig ist, das haben Sie sicherlich, wenn Sie ein Projekt haben und dann gibt es diese tolle, feierliche Abschlusspräsentation, natürlich muss der Kunde seinen Erfolg feiern. Also wenn ich den Keller entrümpelt habe, dann gibt's eine Party oder wenn ich den Kleiderschrank ausgemistet habe, ich stand auch schon bei Damen, da hatte ich dann vorher gesagt „Stellen Sie mal eine Flasche Sekt kalt, weil ich weiß, sie mögen das.“ Wir haben die dann zwar meistens schon während dem Ausmisten geköpft, ja, aber das ist dann einfach hinterher dieses Gefühl, man feiert das und dann eben die Disziplin zu haben, jetzt habe ich ein Meter Kleiderschrank geleert, jetzt renne ich natürlich nicht zum nächsten Geschäft und kaufe mir wieder einen Meter Klamotten. Und das kann ich aber nicht, da bin ich nur bedingt fähig, da etwas dran zu ändern an dieser Eigendisziplin.

Götz Müller: Ja, da muss man wahrscheinlich dann wirklich selbst, Selbstdisziplin ist da auch das Stichwort.

Frau Ordnung: Ja. Ich gebe immer das Beispiel mit Ernährungsberater oder Personal Trainern im Sport. Also wenn ich drei Monate lang mit dem Personal Trainer trainiert habe und dann bin ich toll muskulös, bin sportlich, bin schlank und dann sag ich mir irgendwann so „Na ja, jetzt komm, heute lässt du es mal ausfallen, weil du kannst es dir ja leisten.“ und übermorgen lässt man es noch mal ausfallen und dann schleicht sich das wieder so ein und ein Jahr später macht man eigentlich wieder genauso wenig Sport wie vorher. Da kann der beste Personaltrainer ja nichts bewirken. Das muss wirklich aus einem kommen und genau, und so sehe ich das. In den Firmen, denke ich, ist der Klassiker, die Geschäftsführung als solches muss das halt vorleben und dahinterstehen. Also man kann nicht einfach sagen „Ich führe jetzt hier Lean ein, ihr macht dann.“

Götz Müller: Natürlich.

Frau Ordnung: Der Chef steht am Band.

Götz Müller: Ja, aber eben auch dieser Aspekt, dieser, ja, leichte Zwang, ohne dass es als Zwang rüberkommt, sich eben dafür zu interessieren, wenn ich das jetzt mal wieder auf die Kinder übertrage, halt nicht nur die Ansage machen, heute wird mal aufgeräumt, und sich nicht zu beteiligen und bei einem selber sieht es vielleicht aus wie bei Hempels und so weiter, sondern halt wie Sie es gesagt haben, vorzuleben, aber halt auch mit einer gewissen Konsequenz einzufordern.

Frau Ordnung: Ja, genau und das ist etwas, was in Familien, explizit mit Kindern, tatsächlich wirklich wunderbar funktioniert. Also wir haben auch, ich habe ja gesagt, ich habe zwei Kinder, die sind acht und elf und es ist auch witzig, der Elfjährige, der hat halt ein bisschen sein Chaos, also Chaos wär jetzt wirklich übertrieben, das ist für andere Kinder wahrscheinlich sogar total ordentlich, und die Tochter räumt alles sofort weg. Also die lebt das Thema jedes Ding hat seinen Platz. Und ich sage meinen Kunden auch immer, und das ist jetzt egal, ob Firma oder privat „Wenn Sie leben, jedes Ding hat seinen Platz und wenn Sie es benutzt haben, räumen Sie es dahin wieder zurück, dann müssen Sie, wenn Sie genau drüber nachdenken, nie wieder aufräumen.“ Das versuche ich den Menschen zu vermitteln, dass ich sage „Stellen Sie sich doch mal vor, Sie kommen nach Hause und dann wissen Sie, der Schlüssel kommt ans Schlüsselbrett, die Handtasche kommt an den Haken für die Handtasche, der Schulranzen kommt in die Ecke für den Schulranzen, die Schuhe kommen ins Schuhregal, die Jacke kommt an den Haken. Dann rennen Sie nie wieder Ihren Kindern hinterher: Kannst du bitte deine Jacke aufräumen, was steht denn hier der Schulranzen? Wo habe ich denn jetzt nur meinen Schlüssel hingelegt?“ Das hat sich ein für allemal erledigt, aber natürlich muss man diese Routinen, diesen Ablauf sich erstmal angewöhnen, sage ich mal, und deshalb Schritt-für-Schritt, ist ja auch wie in einer Firma, kleine steps, kleine Schritte, das nachhaltig, wie sagt man da, also erst das eine implementieren und wenn das dann rund läuft, dann kann man sich an die nächste Änderung wagen.

Götz Müller: Und auch nicht zu viel auf einmal wollen.

Frau Ordnung: Genau.

Götz Müller: Prima. Ich gucke mal Richtung Uhr, die halbe Stunde ist definitiv … ich glaube, wir könnten uns noch eine Weile weiter unterhalten. Da waren spannende Sachen dabei und eben auch, wie ich es gerade schon gesagt habe, dieser Transfer in beiden Richtungen. Das schönste, was ich mal erlebt habe,
ist, dass mir der Mitarbeiter von einem Kunden am Jahresanfang entgegenkam, ich erzähle die Geschichte immer mal wieder und statt so diesem normalen „Gutes neues Jahr“, warf er mir einen Fluch entgegen. „Herr Müller, ich verfluche sie.“ Da er dabei ein breites Grinsen im Gesicht hatte, war mir klar, es kann nicht ganz so schlimm sein, aber er hat eben das Thema auf sein privates Umfeld übertragen und ihm sind natürlich dann eben bei anderen plötzlich Sachen aufgefallen, die er vorher nicht gesehen hat und das natürlich auch die ein oder andere Herausforderung dann verursacht, aber ich habe mir dann gesagt „Ja, du hast irgendetwas richtig gemacht.“

Frau Ordnung: Ja. Und das ist vielleicht, das ist ein sehr schönes Beispiel, und was ich da abschließend sagen würde, ist auch, jetzt ist ja noch die große Frage noch mal, wann kann ich denn Lean im Haushalt anwenden, es ist ja schon so, das werde ich auch oft gefragt, und da ist es, wie auch in der Firma, das sage ich nur als letztes Beispiel, dieses Thema, wenn sie wiederkehrende Prozesse haben. Immer dann. Also bei einem einmaligen Prozess nicht und es gibt auch Leute, die fragen dann, ich nehme mal das Beispiel, jetzt erwarten Sie ein Kind.
Wenn das Ihr erstes und womöglich Ihr einziges Kind ist, dann sind Sie als Mutter … dann wäre das fatal, diesen Prozess schlank zu gestalten. Das ist ein einmaliger Prozess und wenn ich den lean gestalten würde, dann wäre das wahrscheinlich die geplante Kaiserschnittgeburt. So. Da ist Lean absolut fehl am Platz. Wenn sie aber die Hebamme sind, die jeden Tag zehn Kinder zur Welt bringt, dann kann ich über Lean Management reden. Und das muss einem im Haushalt halt auch bewusst sein. Es gibt so einmalige Prozesse, da gehe ich gar nicht ran. Wenn jetzt, was weiß ich, eben einer sagt „Meine Eltern sind gestorben, wie soll ich das Haus entrümpeln?“, da muss ich keine riesengroßen Lean-Prinzipien auffahren, da redet man einmal drüber. Aber wie ich mein eigenes Haus dauerhaft in Ordnung halte, das ist jetzt ja wieder ein dauerhafter Prozess.

Götz Müller: Ja und so, wie sie es anderen Menschen eben erklären, ist es dann auch immer wieder das Gleiche. Das heißt, das Entrümpeln bei der Familie Meier ist sehr ähnlich wie das Entrümpeln bei der Familie Schmidt.

Frau Ordnung: Immer wieder dasselbe. Genau. Ja und deshalb, das hatte ich Ihnen ja auch gesagt, das wollte ich noch eben gerne anmerken, ich habe das jetzt schriftlich verfasst, also für die Leute, die sich alles, was wir heute erzählt haben und noch viel mehr, also da geht's dann auch um dieses just-in-time, die 5Rs und so weiter und so fort, wie man wirklich reflektiert, wie man in Kanban-Brett baut, welche Prozesse ich verbessern kann und wo und so weiter und so fort. Das habe ich als Buch verfasst und deshalb, wer sich für Lean Management im Haushalt interessiert, kann sich das gerne nachlesen. Vielleicht ist das für den ein oder anderen …

Götz Müller: Da bin ich mir sicher, dass der ein oder andere sich das zulegen wird und das werde ich dann auch in den Notizen noch vermerken. Frau Ordnung, ich danke Ihnen für Ihre Zeit. Ich fand das wieder eine sehr spannende Unterhaltung, wie im Grunde bei jeder Episode und es immer wieder neue Aspekte dazu gibt.

Frau Ordnung: Ja, ich bedanke mich noch einmal für die Einladung. Vielen, vielen Dank. Und werde jetzt dann gleich auch mal Ihre nächste Folge hören. Ich habe gestern schon eine Meldung gekriegt: „Eine neue Folge ist online.“

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Frau Ordnung zum Thema Ordnungsprozesse im Haushalt. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 204.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei iTunes. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.