Kaizen 2 go 214 : Lean am Shopfloor


 

Inhalt der Episode:

  • Wie ist Ihnen Lean das erste Mal begegnet?
  • Was hat Sie bewogen, sich mit dem Thema Lean intensiver zu beschäftigen?
  • Was bedeuten Lean-Themen für Ihr Arbeitsumfeld und Ihre persönliche Arbeit?
  • Welche Resonanz ist Ihnen im direkten Arbeitsumfeld begegnet?
  • Wie ist es Ihnen gelungen, Kollegen für Lean zu gewinnen?
  • Welche Tipps können Sie Führungskräften geben, die auf Widerstände gegen Lean stoßen?
  • Welche Erfahrungen konnten Sie mit Lean über die Arbeit hinaus machen?
  • Welchen Tipp geben Sie Menschen, denen Lean im eigenen Arbeitsumfeld das erste Mal begegnet?

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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 214 : Lean am Shopfloor

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Markus Lutz bei mir im Podcast-Gespräch. Er ist Maschinenbediener und mittlerweile ausgebildeter Lean-Experte bei einem Werkzeughersteller. Hallo Herr Lutz.

Markus Lutz: Hallo Herr Müller, ich grüße Sie.

Götz Müller: Ich habe schon einen halben Satz zu Ihnen gesagt, aber stellen Sie sich gerne noch mal ein bisschen intensiver den Menschen vor.

Markus Lutz: Ja, sehr gerne. Also erstmal Grüße an alle, die uns zuhören. Also, ja, mein Name ist Markus Lutz. Ich bin Maschinenbediener bei einem Komplettanbieter für Präzisionswerkzeuge und arbeite da in der Abteilung Sonderwerkzeuge in einem neu geschlossenen Bereich der Einheitsmaschinen, so nennt sich das bei uns, das sind quasi vier baugleiche Maschinen. Ja, und nebenher bin ich noch Fußballtrainer einer aktiven Herrenmannschaft.

Götz Müller: Jetzt habe ich bei der Vorstellung gesagt, Sie sind ausgebildeter Lean-Experte. Das ist jetzt, glaube ich, nicht normal, in Anführungszeichen, das jemand, der einerseits ganz konkret an einer Maschine arbeitet, dann parallel dazu noch in dem Kontext Lean so intensiv unterwegs ist. Und da jetzt zum Einstieg die Frage: Wie ist lean, wie, wann Schrägstrich, ist Lean Ihnen das erste Mal begegnet?

Markus Lutz: Ja, also ich denke mal eigentlich schon früher im Elternhaus unbewusst eben, da ist man zum ersten Mal mit den Verschwendungsarten in Verbindung geraten, wenn die Eltern zum Beispiel beim Gang in den Keller oder nach außen, „Nicht leer laufen, nimm das mit, nimm bitte das mit“. Und sicherlich, ja in meinen jetzt knapp schon 20 Jahren Berufserfahrung, im Unternehmen mit Sicherheit schon des Öfteren mal, aber halt eben unbewusst und bewusst dann eben mit Start meiner Ausbildung so ca. ab März 2019 dann schon bewusster.

Götz Müller: Jetzt glaube ich ja ist das in der Regel nichts, und so war es bei mir selber auch, das ist nichts, wovon man nachts träumt und am nächsten Tag vielleicht zum Chef geht und sagt „Hey, Lean ist total wichtig und da will ich mich mit beschäftigen.“, was war bei Ihnen der Impuls, sich mit dem Thema dann intensiver zu beschäftigen?

Markus Lutz: Ja, der Impuls kam eigentlich eher von außen, also in meinem Fall dann von meinem Abteilungsleiter. Es gab quasi eine Initiative Lean und es wurde dann eine Gruppe gebildet aus 15 Personen bei uns im Unternehmen, aus verschiedenen Bereichen und Ebenen, und, ja, und da kam einfach mein Abteilungsleiter auf mich zu, ob ich Lust hätte auf etwas neues, und um quasi das Unternehmen, ein Stück weit nach vorne zu bringen. So war das bei mir.

Götz Müller: Und das war für Sie jetzt auch nicht ungewöhnlich so ganz anders, wie ja das klassische Tagesgeschäft, sich dann mit dem Thema zu beschäftigen?

Markus Lutz: Nein, gar nicht. Es hat eher Spaß gemacht, sage ich mal, mal etwas Neues zu lernen, über den Tellerrand hinauszuschauen, und im Endeffekt bringt es ja mir, also meiner normalen Tätigkeit, in Anführungszeichen, bringt es mich natürlich enorm weiter, und auch die Kollegen der Abteilung, in der ich arbeitete, da hat natürlich jeder dann seinen Nutzen davon.

Götz Müller: Das möchte ich jetzt noch ein bisschen vertiefen. Im Sinne von: Was bedeuten jetzt Lean-Themen, das ist ja auch der Titel unserer Episode „Lean und Shopfloor“, was bedeuten jetzt da bei Ihnen dann Lean-Themen ganz konkret im Arbeitsumfeld und für Ihre persönliche Arbeit?

Markus Lutz: Ja, ganz konkret, also da hole ich jetzt mal kurz ein Stück weit aus, bei uns wurde vor ca. zwei Jahren wurde quasi ein Shopfloor Management eingeführt, mit dem mit dem Ziel, Probleme und Ideen, die quasi täglich auftauchen, in verschiedenen Abteilungen und Bereichen quasi anzusprechen und zu verbessern. Das heißt, wir haben den klassischen PDCA-Zyklus, wir haben SFM-Karten, wir haben zum Beispiel einmal täglich ein Treffen mit unserem direkten Vorgesetzten, wo dann quasi gewisse Kennzahlen oder Abteilungsinfos, 5S-Themen, allgemeine Informationen und Beiträge dann einfach aufgeführt und bearbeitet werden, anhand eben … mit dem PDCA-Zyklus oder den SFM-Board.

Götz Müller: Das heißt, auch an der Stelle war Ihnen jetzt Lean vielleicht begrifflich nicht so bewusst, aber die Themen an sich hatten da schon übers Shopfloor Management eine gewisse Präsenz.

Markus Lutz: Genau, richtig. Ja, exakt richtig, eben über die gerade angesprochenen Karten war das ein Thema und, ja, es geht einfach darum, ein schnelles und wertschöpfendes Umsetzen zu gewährleisten und daraus resultieren dann, also bei mir zum Beispiel, am Arbeitsplatz aus den Karten quasi, gab's denn Rüst-Workshops, es gab Wertstrom-Aufnahmen, dann gab’s Poka Yoke bei uns teilweise am Arbeitsplatz, dann wurden Kanban-Systeme eingeführt und dann eben, ja, und natürlich auch 5S-Themen, hauptsächlich 5S-Themen, und ja. Persönlich für mich hat sich verändert, dass ich jetzt quasi nach Beendigung meiner Ausbildung bin ich jetzt auch zuständig für die Ausbildung. Das heißt, die Jungfacharbeiter, die dann bei uns beginnen, denen wir die Lean-Kultur dann von Anfang an gleich mitgegeben und dann quasi von uns dann über die drei Jahren der Ausbildung begleitet.

Götz Müller: Okay, also das heißt jetzt nicht, das war jetzt so mein erster Gedanke, also nicht nach der Ausbildung, sondern schon während Ausbildung.

Markus Lutz: Während der Ausbildung, genau. Also quasi mit einfachen Dingen, also jetzt keine Detailssachen, aber in Sachen 5S, Verschwendungsarten, was Wertschöpfung bedeutet und mit sowas, ja, werden die dann einfach, wie gesagt, begleitend zu ihrer normalen Ausbildung immer wieder in gewissen Abständen geschult.

Götz Müller: Was im Grunde ja das Beste ist. Das geht so ein bisschen auch in die nächste Frage rein: Ich glaube, wenn man ganz am Anfang seines Berufslebens steht, dann ist grundsätzlich alles neu, und fachlich-technisch sind Dinge neu, und auch das Arbeitsleben an sich ist neu … jetzt könnte ich mir vorstellen, wenn das nicht so ist, Sie haben es selber gesagt, Sie sind seit 20 Jahren im Unternehmen, Schrägstrich berufstätig, ich glaube trotzdem, dass sie noch einigermaßen zu den Jüngeren gehören oder zumindest zu jüngeren Hälfte, nennen wir es mal so, wenn man vielleicht mal klassisch von 40 Jahren Berufsleben ausgeht, darum mal die Frage: Was ist Ihnen sonst, jetzt mal außerhalb dieser Auszubildenden an Resonanz begegnet, im Kollegenkreis?

Markus Lutz: Ja, die war sehr unterschiedlich. Ja, ich sage mal so, die Erfahrungen, die Menschen natürlich auch machen, vielleicht auch im höheren Alter dann im Unternehmen, die sind natürlich nicht immer positiv und dem Ganzen bin ich dann eben auch begegnet. So die Herren „Das haben wir schon immer so gemacht“, die gibt's natürlich auch bei uns im Unternehmen. Also das wäre jetzt gelogen, wenn es bei uns nicht so wäre. Teilweise wurde das Ganze auch ein bisschen belächelt. Sie haben mal mit dem Schweizer Kollegen im Podcast haben Sie mal erwähnt oder haben Sie mal über verbrannte Erde gesprochen. Die gibt’s natürlich auch bei uns, dass es in der Vergangenheit schon Projekte oder Arbeitsgruppen gab, die dann sich halt im Sande verlaufen haben und dann besteht halt die Angst von Kollegen, dass sie quasi die Sorge haben, wenn wir zu viel verbessern oder immer, immer besser werden, dass sie natürlich Angst haben, dass Personal entzogen wird, dass die Produktion kleiner wird und man Personal einspart. Und man liest ja eigentlich immer in Fachlektüre, dass das eigentlich nicht der Gedanke von Lean ist und, ja, von dem her würde mich da schon auch mal Ihre Meinung zum Beispiel dazu interessieren, also ich tu mir da auch immer schwer mit Antworten, sagen wir es mal so.

Götz Müller: Also ich bin da der festen Überzeugung, man darf Menschen nichts vormachen und an der Stelle eben, man würde Ihnen etwas vormachen, wenn man nicht so ehrlich ist und sagt, in den späten 1980ern/1990ern war im Grunde in Deutschland, in westlichen Nationen war Lean eine große Arbeitsplatzabbaumaßnahme und Sie haben es auch schon angedeutet, es ist nicht das, was dahinter steckt. Und ich finde man ist einfach unehrlich und man schneidet sich ja ein Stück weit auch ins eigene Fleisch, wenn man versucht, den Menschen da etwas vorzumachen, dass das so gewesen ist, weil wenn ich jetzt auf jemanden stoße, der halt meinetwegen statt zwanzig schon dreißig Berufsjahre, auf dem Buckel sprichwörtlich hat, dann ist die Chance einfach sehr groß, dass er diesem Aspekt von Lean halt auch begegnet ist und wenn ich jetzt versuche, etwas vor zu machen oder das zu besänftigen, zu beschwichtigen, nicht bloß, dass es unehrlich ist, das merkt er ja auch, der hat es ja anders erlebt und das kann man auch nicht wegdiskutieren.

Markus Lutz: Ja, das stimmt. Ja, ich habe einfach die Kollegen versucht zu überzeugen, dass einfach Verbesserung von Prozessen und es einfach nötig ist, die Wertschöpfung zu steigern, ja, und man dadurch halt natürlich auch effektiver arbeitet und dann in gewisser Hinsicht, finde ich, dann schon auch Arbeitsplätze sichert, und ich denke auch durch das Thema Digitalisierung zum Beispiel wird wahrscheinlich eh in der nächsten Zeit wahrscheinlich ein sehr großer Umbruch stattfinden. Und trotzdem bin ich natürlich auf positive Resonanz gestoßen, das muss ich natürlich auch sagen, ich habe schon auch, vor allem halt im direkten Arbeitsumfeld, schon auch ja positives Feedback bekommen. Ich habe ja vorhin am Beginn davon gesprochen, dass ich in so einem Einheitsmaschinenbereich arbeite, wo wir dann quasi vier baugleiche Maschinen haben, und ich habe da schon die Kollegen schon definitiv damit angesteckt, weil sie dann einfach den Nutzen davon einfach gesehen haben.

Götz Müller: Ja, ich könnte mir vorstellen, dass es einfach in dem Kontext, wenn praktisch die Maschine, die Arbeitsausrüstung identisch ist, dass vielleicht dann auch der Impuls, das auf die Umgebung der Maschinen auszudehnen, wahrscheinlich noch ein bisschen stärker ist, wie wenn jeder so seinen völlig eigenen Arbeitsplatz hat, an dem man vielleicht auch immer nur selber unterwegs ist. Ich höre jetzt so ein bisschen raus, es sind vier Maschinen und es arbeiten mehrere Menschen dort und es arbeitet nicht jeder immer nur an der einen Maschine, oder?

Markus Lutz: Das ist exakt richtig, ja, und das war eigentlich auch die größte Herausforderung, dass, ja, dass quasi auch alles wieder an seinen Platz zurückfindet, natürlich sind da immer mal wieder Sachen gekreist, es waren Sachen ganz weg, und es war einfach für uns als Team die Herausforderung, das so zu organisieren, dass quasi alles wieder an seinen Platz zurückfindet und dass man quasi, egal an welcher Maschine man arbeitet, man arbeitet nicht immer an der gleichen Maschine, dass man quasi immer das gleiche Arbeitsumfeld vorfindet und das war anfangs natürlich, ja, unsere größte Herausforderung, aber mittlerweile versuchen wir schon dann über Tellerrand hinweg zu sehen und einfach auf den Gesamtprozess, was ich denke wichtig ist, dass auch die zuarbeitende Bereiche dann quasi auch optimiert werden und da sind wir gerade sehr stark dabei, weil man sagt ja immer, so vor allem im Schwäbischen, erstmal vor der eigenen Haustüre kehren, und das haben wir, da bin ich der Meinung, haben wir ganz gut hinbekommen, und jetzt, was ich wie gesagt sehr wichtig finde, weiten wir das Ganze einfach auf die zuarbeitenden Bereiche aus.

Götz Müller: Jetzt möchte ich das noch ein bisschen vertiefen, einerseits der Aspekt, wie sind Sie mit den Kollegen umgegangen, die eher, nennen wir es mal vorsichtig, eher Vorbehalte hatten, weil ich glaube, dass da eben die Zuhörer auch am meisten draußen lernen können, weil auch an der Stelle darf man sich nichts vor machen, es passiert einfach, dass nicht jeder „Chaka hurra!“ schreit und ich kann jetzt die Menschen nicht zurücklassen, ich habe sie trotzdem und ich muss trotzdem in irgendeiner Form mit ihnen umgehen und idealerweise halt, wie es Ihnen ja jetzt an anderer Stelle gelungen ist, sie dafür zu gewinnen.

Markus Lutz: Ja, das ist richtig. Ja, ich glaube, dass ich ein Mensch bin, und ich glaube mit 37 Jahren kann man sich so ein Stück weit schon dann doch selbst einschätzen, ich glaube, da hilft mir vielleicht auch mein Hobby, der Fußball einfach, ich meine, ich bin jemand mit empathischen Fähigkeiten, der motivieren kann, der Sachen aufzeigen kann und ich bin jetzt zum Beispiel auch nicht hergegangen und habe gesagt „So, wir machen jetzt heute Lean“, sondern wir haben Sachen eigentlich immer im Team besprochen und die Kollegen, die natürlich erst mal so ein bisschen defensiver waren … ja, es ist ja nicht mehr alle negativ, das muss ich dazu sagen, ich konnte ja schon so einen Teil überzeugen, so doof sich das jetzt anhört, aber ich habe einfach, indem ich gewisse Dinge einfach aufgezeigt habe oder Verbesserungen, ja, auch mit Hilfe von den Karten, die ich vorher angesprochen hab PDCA oder SFM hat dann schon der eine oder andere dann auch gemerkt, ok, so verkehrt ist das gar nicht, was da momentan im Unternehmen zugange ist.

Götz Müller: Ja, ich höre also ein bisschen raus, die Menschen haben letzten Endes die Vorteile schlichtweg für sich selber auch erlebt, dass halt, ja, auf schwäbisch das Geschäft einfach leichter ist.

Markus Lutz: Perfekt ausdrückt, Herr Müller. Genau so ist es. Ja, als ich quasi begonnen habe, Dinge anzusprechen und das Gelernte von mir umzusetzen und zu verändern, natürlich, das ist für mich das Wichtigste, immer im Team Sachen, Gedanken eingebracht habe, Fehler, ja, wie soll ich sagen, in Arbeitsabläufen zu gehen, sowie im Aufbau und der Anordnung, wie gesagt, der Arbeitsplätze angesprochen habe, dann hat man dann schon den ein oder anderen einfach überzeugt.

Götz Müller: Also im Sinne von Ihr Tipp wäre praktisch, aber vertiefen Sie es auch gerne noch, Ihr Tipp wäre praktisch, den Menschen anhand von Beispielen aufzuzeigen, was Sie davon haben.

Markus Lutz: Exakt. Genau. Weil dann jeder Einzelne ja auch sieht „Moment mal, mein Arbeitsablauf wird einfacher, wird besser.“ und dadurch gewinnt man die Leute auf jeden Fall.

Götz Müller: Ja, ich könnte mir auch vorstellen, oder anders ausgedrückt, es kommt ja keiner in die Firma sagt „Heute verbocke ich mal irgendwas.“, sondern in der Regel, von ganz, ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ich kann mich an keinen, der das jetzt wirklich mutwillig gemacht, entsinnen, vielleicht eher so ein bisschen auf der Ebene, manchen ist es egal, aber Menschen wollen ja im Grunde, das ist so mein persönliches Bild, wollen ja eine Leistung bringen und jetzt kann man ihnen ja helfen, dass das Leistung bringen einfacher wird.

Markus Lutz: Exakt. Genau, ja. Und es müssen ja nicht immer große Veränderungen sein, ja, man muss da jetzt keine, ich nenne ein Beispiel, keine Tausenden von Euro ausgeben und es sind manchmal die kleinen Dinge, die einfach die Leute glücklicher machen und den Arbeitsablauf, Arbeitsalltag einfacher machen. Es sind manchmal kleine, simple Veränderungen am Arbeitsplatz, die schon völlig ausreichend sind.

Götz Müller: Haben Sie da konkret ein oder zwei Beispiele im Kopf?

Markus Lutz: Ja, habe ich. Wir haben zum Beispiel speziell an der Maschine zum Beispiel eine Aufnahme mit einer gewisse Größe eines Inbusschlüssels, den wir quasi den ganzen Tag benötigen, sobald wir, uns da wir in der Sonderfertigung arbeiten und eine Stückzahl maximal von zwei, drei Teilen haben, müssen wir quasi sehr oft rüsten, und der Schlüssel lag seither quasi in der Schublade drin oder war am Arbeitsplatz befestigt, aber wir haben den jetzt quasi, ich schätze jetzt mal, knapp eineinhalb Meter neben das Futter außerhalb der Maschine befestigt. Und das sind so Kleinigkeiten, die aber die Leute einfach glücklich machen. Das sind einfach so Sachen, wo sie sagen: „Ja, gute Idee. Simpel, total stupide, aber bringen dich einfach weiter.“

Götz Müller: Ja. Wie Sie es angedeutet haben, ich könnte mir jetzt bei ein, zwei Stücken, ich habe jetzt keine konkrete Idee, wie lange dann die Arbeit an diesen zwei, drei Stücken ist, aber ich gehe mal davon aus, dass sie mit dem Inbusschlüssel nicht bloß ein- bis zweimal am Tag unterwegs sind.

Markus Lutz: Nein, eben nicht. Wir benötigen den öfters, und dann daher, wen man das natürlich auf vier Maschinen und dann natürlich irgendwann mal spaßeshalber hochrechnen würde …

Götz Müller: Ja, auf Schwäbisch, da läppert sich was zusammen.

Markus Lutz: Exakt.

Götz Müller: Gut. Jetzt vielleicht, ich spanne immer gern den Bogen auch so ein bisschen über die klassische Arbeit hinaus, und Sie haben eingangs bei Ihren Impulsen als Kind, da hieß es für Sie noch nicht Lean, hatten Sie es ja auch geschildert, was haben Sie jetzt für Erfahrungen – ich kann da auch so ein bisschen von meinem Erleben sprechen, man nimmt ja Dinge plötzlich anders wahr – wie ging es Ihnen damit?

Markus Lutz: Es ist definitiv nicht nur Segen. Es ist definitiv auch Fluch und ich laufe seither mit anderen Augen durchs Leben. Das beginnt daheim bei der Anordnung der Küche von Pfannen, was mich, wo ich mich dann irgendwann gefragt habe, warum mache ich das so. Warum hole ich jeden Tag meine Pfanne aus dem letzten Eck raus und muss noch drei andere Töpfe darüber erst mal rausnehmen, bevor ich an die eine Pfanne kommen und so, das ist jetzt ein kleines Beispiel oder, wenn ich zum Beispiel im Hotel oder bei einer Feier am Buffet stehe, dann denke ich halt auch, das kann man doch eigentlich mit Sicherheit simpler darstellen oder anordnen. Oder wenn ich beim Einkaufen dann sehe, dass beim Bäcker da drei Damen dahinterstehen, die hätten eigentlich drei Kassen zur Verfügung, aber es ist nur eine an und die Schlange wird immer länger. Dann sind das einfach so Dinge, wo ich mir davor niemals Gedanken darüber gemacht habe. Und was ich, ja, also ganz … das ist jetzt ein kleines witziges Beispiel, Sie sagen ja am Ende des Podcasts immer, das Leben wäre zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen und darüber habe ich mir wirklich Gedanken gemacht. Und ich habe einen Single-Haushalt und dachte immer, das tägliche Saugen, am nächsten Tag hast du bei irgendeiner Sonneneinstrahlung den Staub schon wieder gesehen, dann habe ich gedacht: „Nein, ich möchte das jetzt nicht mehr.“ und seither habe ich mir so ein kleines Roboterchen gekauft, der dazu auch noch wischen kann und benutze dann den Staubsauger quasi nur in Ecken, wo dann der kleine Mann dann vielleicht nicht hinkommt.

Götz Müller: Ja, das kann auch eine Lösung sein. Vielleicht das noch kurz vertieft im Sinne von da bin ich mir ja manchmal auch anderen Menschen und, Sie haben zwar gesagt, Sie sind in einem Singlehaushalt unterwegs, aber manchmal begegnet man trotzdem andere Menschen, ich habe da persönlich auch schon die ein oder andere Erfahrung gemacht, nicht immer will jemand die Verbesserungsvorschläge hören. Wie ging es Ihnen damit?

Markus Lutz: Also damit habe ich bis jetzt noch keine Erfahrungen gesammelt. Also ich werde zu schon ein Stück weit auch ein bisschen, also von Freunden, die dann sagen „Oh, der Mr. Lean kommt jetzt hier und hat wieder eine Idee.“, aber ansonsten ist die Resonanz dann eher schon positiv. Bin jetzt also bisher noch nicht auf solche Menschen gestoßen.

Götz Müller: Ja. Ich sage immer so, man muss sich manchmal auch ein bisschen zurückhalten, man macht sich nicht nur Freunde damit, gerade auch im Nicht-Arbeitskontext.

Markus Lutz: Ja, das glaube ich. Wenn man vielleicht zu Hause die Küche umräumt und die Frau davon nichts weiß, kann ich mir schon vorstellen, dass man da nicht immer nur auf positive Aspekte trifft.

Götz Müller: Ich habe dann immer manchmal diesen Loriot-Film vor meinem geistigen Auge, „Papa ante portas“ oder so irgendwas, wo er dann im Ruhestand, und da habe ich zum Glück noch ein paar Jahre, wo er dann angefangen hat, den Haushalt seiner Frau zu optimieren, so in der Richtung. Das hat, glaube ich, auch nicht unbedingt immer so Begeisterung hervorgerufen.

Markus Lutz: Ja, oder Sie erwähnten ja mal das Beispiel im Podcast, ich weiß nicht mehr in welchem, wo, ich glaube ein Chef war’s, der einfach seine Werkstatt umgerümpelt hat, ohne dass er seinen Mitarbeitern davon, ja, Bescheid gegeben hat oder deren Erfahrung mit genutzt hat. Dass das natürlich auf Gegenstimmen trifft, kann ich mir schon ganz gut vorstellen.

Götz Müller: Also dieser Schuss ging definitiv nach hinten los, aber unter mehreren Aspekten. Gut, vielleicht zum Abschluss noch mal, um das Thema noch ein bisschen abzurunden, was für einen Tipp geben Sie Menschen, denen einerseits das Thema Lean im eigenen Arbeitsumfeld das erste Mal begegnet und andererseits, die aber vielleicht in einer ähnlichen Rolle sind noch mal, wie sie es sind, die also als eine Art von Multiplikator arbeiten und vielleicht eben an der Stelle nicht nur auf Begeisterung stoßen? Im Grunde sind es zwei Tipps.

Markus Lutz: Ja, ich denke, ich würde erstmal ihnen die Angst nehmen vor Veränderung und, ja, vor allem wenn ich jetzt zum Beispiel eine Führungskraft wäre, was wir gerade eben angeschnitten hatten, ich würde einfach das Wissen der Mitarbeiter und die Berufserfahrung der Mitarbeiter einfach mit einbeziehen und nichts, wie sagt man so schön, überstülpen oder aufdiktieren und ich würde es einfach immer im Team lösen und, ja. Das wären so meine Tipps. Ich denke, das ist einfach eine gute Basis, wenn man es gemeinsam macht.

Götz Müller: Ja. Absolut. Ich meine, im Grunde, mir fiel da jetzt sofort wieder dieser viel bemühte Begriff des gesunden Menschenverstandes ein.

Markus Lutz: Ja.

Götz Müller: Den man an der Stelle durchaus, auch wenn ich ihn persönlich jetzt nicht so oft und gerne nutze, an der Stelle kann man ihn schon mal wieder nutzen.

Markus Lutz: Das stimmt, ja. Das Zwischenmenschliche sollte schon passen, ja. Das stimmt. Also man sollte schon mit Menschen umgehen können.

Götz Müller: Was man aber durchaus auch lernen kann, wenn man sich dessen bewusst ist, dass es ein Thema ist.

Markus Lutz: Absolut.

Götz Müller: Prima, Herr Lutz. Ich danke Ihnen für Ihre Zeit für die, ja, ich würde sagen mal ganz anderen Einsichten, aber definitiv wertvollen Einsichten.

Markus Lutz: Ja, vielen Dank. Gerne. Gern geschehen. Ich danke eher Ihnen.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Markus Lutz zum Thema Lean am Shopfloor. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 213.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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