KVP – die Frage des Perfektionismus

Perfektionismus

Zum Einstieg ins Jahr 2019 will ich mal mit einem Geständnis starten. Das Thema Perfektionismus treibt mich persönlich schon lange Zeit um. Ich halte mich unter den meisten Aspekten des Lebens schon für einen Perfektionisten (die Geständnisse gehen jetzt aber doch nicht so weit, dass ich alle Aspekte offenlege ;-) Und manchmal ist der sinnvolle Umgang damit nicht so einfach.

Trotzdem bin ich mittlerweile sehr bewusst in meiner Ansicht, dass es für Perfektion keinen Ersatz gibt.

Der Anlass für diesen kleinen Ausbruch ist entstehen, als ich in einem Newsletter gelesen haben „Verabschieden Sie sich vom Perfektionismus.“ Ich halte dem Autor zu gute, dass er wahrscheinlich schon eine differenzierte Meinung dazu hat, weil er sich ein paar Sätze weiter vorne gleichzeitig für lebenslange Lernen ausspricht. Für mich ist das auch ein Element des Perfektionismus.

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass ich oben nicht nur den Begriff Perfektionismus verwendet habe, sondern auch einmal den Begriff Perfektion. Da lohnt es sich in meinen Augen mal kurz über die unterschiedliche Bedeutung nachzudenken.

Perfektion ist für mich ein Zustand. Perfektionismus ist dagegen der Prozess, wie die Perfektion erreicht wird (das habe ich oben auch bewusst weggelassen).

Bezogen auf den KVP und Lean Management im Allgemeinen halte ich das fünfte Lean-Prinzip „Streben nach Perfektion“ im Grunde sogar für das Zweitwichtigste, obwohl es erst an fünfter Stelle kommt. Danach kommt dann „nur“ noch Respekt für den Menschen, was für mich das Wichtigste.

Warum halte ich das Streben nach Perfektion für wichtiger als Kundenorientierung, Wertstrom, Pull- und Flussprinzip?

Das Streben nach Perfektion oder kurz Perfektionismus zieht seine Wichtigkeit aus der Meta-Ebene, auf der es wirkt. Die ersten vier Prinzipien bewegen sich eher auf der methodischen Ebene, sind also stärker handlungsleitend beschreibbar, wie es Conny Dethloff ausdrückt.

„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann wenn man nichts mehr weglassen kann.“

– Antoine de Saint-Exupéry

Der Perfektionismus richtet sein Augenmerk hauptsächlich auf den Umgang mit dem komplexen System der Produkte und Geschäftsprozesse und der Verbesserung der beiden.

Die Alternative dazu kann bestenfalls die Bewahrung des Status Quo sein (mit den in der Regel bekannten Folgen, wäre Thema für einen weiteren Artikel), in der Regel führt sie aber zur Schlampigkeit (sloppiness, wie es Paul Akers nennt).

Gleichzeitig will ich jetzt aber betonen, dass der Perfektionismus keine Ausrede sein darf, mit einen „Thema“ anzufangen, nur weil der Zustand der Perfektion noch nicht erreicht ist. Die Perfektion kann sich dabei auf Wissen, Leistung, Qualität usw. beziehen.

Die Gefahr besteht dabei in der Regel nicht darin, dass dieses Nicht-Anfangen bewusst gemacht wird, sondern dass es ein unbewusstes Verzögern ist, dass dann das Anfangen verhindert.

In vielen Fällen halte ich den „Feinden“ des Perfektionismus zu gute, dass sie sich vermutlich auf dieses Nicht-Anfangen mit seinen Folgen beziehen. Dieser Einwand ist dabei durchaus berechtig, nur die Schlussfolgerung, deshalb gar nicht nach Perfektion zu streben, halte ich für einfach verkehrt.

Direkt auf den KVP bezogen, würde das nämlich bedeuten, dass es mit der Kontinuierlichkeit der Verbesserungen ziemlich schnell vorbei sein würde.

Dass Perfektionismus, das heißt eben das kontinuierliche Streben nach Perfektion, nicht immer „witzig“ ist, steht gleichzeitig völlig außer Frage. Mit der gleichen Argumentation wäre dann auch lebenslanges Lernen verkehrt, weil auch das Lernen (neuer „Dinge“, sonst wäre es kein Lernen, sondern maximal die Übung von etwas Bekanntem) unbequem sein muss.

Wichtig am Perfektionismus, speziell wenn es um Verbesserungen geht, ist auch, dass es im Prozess der Veränderung zur Verbesserung Fehler geben darf, wenn nicht sogar geben muss. Nur durch Fehler ist eine Weiterentwicklung möglich, weil man sich sonst nur im bekannten Terrain bewegt.

Frage: Welche Rolle spielt Perfektion in Ihrem Unternehmen? Welche Rolle spielt Perfektion im KVP? Welche Folgen ergeben sich daraus?

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