KVP – eine Frage der Vielfalt

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    • Vielfalt

      Bevor ich auf die verschiedenen Aspekte der Vielfalt eingehe, will ich erstmal den Nutzen der Vielfalt an sich darstellen. Vielfalt ist in meinen Augen ein Ausdruck der verfügbaren Optionen. Aus diesen Optionen rührt dann auch die Flexibilität in der Reaktion auf eine gegebene Situation. Im NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) wird Flexibilität dem Ausmaß an Wahlmöglichkeiten gleichgesetzt. Darauf aufbauend bestimmt eine Person mit mehr Optionen eine Situation (besser).

      Damit sollte klar sein, welchen Nutzen die Vielfalt der Optionen mit sich bringt. Weiter geht's jetzt mit den verschiedenen Ausprägungen der Vielfalt (was selbst eine Form der Vielfalt ist).

      Vielfalt der Probleme

      Ein, wenn nicht sogar der Ausgangspunkt aller Aktivitäten im Kontinuierlichen Verbesserungsprozess ist ein Problem. Mit Problem bezeichne ich jetzt grundsätzlich alle Situationen, bei denen der aktuelle Ist-Zustand nicht dem gewünschten Soll- oder Ziel-Zustand entspricht und dadurch ein Kontrast entsteht. Dabei kann ein Teil des Problems durchaus sein, dass der aktuelle Zustand ebenso wie der gewünschte Zustand nicht wirklich klar sind. Um sich nicht zu verzetteln, ist es oft hilfreich, nicht an allen Problemen gleichzeitig zu arbeiten, sondern sich auf einige wenige, wenn nicht sogar auf ein einziges Problem zu fokussieren. In der Coaching-Kata als Teil der Toyota-Kata geht Mike Rother sogar so weit, dass immer nur an einem Hindernis auf dem Weg zum Ziel-Zustand gearbeitet werden soll.

      Vielfalt der Ursachen

      Hindernisse können – müssen aber nicht – Teile der Ursachen von Problemen sein. Hindernisse können sich auf dem Weg zum Ziel-Zustand befinden. Sie können aber auch Bestrebungen sein, die einen im aktuellen Zustand verhaften lassen oder vom (oberflächlich) gewünschten Zustand abhalten. Hier kann die (Un-)Zufriedenheit eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Ursachen können auch in einer Kette angeordnet sein, d.h. eine scheinbare Ursache hat noch eine weitere. Das Mittel der Wahl, um diesen Verkettungen auf die Spur zu kommen, ist die wiederholte Frage nach dem Warum (5 Why). Dabei sollte man aber nicht in die Falle treten, die Conny Detloff in seinem LinkedIn-Artikel beschrieben und auf den Punkt gebracht hat.

      Vielfalt der Lösungen

      Eng verknüpft mit den beiden vorangegangenen Vielfältigkeiten ist dann auch die Vielfalt der Lösungen. In der Regel ist es aber nicht hilfreich und zielführend, mehr als eine Lösung anzustreben und umzusetzen. Das heißt, man steht ziemlich schnell vor dem Dilemm, dass man sich für eine Lösung entscheiden muss. Aber auch hier kann die Vielfalt eine Chance bieten, indem die nützliche Elemente der verworfenen Lösungen in der gewählten Lösung kombiniert werden und diese noch weiter verbessern. Weiterführende Gedanken zu den zugehörigen Entscheidungsprozessen hatte ich mir schon vor einiger Zeit gemacht.

      „Vielfalt, die sich nicht zur Einheit ordnet, ist Verwirrung, Einheit, die sich nicht in Vielfalt gliedert, ist Tyrannei.“

      – Blaise Pascal

      Vielfalt der Beteiligten

      Mit einer vielfältigen Lösungsfindung ist auch eine idealerweise vielfältige Team-Zusammensetzung eng verknüpft. Letztlich spielt der Faktor Mensch in seiner Vielfalt auch dabei immer eine zentrale Rolle. Die Vielfalt der beteiligten Personen sollte sich in meinen Augen sowohl vertikal durch verschiedene Hierarchie- und Prozessebenen (Leistungsprozesse, Führungsprozesse, Unterstützungsprozesse) und die verbundene Nähe aber auch Distanz zur Problemstellung ausdrücken, als auch horizontal durch verschiedene Stationen und die Mitwirkung im Wertstrom bzw. der Wertschöpfungskette.

      Vielfalt der Methoden

      So vielfältig wie die Probleme und Ursachen sind, so vielfältig sollten auch die Methoden sein, um die Probleme zu lösen und Ursachen zu beheben oder verhindern. Im Unterschied zu den nachfolgenden Werkzeugen, haben Methoden dabei in meiner Definition immer eher Prozesscharakter, sind also längerfristiger in der Anwendung, während Werkzeuge in der Anwendung eher Projektcharakter haben, d.h. ein klares Ende. Auch wenn Methoden und Werkzeuge ein wichtiger Bestandteil im KVP sind, ist Lean & Co. doch weitaus mehr als deren bloße Anwendung. Der falsche, zu methodische Einsatz kann dabei sogar kontraproduktiv sein, wenn die zugrundeliegenden Aspekte übersehen oder ignoriert werden.

      Vielfalt der Werkzeuge

      Die notwendige Vielfalt und die entstehenden Optionen kommen in dem bekannten Sprichwort von der Hammer-Lösung und dem Nagel-Problem deutlich zum Ausdruck. In vielen Fällen ist die bloße Kenntnis vom Werkzeugeinsatz auch nicht ausreichend, um ein Problem zu lösen. Dabei will ich jetzt nicht so weit gehen, dass der Werkzeug- und Methodeneinsatz schon künstlerisch sein muss, spätestens aber bei der Auswahl des Werkzeugs kann es notwendig sein, im Rahmen der Lösungsfindung wieder die Problemstellung zu reflektieren und einen Entscheidungsprozess zugrundezulegen.

      Mit diesen Gedanken sollte klar geworden sein, dass die Vielfalt im KVP zwar ein anzustrebender Zustand ist, diese Vielfalt dann auch durchaus auch die Qual der Wahl mitsichbringt. Falsch wäre es allerdings auch, die Vielfalt zu früh zu reduzieren, wie ich im letzten Artikel ausgeführt hatte.

      Frage: Welche Vielfalt lässt im KVP Ihres Unternehmens erkennen? Welche Optionen ergeben sich daraus? Wie sehen Entscheidungsprozesse aus?

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