KVP – eine Frage des Kontrast

Kontrast

Der Impuls zu diesem Artikel ist aus dem Buch „Psychologie des Gelingens“ von Gabriele Oettingen entstanden. Sie beschreibt dort eine Erfolgs­strategie und die wissen­schaft­lichen Unter­suchungs­methoden, mit denen sie die Strategie vali­diert hat. Ich bin immer daran interes­siert, einerseits solche Erkennt­nisse auf den KVP zu über­tragen und anderer­seits Erkennt­nisse aus dem KVP auf neue, bzw. mir bisher unbe­kannte Ideen anzu­wenden, um einer­seits diese Ideen zu vali­dieren und gleich­zeitig den KVP bzw. mein Wissen darüber noch zu verbes­sern bzw. zu steigern.

In ihrem Buch stellt Oettingen einen Prozess in vier Schritten vor, der sich im engli­schen Original an dem Akronym WOOP orientiert (Wish/Wunsch – Outcome/Ergebnis – Obstacle/Hindernis – Plan/Plan). Ich denke bei jedem Lean-Fan bzw. Freak wird bei der Zahl 4 sofort der PDCA-Zyklus im Geist auftauchen und bzgl. neuerer Erkennt­nisse auch die vier Schritte der Verbesse­rungs-Kata.

WOOP gleicht jedoch jetzt nicht dem PDCA-Zyklus als Ganzem, sondern schlüsselt nur den ersten Schritt „Plan“ etwas weiter auf. Dass das grund­sätz­lich ange­bracht ist, wird schon durch verschie­dene Aspekte deutlich. Bspw. in der Tatsache, dass in einem A3-Report zur Problem­lösung 50 % des Blattes für die Plan-Phase belegt ist. Ein weiteres Indiz ist auch der anteilig höhere Zeit­bedarf der im gesamten PDCA-Zyklus für die Plan-Phase aufge­wendet wird.

Wenn zwei Konzepte miteinander verglichen werden sollen, ist der erste einfache Schritt die Gegen­über­stellung der einzelnen Bestand­teile.

Wish/Wunsch

In der erste Phase stecken Bestandteile, die so auch ziemlich 1-zu-1 auf die Vision der Verbes­serungs-Kata abgebildet werden können. Letztlich ist der Wunsch ähnlich wie die Vision noch relativ unspezi­fisch bzw. unter Umständen auch uner­reich­bar. In beiden Modellen ist dann entschei­dend, dass es nicht bei ideali­sierten Vorstellung bleibt, die im Fall der Toyota-Kata einer­seits zur Entmu­tigung führen könnte oder im Fall der Wunsch­phantasien die Ziel­erreichung vorweg­nehmen würde und dadurch die Energie und Moti­vation eben­falls schwächen. Im Detail sind es also unterschiedliche Wirk­mechan­ismen, die aber zum gleichen, uner­wünschten Ergebnis führen.

Outcome/Ergebnis

Die zweite Phase im WOOP-Prozess beinhaltet dann Elemente aus dem dritten Schritt Ziel-Zustand der Verbesserungs-Kata. Beide Konzepte beschreiben in dieser Phase sehr konkrete Ergeb­nisse, die ange­strebt werden und sich jeweils aus der ersten, noch vagen Phase ableiten. Im WOOP-Prozess wird dabei betont, dass die Methode auch dafür sorgt, dass völlig unrealis­tische Ergeb­nisse angestrebt werden und statt­dessen automa­tisch, tw. unbewusst auf realis­tische – im Sinne von grund­sätz­lich mach­baren Alter­nativen umgeschwenkt wird. Bei der Verbes­serungs-Kata wird dagegen die Wich­tigkeit des unbe­kannten Wegs unter­strichen.

„Der Schmerz macht, dass wir Freude fühlen, so wie das Böse macht, dass wir das Gute erkennen.“

– Heinrich von Kleist

Obstacle/Hindernis

Die dritte Phase des WOOP-Prozesses ist auch das zentrale Element der Coaching-Kata. In beiden Fällen geht es darum, sich die Hürden und Hinder­nisse auf dem Weg zum Ergebnis bzw. Ziel-Zustand bewusst zu machen, um dann auch aktiv daran zu arbeiten. Durch die Bewusst­machung der Heraus­forderungen steigt die persön­liche Energie, diese Heraus­forde­rungen dann auch anzu­nehmen. In wie weit die Vorgehens­weise der Coaching-Kata, speziell im dritten Schritt, auf bewusst gemachten Erkennt­nissen beruht, ist derzeit noch unklar, weil die Coaching-Kata selbst nur Mike Rothers Modell der Realität bei Toyota ist und dort vermutlich so gar nicht im Bewusstsein ist und noch unwahr­schein­licher auf vergleichbaren Unter­suchungen basiert, wie Gabriele Oettingen sie in ihrem Buch sehr umfang­reich beschreibt.

Plan

Die letzte Phase im WOOP-Prozess ist gleich­zeitig der Einstieg in den vierten Schritt der Verbes­serungs-Kata, die PDCA-Zyklen auf dem Weg zur Erreichung des nächsten Ziel-Zustand.

Dabei ist die Bezeichnung Plan beim WOOP-Prozess etwas irre­führend, denn es nur um eine vordefi­nierte Routine, wie die Hinder­nisse überwunden werden können. Der Grundgedanke ist dabei, dass die Hinder­nisse in erster Linie mentaler Natur sind. Mit Plan wird dabei eine Routine definiert (vorgeplant), wie (automatische) Reaktionen der Form „Wenn-Dann“ ablaufen sollen, wenn ein Hindernis auftritt, das damit über­wunden oder vermieden vermieden werden kann. Diese vordefi­nierte Abfolge bzw. Routine nimmt quasi die Rolle der Führungs­kräfte ein, die mittels der Coaching-Kata ebenfalls eine Routine (die Verbes­serungs-Kata) installieren will.

Auch wenn sich keine 1-zu-1-Abbildung der jeweils vier Schritte/Phasen von WOOP-Prozess, Verbesserungs-Kata und PDCA-Zyklus ergibt, zeigt die hohe Ähnlichkeit der drei Konzepte die Vergleich­barkeit der drei Ansätze und die damit demons­trierte Wertig­keit der drei Ansätze und die Chancen zur gegenseitigen Befruchtung. Ein beiden Fällen spielt die Routine (Kata) eine große Rolle, auch wenn das beim WOOP-Prozess nicht so deutlich ausgedrückt wird, sondern eher zwischen den Zeilen heraus­gelesen werden kann. Eine weitere Gemein­samkeit ist die inhalts­freie Vorgehens­weise, das heißt, die Methoden können in völlig unter­schied­lichen Szenarien mit unterschiedlichen Ausprägungen der zu errei­chenden Ziel. Bei der Toyota-Kata betont Rother auch besonders, dass es sich um keine Problem­lösungs­methode handelt. Beim WOOP-Prozess ist letztlich das gleiche der Fall, auch wenn die Autorin das nicht so deutlich ausdrückt.

Wenn Sie sich die ganze Zeit gefragt haben, wie der Begriff „Kontrast“ in den Titel des Artikels gelangt ist, will ich dieses Rätsel jetzt auflösen.

Die Autorin spricht von Kontrast, wenn sie den Wunsch bzw. die Träume und das angestrebte Ergbnis den Hinder­nissen gegenüber­stellt und die Überwindung der Hindernisse als zentrales Element ihres WOOP-Prozesse heraushebt, wie dies auch in der Coaching-Kata zum Ausdruck kommt und gleichz­eitig auch den Kontrast zu bloßem positiven Denken „normaler“ Erfolgs­strategien darstellt. Die Kern­aussage in ihrem Buch benennt und belegt positive, aber realis­tische Erwar­tungen und bewussten Umgang mit Hinder­nissen als erfolg­verspre­chender als naiv-positive Zukunfts­phantasien. Gleich­zeitig dürfen wir aber nicht vergessen, dass die Unter­suchungen der Autorin nur auf statis­tischer Korre­lation beruht (sie sagt das auch in ihrem Buch) und keine kausalen Zusammen­hänge darstellen. Trotzdem machen die Erkennt­nisse und die beschrie­benen umfassenden, wissen­schaft­lichen Versuche der Autorin auf mich einen sehr glaubwürdigen Eindruck.

Frage: Wie gehen Sie mit dem Kontrast zwischen Wunsch bzw. Ergebnis und den Hindernissen um? Welche Strategien setzen Sie persönlich und im Unter­nehmen ein, um Hindernisse zu überwinden und Ziele zu erreichen?

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